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KW 26/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Der Politik-Erklärer (mit Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte)
(youtube.com, Tanjev Schultz & Markus Wolsiffer, Video: 58:09 Minuten)
Zu Gast bei den “Medienverstehern” Markus Wolsiffer und Tanjev Schultz ist der “Politikerklärer” Karl-Rudolf Korte. An Wahlabenden gehe es ihm um die bundespolitische Einordnung, nicht um Sachpolitik, und gerade Live-Momente des Misslingens seien die interessantesten. Schultz bringt eine Medienkritik ein: Der Journalismus betone zu stark Streit, Macht und Strategie und vernachlässige die inhaltlichen Sachentscheidungen. Dies verstärke den Eindruck einer nur zerstrittenen Demokratie.

2. “Wenn das in Sachsen-Anhalt funktioniert, dann kann es überall funktionieren”
(uebermedien.de, Annika Schneider, Audio: 46:06 Minuten)
In der Reihe “Nice & Nötig” spricht Annika Schneider mit dem Podcaster Christian Bollert über dessen Projekt “Dazwischen”, für das er eine halbe Million Euro Fördermittel eingeworben habe. Sein Team von detektor.fm veröffentliche seit März wöchentlich Podcast und Newsletter zu Sachsen-Anhalt, einer medial unterversorgten Region. Man setze dabei nicht auf Landespolitik, sondern auf Alltagsthemen. Anders als viele Medien, die von einer “Schicksalswahl” sprächen, blickt Bollert betont zuversichtlich auf das Bundesland.

3. Resonanz statt Reichweite: Journalismus in freier Wildbahn
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 29:09 Minuten)
Alexander Matzkeit spricht mit Alexander von Streit über dessen Projekt “Media Rewilding”, das untersuche, ob und wie Journalismus wieder sichtbarer werde, wenn er an öffentliche Orte wie Bühnen, Cafés oder Begegnungshäuser zurückkehrt. Von Streits These lautet, Journalismus solle weniger auf Reichweite als auf Resonanz setzen, also auf Beziehungen, die Vertrauen schaffen. In der Medienkritik bespricht Matzkeit das neue Arte-Erklärformat “Warum?”, dessen Frage-Rahmung er oft konstruiert findet.

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4. Wie macht man einen Podcast über die USA?
(deutschlandfunkkultur.de, Mike Herbstreuth, Audio: 37:58 Minuten)
Anlässlich des 250-jährigen Bestehens der USA beschäftigt sich die Reihe “Über Podcast” in einer Spezialfolge mit USA-Podcasts, die das Land erklären wollen. Zu Gast sind Rieke Havertz und Klaus Brinkbäumer vom “Zeit”-Podcast “OK, America?”. Sie schildern, wie sich ihr Blick gewandelt habe, etwa zur Frage, ob die US-amerikanische Demokratie in bekannter Form überlebt. Außerdem gibt es Hörtipps wie den BBC-“Americast” und den NPR-Podcast “Landslide”.

5. Sebastian Fitzek, wie schreibt man einen Thriller?
(youtube.com, Jochen Wegner & Christoph Amend, Video: 6:30:32 Stunden)
In der Fortsetzung ihres beim ersten Mal abgebrochenen Live-Podcasts sprechen Jochen Wegner und Christoph Amend mit dem Bestsellerautor Sebastian Fitzek über dessen Handwerk. Anhand zweier aus dem Publikum gepitchter Plots zeigt Fitzek, wie ein Thriller über Figuren und Motivation gebaut wird. Zum Buchmarkt erklärt er, dass sein Geschäft die Bücher seien, nicht die teuren Shows. Ein Verlag bleibe für Vertrieb und Sichtbarkeit unverzichtbar (Achtung: Wie oft bei “Alles gesagt” sehr lang).

6. Wie wir mit KI manipuliert werden
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 21:07 Minuten)
Mats Schönauer zeigt in seinem YouTube-Video, welche KI-Fälschungen derzeit durch die Sozialen Medien geistern, von erfundenen Tierrettungen bis zu gefälschten Promitreffen, und gibt Tipps zum Erkennen. Verräterisch seien meist logische und physikalische Ungereimtheiten, unsinnige Schrift oder ein Blick auf Profil und Kommentare. Derlei KI-Inhalte würden die Grenze zwischen Fakt und Fiktion verwischen. Auf Erkennungstools solle man sich lieber nicht verlassen. Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

Alternativen zum Verbot, Gefälschte Nachrichtenartikel, Lektorat und KI

1. Expert*innen-Kommission schlägt Alternativen zum Social-Media-Verbot vor
(netzpolitik.org, Chris Köver)
Die vom Familienministerium einberufene Kommission “Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt” habe ihre Empfehlungen vorgestellt. Statt eines pauschalen Verbots nach australischem Vorbild, schlage sie zwei Alternativen vor: entweder eine Mindestaltersgrenze von 13 Jahren mit wirksamer Altersprüfung und abgestuften Schutzstandards oder Plattform-Beschränkungen je nach Risiko. Chris Köver warnt, dass verlässliche Alterskontrollen letztlich eine Identifizierung aller Nutzerinnen und Nutzer erfordern und so Anonymität und Grundrechte im Netz gefährden würden.
Weiterer Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Die Grenze ab 13 ist schnell beschlossen. Aber den Türsteher, der jeden kontrolliert und sich trotzdem niemanden merkt, den muss erst noch jemand erfinden.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 3:56 Minuten)

2. Falsche Promis, echtes Geld: Die üblen Maschen des Krypto-Betrugs
(gadmo.eu)
Eine millionenschwere Betrugsmaschinerie locke Kleinanlegerinnen und -anleger über gefälschte Nachrichtenartikel und KI-Deepfakes mit Prominenten wie FPÖ-Politiker Herbert Kickl oder ORF-Moderator Armin Wolf zu unseriösem Krypto-Trading. Per Callcenter würden die Opfer dann unter Druck gesetzt, bis ihr Geld weg sei. Ende April 2026 habe die österreichische Justiz mit albanischen Behörden ein solches Netzwerk zerschlagen, das europaweit einen Schaden in Höhe von mindestens 50 Millionen Euro verursacht habe.

