Suchergebnisse für ‘PIN’

Deniz Yücel, Angst-Studie, Ludwig-Schwindel

1. “Der Fall Yücel sollte kein Politikum sein”
(welt.de, Daniel-Dylan Böhmer)
“Welt”-Korrespondent Deniz Yücel sitzt nun seit mehr als 250 Tagen im Gefängnis. Eine Anklageschrift gibt es noch immer nicht. Daniel-Dylan Böhmer hat mit Yücels Anwalt Veysel Ok gesprochen, der seinen Mandanten regelmäßig besucht und der durchaus Hoffnung hat, dass der Fall Yücel noch juristisch zu lösen ist. Am Ende des Interviews gibt es alle nötigen Informationen, wie man Deniz Yücel einen Brief zukommen lassen kann — auf Deutsch oder auf Türkisch.

2. Der Preis der Anna-Lena Schnabel
(3sat.de, Jan Bäumer, Video, 44:56 Minuten)
Anna-Lena Schnabel hat einen Preis bekommen, den “Echo Jazz”, weil sie hervorragend Saxophon spielt. Bei der Preisverleihung durfte sie allerdings keines ihrer eigenen Stücke ihres Albums “Books, Bottles & Bamboo” spielen, für das sie die Newcomer-Auszeichnung bekommen hat. Die seien zu sperrig fürs Fernsehpublikum, das dann nur wegschalten würde, so die Befürchtung des NDR, der die Preisverleihung übertragen hat. Jan Bäumers 45-minütige sehenswerte Doku ist eigentlich ein Portrait über Anna-Lena Schnabel. Sie zeigt aber auch das hochpeinliche Vorgehen eines TV-Senders, wenn er mit Kultur in Berührung kommt. Bei “Zeit Online” ist eine Rezension zu Bäumers Film erschienen. Nachtrag, 13:28 Uhr: Thomas Schreiber, Unterhaltungschef des NDR, widerspricht der Darstellung von Anna-Lena Schnabel.

3. So hetzt ‘RT Deutsch’ seine Fans gegen einen Berliner Kritiker auf
(vice.com, Matern Boeselager)
Bei einer Demonstration gegen die AfD stellt sich ein junger Mann vor die Kamera von “RT Deutsch” und kritisiert auf Englisch den deutschen Ableger des russischen Staatssenders. Nach einem späteren Interview des Mannes mit der “Welt” veröffentlicht “RT Deutsch” in einem als “Satire” gekennzeichneten Beitrag den vollen Namen des Mannes, Fotos von ihm, seine angebliche Arbeitsadresse. Darauf folgen Drohungen und Beleidigungen. Matern Boeselager über “die Methode RT Deutsch”.

4. Wenn das Gericht dem Amt nicht traut
(taz.de, Christian Rath)
Ist die journalistische Sorgfaltspflicht gewahrt, wenn sich Autoren auf amtliche Berichte berufen? Ja und nein, hat der Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) kürzlich entschieden. Es ging um ein 2008 erschienenes Buch der Mafia-Expertin Petra Reski, die darin einen Mann als “mutmaßliches Mitglied” der kalabrischen Mafia beschrieb. Reski stützte sich dabei auf zwei interne Berichte des Bundeskriminalamts (BKA). Wären die BKA-Berichte veröffentlicht worden, wäre laut EGMR alles in Ordnung. Da sie aber unveröffentlicht bleiben, hätte Petra Reski die dort enthaltenen Informationen weiter prüfen müssen, so das Gericht. Christian Rath schreibt zum Urteil: “Journalisten sollen also nicht ungeprüft Aussagen veröffentlichen, die der Staat (noch) nicht für veröffentlichungsfähig angesehen hat.”

5. Eine Studie, die Angst macht
(stefan-fries.com)
Die “R+V”-Versicherung veröffentlicht jedes Jahr die Ergebnisse ihrer “Langzeitstudie” zum Thema “Die Ängste der Deutschen”. Redaktionen im ganzen Land greifen diese gern auf. Stefan Fries sieht das kritisch, weil die Fragen der Studie einen engen Rahmen vorgäben, und an einer entscheidenden Stelle Transparenz fehle: “So bleibt am Ende die ernüchternde Erkenntnis, dass trotz aller Transparenz, was die Erhebung der Umfrage angeht, diese bei den Ergebnissen fehlt. Was freilich Journalisten nicht daran hindert, die Ergebnisse und damit auch Werbung für die Versicherung in die Berichterstattung zu heben.”

6. Der Schwindel des Journalisten, dem Ludwig II. scheinbar sein Herz öffnete
(sueddeutsche.de, Hans Kratzer)
1886 war es eine Sensation, ein Scoop, als der Journalist Lew Vanderpoole im angesehenen “Lippincott’s Monthly Magazine” eine große Geschichte über Ludwig II. veröffentlichte. Vier Jahre zuvor soll er den bayerischen König getroffen haben — keinem Autor vor ihm und keinem nach ihm ist das gelungen. Aufgrund dieser Einzigartigkeit wird Vanderpooles Artikel noch heute häufig zitiert. Nun gibt es allerdings Zweifel an der Echtheit des Stücks. Süddeutsche.de berichtet über die Entdeckungen des Privatgelehrten Luc Roger, der sagt: “Vanderpooles Bericht über seine Audienz mit König Ludwig II. ist höchstwahrscheinlich ein Betrug.”

Verantwortungsvoll rassistisch

Manchmal ist es ganz wesentlich, wer etwas in welcher Situation gesagt hat, wenn man den Inhalt einer Aussage bewerten will.

Am Bonner Landgericht läuft aktuell ein Prozess, in dem es um eine Vergewaltigung auf einem Campingplatz geht. Der Fall hatte vor einigen Monaten überregional für Aufsehen gesorgt. Und um es von Anfang an klar zu sagen: Sollte der Angeklagte aus Ghana — entgegen seiner Unschuldsbeteuerung — die Tat begangen haben, muss er dafür natürlich verurteilt werden.

Am Montag vergangener Woche sagte unter anderem die Kripobeamtin aus, die nach der Tat mit dem Vergewaltigungsopfer gesprochen hatte. Einen Tag später veröffentlichte das Kölner Boulevardblatt “Express” einen größeren Artikel, in dessen Überschrift die Redaktion auch ein Zitat eingebaut hatte:

Ausriss aus dem Express - Vergewaltigungsprozess: Polizisten als Zeugen - Opfer ergab sich schwarzem Monster

Im Text taucht das “schwarze Monster”-Zitat noch einmal auf. Und auch dort wird nicht eindeutig klar, von wem es stammt:

In Wahrheit habe sie [das Opfer] unter Schock gestanden. “Trotz Todesangst um sich und ihren Freund” habe die 23-Jährige geistesgegenwärtig reagiert, als sie sich entschied, sich nicht zu wehren. So ergab sie sich dem “schwarzen Monster”, ihren Freund beschwor sie noch beim Verlassen des Zeltes, das Schweizer Messer stecken zu lassen und die Polizei zu rufen.

Auf Nachfrage schreibt uns die Redaktion, dass das Zitat von der Polizistin stamme. Allerdings handele es sich dabei nicht um deren eigene Worte, sondern um “die Reaktion des Opfers”, die die Beamtin in ihrer Aussage lediglich wiedergegeben habe. Warum macht der “Express” in seinem Artikel nicht eindeutig klar, wer da redet? Und wer wen zitiert?

