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KW 14/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Wer füllt die Lücken, die der Lokaljournalismus hinterlässt?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 21:35 Minuten)
Holger Klein spricht im “Übermedien”-Podcast mit Thomas Schnedler vom Netzwerk Recherche über die weitreichenden Folgen aussterbender Lokalzeitungen im ländlichen Raum. Am Beispiel einer thüringischen Region diskutieren sie darüber, wie nach dem Wegfall der gedruckten Zeitung zunehmend pseudojournalistische oder politisch motivierte Portale die entstandenen Informationslücken füllen: “Es macht etwas mit dem Gemeinwesen vor Ort, wenn solche Stimmen in den Diskurs eingreifen”, sagt Schnedler.

2. Collien Fernandes – Was Medien aus dem Fall lernen können
(ardsounds.de, Sophie Morár, Audio: 26:55 Minuten)
Ausgehend von der “Spiegel”-Recherche (nur mit Abo lesbar) zu Vorwürfen von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen, für den die Unschuldsvermutung gilt, diskutiert Sophie Morár mit ihren Gästen über die Herausforderungen der Verdachtsberichterstattung. Daniel Drepper, Investigativjournalist und Vorsitzender von Netzwerk Recherche, erklärt die Regeln der Verdachtsberichterstattung und die juristischen Hürden. Medienwissenschaftlerin Marlis Prinzing ordnet den Fall medienethisch ein und betont die gesellschaftliche Verantwortung von Medien: Die Debatte über sexualisierte Gewalt dürfe nicht nur auf prominente Einzelfälle verengt werden.
Weiterer Hörtipp: Der Fall Collien Fernandes: Rechtsdurchsetzungswüste Deutschland?: “Der Fall Collien Fernandes hat das Thema Deepfakes und digitale Gewalt in Deutschland in den Fokus gerückt. In dieser Folge analysieren David Gessner gemeinsam mit Wissenschaftlichem Mitarbeiter Felix Schimmel die aktuelle Rechtslage und zeigen, wo die größten Probleme in der Praxis liegen.” (podigee.io, Audio: 48:39 Minuten)

3. Die KI entscheidet bereits für dich (bevor du überhaupt fragst)
(youtube.com, Martin Fehrensen, Video: 15:52 Minuten)
Martin Fehrensen vom “Social Media Watchblog” analysiert in seinem YouTube-Video, wie sich die Kontrolle über unsere Informationen grundlegend verändert hat. Er beschreibt die Entwicklung des “Gatekeepings” von klassischen Redaktionen über Plattform-Algorithmen bis hin zu modernen KI-Systemen und deren Folgen für die Gesellschaft: “Warum ist der organische Google-Traffic 2025 global um ein Drittel eingebrochen? Was bedeutet es für unsere Demokratie, wenn die ‘eine richtige Antwort’ der KI das Abwägen überflüssig macht? Diese Fragen beschäftigen gerade ein Drittel der deutschen Redaktionen in internen Strategiemeetings – doch öffentlich spricht kaum jemand darüber.”
Weiterer Hörtipp: Bei “Wind und Wurzeln” denkt Marina Weisband über Social Media und die Schwierigkeit, “wie wir gleichzeitig unsere Kinder und unsere Demokratie retten”, nach: “Marina, die selbst ein ‘Internetkind’ ist, spricht über reale Gefahren und echte Lösungen. Sie macht deutlich, dass Kinder Rechte haben: auf Schutz, auf Information, auf Teilhabe und Mitsprache bei Entscheidungen, die ihr Leben betreffen. Sie berichtet von der Umfrage #beyondthefeed, mit der Schüler:innen nach ihren Erfahrungen und Ideen zu Social Media und möglichen Altersbeschränkungen befragt werden, um ihre Perspektiven in die Politik zu tragen.” (Audio: 50:39 Minuten)

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4. Wie wir Journalisten 2026 ausbilden müssen
(youtube.com, Christian Jakubetz, Video: 34:31 Minuten)
Christian Jakubetz und Julia Walker, Studienleiterin an der Katholischen Journalistenschule ifp, diskutieren darüber, wie Künstliche Intelligenz den Redaktionsalltag und die Ausbildung des journalistischen Nachwuchses grundlegend verändert. Beide sind sich einig, dass der sichere Umgang mit den neuen Technologien inzwischen zum unverzichtbaren journalistischen Handwerk gehört. Kernkompetenzen wie analytische Einordnung, investigatives Arbeiten und der Aufbau von Vertrauen müssten jedoch weiterhin in menschlicher Hand bleiben.

5. “Vielleicht war ich der Letzte” – Rudi Carrell, sein Leben für die Show
(deutschlandfunk.de, Herwig Katzer, Audio: 46:59 Minuten)
Während der Osterpause bietet der Deutschlandfunk-Podcast “Nach Redaktionsschluss” ein Feature über Rudi Carrell. Eine Würdigung, die aber auch die Kritik an dem Showmaster nicht verschweigt: “Bis zu 30 Millionen Menschen saßen vor dem Fernseher, wenn er die Showbühne betrat. Mit Sendungen wie ‘Am laufenden Band’ oder der ‘Rudi Carrell Show’ prägte der Entertainer das deutsche Fernsehen. Vom Publikum verehrt, von Kollegen gefürchtet. Vor 20 Jahren starb Rudi Carrell.”

