Journalisten-Jagd, Verleger-Nachtritt, Stockfoto-Albtraum

1. Jagdsaison auf Journalisten
(taz.de, Wolf-Dieter Vogel)
„Es gibt keine Garantien und keine Sicherheit für einen kritischen und ausgewogenen Journalismus“, schrieb Oscar A. Cantú Murguía und machte seine Zeitung dicht. Vor gut einer Woche war Schluss bei „Norte de Ciudad Juárez“, es ist schlicht zu gefährlich geworden für die Redaktion. Die Ermordung einer Autorin des Blattes auf offener Straße hat das erneut gezeigt. Wolf-Dieter Vogel über die Situation der Journalisten in Mexiko, wo laut „Reporter ohne Grenzen“ — nach Syrien und Afghanistan — die meisten Pressevertreter „eines gewaltsamen Todes“ stürben. Dazu auch, ebenfalls bei der „taz“: „Wo Journalisten gefährlich leben“, ein Erfahrungsbericht eines mexikanischen Journalisten.

2. Ist die Mafia jetzt der Gewinner?
(faz.net, Andreas Rossmann)
Eine Journalistin (Petra Reski) nennt in einem Artikel über die Mafia den Namen eines italienischen Geschäftsmanns. Die Redaktion („Der Freitag“) lässt den Namen in der Geschichte und druckt den Artikel. Der Geschäftsmann klagt. Der Verleger des Blattes (Jakob Augstein) sagt unter anderem, die Journalistin habe ihm und seinem Team den Text „untergejubelt“. Andreas Rossmann schreibt zu all dem: „Zuerst ließ der Verleger Jakob Augstein die Autorin Petra Reski in einem Rechtsstreit hängen. Nun tritt er sogar nach. Ein solches Beispiel darf im Journalismus nicht Schule machen.“

3. Wenn jemand anderes ganz andere Fragen stellt
(fair-radio.net, Gero Bauer)
Der Literatur- und Kulturwissenschaftler Gero Bauer wundert sich über das Vorgehen eines Karlsruher Lokalradios, das ein Interview mit ihm zwar vorher aufgezeichnet hatte, später aber so tat, als sei er live zugeschaltet: „Aber nicht nur das. Die Fragen der Moderatoren entsprachen leider nicht den Fragen, die mir die Praktikantin gestellt hatte, wodurch meine ‚Antworten‘ ein bisschen den Eindruck erweckten, ich würde ausweichen beziehungsweise einfach nicht richtig zuhören.“

4. «Oft fehlt der Anstand»
(srgd.ch, Hanspeter Huber)
Darf man Donald Trump im TV als „Arschloch“ bezeichnen? Roger Blum ist Ombudsmann bei der „Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft“, die unter anderem auch die „SRF“-Radio- und Fernsehsender betreibt. Er nimmt Beschwerden der Zuschauer und Hörer entgegen („Es gibt eine kleine Gruppe Beanstander, die in ihren E-Mails austeilt wie verrückt. Durchgehend ehrbeleidigend.“), verteilt Rügen und entscheidet, ob die Bezeichnung „Arschloch“ bei Trump passend ist. Hier erzählt er von seiner Arbeit als Ombudsmann.

5. Mich für Stockfotos herzugeben, war der größte Fehler meines Lebens
(vice.com, Niccolò Massariello)
Er wirbt für tschechische Rasierprodukte, für ein Buch über Monsterjäger, für eine australische Internetflatrate und noch vieles mehr — alles nur, weil Niccolò Massariello einmal Fotos von sich hat machen lassen, die als Stockfotos von jedem für wenig Geld gekauft und für Werbekampagnen genutzt werden können.

6. Teleprompter gegen Medien-Tourette
(dwdl.de, Hans Hoff)
Hans Hoff mit einer Liebeserklärung an das Gerät, von dem TV-Moderatoren ihre Texte ablesen, den Teleprompter: „Ich liebe Prompter. Ich liebe aber fast noch mehr, wenn nach einem Personalwechsel die Prompter nicht ganz korrekt eingestellt sind. Dann sehen die Gestalten auf dem Bildschirm ein bisschen so aus, als schauten sie an mir vorbei. Ich habe mich in solchen Fällen schon mehrfach umgedreht, um zu schauen, ob hinter oder neben mir noch jemand hockt.“