Der “Express” erklärt zur “schwarzen Monster”-Aussage an sich:

Wer derart Erschreckendes [wie das Opfer] erlebt hat, wird sich kaum in dieser Schocksituation auf politisch Korrektes besinnen. Wenn Sie sich in die Tiefen des Falles einarbeiten, können Sie sicherlich nachvollziehen, dass die Äußerung keineswegs in einem rassistischen Zusammenhang zu sehen ist, sondern aus dem Effekt heraus getan wurde.

D’accord.

Nur war schon die Aussage der Kripobeamtin vor Gericht nicht mehr “aus dem Effekt heraus”. Und der anonyme Autor des “Express”-Artikels hat seinen Text erst recht nicht mehr “aus dem Effekt heraus” aufgeschrieben. Und dennoch hat das Blatt das “schwarze Monster” sowohl in der Titelzeile als auch im Artikel einfach so übernommen. Keine Distanzierung, keine Bemerkung zur Wortwahl (und wäre es nur eine wie in der Stellungnahme uns gegenüber), als handele es sich um eine ganz normale Aussage. Dabei ist sie, wie sie im “Express” daherkommt, gleich doppelt problematisch. Schon das “Monster” entmenschlicht eine Person, die zweifelsohne etwas Schreckliches getan haben soll, aber noch immer ein Mensch ist. Das “schwarze Monster”, die Betonung der Hautfarbe des Angeklagten, ist Rassismus und ein rassistisches Klischee. Dass die Haut des mutmaßlichen Täters schwarz ist, hat nichts mit der ihm angelasteten Tat zu tun. Der “Express” hätte problemlos ohne das “schwarze Monster” auskommen können.

Das sieht die Redaktion anders:

Wie Sie wissen, steht der EXPRESS für unabhängige Berichterstattung, Toleranz, Vielfalt und soziale Verantwortung. Die Redaktion hält sich an den Pressekodex und achtet dessen Vorgaben. In diesem Fall sehen wir den Schockausruf des Opfers nicht als rassistisch an, sondern als Ausruf der Verzweiflung. Die Verbreitung des Zitats ist in diesem Fall aus unserer Sicht zulässig, um den kompletten Horror des Erlebten zu beschreiben. Aus unserer Sicht gibt es zwei Möglichkeiten: Sie berichten authentisch über diesen wohl in seiner Brutalität einzigartigen Fall, der ein hohes Interesse in der Bevölkerung hervorruft, oder sie vermelden kühl Anklage und Urteil. Sich auf diesem Weg von klaren Zitaten eines Dritten, die in einer Gerichtsverhandlung fallen, zu distanzieren, diese politisch korrekt zu biegen und zu verfälschen, würde die Glaubhaftigkeit der Presse eher untergraben.

Das “schwarze Monster” kann aus Sicht des “Express” also nicht nur in den Artikel, es muss hinein, wenn man verantwortungsvoll berichten will. Und augenscheinlich auch noch in die Überschrift. Um es noch mal klar zu sagen: Uns geht es nicht darum, etwas “politisch korrekt zu biegen und zu verfälschen”, sondern um einen bewussten Umgang mit Sprache und die fahrlässige Reproduktion rassistischer Äußerungen.

Der “Express”-Text landete mitsamt der “schwarzen Monster”-Aussage noch bei Express.de, auf der Internetseite der “Kölnischen Rundschau”, die ebenfalls zum “DuMont”-Verlag gehört, und durch eine Kooperation auch bei “Focus Online”.

Unter dem dazugehörigen Post auf der Facebook-Seite von “Focus Online” griffen mehrere Kommentatoren das Zitat der Polizistin auf:

“Schwarzes Monster“ (O-Ton). Merkel ich mir, wunderbar zutreffend und nicht zensierbar.

Soll sie sich doch bei merkel bedanken, dass schwarze Monster konnte nur durch merkels gechicke her kommen. Lasst euch trösten! Es kommt jeder mal dran, denn die Grenzen sind immer noch offen, und 200000 Menschen reisen nun legal ein Plus Familiennachzug.

Was ein Monster typisch mal wieder ein Ausländer die jagt auf unsere Frauen machen. Wer hat denn überhaupt rein gelassen 😠

Dieses Monster sollte man ohne Fallschirm über seiner Heimat abwerfen! Die Grenzen müssen endlich wieder gesichert werden, sonst bekommen wir noch mehr von diesen Monstern inns Land.

Aus Ghana. Gehört Ghana jetzt auch zum syrischen Kriegsgebiet, oder warum war dieses Monster überhaupt in Deutschland?

Warum wird denn hier der Täter noch in Schutz genommen. Zeigt uns dieses Monster

Was für ein Monster, und sowas sollen wir hier aufnehmen und beherbergen?! Dieser Mann ist eine tickende Zeitbombe!

Mit Dank an @pfuideifipegida für den Hinweis!

Harvey Weinstein in Norbert Körzdörfers Sex-Sammelsurium

Die “Bild”-Zeitung hat seit Montag eine “NEUE SERIE”, in der es um den “SKANDAL ‘WEINSTEIN'” gehen soll, also um die Missbrauchs-Vorwürfe gegen Filmproduzent Harvey Weinstein. Gestern erschien Teil eins:

Ausriss Bild-Zeitung - Der Skandal Weinstein - Er zwang Frauen, seine Kronjuwelen zu küssen als sei es der Siegelring des Papstes - Die Schönen und das Biest

Heute Teil zwei:

Ausriss Bild-Zeitung - Der Skandal Weinstein - In der Traumfabrik ging es immer auch um Sex - Hollywood, die Stadt der Sünde

Morgen soll Teil drei kommen. Wir wagen keine Prognose, wie lang diese Serie noch gehen wird. Autor ist jedenfalls Norbert Körzdörfer, und es ist so schlimm, wie man nach dieser Information befürchten kann.

Beide bisher erschienenen Ausgaben sind Sammlungen von Anekdoten und Gerüchten aus Hollywood. Der einzige Zusammenhang: Sex. Körzdörfer schreibt solche Sätze:

Hollywood war immer Penis-fixiert. Ein Film-Boss zu BILD: “Hier haben große Penisse Filme für kleine Penisse gemacht”

30 Jahre Ego-Orgie — mit Stöhnen und Schweigen.

Warum ist Hollywood immer auch ein sexuelles Sodom und Gomorrha?

Nach dem dritten Drink an der Bar hört man immer dieselbe Story: Der Oscar (3,9 Kilo schwer) ist gerüchte-geflüstert angeblich dem Penis eines Stunt-Stars nachempfunden — er ist 34 cm lang.

Sex ist die Währung des Erfolgs.

Warum fahren nachts so viele “Stretchlimos” von Club zu Club — es ist ein motorisiertes Phallus-Symbol.

Wenn Johnny Depp im Club “Viper Room” sitzt, will jeder Mini-Rock mit High Heels in die VIP-Sektion.

Das alles stammt aus Serien-Teil eins. In Teil zwei geht es ähnlich weiter:

Gab es nicht schon immer männliche “Godzillas”, die sexy “Bambis” jagten?

Legendär war auch sein [Charlie Chaplins] Penis. “Glied-Gespräche” waren Klatsch-Talk. Eine seiner Geliebten (drei Millionen Abfindung von fünf Ehe-Männern) fragte ihn: “Stimmt das, was alle Mädchen behaupten — dass du bestückt bist wie ein Hengst?”

