Suchergebnisse für ‘Julian Reichelt’

Gottes Werk und Reichelts Foto


(Screenshot: BILDblog, Rahmen: Theen Moy)

“‘Bild’ ist ein Gesamtkunstwerk”, sagte der Medienwissenschaftler Norbert Bolz vor Jahren. Doch während “Bild”-Texte und -Überschriften schon einige literarkritische Behandlung erfahren haben, steckt die kunstwissenschaftliche Würdigung der “Bild”-Bilder noch in den Kinderschuhen. Die Kolumne “Bildbetrachtung” soll hier nachbessern.

Katastrophen sind nicht schön. Die “Bild”-Berichterstattung darüber auch nicht. Viele ethische Grundsätze müssen im Kopfe von “Bild-plus”-Chef Julian Reichelt hin- und hergerollt werden: Wie leuchtet man eine Leiche richtig aus? Wo kriegen wir am schnellsten Klassenfotos der toten Kinder her? Wo wohnen die Eltern, haben wir exklusive Heulbilder?

Leo Fischer hat mit seinen 35 Jahren bereits alles erreicht: Als Chefredakteur der “Titanic” wurde er vom Papst verklagt, ein CSUler wollte ihm “die Lizenz zum Schreiben” entziehen, als Politiker holt er regelmäßig unter 0,1 Prozent der Stimmen. Aktuell schreibt Fischer für die “Titanic”, die “Jungle World”, “Neues Deutschland” und die “taz”. Fürs BILDblog untersucht er die Bildsprache der “Bild”-Zeitung.
(Foto: Tom Hintner)

Angesichts dieser komplizierten Ethik-Lage überrascht es nicht, daß “Bild” im Fall des kaputtgerummsten Städtchens Amortadella schnell handeln mußte — und statt toter Kinder ausnahmsweise eine quietschfidele Nonne vor die Kamera gebracht hat: “Ich war mir sicher, dass ich sterben würde”, sagt Schwester Mariana zu “Bild”. “Aber in dem Moment, als eigentlich schon alles vorbei war, kam eine Stimme und rief meinen Namen. Da war ich mir sicher: Gott ist da.”

Wer mag dieser Gott sein, wer hat Mariana erhört? Eventuell hält Bild.de sich selber dafür. Gottgleiche Ausmaße hat jedenfalls der angenehm fleischige Mikrofon-Dödel, der sich da von linksunten ins Nonnen-Face schraubt. Mikro-Glieder gehören bekanntlich zur Grundausstattung von “Bild”-Mitarbeitern, bei “Bild plus” dürfen es dann gerne ein paar Zentimeter mehr sein. Eine notdürftig abgeklebte Kopfwunde weckt Assoziationen an die Stigmata des Heilands bzw. eine kurz zuvor erfolgte persönlichkeitsoptimierende Schläfenlappen-Op (Lobotomie).

Im Hauptbild hingegen sehen wir die geschwätzige Gottesdienerin attraktiv auf eine Leiter hindrapiert — als wäre sie gerade frisch vom Kreuz herabgestiegen. Den Blick hochkonzentriert aufs Handy gerichtet, den Podex auf einem Stück Sackleinen kühlend, bringt das nackte Füßlein sogar etwas zarte Erotik in dieses pietà-hafte Tableau. Auf welcher App ihre glaubensstarken Augen wohl ruhen? Auf Twitter, Snapchat oder Xhamster? Oder nicht doch besser auf der “Bild”-App? Schauen, welche Mitschwestern es zwischenzeitlich zerbrezelt hat?

Das BILDblog begrüßt jedenfalls den Trend, nur mehr leichtverletzte Opfer von Katastrophen zu zeigen und die wirklich guten Splatter-Effekte schön hinter der Paywall zu verstecken. Dann wird uns beim Besuch von Bild.de auch nicht mehr ganz so schlecht.

“Das Versagen von Nius”, Informationsfreiheit, Sportmarkt

1. Mordfall Stade: Das Versagen von NiUS
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 11:07 Minuten)
Nach dem Sechsfachmord in Stade steht das rechtspopulistische Portal “Nius” wegen einer folgenschweren Identitätsverwechslung in der Kritik. Wie Mats Schönauer auf seinem YouTube-Kanal berichtet, habe die Redaktion um Julian Reichelt eine völlig unbeteiligte Frau fälschlicherweise der Mittäterschaft und Fluchthilfe bezichtigt. Aufgrund detaillierter persönlicher Angaben im Artikel wurde die Betroffene im Netz sofort identifiziert und (befeuert von AfD-Politikern) Opfer einer digitalen Hetzjagd.
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

2. BVG muss rechspopulistische Werbung dulden
(taz.de)
Das Berliner Verwaltungsgericht habe im Eilverfahren entschieden, dass die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) die Werbung des rechtspopulistischen Portals “Nius” wieder zulassen müssen. Das Medium habe einen Anspruch auf diskriminierungsfreien Zugang zu den Werbeflächen. Die BVG habe die Kampagne im Juni gestoppt, nachdem “Nius”-Chef Julian Reichelt ein mögliches Werbemotiv mit dem Slogan “Wir werden immer beliebter bei sämtlichen beiden Geschlechtern” veröffentlicht habe, was die Verkehrsbetriebe als “offensichtlich rechtswidrig” eingestuft hätten. Dem widersprach das Gericht: Das Motiv sei von der Meinungs- und Pressefreiheit gedeckt. Auch von der BVG angeführte Sicherheitsbedenken wegen drohender Proteste und Sachbeschädigungen würden den Ausschluss nicht rechtfertigen.

