Suchergebnisse für ‘LINK’

Flatrate, Paywall, Migrantenkinder

1. “Anmerkungen eines ehemaligen Zeitungslesers”
(wiesaussieht.de, TeraEuro)
TeraEuro möchte gerne unkompliziert für Journalismus bezahlen und skizziert die Idee einer Flatrate: “Die ersten 100 Artikel sind für jeden frei (finanziert von mir aus über eine Kulturflatrate, freie Mittel nach Abschaffung des BND, der Mineralölsteuer oder bei den öffentlich-rechtlichen Sendern abgezwackt, whatever), weitere Artikel kosten anschließend Geld.”

2. “Ein Duracell-Häschen namens Journalismus”
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz hinterfragt die Atemlosigkeit im Journalismus: “Wenn wir wirklich wollen, dass Menschen Journalismus wertschätzen und in deshalb letztendlich auch finanzieren, dann sollten wir aufhören, ihn immer wahlloser zu betreiben. Manchmal erinnern mich Medien zunehmend mehr an einen vollgestopften Briefkasten, aus dem man genervt eine Menge Papier rausholt, um es dann ungelesen wegzuwerfen.”

3. “Sind Promis Opfer der Medien?”
(mainpost.de)
Medienethiker Alexander Filipovic stuft die Barmherzigkeit und Unbarmherzigkeit von Medien ein: “In der Berichterstattung über Tebartz-van Elst oder Wulff konnte man teilweise eine gewisse Unbarmherzigkeit beobachten. Die wurde dort deutlich, wo nicht zwischen Tat und Person unterschieden worden ist. Journalisten haben jedoch die Aufgabe zu differenzieren: Sie müssen Fehler klar benennen, dürfen aber nicht einen Menschen an den Pranger stellen.”

4. “Zigeunerschnitzel und Dönermorde?”
(zeitjung.de, Markus Ehrlich)
Daniel Bax von der “taz” erklärt, warum “nur jeder 50. Journalist” in Deutschland über einen Migrationshintergrund verfügt: “Natürlich sind die unsichtbaren Schwellen für Arbeiter und oder Migrantenkinder in diesem Bereich, wo es sehr stark auf kulturellen Habitus und kulturellen Background ankommt, sehr hoch. Medien sind Exzellenzbetriebe und Arbeitgeber stellen gerne Leute ein, die so ähnlich sind wie sie selbst.”

5. “Zu Hause im Kalten Krieg”
(fr-online.de, Stephan Hebel)
Stephan Hebel antwortet auf den Text “Linke Heuchler” (faz.net, Reinhard Mohr): “Leise stellt sich uns die Frage: Wenn wir schon gewonnen haben, wir linken Mainstream-Spießer, warum lesen wir dann immer noch von Kriegseinsätzen und Klimawandel, von kläglich ertrinkenden Flüchtlingen an unseren europäischen Grenzen?”

6. “Walt Disney hat ja schon 1991 eine Paywall eingeführt”
(twitter.com/uniwave)

Nacktbilder, Krankenakte, Deutschlands Beste

1. “Ein Jahr Leistungsschutzrecht: Außer Spesen bislang nichts gewesen”
(wsj.de, Stephan Dörner)
Eine Bilanz ein Jahr nach Inkrafttreten des Leistungsschutzrechts für Presseverleger: “Für Anwalt Kreutzer haben sich jetzt schon ‘die schlimmsten Befürchtungen’ realisiert ‘oder werden sich absehbar realisieren.’ Springer beurteilt den Fortschritt nach einem Jahr Leistungsschutzrecht dagegen positiv und sieht sich ‘genau im Zeitplan.’ Den Rest werden wohl Gerichte entscheiden.”

2. “Was ist öffentlich? – #selfiegate”
(schulesocialmedia.com, Philippe Wampfler)
Hinsichtlich der Medienberichte über Nacktbilder im Parlamentsgebäude (BILDblog berichtete) plädiert Philippe Wampfler für einen neuen Öffentlichkeitsbegriff: “Die Bundesangestellte wollte in ihrer Freizeit mit ihrem Körper und ihrer Sexualität ‘in public’ sein. Sie wollte, das ihre Bilder und ihre Videos gesehen werden, sie veröffentlichte sie für ein (großes) Publikum. Aber sie wollte keine öffentliche Figur sein und die Kontrolle darüber behalten, ob diese Bilder mit ihrem Arbeitsplatz in Verbindung gebracht werden.” Siehe dazu auch “Auch Bundeshaus-Sekretärinnen haben ein Recht auf Pornos und Privatsphäre” (watson.ch, Sven Zaugg).

