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KW 23/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Regierungskrise in Deutschland: Übertreiben die Medien?
(ndr.de, Lea Eichhorn & Konstanze Mastarowitz, Video: 21:18 Minuten)
Das NDR-Medienmagazin “Zapp” fragt, ob Medien politische Konflikte zu stark als Dauerkrise erzählen. Am Beispiel der aktuellen Koalition zeigen Journalisten wie Robin Alexander und Christian Teevs, warum Streit, Machtfragen und knappe Mehrheiten aus ihrer Sicht berichtenswert sind. Zugleich kritisieren Stimmen wie Steffen Hebestreit, Ricarda Lang und Victoria Reichelt, dass Politikberichterstattung oft wie Sportberichterstattung funktioniere: Wer gewinnt, wer verliert, wer setzt sich durch? Dadurch würden Inhalte, konkrete Folgen und Lösungen in den Hintergrund geraten.

2. BRAVO – Headlines, Hypes und Herzschmerz
(ardmediathek.de, Mariska Lief, Video: drei Folgen je zwischen 30 und 33 Minuten)
Die ARD-Dokuserie “BRAVO – Headlines, Hypes und Herzschmerz” erzählt die Geschichte der “Bravo” von ihrer Hochphase Anfang der 1990er bis zum Bedeutungsverlust im Internet. Das Magazin sei damals ein zentrales Jugendmedium gewesen. Es habe Stars großgemacht und Fankultur, Körperbilder, Liebesvorstellungen und sexuelle Aufklärung geprägt. Verschiedene Prominente berichten, wie “Bravo” Karrieren beförderte, aber auch Druck erzeugte und Idole verschliss.

3. Wer bestimmt, was wir sehen? Social Media und Macht – Gavin Karlmeier
(ndr.de, Norbert Grundei, Audio: 1:08:18 Stunden)
Norbert Grundei spricht mit dem Journalisten und Digitalberater Gavin Karlmeier über den Wandel von Social Media. Aus den früheren vernetzten Freundesplattformen seien KI-gestützte Aufmerksamkeits- und Entertainmentmaschinen geworden. Karlmeier erklärt, warum klassische Soziale Netzwerke im engeren Sinne “eigentlich tot” seien und wie Plattformen heute bestimmen, welche Inhalte sichtbar werden.
Weiterer Gucktipp: Der “6-vor-9”-Kurator war bei Karlmeiers Videopodcast über Social Media “Haken dran” zu Gast. In dem Gespräch geht es um gehackte Instagram-Konten, Identitätsdiebstahl und die Frage, warum es 100 Euro kostet, wenn man Friedrich Merz auf Facebook einen “Lackaffen” nennt (youtube.com, Video: 1:01:39 Stunden).

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4. Redaktion und Reklame: Der Ärger um Schleichwerbung
(youtube.com, Tanjev Schultz & Markus Wolsiffer, Video: 35:59 Minuten)
Die “Medienversteher” behandeln das journalistische Trennungsgebot: Redaktionelle Inhalte müssen klar von Werbung, PR und bezahlten Botschaften unterscheidbar sein. Tanjev Schultz und Markus Wolsiffer erklären, warum diese Trennung zentral für die Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit des Journalismus sei und warum sie heute immer stärker unter Druck gerate. Beispiele sind Schleichwerbung, Advertorials, Native Advertising, Product Placement, Affiliate-Links und vor allem Host-Read-Ads in Podcasts.

5. Aktivismus vs. Journalismus: Wo ist die Grenze?
(youtube.com, Markus Lanz & Richard David Precht, Video: 55:02 Minuten)
Markus Lanz und Richard David Precht sprechen über die Grenze zwischen Journalismus und Aktivismus. Ausgangspunkt ist das viel diskutierte Höcke-Interview im Podcast “Ungeskriptet”, an dem die beiden die Frage verhandeln, ob Medien AfD-Politiker ausgrenzen oder kritisch stellen sollten. Precht unterscheidet zwischen freien Gesprächsformaten, die auch unkritisch sein dürfen, und journalistischen Formaten, die harte Nachfragen leisten müssen. Außerdem geht es um den Wandel des Journalismus: weg von anzeigenfinanzierten Medienmarken, hin zu leserfinanzierten Communitys und aktivistischen Formaten.

6. Deutscher Schauspieler in Marvel, Wes Anderson & Co. – warum kennt den keiner?
(youtube.com, Charles Rettinghaus, Video: 58:34 Minuten)
Im Podcast “Hollywoodgeflüster” spricht Charles Rettinghaus mit Schauspieler, Synchronsprecher und Musiker Milton Welsh. Es geht um Welshs Weg über Theater, Schauspielschule und internationale Drehs bis in die Synchronarbeit. Welsh erzählt von Bühnenpannen, Method Acting, Dreharbeiten mit Wes Anderson bei “Grand Budapest Hotel” und vielem mehr aus seinem Schauspielleben.

Weimer akzeptiert Urteil, Wenders zieht zurück, Poli­ti­ker­be­lei­di­gung

1. Extremismus-Vorwurf gegen Buchhandlung: Weimer akzeptiert Urteil
(br.de, Ulrich Möller-Arnsberg)
Wolfram Weimer habe den Gerichtsbeschluss im Streit mit der Berliner Buchhandlung “Zur schwankenden Weltkugel” akzeptiert. Der Kulturstaatsminister habe keine Rechtsmittel eingelegt und dürfe die Betreiberinnen des Ladens damit bis zur Hauptsacheentscheidung nicht erneut als “politische Extremisten” bezeichnen. Hintergrund sei der Ausschluss mehrerer Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis wegen angeblicher “verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse”, die öffentlich bislang nicht konkret benannt worden seien. Das Verwaltungsgericht Berlin sehe durch Weimers Äußerung das Persönlichkeitsrecht der Buchhändlerinnen verletzt. Die betroffenen Läden würden nun Aufklärung darüber verlangen, wer wann und warum in die Preisvergabe eingegriffen hat.