Der deutsche Kult-Regisseur F. W. Murnau († 42) war homosexuell. Er starb bei einem Autounfall 1931. Am Steuer saß sein 14-jähriger philippinischer Diener — mit dem er es angeblich getrieben hat.

Sein [Rudy Valentinos] Lieblings-Geschenk: ein schwarzer Dildo aus Blei (Art-dèco-Stil) mit seinem Autogramm in echtem Silber.

Die platinblonde Sexbombe Jean Harlow († 26) über ihr Liebes-Rezept: “Männer lieben mich, weil ich keine Unterwäsche trage. Und Frauen mögen mich auch — weil ich ihnen nie einen Mann stehlen würde — jedenfalls nicht für lange.”

Als Frauen-“Monster” galt die blonde Sex-Löwin Mae West († 87). Sie umgab sich mit muskulösen Leibwächtern, die sie in den Drehpausen vögelte.

Wer hatte was mit wem in Hollywood? Wessen Penis war der größte? 34 Zentimeter? Marlene Dietrich verführte John F. Kennedy. Jack Nicholson lockte viele Frauen in seine Limousine. Hier wurde gevögelt, da wurde es getrieben. Das ist der Stoff, den die “Bild”-Redaktion für angemessen hält, um den “SKANDAL ‘WEINSTEIN'” in einer Serie aufzuarbeiten, also den mehrfachen mutmaßlichen Missbrauch von Frauen sowie mutmaßliche Vergewaltigungen.

Für Körzdörfer und “Bild” geht es nicht um Machtstrukturen, die Weinstein all das erst ermöglicht haben sollen, um offizielle oder unausgesprochene Schweigeabkommen, um Mitwisser und Helfer. Sie schauen nicht auf andere gesellschaftliche Bereiche, in denen Männer ihre Positionen ebenfalls regelmäßig sexuell ausnutzen, in Chefetagen, an Universitäten, in Redaktionen. Es geht ihnen stattdessen um Dildo-Geschenke und die Frage, wer wie ein Hengst bestückt ist.

Und noch schlimmer: Körzdörfers große Sammlung von sündigen Hollywood-Geschichtchen wirkt, als wäre das, was Weinstein vorgeworfen wird, nur eine weitere Anekdote in diesem alltäglichen Wahnsinn. “Legendär ist die ‘Besetzungscouch’ von Harvey Weinstein — um an eine glitzernd-glänzende Rolle zu kommen, mussten viele Schauspielerinnen erstmal die Kronjuwelen des Mega-Produzenten polieren” könnte ebenfalls in Körzdörfers Sex-Sammelsurium stehen. Alles ganz normal also?

Heute haben Norbert Körzdörfer und “Bild” schon mal Folge drei ihrer Serie “SKANDAL ‘WEINSTEIN'” angeteasert:

Morgen in BILD

Das “Neue Hollywood” nach dem Weinstein-Skandal?

Ein Film-Boss zu BILD: “Wenn Sie einer schönen Frau ein Kleider-Kompliment machen, kann das schon als sexuelle Belästigung missverstanden werden!”

Na, toll — erst darf man in Hollywood keine Frauen mehr missbrauchen, und bald darf man dort gar nichts mehr sagen.

Julian Reichelt findet Protest gegen Rassismus “dumm und unangebracht”

Die Fußballprofis von Hertha BSC haben am vergangenen Wochenende etwas geschafft, was sie mit sportlichen Leistungen vermutlich noch nie hinbekommen haben: weltweit für Schlagzeilen sorgen. Und das, obwohl sie ihr Heimspiel gegen den FC Schalke 04 0:2 verloren haben. Vor dem Anpfiff knieten Spieler, Trainer und Betreuer nieder — die Hertha schloss sich damit als erstes Profiteam in Deutschland dem Protest von US-Sportlern gegen Rassismus und Diskriminierung an.

Manche Leute finden die Geste vom Wochenende etwas pathetisch, andere sind hellauf begeistert, einige sehen darin lediglich einen PR-Schachzug. Und einer findet das alles “dumm” und “unangebracht” und “eitel” und “lächerlich” und “selbstgerecht” und “geschichtsvergessen”: “Bild”-Oberchef Julian Reichelt.

Screenshot Bild.de - Kommentar von Julian Reichelt - Knie-Fall von Berlin ist eitel und dumm

In seinem Kommentar schreibt er:

Fußballvereine sind Fußballvereine und keine Parteien oder politischen Organisationen, weil sie Fußball besser können als Politik. Hertha BSC hat das am Samstag wieder mal eindrucksvoll bewiesen.

Schon bei den US-Sportlern findet Reichelt es völlig falsch, aus “Protest gegen Rassismus (…) und gegen US-Präsident Trump” während der Nationalhymne auf die Knie zu gehen, statt die Hand aufs Herz zu legen, weil …

weil unter der US-Flagge unzählige Männer und Frauen für Gleichheit und Freiheit aller Menschen gekämpft haben. Hunderttausende von ihnen sind in einem Sarg heimgekehrt, eingehüllt in eben jene Fahne.

Und jetzt gehen auch noch die Hertha-Profis auf die Knie.

In Berlin ist diese Form des Protests nicht nur unangebracht, sondern dumm und geschichtsvergessen. Der Star Spangled Banner wehte über vier Jahrzehnte über dem freien Teil Berlins. Mit der US-Fahne auf ihren Maschinen flogen mutige Piloten während der Luftbrücke, um das eingeschlossene Berlin am Leben zu halten. Panzer mit aufgezogener US-Flagge am Checkpoint Charlie sendeten das Signal nach Moskau, dass die USA die Freiheit Berlins unter allen Umständen verteidigen würden — mit dem Leben ihrer jungen Männer.

All dies wissen die Hertha-Millionäre, die nie in ihrem Leben wirklich für etwas kämpfen mussten, vermutlich nicht. Eitel und selbstgerecht freuen sie sich über ein bisschen billigen Applaus. Die freie, vereinte Stadt, in der sie ihrem traumhaften Beruf nachgehen dürfen, gäbe es nicht ohne die Fahne, die sie mit ihrem lächerlichen Kniefall verhöhnen.

Julian Reichelt urteilt über die Protest-Symbolik von schwarzen Sportlern, die sich in den USA diskriminiert fühlen. Er bewertet eine Aktion gegen Rassismus, Diskriminierung und Intoleranz, in der sich ein deutscher Profiklub und seine Sportler endlich mal nicht als Duckmäuser zeigen, als “dumm”. Und er benutzt dabei dieselben Mittel wie Donald Trump: Reichelt deutet das Zeichen gegen Rassismus in ein Zeichen gegen die US-Flagge, US-Soldaten und/oder die ganzen USA um.

Den Trick, den Protest in einen gegen Flagge und Land umzuschreiben, wendet Trump seit Wochen an. Die Logik des “Bild”-Chefchefs findet man in Tweets und Reden des US-Präsidenten wieder. Am 24. September twitterte Trump beispielsweise:

Screenshot eines Tweets von Donald Trump - If NFL fans refuse to go to games until players stop disrespecting our Flag and Country, you will see change take place fast. Fire or suspend!

Und einen Tag später:

Screenshot eines Tweets von Donald Trump - The issue of kneeling has nothing to do with race. It is about respect for our Country, Flag and National Anthem. NFL must respect this!

Bei einem Auftritt in Alabama sagte Donald Trump:

Wouldn’t you love to see one of these NFL owners, when somebody disrespects our flag, you’d say, “Get that son of a bitch off the field right now. Out! He’s fired.”

