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KW 19/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. So fies ist die Masche mit Fake-Medikamenten
(youtube.com, Konstanze Nastarowitz, Video: 26:50 Minuten)
Kriminelle würden Künstliche Intelligenz nutzen, um das Gesicht und die Stimme von Eckart von Hirschhausen zu fälschen und damit fragwürdige Gesundheitsprodukte zu bewerben. Im Gespräch mit “Zapp”-Reporterin Konstanze Nastarowitz berichtet der Arzt und Fernsehmoderator, wie belastend dieser Identitätsmissbrauch für ihn ist und wie er dagegen vorgeht. Zugleich geht es um die größere Frage, wie dieses Betrugssystem funktioniert, wer dahintersteckt und wer daran verdient.

2. Wie Milliardäre rechte Medien finanzieren
(youtube.com, Oliver Kalkofe, Video: 26:23 Minuten)
Bei “Fun Facts” nimmt Oliver Kalkofe milliardenschwere Medienbesitzer und Plattformchefs ins Visier: von Elon Musk über Jeff Bezos und Mark Zuckerberg bis zu Rupert Murdoch, Mathias Döpfner und das “Nius”-Umfeld. Kalkofes These: Superreiche kaufen oder prägen Medien um politischen Einfluss, Aufmerksamkeit und Deutungshoheit zu gewinnen.

3. Wer kauft beim Nazi-Verlag “Der Schelm”?
(mdr.de, Secilia Kloppmann & Christian Bergmann, Audio: 34:27 Minuten)
Der Beitrag von “MDR Investigativ” geht der Frage nach, wer beim rechtsextremen “Schelm”-Verlag bestellt und wie das Netzwerk hinter dem Verlag funktioniert. Ausgangspunkt ist eine erneute Razzia im März in Leipzig und anderen Städten gegen den Verlag, der Propagandamaterial und Nachdrucke aus der NS-Zeit vertreibe: “Warum ist es so schwierig, dieses Netzwerk zu zerschlagen?”

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4. Wie viel Hass müssen wir online aushalten?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 27:09 Minuten)
Holger Klein unterhält sich mit der Strafrechtlerin Elisa Hoven über die Frage, wie mit Beleidigungen und Hass im Internet umgegangen werden sollte. Sie sprechen über Fälle, in denen Politiker wegen Beschimpfungen Strafanträge gestellt haben. Hoven hält zwar fest, dass auch Politikerinnen und Politiker nicht alles hinnehmen müssten, kritisiert aber, dass die strafrechtliche Verfolgung solcher Äußerungen inzwischen überzogen sei.

5. Was KI nicht liefern kann: Vertrauen, Haltung, Perspektive
(youtube.com, Martin Fehrensen, Video: 35:10 Minuten)
Wie verändert Künstliche Intelligenz den Journalismus? Darüber spricht Martin Fehrensen mit Gregor Schmalzried: Was kann KI schon heute im Arbeitsalltag leisten? Warum wirken Chatbots anders als algorithmische Social-Media-Feeds? Und weshalb hat gutes Prompting viel mit klarem Denken, Delegieren und Führung zu tun? Die Grundthese des Gesprächs ist eher optimistisch: KI müsse nicht automatisch verarmen oder radikalisieren.

6. Der Reality ins Auge schauen feat. Mr. Trash TV
(medienkuh.de, Kevin Körber, Audio: 2:24:59 Stunden)
In Folge 525 der “Medienkuh” ist Patrick Abele, online bekannt als “Mr. Trash TV”, zu Gast. Abele zählt zu den frühen deutschen Reaction-YouTubern und beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit Trash- und Reality-TV. Im Gespräch geht es um seine Medienbiografie, seine Liebe zum Fernsehen und die Frage, ob die Reality-TV-Blase langsam zu platzen droht.

Neuer Gaza-Appell, Das Problem des ORF, Spaß mit Fakten

1. Medien-Appell: “Lasst uns nach Gaza”
(verdi.de)
Internationale Medienhäuser würden erneut fordern, dass Israel ausländischen Journalistinnen und Journalisten einen unabhängigen Zugang zum Gazastreifen ermöglicht. Sie würden kritisieren, dass das Verbot seit über 930 Tagen bestehe und selbst ein Verfahren vor dem israelischen Supreme Court bislang nicht zu einer Entscheidung geführt habe. Der Appell betone die Pressefreiheit als Grundwert offener Gesellschaften.

2. Was ist das Problem des ORF?
(arminwolf.at)
ORF-Moderator Armin Wolf stellt in seinem Beitrag fest, dass das Hauptproblem des öffentlich-rechtlichen Senders dessen parteipolitisch geprägte Aufsichtsstruktur sei. Der Stiftungsrat vertrete nicht die Öffentlichkeit, sondern faktisch die Parteien, wodurch sich für Führungskräfte falsche Anreize ergäben. Entscheidend seien politische Netzwerke statt fachlicher Eignung. Das schrecke qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber ab und gefährde die Unabhängigkeit des ORF. Als Lösung fordert Wolf einen unabhängig und fachlich besetzten Stiftungsrat.

3. Netflix-Zahlung beschert Warner einen Milliarden-Verlust
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Das Medienunternehmen Warner Bros. Discovery habe im ersten Quartal zwar operativ solide abgeschnitten, unter dem Strich aber einen Milliardenverlust verbucht. Hauptgrund sei eine Abstandszahlung in Höhe von 2,8 Milliarden US-Dollar an Netflix, nachdem ein Übernahmevertrag wegen des höheren Angebots von Paramount Skydance aufgelöst worden sei.

