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KW 30/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Was haben wir gelacht: Humor und Macht in den 90ern
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 28:00 Minuten)
Seit dem 16. Juli läuft der Dokumentarfilm “Was haben wir gelacht” der Regisseurinnen Eva Müller und Isabel Schneider im Kino. Dort berichten fünf Frauen kritisch über das teilweise sexistische Unterhaltungsfernsehen der 90er-Jahre: Maren Kroymann, Gaby Köster, Esther Schweins, Bettina Böttinger und Hella von Sinnen. Podcast-Host Alexander Matzkeit hat sich mit Regisseurin Eva Müller darüber unterhalten, wie es zu dem Film kam und was sie dabei gelernt hat.

2. Gläserner Staat oder blickdichte Behörde? Streit ums IFG
(ardsounds.de, Jasmin Brock & Johannes Leininger, Audio: 28:24 Minuten)
Bei “BR24 Medien” geht es um die drohenden Beschneidungen des Informationsfreiheitsgesetzes: “Wo kommt das Gesetz her, wofür ist es gut? Was ist die Kritik an der bisherigen Fassung, die die Bundesregierung anführt? Und: Wie steht es eigentlich in Bayern um die Transparenz?” Unter anderem mit Arne Semsrott von “FragDenStaat”, Johannes Schätzl, digitalpolitischer Sprecher der SPD, und Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Grünen im bayerischen Landtag.

3. Anna-Lena von Hodenberg (HateAid) – Wer traut sich noch etwas zu sagen?
(spotify.com, Matze Hielscher, Audio: 1:06:20 Stunden)
Bei “Hotel Matze” ist die Journalistin Anna-Lena von Hodenberg zu Gast, die Mitbegründerin der gemeinnützigen GmbH HateAid ist: “Wir haben in Bochum auf der Bühne vom ‘Gutes Morgen Festival’ über Deepfakes, Shitstorms und Meinungsfreiheit gesprochen – und darüber, warum Hass oft nicht nur verletzen, sondern still machen soll. Am Ende geht es um eine einfache Frage: Was können wir tun, wenn andere angegriffen werden?”

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4. ZDF-Krisenkommunikation und Klassismus im Journalismus
(wdr.de, Sebastian Sonntag, Audio: 43:41 Minuten)
Die aktuelle Ausgabe des WDR5-Medienmagazins “Töne, Texte, Bilder” widmet sich dem Krisenmanagement des ZDF nach der Ausladung der Musiker Danger Dan und Igor Levit aus der 100. “Anstalt”-Sendung sowie den Gefahren und Schutzmöglichkeiten rund um Künstliche Intelligenz. Zudem thematisiert die Folge eine neue Studie zu sozialer Herkunft und Klassismus im Journalismus und betrachtet die Situation des in der Türkei bedrohten Deutsche-Welle-Korrespondenten Alican Uludağ.

5. Mediensucht: Wenn du dein Leben verpasst
(youtube.com, Helena Brinkmann, Video: 29:52 Minuten)
In der Reportage des “Y-Kollektivs” geht es anhand realer Beispiele aus dem Leben um die Grenzen zwischen ungesundem medialem Nutzungsverhalten und echter Mediensucht. Experten und Präventionsberater betonen, dass eine Abhängigkeit vor allem dann vorliege, wenn Alltagsverpflichtungen vernachlässigt werden, das Verhalten verheimlicht wird und bei Verzicht Entzugserscheinungen auftreten.

6. AUS AUS AUS – Das Finale für Andreas Ulrich
(youtube.com, Jörg Wagner & Philipp Nitzsche, Video: 39:47 Minuten)
Die Karriere von Andreas Ulrich ist bemerkenswert: Mehr als 40 Jahre war er Radiomoderator für DT64, MDR Sputnik, den ORB und den rbb. Doch nun habe er (nicht ganz freiwillig) aufhören müssen: Freiberufler dürften beim rbb nur noch bis zum Renteneintritt arbeiten. Jörg Wagner hat einige Momente aus Ulrichs Abschiedssendung zusammengeschnitten.

Anstalt vs. “Anstalt”, Unmut beim DLF, Trump verhökert seine Posts

1. Wir­k­lich ein “Ein­griff in die Mei­nungs- und Kunst­f­rei­heit”?
(lto.de, Jacob Hoffmann)
Das ZDF hat einen geplanten Auftritt des Rappers Danger Dan und des Pianisten Igor Levit in der 100. Ausgabe der Satire-Sendung “Die Anstalt” kurzfristig gestrichen. Die Musiker wollten dort Danger Dans antifaschistischen Song “Keine Angst” präsentieren, der sich mit dem Widerstand gegen Rechtsextremismus befasst. Die ZDF-Intendanz untersagte den Auftritt mit der Begründung, der Text überschreite die Grenze zum Aufruf zu Gewalt und zur Selbstjustiz, was den hauseigenen Programmrichtlinien widerspreche. Jacob Hoffmann ordnet das Geschehen juristisch ein.
Weiterer Lesetipp: Das ZDF hat in einem Beitrag in eigener Sache Stellung bezogen: “Keine Angst”: Warum das ZDF keinen Gewaltaufruf sendet.
Und noch ein Gucktipp: In der ZDF-Sendung “Aspekte” hat Jo Schück mit Expertinnen und Experten gesprochen: “Was sind die Hintergründe für diese Entscheidung? Wie ist dieser Song juristisch einzuschätzen? Wo sind die Grenzen der Kunstfreiheit? Und welche Mittel sind im Kampf gegen den Rechtsextremismus erlaubt?” (zdf.de, Video: 15:11 Minuten)

2. Funken für die neue Medienwelt
(taz.de, Ann-Kathrin Leclere)
Der Deutschlandfunk plane ab dem 30. November eine umfassende Programmreform, die tägliche Fachmagazine wie “Forschung aktuell” oder das Medienmagazin “Mediasres” streiche und deren Inhalte stattdessen in größere Informationsstrecken sowie monothematische Hintergrund-Podcasts einbette. In der Belegschaft und bei der Freienvertretung rege sich massiver Unmut. Auch der Deutsche Journalisten-Verband warne vor einem Verlust an publizistischer Vielfalt und fachlicher Tiefe.