Dabei richtete sich der Protest originär und bis heute nicht gegen die US-Flagge. Von Anfang an ging es um die Diskriminierung schwarzer US-Bürger: Colin Kaepernick, damals Quarterback der San Francisco 49ers, blieb im vergangenen Jahr bei drei Spielen während der Nationalhymne auf der Bank sitzen, weil er damit gegen die Polizeigewalt gegenüber Schwarzen demonstrieren wollte. “I am not going to stand up to show pride in a flag for a country that oppresses black people and people of color”, sagte Kaepernick damals. Die Flagge spielte beim Protest also durchaus eine Rolle, dieser wendete sich aber nicht gegen sie.

Zum Knien kam es erst, als Nate Boyer sich zu Wort meldete. Boyer war Mitglied der Special Forces der US-Armee und kurzzeitig Football-Profi. In einem offenen Brief schrieb er an Kaepernick, dass er sich von dessen Sitzenbleiben verletzt fühle. Kaepernick und Boyer trafen sich und einigten sich aufs Knien:

Colin wanted to sit, I wanted him to stand, and so we found a common ground on a knee alongside his teammates.

Eric Reid, der damals gemeinsam mit Colin Kaepernick bei den San Francisco 49ers spielte, war ebenfalls bei dem Treffen mit Boyer dabei. Für die “New York Times” schrieb er:

After hours of careful consideration, and even a visit from Nate Boyer, a retired Green Beret and former N.F.L. player, we came to the conclusion that we should kneel, rather than sit, the next day during the anthem as a peaceful protest. We chose to kneel because it’s a respectful gesture. I remember thinking our posture was like a flag flown at half-mast to mark a tragedy.

Dieser ganze Protest, das Knien, war von Anfang an eine sehr wohl überlegte Geste. Inzwischen haben sich Footballer anderer Teams angeschlossen, Basketballer aus der NBA, Baseballer aus der MLB. Und Hertha BSC. Musiker Stevie Wonder kniete sich während eines Konzerts hin, “for America”, wie er sagte.

Eric Reid, der frühere Teamkollegen von Colin Kaepernick in San Francisco, schrieb noch:

It baffles me that our protest is still being misconstrued as disrespectful to the country, flag and military personnel. We chose it because it’s exactly the opposite. It has always been my understanding that the brave men and women who fought and died for our country did so to ensure that we could live in a fair and free society, which includes the right to speak out in protest.

Derart feine Gedanken haben in Julian Reichelts grobschlächtigen Kommentaren leider keinen Platz.

Mit Dank an Kai E., Mario, @FabianBuchheim, @Netzengel, @axw74, @pfuideifipegida und @JREich6688 für die Hinweise!

Nachtrag, 21:11 Uhr: Bei süddeutsche.de kommentiert Philipp Selldorf ebenfalls, dass er die Aktion von Hertha BSC “selbstgerecht, eitel, narzisstisch” findet. Und doch ist sein Text völlig anders als der von Julian Reichelt: Selldorfs Kritik bezieht sich auf den bereits erwähnten PR-Charakter des Berliner Kniefalls. Anders als Reichelt reproduziert er nicht die Argumentation und Rhetorik von US-Präsident Donald Trump. Außerdem sind die Ziele der Kritik bei Selldorf und Reichelt unterschiedliche: Selldorf findet den Verein “eitel”, Reichelt die Sportler.

Die Suche nach dem richtigen Netzwerkgesetz

Seit dem 1. Oktober ist es nun also in Kraft, das Netzwerkdurch …

Screenshot n-tv.de - Um dem Hass und um Falschmeldungen im Netz Einheit zu gebieten, hat Bundesjustizminister Heiko Maas das Netzwerkdurchsuchungsgesetz vorangetrieben

Nee, n-tv.de*, so heißt das nicht. Kennt Handelsblatt.com den richtigen Namen?

Das von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) vorangetriebene Netzwerkdurchsuchungsgesetz, das seit Sonntag in Kraft ist, hat laut OSZE-Repräsentant Harlem Désir möglicherweise eine “abschreckende Wirkung auf die freie Meinungsäußerung”.

Auch nicht. Aber “Wired”* kann uns bestimmt sagen, wie das oft auch als “Facebook-Gesetz” bezeichnete Gesetz heißt!

Das oft auch als Facebook-Gesetz bezeichnete Netzwerkdurchsuchungsgesetz verpflichtet Online-Netzwerke dazu, schneller auf Beschwerden über Hasskriminalität und andere strafbare Inhalte zu reagieren und betreffende Inhalte zügiger zu entfernen.

Hm. Kann FAZ.net helfen?

Screenshot FAZ.net - Netzwerkdurchsuchungsgesetz - Kritik am Gesetz gegen Hasskommentare

Durch Großbuchstaben wird es auch nicht richtiger. Weiß “Deutschlandfunk Kultur”* vielleicht was?

Screenshot Deutschlandfunk Kultur - Netzwerkdurchsuchungsgesetz - Der Schritt in die Zensur ist nicht weit

Mdr.de?

Der Wirtschaftsjurist Gerald Spindler von der Universität Göttingen sieht in dem “Netzwerkdurchsuchungsgesetz” des SPD-Politikers gar eklatante Verstöße gegen europäisches Recht.

“Meedia”*?

Facebook wehrt sich gegen das geplante Netzwerkdurchsuchungsgesetz von Heiko Maas

Taz.de*?

Bundesjustizminister Heiko Maas hatte in den vergangenen Monaten mit seinem “Netzwerkdurchsuchungsgesetz” eine breite Debatte über den richtigen Umgang mit Hass im Netz angestoßen.

“Vice”?

Anlass für die versuchte Besetzung war das sogenannte Netzwerkdurchsuchungsgesetz von Maas.

“Mitteldeutsche Zeitung”?

Screenshot Mitteldeutsche Zeitung - Beschränkt das Netzwerkdurchsuchungsgesetz die Meinungsfreiheit?

“Huffington Post”*?

Hinter dem Titel “Netzwerkdurchsuchungsgesetz” versteckt sich der Vorstoß von Justizminister Heiko Maas, mit dem er Hass in sozialen Netzwerken bekämpfen will.

“Badische Zeitung”?

Facebook reagiert auf das Netzwerkdurchsuchungsgesetz und baut sein Löschteam aus.

Netzpolitik.org*?

Die Themen, die von der Kollaboration zwischen Kunst und Wissenschaft schon 2016 aufgegriffen wurden, erlangten in den letzten Wochen durch das Ende des NSA-Untersuchungsausschusses, den Staatstrojaner und auch das Netzwerkdurchsuchungsgesetz erneute Brisanz.

“Telepolis”?

Auf der einen Seite wurde der Beschluss zur “Ehe für alle” bei einem Teil der Bevölkerung mit großer Freude zur Kenntnis genommen wurde, auf der anderen Seite hat das Parlament zur gleichen Zeit noch ein paar Gesetze (Netzwerkdurchsuchungsgesetz; Reform des Wissenschaftsurheberrechts und einheitliche Netzentgelte) durch das Parlament gepeitscht, die für wesentlich weniger Verzückung sorgen werden sobald die breite Masse davon erfährt.

Süddeutsche.de?

Die Bundesregierung hat mit dem Netzwerkdurchsuchungsgesetz Facebook die Löschung von Hasskommentaren überantwortet und dem Konzern eine Richterrolle zugewiesen.