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4. “Die Presse” und “Kleine Zeitung” nutzen künftig redaktionelle Inhalte gemeinsam
(derstandard.at, Harald Fidler)
Wie der “Standard” berichtet, wollen die österreichischen Blätter “Die Presse” und die “Kleine Zeitung” aus dem Styria-Konzern redaktionell enger zusammenarbeiten. Die “Kleine Zeitung” solle sich stärker auf regionale Berichterstattung konzentrieren und dafür vor allem bei überregionaler Politik- und Wirtschaftsberichterstattung Inhalte der “Presse” nutzen. Hintergrund seien wirtschaftlicher Druck und der Versuch, Synergien zu schaffen.

5. Spaß mit Fakten: Wie “Fun Facts” Journalismus auf die Bühne und zu Youtube bringt
(turi2.de, Alexander Matzkeit)
Alexander Matzkeit ordnet das YouTube-Format “Fun Facts” als unterhaltsame Bühnen- und Onlineshow ein, die aktuelle Themen mit Humor, Prominenz und Factchecking verbinde. Die Kombination von Liveauftritten und digitaler Verbreitung sei gelungen. Zugleich bezweifelt Matzkeit, dass es sich um eine echte journalistische Innovation handelt: Inhaltlich ähnele das Format bekannten Satireshows und biete eher meinungsstarke Einordnung als originäre Nachrichten.

6. Was war nochmal das Problem mit Louis CK?
(setup-punchline.de, Bernhard Hiergeist)
Bernhard Hiergeist argumentiert, dass der US-Comedian Louis C.K. mit einem neuen Netflix-Deal nicht wirklich zurück sei, weil seine Rehabilitierung in der Comedybranche längst stattgefunden habe. Trotz der Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens und seines Geständnisses sei Louis C.K. nie wirklich verschwunden, sondern habe weitergespielt, Preise gewonnen und ein Publikum behalten. Hiergeist kritisiert, dass Medien und Branche vor allem die künstlerische Arbeit von Louis C.K. in den Mittelpunkt stellen würden. Die Perspektive der betroffenen Frauen bleibe hingegen weitgehend ausgeblendet.

Weimers Klatsche, Mit KI zum K.o.?, Nachrichtenwert Nacktheit

1. Gericht untersagt Weimers Äußerung zu Berliner Buchladen
(sueddeutsche.de, Jörg Häntzschel)
Das Verwaltungsgericht Berlin habe Kulturstaatsminister Wolfram Weimer im Eilverfahren untersagt, die Betreiberinnen des Berliner “Buchladens zur schwankenden Weltkugel” als “politische Extremisten” zu bezeichnen. Das Gericht sehe dafür keine belastbare Tatsachengrundlage und werte Weimers Äußerung als Verletzung des Persönlichkeitsrechts der Buchhändlerinnen. Hintergrund ist der Streit um den Deutschen Buchhandlungspreis, von dessen Preisträgerliste Weimer drei Buchläden hatte streichen lassen, darunter auch die Berliner Buchhandlung.

2. Führt die KI zum K.o. der Pressefreiheit?
(taz.de, Andre Wolf)
Andre Wolf argumentiert in seinem Essay, dass Künstliche Intelligenz nicht direkt die Pressefreiheit abschaffe, aber die Bedingungen verändere, unter denen Öffentlichkeit, Information und Journalismus funktionieren. Vor allem Algorithmen und KI-Systeme könnten Inhalte filtern und emotional aufladen. Eine mögliche Folge sei, dass sich dadurch die Wahrnehmung von Realität verschiebe. Für den Journalismus sei KI deshalb zugleich Werkzeug und Risiko.
Weiterer Lesetipp: Tamedia: Die KI löscht Leserkommentare: “Leser von Tamedia-Zeitungen wundern sich, dass ihre Kommentare einfach so gelöscht werden. Jetzt ist klar: KI steckt dahinter.” (infosperber.de, Marco Diener)

3. Nachrichtenwert Nacktheit: 500 Artikel zeigen die systematische Sexualisierung im Boulevard
(kobuk.at, Isis Lauermann)
Eine Analyse von über 500 Artikeln auf Krone.at, Heute.at und oe24.at zeige, dass Boulevardmedien Frauen sehr häufig sexualisieren und auf ihr Aussehen reduzieren würden. Berichtet werde vor allem über Nacktheit und Kleidung, angebliche “Pannen” und Körperformen. Männer kämen in dieser Berichterstattung zwar auch vor, aber deutlich seltener. Isis Lauermann sieht darin ein strukturelles Problem, das sexistische Rollenbilder und unrealistische Schönheitsideale verstärke.

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4. “Ich bin im Herzen schüchtern”
(journalist.de, Jan Freitag)
Im Interview erzählt Sarah Bosetti, warum für sie Humor, Satire und Journalismus eng verknüpft seien. Gute Kommunikation halte eine demokratische Gesellschaft zusammen. Politische Satire könne helfen, deprimierende Entwicklungen gemeinsam auszuhalten und einzuordnen. Bosetti spricht außerdem über das neue, von “Correctiv” unterstützte YouTube-Format “Fun Facts”.

5. Mit dem Fahrrad von Paris nach Mainz: Journalismus-Studenten kämpfen um deutsch-französischen Master
(mediummagazin.de, Jana Ballweber)
Jana Ballweber schildert, wie zwei Studierende des deutsch-französischen Masterstudiengangs “Transnationaler Journalismus” mit einer Fahrradtour von Paris nach Mainz gegen das Aus ihres Studiengangs protestieren. Der seit 2019 bestehende Master gelte fachlich als erfolgreich und hochrelevant, solle aber wegen fehlender Finanzierung eingestellt werden.