3. Lektorenverband gibt Empfehlungen zum KI-Einsatz
(boersenblatt.net)
Der Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren empfiehlt seinen rund 1.300 Mitgliedern Grundsätze für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Die Lektorinnen und Lektoren sollten eigenverantwortlich und transparent über den KI-Einsatz entscheiden, dabei Datenschutz und Urheberrecht beachten und KI-Ergebnisse niemals ungeprüft übernehmen. Die Technik habe ihre Grenzen: KI sei nicht kreativ, reproduziere Bekanntes und Klischees, könne halluzinieren und habe kein Einfühlungsvermögen.

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4. Medienministerium unterstützt Schutz von Journalistinnen mit 100.000 Euro pro Jahr
(derstandard.at, Harald Fidler)
Das österreichische Medienministerium kündige eine neue “Kontaktstelle” an, die Journalistinnen und Journalisten in Sicherheits- und Rechtsfragen berate, schule und Angriffe systematisch dokumentiere. Ein Schwerpunkt liege auf geschlechtsspezifischen Bedrohungen gegen Frauen. Gefördert werde die Stelle über die Qualitäts-Journalismus-Förderung mit einer Anschubfinanzierung sowie mit jährlich 100.000 Euro, um die sich geeignete Organisationen ab 2027 bewerben könnten.

5. Finfluencer – zwischen Medien-, Wettbewerbs- und Kapitalmarktrecht
(dfjv.de, Birgit Groschwitz-Fiebig)
Birgit Groschwitz-Fiebig erkärt, welchen rechtlichen Grenzen “Finfluencer” unterlägen, also Personen, die in Sozialen Medien Finanztipps geben. Sie würden sich zwischen Finanzjournalismus, Anlageberatung und Werbung bewegen und müssten presse-, wettbewerbs- und kapitalmarktrechtliche Vorgaben beachten, etwa die klare Kennzeichnung von Werbung und das Verbot der Marktmanipulation. Laut einem Bafin-Leitfaden seien allgemeine Finanzinformationen meist zulässig, konkrete Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aber womöglich eine zulassungspflichtige Anlageberatung.

6. Auch Instagram will verstärkt auf den großen Bildschirm
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Angeregt vom Erfolg YouTubes auf dem Fernseher baue der Social-Media-Konzern Meta sein Angebot “Instagram for TV” weiter aus und bringe es etwa in den USA auf Samsung-Smart-TVs. Da die App oft gemeinsam genutzt werde, solle sich das Übertragen von Reels vom Smartphone auf den Fernseher vereinfachen. Weil Fernseher auf horizontale Videos ausgelegt seien, richte Instagram zudem einen eigenen Bereich für solche Formate ein und wolle mit längeren, seriellen und Live-Inhalten experimentieren.

Bundestag vs. “Compact”, Ulmen-Urteil, China lässt sich loben

1. Bundestag leitet Bußgeldverfahren gegen “Compact” ein
(taz.de)
Die Bundestagsverwaltung habe ein Bußgeldverfahren gegen das vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestufte Magazin “Compact” eingeleitet. Der Vorwurf laute, dass “Compact” mit seiner Veranstaltungsreihe “Die blaue Welle rollt” für die AfD geworben habe, obwohl die Partei dies schriftlich untersagt habe. Chefredakteur Jürgen Elsässer bestreite dies und spreche von Eigenwerbung sowie von einem Kampf für die Pressefreiheit, man werde Widerspruch einlegen. Erst im vergangenen Juni habe “Compact” vor dem Bundesverwaltungsgericht ein Verbot durch das Innenministerium abwenden können.

2. Deep­fa­ke­video-Ver­dacht im Spiegel gegen­über Chris­tian Ulmen ist rechts­widrig
(lto.de)
Das Oberlandesgericht Hamburg habe entschieden, dass der “Spiegel” nicht den Verdacht erwecken dürfe, der Schauspieler Christian Ulmen habe Deepfake-Videos seiner Ex-Frau Collien Fernandes hergestellt oder verbreitet. Damit habe Ulmens Beschwerde gegen eine Entscheidung des Landgerichts teilweise Erfolg gehabt. Die Berichterstattung über Vorwürfe, Ulmen habe Gewalt gegen Fernandes ausgeübt, bleibe dagegen gerechtfertigt.
Weiterer Lesetipp: Die Entscheidung aus Sicht des “Spiegel”: Der SPIEGEL darf weiter über »virtuelle Vergewaltigung« von Collien Fernandes berichten.

3. Schwarz gemalt: Deutschland als “Krisenland” bei der russischen Nachrichtenagentur TASS
(de.ejo-online.eu, Swetlana Mikhailowa)
Swetlana Mikhailowa hat untersucht, wie die russische Staatsagentur TASS über Deutschland berichtet. Die Agentur wähle vor allem Themen, die Krise, Konflikt und Skandal betonen, und gebe kritischen Stimmen viel Raum. Typisch sei ein Echo-Muster: Auf Meldungen über Entscheidungen der Bundesregierung würden häufig Beiträge folgen, in denen AfD oder BSW diesen Kurs als Fehler darstellen würden, wodurch das Regierungshandeln delegitimiert werde. So erscheine Deutschland als Land innerer Spannungen und außenpolitischer Abhängigkeit.