3. Mehr als eine halbe Million Menschen wollen Informationsfreiheit retten
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Die Pläne der schwarz-roten Bundesregierung, das Informationsfreiheitsgesetz drastisch einzuschränken, würden auf massiven Widerstand stoßen. Eine Petition von “FragDenStaat” habe innerhalb einer Woche über eine halbe Million Unterzeichnerinnen und Unterzeichner einsammeln können. Zudem hätten sich mehr als 120 zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, gegen das Vorhaben positioniert. Auch aus der SPD-Bundestagsfraktion komme parteiinterner Gegenwind.

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4. Springer Exposed
(youtube.com, Der dunkle Parabelritter, Video: 44:20 Minuten)
Der “dunkle Parabelritter” beschäftigt sich in seinem Video mit der Geschichte von Axel Springer: “Wir sprechen über Erfolge, Skandale und Kontroversen, vom Kampf gegen die 68er über den Reichelt-Skandal bis zur Digitalisierung des Unternehmens. Im Mittelpunkt steht außerdem Mathias Döpfner. Wie groß ist sein Einfluss wirklich? Wie viel Macht hat Axel Springer über Politik und öffentliche Debatten? Und was bedeutet das für unsere Demokratie?”

5. Gabor Steingart baut drittes Medienschiff und startet Finanz-Podcast mit KI-Stimm-Klon
(turi2.de, Björn Czieslik)
Wie Björn Czieslik berichtet, investiere das Digitalmedienhaus “Media Pioneer” von Gabor Steingart mehr als 40 Millionen Euro in ein drittes Medienschiff. Die “Pioneer Three” solle mit einer Länge von 80 Metern und Platz für bis zu 400 Gäste in Frankfurt am Main vor Anker gehen, um das wirtschafts- und finanzjournalistische Angebot der Marke auszubauen. Außerdem habe das Medienhaus den börsentäglichen Podcast “Frontrunners” gestartet, der von einem KI-trainierten Stimmdouble Steingarts gesprochen werde.

6. DAZN hat den Sport-Markt verändert. Muss sich jetzt DAZN verändern?
(dwdl.de, Alexander Krei)
Der Sport-Streamingdienst DAZN feiere sein zehnjähriges Bestehen auf dem deutschen Markt. Was als Wagnis mit internationalen Fußball-Nischenrechten begann, habe sich zu einem etablierten, finanzstarken Milliarden-Player entwickelt. Entgegen anfänglicher Skepsis und trotz herber Rückschläge wie der Corona-Pandemie schreibe DAZN in Deutschland seit 2024 schwarze Zahlen und rechne auch für 2026 mit signifikanten Gewinnen. 2027 stehe jedoch ein radikaler Umbruch bevor, da sich Rechte und geografischer Fokus verschöben.

Döpfner und eine Ansage?, “Das System Nius”, KI-Verordnung

1. Mathias Döpfner: Ärger um angebliche AfD-Ansage von ihm an Friedrich Merz
(spiegel.de)
Ein Podcast des “Redaktionsnetzwerk Deutschland” (“RND”) lege nahe, dass Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner Bundeskanzler Friedrich Merz in einem Vieraugengespräch zu einer Zusammenarbeit mit der AfD habe drängen wollen. Merz habe strikt abgelehnt, woraufhin Döpfner im Hinausgehen gesagt haben soll: “Das werden Sie noch bereuen.” In der ersten Folge von “Wenn Sie wüssten…” würden sich der Dokumentarfilmer Stephan Lamby und “RND”-Chefredakteurin Eva Quadbeck auf gut informierte Personen und weitere Indizien berufen. Springer weise die Darstellung als “glatte Lüge” zurück und spreche von einer gezielten Rufmordkampagne. Auch der Vizeregierungssprecher bezeichne das Ganze als “absurde Gerüchte”.

2. Das System Nius – hauptsache gegen “links” 
(belltower.news, Kira Ayyadi)
Kira Ayyadi argumentiert, dass sich die Kampagnen-Plattform “Nius” von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt trotz anhaltender Millionenverluste nicht an klassischen Medienkennzahlen messen lasse, sondern an politischem Einfluss. Hauptfinanzier Frank Gotthardt habe laut Branchenschätzungen bereits rund 50 Millionen Euro in das Projekt gesteckt. “Nius” produziere eine emotionalisierte Gegenöffentlichkeit gegen eine angeblich übermächtige “Kulturlinke” und richte sich gezielt an ein konservatives Publikum, das es zu einer härteren Linie dränge. Damit übernehme das Portal laut Ayyadi eine Scharnierfunktion, die die Grenze zwischen Union und AfD rhetorisch aufweiche.

3. Droht ein Verbot von Indymedia?
(taz.de, Christian Rath)
Die Innenministerkonferenz dränge in einem einstimmigen Beschluss von Ende Juni auf ein Verbot der linksradikalen Website de.indymedia.org. Dafür zuständig wäre Bundesinnenminister Alexander Dobrindt. Die seit 2001 bestehende Plattform habe keine Redaktion und werde vor allem von linksradikalen Gruppen genutzt. Der Verfassungsschutz stufe sie seit 2022 als gesichert linksextremistisch ein. Christian Rath kommentiert: “Eigentlich ist de.indymedia.org für die Sicherheitsbehörden aber vor allem praktisch. An einem Ort können sie alle relevanten linksradikalen Aktionen und Debatten beobachten. Dennoch ist ein Verbot nicht völlig ausgeschlossen.”

