Vertraulichkeit als Maulkorb, Wahre Welle, Merkel-Podcast-Finanzierung

1. Für den Podcast der Bundeskanzlerin sind eine Million Euro an eine Firma geflossen, die der Union nahesteht
(buzzfeed.com, Marcus Engert)
Der Podcast der Bundeskanzlerin wirft einige Fragen auf. Da wäre zunächst das üppige Produktionshonorar von (kumuliert) mehr als einer Million Euro, das an eine Firma fließt, die im Wesentlichen dem Politikberater Roland Berger und dem Schwiegersohn von Ex-CSU-Chef Edmund Stoiber gehörte. Außerdem kritisieren Journalisten, dass die Bundeskanzlerin zu wenig mit ihnen spricht, während die Social-Media-Auftritte zunehmen würden. Und dann bleibt da noch die Sache mit der Gesetzeslücke, die von der Bundesregierung bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit geschickt ausgenutzt werde. Marcus Engert ist all diesen Fragen nachgegangen und hat Meinungen von Experten eingeholt.

2. In eigener Sache: Nvidia-NDA als Maulkorb für Journalisten
(heise.de)
Wenn Firmen Testexemplare an Journalisten rausschicken, bestehen sie oft auf eine vorherige Unterzeichnung einer Vertraulichkeitsvereinbarung (Non-Disclosure Agreement/NDA). Auch der „Heise“-Redaktion werden derartige Vereinbarungen vorgelegt, die dann im Einzelfall geprüft und in der Regel unterzeichnet werden. Doch es gibt Ausnahmen: „Manche Firmen setzen NDAs allerdings auch als Waffen ein. Sie wollen Journalisten nicht nur dazu bringen, sich an Veröffentlichungstermine zu halten, sondern auch mit weitgehenden Vereinbarungen und horrenden Strafandrohungen wohlfeile Berichterstattung erzwingen. Wer sich nicht beugt, wird vom Informationsfluss abgeschnitten.“ Von eine dieser Ausnahmen handelt der Beitrag: Von einer als Maulkorb empfundenen Vereinbarung aus dem Hause Nvidia, einem der größten Entwickler von Grafikprozessoren und Chipsätzen. Nachtrag, 14:18 Uhr: Die Redaktion von „ComputerBase“ hat sich ebenfalls zum Nvidia-NDA und zum „Heise“-Artikel geäußert — und sieht die Sache etwas anders.

3. Tilo Jungs Fragen auf der Bundespressekonferenz
(twitter.com/TiloJung, Video, 3:07 Minuten)
Innenminister Seehofer hat kürzlich behauptet, dass die „meisten Fake News in Deutschland produziert werden“. Tilo Jung hat auf der Bundespressekonferenz bei Regierungssprecher Seibert nachgefragt, ob er das bestätigen kann. Außerdem: Hat Seehofers Innenministerium empirische Belege für dessen kühne Aussagen?
Weiterer Lesehinweis: „Auch die CSU hat schon solche Fake News verbreitet“ (Interview von Karoline Meta Beisel mit dem Fake-News-Forscher Alexander Sängerlaub, sueddeutsche.de)

4. Ein bisschen Frieden
(sueddeutsche.de, Hans Hoff)
Für eine von Google und der Düsseldorfer Landesanstalt für Medien finanzierte Studie haben Wissenschaftler Hasskommentare im Netz untersucht und „Steuerungsstrategien“ für Redaktionen entwickelt. Dazu haben sie Diskursverläufe bei Tagesschau.de, „RP Online“, „Deutschlandfunk Kultur“ und „RTL aktuell“ untersucht. Eines der Ergebnisse: Bei entschiedener Moderation gebe es in Sachen Hasskommentare sofort einen reduzierenden Effekt.

5. „Facebook löschen? Würde ich nicht machen!“
(universal-code.de, Christian Jakubetz, Audio, 15:47 Minuten)
Christian Jakubetz hat sich mit dem ARD-Digitalexperten Dennis Horn über soziale Netzwerke unterhalten. Als Einstieg ins Gespräch diente das neue Buch des amerikanischen Informatikers und Autors Jaron Lanier. Darin fordert Lanier seine Leser auf, ihre Social-Media-Accounts zu löschen.

6. Wirbel um Wahre Welle TV
(br.de, Stefanie Wagner)
Ein neuer Online-TV-Sender sorgte mit allerlei Social-Media-Tamtam für reichlich Wirbel und heftige Diskussionen im Netz. Dafür war auch die Ankündigung im Verschwörungsstil verantwortlich: „Sehen Sie die Wahrheit hinter der Wahrheit, auf dem weltweit ersten unabhängigen 24h-Online-Sender Wahrewelle.TV. Hier erwarten Sie Nachrichten, Reportagen, Serien und Spielfilme, garantiert unzensiert und zwangsgebührenfrei. Unabhängig, schonungslos, kritisch — das ist Wahrewelle.TV“.
Doch Sorgen sind unangebracht: Was sich wie die Selbstbeschreibung eines Machwerks aus dem Kopp Verlag anhört, ist ein satirisches Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung zur Stärkung der Medienkompetenz.