3. Wissenschaftsjournalismus aus der Hölle: Der Boulevard und seine “Studien”
(kobuk.at, Sophie Tiganas)
Eine Analyse des Medienblogs “Kobuk” entlarvt den österreichischen Boulevard (“Krone”, “Oe24”, “Heute”) und dessen systematisch irreführende Berichterstattung über wissenschaftliche Erkenntnisse. Im Jahr 2025 hätten demnach fast die Hälfte von rund 1.500 untersuchten Artikeln Studien verzerrt, unvollständig oder schlicht falsch präsentiert. Die Redaktionen hätten dabei verharmlosende Werbeumfragen von Dating-Plattformen oder Firmen als “Schock-Studien” genutzt, massive methodische Mängel verschwiegen oder komplexe Nuancen in Panik-Schlagzeilen verwandelt.

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4. Untersuchung: ARD und ZDF berichten weniger über Klimakrise
(medien.epd.de)
Eine automatisierte Programmanalyse der Initiative “Klima vor acht” zeige, dass die öffentlich-rechtliche Klimaberichterstattung im ersten Halbjahr 2026 deutlich abgenommen habe. Die Kürzungen träfen laut der Untersuchung ausgerechnet ein Halbjahr mit extremen Hitzewellen. Klimafragen hätten fast nur noch dann mediale Aufmerksamkeit erhalten, wenn sie an politische Konflikte gekoppelt gewesen seien, wie den Koalitionsstreit um das Heizungsgesetz oder den Petersberger Klimadialog.

5. Wie wir Hass bekämpfen, ohne die Freiheit des Wortes zu verlieren
(netzpolitik.org, Johannes Masing)
In einer Grundsatzrede auf dem Kongress “Wehrhafte Demokratie”, dokumentiert von netzpolitik.org, warnt der Rechtswissenschaftler und ehemalige Bundesverfassungsrichter Johannes Masing vor einer inhaltlichen Aushöhlung der Meinungsfreiheit durch den Staat. Das Grundgesetz gewähre die Meinungsfreiheit im Vertrauen auf die freie Auseinandersetzung prinzipiell auch den Feinden der Freiheit. Inhaltliche Grenzen würden für Bürgerinnen und Bürger als Individuen oder Vereinigungen nicht existieren, solange Äußerungen friedlich bleiben und nicht in aggressive Rechtsgutverletzungen umschlagen.

6. Trump will sich Expresszugriff auf seine Social-Media-Posts bezahlen lassen
(spiegel.de)
US-Präsident Donald Trump wolle über sein Medienunternehmen Trump Media & Technology Group künftig den schnellen Zugriff auf seine eigenen Onlinebotschaften monetarisieren. Mit dem neuen Bezahlangebot “Truth API”, das am 1. August starten soll, könnten Abonnentinnen und Abonnenten gegen Gebühr einen lizenzierten Echtzeitzugriff auf die Beiträge reichweitenstarker Konten der Plattform Truth Social erhalten. Da Trumps Äußerungen regelmäßig weltweite Schlagzeilen auslösen und Finanzmärkte bewegen, richte sich der Dienst vor allem an Börsenhändler und Finanznachrichtendienste, für die ein Zeitvorsprung im Sekundenbruchteil entscheidend sein kann.

KW 29/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Berichten über Rechtsaußen: Wie covert man die AfD?
(youtube.com, Maria Exner, Video: 1:16:23 Stunden)
Im Interview mit Maria Exner von Publix berichtet “Spiegel”-Politikredakteurin Ann-Katrin Müller über ihren von massiven Sicherheitsmaßnahmen geprägten Alltag als AfD-Reporterin. Die extreme Rechte nutze kritische Journalistinnen und Journalisten gezielt als Feindbild und werfe sie der eigenen Anhängerschaft “zum Fraß vor”. Dass ihr dennoch regelmäßig exklusive Enthüllungen gelingen, liege an den brutalen internen Machtkämpfen der Partei: “Die hassen sich untereinander mehr als mich.” Müller kritisiert zudem die sprachliche Verharmlosung in den Leitmedien. Der Begriff “rechtspopulistisch” greife längst zu kurz, die AfD sei eine rechtsextreme Partei.
Weiterer Gucktipp: Melanie Amann – Müssen wir anders mit der AfD umgehen?: “Brauchen wir den klassischen Journalismus überhaupt noch, wenn Podcaster mit stundenlangen Höcke-Interviews ein Millionenpublikum erreichen? Melanie Amann, Chefredakteurin Digital der Funke Mediengruppe und langjährige ‘Spiegel’-Journalistin, stellt sich im Podcast ‘Zwischen den Zeilen’ bei Bettina Böttinger der existenziellen Krise ihrer Branche.” (youtube.com, Bettina Böttinger, Video: 1:11:58 Stunden)

2. Wen erreichen Newsfluencer und News Creator und warum?
(leibniz-hbi.de, Kristina Kobrow, Audio: 44:01 Minuten)
Laut der deutschen Teilstudie des Digital News Report 2026 des Reuters Institute (PDF) nutzen 13 Prozent der erwachsenen Internetuser in Deutschland Inhalte von sogenannten Newsfluencern oder News Creatoren. Bei den 18- bis 24-Jährigen seien es sogar 30 Prozent. Im Podcast “BredowCast” betonen Julia Behre und Sascha Hölig, dass diese Internet-Persönlichkeiten klassische Nachrichtenangebote nicht ersetzen, sondern vielmehr das Spektrum stark nachrichteninteressierter Menschen erweitern würden. Das Vertrauen in etablierte Medien leide durch die Nutzung nicht. Ausschlaggebend für den Erfolg von Newsfluencern seien andere Nutzungsmotive: Ihre Inhalte würden oft unterhaltsamer, verständlicher und leichter zugänglich wirken.