2. Wim Wenders zieht seinen Film »Falsche Bewegung« vorerst zurück
(spiegel.de)
Regisseur Wim Wenders ziehe seinen Film “Falsche Bewegung” nach der Kritik von Nastassja Kinski vorerst aus allen aktuellen Auswertungsformen zurück. Streaming-, TV- und Vertriebspartner sollen den Film nicht mehr öffentlich zugänglich machen. Der Grund für diesen Schritt sei eine Szene des Films von 1975, in der die damals 13-jährige Kinski mit nacktem Oberkörper zu sehen ist und deren Entfernung sie seit Jahren fordert. Wenders habe Kinski nun ausdrücklich “ohne Wenn und Aber” um Entschuldigung gebeten und erklärt, sie hätte damals besser geschützt werden müssen. Der Film solle erst wieder freigegeben werden, wenn es eine breitere Debatte über den Umgang mit problematischem Filmerbe und eine einvernehmliche Lösung mit Kinski gebe.

3. WDR-Rundfunkrat stimmt Reform der jungen Wellen mit knapper Mehrheit zu
(radiowoche.de, Stephan Munder)
Der WDR-Rundfunkrat habe der umstrittenen Reform der jungen Radiowellen knapp zugestimmt. Kontrovers sei die Umwandlung des Senders Cosmo in 1Live Street, das sich künftig mit der weltweiten Hip-Hop-Kultur beschäftigen und so eine urbane, diverse Zielgruppe zwischen 20 und 29 Jahren ansprechen solle. Kritiker würden fürchten, dass der WDR damit den interkulturellen Auftrag von Cosmo verengt und ältere Hörerinnen und Hörer mit internationaler Biografie verliert.
Weiterer Lesetipp: Beim “Tagesspiegel” kommentiert Nadine Lange: “Die Cosmo-Einstellung sendet das fatale Signal, dass das Thema Vielfalt in Zeiten klammer Kassen hinten angestellt werden kann. Das ist ein kolossaler Irrtum, denn die Diversität der deutschen Gesellschaft nimmt immer weiter zu. Dem muss ein öffentlich-rechtliches Radioprogramm wahrnehmbar Rechnung tragen – und sich nicht schnöde verkrümeln, wenn der Wind immer strammer von rechts weht.”

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4. Medien verlieren zig Millionen Klicks durch die KI-Suche
(medientage.de, Petra Schwegler)
Petra Schwegler beschreibt, wie KI-Suchergebnisse den Traffic deutscher Medien massiv verändern. Durch Googles AI Overviews und andere Antwortmaschinen wie SearchGPT oder Perplexity würden Nutzerinnen und Nutzer immer häufiger direkte Antworten erhalten, ohne zusätzlich auf journalistische Websites zu klicken. Deutsche Internetseiten verlören monatlich rund 250 Millionen Klicks. Besonders betroffen seien Wikipedia, Gesundheitsseiten und Ratgeberangebote. Schwegler ordnet diese Entwicklung als strukturelles Medienproblem ein: Plattformen würden von journalistischen Inhalten profitieren, entzögen ihnen aber Reichweite und Werbegeld.

5. Sachsen will Poli­ti­ker­be­lei­di­gung abschaffen
(lto.de)
“Legal Tribune Online” berichtet über einen Vorstoß aus Sachsen, den Straftatbestand der Politikerbeleidigung nach § 188 StGB (“Gegen Personen des politischen Lebens gerichtete Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung”) abzuschaffen oder deutlich zu begrenzen. Justizministerin Constanze Geiert halte einen besonderen strafrechtlichen Schutz für Politikerinnen und Politiker nicht für nötig und warne, dass politische Polemik nicht uferlos kriminalisiert werden dürfe. Hintergrund seien jüngste Verfahren wegen Bezeichnungen wie “Lackaffe” und “Lügenfritz” über Friedrich Merz oder das “Schwachkopf”-Meme gegen Robert Habeck. Sachsen wolle die Justizministerkonferenz auffordern, nicht nur § 188 StGB, sondern die Beleidigungsdelikte insgesamt zu reformieren.

6. Never gonna give you up
(digitalpolitik.de)
Markus Beckedahl zieht Bilanz zur re:publica 2026, bei der sein Team ein riesiges Programm mit über 1.200 Sprecherinnen und Sprechern auf 27 Bühnen organisiert habe. Er verweist auf das Videoarchiv als wachsende Wissenssammlung und hebt seine eigenen Beiträge hervor: eine Keynote zu digitaler Souveränität, ein Gespräch mit Digitalminister Karsten Wildberger und ein Interview mit Henning Besser von der Band Deichkind über Kreativität und Inszenierung.

7. CDU-Politiker lassen Gastbeitrag in der Welt von KI schreiben
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 5:15 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Der “6-vor-9”-Kurator kritisiert den mutmaßlich KI-generierten “Welt”-Gastbeitrag der CDU-Ministerpräsidenten Mario Voigt und Sven Schulze zur deutschsprachigen Musik im Radio. Er macht dies an typischen KI-Stilmerkmalen fest: bedeutungsschwere Dreierformeln, Negationssätze nach dem Muster “Es ist nicht X. Es ist Y.” und das pathetische Kurzsatz-Finale. Die eigentliche Pointe: Zwei Politiker fordern mehr Wertschätzung für deutsche Stimmen und Sprache, liefern aber offenbar einen Text ohne erkennbare eigene Stimme.