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4. Urteil zur SZ-Berichterstattung über Konstantin Wecker
(sueddeutsche.de, Meredith Haaf)
Wie die “Süddeutsche Zeitung” in eigener Sache berichtet, habe der Liedermacher Konstantin Wecker eine einstweilige Verfügung gegen das Blatt erwirkt, die den Beitrag “Weckers vergessene Frauen” betreffe. Die Redaktion habe den Text, in dem drei Frauen sexuelle Erfahrungen aus sehr jungem Alter mit dem Sänger schildern würden, vorübergehend depubliziert. Weckers Argumentation, er könne sich nicht erinnern und daher nicht Stellung nehmen, sei das Gericht nicht gefolgt, habe aber das öffentliche Informationsinteresse verneint. Die “SZ” habe Berufung beim Kammergericht eingelegt.

5. Was gilt für Deep­fakes & Co?
(lto.de, Kristina Schreiber)
Kristina Schreiber erläutert, dass ab dem 2. August die Transparenzpflichten des Artikels 50 der KI-Verordnung greifen sollen, deren Einhaltung sich oft mit bloßem Auge prüfen lasse, weshalb rasch mit Abmahnungen und empfindlichen Bußgeldern zu rechnen sei. Betreiber wie Agenturen oder Verlage müssten dann KI-generierte oder manipulierte Deepfakes klar kennzeichnen. Nach dem begleitenden Code of Practice reiche ein Hinweis in der Bildunterschrift nicht, das Label müsse unmittelbar in Bild oder Video eingebettet sein. Für erkennbar künstlerische, satirische oder fiktionale Werke gelte eine abgeschwächte Pflicht.

6. Rätselraten um verschwundenen WM-Song
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
Ein vollständig mit Künstlicher Intelligenz erzeugter, drastisch vulgärer Schlagersong der erfundenen Kunstfigur “Margot Huber” habe sich während der Fußball-WM der Männer zur inoffiziellen Hymne entwickelt und Millionen Aufrufe gesammelt. Nun sei er plötzlich von allen Plattformen verschwunden. Der Text besinge Nationalspieler wie Nick Woltemade in einem sexuellen Kontext. Der DFB zeige sich schockiert, sehe darin keine zulässige Satire und halte sich rechtliche Schritte offen. Medienrechtsanwalt Christian Solmecke halte den Text für wahrscheinlich justiziabel und betone, dass stets der Mensch hafte, der das Werk veröffentlicht.

7. Dieter Nuhr und die Meinungsfreiheit
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:34 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: In einer seiner vergangenen Sendungen von “Nuhr im Ersten” habe Dieter Nuhr in seinem Stand-up in einer Art über Frauenmorde gesprochen, die viele als geschmacklos empfanden, als Verhöhnung der Opfer. Besonders in den Sozialen Medien hagelte es Kritik. Die österreichische Zeitung “Der Standard” kritisierte Nuhr dafür, Witze über Femizide zu machen. Daraufhin verlangte Nuhrs Produktionsfirma, den Kommentar des “Standard” zu löschen. Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator den Fall.

“Digital News Report”, Fahrraddemo gegen “Apollo News”, DW-Kürzungen

1. 8 Learnings aus dem Reuters Digital News Report 2026
(socialmediawatchblog.de, Martin Fehrensen)
Martin Fehrensen ordnet den “Digital News Report 2026” (weltweit, deutsch) des Reuters Institute ein und hebt hervor, wie sehr Deutschland vom globalen Trend abweiche: Das Vertrauen in Nachrichten bleibe stabil und lineares Fernsehen ungewöhnlich stark. KI-Chatbots und News-Creator würden als Nachrichtenquelle kaum eine Rolle spielen. Weltweit seien Soziale Medien dagegen erstmals zur wichtigsten Nachrichtenquelle geworden.

2. Umgezogenes Problem
(taz.de, Erik Peter)
Wie Erik Peter in der “taz” berichtet, sei das neurechte Portal “Apollo News” nach Berlin-Kreuzberg gezogen, wo bereits Julian Reichelts “Nius” sitze. Dagegen wollen antifaschistische Initiativen um das Bündnis “Apollo Nö” am Samstag mit einer Fahrraddemo protestieren. Die Demo solle über “Apollo News” aufklären, das sich der Themenfelder der Neuen Rechten bediene und in Ergänzung zu “Nius” ein jüngeres, wirtschaftslibertäres Publikum ansprechen wolle.

3. “Mei­nungs­f­rei­heit heißt nicht, dass ich wahllos Men­schen mundtot machen darf”
(lto.de, Hanna E. Weißer)
Bei “Legal Tribune Online” erklärt Josephine Ballon, Co-Geschäftsführerin der Organisation HateAid, warum sich Betroffenenrechte gegen digitale Gewalt so schwer durchsetzen lassen. Meldungen würden bei den Plattformen oft versanden. Die rechtliche Durchsetzung sei zudem teuer und langwierig. Schnelles Löschen sei trotzdem wichtig: Mehr als die Hälfte der Internetnutzerinnen und -nutzer traue sich aus Angst vor digitaler Gewalt nicht mehr, politisch Stellung zu beziehen.

