Archiv für Juni, 2018

Das Seemannsgarn der Rechten, Kein Recht auf Vergessen, Hetzersperre

1. Ich war selbst an Seenotrettungen beteiligt – Glaubt nicht diesen 6 Lügen der Rechten
(volksverpetzer.de, Johann Pätzold)
Johann Pätzold war selbst an Seenotrettungen beteiligt und weiß insofern, wovon er spricht, wenn er kompakt und gut lesbar mit den sechs am stärksten verbreiteten politischen Mythen dazu aufräumt. Seine persönliche Geschichte hat Pätzold in längerer Form hier aufgeschrieben.

2. Kein Recht auf Vergessen
(taz.de, Christian Rath)
Die zwei Halbbrüder, die 1993 wegen Mordes an dem bekannten bayerischen Schauspieler Walter Sedlmayr zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt wurden, haben ihre Klage beim Europäischen Menschenrechtsgerichtshof verloren: Die Online-Archive von Rundfunkanstalten und anderen Medien sind nicht verpflichtet, nachträglich die Namen der beiden 2007 und 2008 aus der Haft entlassenen Männer zu tilgen.

3. Google muss Ein-Sterne-Negativ-Bewertung löschen
(zeit.de)
Online abgegebene Ärzte-Bewertungen sind immer wieder Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen. Im vorliegenden Fall muss Google eine Ein-Sterne-Bewertung streichen lassen, die auch bei Google Maps erscheint. Die nicht näher begründete Bewertung sei geeignet, das Ansehen des Arztes negativ zu beeinflussen.

4. Verbrechen gegen Journalisten verfolgen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen (ROG) fordert die künftige mexikanische Regierung auf, Verbrechen gegen Journalisten konsequenter zu verfolgen: „Die Kultur der Straflosigkeit führt dazu, dass die Täter sich zu immer neuen Verbrechen gegen Journalisten ermutigt fühlen. Pressefreiheit ist nur gewährleistet, wenn Journalisten in Sicherheit und ohne Angst vor Gewalt arbeiten können.“ Hintergrund sind die vielen Gewalttaten gegen Journalisten vor der anstehenden Präsidentschaftswahl. Zwischen Januar und Mai 2018 seien 45 Journalisten in Zusammenhang mit ihrer Wahlberichterstattung angegriffen worden. Fünf Medienschaffende seien gewaltsam ums Leben gekommen.

5. Facebook darf Hetzer aussperren
(spiegel.de)
Ein Facebook-Nutzer hat in mindestens hundert Fällen unter anderem Postings von Politikern und Medien mit folgendem Satz kommentiert: „Flüchtlinge: So lange internieren, bis sie freiwillig das Land verlassen!“ Als er von Facebook für 30 Tage gesperrt wurde, klagte er dagegen mit dem Standardargument aller Hasskommentierer: Er mache nur vom Grundrecht der Meinungsfreiheit Gebrauch. Das Landgericht Karlsruhe hat seinen Antrag jedoch zurückgewiesen, die Sperre war rechtens. 


6. Wohnungen statt Zeitungsredaktionen
(fr.de, Claus-Jürgen Göpfert)
Claus-Jürgen Göpfert schreibt über einen bevorstehenden Einschnitt in der Frankfurter Stadtgeschichte: Das alte Zeitungsviertel steht vor der Auflösung. 2021 wird die „FAZ“ mit ihren rund 1000 Beschäftigten ins Europaviertel umziehen. Doch der Umbruch vom früheren Industrieviertel hin zum modernen Dienstleistungsquartier sei schon jetzt in vollem Gange.

ORF-Diskussion, Mission Heimlich?, „Distracted Boyfriend“-Meme

1. ORF: Keine Kritik auf Social Media
(brodnig.org)
Die Journalistin und Buchautorin Ingrid Brodnig hat aufgeschrieben, warum ihr die aktuellen Social-Media-Pläne des ORF nicht behagen. Grundsätzlich habe sie keine Probleme mit Social-Media-Guidelines, „die konkreten Formulierungen im aktuellen Entwurf sind aber so weitreichend, dass ich ein Missbrauchspotenzial fürchte, welches dazu führen kann, dass die Meinungsfreiheit und auch die öffentliche Debatte auf Facebook und Twitter leiden.“
Weiterer Lesehinweis: Der Kommentar von Florian Klenk, Chefredakteur der Wiener Wochenzeitung „Falter“: Ein Knickserl vor der FPÖ (zeit.de)

2. Wie „Spiegel TV“ sich neu erfinden will
(haz.de, Imre Grimm)
Nach 30 Jahren geht es mit „Spiegel TV“ auf dem gewohnten Sendeplatz bei RTL zu Ende. Wie geht es mit dem erfolgreichen politischen Magazin weiter? Chefredakteur Steffen Haug sowie Redaktionsleiterin und Moderatorin Maria Gresz erläutern ihre Pläne.