3. Entertainment und zu viele Experten: Die Medienbilanz der Fußball-WM
(ardsounds.de, Ingo Lierheimer, Audio: 27:16 Minuten)
Das Magazin “BR24 Medien” zieht eine kritische Medienbilanz der fünfwöchigen Fußball-Weltmeisterschaft. Trotz massiver politischer Zündstoffthemen abseits des Rasens hätten Medien das von FIFA-Chef Gianni Infantino forcierte Superlativ-Narrativ bereitwillig bedient. Statt investigativer Tiefe habe in der Berichterstattung die reine Event-Inszenierung dominiert. Kritisiert wird zudem eine regelrechte Inflation an Studio-Expertinnen und -Experten, die kaum Mehrwert böten, sowie ein zur Unterhaltung neigender Sportjournalismus, der sich zum PR-Verlängerungsarm der FIFA-Interessen mache.

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4. Lokal ist nicht egal! (mit Dennis Rink)
(youtube.com, Tanjev Schultz & Markus Wolsiffer, Video: 1:05:52 Stunden)
“Wer verstehen will, wie Demokratie funktioniert, muss nicht nach Berlin schauen. Oft reicht ein Blick vor die Haustür, in den Stadtrat, in die Ortsbeiräte um die Ecke. Genau dort entsteht Politik, die die Menschen im Alltag betrifft. Doch wer berichtet darüber? Wer schaut den Verantwortlichen auf die Finger? Und wer macht Themen sichtbar, die sonst kaum jemand bemerken würde?” Darüber sprechen die “Medienversteher” Tanjev Schultz und Markus Wolsiffer mit Dennis Rink, dem Chefredakteur Rheinland-Pfalz VRM (“Allgemeine Zeitung” und “Wormser Zeitung”).

5. Wie gefährlich ist Social Media für Kinder, Herr Korte?
(youtube.com, Alexander Armbruster & Carsten Knop, Audio: 33:37 Miniten)
Im “FAZ”-Podcast “Digitalwirtschaft” fordert der Neurobiologe Martin Korte ein klares Alterslimit für Soziale Medien und unterstützt die Verbotspläne der EU. Bei Kindern unter zwölf Jahren zeige die Bildschirmzeit ausschließlich negative Effekte auf Sprachkompetenz und Gefühlsverarbeitung. Zudem sei das jugendliche Gehirn in der Pubertät durch den Umbau des Stirnlappens extrem anfällig für digitale Suchtreize. Plattformen wie TikTok oder Instagram würden ihre Produkte bewusst so designen, dass das Belohnungssystem getriggert werde. Korte plädiert neben einer strikten Alterszulassung für Software vor allem für die Vorbildfunktion der Eltern.

6. Hermine trifft Jesse Pinkman: Deutsche Stimmen im Talk
(youtube.com, Charles Rettinghaus, Video: 1:04:44 Stunden)
Im Podcast “Hollywoodgeflüster” von Charles Rettinghaus machen die Synchronsprecher Gabrielle Pietermann (deutsche Stimme von Emma Watson/Hermine, Selena Gomez, Emilia Clarke) und Marcel Collé (deutsche Stimme von Ashton Kutcher, Aaron Paul/Jesse Pinkman) Front gegen die umstrittenen KI-Klauseln von Streaming-Giganten wie Netflix. Collé stellt klar, dass es für ihn “keine angemessene Vergütung gibt, sich selbst abzuschaffen”, und lobt die aktuelle Haltung und den Zusammenhalt innerhalb der Sprechergemeinschaft, die das Unterschreiben dieser Verträge größtenteils verweigere. Neben der Branchenpolitik geht es in der Episode auch um die Anfänge der beiden im Studio sowie um skurrile Anekdoten um “Harry Potter” und “Two and a Half Men”.

Danger Dan und das ZDF, USA schränken ein, Neuer “Standard”

1. Danger Dan und Igor Levit werfen ZDF Eingriff in die Kunstfreiheit vor
(zeit.de, Sarah Kohler)
Der Musiker Danger Dan und der Pianist Igor Levit hätten der ZDF-Intendanz einen “Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit” vorgeworfen. Nach Angaben der Künstler habe der Sender kurz vor der Aufzeichnung der Jubiläumssendung von “Die Anstalt” einen Auftritt mit dem antifaschistischen Lied “Keine Angst” verboten, obwohl der Hausjustiziar bereits grünes Licht gegeben habe. Das ZDF rechtfertige die Ausladung mit dem Argument, der Songtext könne “als Aufruf zu Gewalt verstanden werden”. Die Künstler sprächen von einem besorgniserregenden, “autoritären Akt” des öffentlich-rechtlichen Senders.

2. RSF kritisiert Nachrichtendienstreform
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) habe die geplante Reform des Nachrichtendienstrechts scharf kritisiert. Der Entwurf erweitere die Befugnisse des Bundesnachrichtendienstes (BND) und des Verfassungsschutzes, baue aber den Quellenschutz und die Kontrolle systematisch ab. RSF bemängele insbesondere den geplanten Einsatz automatisierter Datenanalysen zur Erstellung von Risikoprofilen potenzieller Informanten sowie den Einsatz von BND-Trojanern gegen Journalistinnen und Journalisten. Die Stellungnahme ist hier abrufbar (PDF).

3. Neue Regeln: USA schränken Aufenthaltszeit für Studenten und Medien ein
(tagesspiegel.de)
Die US-Regierung schränke die Aufenthaltszeiten für ausländische Studierende sowie für Medienvertreterinnen und -vertreter künftig stärker ein. Bislang hätten Inhaber der betroffenen Visa-Klassen für die gesamte Dauer ihrer Ausbildung oder ihres Arbeitsauftrags ohne feste Befristung im Land bleiben dürfen. Mit der Neuregelung werde der Aufenthalt für Studierende nun auf maximal vier Jahre sowie für Journalistinnen und Journalisten auf 240 Tage begrenzt.