6. Oliver Welke: Nimmt die Politik Einfluss auf Satire-Shows?
(youtube.com, Bettina Böttinger, Video: 57:21 Minuten)
Bei “Zwischen den Zeilen” spricht Bettina Böttinger mit dem “heute-show”-Moderator Oliver Welke über die Grenzen und Herausforderungen von Satire in Zeiten ständiger politischer und gesellschaftlicher Krisen. Welke betont seinen großen Respekt vor der Arbeit von Politikerinnen und Politikern, kritisiert die zunehmende Verrohung des Diskurses und erklärt, warum er toxische Soziale Netzwerke wie X (ehemals Twitter) strikt meidet.
Weiterer Hörtipp: Wer noch mehr Oliver Welke will: Bei “Kalk und Welk” haben er und Oliver Kalkofe den TV-Moderator und Kabarettisten Christian Ehring zu Gast: “Es geht um gute und schlechte Gags, abgebrochene Studiengänge und ‘Bibi und Tina’-Traumata. Und im 50. Jubiläumsjahr geht es natürlich auch um den großen Geburtstag von extra3 im September.” (ardsounds.de, Audio: 57:38 Minuten)

Orbáns Feinde, Konformismus in den Medien, Ärger mit der Obrigkeit

1. Orbáns Feinde
(taz.de, Florian Bayer)
Florian Bayer beschreibt die prekäre Lage der wenigen verbliebenen unabhängigen Medien in Ungarn kurz vor der anstehenden Parlamentswahl am 12. April. Die Regierung von Viktor Orbán kontrolliere über ein massives “Propaganda-Ökosystem”, finanziellen Druck und das neue “Souveränitätsgesetz” zur Einschüchterung kritischer Journalistinnen und Journalisten fast die gesamte Medienlandschaft. Zwar wecke der starke Oppositionskandidat Péter Magyar bei den letzten freien Redaktionen Hoffnungen auf einen Regierungswechsel. Gleichzeitig würden sie jedoch fürchten, dass bei einer Wahlniederlage Orbáns die Spendenbereitschaft der Leserschaft wegbrechen könnte.

2. Frankreichs Senat stimmt für Social-Media-Verbot für Jugendliche
(zeit.de)
Der französische Senat habe einem Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 15 Jahren zugestimmt. Statt eines pauschalen Verbots sehe der modifizierte Gesetzentwurf nun jedoch vor, künftig lediglich eine per Dekret festgelegte Liste “schädlicher” Plattformen zu blockieren. Für andere Netzwerke solle die elterliche Zustimmung ausreichen. Experten würden diesen Kompromiss kritisieren, da er die Verantwortung vom eigentlichen Verursacher auf die Eltern abwälze.

3. Giovanni di Lorenzo über Konformismus in den Medien
(youtube.com, Matze Hielscher, Video: 1:31:54 Stunden)
Im “Hotel Matze” hat sich Gastgeber Matze Hielscher mit Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der “Zeit”, unterhalten: “Ich wollte von ihm wissen, wo die Fehler der Medien liegen und was er aus Jahrzehnten im Journalismus gelernt hat. Wir sprechen über Nähe und Distanz, über den Menschen hinter dem Chefredakteur, und darüber, wie man lernt, im Leben geschätzte Dinge loszulassen.”

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4. Warum der Gang in den Kohlenkeller lohnt
(mediummagazin.de, Markus Wolsiffer)
Markus Wolsiffer beschreibt die Rolle von Bürgermedien und Offenen Kanälen als unverzichtbare dritte Säule der deutschen Medienlandschaft. Am Beispiel seiner ehrenamtlichen Arbeit beim “Wormser Montags-Magazin” während des Landtagswahlkampfs in Rheinland-Pfalz zeigt er auf, wie wichtig diese werbefreien und redaktionell unabhängigen Plattformen für die demokratische Vielfalt seien, da hier auch kleinere Parteien ausreichend Gehör fänden. Bereits seit 1984 würden Offene Kanäle den basisdemokratischen Gedanken umsetzen, Konsumenten zu aktiven Produzenten zu machen.

5. Immer Ärger mit der Obrigkeit
(verdi.de, Gisela Wehrl)
Im Interview mit dem Medienmagazin “M” spricht der Jurist und leitende “SZ”-Redakteur Ronen Steinke über sein neues Buch über die “Meinungsfreiheit”. Er warnt darin, dass der Staat im Kampf gegen Hassrede zunehmend über das Ziel hinausschieße und unbequeme Meinungen kriminalisiere. Steinke kritisiert zudem eine juristische Doppelmoral, bei der harmlose Spötteleien gegen Spitzenpolitikerinnen und -politiker streng verfolgt würden, während die überlastete Justiz bei echten Bedrohungen gegen Normalbürger oft untätig bleibe. Gleichzeitig weist er das rechte Lamento, man dürfe “nichts mehr sagen”, als reine Wehleidigkeit zurück.

6. Klage der Penguin Random House Verlagsgruppe gegen OpenAI
(urheber.info)
Die Verlagsgruppe Penguin Random House habe eine Urheberrechtsklage gegen das KI-Unternehmen OpenAI eingereicht, da die Werke ihres Autors und Illustrators Ingo Siegner unrechtmäßig für das Training des KI-Systems ChatGPT genutzt worden seien. Laut dem Verlag lägen die geschützten Text- und Bildinhalte als sogenannte “Memorisierung” im Sprachmodell vor und würden bereits auf einfache Anfragen der Nutzerinnen und Nutzer unerlaubt vervielfältigt und öffentlich wiedergegeben.

Kriminalstatistik in Medien, Lokales Zeitungssterben, “Heimatstrom”

1. Lokalmedien: Vorsicht, Lückenfüller!
(netzwerkrecherche.org)
Das Netzwerk Recherche warnt in seinem neuen Report (PDF) davor, dass das Zeitungssterben im ländlichen Raum gefährliche publizistische Lücken hinterlasse. Am Beispiel einer thüringischen Region zeige sich, dass diese Leerstellen zunehmend von kommunaler PR, polemischen Gratisblättern und AfD-nahen Portalen gefüllt würden. Als Gegenmittel fordern die Studienautoren eine stärkere Förderung der Medienkompetenz sowie den Aufbau regionaler Rechercheverbünde und verlässlicher digitaler Lokalformate.

2. Kriminalstatistik: Wie Medien Zahlen falsch einordnen
(ardsounds.de, Linus Lüring & Andreas Strobel, Audio: 28:12 Minuten)
Im Podcast “BR24 Medien” geht es um die Polizeiliche Kriminalstatistik und die Einordnung der Zahlen durch Medien: “Was zeigt die Polizeiliche Kriminalstatistik tatsächlich – und was eben nicht? Warum spielt das ‘Lüchow-Dannenberg-Syndrom’ eine wichtige Rolle? Was ist problematisch, wenn es um die Zahlen nichtdeutscher Tatverdächtiger geht? Und generell: Wie können wir besser über Kriminalität berichten?”