3. Faktencheck: Falschnachrichten über Migranten der Aquarius – Warum dieses Foto aus dem Kontext gerissen ist
(correctiv.org, Cristina Helberg)
Der katholische Theologe und Publizist David Berger wusste auf seinem rechtspopulistischen Blog „Philosophia perennis“ Empörendes zu berichten: Angeblich hätten Flüchtlinge von Bord des Schiffes „Aquarius“ Kleidung in den Müll geworfen, die das Rote Kreuz ihnen gegeben hat. Der Haken bei der Geschichte: Sie stimmt nicht.

4. So groß ist die Welt
(freitag.de, Klaus Raab)
In Raúl Krauthausens Talkshow „face to face“ reden Gäste mit und ohne Behinderung über ihr Leben. Nun hat der nimmermüde Inklusionsaktivist, der unter anderem die „Sozialhelden“ gegründet und die Landkarte mit rollstuhlgerechten Orten „Wheelmap“ initiiert hat, den Grimme-Online-Award für seine Sendung bekommen.

5. Unbemerkt verabschiedet?
(faktenfinder.tagesschau.de, Konstantin Kumpfmüller)
Während der Fußball-WM wurden verschiedene unpopuläre Gesetze verabschiedet, ob mehr Geld für Parteien oder schärfere Regeln beim Urheberrecht. Steckt dahinter eine Strategie, um Diskussionen zu vermeiden? Spoiler: Ganz so einfach ist es wohl nicht.

6. Die Frau aus dem „Distracted Boyfriend“-Meme ist immer geschockt – und es ist so witzig!
(bento.de, Steffen Lüdke)
Kaum jemand, der das Bild auf Social Media noch nicht gesehen hat: Er und sie Händchen haltend, aber er dreht sich nach einer anderen um, was bei seiner Partnerin entsprechend für Empörung sorgt. Das Bild dient unzähligen Memes zur Verbreitung von mehr oder weniger einschlägigen Verrats- und Untreuebotschaften. Ein Twitternutzer hat sich die Mühe gemacht, in den anderen Stockfotos der Frau zu stöbern. Das Ergebnis ist schockierend!

Heung-Min Son muss zum Militär. Aber nur vielleicht und „kaum vorstellbar“

Bei Bild.de haben sie sich noch nie gut klingende und klickende Schlagzeilen von sowas Nebensächlichem wie Fakten kaputtmachen lassen. Auch in diesem Fall nicht:

Screenshot Bild.de - Ex-Bundesliga-Profi - Achtelfinale, sonst geht's zum Militär

Gemeint ist der südkoreanische Fußballer Heung-Min Son, der mit seiner Mannschaft heute bei der WM in Russland im letzten Gruppenspiel gegen Deutschland antritt. Son und seine Teamkollegen können noch ausscheiden, aber auch ins Achtelfinale einziehen.

In Südkorea gibt es einen verpflichtenden Armeedienst, den alle Männer vor ihrem 29. Lebensjahr absolviert haben müssen. Auch Profi-Sportler. Es sei denn, sie erreichen in ihrer Sportart etwas, das dem Land Ruhm und Ehre bringt. Eine gute Platzierung bei einer Fußball-Weltmeisterschaft etwa könnte einem Sportler, der seinen Dienst noch nicht geleistet hat, diesen ersparen.

Mit Blick auf den 25-jährigen Son, der bis jetzt noch nicht beim Militär war, schreibt Bild.de:

Am Mittwochnachmittag will der koreanische Hoffnungsträger ausgerechnet gegen Deutschland das WM-Aus […] abwenden. Doch nicht nur das: Dem Ex-Hamburger und Leverkusener droht bei einem vorzeitigen Ausscheiden sogar das Militär!

Achtelfinale oder Armee, Weiterkommen bei der WM oder Kasernenleben — diese Entweder-oder-Behauptung hält bei Bild.de nur ein paar Zeilen lang. Ein erstes Rückrudern schon nach wenigen Absätzen:

Aber: Wird Son wirklich für die Armee eingezogen?

Kaum vorstellbar, dass die stolze Asien-Republik sein größtes Aushängeschild […] tatsächlich zum Militär verdonnert. In Südkorea ist der Kumpel von DFB-Jungstar Julian Brandt (22) ein Top-Star, Marken-Magnet, Botschafter, Frauenheld. 2015, 2017 und 2018 wurde der deutschsprechende Profi sogar zu Asiens Fußballer des Jahres gewählt.

Ja, „kaum vorstellbar“. Für eine Bild.de-Schlagzeile aber reicht’s noch.

Am Ende seines Artikels schreibt der Autor dann, dass es gar nicht sicher sei, dass Heung-Min Son zum Militär muss, sollten er und sein Team in Russland nicht das Achtelfinale erreichen:

Wenn das nicht klappt, hat „Sonny“, wie er genannt wird, noch zwei weitere Chancen: bei den Asien-Spielen im August oder beim Asien-Pokal im Januar 2019.

Andere Medien behaupten ebenfalls, dass Son definitiv zum Militär müsse, sollte Südkorea heute ausscheiden. „Zeit Online“ zum Beispiel:

Screenshot Zeit Online - Achtelfinale oder Armee - Alle Südkoreaner müssen einen fast zweijährigen Militärdienst leisten. Auch Profifußballer wie Son Heung Min. Es gibt nur einen Ausweg: gegen Deutschland gewinnen.