Pulshochtreiber ZDF, Plattformen schludern, Lackaffe für 100 Euro

1. Wie das ZDF den Puls hochtreibt, statt ihn zu messen
(belltower.news, Patrick Gensing)
Patrick Gensing kritisiert die ZDF-Doku “System Bürgergeld: Leben ohne Leistung?” als stark zugespitzt und teilweise irreführend. Zwar behandle die Sendung reale Probleme, verbinde aber Zahlen zu Bürgergeld, offenen Stellen, Migration und Kosten so eng, dass ein pauschaler Verdacht gegen Leistungsbezieherinnen und -bezieher entstehe. Gensings Fazit: “Das ZDF will mit ‘Am Puls’ offenbar zeigen, was Menschen bewegt. Doch der Puls einer Gesellschaft ist nicht nur Empörung. Er besteht auch aus Unsicherheit, Überforderung, Angst vor Abstieg, tatsächlicher Ungerechtigkeit, Ressentiments, politischer Instrumentalisierung und fehlender Kenntnis von Details.”

2. Plattformen schludern bei Hassrede und Accountsperren
(netzpolitik.org, Denis Glismann)
Denis Glismann fasst den zweiten Transparenzbericht (PDF) des Appeals Centre Europe zusammen, einer außergerichtlichen europäischen Schlichtungs- und Beschwerdestelle für Social-Media-Inhalte. Demnach würden Plattformen wie TikTok, Instagram, Facebook und YouTube ihre eigenen Regeln gegen Hassrede, Gewalt und Kriminalität oft fehlerhaft umsetzen: Gemeldete Hassrede bleibe häufig online, während andere Inhalte oder Accounts teils zu Unrecht gelöscht oder gesperrt würden.

3. Prozess um Kanzler-Beleidigung endet glimpflich: Der “Lackaffe” für Merz kostet nur 100 Euro
(tagesspiegel.de, Jost Müller-Neuhof)
Der “Tagesspiegel” berichtet über ein Verfahren wegen einer Beleidigung auf Facebook, die sich gegen Bundeskanzler Friedrich Merz gerichtet habe. Ein Nutzer habe Merz im Zusammenhang mit einem Polizeipost als “Lackaffen” bezeichnet. Das Amtsgericht Heilbronn habe das Verfahren gegen eine Geldauflage von 100 Euro eingestellt. Jost Müller-Neuhof ordnet den Fall in die Debatte um Paragraf 188 StGB ein, der Politikerinnen und Politiker besonders gegen Beleidigungen schützt, aber auch als Einschränkung der Meinungsfreiheit gesehen werden kann.

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4. “Meine Aufgabe ist, dass Leute mit Respekt und Neugierde auf die Welt blicken”
(uebermedien.de, Annika Schneider, Audio: 47:25 Minuten)
Bei “Nice & Nötig” ist die Journalistin Sham Jaff zu Gast, die in ihrem Newsletter “What Happened Last Week” seit 2014 über Geschichten aus Weltregionen schreibt, die in deutschen Medien oft untergehen. Das Gespräch dreht sich um die Fragen: “Welche Geschichten verpassen wir eigentlich, während unsere Nachrichtenseiten voll sind mit Meldungen aus den USA und dem Nahen Osten, Russland und der EU? Was passiert gerade in Laos, dem Sudan oder Venezuela?”

5. »Das würde ich heute nie mehr so machen«
(spiegel.de)
Der “Spiegel” berichtet über Wim Wenders‘ Reaktion auf die Kritik von Nastassja Kinski an einer Nacktszene in Wenders Film “Falsche Bewegung” von 1975. Kinski war damals 13 Jahre alt und versuche seit Jahren, die Szene entfernen zu lassen. Wenders habe beim Deutschen Filmpreis gesagt, er würde die Szene heute “nie mehr so machen”, sehe die Frage aber auch als Grundsatzproblem des Filmerbes: Darf oder soll man alte Filme nachträglich ändern, wenn eine beteiligte Schauspielerin darunter leidet?

6. Die teuerste (und unbeliebteste) Unterhaltungsendung Deutschlands
(dwdl.de, Christian Richter)
Christian Richter zeichnet die kurze Geschichte von Frank Elstners ZDF-Show “Nase vorn” nach, die nach “Wetten, dass..?” als nächster großer Samstagabend-Meilenstein angekündigt worden sei. Trotz riesigem Aufwand sei die Sendung an einem überladenen, komplizierten Konzept gescheitert und von Publikum und Presse verrissen worden. Spätere Umbauten hätten die Show klarer gemacht, ihr Image aber nicht retten können. Die Pointe: “Nase vorn” gelte bis heute als großer TV-Flop, obwohl sie zeitweise immer noch Quoten erzielt habe, von denen heutige Unterhaltungsshows nur träumen können.

KW 22/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

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1. Ist das NSDAP-Recherchetool des “Spiegel” wirklich verlässlich?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 17:42 Minuten)
Holger Klein unterhält sich mit Eva-Maria Schnurr, Leiterin des “Spiegel”-Geschichtsressorts, über das breit beworbene, durchaus auch mit Fehlern behaftete NSDAP-Recherchetool (nur mit Abo nutzbar): “Warum hat sich die Redaktion trotzdem für die Veröffentlichung einer unfertigen Datenbank entschieden? Warum steht das Tool, das auf öffentlichen Daten basiert, hinter der Paywall? Und geht die Relevanz der NSDAP-Datenbank über die der eigenen Familiengeschichte hinaus?”

