Selbst schuld, “Fatales Signal”, Essenz der Fotografie

1. Selbst schuld
(taz.de, Ambros Waibel)
Ambros Waibel kommentiert die jüngsten Entwicklungen im Journalismus: Der geschriebene Journalismus sei an seiner Verdrängbarkeit durch Künstliche Intelligenz selbst schuld, weil er ohnehin von Phrasen und vorhersehbaren Mustern lebe, die eine KI mühelos nachbilde. Bestand habe nur, wer Selbstgesehenes berichte, echte Neuigkeiten liefere oder Fakten essayistisch verknüpfe. Das aber sei teuer und müsse exklusiv vermarktet werden. Die Antworten lägen am Ende nicht in der Technik, sondern bei den Menschen, die sich fragen müssten, welchen Journalismus sie wollen.
Weitere Lesetipps: KI-Verdacht und Fehler: Holtzbrinck verdient mit Schrottbuch über “Colonia Dignidad” (msn.com/faz.net) und dju legt 5 Punkte für KI-Einsatz vor (verdi.de).

2. “Fatales Signal”
(kontextwochenzeitung.de)
“Kontext” habe sich bei einer Recherche auf einen Informanten gestützt, dessen Identität die Redaktion bewusst geheim halte. Vor Gericht hätte sie nun beweisen sollen, dass die Information echt ist. Dafür hätte sie die Quelle preisgeben müssen. Weil das “Kontext”-Team das verweigert habe, um den Informanten zu schützen, habe es den Prozess verloren. Der Bundesgerichtshof habe ein entsprechendes Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt bestätigt. Günter Wallraff, Reporter ohne Grenzen, Verdi und der Deutsche Journalisten-Verband würden warnen, dass damit der Quellenschutz in Gefahr gerate, eine der wichtigsten Grundlagen des investigativen Journalismus.

3. Warum W Social mehr kalter Kaffee als heißer Scheiß ist
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Markus Reuter kritisiert den Start des schwedischen Netzwerks W Social, das sich als europäische Twitter-Alternative inszeniere, mit Datenhosting in Europa und Ausweispflicht ab 18 Jahren. Damit werde Identifizierungspflichten und Alterskontrollen Vorschub geleistet. Außerdem bleibe unklar, warum ein profitorientiertes Start-up mit geschlossenem Code es besser machen solle als die quelloffenen Mastodon, Bluesky und Eurosky.

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4. MDR-Programmdirektor: “Es gibt kein Ranking im Schmerz”
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Im Interview spricht der seit April zurückgekehrte MDR-Programmdirektor Boris Lochthofen über die jüngsten Sparmaßnahmen des öffentlich-rechtlichen Senders. Der MDR leide stärker als andere ARD-Häuser unter der ausgebliebenen Beitragsanpassung und einem demografisch schrumpfenden Sendegebiet. Deshalb pausiere man “Tatort” und “Polizeiruf 110” für drei Jahre, gebe das “Mittagsmagazin” an den NDR ab und stelle “MDR um 2” ein. Diese Einschnitte wären laut Lochthofen vermeidbar gewesen, hätten die Länder die von der KEF empfohlene Beitragserhöhung zum 1. Januar 2025 umgesetzt.

5. “Die Essenz der Fotografie ist auch Melancholie”
(dfjv.de, Ralf Falbe)
Damian Zimmermann, seit 2024 Redaktionsleiter des “fotoMAGAZIN”, spricht im Interview über die Lage der professionellen Fotografie und des Fotojournalismus. Das 1949 gegründete Heft richte sich an ambitionierte Amateure, Einsteiger und Profis und könne gegen die frei zugänglichen Inhalte im Internet nur mit Qualität und Tiefe bestehen. Angehenden Fotografinnen und Fotografen rät Zimmermann, weniger auf die Technik zu achten und vor allem das Sehen zu schulen.

6. Kulturjournalismus – kann man damit eigentlich Geld verdienen?
(freienpodcast.letscast.fm, Geraldine Friedrich & Françoise Hauser, Audio: 20:54 Minuten)
Im “Freien-Podcast” von Geraldine Friedrich und Françoise Hauser geht es um die Frage, ob man im Kulturjournalismus heutzutage finanziell überhaupt noch bestehen kann: “Wir haben uns mit dem Musikjournalisten Georg Rudiger unterhalten, wie er sich positioniert und arbeitet – und welche Tipps er Einsteigern mitgeben kann.”