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4. Wie umgehen mit der AfD?
(deutschlandfunk.de, Stephan Beuting, Audio: 34:00 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, ob man der AfD angesichts des neuesten Gutachtens der Gesellschaft für Freiheitsrechte noch eine mediale Bühne bieten sollte. Es diskutieren DLF-Hörer Alexander Pleschka, Ann-Katrin Müller vom “Spiegel” und Korbinian Frenzel von Deutschlandfunk Kultur.

5. Steidl-Verlag aus Göttingen meldet vorläufige Insolvenz an
(spiegel.de)
Der Göttinger Steidl-Verlag befinde sich in finanziellen Schwierigkeiten. Das Amtsgericht Göttingen habe am vergangenen Freitag ein vorläufiges Insolvenzverfahren über das Vermögen des Verlags eröffnet. Grund dafür seien unter anderem unbezahlte Sozialabgaben. Außerdem stünden seit Monaten Gehaltszahlungen aus. Das 1969 von Gerhard Steidl gegründete Traditionshaus halte unter anderem die Weltrechte am Werk von Günter Grass und sei weltweit für seine hochwertigen Fotobücher (unter anderem von Karl Lagerfeld) bekannt.

6. Österreichs “Standard” in Deutschland
(verdi.de, Danilo Höpfner)
Die Schweizer “NZZ” habe den deutschen Markt mit großem Marketingaufwand erobert. Der österreichische, liberal-progressive “Standard” verfolge mit seinem Onlineableger in Deutschland eine andere Strategie: Die deutsche Ausgabe diene vor allem als risikofreie Sandbox für technologische und wirtschaftliche Experimente, um das Kerngeschäft in Österreich nicht zu gefährden. So würden in Deutschland Cloud-Infrastrukturen, programmatische Vermarktung und ein Algorithmus getestet, der die Startseite vollautomatisch bestücke. Besucherinnen und Besucher aus Deutschland würden inzwischen für acht bis zehn Prozent des “Standard”-Onlinetraffics sorgen.

“Das Versagen von Nius”, Informationsfreiheit, Sportmarkt

1. Mordfall Stade: Das Versagen von NiUS
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 11:07 Minuten)
Nach dem Sechsfachmord in Stade steht das rechtspopulistische Portal “Nius” wegen einer folgenschweren Identitätsverwechslung in der Kritik. Wie Mats Schönauer auf seinem YouTube-Kanal berichtet, habe die Redaktion um Julian Reichelt eine völlig unbeteiligte Frau fälschlicherweise der Mittäterschaft und Fluchthilfe bezichtigt. Aufgrund detaillierter persönlicher Angaben im Artikel wurde die Betroffene im Netz sofort identifiziert und (befeuert von AfD-Politikern) Opfer einer digitalen Hetzjagd.
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

2. BVG muss rechspopulistische Werbung dulden
(taz.de)
Das Berliner Verwaltungsgericht habe im Eilverfahren entschieden, dass die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) die Werbung des rechtspopulistischen Portals “Nius” wieder zulassen müssen. Das Medium habe einen Anspruch auf diskriminierungsfreien Zugang zu den Werbeflächen. Die BVG habe die Kampagne im Juni gestoppt, nachdem “Nius”-Chef Julian Reichelt ein mögliches Werbemotiv mit dem Slogan “Wir werden immer beliebter bei sämtlichen beiden Geschlechtern” veröffentlicht habe, was die Verkehrsbetriebe als “offensichtlich rechtswidrig” eingestuft hätten. Dem widersprach das Gericht: Das Motiv sei von der Meinungs- und Pressefreiheit gedeckt. Auch von der BVG angeführte Sicherheitsbedenken wegen drohender Proteste und Sachbeschädigungen würden den Ausschluss nicht rechtfertigen.

3. Mehr als eine halbe Million Menschen wollen Informationsfreiheit retten
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Die Pläne der schwarz-roten Bundesregierung, das Informationsfreiheitsgesetz drastisch einzuschränken, würden auf massiven Widerstand stoßen. Eine Petition von “FragDenStaat” habe innerhalb einer Woche über eine halbe Million Unterzeichnerinnen und Unterzeichner einsammeln können. Zudem hätten sich mehr als 120 zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, gegen das Vorhaben positioniert. Auch aus der SPD-Bundestagsfraktion komme parteiinterner Gegenwind.

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4. Springer Exposed
(youtube.com, Der dunkle Parabelritter, Video: 44:20 Minuten)
Der “dunkle Parabelritter” beschäftigt sich in seinem Video mit der Geschichte von Axel Springer: “Wir sprechen über Erfolge, Skandale und Kontroversen, vom Kampf gegen die 68er über den Reichelt-Skandal bis zur Digitalisierung des Unternehmens. Im Mittelpunkt steht außerdem Mathias Döpfner. Wie groß ist sein Einfluss wirklich? Wie viel Macht hat Axel Springer über Politik und öffentliche Debatten? Und was bedeutet das für unsere Demokratie?”

5. Gabor Steingart baut drittes Medienschiff und startet Finanz-Podcast mit KI-Stimm-Klon
(turi2.de, Björn Czieslik)
Wie Björn Czieslik berichtet, investiere das Digitalmedienhaus “Media Pioneer” von Gabor Steingart mehr als 40 Millionen Euro in ein drittes Medienschiff. Die “Pioneer Three” solle mit einer Länge von 80 Metern und Platz für bis zu 400 Gäste in Frankfurt am Main vor Anker gehen, um das wirtschafts- und finanzjournalistische Angebot der Marke auszubauen. Außerdem habe das Medienhaus den börsentäglichen Podcast “Frontrunners” gestartet, der von einem KI-trainierten Stimmdouble Steingarts gesprochen werde.

6. DAZN hat den Sport-Markt verändert. Muss sich jetzt DAZN verändern?
(dwdl.de, Alexander Krei)
Der Sport-Streamingdienst DAZN feiere sein zehnjähriges Bestehen auf dem deutschen Markt. Was als Wagnis mit internationalen Fußball-Nischenrechten begann, habe sich zu einem etablierten, finanzstarken Milliarden-Player entwickelt. Entgegen anfänglicher Skepsis und trotz herber Rückschläge wie der Corona-Pandemie schreibe DAZN in Deutschland seit 2024 schwarze Zahlen und rechne auch für 2026 mit signifikanten Gewinnen. 2027 stehe jedoch ein radikaler Umbruch bevor, da sich Rechte und geografischer Fokus verschöben.