3. Nach Streik: DJV und ver.di erzielen Tarifeinigung mit der dpa
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Das Medienmagazin “DWDL” berichtet, dass sich die Gewerkschaften DJV und Verdi nach einem Warnstreik mit der Nachrichtenagentur dpa auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt hätten. Demnach sollen die Gehälter der Beschäftigten im laufenden Jahr in zwei Stufen um insgesamt 200 Euro monatlich und ab Mitte 2027 um weitere 2,5 Prozent steigen, wovon Volontärinnen und Volontäre sowie Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger besonders stark profitieren würden.

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4. Australien ermittelt gegen Tech-Konzerne wegen Verstößen gegen Social-Media-Verbot
(spiegel.de)
Australische Behörden würden aktuell gegen fünf große Tech-Konzerne (darunter Meta, TikTok und YouTube) ermitteln, weil diese das seit Dezember geltende Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren nicht konsequent genug umsetzen würden. “Am Anfang haben die meisten Plattformen die nötigen Schritte eingeleitet. Aber unsere jüngsten Beobachtungen zeigen, dass manche Firmen nicht genug tun, um dem australischen Recht zu folgen”, so eine Vertreterin der zuständigen Aufsichtsbehörde.

5. Onlinekultur und digitales Pathos
(taz.de, Hilka Dirks)
Hilka Dirks befasst sich mit der Buchvorstellung des Kunsthistorikers Wolfgang Ullrich, der in seinem neuen Werk “Memokratie” die demokratiegefährdende Macht von Memes und autoritärer Bildpolitik untersuche. Ullrich argumentiere, dass die Ära des dokumentarischen Bildes als verlässlicher Tatsachenbeleg endgültig vorbei ist und sogenannte “Meme-Warriors” weitreichenden politischen Einfluss ausüben.

6. Die 15 witzigsten “Heimatstrom”-Memes – und wie sie Rechte entlarven
(volksverpetzer.de, Thomas Laschyk)
Beim “Volksverpetzer” schaut Thomas Laschyk auf einen aktuellen Social-Media-Trend, bei dem KI-generierte Bilder im Stil historischer NS-Propaganda ironisch für erneuerbare Energien werben. Diese satirischen “Heimatstrom”-Memes würden darauf abzielen, die Energiepolitik rechter Parteien als widersprüchlich und unpatriotisch zu entlarven. Laschyks Fazit: “Am Ende bleibt die Frage, ob diese Satire der ‘Heimatstrom’-Memes wirklich Meinungen ändert. Oder gar ein Umdenken erreichen könnte bei denjenigen, die sonst gerne auf rechte und fossile Propaganda hereinfallen. Aber vielleicht schärft sie das Bewusstsein bei denen, die noch zweifeln.”

Frauenfeindlichkeit, “El Hotzo” freigesprochen, “Fun Facts”

1. Medien können Frauenfeindlichkeit befeuern
(taz.de, Amélie Richter)
Amélie Richter berichtet über eine große Studie der Universität Bern, die belege, wie stark frauenfeindliche Medieninhalte reale Gewalt befeuern. Die Auswertung zeige ganz klar: Der regelmäßige Konsum von sexistischen Filmen, Liedern oder Social-Media-Beiträgen mache vor allem junge Männer aggressiver und bestärke gefährliche Vorurteile gegenüber Frauen. Um diese fatale Spirale zu stoppen, würden Expertinnen und Experten eine bessere Medienbildung sowie strengere Meldemechanismen auf den Internet-Plattformen fordern.

2. NIUS – Rechtskatholisch-antifeministischer Hang zum Adel
(edelweissnetzwerk.de, Andreas Kemper)
Andreas Kemper beschäftigt sich in seinem Beitrag mit den personellen Verflechtungen des rechten Portals “Nius”. Dieses versammele gezielt rechtskatholische und antifeministische Aktivistinnen und Aktivisten mit einer auffälligen Nähe zum Adel. Als zentrale Personen werden unter anderem der Publizist Alexander Kissler, die Autorin Birgit Kelle sowie die Milliardärin Gloria von Thurn und Taxis genannt. Kemper zeigt detailliert auf, wie tief diese Protagonisten in internationale rechtsextreme, oligarchische und klerikale Netzwerke verstrickt seien.

3. El Hotzo wegen seiner Trump-Tweets rechts­kräftig frei­ge­spro­chen
(lto.de, Max Kolter)
Wie “Legal Tribune Online” berichtet, wurde Sebastian Hotz, bekannt als “El Hotzo”, wegen seiner umstrittenen Tweets zum Attentat auf Donald Trump im Jahr 2024 nun in letzter Instanz rechtskräftig freigesprochen. Die Berliner Staatsanwaltschaft habe Hotz die Billigung von Straftaten vorgeworfen, da er den verfehlten Schuss auf Trump mit einem verpassten Bus verglichen und angemerkt habe, er finde es fantastisch, wenn Faschisten stürben. Das Kammergericht habe geurteilt, dass die Äußerungen als klar erkennbare Satire und “klassischer Fall von Machtkritik” von der Meinungsfreiheit gedeckt seien.

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4. Newsletter Netzwerk Recherche 255
(netzwerkrecherche.org, Lena Wrba & Elisa Simantke)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für investigativ arbeitende Journalistinnen und Journalisten: der Newsletter des Netzwerk Recherche. Die aktuelle Ausgabe beginnt mit einigen Worten von Elisa Simantke, die auf das bevorstehende Jubiläum der Organisation hinweist. Darüber hinaus gibt es einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

5. Gesundheitsmagazine: Es geht auch kritisch, evidenzbasiert und ganz ohne Werbung
(igel-monitor.de, Marcus Anhäuser, Audio: 37:58 Minuten)
In der neuen Folge des “IGeL-Podcasts” widmet sich Moderator Marcus Anhäuser der Schwierigkeit, in der heutigen Medienflut verlässliche und werbefreie Gesundheitsinformationen zu finden. Als aus seiner Sicht positive Gegenbeispiele stellt er die beiden unabhängigen und rein abofinanzierten Magazine “arznei-telegramm” und “Gute Pillen – Schlechte Pillen” vor. In Interviews mit den jeweiligen Blattmachern wird klar, warum diese neuen Medikamenten oft erst einmal skeptisch gegenüberstünden und was auf dem unübersichtlichen Markt für Nahrungsergänzungsmittel derzeit schieflaufe.