Irgendjemand? BILDblog vielleicht?

Das umstrittene Netzwerkdurchsuchungsgesetz ist besser als sein Ruf, findet Christian Humborg in seiner Kolumne auf “Carta”.

Ugh! Ja, auch wir haben “Netzwerkdurchsuchungsgesetz” geschrieben statt Netzwerkdurchsetzungsgesetz, wie es richtig heißt — oder in Langform: Gesetz zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken. Den einst fehlerhaften Artikel haben wir inzwischen korrigiert.

Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz bringt alle Voraussetzungen mit, um zum neuen “EU-Gericht” zu werden.

Mit Dank an @Rigolachs für den Hinweis!

*Nachtrag, 6. Oktober: n-tv.de, “Wired”, “Deutschlandfunk Kultur”, “Meedia”, taz.de, “Huffington Post” und netzpolitik.org haben auf unsere Kritik reagiert und ihre Artikel — mitunter sogar sehr transparent — korrigiert.

Gauland, die Soldaten, Mitterrand und die Medien: Der große Bluff

Es ist nicht irgendein Zitat. Die Aussage von Alexander Gauland …

Wenn die Franzosen zu Recht stolz auf ihren Kaiser sind, und die Briten auf Nelson und Churchill, haben wir das Recht, stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen.

… war eine der schaurigen Attraktionen des Wahlkampfs. Der Satz markierte den vorläufigen Höhepunkt der Radikalisierung der AfD. Er veranschaulichte aber auch die Fähigkeit der Partei, die Grenze des Sagbaren zu verschieben und gleichzeitig diese Grenze verschwinden zu lassen, als ob es sie nie gegeben hätte.

Screenshot aus der ARD-Sendung Wahl 2017 Schlussrunde, in dem AfD-Politiker Alexander Gauland zu sehen ist

Die Aussage war — zusammen mit dem Spruch über die Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz, die man ja “in Anatolien entsorgen” könne — der größte Hit des AfD-Spitzenkandidaten im Endspurt des Wahlkampfes. Sie war es nicht nur deshalb, weil der gezielte Tabubruch die offensichtlich gewünschte Empörung entfachte, und jede Empörung über die AfD dieser im Wahlkampf zu nutzen schien. Ein Hit wurde die Geschichte mit den Soldaten vor allem deshalb, weil sie eine Pointe hatte. Eine Pointe, die den Tabubruch auf die Spitze trieb, weil sie es ermöglichte, die Geschichte immer wieder erzählen zu können, und gleichzeitig diejenigen, die sich darüber aufregten, als geschichtsvergessene Idioten dastehen zu lassen:

“Im Übrigen habe er nichts anderes gesagt als Frankreichs damaliger Präsident François Mitterrand am 8. Mai 1995 in einer Rede”, gab die “dpa” am 15. September ein Gespräch mit Gauland wieder. In dieser Rede habe Mitterrand …

“die Tapferkeit der deutschen Soldaten wie auch der anderen Soldaten gelobt und hat diese Tapferkeit dem verbrecherischen Regime gegenübergestellt”, behauptete der AfD-Mann. “Und diese persönliche Tapferkeit, auf die kann man stolz sein.”

Hätte die “dpa” einfach mal nachgeschaut, was Mitterrand in dieser Rede wirklich gesagt hatte, dann hätte die wundersame Karriere der Gauland-Provokation vielleicht schon da zu Ende sein können. Der damalige französische Staatspräsident lobte in seiner Versöhnungsrede 1995 zum 50. Jahrestag des Kriegsendes vor dem Deutschen Bundestag zwar die Tugenden des deutschen Volkes und auch den Mut der Soldaten. Doch nirgendwo auch nur im Ansatz die “Leistungen deutscher Soldaten” in den Weltkriegen. Gaulands Behauptung ist keine Verdrehung oder eine Missinterpretation. Es ist ganz einfach: Gauland lügt.

Mitterrand wörtlich:

Ich bin nicht gekommen, um den Sieg zu feiern, über den ich mich 1945 für mein Land gefreut habe. Ich bin nicht gekommen, um die Niederlage herauszustellen, weil ich wusste, welche Stärken das deutsche Volk hat, welche Tugenden, welcher Mut, und wenig bedeutet mir seine Uniform und auch die Vorstellung in den Köpfen dieser Soldaten, die in so großer Zahl gestorben sind. Sie waren mutig. Sie nahmen den Verlust ihres Lebens hin. Für eine schlechte Sache, aber ihre Taten hatten damit nichts zu tun. Sie liebten ihr Vaterland. Das muss man sich klar machen. Europa bauen wir auf, wir lieben unsere Vaterländer.

Die “dpa”-Meldung mit Gaulands Mitterrand-Lüge wurde von fast allen großen Zeitungen verbreitet, ohne diese aufzudecken. Keiner dieser Zeitungen kam es offensichtlich komisch vor, dass ausgerechnet ein französischer Staatspräsident die “Leistungen” der Wehrmacht lobt. Waren sie vielleicht eingeschüchtert durch die Verweise des AfD-Mannes auf Kaiser, Nelson und Churchill, die auf vermintes Gelände hindeuteten? Gauland kritisieren hätte womöglich bedeutet, Mitterrand zu kritisieren, gar “die Franzosen” und auch noch “die Engländer”. Dann lieber erst gar nicht nachschauen, worum es dabei eigentlich geht. Dabei ging es um nichts. Die Mitterrand-Pointe ist ein Bluff.

Womöglich hat sich Gauland selber gewundert, wie gut er damit durchkam. Alle Journalisten, auf die er nach dem 15. September traf, mussten nicht nur wissen, dass seine Soldaten-Äußerung Thema sein würde. Sie mussten auch wissen, wie er sie rechtfertigten würde — was heißt rechtfertigen: wie er seine Äußerung immer wieder damit krönen würde, indem er sie Mitterrand in die Schuhe schiebt. Wieso ließen sich unzählige Journalisten bei dieser für den Wahlkampf und die Bewertung der AfD so wichtigen Sache immer wieder mit dem gleichen Argument abspeisen, ohne auch nur einmal zu überprüfen, ob es überhaupt eines ist? Verließen sie sich darauf, dass das irgendwer schon gemacht hätte? Oder war es ihnen egal, was Mitterrand wirklich gesagt hatte, weil sie zwar ihre Aufgabe darin sehen, die Unsäglichkeit der AfD zur Schau zu stellen, aber nicht zu erklären, was es mit ihr auf sich hat, nicht zu benennen, was das Unsägliche ist?

Gauland schien sein Glück, die Sache so auf die Spitze treiben zu dürfen, kaum fassen zu können. Bei seinen letzten Auftritten wirkte es so, als würde er fast schon darauf warten, dass man ihn auf seinen Wahlkampfhit anspricht, und half, wenn es sein musste, noch etwas nach: Als ihn Tina Hassel, die Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios, in der vom “Ersten” und vom ZDF übertragenen Wahlkampf-Schlussrunde der Spitzenkandidaten mit den Schlagzeilen konfrontierte, die zur Empörung geführt hätten, ohne den Inhalt dieser Schlagzeilen zu nennen, verwies er selbst auf sein Soldaten-Zitat. Natürlich als eines, das Mitterrand auch so gesagt hätte. Und dann: “Darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein.” Warum fragt Hassel ihn etwas, von dem sie wissen musste, dass er es so beantworten würde, ohne ihm zu widersprechen? Warum bringt sie ihn in eine Situation, in der er vor einem Millionenpublikum behaupten kann, es gäbe da irgendeine Mitterrand-Argumentation, der zufolge man unterschiedlicher Meinung darüber sein könne, ob die Verbrechen der Wehrmacht etwas seien, worauf man stolz sein könne oder nicht? Warum lässt auch die ZDF-Hauptstadtstudio-Leiterin Bettina Schausten, die die Anschlussfrage stellt, das ebenfalls einfach so stehen?