2. Macht, Medien, Midterms
(youtube.com, Gregor Peter Schmitz, Video: 53:51 Minuten)
“Ein gespaltenes Land, ein aufgeheizter Wahlkampf: Wie wird über die USA vor den Midterms berichtet – den Zwischenwahlen, die für den Präsidenten entscheidend sind?” Darüber unterhält sich “Stern”-Chefredakteur Gregor Peter Schmitz mit der deutsch-amerikanischen Politologin Cathryn Clüver Ashbrook und den “Stern”-Korrespondenten Jan Christoph Wiechmann und Leonie Scheuble.

3. Jung, blond, rechts … & KI-generiert
(youtube.com, Katharina Nocun, Video: 34:41 Minuten)
Katharina Nocun zeigt in ihrem re:publica-Vortrag, wie KI-generierter Content das politische Vorfeld der extremen Rechten verändert. Sie beschreibt eine Flut aus KI-Videos, Fake-Influencerinnen, erfundenen Talkshows, manipulierten Straßenumfragen, Meme-Ästhetiken und KI-Bildern. Nocuns Kernthese: Social Media werde durch Künstliche Intelligenz immer stärker zu einem Raum, in dem Fakt und Fiktion verschwimmen, und davon profitiere vor allem die rechtsextreme Szene.

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4. Lob der Presseschau
(youtube.com, Dax Werner & Moritz Hürtgen, Audio: 31:32 Minuten)
Im “Bohnigen Wachmacher” sprechen Dax Werner und Moritz Hürtgen satirisch über die geplante Programmreform beim Deutschlandfunk (DLF). Sie zeigen Verständnis für Veränderung, fürchten aber, dass durch größere Programmstrecken und neue Formate wie eine Drive Time geliebte Nischenformate an Eigenständigkeit verlieren könnten. Besonders verteidigen sie die DLF-Presseschau als langsames, eigenwilliges und gerade deshalb wertvolles Format. Die Sorge der beiden: Der besondere Deutschlandfunk-Sound könnte durch Reformen glatter und beliebiger werden.

5. Zur Lage des Journalismus – Im Gespräch mit Heribert Prantl
(youtube.com, Alexander Warzilek, 1:00:20 Stunden)
In dem Gespräch mit Heribert Prantl geht es um die Zukunft des Journalismus und des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Prantl verteidigt ein starkes öffentlich-rechtliches System und spricht sich gegen eine Budgetfinanzierung aus. Öffentlich-rechtliche Medien sollten aus seiner Sicht nicht ausgehungert, sondern journalistisch gestärkt werden. Zugleich warnt Prantl davor, junge Zielgruppen mit zu stark vereinfachten Formaten zu unterschätzen. Öffentlich-rechtlicher Journalismus müsse zugänglich sein, dürfe aber nicht banal werden.

6. Russland ohne Internet
(yotube.com, Masha Borzunova, Video: 20:01 Minuten)
Die russische Exiljournalistin Masha Borzunova beschreibt in ihrem Arte-Beitrag, wie Russland seine digitale Abschottung weiter verschärfe. Neben blockierten oder gedrosselten Plattformen wie Instagram, YouTube, Twitter/X, WhatsApp und Telegram komme es inzwischen in vielen Städten zu Internetabschaltungen. Offiziell geschehe dies aus Sicherheitsgründen gegen Drohnenangriffe. Aber selbst regierungsnahe Blogger und Propagandisten würden an diesen Erklärungen zweifeln und einen Kurs Richtung “souveränes” russisches Internet fürchten.

KW 21/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

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1. Ganz normale Medien und ihr Beitrag zum Comeback des Faschismus
(youtube.com, Leonhard Dobusch & Nadia Zaboura, Video: 30:13 Minuten)
Auf der re:publica kritisieren Leonhard Dobusch und Nadia Zaboura, dass auch “ganz normale” Qualitätsmedien durch eingeübte journalistische Routinen zum Erstarken autoritärer und neofaschistischer Kräfte beitrügen. An Beispielen von “Tagesschau” und “New York Times” zeigen sie, wie problematische Begriffe, fehlende Einordnung oder scheinbare Neutralität rechte und autoritäre Narrative normalisieren könnten.

2. Wie wehrt man sich gegen 500.000 Fake-Follower?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 28:15 Minuten)
Bei Holger Klein ist die freie Wissenschaftsjournalistin Sanaz Saleh-Ebrahimi zu Gast, die wegen ihrer kritischen Berichterstattung nicht nur Hasskommentaren, sondern auch einer Attacke mit Hunderttausenden von Fake-Followern auf Instagram ausgesetzt ist: “Wie wehrt sie sich gegen so einen Angriff? Woran erkennt man Fake-Follower überhaupt? Und warum will sie trotzdem weiter auf Instagram bleiben?”

3. Die OpenAI Story
(ardsounds.de, Jasmin Körber & Fritz Espenlaub & Klaus Uhrig & Christian Schiffer, sechs Folgen zu je 34 bis 39 Minuten)
Die Macherinnen und Macher der “Peter Thiel Story” beschäftigen sich in ihrer neuen, sechsteiligen Podcastserie “Die OpenAI Story” mit einem weiteren Prominenten der Tech-Szene: “Mit ChatGPT hat Sam Altman OpenAI von einem kleinen Forschungslabor in ein milliardenschweres Tech-Imperium verwandelt. Das ist die Geschichte der KI-Revolution, einer entfesselten Technik – und des Mannes, der sie geprägt hat.”