Ganz so ausweglos ist die Situation für Heung-Min Son dann doch nicht.

Mit Dank an Frank D. für den Hinweis!

ORF-Maulkorb, Vier-Augen-Delikte, AfDler als Journalistenbedroher

1. ORF-Mitarbeiter sollen Politik „auch privat“ auf Twitter nicht kritisieren
(derstandard.at, Harald Fidler)
Der österreichische Sender ORF arbeitet an neuen Social-Media-Regeln, nach denen Mitarbeiter auf Meinungsäußerungen verzichten sollen und zwar auf: „öffentliche Äußerungen und Kommentare in sozialen Medien, die als Zustimmung, Ablehnung oder Wertung von Äußerungen, Sympathie, Antipathie, Kritik und ‚Polemik‘ gegenüber politischen Institutionen, deren Vertreter/innen oder Mitgliedern zu interpretieren sind“. Der Betriebsratschef wertet dies als „Kniefall“ vor ÖVP und FPÖ.
Weiterer Lesehinweis: ORF-Chef will Mitarbeitern politische Kritik verbieten (zeit.de)

2. „Kommunikations-GAU“ im Funkhaus
(taz.de, Anne Fromm)
Bei „Deutschlandfunk Kultur“ sorgt die Meldung über ein Finanzloch für Unruhe in der Belegschaft: Von einschneidenden Sparmaßnahmen bei Programm und Personal ist die Rede. Die innerbetriebliche Kommunikation darüber hätte besser laufen können, wie „taz“-Redakteurin Anne Fromm berichtet. Als die Senderchefs die Redakteure/innen über die neue Reform informieren wollten, hätten die Chefs dem Personalrat und dem Redakteursausschuss den Zutritt zu der Versammlung verweigert. Ein „klarer Verstoß gegen das Bundespersonalvertretungsgesetz“, wie die Angestellten in einer Stellungnahme schreiben würden.

3. Warum es so schwierig ist, zu „Me Too“ zu recherchieren
(sueddeutsche.de, Charlotte Theile)
Charlotte Theile berichtet von der Schwierigkeit, zu #MeToo zu recherchieren: „Sexuelle Übergriffe sind oft Vier-Augen-Delikte. Zwei Menschen wissen, was wirklich passiert ist. Gleichzeitig gibt es überall da, wo es um Sex geht, schnell Gerüchte. Eine unübersichtliche Mischung, in der Journalisten schnell in einen Rollenkonflikt geraten. Mit Nachforschungen laufen sie Gefahr, Teil des Hörensagens zu werden.“

4. Nach Merkel-Kommentar: Malte Pieper verwundert über Reaktionen
(swr3.de, Amelie Heß)
Der ARD-Korrespondent Malte Pieper forderte in einem Kommentar den Rücktritt von Angela Merkel, was im Netz eine breite Diskussion auslöste. Einige Medien, wie „Bild“, stellten die Meinung des Korrespondenten fälschlicherweise als die Meinung der „Tagesschau“ dar, was die Stimmung zusätzlich anheizte. BILDblog berichtete. Auf SWR3 zeigt sich Malte Pieper verwundert über die Reaktionen. Er habe sachlich argumentiert. Sein Kommentar sei lediglich ein Angebot zur Diskussion gewesen. Zum Vorwurf des „Staatsfunks“ sagt Pieper: „Viele glauben offenbar, wir hier beim SWR oder in den ganzen ARD kriegen morgens ein Fax aus dem Bundeskanzleramt und da steht drin, was wir senden sollen. Ich kann nur sagen: So ist es definitiv nicht. Wir denken schon noch selbst.“

5. AfD-Treffen: Teilnehmer bedrohen und attackieren Journalisten
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Beim „Kyffhäusertreffen“ in Sachsen-Anhalt hat sich der rechtsnationale Flügel der AfD zusammengefunden. Teilnehmer der Veranstaltung haben Journalisten angegriffen und bedroht, die sie beim Verlassen des Versammlungsgeländes gefilmt haben. Einige Besucher der Veranstaltung hätten sich gegenüber den Journalisten auf den Datenschutz berufen und verboten, sie zu filmen. Dies sei „Unsinn“, wie Medienrechtler Thorsten Feldmann bei „Übermedien“ zitiert wird: „Mit Datenschutz hat das nichts zu tun. Es gilt das Medienprivileg.“

6. „Bild“-Redaktion evakuiert, weil Flüchtling an Axel-Springer-Hochhaus vorbeiging
(der-postillon.com)
Der „Postillon“ berichtet: „Zu chaotischen Szenen ist es heute im Axel-Springer-Hochhaus in Berlin gekommen. Dort wurde am Vormittag die gesamte Bild-Redaktion evakuiert. Zuvor hatte ein Journalist der Zeitung einen Flüchtling entdeckt, der den Gehweg vor dem Gebäude entlang lief.“

„Bild“ lässt „Tagesschau“ Merkels Rücktritt fordern

Ein Kommentar eines Journalisten oder einer Journalistin, ob nun in der gedruckten Zeitung oder online, im Radio oder im Fernsehen, spiegelt immer die Meinung des Journalisten oder der Journalistin wider. Die im Kommentar geäußerten Ansichten lassen sich nicht automatisch auf eine Redaktion übertragen. Sowas lernen Kommunikationswissenschaftler bereits im ersten Semester an der Uni. Und trotzdem müssen wir es hier noch mal aufschreiben, weil die „Bild“-Zeitung heute diese Schlagzeile auf ihrer Titelseite hat:

Ausriss Bild-Titelseite - Räumen Sie das Kanzleramt - Verbrannte Erde - Tagesschau rechnet mit Merkel ab!