All das, was Theaterautor, Blogger und Marketingexperte Johannes Kram schon so gemacht hat, würde nicht in diese Box passen. Deswegen hier unvollständig und im Schnelldurchlauf: Nicht nur, aber auch wegen seiner Medien-Kampagne ist Guildo Horn zum “Eurovision Song Contest” gekommen. Den sogenannten “Waldschlösschen-Appell” gegen Homophobie in Medien hat er initiiert. Sein “Nollendorfblog” bekam eine Nominierung für den “Grimme Online Award”. Und mit “Seite Eins — Theaterstück für einen Mann und ein Smartphone” hat er Boulevard-Kritik auf die Bühne gebracht. Dafür ein herzliches Dankeschön vom BILDblog.

In den vergangenen Wochen wurde darüber diskutiert, welchen Anteil die Medien am Erstarken der AfD haben, und über das Dilemma, das darin besteht, wenn Medien über gezielte Provokationen der AfD berichten. Dass man nicht über jedes Stöckchen springen müsse, was diese einem hinhalte. Dass man aber auch nicht nicht berichten könne, weil man ja schließlich aufklären müsse.

Am Wahlabend war Gaulands Soldaten-Zitat zunächst Thema in der “Elefantenrunde”, vorgebracht von der Linken-Chefin Katja Kipping, woraufhin der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen entgegnete: “Wollen Sie etwa Mitterrand angreifen?” Es waren nun zehn Tage, in denen eine Mitterrand-Aussage, die es gar nicht gibt, permanentes Medienthema war. Nach den Leiterinnen der Hauptstadtstudios waren es diesmal die Chefredakteure von ARD und ZDF, Rainald Becker und Peter Frey, die sie, ohne sie in Frage zu stellen, einfach durchwinkten.

Etwas später am selben Abend saß Gauland dann bei Anne Will. Hier wollte der Journalist Hans-Ulrich Jörges den AfD-Mann selbst mit dessen Soldaten-Geschichte konfrontieren. Doch die Moderatorin entschied sich dafür, ihr Wissen um die Pointe (“Herr Jörges, sie kennen die Antwort, Herr Gauland wird sagen, das hat Mitterrand auch schon gesagt.”) nicht etwa dafür zu nutzen, diese zu hinterfragen, sondern schnell zu einem anderen Thema zu wechseln. Am nächsten Tag, als die AfD in der Bundespressekonferenz ihren Wahlerfolg erklärte, Gauland wieder nach den Soldaten gefragt wurde und er erneut mit Mitterrand antwortete, musste das Kribbeln besonders groß gewesen sein. Der Saal war voll mit Hauptstadtjournalisten. Ob er auch diesmal damit durchkommen würde? Ob einer, nur einer von ihnen auf die Idee kommen würde, da einmal nachzufragen? Er musste sich keine Sorgen machen.

Nachtrag, 22:24 Uhr: Wir hatten diesen Beitrag heute Nachmittag so bei Twitter rumgeschickt:

Daraufhin meldete sich “dpa”-Nachrichtenchef Froben Homburger und sagte, dass die Nachrichtenagentur durchaus über die Differenz zwischen Gaulands Aussage und Mitterands Aussage berichtet habe:

Der Link, den Homburger mitschickte, führt zu einem “Tag 24”-Artikel, veröffentlicht am 25. September um 12:39 Uhr.

Wenn wir die Kritik von Froben Homburger im weiteren Twitter-Gespräch richtig verstehen, stört ihn vor allem ein Satz in unserem Tweet: “Kein Journalist hat es gemerkt”.

Homburger hat recht, dass seine “dpa” zehn Tage nach dem ersten “dpa”-Gespräch gemerkt hat, dass etwas nicht stimmt an der Rechtfertigung von Alexander Gauland. Insofern ist der eine Satz in unserem Tweet falsch. Dafür möchten wir um Entschuldigung bitten.

Wenn wir die Kritik von Froben Homburger immer noch richtig verstehen, hat er an dem Artikel selbst, den Johannes Kram hier geschrieben hat und der sich ohnehin auf einen Zeitraum bezieht, der mit dem Auftritt Gaulands in der Bundespressekonferenz am Morgen des 25. September endet, nichts auszusetzen.

Meine Stylingtipps für meinen Ehemann und Co.

Als stellvertretende Chefredakteurin hat Dagmar Rosenfeld einiges mitzureden, wenn es darum geht, was bei Welt.de erscheint, und welche Themen in der “Welt” landen. Da kommt dann zum Beispiel sowas hier zustande:

Screenshot Welt.de - Meinung - Bundestagswahl - Meine Stylingtipps für Christian Lindner und Co. - von Dagmar Rosenfeld

Das Ganze soll wohl recht lustig sein. Jedenfalls könnte man das meinen, wenn man sich den Artikeleinstieg bei Welt.de und in der “Welt” anschaut:

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kann sich sehen lassen, ein Sahneschnittchen, wie man an Frauenstammtischen so sagt. Nun wurde bekannt, dass Macron in den ersten drei Monaten seiner Amtszeit 26.000 Euro für eine Visagistin ausgegeben hat. Weil Angela Merkel und Martin Schulz derzeit so viele Fernsehauftritte haben, dass sie in der Maske der TV-Studios quasi ein Dauerabpuder-Abo haben, wollen wir an dieser Stelle die kleinen Parteien mit ein paar Stylingtricks unterstützen — kostenlos und wunderschön oberflächlich.

Der Spitzenkandidatin der Linken, Sahra Wagenknecht, verrät Rosenfeld solche “Stylingtricks” (“Leichtigkeit wagen, etwa durch eine Kombi aus Jackett und Jeans.”), genauso dem Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir (“Koteletten wieder wachsen lassen, Haare mit Glitzerpomade zur Tolle formen, E-Bike in Cadillac Pink lackieren und während der Fahrt laut „Brumm, brumm“ rufen.”) und natürlich dem in der Titelzeile bereits erwähnten Christian Lindner von der FDP:

CHRISTIAN LINDNER (FDP)

Der Spitzenkandidat der FDP mit Haut und Haaren für den Wiedereinzug in den Bundestag, dafür zeigt er sich in Wahlwerbespots schon mal im Unterhemd. Liberalismus ist für ihn auch eine Kopfsache: Um liberales Wachstum zu generieren, ließ er sich erst einmal Haare transplantieren.

Stiltipp: Bei der Wahl der Oberbekleidung für Werbespots künftig vorher die Ehefrau fragen.

Duft: Comme des Garçons, Amazingreen (riecht nach schwarz-gelb-grüner Regierung).

Christian Lindners “Ehefrau”, die Dagmar Rosenfeld erwähnt, heißt Dagmar Rosenfeld-Lindner und ist stellvertretende Chefredakteurin der “Welt”. Für das klitzekleine Detail, dass die Autorin gerade über ihren eigenen Ehemann schreibt, der sich mitten im Wahlkampf befindet und der mit seiner Partei in wenigen Wochen in den Bundestag einziehen will, muss bei Welt.de und “Welt” kein Platz mehr gewesen sein. Jedenfalls steht im Artikel nirgendwo etwas davon.