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4. Wie war es, für Jan Böhmermann zu arbeiten?
(ndr.de, Daniel Bröckerhoff & Fritz Lüders, Video: 42:52 Minuten)
Im Podcast “Flugmodus” des Medienmagazins “Zapp” spricht Daniel Bröckerhoff mit Sebastian Hotz (“El Hotzo”) über dessen Karriere zwischen Twitter, Satire, Öffentlich-Rechtlichen und Shitstorms. Hotz erzählt vom Arbeiten bei Jan Böhmermanns “ZDF Magazin Royale”, von Konkurrenzdruck, von Selbstverwirklichung und Ausbeutung in kreativen Medienjobs sowie von seinem neuen Buch über die Fernsehwelt. Außerdem geht es um Hotz’ umstrittene Posts, den Rauswurf beim RBB und die Nervosität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gegenüber rechten Shitstorms.

5. Hollywood in Deutschland
(youtube.com, Stella Valerie Ulrich, Video: 29:45 Minuten)
Die ZDF-Reportage von Stella Valerie Ulrich zeigt, wie deutsche Kulissenbauer und Kostümbildnerinnen aufwendig Film-, TV- und Bühnenwelten erschaffen. Vorgestellt werden unter anderem Kulissenbauer, die Requisiten und Filmsets wie ein Jurassic-Park-Tor nachbauen, eine Kostümbildnerin, deren Atelier komplexe Kostüme für Shows wie “The Masked Singer” fertigt, sowie die Werkstätten von Studio Hamburg, die Bühnenteile für das Musical “Zurück in die Zukunft” anpassen.

6. Die deutsche Stimme von Spider-Man packt aus! Christian Zeiger über Marvel, KI & Synchronskandale
(youtube.com, Charles Rettinghaus, Video: 1:04:17 Stunden)
Im Podcast “Hollywoodgeflüster” spricht Charles Rettinghaus mit Synchronsprecher und -regisseur Christian Zeiger über dessen frühen Einstieg ins Synchronfach, die Arbeit als deutsche Stimme von Spider-Man (Tom Holland) und Zeigers Erfahrungen als Synchronregisseur. Es geht um Castinggeschichten, den besonderen Arbeitsprozess im Studio sowie die Frage, ob Rollen nach Identität oder schauspielerischer Fähigkeit besetzt werden sollten.

Baerbocks SMS, Bestseller und Brainrot, “Wir sind Systemmedien”

1. Informationsfreiheit gilt auch für SMS
(fragdenstaat.de, Hannah Vos)
Die Transparenzinitiative “FragDenStaat” berichtet über ein Urteil des Verwaltungsgerichts Berlin, laut dem auch SMS von Regierungsmitgliedern amtliche Informationen sein können und nach dem Informationsfreiheitsgesetz herausgegeben werden müssen. Anlass sind SMS der damaligen Außenministerin Annalena Baerbock an Vertreterinnen und Vertreter anderer Uno-Mitgliedsstaaten zur Unterstützung einer UN-Resolution zur Ukraine. Das Auswärtige Amt habe die Herausgabe verweigert, sei damit aber vor Gericht weitgehend gescheitert.

2. “New York Times” verklagt Pentagon
(taz.de)
Die “New York Times” verklage erneut das US-Verteidigungsministerium, weil Reporterinnen und Reporter das Pentagon nur noch in Begleitung betreten dürfen. Die Redaktion sehe darin einen verfassungswidrigen Eingriff in die unabhängige Militärberichterstattung. Das Pentagon weise die Kritik zurück und bezeichne sie als “Versuch, die Hürden zu beseitigen, um an klassifizierte Informationen zu gelangen”.

3. “Wir sind Systemmedien – wir sind Medien des demokratischen Systems”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Bei der re:publica haben der ARD-Vorsitzende Florian Hager und der ZDF-Intendant Norbert Himmler darüber diskutiert, wie öffentlich-rechtliche Medien in einer von Netflix, TikTok, YouTube und Google geprägten Öffentlichkeit relevant bleiben können (Videomitschnitt, youtube.com, 1:01:41 Stunden). Beide hätten betont, ARD und ZDF seien längst mehr als klassische Fernsehsender und müssten auch auf problematischen Plattformen präsent sein, um junge Menschen zu erreichen.

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4. MV: Wie Medien AfD-Wahlkampf machen, ohne es zu merken
(volksverpetzer.de, Leonie Wiegel)
Leonie Wiegel kritisiert, dass einige Medien mit ihrer Berichterstattung über das AfD-Wahlprogramm in Mecklenburg-Vorpommern ungewollt AfD-Narrative verstärken würden. Manche Überschriften würden den Eindruck fördern, eine AfD-Regierung sei bereits realistisch oder fast sicher, obwohl es dafür derzeit keine Koalitionspartner gebe. Wiegels Fazit: “Mit jeder Überschrift entscheidet man sich für eine Perspektive auf die Geschichte. Es ist alarmierend, dass die meisten Medien dabei eher zur rechten, zur AfD-Perspektive tendieren, und immer wieder auch Perspektiven einnehmen, die offensichtlich weiter weg von den Fakten sind, als andere.”

5. Guter Rat ist … anders
(arminwolf.at)
ORF-Moderator Armin Wolf kritisiert die parteipolitische Dominanz im ORF-Stiftungsrat und schlägt eine grundlegende Reform des Aufsichtsgremiums vor. Statt 35 Mitgliedern mit parteinahen “Freundeskreisen” solle es nur noch 15 Stiftungsräte geben. Die Mitglieder sollten transparenter und überparteilicher ausgewählt werden, etwa über öffentliche Hearings und qualifizierte Mehrheiten. Ziel sei ein Aufsichtsgremium des österreichischen öffentlich-rechtlichen Senders, das unabhängig die bestmögliche Führung suche.