Bei Bild.de war die Sache bereits gestern Abend gut sichtbar auf der Startseite platziert:

Screenshot Bild.de - Offene Rücktrittsforderung - Tagesschau rechnet mit Kanzlerin ab

Grundlage für beide Artikel ist ein Kommentar des ARD-Korrespondenten Malte Pieper über Bundeskanzlerin Angela Merkel. Darin heißt es unter anderem:

Geschätzte Angela Merkel, nach fast 13 Jahren Kanzlerschaft gibt es auf europäischer Ebene für Sie, außer spürbarer Abneigung, nichts mehr zu gewinnen. Das haben alle Treffen der letzten Monate gezeigt. Helfen Sie deshalb mit, den scheinbar unabwendbaren Trend nach europäischer Spaltung statt Einigung endlich aufzuhalten! Räumen Sie das Kanzleramt für einen Nachfolger, dessen Name nicht so belastet ist, wie es der Ihre ist.

Das ist die Meinung von Malte Pieper, nicht die Meinung der „Tagesschau“. Es ist die Rücktrittsforderung von Malte Pieper, nicht die Rücktrittsforderung der „Tagesschau“.

Die „Bild“-Überschrift „Tagesschau rechnet mit Merkel ab“ ist also schon mal irreführend. Und auch beim Texteinstieg von „Bild“ und Bild.de wird es nicht besser:

„Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Rücktrittsforderung! Ta-ta!-Ta-ta-ta-taaaa!“

Ausgerechnet die öffentlich-rechtliche „Tagesschau“ der ARD überraschte gestern — vor allem in Ton und Schärfe — mit einer Rücktrittsforderung an die Kanzlerin.

Das ist gleich in doppelter Hinsicht falsch. Erstens, weil die Rücktrittsforderung eben nicht vom „Ersten Deutschen Fernsehen“ beziehungsweise von der „Tagesschau“ kommt, sondern — wir schreiben es hier gern noch einmal — von Malte Pieper. Und zweitens ist Piepers Kommentar nie im Fernsehen gelaufen, sondern im Radio und als Text bei Tagesschau.de.

Etwas weiter hinten im „Bild“-Beitrag darf dann doch noch jemand von der „Tagesschau“ erklären, dass es sich nicht um einen Kommentar der gesamten Redaktion handelt, sondern um eine Meinung einer Einzelperson:

Ist DAS eine Meinung eines Korrespondenten oder die Haltung der „Tagesschau“?

Auf BILD-Anfrage teilte Chefredakteur Kai Gniffke mit: „Journalistische Kommentare werden grundsätzlich als solche gekennzeichnet und geben immer nur die Meinung des bzw. der Kommentierenden wieder.“

Die „Bild“-Redaktion weiß also, dass es sich nicht um „die Haltung der ‚Tagesschau'“ handelt (natürlich wusste sie das auch schon vor Gniffkes Statement). Und trotzdem knallt sie ihre Schlagzeilen auf den „Bild“-Titel und die Bild.de-Startseite. Bei Bild.de erfahren das alles übrigens nur Abonnenten — es handelt sich schließlich um einen „Bild plus“-Text.

„Bild“-Chef Julian Reichelt verbreitete bereits gestern am Vormittag bei Twitter die falsche Behauptung zur Rücktrittsforderung durch die „Tagesschau“:

Screenshot Tweet von Julian Reichelt - Die Tagesschau fordert im Kommentar den Rücktritt von Angela Merkel und wirft ihr vor, verbrannte Erde hinterlassen zu haben.

Das ist ganz interessant: Reichelt twittert über einen Kommentar eines öffentlich-rechtlichen Journalisten, der sich mit einer Rücktrittsforderung an Angela Merkel wendet. Dazu keine Kritik durch den „Bild“-Chef, etwa wegen des belehrenden Tons. So weit, so okay. Vor nicht mal einer Woche twitterte Reichelt über Markus Grill, den Berliner Bürochef des Investigativressorts von NDR und WDR:

Screenshot Tweet von Julian Reichelt - Ich persönlich finde, dass Tweets von öffentlich-rechtlichen Kollegen sich nicht in dieser belehrenden und parteiischen Weise an Parteien wenden sollten. Die Öffentlich-Rechtlichen haben keinen Weltbild-Umerziehungsauftrag.

Für Julian Reichelt ist bei der Frage, wie sich ein „öffentlich-rechtlicher Kollege“ äußern sollte, am Ende doch wohl nicht entscheidend, gegen wen dieser schießt?