6. Hier macht Karl-Heinz alles: Der kleinste Fernsehsender Deutschlands
(dwdl.de, Christian Richter)
Christian Richter erzählt die außergewöhnliche Geschichte des “Friesischen Rundfunks”, eines von Karl-Heinz Sünkenberg gegründeten lokalen TV-Senders, den dieser seit über 20 Jahren mit viel Improvisation, mit Beharrlichkeit und zuletzt fast im Alleingang am Leben halte. Entstanden sei die Idee 2004 im Rettungshubschrauber. Später habe Sünkenberg trotz verschiedenster Probleme ein Programm aufgebaut, das zeitweise sogar beachtliche Reichweiten erzielt habe.

KW 18/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Nörgeln Journalisten zu viel?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 18:05 Minuten)
Holger Klein fragt im “Übermedien”-Podcast Christoph Hickmann, den Leiter des “Spiegel”-Hauptstadtbüros, ob der Politikjournalismus manchmal zu sehr ins Nörgeln und ins Hämische gerät. Ausgangspunkt ist Hickmanns Überlegung (nur mit Abo lesbar), ob überzogene Kritik an Regierung und Politik am Ende demokratiefeindlichen Stimmungen in die Hände spielen könne. Die Frage sei, wie weit journalistische Kritik gehen sollte und ob Journalistinnen und Journalisten auch vermitteln müssten, warum das politische System trotz aller Mängel verteidigungswert sei.

2. Sind unsere Kinder glücklicher ohne soziale Medien?
(zeit.de, Jochen Wegner & Lisa Hegemann, Audio: 55:13 Minuten)
Im “Zeit”-Podcast “Nur eine Frage” geht es um den verantwortungsvollen Umgang von Kindern mit Sozialen Medien: “US-Psychologe Jonathan  Haidt  sieht die Kindheit bedroht: durch  Smartphones,  soziale Medien  und  KI-Teddybären.  Auch Computer im Klassenzimmer seien  falsch. Hat er recht?” Wichtiger Hinweis: Es handelt sich um die mittels Künstlicher Intelligenz übersetzte Version des englischen Originalgesprächs, mit den geklonten Stimmen der Hosts und des Gastes.

3. Zwischen Hofflohmarkt und Schützenfest – wie viel Perspektivenvielfalt braucht der Journalismus?
(thisismedianow.podigee.io, Lukas Schöne, Audio: 50:42 Minuten)
Lukas Schöne spricht mit Till Opitz, Journalist beim Deutschlandfunk und Medientrainer, darüber, welche Perspektiven im Journalismus fehlen und warum. Im Zentrum des Gesprächs steht die Diagnose, dass das Problem weniger mit angeblich linken Redaktionen zu tun habe als mit ökonomischem Druck, Großstadtblasen, Zeitmangel und der Tendenz, vor allem laute, negative oder polarisierende Themen abzubilden. Opitz plädiert dafür, journalistische Kritik nicht mit populistischen Medienfeindbildern zu verwechseln, zugleich aber blinde Flecken ernst zu nehmen.

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4. Wie Verschwörungstheorien funktionieren – und wem sie nutzen
(youtube.com, Martin Fehrensen, Video: 32:47 Minuten)
Martin Fehrensen hat die Autorin und Politikwissenschaftlerin Katharina Nocun zu Gast. Die beiden sprechen darüber, wie Verschwörungserzählungen in Familien und Gesellschaft hineinwirken. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, warum Menschen in Krisen und Situationen des Kontrollverlusts anfälliger für solche Ideologien werden, welche psychologischen Funktionen sie erfüllen und warum sie politisch besonders von rechten und autoritären Akteuren strategisch genutzt werden.

5. Jura-Influencer bei FUNK, die Juristen, Jura für Massenpublikum erklären, Umgang mit Hate Speech und Kommis
(irgendwasmitrecht.de, Marc Ohrendorf, Audio: 27:22 Minuten)
Marc Ohrendorf unterhält sich in “Irgendwas mit Recht” mit Clemens Pfeifer vom ZDF über dessen Weg vom Jurastudium in den Rechtsjournalismus sowie über Pfeifers Arbeit für das “funk”-Format “Die Juristen”: Wie bereitet man juristische Themen für ein junges Publikum auf Social Media verständlich, präzise und zugleich kurz auf, ohne fachlich zu stark zu vereinfachen? Außerdem geht es um den Umgang mit Algorithmen, Hate Speech, Desinformation und KI-Falschbehauptungen.

6. Wal-Wahnsinn: Haben wir es übertrieben?
(youtube.com, Marek Walde & Raja Khadour, Video: 21:56 Minuten)
Beim NDR-Medienmagazin “Zapp” geht es darum, wie ein gestrandeter Buckelwal an der Ostsee binnen weniger Wochen zu einem riesigen Medien- und Social-Media-Ereignis wurde. Der Beitrag zeigt, wie klassische Medien mit Livetickern, Dauerschalten und Personalisierung des Tiers den Hype befeuerten, während auf TikTok, Instagram und Co. eine emotionale Parallelwelt entstand.
Weiterer Gucktipp: Der österreichische “Standard” fragt: Warum Wal Timmy Esoteriker, Influencer und Querdenker anzieht (youtube.com, Peter Zellinger, Video: 34:12 Minuten).