3. “Tragische Entwicklung im Fall ‘Schumacher'”
(nzz.ch, Marcel Gyr)
Ein Kadermitglied der Schweizer Rettungsflugwacht wird am Mittwochmorgen im Polizeigefängnis Zürich tot aufgefunden: “Der Rega-Mitarbeiter wird von den Untersuchungsbehörden verdächtigt, die Krankenakte des Ende letzten Jahres beim Skifahren in Méribel schwerverletzten Michael Schumacher gestohlen und für 60 000 Franken verschiedenen ausländischen Medien zwecks Veröffentlichung angeboten zu haben.”

4. “‘Deutschlands Beste!’ – ein Abschlussbericht”
(ndr.de, Boris Rosenkranz)
Weshalb hat das ZDF die Umfrage zur Sendung “Deutschlands Beste!” manipuliert? “Anfangs erklärte das ZDF, die Redaktion habe den Gästen der Shows ‘schmeicheln’ wollen. Im Abschlussbericht des ZDF-Programmdirektors steht nun, warum sie das angeblich wollte: ‘Durch eine möglichst gute Platzierung unter den Top 50 sollte die Wahrscheinlichkeit der Zusage der angefragten Gäste erhöht werden.'”

5. “Wo verkaufen sich Süddeutsche und FAZ am besten, wo am schlechtesten?”
(meedia.de, Jens Schröder)
Jens Schröder wertet die Verkaufszahlen der “Süddeutschen Zeitung” und der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” aus: “Die Süddeutsche Zeitung ist in München, Passau und zehn bayerischen Landkreisen erfolgreicher als die Bild, die FAZ einzig im Hochtaunuskreis.”

6. “‘Recht auf Vergessen’: Wikipedia zeigt gesperrte Links”
(heise.de, Torsten Kleinz)

Filterblasen, Allan Nairn, Tatort

1. “Statistik: Wo verkauft sich Bild am besten – wo am schlechtesten?”
(meedia.de, Jens Schröder)
Am besten verkauft sich “Bild” nach einer “Meedia”-Auswertung in den Städten Halle, Frankfurt und Neumünster sowie in den Landkreisen Stormarn, Leipzig und Pinneberg. Am schlechtesten in den Städten Berlin, Bonn und Köln sowie in den Landkreisen Märkisch-Oderland, Tübingen und Oberhavel.

2. “‘Dieses Recht ist völlig verrückt'”
(nzz.ch, Stefan Betschon)
Bezüglich des durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) geschaffenen Rechts auf Vergessenwerden hat Google bisher “mehr als 91 000 Anträge auf die Entfernung von insgesamt 328 000 Verweisen auf Web-Seiten (URL) erhalten. Am meisten Anträge kamen aus Frankreich (17,500 Anträge mit 58,000 URL), Deutschland (16,500, 57,000 URLs) und Grossbritannien (12,000, 44,000). Mit Bezug auf die URL wurden mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Löschanträge ausgeführt, die entsprechenden Suchanfragen führen nun bei Google ins Leere.” Siehe dazu auch “Wikipedia link to be hidden in Google under ‘right to be forgotten’ law” (theguardian.com, Juliette Garside, englisch).

3. “Israel, Gaza, Krieg & Daten – Die Kunst, Propaganda zu personalisieren”
(de.globalvoicesonline.org, Gilad Lotan)
Eine Übersetzung des Texts “Israel, Gaza, War & Data” (medium.com, englisch), in dem Gilad Lotan über Propaganda und Filterblasen schreibt.

4. “Spy Agency Stole Scoop From Media Outlet And Handed It To The AP”
(huffingtonpost.com, Ryan Grim, englisch)
Die Exklusivität der Story “Barack Obama’s Secret Terrorist-Tracking System, by the Numbers” (firstlook.org/theintercept) wird von der US-Regierung hintertrieben. “The government’s decision to spoil a story on the topic of national security is especially unusual, given that it has a significant interest in earning the trust of national security reporters so that it can make its case that certain information should remain private.”