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4. DW-Verwaltungsrat warnt vor weiterer Etat-Kürzung
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Nachdem die Bundesregierung den Etat der Deutschen Welle (DW) für 2026 kurzfristig um zehn Millionen Euro gekürzt habe, befürchte der DW-Verwaltungsrat für 2027 einen weiteren Einschnitt. Zusammen mit Sparmaßnahmen von 2024 müsse die DW binnen drei Jahren rund ein Zehntel ihrer Ausgaben streichen, vor allem bei Personal und Investitionen. Das gefährde den gesetzlichen Auftrag, so der Verwaltungsratsvorsitzende Achim Dercks.

5. Hanna Reifgerst und Anne Schultka (Akademie für Kindermedien)
(wiesoweshalbwarum, Thomas Hartmann, Audio: 1:42:36 Stunden)
Hanna Reifgerst und Anne Schultka übernehmen ab diesem Sommer gemeinsam die Studienleitung der Akademie für Kindermedien (AKM). Im Gespräch mit Kindermedien-Podcaster Thomas Hartmann geht es um die Pläne der beiden, um Kriterien für hochwertige Kindermedien und um die Frage, warum das AKM-Angebot unverzichtbar sei.

6. Mit dem Wegzug des S.-Fischer-Verlags wird Frankfurt endgültig zur Provinz
(fr.de, Leo Fischer)
In seiner satirischen Kolumne nimmt Leo Fischer, Autor und früherer “Titanic”-Chefredakteur, den Umzug des S. Fischer Verlags von Frankfurt am Main nach Berlin zum Anlass für eine Abrechnung mit der Kulturpolitik der Stadt. Der Verlag von Stefan Zweig, Thomas Mann und Franz Kafka ziehe wie zuvor Suhrkamp in die Hauptstadt. Mit beißendem Spott hält Fischer Frankfurt vor, sich seiner Kulturszene zu schämen und sich auf Fußball, Apfelwein und Grüne Soße zu reduzieren.

Face­book löscht zu langsam, Prebunking, “Goldener Spatz”

1. Soziale Medien: Nutzen und Risiken aus Sicht von Jugendlichen und Erwachsenen
(bpb.de)
Die Bundeszentrale für politische Bildung hat Daten des ifo-Bildungsbarometers 2025 zur Social-Media-Nutzung von Jugendlichen ausgewertet. Befragt wurden Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren sowie Erwachsene. Beide Gruppen sähen Soziale Medien überwiegend kritisch, Jugendliche aber etwas positiver als Erwachsene. Social Media gelte für viele als Risiko, sei für junge Menschen aber zugleich ein wichtiger Informations-, Sozial- und Identitätsraum.

2. Face­book löscht zu langsam
(lto.de)
Das Landgericht Frankfurt habe ein Ordnungsgeld in Höhe von 100.000 Euro gegen den Social-Media-Konzern Meta verhängt, da Facebook gerichtliche Löschanordnungen zu langsam umgesetzt habe. Hintergrund seien falsche Vorwürfe gegen einen Soldaten im Gazastreifen, der auf Facebook mit Klarnamen und Foto als Kriegsverbrecher bezeichnet worden sei. Obwohl Meta die Verbreitung untersagt wurde, seien die Beiträge noch lange Zeit online geblieben. Die Entscheidung sei noch nicht rechtskräftig.

3. Vor Desinformation schützen
(verdi.de)
Die Initiative “Prebunking Elections” von dpa, dem Verein Medienebene sowie der Günter-Holland-Journalistenschule wolle Desinformation zu Landtagswahlen nicht erst nachträglich widerlegen, sondern Menschen frühzeitig gegen typische Muster und Narrative von Falschbehauptungen sensibilisieren. Im Mittelpunkt stünden niedrigschwellige Kurzvideos für Social Media, etwa zur Erkennung von KI-generierten Bildern und Videos. Ergänzt werde die Kampagne durch lokale Formate. Dort könnten junge Menschen mit Journalistinnen und Journalisten über Desinformation und Faktenchecks sprechen.

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4. “Nius” wehrt sich juristisch gegen Werbestopp der BVG
(turi2.de, Björn Czieslik)
Wie “turi2” unter Berufung auf die “FAZ” (nur mit Abo lesbar) berichtet, gehe das rechtspopulistische Portal “Nius” juristisch gegen die Berliner Verkehrsbetriebe und die Werbefirma Wall vor. Hintergrund sei der Werbestopp für eine “Nius”-Kampagne, der nach einem Social-Media-Beitrag von Chefredakteur Julian Reichelt veranlasst worden sei. Der “Nius”-Anwalt habe darauf verwiesen, dass der Beitrag satirisch gemeint sei und unter die Meinungsfreiheit falle.

5. Zwischen FIFA, Politik und Fans: Wie Medien über die WM berichten
(ardsounds.de, Sophie Morár, Audio: 27:06 Minuten)
“Wie entsteht eigentlich das Bild, das wir von dieser Fußball-WM haben? Und lässt sich Sportberichterstattung von Politik trennen?” Darüber spricht Sophie Morár bei “BR24 Medien” mit ARD‑Reporter Holger Dahl, ARD‑Programmchef Thomas Wehrle und dem Sportpublizisten Marcus Bölz.

6. Die Welt für Kinder etwas fairer machen
(tagesschau.de, Lars Meyer)
Lars Meyer stellt das Kinder-Medien-Festival “Goldener Spatz” als zentrale Plattform für deutschsprachige Kindermedien vor. Das Festival, 1979 in der DDR gegründet, verbinde Filmprogramm, Branchenangebote und Medienpädagogik. Besonders sei, dass die wichtigsten Preise nicht von Erwachsenen, sondern von einer Kinderjury vergeben werden. Inhaltlich stehe diesmal die Frage im Zentrum, wie Kinder stärker an Gesellschaft teilhaben können.