6. “Fun Facts” mit Marc-Uwe Kling: Dann lachen wir das eben selbst
(dwdl.de, Peer Schader)
In seiner aktuellen Kolumne berichtet der Medienjournalist Peer Schader über “Fun Facts”, ein neues, von Marc-Uwe Kling und der “Correctiv”-Redaktion gestartetes Online-Nachrichtenformat. Darin würden werktäglich wechselnde prominente Hosts das politische Weltgeschehen aus einer konsequent aktivistischen und linken Perspektive humoristisch einordnen. Schader ist insgesamt recht angetan von dem Format und bezeichnet es als das “vielleicht interessanteste Medienexperiment des Jahres”.

KW 13/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Was dürfen Journalisten anderen Medien glauben?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 23:34 Minuten)
Die Berichterstattung über die im “Spiegel” geäußerten Vorwürfe von Collien Fernandes gegenüber ihrem Ex-Mann Christian Ulmen sei nicht einfach und verlange anderen Medien eine “eigenständige Prüfung” ab. “Aber was genau heißt eigentlich ‘eigenständig prüfen’ und wie weit reicht dieser Anspruch? Wird jede Berichterstattung über eine Verdachtsberichterstattung unweigerlich auch zu einer solchen? Und war die mediale Zurückhaltung in diesem Fall womöglich größer als bei früheren Recherchen zu vergleichbaren Fällen?” Darüber spricht Holger Klein mit dem Investigativjournalisten Jonathan Sachse.

2. Deepfake Deepdive mit Dr Eckart von Hirschhausen
(youtube.com, Chan-jo Jun & Eckart von Hirschhausen, Video: 47:10 Minuten)
Der Anwalt Chan-jo Jun und der Arzt Eckart von Hirschhausen besprechen die massiven juristischen Lücken bei der strafrechtlichen Verfolgung von Deepfakes. Jun kritisiert, dass sich Tech-Konzerne wie Meta weiterhin aus der Haftung zögen, weshalb der aktuell geplante Straftatbestand gegen digitale Fälschungen, der sogenannte “Hirschhausen-Paragraph”, aus seiner Sicht dringend nachgebessert werden müsse. So dürfe etwa die bloße Kennzeichnung eines KI-Fakes als Satire nicht vor Strafe schützen. Auch die hohe Hürde einer zwingend nachzuweisenden “erheblichen Ansehensgefährdung” müsse laut Jun aus dem Gesetzentwurf gestrichen werden.

3. Der Absturz von Instagram
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 23:18 Minuten)
In seinem aktuellen Video warnt Mats Schönauer vor einer massiven Welle von KI-generierten Fakes und manipulierten Inhalten auf Instagram. Das Spektrum reiche von falschen Influencerinnen über gefälschte Hochzeitsfotos bis hin zu manipulierten Kriegsvideos. Anhand konkreter Beispiele zeigt er, wie leicht sich Millionen von Nutzerinnen und Nutzern in die Irre führen lassen, und erklärt, wie man solche Fälschungen durch das Erkennen von Logikfehlern, genaue Beobachtung oder den Einsatz von Erkennungstools entlarven kann.
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

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4. Wenn Welten aufeinanderprallen
(deutschlandfunk.de, Stephan Beuting, Audio: 38:33 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, ob die Präsenz des Deutschlandfunks auf der Unterhaltungsplattform TikTok angemessen ist. Es diskutieren DLF-Hörer und TikTok-User Christian Stein, Journalistin Jenni Repp und Medienforscher Henning Eichler.

5. Macht, Medien, Müdigkeit – Wie stabil ist die amerikanische Demokratie noch?
(spotify.com, Christian Jakubetz, Audio: 43:46 Minuten)
Im Podcast “Satzzeichen” ist Klaus Brinkbäumer zu Gast, Journalist, Ex-“Spiegel”-Chefredakteur und ehemaliger MDR-Programmdirektor. Brinkbäumer hat gerade das Buch “Der amerikanische Albtraum” veröffentlicht: “Im Zentrum stehen Netzwerke hinter Trump und die Frage, wie real die Gefahr eines autoritären Umbaus ist. Brinkbäumer erklärt, warum die kommenden Wahlen entscheidend sein könnten und was der Zustand der US-Medien über Anpassung, Angst und Erschöpfung verrät.”

6. “Erfolgreich Radio machen” – Ein Interview mit Yvonne Malak
(dfjv.de, Nadine Zeidler, Audio: 11:44 Minuten)
In der aktuellen Folge des “Fachjournalist”-Podcasts dreht sich alles um die Frage, wie erfolgreiches Radio heutzutage funktioniert. Im Interview mit Nadine Zeidler erklärt die Radio-Trainerin Yvonne Malak, dass vor allem Persönlichkeit, starkes Storytelling und das richtige Tempo entscheidend seien. Darüber hinaus geht es um typische rhetorische Fallen, das spezifische Schreiben fürs Sprechen und berufliche Perspektiven für Fachjournalistinnen und -journalisten im Hörfunk.