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4. Klage gegen Presse-Monitor abgewiesen
(urheber.info)
Das Landgericht Berlin habe eine Klage des Online-Magazins “Medieninsider” gegen die Presse-Monitor GmbH (PMG) in den wesentlichen Punkten abgewiesen, wie die PMG mitteile. “Medieninsider” habe dem Pressespiegel-Anbieter vorgeworfen, mehr als 300 seiner Artikel unerlaubt in Pressespiegel aufzunehmen und dafür Lizenzgebühren abzurechnen. Das Gericht folge dagegen der Auffassung der PMG. Deren Inkassotätigkeit für die Verwertungsgesellschaft VG Wort sei keine Urheberrechtsverletzung.

5. YouTube einigt sich mit 16-Jährigem außergerichtlich
(spiegel.de)
Die Google-Tochter YouTube habe sich außergerichtlich mit einem 16-jährigen Kläger aus Florida geeinigt, der der Plattform vorgeworfen habe, seiner psychischen Gesundheit geschadet zu haben. Der Junge habe als Kind mit der Nutzung Sozialer Medien begonnen und nach eigenen Angaben unter Suchtverhalten, Schlafstörungen, Depressionen und Angstzuständen gelitten. Die ursprünglich auch gegen Instagram, Snapchat und TikTok gerichtete Klage sei Teil einer großen Klagewelle in den USA gegen Social-Media-Konzerne.

6. China lässt sich loben: Wenn Influencer:innen das Image polieren
(cemas.io, Lea Frühwirth)
Lea Frühwirth analysiert, wie auffällig viele Travel-Influencerinnen und -Influencer China und besonders die Region Xinjiang als florierendes Reiseziel inszenieren, obwohl diese international vor allem für die Menschenrechtsverbrechen an den Uiguren bekannt sei. Das sei kein Zufall, sondern Teil der Strategie “Telling China’s Story well”, mit der die Kommunistische Partei das internationale China-Bild positiv prägen wolle.

KW 25/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Wie berechtigt ist die Empörung?
(deutschlandfunk.de, Stephan Beuting, Audio: 39:19 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, ob die Empörung über das Ende des WDR-Radiosenders Cosmo berechtigt ist. Es diskutieren DLF-Hörer Philipp Seehausen, Elena Kountidou von den Neuen Deutschen Medienmacher*innen und Schiwa Schlei, Programmchefin von 1Live und Cosmo.

2. Die Wahrheit über Pamela Reif
(youtube.com, Klengan, Video: 23:23 Minuten)
Der YouTuber Klengan beschäftigt sich mit dem geschäftlichen Aufstieg der deutschen Fitness-Influencerin Pamela Reif zu einer globalen Unternehmerin. Im Fokus steht dabei Reifs hierzulande kaum bekanntes Imperium in China, wo sie mittlerweile über 70 Millionen Followerinnen und Follower auf Plattformen wie Bilibili und Weibo begeistere. Es gehe dabei um die Kunst des “Culture Marketing”: Durch das Erlernen der Sprache, die Nutzung chinesischer Popmusik und die Anpassung an lokale Sehgewohnheiten habe Pamela Reif eine immense Reichweite aufbauen können.

3. StreitClub #18 “Medienkrise” mit Tilo Jung & Anne Hähnig
(youtube.com, Nicole Deitelhoff & Michel Friedman, Video: 2:13:37 Stunden)
In der Podiumsdiskussion des “Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt” streiten Anne Hähnig (“Die Zeit”) und Tilo Jung (“Jung & Naiv”) über den Zustand des Journalismus, moderiert von Nicole Deitelhoff, Michel Friedman sowie einer Schülerin und einem Schüler. Für Hähnig handele es sich vor allem um einen Strukturwandel. Das Medienvertrauen sei stabil, und der klassische Qualitätsjournalismus mit Recherche, Quellenprüfung und dem Ringen um Objektivität bleibe tragfähig. Jung dagegen sieht ein inhaltliches Versagen bei großen Themen wie Klima, Gaza und Ungleichheit. Er versteht Journalismus durchaus als Aktivismus für Wahrheit und Demokratie.

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4. Verbindung, Vertrauen und Einfluss der KI – die ersten Lokalmedientage
(thisismedianow.podigee.io, Lukas Schöne, Audio: 15:18 Minuten)
Die Sonderfolge von “This is Media Now” blickt auf die ersten Lokalmedientage in Nürnberg. Im Zentrum steht die Frage, wie lokale Medien Nähe und Vertrauen zum Publikum aufbauen können. Als größte Herausforderung gelte die Künstliche Intelligenz: Menschen würden Antworten zunehmend bei Chatbots suchen, der Traffic der Medienhäuser breche ein, zugleich zeichne sich gerade bei Jüngeren eine digitale Müdigkeit ab. Dagegen könnten lokale Medien mit Echtheit und Ansprechbarkeit punkten.

5. Was macht Journalismus im KI-Zeitalter noch aus?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 24:56 Minuten)
Holger Klein unterhält sich im “Übermedien”-Podcast mit Techjournalist und KI-Spezialist Georg Schmalzried über die “Grenze zwischen legitimem und verwerflichem Einsatz von KI-Tools im Journalismus”: “Was macht Journalismus eigentlich im KI-Zeitalter noch aus? Reicht es, eigene Recherchen oder Gedanken in ein Sprachmodell einzugeben? Oder ist so etwas wie direkte Autorenschaft ein zwingendes Kriterium journalistischen Arbeitens?”

6. Mikrofon, Emotion, Gänsehaut: Die Kunst des Stadionsprechers
(spotify.com, Christian Jakubetz, Audio: 23:02 Minuten)
Im Gespräch mit Christian Jakubetz erzählt Peter Schnettler von seinem Beruf als Stadionsprecher. Seit fast 30 Jahren begleite er die Heimspiele des Eishockeyteams Straubing Tigers am Mikrofon. Es gehe dabei um die Kunst, ein Publikum zu begeistern und Stimmung zu steuern, ohne sie zu erzwingen, und darum, professionell zu bleiben, während man selbst mitfiebere. Schnettler blickt zudem auf seinen Weg zurück, der ihn vom Fanclub-Gründer über die Fachzeitschrift “Eishockey News” bis zum Stadionsprecher in der Deutschen Eishockey Liga geführt habe.