Haarspalterei, Stellenabbau, Lokaljournalismus in der Krise

1. Daniel Gün­ther war Par­tei­po­li­tiker, kein Minis­ter­prä­si­dent
(lto.de)
Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Schleswig-Holstein habe eine Beschwerde des Onlineportals “Nius” gegen Äußerungen von Daniel Günther in der ZDF-Sendung “Markus Lanz” zurückgewiesen. Günther habe dort “Nius” als Gegner und Feind von Demokratie bezeichnet sowie den Vorwurf erhoben, in “Nius”-Artikeln über ihn stimme in der Regel nichts. Wie schon das Verwaltungsgericht habe nun auch das OVG entschieden, dass Günther dabei nicht in seiner Funktion als Schleswig-Holsteins Ministerpräsident, sondern als Parteipolitiker aufgetreten sei. Deshalb seien seine Aussagen an der Meinungsfreiheit und nicht an den strengeren Maßstäben staatlicher Neutralität zu messen. “Nius”-Anwalt Joachim Steinhöfel habe angekündigt, Verfassungsbeschwerde einzulegen.

2. Presserechtliche Haarspalterei als letztes Mittel
(taz.de, Johannes Eisenberg)
Der Strafverteidiger und Medienanwalt Johannes Eisenberg argumentiert in seinem Kommentar, dass Christian Ulmen versuche, sich im Streit um die “Spiegel”-Berichterstattung mit presserechtlichen Feinheiten gegen den Kern der Vorwürfe zu verteidigen. Entscheidend sei aus seiner Sicht nicht, ob es sich bei den verbreiteten Aufnahmen tatsächlich um Deepfakes oder um anderes Material gehandelt habe, sondern dass über Fake-Accounts der Eindruck erweckt worden sei, Collien Fernandes sei in pornografischen Darstellungen zu sehen. Eisenberg kritisiert, dass viele Medien Ulmens Einlassungen und die Unschuldsvermutung stark in den Vordergrund stellen und damit vom eigentlichen Vorwurf ablenken würden. Er wirft Ulmen vor, so Zweifel an der Darstellung von Fernandes säen zu wollen.

3. AfD gegen Correctiv: Ein Treffen, ein Aufschrei – und ein Streit über die Wahrheit
(abendblatt.de, Christian Unger)
Christian Unger zeichnet den anhaltenden Streit um die “Correctiv”-Recherche “Geheimplan gegen Deutschland” über das Potsdamer Treffen von AfD-Politikern, Unternehmern und Rechtsextremen nach. Auslöser der juristischen Auseinandersetzungen sei die Darstellung, bei dem Treffen sei über einen “Masterplan” zur “Ausweisung” auch deutscher Staatsbürgerinnen und Staatsbürger gesprochen worden. Das Landgericht Berlin habe einzelne Aussagen von “Correctiv” als nicht ausreichend belegt eingestuft und untersagt. Zuvor habe das Landgericht Hamburg eine ähnliche Aussage von “Correctiv” für zulässig erklärt. Unstrittig bleibe jedoch, dass Martin Sellner in Potsdam sein “Remigrations”-Konzept vorgestellt habe und AfD-Vertreter anwesend gewesen seien.
Weiterer Lesehinweis: In einem Beitrag in eigener Sache ordnet die “Correctiv”-Redaktion die juristischen Auseinandersetzungen um die Recherche als weiterhin offen ein und betont, dass das Berliner Urteil nicht rechtskräftig sei.

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4. Wie selbstverschuldet ist die Krise?
(deutschlandfunk.de, Stephan Beuting, Audio: 31:50 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um den Zustand des Lokaljournalismus sowie um dessen Aussichten. Es diskutieren DLF-Hörer Tom Schweers, Hans Onkelbach vom Düsseldorfer Lokalmedium “VierNull” und DLF-Landeskorrespondent Niklas Ottersbach.

5. NDR und “Tagesschau” starten Format auf YouTube und TikTok
(dwdl.de, Timo Niemeier)
NDR und “Tagesschau” hätten mit “Stabile Zeitenlage” ein neues Format für YouTube, TikTok und die ARD-Mediathek gestartet, das sich an ein junges Publikum richte. Ziel sei es, komplexe sicherheitspolitische Themen wie die NATO, Europas Sicherheit oder Künstliche Intelligenz im Krieg verständlich einzuordnen und auch Fragen aus der Community aufzugreifen. Die erste Ausgabe beschäftige sich mit dem Beginn des Iran-Krieges und der möglichen Rolle von KI.

6. Meta will etwa jeden zehnten Job kappen
(spiegel.de)
Der Social-Media-Konzern Meta plane einen erneuten großen Stellenabbau und wolle rund zehn Prozent seiner Belegschaft entlassen, was fast 8.000 Jobs betreffen dürfte. Zudem sollen etwa 6.000 offene Stellen nicht besetzt werden. Das Unternehmen begründe dies mit Effizienzsteigerungen und hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz. Gleichzeitig sei bekannt geworden, dass Meta in den USA neue Tracking-Software auf Rechnern von Beschäftigten installiere, um Daten für KI-Systeme zu gewinnen. Der Schritt füge sich in eine breitere Strategie ein, mit KI Arbeitsprozesse umzubauen und Kosten zu senken.