5. “Dürfen wir vorstellen: der Journalist, der Kriegsverbrecher vernichtet”
(vice.com, Max Metzger, englisch)
Max Metzger spricht mit Investigativjournalist Allan Nairn: “Oftmals besteht die Ironie darin, dass die Leute, die Nairn anprangert, ihn nicht töten oder foltern können, denn er ist US-Staatsbürger—das würde die amerikanische Förderung und Unterstützung gefährden.”

6. “‘Eine Leiche ist ausreichend'”
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Susanne Schneider und Alexandros Stefanidis)
Ein Interview mit fünf “Tatort”-Kommissaren. Klaus J. Behrendt: “Wenn wir die Polizeiarbeit eins zu eins abbilden müssten, würden wir von den 90 Filmminuten etwa 70 oder 80 im Büro verbringen, in den Computer glotzen oder Akten lesen.”

Karl Dall, Native Advertising, Gutmenschen

1. “Mitten im Propaganda-Krieg – ohne es zu wissen”
(heute.de, Video, 3:33 Minuten)
Manipulierte Videos und verfälschte Meldungen im Propagandakrieg: “Wenn die Story gut ist und Emotionen schürt, trägt sie weit.”

2. “Vermitteln deutsche Medien ein extrem einseitiges, negatives Israel-Bild?”
(stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier zweifelt daran, dass “kein anderes Land der Welt” in deutschen Medien so oft und scharf kritisiert werde wie Israel – so hatte es Stern.de mit Bezug auf eine noch nicht veröffentliche Studie dargestellt.

3. “Ermittlungen gegen Karl Dall beendet”
(handelsblatt.com/AFP)
Erhebt die Staatsanwaltschaft Zürich Anklage gegen Karl Dall, wie “Bild” berichtet? “Die entsprechende Meldung der „Bild“-Zeitung vom Montag sei ‘nicht korrekt’, sagte die Sprecherin der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich, Corinne Bouvard, am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Es sei noch keine formelle Entscheidung gefallen.”

4. “Männer gestehen sich ihre sanfte Seite nicht ein”
(planet-interview.de, Jakob Buhre und Lovis-Marie Trummer)
Matthias Reim spricht über die Herzkatheter-Untersuchung, aus der “Bild” eine “heimliche Herz-OP” (“sechsstündiger Eingriff am Herzen”) machte (BILDblog berichtete).

5. “Politische Korrektheit: Wider den Aufstand der Gutmenschen”
(novo-argumente.com, Günter Ropohl)
Ein “Diktat eines kleinbürgerlichen Moralismus” durch politisch korrekte Sprache fürchtet Technikphilosoph Günter Ropohl in einem Beitrag zur Debatte über sogenannte Gutmenschen: “Natürlich möchten wir alle, dass die Welt gut wäre. Wo sie es nicht ist, müssen alle mit persönlichen und politischen Anstrengungen daran arbeiten, sie besser zu machen. Aber es hilft nicht, sie bloß gut zu reden. In der eskapistischen Version ist solche Moralrhetorik bestenfalls Gesinnungspflege zur Beruhigung des eigenen Gewissens, in der kategorischen Form kann sie schlimmstenfalls in Tugendterror ausarten. Daher rühren die Vorbehalte gegen die Gutmenschen, nicht daher, dass sie linke Ideen von Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität verträten. Gutmenschen sind nicht ‘links’, sie sind Moralisten.” Siehe dazu auch “Linke Heuchler” (faz.net, Reinhard Mohr).

6. “Last Week Tonight with John Oliver: Native Advertising (HBO)”
(youtube.com, Video, 11:22 Minuten, englisch)

Der doch nicht letzte Bulle

Bis vergangenen Sonntag war nicht klar, wie es mit der Sat.1-Serie “Der letzte Bulle” weitergehen würde. Doch dann verkündete die “Bild am Sonntag” exklusiv:

Dort heißt es:

“Das war es jetzt für mich”, bestätigte Henning Baum (…) gegenüber BILD am SONNTAG. “Ich wollte eigentlich schon mit der vierten Staffel aufhören.”

Die Nachricht vom Serien-Aus verbreitete sich schnell — doch kurz darauf meldete sich der “letzte Bulle” persönlich zu Wort:

Sein Management bekräftigt auf Anfrage: Das Zitat in der “BamS” sei frei erfunden. Henning Baum habe dem Blatt zwar ein Interview gegeben, doch dieses Statement sei definitiv nicht dabei gewesen.