KW 24/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Die Wahrheit über die Öffentlich-Rechtlichen
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 26:18 Minuten)
Mats Schönauer hat sich von verschiedenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von ARD, ZDF, Deutschlandradio und “Funk” berichten lassen, wie es hinter den Kulissen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR) zugeht. Kritisiert würden vor allem Bürokratie, langsame Entscheidungswege, veraltete Strukturen und unklare Zuständigkeiten. Der ÖRR werde von innen nicht grundsätzlich in Frage gestellt, aber als schwerfällige, reformbedürftige Institution beschrieben. Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

2. KI urteilt über Journalismus – wer steckt hinter Objection?
(ndr.de, Lisa Beusch, Video: 20:38 Minuten)
Das Medienmagazin “Zapp” beschäftigt sich mit dem Start-up “Objection” aus den USA, das mit KI-gestützten Urteilen gegen angeblich falsche Berichterstattung vorgehen wolle. “Objection” verspreche, Medienberichte öffentlich zu prüfen, Belege zu sammeln und per KI ein Urteil zu fällen. Kritisiert wird daran vor allem die Gefahr für Quellenschutz, Privatsphäre und investigative Recherchen. Das Start-up wirke wie ein Instrument, mit dem Reiche und Mächtige Redaktionen unter Druck setzen könnten.

3. Das finanzierte Clownfiasko (mit Johannes Franzen)
(hakendran.podigee.io, Gavin Karlmeier, Audio: 1:13:23 Stunden)
Bei “Haken dran” spricht Gavin Karlmeier mit Johannes Franzen über die Macht großer Tech-Plattformen und deren Eigentümer. Ausgangspunkt sind Elon Musk, X und der SpaceX-Börsengang. Musk sei ein reichweitenstarker Akteur, der rechte Mobilisierung verstärke und X als politische Verstärkeranlage nutze. Weitere Themen der Folge sind Deepfake-Klagen gegen X, Sicherheitsprobleme bei xAI/Grok, Metas zurückgefahrene Moderation und die Frage, ob Plattformen mehr Verantwortung übernehmen müssen.

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4. “Lasst uns doch einfach mal die Expertinnen und Experten weglassen”
(uebermedien.de, Annika Schneider, Audio: 50:35 Stunden)
Bei “Nice & Nötig”, eine Podcast von “Übermedien”, hat Annika Schneider Ellen Heinrichs, Gründerin und Geschäftsführerin des Bonn Institutes, zu Gast. Das Gespräch dreht sich um das vom Bonn Institute entwickelte Dialogspiel “Eine Stunde reden” und die Frage: “Wie können wir einander wieder besser zuhören und konstruktiv mit Meinungsverschiedenheiten umgehen?”

5. Wie kommt der ORF aus der Krise, Leonard Dobusch?
(ardsounds.de, Linus Lüring, Audio: 25:30 Minuten)
Nach langem Ringen habe sich der öffentlich-rechtliche ORF auf einen neuen Generaldirektor geeinigt. Linus Lüring hat sich dazu bei “BR24 Medien” mit Leonhard Dobusch ausgetauscht, Mitglied des ORF-Stiftungsrats und BWL-Professor an der Universität Innsbruck: “Kann der neue ORF-Chef Clemens Pig den ORF aus der Krise führen? Was sind die drängendsten Aufgaben? Und warum sind ‘Freundeskreise’ ein Problem?”

6. Family Influencing: Kinderdarstellungen auf Instagram, TikTok und YouTube
(leibniz-hbi.de, Kristina Kobrow, Audio: 48:19 Minuten)
Der “BredowCast” stellt eine Studie des Hans-Bredow-Instituts zu Family Influencing auf Instagram, TikTok und YouTube vor. Untersucht wurden rund 360 deutschsprachige Profile und über 10.000 Posts mit Babys und Kindern bis fünf Jahren. Das Ergebnis falle differenzierter aus, als die öffentliche Debatte nahelege: Die meisten Eltern würden ihre Kinder zurückhaltend zeigen oder sie unkenntlich machen. Kritisch werde es jedoch dort, wo wirtschaftliche Interessen der Eltern mit den Persönlichkeitsrechten der Kinder kollidieren.

KI in der Staatskanzlei?, “Correctiv” antwortet Lanz, Film brennt gut

1. “Ich trete in das Vermächtnis eines Anspruchs”
(fragdenstaat.de, Aiko Kempen & Jonathan Peaceman)
“FragDenStaat” wirft Thüringens Ministerpräsidenten Mario Voigt vor, Künstliche Intelligenz nicht nur in einem umstrittenen “Welt”-Gastbeitrag, sondern offenbar auch bei zahlreichen Reden und Artikeln eingesetzt zu haben. Eine Auswertung lege nahe, dass mehrere Texte aus Voigts Amtszeit zu großen Teilen oder vollständig KI-generiert seien. Problematisch sei vor allem die fehlende Kennzeichnung, denn eine Thüringer Dienstanweisung sehe bei wesentlich KI-generierten Texten Transparenz vor.

2. “Journalismus ist das nicht – Bambi für Ronzheimer hin, Freiheits-Gerede von Döpfner her”
(bsky.app, Janosch Dahmen)
Bei Bluesky erhebt der Bundestagsabgeordnete Janosch Dahmen (Die Grünen) schwere Vorwürfe gegen wichtige Springer-Protagonisten und deren politisches Umfeld. Dahmen beschreibt Springer als Macht- und Einflussnetzwerk, das angeblich eine schwarz-blaue Option aus Union und AfD vorbereite. Als Beispiele nennt er persönliche Verbindungen zwischen Springer-Chef Mathias Döpfner und dem stellvertretenden “Bild”-Chefredakteur Paul Ronzheimer mit verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Akteuren sowie eine unkritische oder interessengeleitete Berichterstattung (hier der Thread übersichtlich auf einer Seite).