Gesehen bei @HATEMAGAZIN.

Transparente Schleichwerbung, Trump-Versteher, Scholl-Comeback

1. Wenn redaktionelle Transparenz zu Schleichwerbung mutiert
(nice-bastard.blogspot.de, Dorin Popa)
Im Reiseteil der “Welt am Sonntag” schrieb jüngst der Blogger, Journalist und Schriftsteller Airen einen längeren und üppig bebilderten Artikel über das mexikanische Aussteigerparadies Tulum. Herrlich sei es dort, so der Autor, aber erschwingliche Zimmer finde man, nach Auskunft einer Insiderin, eigentlich nur noch über Online-Vermittlungsplattformen. Das ist insofern interessant, dass unterhalb des Artikels erwähnt wird, dass die Reise von “Airbnb”, einer Vermittlungsplattformen für Unterkünfte, “unterstützt” wurde. Und ein Geschmäckle bekommt es, wenn man wie Dorin Popa mit wenigen Klicks ermittelt, dass ein Hotelportal durchaus günstiger als eine Zimmervermittlungsplattform sein kann (wie beispielsweise diejenige, die für den Artikel gezahlt hat).

2. Gesperrte Journalisten weiter ohne Auskunft
(deutschlandfunk.de, Stefan Koldehoff)
Beim G20-Gipfel in Hamburg wurden 32 Journalisten die kurzfristig bereits genehmigten Akkreditierungen entzogen, wegen “ernsthafter Sicherheitsbedenken”. Viel mehr als diese schwammigen Worte haben die Betroffenen bis heute nicht erfahren. Um die Angelegenheit zu klären, haben neun der Journalisten Klage beim Verwaltungsgericht in Berlin eingelegt.

3. Flüchtlinge aus Afrika sind schwarz – und sie machen Kinder!
(tageswoche.ch, Gabriel Brönnimann)
Gabriel Brönnimann ärgert sich über rechtsnationale Schweizer Medien wie “Weltwoche” oder “20 Minuten”, die Angst vor Flüchtlingen aus Afrika verbreiten würden. Brönnimann hat einige Artikel in der kostenlosen Schweizer Pendlerzeitung “20 Minuten” faktengecheckt und befindet: “Was bleibt? Die eine oder andere durchgeröstete Synapse, viel verbrannte Erde, der dunkle Verdacht, dass nicht alles von dem, was da so zum Thema geschrieben wird, mit hohen Temperaturen zu entschuldigen ist. Und nicht zum ersten Mal die Frage, warum ausgerechnet die Gratiszeitung die schwärzesten Zahlen in der Schweizer Medienlandschaft schreibt.”

4. Gelöschte Tweets und alte Websites finden
(faktenfinder.tagesschau.de, Fiete Stegers)
Wenn Internetinhalte oder Tweets gelöscht wurden, können Tricks helfen, sie trotzdem zu finden. Fiete Stegers stellt Anlaufstellen für verschwundene Online-Inhalte vor: Das “Internet Archive” mit seiner “Wayback Machine” und den “Google Cache”, eine Art Kurzzeitspeicher. Für gelöschte Politiker-Tweets bietet sich die Transparenz-Initiative “Politwoops” an. Dort werden ausgewählte Profile aus unterschiedlichen Ländern erfasst.

5. Trump-Chefdeuter und Prügelknabe für Liberale
(sueddeutsche.de, Jürgen Schmieder)
Der Trump-kritische Nachrichtensender “CNN” leistet sich einen schillernden und schrillen Trump-Versteher: Jeffrey Lord zeichnet auf “CNN” regelmäßig das Bild des grandiosen Präsidenten Trump, der alles richtig macht. “Natürlich ist das lächerlich, und es soll auch lächerlich sein. Es geht bei diesen Diskussionen zu wie beim Wrestling, wo die Choreografie auch einen Bösewicht verlangt, der vom Helden in den Ringstaub geworfen wird. Lord stellt sich selbst als tumben Hinterwäldler dar, als Gefolgsmann eines lächerlichen Präsidenten, und die Botschaft ans liberale CNN-Publikum ist allgegenwärtig: Wenn das der klügste Mann ist, den CNN für diese Rolle finden kann, wie müssen dann erst die anderen Trump-Anhänger drauf sein?”

6. Nur Feiglinge schweigen
(taz.de, Andreas Rüttenauer)
Als Mehmet Scholl erfuhr, dass es bei einer von ihm mitmoderierten “Confed-Cup”-Sendung in der “ARD” auch über Doping gehen sollte, verließ er unter Protesten das Studio. Dass er nun zurückkommen darf, sei ein Armutszeugnis für die “ARD” findet Andreas Rüttenauer: “Doping gehört zum Fußball, genauso wie Wettbetrug, Fanrandale und Steuerhinterziehung. Wenn ein Experte dazu nichts sagen will, dann ist er ungeeignet für den Job. Und wenn er das Studio fluchtartig verlässt, dann sollte der Sender tunlichst dafür sorgen, dass er es nie wieder betritt.”

Weils Regierungserklärung, Medienprofi IS, Faktenfinder

1. Was ist dran an den Anschuldigungen gegen Weil?
(ndr.de)
Hat der Ministerpräsident Niedersachsens, Stephan Weil (SPD), wirklich seine Regierungserklärung von VW “frisieren” lassen wie die “Bild am Sonntag” (“BamS”) behauptet? Als Beleg hatte die “BamS” mehrere Zitate genannt, die im Entwurf dieser Regierungserklärung gestanden haben sollen und später gestrichen worden seien. Dabei hätte es sich offenbar aber nur um die Rede-Vorbereitungen für den Ministerpräsidenten durch einen Mitarbeiter der Staatskanzlei und nicht um das endgültige Skript von Weil gehandelt. Außerdem seien Zitate aus dem Zusammenhang gerissen worden. Bei Spiegel Online gibt es einen Vorher-Nachher-Vergleich: Diese Passagen wurden auf Wunsch von VW geändert

2. „Der IS ist ein Medienprofi“
(taz.de, Laila Oudray)
Der Fotograf Simon Senner beschäftigt sich im Rahmen seines Kunstprojekts “Terror Complex” mit der islamistischen Propaganda der Taliban und des „Islamischen Staats“. Die teilweise bearbeiteten Bilder fasst er auf seiner Homepage in verschiedenen Sammlungen thematisch zusammen. Im Interview mit der “taz” erzählt er, was ihn dabei antreibt, welche Entwicklungen in der medialen Terrorvermarktung ihm aufgefallen sind und wohin es in der Zukunft gehen wird.

3. Die schlechtesten Moderatoren der Welt
(faz.net, Johanna Dürrholz)
Johanna Dürrholz hat sich Gedanken über die “ZDFneo”-Produktion “Schulz und Böhmermann” gemacht. Sie hält die beiden Protagonisten, wie sie sagt, für das netteste Entertainer-Team Deutschlands und gleichzeitig für die schlechtesten Moderatoren der Welt: “Schulz und Böhmermann kennen sich schon ewig. In ihrem Podcast „Fest & Flauschig“ (früher: „Sanft & Sorgfältig“) plaudern sie regelmäßig über Themen, die sie bewegen, und haben sich mit ihrem schlagfertigen Geschnatter eine solide Anhängerschaft aufgebaut. In ihrer Talkshow machen sie im Prinzip dasselbe, nur müssen obendrein vier arme Tröpfe neben ihnen hocken und sich lieblos konzipierte Fragen gefallen lassen, deren Antwort in der Regel nicht mehr abgewartet wird.”