Die AfD und ihre (Nicht-)Pläne, Krise beim ORF, Kinder als Content

1. Chaos vorprogrammiert: Die AfD und ihre (Nicht-)Pläne zum ÖRR
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Timo Niemeier beschreibt, welche Folgen es hätte, wenn die AfD in Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern nach den jeweiligen Landtagswahlen die Rundfunkstaatsverträge kündige. Besonders im Fall von Sachsen-Anhalt könnte das den MDR in eine schwere Krise stürzen und jahrelange juristische Auseinandersetzungen auslösen. Unklar wäre dann unter anderem, wie es mit dem Rundfunkbeitrag weitergehe. Aber nicht nur die Öffentlich-Rechtlichen wären betroffen, sondern auch private Anbieter und Landesmedienanstalten.
Weiterer Lesetipp: Ingo Lierheimer, Teamleiter beim Bayerischen Rundfunk, schreibt über die “Reformpläne für [den] BR”: Die geplante Reform des Bayerischen Rundfunkgesetzes stoße auf deutliche Kritik. Die Staatsregierung wolle unter anderem eine feste Informationsquote von 60 Prozent im linearen BR-Fernsehen verankern und dem Sender “gesellschaftliche Gestaltungsziele” untersagen. Kritikerinnen und Kritiker aus Journalismus, Rundfunkrat und Kultur sähen darin einen möglichen Eingriff in die Programmautonomie und die Rundfunkfreiheit. Der Gesetzentwurf werde derzeit weiter beraten, Änderungen seien noch möglich. (br.de)

2. Lebenszeichen von vermisster deutscher Journalistin
(spiegel.de)
Im Fall der in Syrien verschwundenen deutschen Journalistin Eva Michelmann gebe es nach Angaben ihrer Familie erstmals ein Lebenszeichen. Demnach soll die 36-Jährige in einem Gefängnis in Aleppo in Isolationshaft sitzen, ebenso wie der mit ihr verschleppte kurdische Journalist Ahmet Polat. Die Familie fordere nun konsularischen Zugang, Besuche durch Hilfsorganisationen und stärkeren politischen Druck für Michelmanns Freilassung.

3. Journalisten schlagen Alarm
(taz.de, Florian Bayer)
Die Krise beim österreichischen ORF spitze sich weiter zu. Nach dem Rücktritt von Generaldirektor Roland Weißmann wegen Vorwürfen sexueller Belästigung habe der ORF-Redaktionsausschuss nun vier Mitgliedern des Stiftungsrats das Misstrauen ausgesprochen. Kritisiert würden mangelnde Transparenz im Umgang mit dem Fall, ein mutmaßlich toxisches Arbeitsumfeld sowie mögliche Interessenkonflikte und politische Verflechtungen im Kontrollgremium. Im Zentrum der Kritik stünden vor allem die beiden Vorsitzenden.

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4. Joey Kelly geht unter die Schwurbler
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 24:04 Minuten)
Joey Kelly, unter anderem bekannt als Teil der “Kelly Family”, sei “unter die rechten Schwurbler gegangen”. Mats Schönauer hat sich die fiebertraumhafte fünftstündige Show angeschaut: “Joey Kelly (‘7 v. Wild’, ‘Most Wanted’) ist in einem Webinar des rechten Verschwörungstheoretikers und Goldhändlers Dominik Kettner aufgetreten. Was dabei alles passiert ist und wie das perfide Geschäftsmodell dahinter funktioniert, zeige ich euch in diesem Video.”
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.
Nachtrag: Joey Kelly hat ein Statement veröffentlicht, in dem er sich von seinem Gesprächspartner distanziert (“Die Gedankenwelt von Herrn Kettner teile ich in keiner Weise und lehne sie klar ab.”). Das Interview mit Kelly sei inzwischen auch vom YouTube-Kanal des Goldhändlers verschwunden, wie Mats Schönauer bei Bluesky berichtet.

5. Ein Schritt vorwärts – aber kein echter Paradigmenwechsel
(urheber.info, Sabine Richly)
Sabine Richly hält den französischen KI-Gesetzentwurf für einen Schritt in die richtige Richtung, aber nicht für eine echte Wende. Rechteinhaber hätten es damit etwas leichter, den Verdacht auf eine unzulässige KI-Nutzung vor Gericht zu bringen. Die KI-Anbieter müssten jedoch weiterhin nicht eindeutig beweisen, dass sie ein Werk nicht genutzt haben.

6. Kleinkinder als Content: Brauchen Familien-Influencer klarere Regeln?
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 27:51 Minuten)
In der neuen Folge des Podcasts “Läuft” spricht Alexander Matzkeit mit Cornelia Holsten, der Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt, über Familien-Influencer und den Umgang mit Kindern als Social-Media-Content. Ausgangspunkt ist eine neue Studie des Hans-Bredow-Instituts, die zeige, dass viele Influencer ihre Babys und Kleinkinder offen und teils in intimen Situationen präsentieren: “Was kann und sollte aus diesen Ergebnissen folgen? Welche Rolle könnten etwa das Jugendarbeitsschutzgesetz oder der Jugendmedienschutz spielen? Und wie wirksam sind Selbstverpflichtungen von Influencer:innen, Agenturen und Werbewirtschaft?”

KW 16/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Wie Podcasts den Hauptstadt-Journalismus verändern
(deutschlandfunk.de, Sören Brinkmann, Audio: 30:16 Minuten)
Podcasts würden den Hauptstadtjournalismus immer stärker prägen, ob bei Kanzlerinterviews, politischen Einordnungen oder Recherchen zu Parteifinanzen. Helene Bubrowski (frische “FAZ”-Herausgeberin), Dagmar Rosenfeld (Podcast “Machtwechsel”) und Katharina Hamberger (Deutschlandfunk) sprechen darüber, was Podcasts in der Berliner Politikberichterstattung verändern.