BVG beerdigt “Nius”, Nach Interview gekündigt, Im Netz der Tech-Konzerne

1. Berliner BVG beerdigt Nius
(taz.de, Luzie Fuhrmann)
In der “taz” schreibt Luzie Fuhrmann, dass die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) die Werbekampagne des rechtspopulistischen Portals “Nius” mit sofortiger Wirkung beendet hätten. Auslöser sei ein Social-Media-Post von “Nius”-Chefredakteur Julian Reichelt, der ein angeblich in der U-Bahn hängendes Motiv zeige, das nicht Teil der freigegebenen Kampagne sei. Zuvor habe es bereits breite Proteste gegen die “Nius”-Werbung gegeben, doch die BVG habe sich lange auf externe Vermarkter und rechtliche Zulässigkeit berufen.

2. Nach kritischem ZDF-Interview: Jobcenter-Mitarbeiter in Bremen wurde offenbar fristlos gekündigt
(tagesspiegel.de)
Nach seinem Auftritt in der ZDF-Doku “System Bürgergeld: Leben ohne Leistung” sei einem Bremer Jobcenter-Mitarbeiter offenbar fristlos gekündigt worden. Er habe in der Sendung massive Kritik an Jobcenter-Strukturen geäußert und unter anderem behauptet, 30 bis 40 Prozent der Bürgergeldempfänger würden unwahre Angaben machen. Diese Zahl werde vom Jobcenter als unbelegt zurückgewiesen. Man werfe dem Mitarbeiter zudem vor, ohne Genehmigung gesprochen zu haben. Dieser wolle juristisch gegen die Kündigung vorgehen.

3. Volksverpetzer gewinnt gegen die Ostdeutsche Allgemeine vor Gericht
(volksverpetzer.de, Thomas Laschyk)
Thomas Laschyk berichtet in eigener Sache, dass der “Volksverpetzer” vor dem Landgericht Dresden gegen die “Ostdeutsche Allgemeine Zeitung” (“OAZ”) gewonnen habe. Die “OAZ” habe sechs Aussagen aus einem “Volksverpetzer”-Artikel per einstweiliger Verfügung untersagen lassen; das Gericht habe den Antrag vollständig zurückgewiesen: Fünf Aussagen seien zulässige Meinungsäußerungen, eine weitere eine zutreffende Tatsachenbehauptung.

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4. Presse- und Meinungsfreiheit in Gefahr? Wir zerstören sie selbst
(de.ejo-online.eu, Michael Haller)
In seinem Essay argumentiert Michael Haller, dass die aktuelle Debatte über Presse- und Meinungsfreiheit oft am Kern vorbeigehe: “In Zeiten der Sozialen Medien sollten wir uns nicht um die Beschneidung der Meinungsäußerungsfreiheit sorgen, sondern um den freien Zugang zu Informationen.” Haller zeichnet historisch nach, dass Pressefreiheit ursprünglich weniger als Recht auf beliebige Meinung gedacht war, sondern als Schutz der Berichterstattung über Macht, Parlament und Staat.

5. Im Netz der Tech-Konzerne: Jochen Breyer auf der Spur der Algorithmen
(zdf.de, Jochen Breyer, Video: 43:46 Minuten)
Die ZDF-Doku “Im Netz der Tech-Konzerne” mit Jochen Breyer zeigt, wie Social-Media-Algorithmen Aufmerksamkeit binden, extreme Inhalte belohnen und Kinder und Jugendliche gefährden können. Mit Anke Engelke als “personifiziertem Algorithmus” erklärt der Beitrag die Logik der Plattformen: Je länger Nutzerinnen und Nutzer online bleiben, desto profitabler werde die Werbung. Es geht um süchtig machendes Design, problematische Inhalte, mangelhafte Content-Moderation und den politischen Kampf um Regulierung.

6. Per KI erzeugte Bikinibilder – Politikerin klagt gegen Elon Musk
(spiegel.de)
Der “Spiegel” greift den Fall der britischen Labour-Abgeordneten Jess Asato auf, die gegen Elon Musks KI-Firma xAI klage. Hintergrund seien mit dem Chatbot Grok erzeugte Fakebilder, die Asato ohne Einwilligung im Bikini zeigen sollen, kurz nachdem sie Deepfake-Pornografie kritisiert hatte. Asato sehe darin eine Verletzung ihrer Privatsphäre und wolle erreichen, dass KI-Unternehmen für die Gestaltung ihrer Systeme haftbar gemacht werden können. Premierminister Keir Starmer unterstütze Asatos Klage.

Tiefrote “Nius”-Bilanz, Merz sagt “Nein”, Digitale Macht begrenzen

1. Verluste bei Reichelts “Nius” weiten sich aus
(t-online.de, Lars Wienand)
Lars Wienand hat ins Unternehmensregister geschaut und die Bilanz für das Jahr 2024 der Betreibergesellschaft von Julian Reichelts rechtem Krawallportal “Nius” analysiert. Diese sei “tiefrot”: “Bei einer Bilanzsumme von gut sieben Millionen Euro lag 2024 das Minus, der Jahresfehlbetrag, bei knapp 16,2 Millionen Euro. Den Kosten stehen weiterhin kaum Erlöse gegenüber.” Der “Nius”-Geldgeber Frank Gotthardt habe “wieder einen zweistelligen Millionenbetrag nachschießen” müssen, die Abo-Einnahmen von Reichelts Portal seien “vergleichsweise winzig”, und die Zahl der Leserinnen und Leser sei “zuletzt auf ein Rekordtief gefallen.”