Auch Sat.1 teilte uns mit:

Wir sind nach wie vor in Gesprächen mit Henning Baum. Wenn es eine Stoff-Idee gibt, die uns und Henning gleichermaßen gefällt, dann kann es durchaus noch mal weitergehen.

Und schwupps:

Jetzt macht der „Mick Brisgau“-Darsteller auf seiner Facebook-Seite den Fans der Serie wieder Hoffnung!

„Es gibt aktuell keine konkreten Pläne zum ,Bullen‘ oder andren Projekten“, ließ der dort am Sonntagabend verlauten.

Den Satz davor haben sie natürlich weggelassen.

Mit Dank an Lisa H.

Josef Joffe, Antisemiten, Gaza

1. “Zeitungen oder Quelle – Dinos sterben langsam”
(rolandtichy.de)
Roland Tichy, noch Chefredakteur der “Wirtschaftswoche”, versucht im Urlaub deutschsprachige Zeitungen digital zu erwerben.

2. “Einstweilige Verfügung gegen “Die Anstalt”: Zeit-Journalisten wehren sich gegen ZDF-Satire”
(meedia.de, Julia Wadhawan)
Im Streit um eine ZDF-Satire melden sich “Zeit”-Journalisten zu Wort. Josef Joffe: “Betonen möchte ich: Um Satire oder Meinungsfreiheit ging es in dem Antrag auf einstweilige Verfügung nicht. Satire darf vieles, solange sie weder Fakten, noch Persönlichkeitsrechte verletzt. Meinungsfreiheit darf alles, was das Grundgesetz erlaubt. Das muss so bleiben; daran dürfen Journalisten als letzte rütteln.”

3. “Why the Sun’s ‘boy with the devil mark’ front page should make you uneasy”
(newstatesman.com, englisch)
Die “Sun”-Schlagzeile “Boy, 4, has mark of devil”.

4. “Glauben Sie das?”
(sueddeutsche.de, Johannes Boie und Tim Neshitov)
Der Propagandakrieg wird komplizierter, es gibt nicht nur Fälschungen, sondern auch Fälschungen von Fälschungen: “Und je länger ein Krieg andauert, desto mehr steigt bei Aktivisten die Bereitschaft, jeder Desinformation zu glauben, die das eigene Feindbild bestätigt.”

5. “Auch Linke können Juden hassen”
(tagesanzeiger.ch, Thomas Meyer)
Ist Antisemitismus eine Angelegenheit “rechtsextremer Kreise”? Thomas Meyer widerspricht: “Der linke Antisemit ist sich nicht bewusst, dass er ein Antisemit ist. Er hält sich für einen guten, vernünftigen, fairen und einfühlsamen Menschen. Er vergleicht morgens in der Zeitung die Opferzahlen und glaubt dann, den Nahostkonflikt in dessen Komplexität erfasst zu haben und ein moralisches Urteil darüber fällen zu können.”

6. “Eine ganz normale Nacht in Gaza Stadt”
(martin-lejeune.tumblr.com)
Martin Lejeune berichtet aus Gaza: “Während ich diese Zeilen schreibe, um mich zu beruhigen, bin ich nicht im al-Deira Beach Hotel am Strand von Gaza, in dem die ausländischen Korrespondenten Schutz suchen. Ich bin im Wohnhaus einer muslimischen Familie im Zentrum von Gaza Stadt. Ich höre, wie in den Nachbarwohnungen unseres Hauses kleine Babys ohne Unterbrechung schreien, verängstigte Kinder in den Armen ihrer Mütter weinen, die Erwachsenen fluchen.” Siehe dazu auch diesen, aktuellen Beitrag.

Homophobie, Überwachungswahn, Döpfnerkratie

1. “Sommerloch-Skandal beim Tagesspiegel”
(queer.de)
Der “Tagesspiegel” übt sich im Boulevardjournalismus (den die “Bild” wenig überraschend aufgreift) und sieht sich angesichts der Empörung in den sozialen Medien (facebook.com) alsbald zu einer Rechtfertigung genötigt. Während “Queer.de” die Homophobie und “die verklausulierte Kinderporno-Anschuldigung” aufs Korn nimmt und Paul Wrusch Meisner in der “taz” attestiert, “in den 50er Jahren hängengeblieben” zu sein, zweifelt der “Löschbeirat” am journalistischen Verantwortungsgefühl des Autors.