2. Wenn ein Prozess zur Schlagzeile wird – ein Medienjurist ordnet ein
(spotify.com, Michael Maske, Audio: 59:02 Minuten)
Im Podcast zum “Fall Block” begleiten Michael Maske und Christoph Pilz regelmäßig das Verfahren um die Unternehmerfamilie Block und die Entführung zweier Kinder. In dieser Folge spricht Maske mit dem Medienrechtsprofessor Tobias Gostomzyk über die Frage, wie Medien über ein laufendes Verfahren berichten dürfen, ohne zur Vorverurteilung beizutragen.
Weiterer Gucktipp zum Thema: In Jan Böhmermanns “ZDF Magazin Royale” geht es diesmal um “Die vielen Anwälte des Christian Ulmen”: “Die Unschuldsvermutung ist ein rechtsstaatlicher Grundsatz. Aber wieso steht sie immer sofort im Mittelpunkt der Debatte? Der Fall Ulmen zeigt vor allem eines: Wie Männer aufeinander aufpassen.”

3. Elon Musk, Peter Thiel & Trump: Die Allianz, die den Staat zerstört
(youtube.com, Martin Fehrensen, Video: 33:35 Minuten)
Martin Fehrensen vom “Social Media Watchblog” spricht mit dem “SZ”-Journalisten und Buchautor Jannis Brühl über die politische Macht großer Techunternehmer. Ausgangspunkt ist Brühls Buch über die “Tech-Oligarchen” sowie deren Nähe zu Donald Trump und der MAGA-Bewegung. Im Gespräch geht es um Figuren wie Elon Musk, Peter Thiel, Mark Zuckerberg und Sam Altman und um Disruption als politische Ideologie. Außerdem diskutieren beide darüber, wie sich Staaten und Medien, Nutzerinnen und Nutzer aus der Abhängigkeit von den großen Plattformen lösen könnten.

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4. Social Media: Was bringt ein Verbot für Kinder und Jugendliche?
(youtube.com, Julia von Buddenbrock & Hannah Krämer, Video: 20:39 Minuten)
Im NDR-Medienmagazin “Zapp” geht es um das mögliche Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche. Expertinnen und Experten verweisen darauf, dass Altersgrenzen technisch und rechtlich schwer umzusetzen seien und Alterskontrollen neue Probleme aufwerfen könnten. Entscheidend seien deshalb vor allem Medienbildung, Begleitung durch Eltern und Schulen sowie strengere Vorgaben für die Plattformen selbst. Schutz im Netz entstehe nicht allein durch Aussperren, sondern durch einen kompetenten Umgang mit digitalen Risiken.

5. Traumjob Journalismus: Zwischen Idealismus und Realität
(youtube.com, Tanjev Schultz & Markus Wolsiffer, Video: 50:02 Minuten)
In der Podcastreihe “Die Medienversteher” sprechen Markus Wolsiffer und Tanjev Schultz über den Beruf Journalismus und den Einstieg in die Branche. Es geht um die Fragen, warum Menschen Journalistinnen und Journalisten werden wollen, welche Fähigkeiten dafür wichtig sind, ob es den typischen Berufsweg überhaupt gibt und welche Rollen Studium, Praktika, Volontariat und Journalistenschulen spielen. Wolsiffer und Schultz sprechen auch über prekäre Bedingungen, Unsicherheiten und Belastungen im Beruf und erörtern, warum sich der Weg trotz aller Probleme weiterhin lohnen kann.

6. “El Hotzo” aka Sebastian Hotz: Satire, Weltpolitik und das Pferd mit den Raketenschuhen
(spotify.com, Peter Greve, Audio: 48:48 Minuten)
In der “Lektion meines Lebens” unterhält sich Host Peter Greve mit Sebastian “El Hotzo” Hotz: “Wir reden über folgenreiche Punchlines, über Moral und Überzeugungen und warum es manchmal schwer ist, dem eigenen öffentlichen Bild zu entsprechen. Ein Pferd mit Raketenschuhen kommt ebenfalls vor. Ein fränkischer Grillabend auch.”

Machen Abgeordnete Geld mit Social Media?, Wayback Machine, ORF-Krise

1. Machen Abgeordnete ihre Social Media Aktivitäten zu Geld?
(abgeordnetenwatch.de, Tania Röttger)
Eine Recherche von “Abgeordnetenwatch” geht der Frage nach, ob Bundestagsabgeordnete ihre Social-Media-Aktivitäten zu Geld machen. Anlass ist unter anderem der Fall des AfD-Abgeordneten Stephan Brandner, der laut “Redaktionsnetzwerk Deutschland” (nur mit Abo lesbar) seit 2024 rund 15.000 Euro mit Werbung auf YouTube eingenommen haben soll, ohne dass diese Zahlungen bislang in seinen veröffentlichten Nebeneinkünften aufgetaucht seien.

2. Despentes, Beigbeder und Bernard-Henri Lévy verlassen Verlag aus Protest gegen Rechtsaußen-Investor
(spiegel.de)
In Frankreich hätten 115 Autorinnen und Autoren angekündigt, den Grasset-Verlag, einen der bedeutendsten Literaturverlage des Landes, aus Protest gegen den Einfluss des rechtskonservativen Investors Vincent Bolloré zu verlassen. Auslöser sei die Entlassung des langjährigen Verlagschefs Olivier Nora, hinter der die Unterzeichner Bollorés Einfluss vermuten. Sie sprächen von einem Angriff auf die verlegerische Unabhängigkeit.

