Archiv für Juli 29th, 2026

Jugendwort des Jahres, Heimat der Heuschrecke, Buchvorschüsse

1. Hände weg vom IFG!
(freischreiber.de)
Auch die Freischreiber, der Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten, haben einen Offenen Brief zu den von der Bundesregierung geplanten Änderungen des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) unterzeichnet: “Sollten die Regierungspläne wie geplant umgesetzt werden, würde Millionen Bürger:innen sowie Journalist:innen und Organisationen das Recht auf Informationsfreiheit verwehrt. Darunter leiden werden: faktenbasierte Berichterstattung, öffentliche Kontrolle, das zivilgesellschaftliche Engagement sowie das Vertrauen in die Politik. Die Demokratie braucht ein starkes IFG!”

2. Wir gehen crashout, wenn Sie diesen Artikel über das Jugendwort des Jahres nicht lesen
(derstandard.at)
Der Langenscheidt-Verlag habe die zehn Finalisten für das deutsche Jugendwort des Jahres 2026 bekannt gegeben. Neben Dauerbrennern wie “Digga” und Ausdrücken wie “Peak”, “Crashout” oder “Schere” hätten es auch Phänomene wie “Gute Käse”, der TikTok-Trend “67” und politische Kampagnengriffe in die Auslese geschafft. Das Wort “Mehrzweckeier” sei wegen beleidigender Bezüge zu Bundeskanzler Friedrich Merz jedoch vom Verlag ausgeschlossen worden. Dazu ein weiterer Lesetipp: Langenscheidt, leck Eier!: “Denkt der Verlag, Jugendsprache ist nicht politisch? Peinlich.” (taz.de, Johannes Drosdowski)


3. Million-Dollar-Baby: Literaturagent Thomas Montasser über die Frage, wie Manuskripte bewertet werden
(buchmarkt.de, Thomas Montasser)
In einem Gastbeitrag lüftet der Literaturagent Thomas Montasser die Logik hinter der Bestseller-Branche und erklärt, warum Buchvorschüsse wenig mit literarischer Qualität zu tun haben. Ausschlaggebend sei primär die betriebswirtschaftliche Verkaufserwartung der Verlage, die wiederum stark von Marketing-Investitionen, Spitzentitel-Platzierungen und früheren Verkaufserfolgen beeinflusst werde. Montasser zeigt auf, wie Algorithmen im Buchhandel diesen Mechanismus noch verstärken.

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4. In der Heimat der Heuschrecke
(kontextwochenzeitung.de, Von Josef-Otto Freudenreich)
Josef-Otto Freudenreich kritisiert den Expansions- und Sparkurs der Ulmer “Neuen Pressegesellschaft”, die beachtliche Teile der baden-württembergischen Presselandschaft unter sich vereint habe: “Die Ulmer ‘Südwest Presse’ feiert sich als Hort des Qualitätsjournalismus. Und mit ihr Minister Manuel Hagel (CDU). Dabei wird immer klarer, dass der neue Monopolist eher auf Kahlschlag und Zombie-Zeitungen setzt.”

5. Die digitale TV-Revolution begann mit einem Fehlschlag
(dwdl.de, Alexander Krei)
Vor 30 Jahren habe Medienmogul Leo Kirch mit DF1 das erste digitale Fernsehen Deutschlands an den Start geschickt und damit unwissentlich den Niedergang seines eigenen Imperiums eingeleitet. Fehlende Exklusivrechte, teure Hardware und eine geringe Zahlungsbereitschaft des Publikums hätten dem Projekt Milliardenverluste beschert. Erst nach der dramatischen Kirch-Insolvenz und Jahre nach der Fusion mit Premiere (heute Sky) habe sich die Digitalisierung des Fernsehens schleppend durchgesetzt.

6. Blogger tyrannisiert: Ebay zahlt über 50 Millionen Dollar
(handelsblatt.com)
Nach jahrelanger juristischer Auseinandersetzung zahle der US-Online-Konzern Ebay im Rahmen eines Zivilvergleichs mehr als 50 Millionen US-Dollar Schadensersatz an ein Blogger-Ehepaar aus Massachusetts sowie an gemeinnützige Organisationen. Grund dafür seien schwere Einschüchterungs- und Belästigungsaktionen ehemaliger Sicherheitsmitarbeiter, die den Verfassern eines kritischen Newsletters lebendige Kakerlaken, einen Trauerkranz sowie eine mit Kunstblut verschmierte Schweinemaske per Post zugeschickt hätten. Auch der damalige Ebay-Chef, der das Vorgehen angeregt habe, zahle drei Millionen US-Dollar an die Betroffenen und eine Medienfreiheitsstiftung.