2. “Das Ende der Pressefreiheit”
(spiegel.de, Marc Pitzke)
Der Überwachungswahn der NSA schadet der Pressefreiheit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Insbesonders investigative Reporter sprechen von “eine[r] schreckliche[n] Zeit” und “einer zusätzlichen Schicht der Angst”. Elisabeth Pohl zitiert bei “Netzpolitik” einen von HRW befragten Journalisten: “Ich will nicht, dass die Regierung mich zwingt, mich wie ein Spion zu verhalten. Ich bin kein Spion, ich bin ein Journalist.”

3. “MH17: how Storyful’s ‘social sleuthing’ helped verify evidence”
(theguardian.com, Ben Cardew, englisch)
Bei Katastrophen wie dem MH17-Unglück greifen Journalisten oft auf User-generated content aus sozialen Netzwerken zurück. Um diese Informationen zu verifizieren, hat Storyful den “Open Newsroom” entwickelt. Executive Editor David Clinch ist sich sicher: “For sustainable journalism you cannot just rely on sources of information or video content that exist traditionally. If that is the only place you are looking you are missing huge amounts.”

4. “Medien tappen in Strafanzeigen-Falle”
(taz.de, Sebastian Heiser)
“Wassertisch kritisiert Senat“ sei so erwartbar wie “Hund beißt Mann”. Bei einer Strafanzeige würden Journalisten dagegen eine Geschichte wittern. Deshalb wirft ein CDU-Politiker des Berliner Abgeordnetenhauses seinen politischen Gegnern immer wieder Untreue vor, und die Medien beißen an. Allerdings: “Dass die Verfahren später allesamt eingestellt werden – das berichtet dann keiner mehr.”

5. “‘Zeit’-Journalisten gehen gerichtlich gegen das ZDF und ‘Die Anstalt’ vor”
(internet-law.de, Thomas Stadler)
Die angebliche Zensur des ZDF war bereits gestern Thema bei “6 vor 9” (Link 4). Der Rechtsanwalt Thomas Stadler kommentiert: “Für ein Flaggschiff wie die ‘Zeit’ kommt das juristische Vorgehen von Joffe und Bittner gegen das ZDF einem journalistischen Offenbarungseid gleich. Leider berichten die großen Zeitungen wie SZ, FAZ oder ‘Spiegel’ […] nicht. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.”

6. “Springer funktioniert wie eine Monarchie”
(blogs.stern.de, Lutz Meier)
Nach der Aufregung um die rassistische Islam-Hetze (stefan-niggemeier.de) von Nicolaus Fest analysiert Lutz Meier die Machtverhältnisse innerhalb des Konzerns und macht Mathias Döpfner als absolutistischen Herrscher aus: “Springer funktioniert hier weniger wie ein pluralistischer Verlag. Sondern es ist eine Art feudalistisches Prinzip, dem das Haus folgt.”

Gegendarstellung, Zeitungssterben, BILDblog-Kritik

1. “Gegendarstellung zu ‘Großteil der Medien berichtet voreingenommen'”
(sprachlog.de, Anatol Stefanowitsch)
Die Welt zitiert den Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch mit der These, dass propagandistisch gegen Israel ausgerichtete Überschriften ein Auslöser für antijüdische Aggression auf deutschen Straßen seien. Dessen Reaktion: “Ich distanziere mich in aller Deutlichkeit von diesen mir fälschlicherweise zugeschriebenen Aussagen. [Diese Behauptung] entspricht weder meiner Meinung, noch lässt [sie] sich in irgendeiner Form aus meinen Analysen schließen.”
Update: Die Welt hat in der heutigen Printausgabe eine “Klarstellung” veröffentlicht, die Anatol Stefanowitsch als seine “persönliche ‘Nichtschuldigung’ des Jahres” bezeichnet.

2. “Müssen die Zeitungen wirklich sterben?”
(wdr5.de, Gisa Funck)
Die Tageszeitungen werden sterben, und das Internet ist schuld daran. Wirklich? Eine Studie des Medienforschers Andreas Vogel sagt etwas anderes: Die Zeitungskrise gebe es schon länger als das Internet, der Rückgang der Auflage sei weitestgehend selbstverschuldet. Anschauliche Grafiken aus der Studie finden sich im Blog von Katharina Brunner, bei kress spricht Vogel über Rückschlüsse aus seiner Forschung.