Verdacht ist nicht Gleichsetzung, Klarnamenpflicht, Strafrechtsfalle

1. Verdacht ist nicht Gleichsetzung
(taz.de, Johannes Eisenberg)
Der Medienanwalt Johannes Eisenberg verteidigt in seinem Beitrag die umfassende Berichterstattung im Fall von Collien Fernandes und Christian Ulmen. Er betont, dass sich dieser Fall deutlich von früheren Skandalen unterscheide, da hier handfeste Belege wie Zeugenaussagen, E-Mails und mutmaßliche Tonaufnahmen vorlägen, die den Verdacht massiv stützen würden. Andere Medien dürfen laut Eisenberg die Recherchen des “Spiegel” übernehmen, solange sie sachlich bleiben, nicht vorverurteilen und dem Beschuldigten stets selbst die Chance zu einer eigenen Stellungnahme geben.
Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator die Berichterstattung: “‘Es gilt die Unschuldsvermutung.’ Das sind die vier Wörter, die in den letzten Tagen in fast jedem Artikel über den Fall Fernandes/Ulmen stehen. Und dieser Satz sei ja nicht falsch, sagt Lorenz Meyer. Er sei das Fundament unseres Rechtsstaats. Aber er sei oft eingebettet in einen Text, der das genaue Gegenteil transportiere.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:48 Minuten)

2. Stefanie Hubig lehnt Klarnamenpflicht im Internet ab
(zeit.de)
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) erteile den im Zuge des Falls von Collien Fernandes laut gewordenen Forderungen nach einer gesetzlichen Klarnamenpflicht im Internet eine klare Absage. Sie betone, dass Anonymität im Netz aus vielen legitimen Gründen unerlässlich bleibe. Um Täter bei digitaler Gewalt dennoch konsequent zur Rechenschaft ziehen zu können, setze die Ministerin stattdessen auf eine nachträgliche Identifizierung durch die dreimonatige Speicherung von IP-Adressen. Parallel dazu wolle ihr Ministerium noch in dieser Woche einen neuen Gesetzentwurf ins Kabinett einbringen, der unter anderem die Erstellung sexualisierter Deepfakes gezielt unter Strafe stelle.

3. Deepfakes und die Strafrechtsfalle
(verfassungsblog.de, Aziz Epik)
Strafrechtsprofessor Aziz Epik warnt davor, das Problem sexualisierter Deepfakes ausschließlich durch schnelle Verschärfungen des Strafrechts lösen zu wollen. Zwar räumt er ein, dass es unbestreitbare rechtliche Schutzlücken gebe, doch hastig formulierte Gesetze seien fehleranfällig und würden der juristischen Komplexität des Themas nicht gerecht. Epik argumentiert, dass digitale Gewalt tief in strukturellen, patriarchalen Problemen verwurzelt sei, die sich nicht allein durch die strafrechtliche Verfolgung von Einzeltätern beheben lassen würden.

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4. Strapazierter Journalismus: Anfeindungen und strukturelle Belastungen von Journalist:innen in Deutschland
(ecpmf.eu, Patrick Peltz & Yann Rees)
Eine neue Studie des European Centre for Press and Media Freedom und der Universität Bielefeld befasst sich mit der Belastung von Journalistinnen und Journalisten in Deutschland. Die Ergebnisse würden zeigen, dass wiederkehrende Anfeindungen und Drohungen im Berufsalltag vermehrt zu redaktioneller Selbstzensur führen. Gleichzeitig würden Medienschaffende unter einem massiven strukturellen und ökonomischen Druck leiden. Die Folgen: Arbeitsverdichtung, Qualitätsverlust und Abwanderungsgedanken.

5. Terrorpropaganda und Gewaltvideos auf Knopfdruck – OpenAI macht Sora dicht
(ohje-internet.de, Karolin Schwarz)
Karolin Schwarz kommentiert die Entscheidung der ChatGPT-Mutter OpenAI, ein Tool zur Generierung von KI-Videos einzustellen: “Wer solche Inhalte erzeugen will, wird auch bei anderen Slop-Fabriken auf dem Markt fündig. Dass einer der Marktführer sein Tool nun einstellt, ist unter den beschriebenen Gesichtspunkten und insbesondere mit Blick auf die mangelhaften Moderationspraktiken allerdings kein Verlust.”

6. Meta und YouTube sollen einer Social-Media-Süchtigen drei Millionen Dollar zahlen
(spiegel.de)
In einem wegweisenden Prozess in den USA seien die Tech-Giganten Meta und Google zu Schadensersatz in Millionenhöhe verurteilt worden. Die Konzerne hätten fahrlässig gehandelt und nicht ausreichend über das immense Suchtpotenzial ihrer Plattformen wie Instagram und YouTube aufgeklärt. Geklagt habe eine 20-jährige Frau, die ihre schweren Depressionen und Angstzustände auf die bewusst suchtsteigernde Gestaltung der Netzwerke, etwa durch endloses Scrollen, zurückführe.

KW 12/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Haben Medien im Kampf gegen KI-Fakes schon verloren?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 27:45 Minuten)
In der aktuellen Podcast-Folge von “Holger ruft an” spricht Holger Klein mit der Deepfake-Expertin Anika Gruner, Mitgründerin des Start-ups Neuramancer AI Solutions, über die wachsende Gefahr durch unerkannte KI-Fakes im Journalismus. Anhand aktueller Fehler großer Medienhäuser wie dem “Spiegel” und dem ZDF gehen die beiden der Frage nach, warum Fälschungen zunehmend schwerer zu enttarnen sind. Zudem geht es in dem Gespräch darum, wie Erkennungs-Software Redaktionen künftig dabei helfen kann, manipulierte Bilder und Videos rechtzeitig zu identifizieren.
Weiterer Hörtipp: Beim österreichischen “Falter” erklärt ORF-Faktencheckerin Eva Wackenreuther, “wie man Bilder in Zeiten von KI auf ihre Echtheit prüft”: Kriegsfotos: Fact-Checking als Katz- und Mausspiel (falter.at, Eva Konzett, Audio: 29:37 Minuten).
Weiterer Gucktipp: Auf YouTube verkündet Chan-jo Jun: “Wir haben es geschafft: Herstellung von DeepFakes wird verboten!”: “Seit mehr als einem Jahr kämpfen HateAid, Marc-Uwe Kling, Eckart von Hirschhausen und über 400.000 Unterstützer dafür, dass es endlich wirksamen Schutz vor Deepfakes gibt. Die Bundesregierung war erst zögerlich und hatte uns dann immer wieder vertröstet, aber durch Collien Fernandes und die vorangegangenen Eskapaden von Musk wurde das Thema so dringend, dass es jetzt doch noch schnell auf die Agenda kam.” (youtube.com, Chan-jo Jun & Jessica Flint, Video: 10:41 Minuten)

2. Synchronsprecher packt aus: KI wird unsere Jobs zerstören?!
(youtube.com, Charles Rettinghaus, Video: 59:24 Minuten)
Bei “Hollywoodgeflüster” hat der Gastgeber und Synchronregisseur Charles Rettinghaus den Nachwuchsschauspieler und Synchronsprecher Oliver Szerkus zu Gast. Die beiden diskutieren intensiv über die wachsende Bedrohung für Sprecherinnen und Sprecher durch KI-Technologien sowie über veränderte mediale Konsumgewohnheiten durch Plattformen wie TikTok. Außerdem geht es um die Frage, wie die emotionale, menschliche Komponente in der Kunst zukünftig ihren Wert behalten kann.