3. “Kauf kein Kack”, aber kauf (bei Amazon)!
(uebermedien.de, Martin Rücker)
Der “Übermedien”-Text von Martin Rücker nimmt den “Bild”-Kaufberater unter die Lupe. Die Redaktion inszeniere die Produkttests als unabhängige Verbraucherberatung, baue daraus aber zugleich ein lukratives Affiliate-Geschäft auf. Rücker erkennt durchaus ernsthafte Testverfahren, kritisiert aber die Grauzone zwischen journalistischer Prüfung und Kaufanreiz. Besonders problematisch werde es, wenn “Bild” Produkte empfehle, ohne grundsätzlich zu fragen, ob der Kauf überhaupt sinnvoll sei.

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4. Stellungnahme von Correctiv
(instagram.com, Justus von Daniels)
Vor drei Tagen haben wir in unseren “Hör- und Gucktipps zum Wochenende” das Gespräch von Markus Lanz und Richard David Precht über “Aktivismus vs. Journalismus” verlinkt. Dort ging es auch um die Potsdam-Recherche von “Correctiv”, die von Lanz angezweifelt wird; er sei “auf die Recherche reingefallen”. Bei Instagram erklärt “Correctiv”-Chefredakteur Justus von Daniels nun das große Ganze und spricht darüber, warum die “Correctiv”-Einordnung aus seiner Sicht zutreffend sei.

5. RiffReporter in eigener Sache: Neues Crowdfunding soll das Überleben sichern
(riffreporter.de)
Wie die “Riffreporter” in eigener Sache berichten, habe man eine Insolvenz nur durch drastische Sparmaßnahmen abwenden können. Bis zum 13. Juli dieses Jahres soll nun eine Finanzierungslücke geschlossen werden, die man über eine Crowdfunding-Aktion füllen wolle: “Das Crowdfunding verfolgt mehrere Finanzierungsziele. Bereits mit 50.250 Euro könne der laufende Betrieb abgesichert werden. Weitere Mittel sollen in Marketingmaßnahmen fließen, Sichtbarkeit und Reichweite steigern und dabei helfen, bestehende Formate wie Podcasts und Newsletter weiterzuentwickeln.”

6. Film brennt gut
(taz.de, Valérie Catil)
Die Debatte um problematische Filmszenen ende nicht bei Wim Wenders’ “Falsche Bewegung” und der Nacktszene mit der damals 13-jährigen Nastassja Kinski. An Beispielen wie Alejandro Jodorowskys “El Topo” und Bernardo Bertoluccis “Der letzte Tango in Paris” zeigt Valérie Catil, dass reale Übergriffe, Demütigungen oder nicht abgesprochene Gewalt am Set teils als Kunst konserviert und später kanonisiert wurden. Catil wendet sich gegen die Vorstellung, das Entfernen solcher Szenen sei automatisch Zensur oder Kulturrevision.

KW 23/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Regierungskrise in Deutschland: Übertreiben die Medien?
(ndr.de, Lea Eichhorn & Konstanze Mastarowitz, Video: 21:18 Minuten)
Das NDR-Medienmagazin “Zapp” fragt, ob Medien politische Konflikte zu stark als Dauerkrise erzählen. Am Beispiel der aktuellen Koalition zeigen Journalisten wie Robin Alexander und Christian Teevs, warum Streit, Machtfragen und knappe Mehrheiten aus ihrer Sicht berichtenswert sind. Zugleich kritisieren Stimmen wie Steffen Hebestreit, Ricarda Lang und Victoria Reichelt, dass Politikberichterstattung oft wie Sportberichterstattung funktioniere: Wer gewinnt, wer verliert, wer setzt sich durch? Dadurch würden Inhalte, konkrete Folgen und Lösungen in den Hintergrund geraten.

2. BRAVO – Headlines, Hypes und Herzschmerz
(ardmediathek.de, Mariska Lief, Video: drei Folgen je zwischen 30 und 33 Minuten)
Die ARD-Dokuserie “BRAVO – Headlines, Hypes und Herzschmerz” erzählt die Geschichte der “Bravo” von ihrer Hochphase Anfang der 1990er bis zum Bedeutungsverlust im Internet. Das Magazin sei damals ein zentrales Jugendmedium gewesen. Es habe Stars großgemacht und Fankultur, Körperbilder, Liebesvorstellungen und sexuelle Aufklärung geprägt. Verschiedene Prominente berichten, wie “Bravo” Karrieren beförderte, aber auch Druck erzeugte und Idole verschliss.

3. Wer bestimmt, was wir sehen? Social Media und Macht – Gavin Karlmeier
(ndr.de, Norbert Grundei, Audio: 1:08:18 Stunden)
Norbert Grundei spricht mit dem Journalisten und Digitalberater Gavin Karlmeier über den Wandel von Social Media. Aus den früheren vernetzten Freundesplattformen seien KI-gestützte Aufmerksamkeits- und Entertainmentmaschinen geworden. Karlmeier erklärt, warum klassische Soziale Netzwerke im engeren Sinne “eigentlich tot” seien und wie Plattformen heute bestimmen, welche Inhalte sichtbar werden.
Weiterer Gucktipp: Der “6-vor-9”-Kurator war bei Karlmeiers Videopodcast über Social Media “Haken dran” zu Gast. In dem Gespräch geht es um gehackte Instagram-Konten, Identitätsdiebstahl und die Frage, warum es 100 Euro kostet, wenn man Friedrich Merz auf Facebook einen “Lackaffen” nennt (youtube.com, Video: 1:01:39 Stunden).