3. “Was, du bist Zigeunerin?”
(taz.de, Dunja Ramadan)
In ungarischen Medien tauchen Roma fast nur als “Kriminelle” auf. Krisztina Balogh, halb Romni, halb Ungarin, möchte Journalistin werden, um genau das zu ändern. Vorurteile gegenüber Sinti und Roma gibt es aber nicht nur in Ungarn: Der Mediendienst Integration und die taz berichten über eine Studie zum “Antiziganismus in der deutschen Öffentlichkeit”.

4. “Offtopic: Was BILDblog nicht zeigt (Update)”
(stigma-videospiele.de)
Ein Leser teilt dem BILDblog regelmäßig “sachdienliche Hinweise” mit – doch seine Mails bleiben unbeantwortet und finden keine Erwähnung im Blog. Warum aus den Links keine BILDblog-Artikel geworden sind, hat Mats Schönauer zu erklären versucht; Auszüge des Mailwechsels finden sich im Update unter dem Text.

5. “Nachrichtenagentur AP schockiert mit missverständlichem Tweet”
(tagesspiegel.de, Markus Hesselmann)
“BREAKING: Dutch military plane carrying bodies from Malaysia Airlines Flight 17 crash lands in Eindhoven.” Ein schlampig formulierter Tweet der Nachrichtenagentur AP macht aus einem Nebensatz eine Bruchlandung und sorgt für Entsetzen auf Twitter.

6. “The challenge of Covering Gaza at War”
(martin-lejeune.tumblr.com, englisch)
“On the other side of the revolving steel door I met a correspondent returning from Gaza to Israel, looking at me and saying: ‘Welcome to Hell.'” Martin Lejeune versucht, nach Gaza einzureisen und dokumentiert, wie schwer es für Journalisten ist, vor Ort über den Nahost-Konflikt zu berichten.

Bilderklau, Hallo Deutschland, Wolfram Weimer

1. “Bilderklau digital”
(davidblum.ch)
David Blum dokumentiert mehrere Beispiele von Bilderklau und gibt Tipps, wie man damit umgeht.

2. “Der Paparazzo mit der Vogelperspektive”
(nzz.ch, Ronny Nicolussi)
Pilot Niklaus Wächter fotografiert die Villen von Prominenten aus der Luft: “Wie er sagt, geht es ihm nicht darum, in die Schlafzimmer von Prominenten zu blicken, sondern lediglich die Häuser von Personen des öffentlichen Interesses zu zeigen.”

3. “Haucap über Monopole: Facebook ist gefährlicher als Google”
(netzpiloten.de, Katharina Brunner)
Justus Haucap glaubt, dass das Kartellamt die Beschwerde der VG Media betreffend Google abweisen wird: “Es ist für mich nicht vorstellbar, dass Google verpflichtet werden kann, Links und Snippets zu zeigen und dafür dann bezahlen muss – selbst wenn Google die Links und Snippets nicht gegen Bezahlung will.”

4. “‘Arbeite doch mehr, dann verdienst du auch mehr Geld'”
(impressum.ch, PDF-Datei)
Eine freie Journalistin aus der Schweiz liefert einen Erfahrungsbericht aus ihrem Alltag: “Mein monatliches Einkommen schwankte in den letzten 12 Monaten zwischen 250 und 11‘250 Franken Brutto. Im Jahr 2013 bekam ich 45 Honorarabrechnungen von neun Printmedien und vier weiteren Stellen, für die ich gearbeitet habe. Und: Ja, wenn ich angefragt werde, nehme ich zwischendurch auch Kommunikations-Aufträge an.” Siehe dazu auch “Arbeitsbedingungen bedrohen die Branche!” (impressum.ch, Medienmitteilung).