3. Weimers Republik: Wie der Staatsminister Kultur zur Gesinnungsfrage macht – und warum der Staat auch extreme Kunst fördern sollte
(lagedernation.org, Philip Banse & Ulf Buermeyer, Audio: 1:56:15 Stunden)
Im Politik-Podcast “Lage der Nation” tauschen sich Philip Banse und Ulf Buermeyer wöchentlich über die wichtigsten politischen Geschehnisse aus. Dabei geht es auch um die diversen Skandale rund um Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und die Frage: Wie kann und wie darf der Staat Kultur fördern? (siehe die entsprechenden Kapitelmarken)
Weiterer Gucktipp: 3sat-“Kulturzeit”: Eklat um Buchhandlungspreis: Greift Kulturstaatsminister Weimer die Demokratie an? (youtube.com, Lotar Schüler & Jochen Werner & Vivian Perkovic, Video: 9:07 Minuten)

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4. Zwischen Klischee und Klassismus – wie Medien über Armut berichten
(thisismedianow.podigee.io, Lukas Schöne, Audio: 44:56 Minuten)
Im Gespräch zwischen Lukas Schöne und der freien Journalistin und Autorin Brigitte Theißl aus Österreich geht es um die Darstellung von Armut in Medien. Die beiden diskutieren darüber, warum armutsbetroffene Menschen im Journalismus häufig stereotypisiert oder auf klischeehafte Aufsteigergeschichten reduziert werden, anstatt die strukturellen Ursachen von Armut zu beleuchten. Theißl gibt zudem konkrete Tipps für eine sensiblere Berichterstattung.

5. Seine Abrechnung mit ZDF ging schief
(youtube.com, Rezo, Video: 1:00:53 Stunden)
Rezo hat sich mit dem YouTuber Ben (Kanal “{ungeskriptet} by Ben”) und dessen Aussagen nach einem Auftritt im ZDF-Format “13 Fragen” auseinandergesetzt. Er analysiert Bens Argumentationsweise und wirft ihm systematische Widersprüche sowie die Nutzung von Strohmann-Argumenten vor. Außerdem erkenne Ben wissenschaftliche Fakten nur dann an, wenn sie in sein Weltbild passen würden, und biete Extremisten unkritisch eine Plattform.

6. Vergessen Medien das Völkerrecht?
(deutschlandfunk.de, Sascha Wandhöfer, Audio: 28:49 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, ob Medien selektiv das Völkerrecht “vergessen” wie zum Beispiel beim Angriff auf den Iran. Es diskutieren DLF-Hörer Wolfram Friedrichs, DLF-Nachrichtenchef Marco Bertolaso und Medienforscherin Carola Richter von der FU Berlin.

Weltkugel gegen Weimer, “Nius” und Frauenhass, Kaum Reichweite auf X

1. “Zur Schwan­kenden Welt­kugel” mahnt Weimer wegen Inter­view ab
(lto.de, Annelie Kaufmann)
Die Inhaberinnen der Berliner Buchhandlung “Zur schwankenden Weltkugel” würden sich nun juristisch gegen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wehren und eine strafbewehrte Unterlassungserklärung fordern. Grund dafür sei ein aktuelles Zeitungsinterview, in dem Weimer die vom Buchhandlungspreis ausgeschlossenen Läden öffentlich als “politische Extremisten” bezeichnet habe. Der Anwalt der Buchhandlung kritisiere diese Wortwahl als rechtswidrige und stigmatisierende Diffamierung, die der Kulturstaatsminister im Falle einer Weigerung vor Gericht mit konkreten Fakten belegen müsse.

2. Kampagne gegen Nius und Frauenhass: Reichelt in die Falle gelockt
(taz.de, Erik Peter)
Das neu gegründete “Edelweiß Netzwerk” habe den “Nius”-Macher Julian Reichelt mit einer fahrbaren Großbildleinwand im Berliner Regierungsviertel gezielt provoziert. Auf der Leinwand seien Schmähzitate gegen ihn präsentiert worden. Reichelt und seine Anhängerschaft hätten sich online sofort lautstark über den vermeintlichen linken Hass empört. Die verwendeten Zitate seien in Wahrheit jedoch aus “Nius”-Kommentarspalten entnommen worden und hätten sich ursprünglich gegen prominente Frauen gerichtet.

3. Ramadan-Luxusbuffet erfunden: NIUS blamiert sich wieder mit Fake-Story!
(volksverpetzer.de, Thomas Laschyk)
Das Portal “Nius” habe laut “Volksverpetzer” eine gezielte Falschmeldung über ein angeblich steuerfinanziertes “Ramadan-Luxusbuffet für Bürgergeldempfänger” in der Dortmunder Arbeitsagentur verbreitet. Recherchen von t-online.de hätten den Vorfall jedoch rasch aufgeklärt: Die neue, selbst nicht muslimische Kantinenpächterin habe die rein weltliche Eröffnungsfeier als Werbeaktion komplett aus eigener Tasche bezahlt.

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4. Wenig Reichweite, viel Hass
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Eine aktuelle Analyse des Zentrums für Digitalrechte und Demokratie zeige, dass deutsche Bundesministerien und Behörden auf der Plattform X (ehemals Twitter) kaum noch nennenswerte Reichweiten erzielen. Viele staatliche Stellen würden ihre Präsenz mit ihrem verfassungsrechtlichen Informationsauftrag begründen. In der Realität würden ihre Beiträge jedoch nur minimale Interaktionsraten im einstelligen Prozentbereich verzeichnen: “Die meisten untersuchten Accounts der Bundesministerien haben unter 200.000 Follower:innen und erzeugen kaum Resonanz.”