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

Vertraulichkeit als Maulkorb, Wahre Welle, Merkel-Podcast-Finanzierung

1. Für den Podcast der Bundeskanzlerin sind eine Million Euro an eine Firma geflossen, die der Union nahesteht
(buzzfeed.com, Marcus Engert)
Der Podcast der Bundeskanzlerin wirft einige Fragen auf. Da wäre zunächst das üppige Produktionshonorar von (kumuliert) mehr als einer Million Euro, das an eine Firma fließt, die im Wesentlichen dem Politikberater Roland Berger und dem Schwiegersohn von Ex-CSU-Chef Edmund Stoiber gehörte. Außerdem kritisieren Journalisten, dass die Bundeskanzlerin zu wenig mit ihnen spricht, während die Social-Media-Auftritte zunehmen würden. Und dann bleibt da noch die Sache mit der Gesetzeslücke, die von der Bundesregierung bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit geschickt ausgenutzt werde. Marcus Engert ist all diesen Fragen nachgegangen und hat Meinungen von Experten eingeholt.

2. In eigener Sache: Nvidia-NDA als Maulkorb für Journalisten
(heise.de)
Wenn Firmen Testexemplare an Journalisten rausschicken, bestehen sie oft auf eine vorherige Unterzeichnung einer Vertraulichkeitsvereinbarung (Non-Disclosure Agreement/NDA). Auch der „Heise“-Redaktion werden derartige Vereinbarungen vorgelegt, die dann im Einzelfall geprüft und in der Regel unterzeichnet werden. Doch es gibt Ausnahmen: „Manche Firmen setzen NDAs allerdings auch als Waffen ein. Sie wollen Journalisten nicht nur dazu bringen, sich an Veröffentlichungstermine zu halten, sondern auch mit weitgehenden Vereinbarungen und horrenden Strafandrohungen wohlfeile Berichterstattung erzwingen. Wer sich nicht beugt, wird vom Informationsfluss abgeschnitten.“ Von eine dieser Ausnahmen handelt der Beitrag: Von einer als Maulkorb empfundenen Vereinbarung aus dem Hause Nvidia, einem der größten Entwickler von Grafikprozessoren und Chipsätzen. Nachtrag, 14:18 Uhr: Die Redaktion von „ComputerBase“ hat sich ebenfalls zum Nvidia-NDA und zum „Heise“-Artikel geäußert — und sieht die Sache etwas anders.

3. Tilo Jungs Fragen auf der Bundespressekonferenz
(twitter.com/TiloJung, Video, 3:07 Minuten)
Innenminister Seehofer hat kürzlich behauptet, dass die „meisten Fake News in Deutschland produziert werden“. Tilo Jung hat auf der Bundespressekonferenz bei Regierungssprecher Seibert nachgefragt, ob er das bestätigen kann. Außerdem: Hat Seehofers Innenministerium empirische Belege für dessen kühne Aussagen?
Weiterer Lesehinweis: „Auch die CSU hat schon solche Fake News verbreitet“ (Interview von Karoline Meta Beisel mit dem Fake-News-Forscher Alexander Sängerlaub, sueddeutsche.de)

4. Ein bisschen Frieden
(sueddeutsche.de, Hans Hoff)
Für eine von Google und der Düsseldorfer Landesanstalt für Medien finanzierte Studie haben Wissenschaftler Hasskommentare im Netz untersucht und „Steuerungsstrategien“ für Redaktionen entwickelt. Dazu haben sie Diskursverläufe bei Tagesschau.de, „RP Online“, „Deutschlandfunk Kultur“ und „RTL aktuell“ untersucht. Eines der Ergebnisse: Bei entschiedener Moderation gebe es in Sachen Hasskommentare sofort einen reduzierenden Effekt.

5. „Facebook löschen? Würde ich nicht machen!“
(universal-code.de, Christian Jakubetz, Audio, 15:47 Minuten)
Christian Jakubetz hat sich mit dem ARD-Digitalexperten Dennis Horn über soziale Netzwerke unterhalten. Als Einstieg ins Gespräch diente das neue Buch des amerikanischen Informatikers und Autors Jaron Lanier. Darin fordert Lanier seine Leser auf, ihre Social-Media-Accounts zu löschen.

6. Wirbel um Wahre Welle TV
(br.de, Stefanie Wagner)
Ein neuer Online-TV-Sender sorgte mit allerlei Social-Media-Tamtam für reichlich Wirbel und heftige Diskussionen im Netz. Dafür war auch die Ankündigung im Verschwörungsstil verantwortlich: „Sehen Sie die Wahrheit hinter der Wahrheit, auf dem weltweit ersten unabhängigen 24h-Online-Sender Wahrewelle.TV. Hier erwarten Sie Nachrichten, Reportagen, Serien und Spielfilme, garantiert unzensiert und zwangsgebührenfrei. Unabhängig, schonungslos, kritisch — das ist Wahrewelle.TV“.
Doch Sorgen sind unangebracht: Was sich wie die Selbstbeschreibung eines Machwerks aus dem Kopp Verlag anhört, ist ein satirisches Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung zur Stärkung der Medienkompetenz.