6. Zwischen Bestseller und Brainrot – Wie der Markt die Literatur sortiert
(54books.de, Berit Glanz)
Berit Glanz analysiert, wie ökonomische Marktlogiken den gegenwärtigen Literaturbetrieb prägen. Ausgangspunkt ist ein Moment auf der re:publica, in dem öffentlich wurde, wie stark sich Buchvorschüsse unterscheiden können. Hohe Vorschüsse würden nicht nur Geld, sondern auch Sichtbarkeit und Marketing bedeuten, die sogenannte Midlist gerate dabei immer mehr ins Hintertreffen. Es stelle sich die Frage, unter welchen materiellen Bedingungen gute Literatur überhaupt noch entstehen könne.

Tiefrote “Nius”-Bilanz, Merz sagt “Nein”, Digitale Macht begrenzen

1. Verluste bei Reichelts “Nius” weiten sich aus
(t-online.de, Lars Wienand)
Lars Wienand hat ins Unternehmensregister geschaut und die Bilanz für das Jahr 2024 der Betreibergesellschaft von Julian Reichelts rechtem Krawallportal “Nius” analysiert. Diese sei “tiefrot”: “Bei einer Bilanzsumme von gut sieben Millionen Euro lag 2024 das Minus, der Jahresfehlbetrag, bei knapp 16,2 Millionen Euro. Den Kosten stehen weiterhin kaum Erlöse gegenüber.” Der “Nius”-Geldgeber Frank Gotthardt habe “wieder einen zweistelligen Millionenbetrag nachschießen” müssen, die Abo-Einnahmen von Reichelts Portal seien “vergleichsweise winzig”, und die Zahl der Leserinnen und Leser sei “zuletzt auf ein Rekordtief gefallen.”

2. Verfassungsrechtler über AfD-Pläne: “Kompliziert, langwierig und teuer”
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Im Interview mit “DWDL” ordnet der Verfassungs- und Medienrechtler Christoph Degenhart die AfD-Pläne ein, in Sachsen-Anhalt die Rundfunkstaatsverträge zu kündigen. Rechtlich sei eine Kündigung zwar möglich, praktisch aber mit enormen Problemen verbunden: Sachsen-Anhalt müsste dann wohl ein eigenes öffentlich-rechtliches Angebot organisieren, Vermögen, Rechte und Pensionslasten des MDR müssten aufwendig auseinandergesetzt werden, und günstiger würde es vermutlich auch nicht.

3. Merz sagt “Nein” zu Social-Media-Verbot
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Bundeskanzler Friedrich Merz habe auf dem Deutschen Katholikentag ein pauschales Social-Media-Verbot für Minderjährige abgelehnt. Stattdessen habe er sich dafür ausgesprochen, Plattformen besser zu regulieren und Risiken für Kinder und Jugendliche gezielter zu adressieren. Ganz eindeutig sei seine Position allerdings nicht, weil Merz zugleich Altersgrenzen und Zugangsbeschränkungen als möglichen “richtigen Weg” bezeichnet habe.

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4. re:publica 26: Markus Beckedahl – Digitale Macht begrenzen: Der Weg in die digitale Souveränität
(youtube.com, Markus Beckedahl, Video: 59:35 Minuten)
In seiner Keynote anlässlich der re:publica 2026 spricht sich Markus Beckedahl dafür aus, digitale Macht zu begrenzen, um den “Weg in die digitale Souveränität” freizuräumen: “Um die Macht zu begrenzen, sind gute Regeln und ihre Durchsetzung notwendig. Aber die besten Regeln bringen nichts, wenn wir nicht auch Alternativen fördern, damit wir eine Wahlfreiheit haben.”

5. Abschied vom Schlagwort
(taz.de, Klaudia Lagozinski)
Klaudia Lagozinski erklärt in den “wichtigsten Fragen und Antworten”, wie KI-Zusammenfassungen die Onlinesuche verändern. Websites seien lange vor allem für Google und SEO optimiert worden, doch nun verschiebe sich der Fokus zur direkten Antwort durch Systeme wie ChatGPT, Gemini oder Claude. Für Medien und Webseitenbetreiber bedeute dies weniger Klicks, weil Nutzerinnen und Nutzer oft schon mit der KI-Antwort zufrieden seien.

6. Wie politisch darf gemeinnütziger Journalismus sein?
(npj.news)
“NPJ.news”, eine Seite über Nonprofit-Journalismus im deutschsprachigen Raum, hat die aktuelle Rechtslage zum gemeinnützigen Journalismus zusammengefasst. Das Fazit: “Gemeinnütziger Journalismus darf politisch relevant sein. Es muss aber gezeigt werden, dass die politische Relevanz der Berichterstattung aus Aufklärung, Information und Einordnung entsteht und nicht etwa aus parteipolitischer oder kampagnenförmiger Zielsteuerung. Weil Journalismus kein eigener Steuerzweck ist, müssen Redaktionen in gemeinnütziger Trägerschaft diese Grenze sorgfältiger ziehen als klassische Medienunternehmen.”

KW 20/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Ein zahnloser Tiger? Der Deutsche Presserat!
(youtube.com, Markus Wolsiffer & Tanjev Schultz, Video: 39:26 Minuten)
In der aktuellen “Medienversteher”-Folge sprechen Markus Wolsiffer und Tanjev Schultz über den Deutschen Presserat als freiwillige Selbstkontrolle der Presse. Dabei geht es auch um typische Konfliktfelder wie Sorgfaltspflicht, Opferschutz, Persönlichkeitsrechte, Schleichwerbung und Sensationsberichterstattung. Die zentralen Fragen: Hat der Presserat zu wenig Sanktionsmacht? Und wie kann er sich im digitalen Zeitalter, etwa mit Blick auf KI und neue Medienformen, weiterentwickeln?