4. Das hätte nicht passieren dürfen
(nordbayerischer-kurier.de, Otto Lapp)
Im wöchentlich erscheinenden Anzeigenblatt des “Nordbayerischen Kuriers” gibt es stets auch eine Eigenanzeige. Dabei ist es jüngst zu einer Panne gekommen, die “nicht hätte passieren dürfen” wie der Chefredakteur in einer Stellungnahme in eigener Sache schreibt. Für die Werbung werde in der Regel auf einen der meistgelesenen Artikel zurückgegriffen; hier war es fatalerweise ein schrecklicher Unfall mit Todesfolge. “Durch unsere Anzeige haben wir die Hinterbliebenen der Opfer in ein noch größeres Leid gestürzt. Das tut uns unendlich leid. Auch wenn wir es nicht mehr gutmachen können, wir möchten uns aufrichtig und von ganzem Herzen dafür entschuldigen.”

5. Faktenchecker und Fake-Aufdecker
(faktenfinder.tagesschau.de, Fiete Stegers)
Mittlerweile gibt es einige Webseiten, die Aussagen von Politikern überprüfen, Gerüchten nachgehen und Falschmeldungen entlarven. Fiete Stegers stellt einige der Faktencheck-Initiativen vor. Die Bandbreite reicht von Aktionen der großen Medienhäuser bis zu Freiwilligen-Initiativen.

6. Es war einmal in Amerika
(sueddeutsche.de, Viola Schenz)
Der Filmemacher und Reporter Dan Bell hat eine Youtube-Serie über das Shopping-Mall-Sterben in den USA produziert. In 43 Folgen seiner “Dead Malls Series” geht es durch gespenstisch leere Einkaufscenter, trostlose Galerien und depressionsauslösende Shoppingcenter auf der Schwelle zwischen Leben und Tod.

Arte-Kritik, Exekutors Lieblingsdieb, Sexistisches Nudelholz

1. Programmdirektor Schuster
(taz.de, Marlene Halser)
Der Fernsehsender “Arte” steht erneut in der Kritik. Die 15-minütige Reportage „Gaza: Ist das ein Leben?“ unterschlage wesentliche Informationen, so der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland Josef Schuster und solle aus dem Programm genommen werden. Tatsächlich liefere die Reportage über das Schicksal einer palästinensischen Familie so gut wie keine Hintergrundinformationen zu dem seit Jahrzehnten schwelenden Konflikt, den Umständen des Angriffs oder den Aktivitäten der Hamas im Gazastreifen, findet Marlene Halser in der “taz”. Dies sei aber auch nicht der Anspruch gewesen, rechtfertige sich der Fernsehsender. Damit gibt sich der Zentralratspräsident nicht zufrieden und fordert “Arte” im Interview mit der “Faz” zum Handeln auf.

2. Der Exekutor und sein Lieblingsdieb
(kanzlei-hoenig.de, Carsten R. Hönig)
Vor knapp 17 Jahren wurde ein Geldtransporter gestohlen. Einer der Täter flüchtete mit seiner Millionenbeute über verschiedene Stationen nach Südafrika. Nach einiger Zeit wurde er dort gefasst, nach Deutschland überstellt und saß seine Strafe ab. (Die “Bild” hatte den Vorfall genüsslich ausgeschlachtet und sich sogar mit dem Mann in Kapstadt getroffen.) Mittlerweile habe sich der Mann, der zwischenzeitlich erkrankt war, wieder berappelt und einen Job angenommen. Den hat er nicht mehr, was mit daran liegen könnte, dass der „Bild“-Reporter Josef Ley anscheinend einen Narren an Täter und Story gefressen habe und einfach nicht loslasse. Rechtsanwalt Hönig: “Josef Ley reichte es nicht aus, dass der Mann für seine Tat drei Jahre lang im Knast saß, sich danach in der Psychiatrie mit „therapeutischen Parksparziergängen“ behandeln lassen musste und nun versucht, sich wieder auf die eigenen Füße zu stellen. Er musste ihn wieder hinrichten.”

3. Kritik an Gastro-Zeitschrift “Rolling Pin”
(facebook.com, Mary Scherpe)
“Rolling Pin” (englisch für “Nudelholz”) ist ein deutschsprachiges Fachmagazin für Gastronomie, Hotellerie und Kreuzfahrtbranche, das eine Onlineabstimmung über die besten Köche veranstaltet und zu einer Gastrokonferenz einlädt. Laut Bloggerin Mary Scherpe befänden sich unter den “50 besten Köchen Deutschlands” 49 Männer und nur eine Frau. Auf der “Gastro-Konferenz” spreche nicht eine einzige Frau. Und online verbreite die Zeitschrift Bildtafeln mit geschmacklosen und sexistischen Sprüchen. Mary Scherpe fasst ihre Kritik zusammen: “Rolling Pin ist die Spitze eines frauenfeindlichen Eisberges in der Food Szene, Gastro-Sexismus ist allgegenwärtig, deswegen überrascht es mich nicht, aber es bleibt widerwärtig. Dieses Medium spiegelt einen traurigen Status Quo, und arbeitet hart daran, genau diesen zu erhalten. Und es geht hier nicht nur um Frauen, auch people of color kommen bei Rolling Pin weder im Heft, noch auf der Konferenz, noch in der Abstimmung in bedeutender Zahl vor.”

4. Wetterdaten sind jetzt Open Data
(golem.de)
Eine Gesetzesänderung macht es möglich, dass Daten des Deutschen Wetterdienstes künftig kostenlos und von jedermann genutzt werden können. Dies betrifft unter anderem Modellvorhersagen, Radardaten sowie aktuelle Mess- und Beobachtungsdaten und Klimadaten. Softwareentwickler und Hobbymeteorologen dürfen die Daten in ihre Anwendungen einbauen, müssen jedoch die Quelle angeben.

5. Silicon-Valley-Mäzene und ihre Liebe zu traditionsreichen Medien
(sueddeutsche.de, Karoline Meta Beisel)
Manche Silicon-Valley-Unternehmer schaffen sich neben Yacht, Flugzeug und Golfplatz auch Medien an bzw. investieren in sie. Ob Ebay-Gründer Pierre Omidyar mit der Seite “The Intercept”, Facebook-Mitgründer Chris Hughes bei “The New Republic” oder Amazon-Gründer Jeff Bezos mit seiner “Washington Post”. Nun hat Laurene Powell Jobs, die Witwe von Apple-Gründer Steve Jobs, die Zeitschrift “The Atlantic” erworben. Das sei bemerkenswert, denn das prosperierende Magazin habe gar keinen Gönner nötig. Der vergangene Mai sei für “theatlantic.com” ein Rekordmonat mit 42 Millionen Lesern gewesen, eine Expansion nach Europa stehe unmittelbar bevor.

6. Kommt das Emoji vor oder hinter das Satzzeichen?
(blog.wdr.de, Dennis Horn)
Kommt das Emoji vor das Satzzeichen, kommt das Emoji hinter das Satzzeichen oder ersetzt das Emoji das Satzzeichen? Verbindlichen Regeln dazu gibt es noch nicht, aber Dennis Horn hat für sich eine Lösung gefunden.

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