Bild.de rechnet nicht beim Biertrinken am Ballermann

Grundsätzlich ist es ja eine gute Sache, wenn die Leute bei Bild.de sich eher um Themen kümmern, mit denen sie sich auskennen, und bei denen sie ihre Kernkompetenzen einsetzen können. Zum Beispiel bei so einem Beitrag:

Screenshot Bild.de - Bild checkt 99 Läden - Wo gibt es das billigste Bier am Ballermann?

BILD hat eine Kneipentour gemacht zwischen Balneario 5 und Balneario 8 und genau nachgeguckt. Wer hat das günstigste Bier?

Doch nicht mal das kriegen sie unfallfrei hin: Sie mögen vielleicht „genau nachgeguckt“ haben. Sie haben aber nicht genau nachgedacht und nachgerechnet.

Auf Platz eins im „Bild“-Ballermann-Bier-Ranking:

Das wirklich günstigste Bier am Ballermann bekommt man zwischen den Balnearios sieben und acht, zwischen Kirche und Bierstraße. Ein unscheinbarer, kaum bekannter Laden namens „Usual“ bietet ein spanisches Mahou 0,2 für genau 1,20 Euro an.

… und auf Platz vier:

Platz vier geht an einen Geheimtipp: Das „Cel Blau“ neben dem Megapark ist ein mallorquinischer Familienbetrieb mit freundlichen Kellnern und mit gutem, günstigen Essen. Hier kostet das 0,3-Liter-Mahou 1,50 Euro. Nebenbei kann man hier wunderbar alle Megapark-Künstler treffen, die sich hier für ihren Auftritt bereitmachen.

Wir haben auch einen Geheimtipp für die Bild.de-Redaktion: Um bei einem Preisvergleich Preise wirklich vergleichen zu können, sollte man sich nicht nur die Preise anschauen, sondern auch gucken, was man für den Preis bekommt. Oder anders gesagt: Das Bier im „Cel Blau“ (hochgerechnet 5 Euro für einen Liter) ist günstiger als um „Usual“ (6 Euro für einen Liter).

„Klicken sie sich durch die große BILD-Ballermann-Kneipen-Karte. Sie legt noch keinen Wert auf Vollständigkeit“, schreibt Bild.de in dem „Bild plus“-Artikel. Es würde ja schon reichen, wenn die Redaktion Wert auf Richtigkeit legen würde.

Mit Dank an Tobias R. für den Hinweis!

Angstmacher Seehofer, Wahlumfrage, Das Quaken der toten Ente

1. „Seehofer befeuert Misstrauen und Ängste“
(donaukurier.de, Klaus Meier)
Innenminister Horst Seehofer hat in einem Interview behauptet, es gäbe immer mehr Falschmeldungen. Die meisten Fake News würden seiner Ansicht nach in Deutschland produziert werden. Dem widerspricht der Eichstätter Journalismus-Professor Klaus Meier: „Horst Seehofer befeuert das Misstrauen und die Ängste von etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen in Deutschland, die der Propaganda der Rechten aufsitzen und denken, sie würden permanent manipuliert. Das ist für eine informierte und diskursive Öffentlichkeit nicht hilfreich, ohne die die Demokratie nicht atmen kann.“
Weiterer Lesehinweis: Auch der Vorsitzende des „Deutschen Journalisten Verbands“ ist über die Aussagen Seehofers empört: „Ausgerechnet der Minister, der kraft seines Amtes die Grundwerte der Verfassung schützen soll, stellt die Pressefreiheit auf den Kopf, indem er uns Journalisten vorsätzliche Falschmeldungen unterstellt — unglaublich!“ (djv.de, Hendrik Zörner)

2. „Heute“ und die Tiefen des „guten Boulevards“
(kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
Das österreichische Gratisblatt „Heute“ machte mit der Aufsehen erregenden Meldung auf, nach der eine 91-jährige „Oma“ von einem Flüchtling vergewaltigt worden sei. Dabei handelte es sich jedoch um eine Falschmeldung, wie das Blatt in einem Anhang eingestehen musste. Hans Kirchmeyer lobt das Blatt für seine transparente Dokumentation, es sei jedoch ein erheblicher Schaden angerichtet worden: „Kaum ein Leser kehrt zurück und liest die kleine Korrektur ganz am Ende des Artikels. Und in den „sozialen“ Medien quakt die Ente untot weiter.“

3. Muss man bei der WM zu viele bittere Pillen schlucken, Frau Freitag?
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
„Planet Interview“-Macher Jakob Buhre hat sich mit der Vorsitzenden des Sportausschusses Dagmar Freitag (SPD) unterhalten. In dem Gespräch geht es u.a. über die laufende WM, den Zwang, die FIFA zu finanzieren, die Verbindung von Coca-Cola und Sport und den Umgang des DFB mit der Trikot-Affäre.
Weiterer Lesehinweis, ebenfalls bei „Planet Interview“: das Gespräch mit Markus Harm, dem Sportpolitik- und FIFA-Experten des ZDF: Die Fußball-WM ist ein Corporate Event, es geht fast nur noch um Geld.