Weimer ändert Verfahren, Erfolg für HateAid, Deutschlandfunk-Reform

1. Weimer ändert Auswahlverfahren beim Deutschen Verlagspreis
(deutschlandfunk.de)
Nach dem anhaltenden Wirbel um den Deutschen Buchhandlungspreis habe Kulturstaatsminister Wolfram Weimer das Auswahlverfahren für den Deutschen Verlagspreis geändert. Künftig treffe der Kulturstaatsminister die finale Auswahl der auszuzeichnenden unabhängigen Verlage selbst, basierend auf den Empfehlungen der Jury. Ein Veto dürfe er laut einem Sprecher nur einlegen, wenn verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse zu den Nominierten vorliegen. Zudem werde ein neues Beratungsgremium mit Fachleuten des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und der Kurt-Wolff-Stiftung installiert, um etwaige Streitfälle zu klären.

2. EU-Kommission verlangt grundlegende Änderungen von Instagram und Facebook
(netzpolitik.org, Anna Ströbele Romero)
Die Europäische Kommission habe dem Social-Media-Konzern Meta in einem vorläufigen Ermittlungsergebnis Verstöße gegen den Digital Services Act vorgeworfen. Facebook und Instagram würden durch Mechanismen wie endloses Scrollen, automatische Wiedergabe und hochgradig personalisierte Empfehlungen ein süchtig machendes Design verwenden, das zwanghaftes Nutzungsverhalten fördere. Zudem schütze der Konzern Minderjährige unzureichend vor exzessiver Nutzung in der Nacht. Bei einer finalen Feststellung des Verstoßes könnten Meta Geldbußen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes drohen.

3. Erfolg für HateAid: AfD-Abgeordneter entfernt ein Dutzend Falschaussagen aus “NGO Files”
(hateaid.org)
Die gemeinnützige Organisation HateAid berichtet in eigener Sache, dass man einen juristischen Erfolg gegen gezielte Diffamierungskampagnen aus dem AfD-Umfeld erzielt habe. Wie die NGO mitteilt, habe der AfD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Maack (Betreiber der Plattform “NGO Files” und Sprecher einer fraktionseigenen Arbeitsgruppe) nach einer Abmahnung eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abgegeben. Maack habe auf einer Website systematisch Falschbehauptungen über die Organisation verbreitet. HateAid-Geschäftsführerin Anna-Lena von Hodenberg betont, wie wichtig die Gegenwehr sei, da Falschinformationen im Netz andernfalls schleichend zu gefühlten Fakten würden.

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4. Friedrich Küppersbusch: “Analoges Fernsehen ist was für Leute über 60”
(dwdl.de, Senta Krasser)
Wie Senta Krasser bei “DWDL” berichtet, blicke der Journalist und Produzent Friedrich Küppersbusch, einst prägendes Gesicht des WDR-Politmagazins “ZAK”, kritisch auf die schwindende Experimentierfreude des linearen Fernsehens. Dass er mit seiner Kölner Firma probono ausgerechnet zum 75. Geburtstag der ARD die erfolgreichste Primetime-Doku des Jahres 2025 für den Senderverbund produzierte, empfinde er selbst als Ironie. Seine persönliche kreative Befreiung erlebe der 65-Jährige ohnehin seit 2020 auf seinem eigenen YouTube-Kanal “Küppersbusch TV”, der Anfang 2026 die Marke von 100.000 Abonnenten geknackt hat.

5. Orientierung statt Reichweite
(djv.de, Hendrik Zörner)
Gemeinsam mit einem Bündnis aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft sowie Klima- und Verbraucherschutzverbänden fordert der Deutsche Journalisten-Verband Korrekturen bei der geplanten Programmreform des Deutschlandfunks. In einem offenen Brief warnen die Organisationen vor einem Verlust an publizistischer Tiefe, Fachkompetenz und redaktioneller Kontinuität. Es bestehe die Gefahr, dass komplexe Zusammenhänge und Themen abseits des schnellen Nachrichtenzyklus hinter der tagesaktuellen Berichterstattung zurücktreten müssten.

6. Comedy-Presseschau
(setup-punchline.de, Bernhard Hiergeist)
In der aktuellen Ausgabe seiner “Comedy-Presseschau” greift Bernhard Hiergeist die Debatten der Stand-up-Welt auf, darunter Dieter Nuhrs jüngste Äußerung über Femizide. US-Kritiker Seth Simons warne derweil vor dem Satz “Funny is funny”. Abgerundet wird der Überblick von einem Hinweis auf Stefan Stuckmanns Kritik an der hiesigen TV-Landschaft sowie von Berichten über 35 Jahre “Quatsch Comedy Club” und verdeckte Marketing-Kampagnen hinter viralen Onlinetrends.

KW 28/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Darf der Staat Journalisten bald die Einsicht in Behördenakten verweigern?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 21:07 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast spricht Holger Klein mit Investigativjournalist Daniel Drepper über die Pläne der Bundesregierung zur Überarbeitung des Informationsfreiheitsgesetzes: “Wie könnte man das Informationsfreiheitsgesetz tatsächlich sinnvoll überarbeiten? Inwiefern geben die Änderungen den Behörden mehr Macht? Und warum ärgert sich Drepper besonders über das aufgelöste Kostenlimit?”

2. Social Media: Wie Bots die Iran-Debatte manipulieren
(tagesschau.de, Jonas Helm, Audio: 29:37 Minuten)
Eine europäische Medienrecherche unter der Leitung der ORF-Faktencheckerin Eva Wackenreuther zeige, wie stark Kommentarspalten zu den Themen Iran und Nahost im Internet manipuliert würden. Für die Untersuchung seien 17 Millionen Social-Media-Kommentare ausgewertet worden. Dabei seien insbesondere zwei Arten von Netzwerken aufgefallen: Zum einen extrem billig gemietete Bot-Netzwerke, die im Sekundentakt identische, regimetreue Propaganda verbreiten würden. Zum anderen gebe es regimekritische Kampagnen, die zwar von echten Menschen stammen, aber über vorgefertigte Textbausteine aus Chatgruppen orchestriert würden.