2. “Viele Leute sind total dankbar, wenn man ihnen Dinge mal erklärt”
(uebermedien.de, Annika Schneider, Audio: 43:17 Minuten)
Bei “Nice & Nötig” unterhält sich Annika Schneider mit dem “Lage-der-Nation”-Macher Philip Banse über den Erfolg des Politik-Podcasts, den er zusammen mit Ulf Buermeyer betreibt. Die ruhige und detailreiche Analyse helfe vielen Hörerinnen und Hörern gegen Nachrichtenstress und erreiche laut Banse bis zu zwei Millionen Downloads im Monat.

3. Meinung in Medien: Wie wir berichten sollten in Zeiten von Krisen
(bonjourno.de, Olivia Samnick, Audio: 40:48 Minuten)
Olivia Samnick tauscht sich in ihrem Podcast “Bonjourno” mit der Journalistin und Autorin Özge İnan über Meinung in Medien aus: “Wie hilft Meinungsjournalismus in Zeiten vermehrter Krisen? Kann er Orientierung bieten? Und: Wie schafft man überhaupt fundierte Meinungen für die Öffentlichkeit?”

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4. Medienwandel: Papier oder Social Media?
(youtube.com, Kim van der List & Nele Nitschky, Audio: 46:26 Minuten)
Bei den Schülermedientagen 2026 haben zwei Volontärinnen erklärt, wie Lokaljournalismus heute für Print, Online und Instagram aufbereitet wird, warum Social-Media-Beiträge viel Planung, Recherche und Schnittarbeit brauchen und weshalb journalistische Standards auch dort gelten. Es geht um die Präsenz im Netz und die Frage: “Oder liegt das journalistische Glück doch noch in der Zeitung, die ich in der Hand halte, und die ganzen Social-Media-Kanäle sind ‘out’ bevor sie ‘in’ waren”?

5. Krise im Sportjournalismus: Droht eine “Abwärtsspirale”?
(ardsounds.de, Linus Lüring, Audio: 27:25 Minuten)
Linus Lüring unterhält sich bei “BR24 Medien” mit dem Sport- und Kommunikationswissenschaftler Christoph Bertling von der Deutschen Sporthochschule über dessen Buch “Abwärtsspirale” und über die Krise im Sportjournalismus: “Warum unterscheidet sich Sportjournalismus von anderen Medienbereichen? Sind Sportjournalisten vor allem Fans und haben zu wenig Distanz? Und müssen ARD und ZDF eigentlich Spitzensport übertragen?”

6. Re:publica 2026 – oder: Warum wir das Netz nicht aufgeben
(youtube.com, Christian Jakubetz, Video: 32:33 Minuten)
Bei “Satzzeichen” spricht Gastgeber Christian Jakubetz mit Andreas Gebhard, Mitgründer und Geschäftsführer der re:publica, über Geschichte, Selbstverständnis und Zukunft der Digitalkonferenz. Es geht um die Anfänge als Blogger-Treffen, die besondere Atmosphäre der Veranstaltung und das diesjährige Motto “Never Gonna Give You Up”. Gebhard beschreibt die re:publica als Hoffnungsort für eine freie, offene digitale Gesellschaft.

Fake-“Nius”, Kennzeichnung von KI, Plattform-Abgaben rechtmäßig

1. Frau wegen NiUS-Erfindung bedroht
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 38:34 Minuten)
Mats Schönauer rekonstruiert in seinem neuesten Video, wie das rechte Krawallportal “Nuis” aus einer privat bezahlten Kantineneröffnung in der Dortmunder Arbeitsagentur einen vermeintlichen Ramadan-Skandal gemacht habe. Die Falschbehauptungen von “Nius” über ein steuerfinanziertes Luxusbuffet für Bürgergeldempfänger seien von Influencern und AfD-Politikern weiterverbreitet worden, woraufhin die betroffene Gastronomin bedroht worden sei.
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

2. Ulf Poschardt gibt Herausgeber-Position bei “Welt” auf
(taz.de)
Ulf Poschardt gebe zum 1. Juli seinen Posten als Herausgeber bei der “Welt” sowie den Deutschlandablegern von “Politico” und “Business Insider” ab. Laut Axel-Springer-Verlag geschehe dieser Schritt auf Poschardts eigenen Wunsch. Künftig solle er als “freiester Autor” und Podcaster für verschiedene Springer-Medien arbeiten, darunter auch “Bild”. Geplant seien unter anderem Social-Media-Clips, Talkformate, Kolumnen und Videos.

3. Transparente Kennzeichnung von KI im Journalismus
(media-lab.de, Francesca Lehmann)
Francesca Lehmann hat in ihrer Abschlussarbeit untersucht, wie KI-Inhalte im Journalismus transparent gekennzeichnet werden können. Sie zeigt, dass es bislang keine einheitliche Praxis gebe: Manche Redaktionen markieren KI-generierte Zusammenfassungen klar, andere setzen KI-Hinweise ohne erkennbare Systematik. Lehmanns Fazit: “Insgesamt zeigt sich ein klares Bedürfnis, journalistische Transparenz im KI-Zeitalter auszubauen.”

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4. Abgaben von Online-Plattformen rechtmäßig
(urheber.info)
Der Europäische Gerichtshof habe entschieden, dass EU-Mitgliedstaaten Verlagen eine angemessene Vergütung einräumen dürfen, wenn Onlineplattformen journalistische Inhalte nutzen. Anlass sei ein Verfahren von Meta in Italien gegen Vorgaben der Medienaufsicht AGCOM gewesen.

5. Reflekt
(npj.news)
Das Schweizer Rechercheteam “Reflekt” baue eigene Social-Video-Formate auf, um investigativen Journalismus stärker in Community und Mitgliedschaften zu übersetzen. Mit Host-Videos, vor allem mit Gülsha Adilji, sollen komplexe Recherchen verständlich, unterhaltsam und plattformgerecht für Instagram aufbereitet werden. Ziel sei vor allem der Aufbau direkter Beziehungen zur Zielgruppe.