2. Verfassungsrechtler über AfD-Pläne: “Kompliziert, langwierig und teuer”
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Im Interview mit “DWDL” ordnet der Verfassungs- und Medienrechtler Christoph Degenhart die AfD-Pläne ein, in Sachsen-Anhalt die Rundfunkstaatsverträge zu kündigen. Rechtlich sei eine Kündigung zwar möglich, praktisch aber mit enormen Problemen verbunden: Sachsen-Anhalt müsste dann wohl ein eigenes öffentlich-rechtliches Angebot organisieren, Vermögen, Rechte und Pensionslasten des MDR müssten aufwendig auseinandergesetzt werden, und günstiger würde es vermutlich auch nicht.

3. Merz sagt “Nein” zu Social-Media-Verbot
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Bundeskanzler Friedrich Merz habe auf dem Deutschen Katholikentag ein pauschales Social-Media-Verbot für Minderjährige abgelehnt. Stattdessen habe er sich dafür ausgesprochen, Plattformen besser zu regulieren und Risiken für Kinder und Jugendliche gezielter zu adressieren. Ganz eindeutig sei seine Position allerdings nicht, weil Merz zugleich Altersgrenzen und Zugangsbeschränkungen als möglichen “richtigen Weg” bezeichnet habe.

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4. re:publica 26: Markus Beckedahl – Digitale Macht begrenzen: Der Weg in die digitale Souveränität
(youtube.com, Markus Beckedahl, Video: 59:35 Minuten)
In seiner Keynote anlässlich der re:publica 2026 spricht sich Markus Beckedahl dafür aus, digitale Macht zu begrenzen, um den “Weg in die digitale Souveränität” freizuräumen: “Um die Macht zu begrenzen, sind gute Regeln und ihre Durchsetzung notwendig. Aber die besten Regeln bringen nichts, wenn wir nicht auch Alternativen fördern, damit wir eine Wahlfreiheit haben.”

5. Abschied vom Schlagwort
(taz.de, Klaudia Lagozinski)
Klaudia Lagozinski erklärt in den “wichtigsten Fragen und Antworten”, wie KI-Zusammenfassungen die Onlinesuche verändern. Websites seien lange vor allem für Google und SEO optimiert worden, doch nun verschiebe sich der Fokus zur direkten Antwort durch Systeme wie ChatGPT, Gemini oder Claude. Für Medien und Webseitenbetreiber bedeute dies weniger Klicks, weil Nutzerinnen und Nutzer oft schon mit der KI-Antwort zufrieden seien.

6. Wie politisch darf gemeinnütziger Journalismus sein?
(npj.news)
“NPJ.news”, eine Seite über Nonprofit-Journalismus im deutschsprachigen Raum, hat die aktuelle Rechtslage zum gemeinnützigen Journalismus zusammengefasst. Das Fazit: “Gemeinnütziger Journalismus darf politisch relevant sein. Es muss aber gezeigt werden, dass die politische Relevanz der Berichterstattung aus Aufklärung, Information und Einordnung entsteht und nicht etwa aus parteipolitischer oder kampagnenförmiger Zielsteuerung. Weil Journalismus kein eigener Steuerzweck ist, müssen Redaktionen in gemeinnütziger Trägerschaft diese Grenze sorgfältiger ziehen als klassische Medienunternehmen.”

“Nius” hat Skandal erfunden, Das Internet stirbt, How to Sell Bullshit

1. Nius hat Ramadan-Skandal erfunden
(lto.de, Max Kolter)
Das Landgericht Köln habe dem Portal “Nius” von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt zentrale Aussagen über ein angebliches “Fastenbrechen für Bürgergeldempfänger” in einer Dortmunder Behördenkantine untersagt und sie als “sämtlich unwahr” bewertet. Tatsächlich habe die Kantinenpächterin das Büfett demnach auf eigene Kosten zu ihrem Einstand veranstaltet. Eingeladen gewesen seien nur Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Arbeitsagentur. Die Veranstaltung sei auch nicht öffentlich gewesen, es habe sich mitnichten um ein vom Staat finanziertes Ramadan-Event gehandelt.
Weiterer Lesehinweis: Solidarisch gegen Onlinepranger: “Eine Infoveranstaltung zu Nius mit Berichten von Betroffenen rechter Kampagnen zieht 250 Menschen an. Reichelts Portal hatte im Vorfeld massiv Stimmung gemacht.” (taz.de, Darius Ossami)

2. Das Internet stirbt
(netzpolitik.org, Carla Siepmann)
Carla Siepmanns Beitrag beschreibt, wie Soziale Medien zunehmend von KI-generierten Inhalten und automatisierten Interaktionen geprägt werden. Anknüpfend an die “Dead Internet Theory” argumentiert sie, dass Bots, KI-Videos und maschinell erzeugte Kommentare immer stärker die Feeds bestimmen und den menschlichen Austausch verdrängen. Für Plattformen sei das einerseits profitabel, weil massenhaft Inhalte Aufmerksamkeit erzeugen. Zugleich entstehe aber ein Problem, wenn Bots am Ende vor allem andere Bots bespielen.