3. Politik & Medien: Was ist eigentlich “Öffentlichkeit”, Julia Reuschenbach?
(republicast.podigee.io, Jonas Ross, Audio: 1:08:48 Stunden)
Die Politikwissenschaftlerin Julia Reuschenbach erklärt, wie das Internet unsere Diskussionen verändert hat. Entgegen der allgemeinen Meinung sei die Gesellschaft bei den meisten Themen gar nicht so tief gespalten. Das Gefühl der Spaltung entstehe eher dadurch, dass ständig darüber geredet werde. Ein großes Problem sei, dass Medien oft lieber über Streit und das Gewinnen oder Verlieren von Politikerinnen und Politikern berichten würden. Das führe dazu, dass Menschen trotz vieler Nachrichten am Ende schlecht informiert und überfordert seien.

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4. Wie viel KI verträgt der Journalismus?
(youtube.com, Christian Jakubetz, Video: 33:22 Minuten)
Bei “Satzzeichen” unterhält sich Gastgeber Christian Jakubetz mit Till Krause von der Hochschule Landshut über den Einfluss von Künstlicher Intelligenz auf den Journalismus: “Das Gespräch räumt mit Schwarz-Weiß-Denken auf, analysiert die ‘Vinylisierung’ des handgemachten Journalismus und klärt die alles entscheidende Frage: Wo verläuft die Grenze zwischen nützlichem Werkzeug im Maschinenraum und dem Verlust der eigenen Schöpfungshöhe?”

5. Gefahr für die Glaubwürdigkeit?
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 38:06 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, ob Journalistinnen und Journalisten zuweilen zu nett zu ihren Interviewgästen sind. Es diskutieren DLF-Hörer Costa Rothfuß, die Moderatorin Josephine Schulz und die Publizistin Mary Abdelaziz-Ditzow.

6. Rudi Carrell: Zwei Gesichter einer Samstagabend-Legende
(wdr.de, Herwig Katzer, Audio: 14:51 Minuten)
Beim WDR-“Zeitzeichen” geht es um den Entertainer Rudi Carrell und dessen “zwei Seiten”. Carrell habe das deutsche Fernsehen mit Formaten wie “Am laufenden Band”, “Herzblatt” oder “7 Tage, 7 Köpfe” geprägt; doch hinter den Kulissen sei er ein extrem schwieriger Perfektionist und tyrannischer Chef gewesen, wie einige seiner Wegbegleiter erzählen. Neben seiner unbestrittenen Pionierarbeit für die TV-Unterhaltung geht es in dem Beitrag auch um Carrells zweifelhaften Ruf im Umgang mit Frauen.

“Hände weg vom IFG!”, Sanktionierte Freiheit, KI-Resilienz im Journalismus

1. 116 Organisationen fordern: “Hände weg vom IFG! Retten Sie die Informationsfreiheit”
(fragdenstaat.de, Thomas Babyesiza)
Ein Bündnis aus 116 zivilgesellschaftlichen Organisationen, Verbänden und Medien, darunter Amnesty International, Greenpeace, Reporter ohne Grenzen und der Chaos Computer Club, habe sich in einem offenen Brief an die Bundesregierung und den Bundestag gegen die geplante Aushöhlung des Informationsfreiheitsgesetzes gewandt. Die Unterzeichner werfen der schwarz-roten Koalition vor, unter dem Vorwand des Bürokratieabbaus ein unbequemes Transparenzrecht de facto abzuschaffen: “Künftig wären fast alle Anträge nicht mehr zulässig und die verbleibenden könnten zu massiven Kosten für die Antragstellenden führen oder wichtige Informationen vorenthalten. Das Resultat: Das Ende der Informationsfreiheit.”

2. Sanktionierte Freiheit
(netzpolitik.org, Erik Tuchtfeld)
Eine Petition mit über 340.000 Unterschriften fordere den ZDF-Intendanten Norbert Himmler auf, die journalistische Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Senders gegen internationale Sanktionsregime abzusichern. Hintergrund sei eine Klausel in Mitwirkendenverträgen, etwa für Talkshowgäste, mit der Vertragspartner bestätigen müssten, nicht mit Personen, die auf internationalen Sanktionslisten stehen, zusammenzuarbeiten. Erik Tuchtfeld, Jurist und Mitglied des ZDF-Fernsehrats, macht sich Sorgen wegen eines möglichen Abschreckungseffekts: “Das ZDF muss den Anwendungsbereich der besonders problematischen US-amerikanischen Sanktionslisten deshalb im Rahmen der angekündigten Überprüfung der Praxis auf ein absolutes Minimum reduzieren.”

3. Ungarns ÖRR setzt News-Programm aus; sendet Entschuldigung
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Die neue ungarische Regierung unter Ministerpräsident Péter Magyar habe das Programm des TV-Senders M1 und des Hörfunksenders Kossuth Rádió überraschend ausgesetzt. Beide Kanäle hätten unter Magyars Vorgänger Viktor Orbán als Propagandamedien gegolten. Am Dienstagnachmittag sei bei M1 eine Texttafel eingeblendet worden, auf der der Sender für jahrelange Lügen um Entschuldigung gebeten und einen unabhängigen Wandel angekündigt habe. Thomas Lückerath kommentiert: “Unabhängig von der Intention zeigt sich, wie abhängig der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Ungarn in derzeitiger Form von der jeweils amtierenden Regierung ist. Inwiefern dies überarbeitet wird, bleibt abzuwarten.”