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4. Redaktion und Reklame: Der Ärger um Schleichwerbung
(youtube.com, Tanjev Schultz & Markus Wolsiffer, Video: 35:59 Minuten)
Die “Medienversteher” behandeln das journalistische Trennungsgebot: Redaktionelle Inhalte müssen klar von Werbung, PR und bezahlten Botschaften unterscheidbar sein. Tanjev Schultz und Markus Wolsiffer erklären, warum diese Trennung zentral für die Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit des Journalismus sei und warum sie heute immer stärker unter Druck gerate. Beispiele sind Schleichwerbung, Advertorials, Native Advertising, Product Placement, Affiliate-Links und vor allem Host-Read-Ads in Podcasts.

5. Aktivismus vs. Journalismus: Wo ist die Grenze?
(youtube.com, Markus Lanz & Richard David Precht, Video: 55:02 Minuten)
Markus Lanz und Richard David Precht sprechen über die Grenze zwischen Journalismus und Aktivismus. Ausgangspunkt ist das viel diskutierte Höcke-Interview im Podcast “Ungeskriptet”, an dem die beiden die Frage verhandeln, ob Medien AfD-Politiker ausgrenzen oder kritisch stellen sollten. Precht unterscheidet zwischen freien Gesprächsformaten, die auch unkritisch sein dürfen, und journalistischen Formaten, die harte Nachfragen leisten müssen. Außerdem geht es um den Wandel des Journalismus: weg von anzeigenfinanzierten Medienmarken, hin zu leserfinanzierten Communitys und aktivistischen Formaten.

6. Deutscher Schauspieler in Marvel, Wes Anderson & Co. – warum kennt den keiner?
(youtube.com, Charles Rettinghaus, Video: 58:34 Minuten)
Im Podcast “Hollywoodgeflüster” spricht Charles Rettinghaus mit Schauspieler, Synchronsprecher und Musiker Milton Welsh. Es geht um Welshs Weg über Theater, Schauspielschule und internationale Drehs bis in die Synchronarbeit. Welsh erzählt von Bühnenpannen, Method Acting, Dreharbeiten mit Wes Anderson bei “Grand Budapest Hotel” und vielem mehr aus seinem Schauspielleben.

Weimer akzeptiert Urteil, Wenders zieht zurück, Poli­ti­ker­be­lei­di­gung

1. Extremismus-Vorwurf gegen Buchhandlung: Weimer akzeptiert Urteil
(br.de, Ulrich Möller-Arnsberg)
Wolfram Weimer habe den Gerichtsbeschluss im Streit mit der Berliner Buchhandlung “Zur schwankenden Weltkugel” akzeptiert. Der Kulturstaatsminister habe keine Rechtsmittel eingelegt und dürfe die Betreiberinnen des Ladens damit bis zur Hauptsacheentscheidung nicht erneut als “politische Extremisten” bezeichnen. Hintergrund sei der Ausschluss mehrerer Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis wegen angeblicher “verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse”, die öffentlich bislang nicht konkret benannt worden seien. Das Verwaltungsgericht Berlin sehe durch Weimers Äußerung das Persönlichkeitsrecht der Buchhändlerinnen verletzt. Die betroffenen Läden würden nun Aufklärung darüber verlangen, wer wann und warum in die Preisvergabe eingegriffen hat.

2. Wim Wenders zieht seinen Film »Falsche Bewegung« vorerst zurück
(spiegel.de)
Regisseur Wim Wenders ziehe seinen Film “Falsche Bewegung” nach der Kritik von Nastassja Kinski vorerst aus allen aktuellen Auswertungsformen zurück. Streaming-, TV- und Vertriebspartner sollen den Film nicht mehr öffentlich zugänglich machen. Der Grund für diesen Schritt sei eine Szene des Films von 1975, in der die damals 13-jährige Kinski mit nacktem Oberkörper zu sehen ist und deren Entfernung sie seit Jahren fordert. Wenders habe Kinski nun ausdrücklich “ohne Wenn und Aber” um Entschuldigung gebeten und erklärt, sie hätte damals besser geschützt werden müssen. Der Film solle erst wieder freigegeben werden, wenn es eine breitere Debatte über den Umgang mit problematischem Filmerbe und eine einvernehmliche Lösung mit Kinski gebe.

3. WDR-Rundfunkrat stimmt Reform der jungen Wellen mit knapper Mehrheit zu
(radiowoche.de, Stephan Munder)
Der WDR-Rundfunkrat habe der umstrittenen Reform der jungen Radiowellen knapp zugestimmt. Kontrovers sei die Umwandlung des Senders Cosmo in 1Live Street, das sich künftig mit der weltweiten Hip-Hop-Kultur beschäftigen und so eine urbane, diverse Zielgruppe zwischen 20 und 29 Jahren ansprechen solle. Kritiker würden fürchten, dass der WDR damit den interkulturellen Auftrag von Cosmo verengt und ältere Hörerinnen und Hörer mit internationaler Biografie verliert.
Weiterer Lesetipp: Beim “Tagesspiegel” kommentiert Nadine Lange: “Die Cosmo-Einstellung sendet das fatale Signal, dass das Thema Vielfalt in Zeiten klammer Kassen hinten angestellt werden kann. Das ist ein kolossaler Irrtum, denn die Diversität der deutschen Gesellschaft nimmt immer weiter zu. Dem muss ein öffentlich-rechtliches Radioprogramm wahrnehmbar Rechnung tragen – und sich nicht schnöde verkrümeln, wenn der Wind immer strammer von rechts weht.”

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4. Medien verlieren zig Millionen Klicks durch die KI-Suche
(medientage.de, Petra Schwegler)
Petra Schwegler beschreibt, wie KI-Suchergebnisse den Traffic deutscher Medien massiv verändern. Durch Googles AI Overviews und andere Antwortmaschinen wie SearchGPT oder Perplexity würden Nutzerinnen und Nutzer immer häufiger direkte Antworten erhalten, ohne zusätzlich auf journalistische Websites zu klicken. Deutsche Internetseiten verlören monatlich rund 250 Millionen Klicks. Besonders betroffen seien Wikipedia, Gesundheitsseiten und Ratgeberangebote. Schwegler ordnet diese Entwicklung als strukturelles Medienproblem ein: Plattformen würden von journalistischen Inhalten profitieren, entzögen ihnen aber Reichweite und Werbegeld.