3. How to Sell Bullshit Online (Fast)
(blog.ub.uni-leipzig.de, Stephan Wünsche)
Stephan Wünsche warnt vor einem wachsenden Betrug mit KI-generierten pseudowissenschaftlichen Büchern, die über Selfpublishing-Anbieter wie “tredition” veröffentlicht und teils sogar von Bibliotheken angeschafft würden. Die Bücher würden auf den ersten Blick seriös wirken, seien bei genauerem Hinsehen aber voller Fehler und erfundener Quellen. Problematisch sei das nicht nur wegen des verschwendeten Geldes, sondern auch, weil es das Vertrauen in wissenschaftliche Publikationen untergraben könnte.

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4. Newsletter Netzwerk Recherche
(netzwerkrecherche.org, Lena Wrba & Lena Kampf)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für investigativ arbeitende Journalistinnen und Journalisten: der Newsletter des Netzwerk Recherche. Die aktuelle Ausgabe beginnt mit einigen Worten von Lena Kampf zu den Entwicklungen in den USA. Außerdem gibt es den bewährten Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

5. Hyperreaktivität: Die Macht der Memes
(verdi.de, Till Schmidt)
Kulturwissenschaftlerin und Buchautorin Annekathrin Kohout beschreibt Soziale Medien als eine Kultur der “Hyperreaktivität”, in der Sichtbarkeit vor allem durch ständiges Reagieren, Bewerten und Zuspitzen entstehe. Politisch gefährlich werde das vor allem dann, wenn Empörung, Ironie oder Verdacht strategisch eingesetzt würden. Für den Journalismus folge daraus, dass er sich nicht von Erregungsdynamiken treiben lassen, sondern eigene Themen setzen und sauber einordnen sollte.

6. Meinungsfreiheit in Gefahr: Was ist da dran?
(ardsounds.de, Sophie Morár & Johannes Leininger, Audio: 25:52 Minuten)
Die aktuelle Folge von “BR24 Medien” geht der Frage nach, ob die Meinungsfreiheit in Europa tatsächlich unter Druck steht, wie es US-Vizepräsident JD Vance vergangenes Jahr behauptet hatte. Sophie Morár und Johannes Leininger sprechen darüber, wo der Staat die Grenzen der Meinungsfreiheit zieht, und wie auch Medien zu dieser Wahrnehmung beitragen. Der Kommunikationswissenschaftler Carsten Reinemann betont, dass viele Menschen Meinungsfreiheit als Kern der Demokratie sehen, und wirbt für mehr Offenheit gegenüber anderen Positionen. Ronen Steinke, Journalist und Jurist, sieht die Meinungsfreiheit unter Druck. Der Staat sei in den vergangenen Jahren stärker gegen bestimmte Äußerungen vorgegangen und habe so die Grenzen des Sagbaren enger gezogen.

Weltkugel gegen Weimer, “Nius” und Frauenhass, Kaum Reichweite auf X

1. “Zur Schwan­kenden Welt­kugel” mahnt Weimer wegen Inter­view ab
(lto.de, Annelie Kaufmann)
Die Inhaberinnen der Berliner Buchhandlung “Zur schwankenden Weltkugel” würden sich nun juristisch gegen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wehren und eine strafbewehrte Unterlassungserklärung fordern. Grund dafür sei ein aktuelles Zeitungsinterview, in dem Weimer die vom Buchhandlungspreis ausgeschlossenen Läden öffentlich als “politische Extremisten” bezeichnet habe. Der Anwalt der Buchhandlung kritisiere diese Wortwahl als rechtswidrige und stigmatisierende Diffamierung, die der Kulturstaatsminister im Falle einer Weigerung vor Gericht mit konkreten Fakten belegen müsse.

2. Kampagne gegen Nius und Frauenhass: Reichelt in die Falle gelockt
(taz.de, Erik Peter)
Das neu gegründete “Edelweiß Netzwerk” habe den “Nius”-Macher Julian Reichelt mit einer fahrbaren Großbildleinwand im Berliner Regierungsviertel gezielt provoziert. Auf der Leinwand seien Schmähzitate gegen ihn präsentiert worden. Reichelt und seine Anhängerschaft hätten sich online sofort lautstark über den vermeintlichen linken Hass empört. Die verwendeten Zitate seien in Wahrheit jedoch aus “Nius”-Kommentarspalten entnommen worden und hätten sich ursprünglich gegen prominente Frauen gerichtet.

3. Ramadan-Luxusbuffet erfunden: NIUS blamiert sich wieder mit Fake-Story!
(volksverpetzer.de, Thomas Laschyk)
Das Portal “Nius” habe laut “Volksverpetzer” eine gezielte Falschmeldung über ein angeblich steuerfinanziertes “Ramadan-Luxusbuffet für Bürgergeldempfänger” in der Dortmunder Arbeitsagentur verbreitet. Recherchen von t-online.de hätten den Vorfall jedoch rasch aufgeklärt: Die neue, selbst nicht muslimische Kantinenpächterin habe die rein weltliche Eröffnungsfeier als Werbeaktion komplett aus eigener Tasche bezahlt.

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4. Wenig Reichweite, viel Hass
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Eine aktuelle Analyse des Zentrums für Digitalrechte und Demokratie zeige, dass deutsche Bundesministerien und Behörden auf der Plattform X (ehemals Twitter) kaum noch nennenswerte Reichweiten erzielen. Viele staatliche Stellen würden ihre Präsenz mit ihrem verfassungsrechtlichen Informationsauftrag begründen. In der Realität würden ihre Beiträge jedoch nur minimale Interaktionsraten im einstelligen Prozentbereich verzeichnen: “Die meisten untersuchten Accounts der Bundesministerien haben unter 200.000 Follower:innen und erzeugen kaum Resonanz.”