5. “Leipziger Appell zur Freiheit und Unabhängigkeit der Medien”
(mdr.de)
Der öffentlich-rechtliche MDR habe gemeinsam mit zahlreichen Institutionen aus Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur einen “Leipziger Appell zur Freiheit und Unabhängigkeit der Medien” veröffentlicht. Die Initiative wolle ein starkes Signal für den uneingeschränkten Zugang zu Informationen setzen und betonen, dass jeder Angriff auf die Informationsfreiheit unweigerlich auch das demokratische Gemeinwesen angreife.

6. Facts and Fantasy
(journalist.de, Hilmar Poganatz)
Der Journalist Hilmar Poganatz berichtet, dass immer mehr öffentliche-rechtliche Medienhäuser wie BR und SWR sogenannte Pen-and-Paper-Rollenspiele als innovatives, auch journalistisches Format entdecken. Durch diese live auf Plattformen wie Twitch und YouTube gestreamten Spielrunden würden sich komplexe oder historische Themen stark emotionalisieren lassen. Dadurch erreiche man gezielt jene “Digital Natives”, die klassische Nachrichtenangebote mittlerweile oft meiden.

Buhrufe für Weimer, Wegner vs. “Tagesspiegel”, Von Interesse

1. Buhrufe für Weimer bei Buchmesse-Eröffnung
(tagesschau.de)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sei bei seiner Eröffnungsrede auf der Leipziger Buchmesse vom Publikum lautstark ausgebuht, sein Auftritt von massiven Protesten vor dem Gebäude begleitet worden. Grund dafür sei sein umstrittener Ausschluss dreier linker Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis aufgrund geheimer Erkenntnisse des Verfassungsschutzes. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels habe gewarnt, die Branche lasse sich durch solche politischen Interventionen weder einschüchtern noch spalten.

2. Abstreiten, angreifen, ablenken
(taz.de, Timm Kühn)
Berlins Bürgermeister Kai Wegner (CDU) drohe dem “Tagesspiegel” mit einer Klage, nachdem die Redaktion gravierende Widersprüche bei Wegners Krisenmanagement während eines großen Stromausfalls nach einem Brandanschlag aufgedeckt habe (beim “Tagesspiegel” nur mit Abo lesbar). Wegner habe seinen umstrittenen Ausflug auf den Tennisplatz zunächst mit vielen intensiven Telefonaten am Vormittag gerechtfertigt, was die vom “Tagesspiegel” per Klage erstrittenen Dokumente der Senatskanzlei jedoch widerlegt hätten. “taz”-Redakteur Timm Kühn hält die Klageandrohung für ein gezieltes, populistisches Ablenkungsmanöver.

3. Wer auf­taucht, ist von Inter­esse
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Das Landgericht Frankfurt am Main habe einen Unterlassungsantrag der deutschen Unternehmerin Nicole Junkermann abgewiesen und damit entschieden, dass Medien des Axel-Springer-Verlags rechtmäßig über Junkermanns Kontakte zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein berichten durften. Felix W. Zimmermann kommentiert: “Nicht jede private Kommunikation mit Epstein ist von überwiegendem öffentlichem Interesse – fraglos aber jene, die zeigt, wie Personen in Epsteins Netzwerk seine Taten relativieren, verharmlosen oder unterstützen und Einblicke in Strukturen, Mechanismen und Verantwortlichkeiten eines solchen Machtgefüges ermöglicht.”
Weiterer Lesetipp: Gericht weist Lilly Beckers Klage gegen Springer-Verlag ab: “Lilly Becker warf »Bild«-Unterhaltungschefin Tanja May Vertragsbruch vor und zog vor Gericht. Nun wurde Ihre Forderung nach einer Vertragsstrafe abgelehnt.” (spiegel.de)

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4. “Wir erklären, warum Medien die Fehler machen, die sie machen”
(dfjv.de, Gunter Becker)
Gunter Becker hat sich mit Alexander Graf unterhalten, dem Chefredakteur und Geschäftsführer des Medienmagazins “Übermedien”. Anlass des Gesprächs ist das zehnjährige Bestehen des Onlinemagazins. Graf erklärt im Gespräch die grundlegende Philosophie von “Übermedien”: Man verstehe sich nicht als reines Branchenblatt für Medienschaffende, sondern wolle in erster Linie dem normalen Publikum erklären, wie Medien funktionieren und warum dort regelmäßig Fehler passieren.
Weiterer Lesetipp: Bei “turi2” hat Björn Czieslik mit Frederik von Castell, dem Chefredakteur des “medium magazins”, über die umfassende strategische Neuausrichtung des Fachblatts gesprochen. Die Publikation wandle sich zum Digitalmedium: “Als ich 2024 beim ‘medium magazin’ losgelegt habe, wussten wir auch alle: Wir wollen viel mehr sein. Es passt nicht mehr zu den Wünschen unserer Abonnentinnen und Abonnenten, zu unserem Anspruch als Redaktion, alle zwei, drei Monate zu erscheinen.” (turi2.de)

5. POP: Sechs europäische Organisationen bündeln Kräfte gegen Desinformation
(correctiv.org)
Sechs europäische Organisationen, darunter die Redaktion von “Correctiv”, hätten das EU-finanzierte Projekt “POP” ins Leben gerufen, um die Medienkompetenz in ländlichen Regionen sowie bei älteren Menschen in Deutschland, Italien, Kroatien und Spanien gezielt zu stärken. Hintergrund sei die wachsende Gefahr durch Desinformation und KI-Fakes. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, plane die Initiative ab dem Frühjahr 2027 in europaweit 20 ländlichen Regionen zweitägige Pop-Up-Events.