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4. KI-Resilienz im Journalismus
(verdi.de, Stephan Weichert)
Der Medienwissenschaftler Stephan Weichert kritisiert die aktuelle Diskussion um Künstliche Intelligenz im Journalismus als moralisierende Gesinnungsdebatte, die von den eigentlichen Herausforderungen ablenke. Statt einer Lagerbildung zwischen blinder Euphorie und pauschaler Verweigerung brauche die Branche eine pragmatische “KI-Resilienz”: “Kluge Redaktionen werden künftig nicht daran auszumachen sein, dass sie mit dem Prädikat ‘KI-frei’ arbeiten. Es werden diejenigen sein, die bereit sind zu lernen, wie sie souverän und verantwortungsvoll mit KI umgehen.”

5. “Man kann dann für 15 Euro im Monat alles lesen”
(uebermedien.de, Annika Schneider, Audio: 48:38 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast “Nice & Nötig” mit Annika Schneider ist Swantje Dake zu Gast, die demnächst mit einem “Spotify für Journalismus” an den Start gehen will: “In dieser Folge erzählt Dake, warum viele Zeitungsverlage lieber ihre eigenen Abos verkaufen und warum sie trotzdem an ihre Idee glaubt. Sie erzählt, warum Deutsche weniger für Journalismus zahlen wollen als Menschen in anderen Ländern und wie es ist, wenn der Start-up-Partner gleichzeitig der Lebenspartner ist.”

6. Social-Media-Verbot in Australien scheitert bereits an Altersabfrage
(zeit.de)
Das weltweit erste Social-Media-Verbot für Kinder unter 16 Jahren in Australien erziele laut einer neuen Studie nicht die gewünschte Wirkung. Eine Untersuchung einer auf Softwaretests spezialisierten Firma zeige, dass Tech-Konzerne die im Dezember eingeführten Altersbeschränkungen kaum kontrollieren würden. Bei 50 eingerichteten Testkonten habe die bloße Falschangabe des Alters ausgereicht, um ohne jede Verifikation Zugang zu Plattformen wie Instagram, Snapchat, TikTok und YouTube zu erhalten.

“Nuhr gedroht”, Reiche unter KI-Verdacht, Kanzleramt bedauert

1. Nuhr gedroht
(taz.de, Florian Bayer)
Der Kabarettist Dieter Nuhr habe der österreichischen Zeitung “Der Standard” mit einer Klage gedroht, nachdem diese seinen Witz über Frauenmorde in “Nuhr im Ersten” kritisiert hatte, und Löschung des Kommentars verlangt. Auf Nachfrage der “taz” habe Nuhrs Produktionsfirma dann aber erklärt, man gehe “weder anwaltlich noch gerichtlich” gegen das Blatt vor. Florian Bayer ordnet den Fall in eine Häufung von Einschüchterungsklagen gegen österreichische Redaktionen ein. Im Fall Nuhr habe gerade die Klagedrohung die Geschichte erst groß gemacht, ganz im Sinne des Streisand-Effekts.

2. Wenn Jour­na­lismus zu Liti­ga­tion-PR wird
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Bei “Legal Tribune Online” wirft Felix W. Zimmermann dem “Spiegel” vor, seine Teilniederlage im Fall Christian Ulmen vor dem Oberlandesgericht Hamburg im eigenen Prozessbericht kleinzureden: “Der Spiegel hat in einem zentralen Punkt der Verknüpfung eines Deepfake-Verdachts mit dem Fall Ulmen eine Niederlage erlitten, die die gesamte Artikelarchitektur in Schieflage bringt. Niemand muss vom Spiegel verlangen, all diese Überlegungen gegen sich selbst episch auszubreiten. Erwarten durfte man aber eine Berichterstattung in eigener Sache, die keinen Angriff suggeriert, der nie stattgefunden hat; den wichtigsten Entscheidungsgrund nicht verschweigt und auch sprachlich journalistische Distanz wahrt.”

3. RT DE scheitert vor Gericht mit Klage gegen Sendeverbot
(dwdl.de, Alexander Krei)
Das Verwaltungsgericht Berlin habe die Klage der RT DE Productions GmbH gegen das 2022 verhängte Sendeverbot abgewiesen und das Vorgehen der Medienanstalt Berlin-Brandenburg bestätigt. Die Behörde habe dem Unternehmen untersagt, das Programm ohne die erforderliche Rundfunkzulassung in Deutschland zu veranstalten. Das Unternehmen habe argumentiert, lediglich einzelne Sendungen für die russische Muttergesellschaft TV Novosti zugeliefert zu haben. Dem sei das Gericht jedoch nicht gefolgt.

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4. Bericht: Zwei Gastbeiträge von Ministerin Reiche unter KI-Verdacht
(n-tv.de)
Der “Spiegel” äußere den Verdacht, Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche habe mehrere Gastbeiträge in großen Zeitungen mithilfe von Künstlicher Intelligenz verfasst. Betroffen seien zwei am 10. April erschienene Texte. Bei einem Beitrag im “Handelsblatt” sei rund das erste Drittel mit hoher Wahrscheinlichkeit vollständig von einer KI formuliert, ein Beitrag in der “FAZ” stamme zu etwa 70 Prozent von einer KI. Das Wirtschaftsministerium habe ausweichend reagiert und erklärt, Künstliche Intelligenz sei in der Politik ein alltägliches Werkzeug. Für das “Redaktionsnetzwerk Deutschland” hatte Felix Huesmann bereits am 18. Juni auf das Thema aufmerksam gemacht (nur mit Abo lesbar).

5. Wie die NZZ versuchte mich und mein Buch Staatsräsonfunk zu diskreditieren
(youtube.com, Fabian Goldmann, Video: 6:31 Minuten)
Der Journalist Fabian Goldmann kündigt an, juristisch gegen einen “NZZ”-Beitrag über sich und sein Buch “Staatsräsonfunk – deutsche Medien und der Genozid in Gaza” vorzugehen. Der Text enthalte aus Goldmanns Sicht über 30 Falschbehauptungen, etwa ein sinnentstellend abgeschnittenes Zitat sowie erfundene Angaben über sein Privatleben. In seinem Blog hat er alle 30 Textstellen des von ihm kritisierten “NZZ”-Artikels aufgegriffen und kommentiert.