5. Sachsen will Poli­ti­ker­be­lei­di­gung abschaffen
(lto.de)
“Legal Tribune Online” berichtet über einen Vorstoß aus Sachsen, den Straftatbestand der Politikerbeleidigung nach § 188 StGB (“Gegen Personen des politischen Lebens gerichtete Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung”) abzuschaffen oder deutlich zu begrenzen. Justizministerin Constanze Geiert halte einen besonderen strafrechtlichen Schutz für Politikerinnen und Politiker nicht für nötig und warne, dass politische Polemik nicht uferlos kriminalisiert werden dürfe. Hintergrund seien jüngste Verfahren wegen Bezeichnungen wie “Lackaffe” und “Lügenfritz” über Friedrich Merz oder das “Schwachkopf”-Meme gegen Robert Habeck. Sachsen wolle die Justizministerkonferenz auffordern, nicht nur § 188 StGB, sondern die Beleidigungsdelikte insgesamt zu reformieren.

6. Never gonna give you up
(digitalpolitik.de)
Markus Beckedahl zieht Bilanz zur re:publica 2026, bei der sein Team ein riesiges Programm mit über 1.200 Sprecherinnen und Sprechern auf 27 Bühnen organisiert habe. Er verweist auf das Videoarchiv als wachsende Wissenssammlung und hebt seine eigenen Beiträge hervor: eine Keynote zu digitaler Souveränität, ein Gespräch mit Digitalminister Karsten Wildberger und ein Interview mit Henning Besser von der Band Deichkind über Kreativität und Inszenierung.

7. CDU-Politiker lassen Gastbeitrag in der Welt von KI schreiben
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 5:15 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Der “6-vor-9”-Kurator kritisiert den mutmaßlich KI-generierten “Welt”-Gastbeitrag der CDU-Ministerpräsidenten Mario Voigt und Sven Schulze zur deutschsprachigen Musik im Radio. Er macht dies an typischen KI-Stilmerkmalen fest: bedeutungsschwere Dreierformeln, Negationssätze nach dem Muster “Es ist nicht X. Es ist Y.” und das pathetische Kurzsatz-Finale. Die eigentliche Pointe: Zwei Politiker fordern mehr Wertschätzung für deutsche Stimmen und Sprache, liefern aber offenbar einen Text ohne erkennbare eigene Stimme.

Pulshochtreiber ZDF, Plattformen schludern, Lackaffe für 100 Euro

1. Wie das ZDF den Puls hochtreibt, statt ihn zu messen
(belltower.news, Patrick Gensing)
Patrick Gensing kritisiert die ZDF-Doku “System Bürgergeld: Leben ohne Leistung?” als stark zugespitzt und teilweise irreführend. Zwar behandle die Sendung reale Probleme, verbinde aber Zahlen zu Bürgergeld, offenen Stellen, Migration und Kosten so eng, dass ein pauschaler Verdacht gegen Leistungsbezieherinnen und -bezieher entstehe. Gensings Fazit: “Das ZDF will mit ‘Am Puls’ offenbar zeigen, was Menschen bewegt. Doch der Puls einer Gesellschaft ist nicht nur Empörung. Er besteht auch aus Unsicherheit, Überforderung, Angst vor Abstieg, tatsächlicher Ungerechtigkeit, Ressentiments, politischer Instrumentalisierung und fehlender Kenntnis von Details.”

2. Plattformen schludern bei Hassrede und Accountsperren
(netzpolitik.org, Denis Glismann)
Denis Glismann fasst den zweiten Transparenzbericht (PDF) des Appeals Centre Europe zusammen, einer außergerichtlichen europäischen Schlichtungs- und Beschwerdestelle für Social-Media-Inhalte. Demnach würden Plattformen wie TikTok, Instagram, Facebook und YouTube ihre eigenen Regeln gegen Hassrede, Gewalt und Kriminalität oft fehlerhaft umsetzen: Gemeldete Hassrede bleibe häufig online, während andere Inhalte oder Accounts teils zu Unrecht gelöscht oder gesperrt würden.

3. Prozess um Kanzler-Beleidigung endet glimpflich: Der “Lackaffe” für Merz kostet nur 100 Euro
(tagesspiegel.de, Jost Müller-Neuhof)
Der “Tagesspiegel” berichtet über ein Verfahren wegen einer Beleidigung auf Facebook, die sich gegen Bundeskanzler Friedrich Merz gerichtet habe. Ein Nutzer habe Merz im Zusammenhang mit einem Polizeipost als “Lackaffen” bezeichnet. Das Amtsgericht Heilbronn habe das Verfahren gegen eine Geldauflage von 100 Euro eingestellt. Jost Müller-Neuhof ordnet den Fall in die Debatte um Paragraf 188 StGB ein, der Politikerinnen und Politiker besonders gegen Beleidigungen schützt, aber auch als Einschränkung der Meinungsfreiheit gesehen werden kann.

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4. “Meine Aufgabe ist, dass Leute mit Respekt und Neugierde auf die Welt blicken”
(uebermedien.de, Annika Schneider, Audio: 47:25 Minuten)
Bei “Nice & Nötig” ist die Journalistin Sham Jaff zu Gast, die in ihrem Newsletter “What Happened Last Week” seit 2014 über Geschichten aus Weltregionen schreibt, die in deutschen Medien oft untergehen. Das Gespräch dreht sich um die Fragen: “Welche Geschichten verpassen wir eigentlich, während unsere Nachrichtenseiten voll sind mit Meldungen aus den USA und dem Nahen Osten, Russland und der EU? Was passiert gerade in Laos, dem Sudan oder Venezuela?”