3. Würde eine Klage wie in den USA auch in Deut­sch­land funk­tio­nieren?
(lto.de, Carl Christian Müller)
Carl Christian Müller spielt durch, ob eine Klage gegen süchtig machendes Social-Media-Design wie in den USA auch in Deutschland Erfolg haben könnte. Sein Fazit: Ganz ausgeschlossen sei das nicht, aber die Hürden lägen hier deutlich höher und die möglichen Schmerzensgelder viel niedriger. Anders als in den USA fehle es im deutschen Recht an weitreichenden Offenlegungspflichten. Zudem müsse die Kausalität zwischen Plattformdesign und psychischen Schäden sehr genau bewiesen werden.

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4. KI und Geschichte
(taz.de, Johannes Drosdowski)
Einige Medienhäuser würden das Internet Archive und dessen Wayback Machine aus Angst vor KI-Nutzung aussperren. Die Wayback Machine archiviere seit 1996 Websites und sei wichtig, auch um gelöschte Inhalte nachvollziehbar zu machen. Gerade in Zeiten politisch motivierter Löschungen diene sie dem Erhalt öffentlicher Wahrheit und journalistischer Recherche. Mehr als 100 Journalistinnen und Journalisten hätten deshalb die Bedeutung des Archivs für das journalistische Erbe hervorgehoben.

5. Krise und kein Ende: Der ORF steht vor einem Scherbenhaufen
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der österreichische ORF stecke nach dem überraschenden Rücktritt von Generaldirektor Roland Weißmann in einer tiefen Krise. Weißmann bestreite die gegen ihn erhobenen Vorwürfe sexueller Belästigung und wolle juristisch gegen seine Kündigung vorgehen. Zugleich wachse der Druck auf die Spitze des Stiftungsrats: Der Redaktionsausschuss des öffentlich-rechtlichen Senders habe mehreren Mitgliedern das Misstrauen ausgesprochen. Die Affäre verschärfe damit auch die Debatte über die seit Jahren geforderte Entpolitisierung der ORF-Aufsichtsgremien.

6. Die besten Comics des Quartals: Alison Bechdels USA-Satire “Kaputt” führt Kritikerauswahl an
(tagesspiegel.de, Lars von Törne)
Lars von Törne stellt die aktuelle Auswahl der besten Comic-Neuerscheinungen des Quartals vor, die von 30 deutschsprachigen Kritikerinnen und Kritikern zusammengestellt wurde. Der Beitrag gibt einen Überblick über die zehn favorisierten Titel und ordnet sie kurz ein. Vertreten sind sehr unterschiedliche Formen und Themen, von Graphic Novels und Sachcomics über Manga bis hin zu Klassikern und Kindercomics.

Neue Betroffenheit, Enttäuschte Liebe, Richter vs. Pentagon

1. Neue Betroffenheit
(journalist.de, Anne Hünninghaus & Kathi Preppner)
Redaktionen würden verstärkt Journalistinnen und Journalisten suchen, die sich mit Sicherheitspolitik, Bundeswehr und Rüstungsindustrie auskennen. Gute Berichterstattung über Krieg und Krisen müsse sachlich einordnen, Begriffe erklären und Desinformation erkennen. Zugleich müssten die Interessen von Staat, Militär und Industrie kritisch voneinander unterschieden werden. Im Text von Anne Hünninghaus und Kathi Preppner schildern mehrere Medienschaffende, dass das öffentliche Interesse an diesen Themen und die eigene Betroffenheit deutlich zugenommen hätten.

2. Richter verbietet Pentagon das Aussperren von Journalisten
(spiegel.de)
Ein US-Richter habe dem Pentagon untersagt, die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten weiter einzuschränken, und die Wiederherstellung des freien Pressezugangs angeordnet. Das Gericht sehe in den neuen Pentagon-Regeln den Versuch, eine frühere richterliche Entscheidung zu umgehen. Hintergrund sei ein länger andauernder Konflikt über Pressefreiheit und Zugang zwischen dem US-Verteidigungsministerium unter Pete Hegseth und verschiedenen Medien.

3. Öffentlich-rechtliche Medien vor dem Großinquisitor
(taz.de, Rudolf Balmer)
Rudolf Balmer schildert, wie ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss zur Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Medien in Frankreich zunehmend zu einem politischen Tribunal gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) geworden sei. Vor allem der rechtsnationale Kommissionssprecher habe die Anhörungen mit aggressiven und teils fehlerhaften Vorwürfen geprägt. Dem französischen ÖRR würden im Fall eines rechten Machtgewinns tiefgreifende Einschnitte bis hin zur Privatisierung drohen.

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4. So krass werdet ihr von NIUS und BILD manipuliert
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 36:44 Minuten)
“Bild” und “Nius” hätten mit einer erfundenen Geschichte über angeblich shoppen gehende Afghanen gezielt Wut auf Geflüchtete geschürt und damit rechtsextreme Narrative bedient. Mats Schönauer wirft beiden Redaktionen vor, solche Geschichten nicht nur ungeprüft oder bewusst verzerrt weiterzuverbreiten, sondern Korrekturen später zu verschleppen oder ganz zu unterlassen.
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

5. Fact-Checking: Zwischen Effizienz und Kontrolle
(de.ejo-online.eu, Susanne Fengler)
Fact-Checking-Organisationen würden zunehmend Künstliche Intelligenz einsetzten, etwa beim Monitoring, bei der Recherche, in der Produktion und bei der Verbreitung von Korrekturen. In der Praxis zeige sich jedoch eine deutliche Skepsis hinsichtlich der Grenzen solcher Systeme. Ein zentrales Ergebnis einer Analyse sei, dass KI beim Fact-Checking nicht als eigenständiger Akteur verstanden werde, sondern ausschließlich als unterstützendes Werkzeug unter menschlicher Aufsicht.