5. “Leipziger Appell zur Freiheit und Unabhängigkeit der Medien”
(mdr.de)
Der öffentlich-rechtliche MDR habe gemeinsam mit zahlreichen Institutionen aus Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur einen “Leipziger Appell zur Freiheit und Unabhängigkeit der Medien” veröffentlicht. Die Initiative wolle ein starkes Signal für den uneingeschränkten Zugang zu Informationen setzen und betonen, dass jeder Angriff auf die Informationsfreiheit unweigerlich auch das demokratische Gemeinwesen angreife.

6. Facts and Fantasy
(journalist.de, Hilmar Poganatz)
Der Journalist Hilmar Poganatz berichtet, dass immer mehr öffentliche-rechtliche Medienhäuser wie BR und SWR sogenannte Pen-and-Paper-Rollenspiele als innovatives, auch journalistisches Format entdecken. Durch diese live auf Plattformen wie Twitch und YouTube gestreamten Spielrunden würden sich komplexe oder historische Themen stark emotionalisieren lassen. Dadurch erreiche man gezielt jene “Digital Natives”, die klassische Nachrichtenangebote mittlerweile oft meiden.

Springer kauft “Telegraph”, Jimmy Lai, Eisschnelllaufverband vs. ARD

1. Springer kauft Telegraph
(taz.de)
Der Axel-Springer-Konzern habe die traditionsreiche britische Zeitung “The Telegraph” in letzter Minute für 575 Millionen Pfund erworben, also etwa 660 Millionen Euro. Wie Springer-Chef Mathias Döpfner mitgeteilt habe, gehe damit ein über 20 Jahre alter Traum in Erfüllung, das Blatt künftig zum führenden bürgerlich-konservativen Medium der englischsprachigen Welt auszubauen. Durch diesen überraschenden Schritt habe Springer den direkten britischen Konkurrenten DMGT (“Daily Mail”) aus dem Rennen gedrängt.

2. Jimmy Lai legt keine Berufung gegen Verurteilung zu 20 Jahren Haft ein
(spiegel.de)
Der inhaftierte Hongkonger Verleger und Demokratieaktivist Jimmy Lai werde laut Angaben seiner Anwälte keine Berufung gegen seine drakonische Verurteilung zu 20 Jahren Gefängnis einlegen. Der 78-jährige Gründer der inzwischen eingestellten Zeitung “Apple Daily” sei zuvor auf Basis des umstrittenen chinesischen “Sicherheitsgesetzes” wegen angeblicher “Kollaboration mit ausländischen Kräften” und “Aufruhrs” schuldig gesprochen worden.

3. Wer hat Angst vorm kritischen Bürger?
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Bei “Übermedien” lobt Stefan Niggemeier eine Reihe des ARD-“Mittagsmagazins”, in der die Spitzenkandidaten der baden-württembergischen Landtagswahl gezielt mit kritischen Bürgerinnen und Bürgern aus deren jeweiligem Fachgebiet konfrontiert worden seien. Anstatt die übliche, weichgespülte Wahlkampf-Wohlfühlatmosphäre zu erzeugen, habe das gute Casting der widerborstigen Gesprächspartner zu pointierten und teils entlarvenden Momenten geführt.

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4. NIUS & OAZ: Gleiche Autoren, gleiche Interviewpartner, gleiche Propaganda?
(volksverpetzer.de, Matthias Meisner)
Matthias Meisner kritisiert die auffälligen personellen und thematischen Überschneidungen zwischen dem rechten Krawallportal “Nius” von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt und der neu gegründeten “Ostdeutschen Allgemeinen” des Verlegers Holger Friedrich. Beide Medien böten bevorzugt denselben Akteuren vom rechten Rand eine unwidersprochene Bühne. Das dahinterstehende Ziel sei es, gezielt gegen die “Brandmauer” zur AfD zu agitieren und rechte Narrative zu normalisieren.

5. Lokaljournalismus – “Das Frühwarnsystem vor Ort”
(belltower.news, Shila Samanthi)
Der Lokaljournalist Alexander Roth betont im Interview, dass regionalen und lokalen Medien bei der frühzeitigen Aufdeckung rechtsextremer Netzwerke eine unverzichtbare Rolle zukomme. Der von der AfD oftmals strategisch instrumentalisierte Vorwurf der mangelnden Neutralität dürfe Redaktionen nicht zu einer unkritischen Gleichbehandlung verleiten. Demokratiefeindliche Positionen müssten zwingend fachlich eingeordnet werden.

6. Eisschnelllauf-Wirbel: Das sagt die ARD zu einer Abmahnung
(digitalfernsehen.de)
Die ARD weigere sich, eine vom Eisschnelllaufverband (DESG) geforderte Unterlassungserklärung zu unterschreiben. Man halte die eigene kritische Berichterstattung über angebliche finanzielle Unregelmäßigkeiten zulasten der Sportlerinnen und Sportler für wahrheitsgemäß und gerichtlich belegbar. Der Verbandspräsident Matthias Große weise die Vorwürfe vehement zurück. Die der “Sportschau” vorliegenden Dokumente widersprächen der Darstellung jedoch.

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