6. Was aktuell auf Instagram und TikTok viral geht
(dwdl.de, Simon Pycha)
Simon Pycha zeigt bei “DWDL” in einem “Trend-Ticker”, welche Trends auf TikTok und Instagram seit Ende 2025 Reichweite erzeugt haben: von Sounds, KI-Filtern und Beziehungsformaten bis zu Nostalgie-Posts und Meme-Insidern. Zugleich warnt er vor problematischen Entwicklungen wie gefährlichen Challenges, Falschmeldungen oder rechtlich heiklen “Speedruns”.

Alterskontrollen per EU-App?, Freies NSDAP-Archiv, Texas verklagt Netflix

1. Von der Leyen kommt eigenen Fachleuten zuvor und will Social-Media-Verbot
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dränge auf ein Social-Media-Verbot für Minderjährige, noch bevor das von ihr eingesetzte Expertengremium Empfehlungen vorgelegt habe. Sie spreche beschönigend von einem “Aufschub” statt von einem Verbot und setze stark auf emotionale Argumente, schreibt netzpolitik.org-Redakteur Sebastian Meineck. Er warnt, dass Alterskontrollen per EU-App Datenschutz, Anonymität und digitale Teilhabe gefährden würden. Sinnvoller sei es, Plattformen sicherer zu machen.

2. “Correctiv” und “Katapult” ermöglichen freie Suche in NSDAP-Mitgliederkartei
(turi2.de, Björn Czieslik)
Björn Czieslik berichtet bei “turi2”, dass die Redaktionen von “Correctiv” und “Katapult” gemeinsam eine frei durchsuchbare Version der NSDAP-Mitgliederkartei veröffentlicht hätten. Grundlage seien Bestände des US-Nationalarchivs und die Plattform brownarchive.org. Anders als ähnliche Angebote von “Zeit” und “Spiegel” sei die Suche frei zugänglich, also ohne Paywall nutzbar.
Nachtrag: Bei “Correctiv” ist die NSDAP-Mitgliederkartei nicht mehr abrufbar, auch die Seite brownarchive.org ist nicht mehr erreichbar. Die “Correctiv”-Redaktion hat einen neuen Artikel zu dem Thema veröffentlicht und schreibt unter anderem: “Am 12. Mai haben Katapult und CORRECTIV gemeinsam eine frei zugängliche Datenbank zur NSDAP-Mitgliederkartei veröffentlicht. Die Veröffentlichung in dieser Form entspricht nicht unseren journalistischen und dokumentarischen Standards. Wir haben die Datenbank vorläufig offline genommen.”

3. Politik zwingt MDR in die Knie
(verdi.de)
Verdi kritisiert die Sparmaßnahmen beim öffentlich-rechtlichen MDR als Folge der ausgebliebenen Rundfunkbeitragserhöhung und politischer Blockaden. Die geplanten Kürzungen bei “Tatort”, “Polizeiruf”, “MDR um 2”, Social Media, Podcasts und beim Jugendradio Sputnik würden aus Sicht der Gewerkschaft Programmvielfalt, regionale Berichterstattung und die Stellen von rund 200 Beschäftigten gefährden. Verdi fordert eine gesicherte Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, sozial verantwortliche Reformen und eine faire Bezahlung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

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4. »Sie schauen Netflix, Netflix schaut Ihnen zu« – Texas verklagt Streamingportal
(spiegel.de)
Der US-Bundesstaat Texas verklage Netflix wegen angeblich illegaler Datensammlung und suchtgefährdender Plattformgestaltung. Die Staatsanwaltschaft werfe dem Streamingdienst vor, Sehgewohnheiten und sensible Verhaltensdaten zu erfassen und für Werbung nutzbar zu machen. Besonders werde die standardmäßig aktivierte Autoplay-Funktion kritisiert, die Nutzerinnen und Nutzer länger auf der Plattform halten solle. Netflix weise die Vorwürfe als unbegründet zurück.
Weiterer Lesetipp: Der “Netflix-Effekt”: Netflix rechnet seinen weltweiten Impact vor: “Mit Investitionen von 135 Milliarden Dollar in Filme und Serien hat Netflix in den letzten zehn Jahren die weltweite TV-Branche verändert. Mit allerhand Daten will man nun den Impact auf Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft darlegen”. (dwdl.de, Uwe Mantel)

5. So endete die letzte Monitor-Sendung mit Georg Restle
(youtube.com, Monitor, Video: 5:11 Minuten)
Beachtliche 30 Jahre war Georg Restle beim Politmagazin “Monitor”, davon 14 Jahre als Redaktionsleiter. In wenigen Wochen zieht es Restle nach Kenia, er übernimmt dort die Leitung des crossmedialen ARD-Studios Nairobi. Zum Abschied hat ihm seine Redaktion einen Überraschungsfilm zusammengebastelt.

6. Wieso die Horoskop-Masche nicht mehr funktioniert hat
(youtube.com, Philipp Walulis, Video: 16:36 Minuten)
Die aktuelle “Walulis”-Folge blickt satirisch auf den eingestellten Esoterik-Sender Astro TV zurück. Sie zeigt, wie Astro TV seit 2004 mit Kartenlegen, Chakra-Reinigung, spirituellen Produkten und angeblicher Lebensberatung gearbeitet habe. Philipp Walulis kritisiert vor allem das Geschäftsmodell: Anrufe in die Sendung hätten Geld gekostet, die eigentliche Beratung sei über teure Minutenhotlines der verbundenen Plattform Questico gelaufen.

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