5. »Das würde ich heute nie mehr so machen«
(spiegel.de)
Der “Spiegel” berichtet über Wim Wenders‘ Reaktion auf die Kritik von Nastassja Kinski an einer Nacktszene in Wenders Film “Falsche Bewegung” von 1975. Kinski war damals 13 Jahre alt und versuche seit Jahren, die Szene entfernen zu lassen. Wenders habe beim Deutschen Filmpreis gesagt, er würde die Szene heute “nie mehr so machen”, sehe die Frage aber auch als Grundsatzproblem des Filmerbes: Darf oder soll man alte Filme nachträglich ändern, wenn eine beteiligte Schauspielerin darunter leidet?

6. Die teuerste (und unbeliebteste) Unterhaltungsendung Deutschlands
(dwdl.de, Christian Richter)
Christian Richter zeichnet die kurze Geschichte von Frank Elstners ZDF-Show “Nase vorn” nach, die nach “Wetten, dass..?” als nächster großer Samstagabend-Meilenstein angekündigt worden sei. Trotz riesigem Aufwand sei die Sendung an einem überladenen, komplizierten Konzept gescheitert und von Publikum und Presse verrissen worden. Spätere Umbauten hätten die Show klarer gemacht, ihr Image aber nicht retten können. Die Pointe: “Nase vorn” gelte bis heute als großer TV-Flop, obwohl sie zeitweise immer noch Quoten erzielt habe, von denen heutige Unterhaltungsshows nur träumen können.

KW 22/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Ist das NSDAP-Recherchetool des “Spiegel” wirklich verlässlich?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 17:42 Minuten)
Holger Klein unterhält sich mit Eva-Maria Schnurr, Leiterin des “Spiegel”-Geschichtsressorts, über das breit beworbene, durchaus auch mit Fehlern behaftete NSDAP-Recherchetool (nur mit Abo nutzbar): “Warum hat sich die Redaktion trotzdem für die Veröffentlichung einer unfertigen Datenbank entschieden? Warum steht das Tool, das auf öffentlichen Daten basiert, hinter der Paywall? Und geht die Relevanz der NSDAP-Datenbank über die der eigenen Familiengeschichte hinaus?”

2. Macht, Medien, Midterms
(youtube.com, Gregor Peter Schmitz, Video: 53:51 Minuten)
“Ein gespaltenes Land, ein aufgeheizter Wahlkampf: Wie wird über die USA vor den Midterms berichtet – den Zwischenwahlen, die für den Präsidenten entscheidend sind?” Darüber unterhält sich “Stern”-Chefredakteur Gregor Peter Schmitz mit der deutsch-amerikanischen Politologin Cathryn Clüver Ashbrook und den “Stern”-Korrespondenten Jan Christoph Wiechmann und Leonie Scheuble.

3. Jung, blond, rechts … & KI-generiert
(youtube.com, Katharina Nocun, Video: 34:41 Minuten)
Katharina Nocun zeigt in ihrem re:publica-Vortrag, wie KI-generierter Content das politische Vorfeld der extremen Rechten verändert. Sie beschreibt eine Flut aus KI-Videos, Fake-Influencerinnen, erfundenen Talkshows, manipulierten Straßenumfragen, Meme-Ästhetiken und KI-Bildern. Nocuns Kernthese: Social Media werde durch Künstliche Intelligenz immer stärker zu einem Raum, in dem Fakt und Fiktion verschwimmen, und davon profitiere vor allem die rechtsextreme Szene.

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4. Lob der Presseschau
(youtube.com, Dax Werner & Moritz Hürtgen, Audio: 31:32 Minuten)
Im “Bohnigen Wachmacher” sprechen Dax Werner und Moritz Hürtgen satirisch über die geplante Programmreform beim Deutschlandfunk (DLF). Sie zeigen Verständnis für Veränderung, fürchten aber, dass durch größere Programmstrecken und neue Formate wie eine Drive Time geliebte Nischenformate an Eigenständigkeit verlieren könnten. Besonders verteidigen sie die DLF-Presseschau als langsames, eigenwilliges und gerade deshalb wertvolles Format. Die Sorge der beiden: Der besondere Deutschlandfunk-Sound könnte durch Reformen glatter und beliebiger werden.

5. Zur Lage des Journalismus – Im Gespräch mit Heribert Prantl
(youtube.com, Alexander Warzilek, 1:00:20 Stunden)
In dem Gespräch mit Heribert Prantl geht es um die Zukunft des Journalismus und des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Prantl verteidigt ein starkes öffentlich-rechtliches System und spricht sich gegen eine Budgetfinanzierung aus. Öffentlich-rechtliche Medien sollten aus seiner Sicht nicht ausgehungert, sondern journalistisch gestärkt werden. Zugleich warnt Prantl davor, junge Zielgruppen mit zu stark vereinfachten Formaten zu unterschätzen. Öffentlich-rechtlicher Journalismus müsse zugänglich sein, dürfe aber nicht banal werden.

6. Russland ohne Internet
(yotube.com, Masha Borzunova, Video: 20:01 Minuten)
Die russische Exiljournalistin Masha Borzunova beschreibt in ihrem Arte-Beitrag, wie Russland seine digitale Abschottung weiter verschärfe. Neben blockierten oder gedrosselten Plattformen wie Instagram, YouTube, Twitter/X, WhatsApp und Telegram komme es inzwischen in vielen Städten zu Internetabschaltungen. Offiziell geschehe dies aus Sicherheitsgründen gegen Drohnenangriffe. Aber selbst regierungsnahe Blogger und Propagandisten würden an diesen Erklärungen zweifeln und einen Kurs Richtung “souveränes” russisches Internet fürchten.

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