6. “Falscher Tweet, falscher Zeitpunkt, falscher Knopf”: Kanzleramt bedauert Merz-Posting zum WM-Aus
(tagesspiegel.de, Christopher Ziedler)
Ein Posting von Bundeskanzler Friedrich Merz auf X/Twitter, in dem er den deutschen Nationalspielern nach dem Aus bei der Fußball-WM für deren Einsatz dankte und sich “stolz” zeigte, habe angesichts der enttäuschenden Leistung der Mannschaft Spott bis in die eigene Partei ausgelöst. Aus dem Kanzleramt heiße es nun, der erste Tweet sei ein Versehen gewesen: “Falscher Tweet, falscher Zeitpunkt, falscher Knopf”. Im Bundespresseamt seien mehrere Varianten vorbereitet und in der Nacht die falsche veröffentlicht worden.

Überarbeitung des Höcke-Gesprächs, Nuhr verlangt Löschung, Hitze im TV

1. »Ungeskriptet«-Podcaster wehrt sich offenbar gegen Überarbeitung des Höcke-Gesprächs
(spiegel.de)
Der Podcaster Ben Berndt wehre sich laut einem “Welt”-Bericht gegen Versuche der nordrhein-westfälischen Landesmedienanstalt, sein Gespräch mit AfD-Politiker Björn Höcke im Format “Ungeskriptet” nachträglich zu überarbeiten. Die Behörde dränge auf eine Änderung jener Passage, in der Höcke behaupte, die SA habe kein Motto gehabt, was die Anstalt als überprüfbare Tatsachenbehauptung werte. Sie berufe sich darauf, dass auch einzelne Blogger und Podcaster journalistisch arbeiten würden und an die Sorgfaltspflicht gebunden seien.
Weiterer Gucktipp: Bei YouTube ordnet der Jurist Christian Solmecke den Fall ein. Obwohl er Ben Berndt rechtlich in der Pflicht sehe, halte er das Vorgehen der Landesmedienanstalt für “maximal ungeschickt”: Medienanstalt greift Ben “ungeskriptet” wegen Höcke Interview an! (youtube.com, Video: 40:08 Minuten)

2. Dieter Nuhr verlangt Löschung eines Kommentars und droht dem STANDARD mit Klage
(derstandard.at, Oliver Mark)
Die Nuhr TV GmbH, an der der Kabarettist Dieter Nuhr beteiligt sei, drohe dem österreichischen “Standard” mit rechtlichen Schritten wegen des Kommentars “Bei Dieter Nuhr müssen selbst Femizide für eine Pointe herhalten”. Die Produktionsfirma halte den Kommentar in Titel und Tendenz für unwahr sowie persönlichkeitsverletzend und fordere Unterlassung und Beseitigung, andernfalls werde sie eine einstweilige Verfügung auch gegen die Autorin persönlich beantragen. Der “Standard” weist die Kritik zurück und verweist darauf, dass die Meinungsfreiheit auch für Kommentare gelte, die nicht Dieter Nuhrs Meinung entsprächen.

3. Tagesspiegel täuscht Leserschaft: KI schreibt Texte unter Namen von Journalist:innen
(fr.de, Tanjev Schultz)
In seiner Kolumne nimmt der Publizistikprofessor Tanjev Schultz die jüngsten Vorfälle um KI-Texte im Journalismus zum Anlass, über den Wert von Autorenschaft nachzudenken. Beim “Tagesspiegel” habe hinter einigen Texten kein Mensch, sondern eine Maschine gesteckt, ohne Hinweis und trotz einer Autorenzeile mit dem Namen eines realen Journalisten. Autorenschaft aber sei an Identität und Verantwortung gekoppelt. Schultz argumentiert, das Publikum werde auch künftig wissen wollen, mit wem es zu tun hat.

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4. Wissenschaftliches Gutachten: Geplanter COSMO-Umbau verstößt gegen das WDR-Gesetz
(neuemedienmacher.de)
Die “Neuen deutschen Medienmacher*innen” haben ein “(Kurz-)Rechtsgutachten” (PDF) in Auftrag gegeben, das die geplante Überführung des Radioprogramms “Cosmo” in den Hip-Hop-Sender “1Live Street” prüft. Der Leipziger Medienrechtler Hubertus Gersdorf komme zu dem Schluss, dass der Plan des WDR gegen das WDR-Gesetz verstoße: “Cosmo” sei gesetzlich beauftragt, sich an alle Altersgruppen zu richten und Themen des interkulturellen Zusammenlebens aufzugreifen. Daher dürfe der Sender nicht zu einer “jungen Welle” umgebaut werden.

5. Hitzedarstellung im TV: Video zu Wetterkarten ist nicht echt
(correctiv.org, Max Bernhard)
Der “Correctiv”-Faktencheck nimmt ein Video auseinander, das auf Instagram, TikTok und YouTube die Runde mache und mit je einem angeblichen alten und neuen Wetterbericht belegen solle, dass Medien die Hitze dramatisieren würden. Tatsächlich seien beide Berichte mit Künstlicher Intelligenz erzeugt und hätten nie existiert. Behauptungen über manipulative Wetterkarten würden seit Jahren kursieren, neu sei nur, dass nun KI eingesetzt werde, um sie zu untermauern.

6. Die Medienhölle: Schon wieder KI
(youtube.com, Jörg Wagner & Philipp Nitzsche, Video: 1:36:25 Stunden)
In der aktuellen Ausgabe des Medienpodcasts “Die Medienhölle” geht es vor allem um das Thema Künstliche Intelligenz im Journalismus: Die Medienwissenschaftler Leif Kramp und Stephan Weichert stellen ihr neues Buch “KI-Resilienz im Journalismus” vor und plädieren dafür, KI als unterstützenden “Sparringspartner” statt als Bedrohung zu begreifen. Daniela Hansjosten von RTL Deutschland erklärt, wie der Sender KI-Modelle bereits erfolgreich für den automatisierten Jugendschutz einsetze.

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