6. Das Radio zwischen enttäuschter Liebe und neuem Aufbruch
(deutschlandfunk.de, Mathias Greffrath, Audio: 39:33 Minuten)
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, besonders das Radio, befinde sich in einer tiefen Legitimations- und Formkrise, findet Mathias Greffrath in seinem Audioessay. Viele Wellen würden auf ihn routiniert, belanglos und vom Quotendruck entkernt wirken, während Podcasts, Plattformen und Algorithmen die Öffentlichkeit fragmentieren würden. Radio solle weniger beschallen und stärker Räume schaffen, in denen Menschen tatsächlich miteinander ins Gespräch kommen. Es brauche mehr physische Präsenz außerhalb der Funkhäuser, neue gemeinwohlorientierte Funktionen und ein Auftritt jenseits bloßer Marktlogik.

KW 15/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Traumjob Journalismus – mit Meret Reh & Frederik von Castell
(ardsounds.de, Meret Reh, Audio: 1:59:52 Stunden)
Bei “Blue Moon” unterhalten sich Meret Reh und Frederik von Castell, Chefredakteur des “medium magazins”, über den “Traumjob Journalismus”. Im Mittelpunkt des Gesprächs stehen Wege in den Journalismus, über Volontariat, Journalistenschule, Studium, Quereinstieg oder Praktika, und die oft schwierigen Bedingungen beim Berufseinstieg. Außerdem sprechen sie mit Hörerinnen und Hörern sowie über eingespielte Sprachnachrichten weiterer Kolleginnen und Kollegen über Medienkritik, Investigativrecherchen, KI im Journalismus und die aktuelle Lage der Branche.

2. Die Klimakrise in den Medien
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 32:14 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um das Thema “Klimakrise in den Medien”. DLF-Hörerin Gaby Westphal diskutiert darüber mit Jürgen Döschner vom Netzwerk Klimajournalismus und Brigitte Baetz vom Deutschlandfunk.

3. RUMS – Ralf Heimann über Lokaljournalismus
(youtube.com, Christian Jakubetz, Video: 35:33 Minuten)
Christian Jakubetz hat Ralf Heimann zu Gast, der das erfolgreiche Lokaljournalismus-Projekt “RUMS” leitet. Heimann erklärt, wie “RUMS” gestartet ist und sich durch tief recherchierte, unterhaltsame Inhalte sowie eine Bezahlschranke etabliert hat. Dabei positioniere sich “RUMS” bewusst als modernes, eher progressives Gegengewicht zur traditionell konservativen örtlichen Lokalzeitung. Heimann betont, dass die reine Bündelungsfunktion klassischer Zeitungen ausgedient habe. Zukunftsfähiger Lokaljournalismus müsse stattdessen eine Community aufbauen und der Leserschaft ein Gefühl von Zugehörigkeit vermitteln.

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4. Katja Hofem: “Der Mut von heute ist der Mainstream von morgen”
(dwdl.de, Thomas Lückerath, Audio: 35:46 Minuten)
“Wie viel lokale Kreativität, wie viel lokales Investment steckt in einem globalen Streamer wie Netflix? Wie geht man Programme an, die über Deutschland hinaus wirken? Und was bedeutet Medienzukunft in einem Markt, der sich auch für Netflix permanent neu erfindet?” Über diese und weitere Themen unterhält sich “DWDL”-Chef Thomas Lückerath mit Katja Hofem, “Vice President Content” für Deutschland, Österreich und die Schweiz beim Streamingdienst Netflix.

5. Feindbild Frau: Warum soziale Medien Krawall & Hass gegen Frauen belohnen
(youtube.com, Martin Fehrensen, Video: 37:04 Minuten)
Martin Fehrensen spricht mit der Autorin Ingrid Brodnig über deren neues Buch “Feindbild Frau”. Digitale Gewalt gegen Frauen und speziell gegen Politikerinnen sei kein Zufall. Es handele sich um eine systematische Strategie rechter Netzwerke, um diese Personen aus dem öffentlichen Diskurs zu drängen. Brodnig und Fehrensen werfen den großen Plattformen, insbesondere X und Meta, vor, den Hass aus rein wirtschaftlichem Kalkül zu dulden.

6. “Trauma und Comedy – wie viel ‘Schaden’ braucht es, um lustig zu sein?” mit Bernhard Hiergeist
(spotify.com, Bea Herzog, Audio: 1:09:26 Stunden)
Im Podcast “Erstgespräch” analysieren Bea Herzog und Bernhard Hiergeist, dass Medien bei Comedians psychisches Leid oft überbetonen und dabei das eigentliche Handwerk unsichtbar machen. Sie unterscheiden zwischen bloß erzähltem Leid und künstlerisch verarbeitetem Material. Gute Comedy entsteht für sie nicht aus dem Leiden selbst, sondern aus der Haltung dazu. Problematisch wird es aus ihrer Sicht, wenn unverarbeitetes Leid als Voraussetzung für gute Kunst gilt oder das Publikum zur Ersatztherapie wird.

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