5. “Markus Wiegand: Medien-Elite ist ein Club von Weicheiern”
(newsroom.de, Markus Wiegand)
Markus Wiegand erzählt von den Herausforderungen bei der Autorisierung eines Interviews mit Wolfram Weimer: “Viele Führungskräfte im Journalismus und andere Spitzenkönner der Branche gehen davon aus, dass allein ihre exklusive Gesprächsbereitschaft sie schon vor kritischen Fragen schützt. Sie denken, ein Interview mit ihnen sei eine Koproduktion von zwei Kollegen. (…) Die Elite der Branche lebt in einer Blase, in der man sich gegenseitig nicht weh tut, sondern auf die Schultern klopft. Das mit dem Journalismus, das sollen bitte die anderen aushalten, aber nicht man selbst.”

6. “‘Ich muss neutral berichten, ich bin ZDF. Ach was. Jaaaaaa!'”
(sensatzionell.blogspot.de)
Der Inhalt eines Beitrags der ZDF-Sendung “Hallo Deutschland”, abgetippt und nachgesprochen.

Der Dreck vor der Haustür der anderen

Vergangene Woche berichteten die “Ruhrbarone”, dass sich auf der Facebook-Seite der Linksjugend im Ruhrgebiet “ein antisemitischer Mob” austobe. Unter der Ankündigung einer “antiisraelischen Demonstration” hätten sich einige israelfeindliche und rassistische Kommentare gefunden, unter anderem Hitler-Bilder mit antisemitischen Sprüchen und Vergleiche zwischen Israel und dem Nazi-Regime.

Die Linksjugend löschte die kritisierten Kommentare, distanzierte sich davon und erklärte (hier ausführlicher), dass sie solche Dinge nicht dulde, aber “bei mehreren Posts die Minute” nicht immer alles sehen könne.

Für die Leute von “Bild”, die ja bekanntlich große Freunde Israels sind und außerdem der Linkspartei immer gerne eins überbraten, war die Sache jedenfalls ein gefundenes Fressen, also empörten auch sie sich kurz darauf über die …

Unfassbare Israel-Hetze im Internet!

Im Artikel heißt es:

Auf Facebook macht die Ruhrgebietsabteilung des Jugendverbandes der Linkspartei „Solid“ für eine Anti-Israel-Demonstration am 18. Juli in Essen Werbung. Das berichtet der Journalisten-Blog „Ruhrbarone“.

„Ruhrbarone“ zitiert aus einem Facebook-Kommentar (inzwischen gelöscht) der für seine antisemitischen Parolen 58 „Likes“ bekam.

Dass diese Kommentare von irgendwelchen Facebook-Nutzern kamen, geht aus dem Text nicht hervor. Zumindest für Facebook-unerfahrene Leser kann oder muss sogar der Eindruck entstehen, dass es der Jugendverband selbst war, der die Kommentare gepostet — oder zumindest toleriert — hat.

Verstärkt wird dieser Eindruck noch von dem, was Peter Tauber, der CDU-Generalsekretär und “Netz-Experte”, dazu zu sagen hat:

CDU-Generalsekretär und Netz-Experte Dr. Peter Tauber (39) dazu zu BILD: „Diese Postings sind an Geschmacklosigkeit, Menschenverachtung und Geschichtsvergessenheit nicht zu überbieten. Ich fordere die Familienministerin auf, die angekündigten Zahlungen an die Linkspartei-Jugend umgehend einzustellen. Solche antisemitischen Umtriebe dürfen nicht mit Steuergeldern unterstützt, sondern müssen gesellschaftlich geächtet werden.“

Er will also die Linksjugend dafür büßen lassen, dass ihre Facebook-Seite von irgendwelchen Hornochsen zugemüllt wurde und sie die Kommentare — begleitet von einer klaren Distanzierung — bereits wieder gelöscht hat? Hm.

Wenn er das wirklich ernst meint, hätte er sich aber besser mal auf der Facebook-Seite der “Bild”-Zeitung umgesehen, bevor er sie mit diesem Zitat beglückte. Und die zuständigen Autoren hätten auch mal einen Blick riskieren sollen. Dann wären sie nämlich schnell auf so etwas gestoßen:














Die Kommentare sind sechs Tage alt; sie standen schon dort, bevor sich Bild.de und Peter Tauber über die “unfassbare Israel-Hetze” auf der Linksjugend-Seite echauffierten. Und im Gegensatz zu dem Jugendverband hat “Bild” sie immer noch nicht gelöscht.

Nachtrag, 17. Juli: Inzwischen dann doch. Und den Rest des Eintrags gleich mit.

Mit Dank an Finn S.

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