4. CSU bundesweit bei 18 Prozent?
(faktenfinder.tagesschau.de, Konstantin Kumpfmüller)
Würde die CSU bei bundesweiten Neuwahlen wirklich bei 18 Prozent liegen, wie „Bild“ unter Berufung auf eine Umfrage des INSA-Instituts berichtete? Daran bestehen Zweifel, auch weil die Fragestellung problematisch ist. Heiko Gothe vom Meinungsforschungsinstitut Infratest kritisiert die Frage nicht nur wegen ihres Framings, sondern auch ganz grundsätzlich: „Mit der Abfrage von Parteien, die bisher im jeweiligen Wahlgebiet gar nicht wählbar sind und mit denen die befragten Personen gar keine Erfahrung haben, wird der hypothetische Charakter massiv gesteigert und die Befragten letztlich überfordert.“
Weiterer Lesehinweis: Keine eindeutige Mehrheit für CSU-Politik – Spiegel online interpretiert das aber anders (stefan-fries.com)

5. 18 Wege, über die dich Facebook trackt und verfolgt
(basicthinking.de, Christian Erxleben)
Vielen ist bekannt, dass Facebook seine Nutzer trackt, analysiert und verfolgt. Wie ausgeklügelt Facebooks Tracking-Verhalten funktioniert, zeigt ein 225-seitiges PDF-Dokument mit Antworten an den US-Kongress. Danach gebe es 18 Methoden und Verhaltensweisen, über die das Netzwerk seine Nutzer ausspäht. Das reicht von technischen Daten, wie dem Batteriestand des Geräts und den installierten Plugins, bis hin zu Mausbewegungen und Einkäufen.

6. „Guten Tag, bin ich da in der Sportredaktion?“
(spiegel.de)
Als ZDF-Redakteurin Claudia Neumann im deutschen Fernsehen ein WM-Spiel kommentierte, gab es wütende Reaktionen in den sozialen Medien. Einige (männliche) Zuschauer können es anscheinend nicht ertragen, wenn eine Frau als Sportreporterin arbeitet. Das ZDF berichtete von „Hass, Häme und Beleidigungen“. Ein Einzelfall? „Spiegel Online“ hat Sportjournalistinnen nach ihren Erfahrungen gefragt. Und die erzählen u.a. von Vorhaltungen, Vorurteilen und blöden Kommentaren.

7. Leserbrief an den FAZ-Herausgeber Holger Steltzner
(facebook.com, Lorenz Meyer)
Außerhalb der 6-vor-9-Zählweise, weil aus der Feder des Kurators: Ein Leserbrief an den „FAZ“-Herausgeber Holger Steltzner wegen dessen Behauptungen zur Asyl- und Flüchtlingspolitik. „Ich ärgere mich gerade über Ihren Beitrag, weil er verzerrt, mit Unwahrheiten operiert und das gesellschaftliche Klima vergiftet.“

„Bild“ weiß kaum etwas und schreit „Asyl-Skandal“ (2)

Bei „Bild“ und Bild.de gibt es heute die nächste Runde Stimmungsmache. Während es gestern um Asylanträge von (angeblichen oder tatsächlichen) „Mördern, Drogenhändlern, Vergewaltigern und anderen Schwerverbrechern“ ging, hat die Redaktion heute „die schlimmsten Drohungen beim Asyl-Amt“ zusammengetragen:

Ausriss Bild-Titelseite - Terrorpläne, Mord, Christenhetze - Die schlimmsten Drohungen beim Asyl-Amt

Wie gestern gilt auch heute: Die „Bild“-Autoren haben keine Ahnung, was aus den Leuten geworden ist, die bei ihren Anhörungen im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge diese Drohungen von sich gegeben haben sollen; ob die Anträge abgelehnt oder angenommen wurden, ob diese Personen zurückgeschickt wurden oder bleiben durften. Nichts wissen sie darüber. Und dennoch schreien sie laut: „neuer Irrsinn im Flüchtlingsamt BAMF“.

Und sie stellen solche Behauptungen auf:

Es geht um Menschen, die sich selbst als ausgebildete Selbstmord-Attentäter, ISIS-Kämpfer und religiöse Fanatiker darstellen. Sie alle finden im Schutz des Asylrechts Zuflucht in Deutschland.

Für die Aussage, dass „sie alle“, diese selbsternannten Selbstmord-Attentäter, ISIS-Kämpfer und religiösen Fanatiker, „im Schutz des Asylrechts Zuflucht in Deutschland“ finden, hat „Bild“ keinen einzigen Beleg.

Im Gegenteil: In einem der sechs Fälle, die das „Bild“-Autorenteam heute im Blatt präsentiert, klingt es stark nach Ablehnung des Asylantrags:

Ausriss Bild-Zeitung - Aktenzeichen 6921XXX - Bombendrohung - Vorgestern nach meiner Anhörung (Minderjähriger, straffällig) hat mir die Dolmetscherin berichtet, der Antragssteller habe dreimal gesagt, dass er mir, der Entscheiderin, eine reinhauen will. Und dass er auch eine Bombe legen könnte. Meine Entscheidungstendenz geht dahin, dass er eine Vollablehnung bekommen wird.