6. Der größte Scam Deutschlands (den alle ignorieren)
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 27:24 Minuten)
Mats Schönauer hat sich einer bemerkenswert großen Herausforderung gestellt: “Seit Jahrzehnten verdienen sie Milliarden damit, die Privatsphäre von Menschen zu verletzen und gutgläubige Leserinnen zu betrügen: die bunten Blätter der Klatschpresse. Ich habe ALLE Titelseiten der deutschen Yellow Press eines ganzen Jahres analysiert – 5.000 Schlagzeilen über 830 Prominente.”
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

7. Reuters enthüllt Banksys Identität
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:33 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator die “Enttarnung” des Künstlers Banksy durch eine Reuters-Recherche: “Die Frage ist doch: Was genau gewinnt irgendjemand, wenn er den bürgerlichen Namen von Banksy kennt? Versteht man dann seine Kunst besser? Nein. Wird die Welt informierter? Nein. Das Einzige, was passiert: Ein Mann, der mächtige Leute kritisiert – Diktatoren, Kriegstreiber, Konzerne -, dieser Mann ist jetzt identifizierbar.”

Weimer sagt ab, Steingarts Vorwurf, TikTok statt Lokalzeitung

1. Kulturstaatsminister Weimer sagt Termine auf Leipziger Buchmesse ab
(spiegel.de)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer habe seinen Besuch auf der Leipziger Buchmesse drastisch verkürzt und alle Termine für den ersten regulären Messetag abgesagt. Er werde lediglich beim feierlichen Eröffnungsakt am heutigen Mittwochabend sprechen. Der traditionelle Messerundgang sowie eine Diskussionsrunde zur Meinungsfreiheit seien gestrichen worden. Hintergrund des Rückziehers sei massive Kritik aus der Kulturbranche an den jüngsten Entscheidungen Weimers.
Weiterer Lesetipp: Tomaten für Wolfram Weimer: “Gibt es ‘verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse’ zu einer Buchhandlung im Bergischen Land südlich von Köln? Wie das skandalöse Vorgehen des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer landauf, landab Kreise zieht.” (campact.de, Matthias Meisner). In der “taz” kommentiert Steffen Grimberg die Entscheidung des Kulturstaatsministers, den Ausbau der Deutschen Nationalbibliothek zu stoppen: Bücher-, ähhh, Bürokratieabbau à la Weimer (taz.de).
Und noch ein Gucktipp: Bei YouTube widmet sich Kabarettist und Satiriker Florian Schroeder dem Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer – der Killer der Kunstfreiheit?! (youtube.com, Video, 11:42 Minuten)

2. Cor­rectiv ver­liert Streit um Kernaus­sage in Potsdam-Bericht
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Wie “Legal Tribune Online” (“LTO”) berichtet, habe die AfD-Politikerin Gerrit Huy mit ihrer Klage gegen “Correctiv” Erfolg gehabt. Das Landgericht Berlin habe unter anderem die Aussage verboten, es sei auf dem Potsdamer Treffen um einen “Masterplan zur Ausweisung deutscher Staatsbürger” gegangen. “LTO”-Chefredakteur Felix W. Zimmermann schreibt dazu: “Das Urteil des LG Berlin II ist ein harter Schlag für Correctiv, aber nicht das Ende des Rechtsstreits. Ein Gang zum Kammergericht in Berlin durch Correctiv ist genauso sicher wie umgekehrt eine Berufungsentscheidung in Hamburg im Fall Vosgerau. Ob die Passagen letztlich verboten werden oder nicht, ist völlig offen.”

3. Rosenfeld sagt sich nach Prostitutionsvorwurf von Steingart los
(dwdl.de, Alexander Krei)
Nach scharfer Kritik von “The-Pioneer”-Chef Gabor Steingart an sogenannten “Host-Read”-Werbespots habe die Journalistin Dagmar Rosenfeld ihre Tätigkeit als Kolumnistin für Steingarts Portal per sofort beendet. Dieser habe die Werbeform, bei der Journalistinnen und Journalisten bezahlte Reklametexte in Podcasts selbst vorlesen, zuvor öffentlich mit Prostitution verglichen. Steingart habe seine Wortwahl daraufhin verteidigt und argumentiert, er greife niemanden persönlich an, halte die gezielte Vermischung von Redaktion und Werbung jedoch für unehrenhaft und “klebrig”. Rosenfelds Podcast-Partner Robin Alexander sei ihr online beigesprungen und habe Steingart im Gegenzug mangelnden Stil und fehlenden Anstand vorgeworfen.

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4. US-Sender wegen Iran-Berichterstattung unter Druck
(tagesschau.de)
Die US-Medienaufsichtsbehörde drohe US-Sendern im Zusammenhang mit deren Berichterstattung über den Iran-Krieg offen mit dem Entzug ihrer Lizenzen. Behördenchef Brendan Carr habe erklärt, dass Sender, die angebliche Falschmeldungen verbreiten, nicht im öffentlichen Interesse handeln würden und ihren Kurs vor anstehenden Lizenzverlängerungen zwingend korrigieren müssten. Medienhäuser und Menschenrechtsorganisationen hätten sich alarmiert gezeigt und die Drohungen verurteilt.

5. TikTok statt Lokalzeitung
(journalist.de, Sonja Peteranderl)
Die Medienberaterin Pauline Tillmann warne davor, dass Lokalzeitungen eine ganze Generation verlieren könnten, wenn sie die Plattform TikTok ignorieren. Da junge Menschen ihre Informationen primär aus Sozialen Netzwerken bezögen und kaum noch klassische Zeitungswebsites besuchen würden, sei eine Social-Media-Präsenz für Medienhäuser heutzutage unverzichtbar. Viele Lokalzeitungen hätten auf TikTok jedoch nur mäßigen Erfolg, was oft an zu schwach besetzten Social-Media-Teams liege. Es gebe jedoch auch Erfolgsbeispiele aus der Praxis.

6. Kleine Unternehmen, großes Engagement: Wie unabhängige Verlage auf dem angespannten Buchmarkt überleben
(tagesspiegel.de, Nadia Gering)
Kleine und unabhängige Buchverlage in Deutschland stünden unter massivem wirtschaftlichem Druck. Die ökonomischen Rahmenbedingungen hätten sich durch stark gestiegene Druck- und Produktionskosten drastisch verschlechtert. Laut Heiko Hartmann, Professor für Publishing Management, fehle großen Buchhandelsketten oft das Interesse an kleinen Nischenanbietern. Daher beziehe deren Zentraleinkauf primär Mainstream-Titel bei großen Konzernverlagen. Die Arbeit der unabhängigen Verlage sei allerdings kulturell unverzichtbar.

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