Bei den anderen fünf Fällen ist die Faktenlage noch dünner:

BILD dokumentiert erneut skandalöse Fälle. Und wieder will das Flüchtlingsamt nicht sagen, was aus diesen Menschen wurde und wo sie bei uns leben.

Interessant: Für „Bild“ ist es gar keine Frage mehr, ob diese Menschen noch in Deutschland sind, sondern wo. Dabei müsste erstmal das Ob geklärt werden.

Damit könnte man der Leserschaft aber natürlich nicht so viel Angst machen:

Auch in Deutschland könnte von vielen Asylbewerbern offenbar noch große Gefahr ausgehen. Das zeigen BAMF-Dokumente, die BILD vorliegen.

Die „BAMF-Dokumente, die BILD vorliegen“ zeigen erstmal nur, dass sechs Personen Drohungen bei ihren Anhörungen ausgesprochen haben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es kann durchaus sein, dass alle sechs längst nicht mehr in Deutschland sind.

Diskursvergifter, Auf Vivasehen!, Google befeuert Podcasts

1. „Echt guter Auftritt“
(zeit.de, Christopher Lauer)
Sind politische Talkshows ein Segen oder ein Fluch für die Demokratie? Muss man sie gar einstellen? Gegen die letzte Forderung wandte sich letzte Woche Sandra Maischberger in der „Zeit“ und verteidigte, nicht ganz uneigennützig, das Format. Darauf antwortet nun Christopher Lauer, der Talkshows als Zuschauer, aber auch als Teilnehmer kennt. Lauer ruft zu einer Diskussion über die demokratische Kontrolle der Plauderrunden auf: „Einer solchen Debatte müssen sich auch die Macherinnen und Macher von Talkshows stellen. Es sei denn, um bei Sandra Maischberger zu bleiben, sie haben Angst vor Streit.“

2. Warum Googles neue App mehr ist als ein Podcast-Programm
(t-online.de, Marc Krüger)
Marc Krüger hat für „T-Online“ aufgeschrieben, warum Googles neue Podcast-App eigentlich keine richtige App ist, sondern eine neue Strategie: „Google hat nicht nur eine neue App veröffentlicht, sondern eine neue Chance geschaffen, Podcasts und Audios im Internet zu finden. Damit wird die Dominanz von Text und Video vielleicht nicht beendet, aber es gibt eine neue Bühne für alle, die Podcasts hören, entdecken oder machen wollen. Dass Google dabei das Quasi-Monopol von Konkurrent Apple angreift, könnte ein willkommener Nebeneffekt sein.“

3. Wir sagen auf Vivasehen!
(faz.net)
25 Jahre nach seiner Gründung stellt der Musiksender Viva sein Programm ein: Zum Jahresende ist Schluss! Bei der „FAZ“ verabschieden sich einige Redakteure und Redakteurinnen mit persönlichen Erinnerungen an den Musiksender. Und auch Anne Fromm von der „taz“ erinnert mit einem persönlichen Nachruf an den Musiksender.
Weiterer Lesetipp: „Horizont“ hat mit dem Viacom-Manager Mark Specht darüber gesprochen, warum und wie es ohne Viva weitergeht: Viacom stellt Viva ein (Juliane Paperlein)

4. 800 Millionen Twitter-Beiträge analysiert: Abends wirds emotional und impulsiv
(heise.de)
Forscher der Universität Bristol haben 800 Millionen Tweets mit insgesamt sieben Milliarden Worten ausgewertet und kategorisiert. Dabei sind ihnen zeitliche Zusammenhänge aufgefallen: So gehe es morgens rationaler und gesitteter und abends emotionaler und impulsiver zu.

5. Face­book und die Toten
(lto.de, Bastian Biermann)
Seit Jahren streitet eine Mutter mit Facebook um den Zugang zum Facebook-Account ihrer verstorbenen Tochter. Nun bahnt sich die Entscheidung an: Am 12. Juli spricht der BGH sein Urteil. Es geht dabei auch um den Konflikt zwischen Erbrecht und Telekommunikationsrecht. Der Autor und Jurist Bastian Biermann hat am Ende seiner Einordnung einen wichtigen Tipp parat: „Solange es nur bei der Rechtsprechung des BGH bleiben sollte und sich Provider ohne ausdrücklicher gesetzlicher Regelung weiterhin zur Herausgabe von Daten des Erblassers weigern sollten, ist es unvermeidbar, sich zu Lebzeiten zu überlegen, ob und wem die eigenen Daten — sowohl im Falle des Eintritts einer Geschäftsunfähigkeit als auch im Falle des Todes — zur Verfügung stehen sollen.“

6. Roseanne soll ohne Roseanne weitergehen
(sueddeutsche.de)
Roseanne soll ohne Roseanne weitergehen? Nicht ganz, aber der amerikanische TV-Sender ABC plant einen Spinoff, der sich um den Rest der fiktiven Familie Conner drehen soll. Die ehemalige Hauptdarstellerin habe dem Projekt unter Verzicht etwaiger finanzieller Ansprüche zugestimmt, um die Jobs der rund 200 Ensemble- und Crewmitglieder zu retten.

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