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“Bild” feuert Büskens

Es war eine ziemlich klare Ansage, die “Bild” da am vergangenen Samstag gemacht hat:

0:1! Fortuna-Trainer am Ende - Büskens fliegt sofort raus!

“Nach BILD-Informationen”, hieß es dort, werde Mike Büskens nicht weiter als Trainer von Fortuna Düsseldorf arbeiten. Oder anders gesagt:

Nach Pyro-Blamage - Fortuna feuert Büskens

Fortunas Manager Wolf Werner sagte zwar gleich, dies sei “eine Falschmeldung, die mir die Zornesröte ins Gesicht treibt”, doch das ignorierte die “Bild am Sonntag” einfach mal, als sie tags darauf ebenfalls berichtete, die Entlassung sei “längst beschlossen”. Auch über den Ablauf des Rauswurfs wusste die “BamS” genau Bescheid:

Mitte der Woche soll die Trennung vom gebürtigen Düsseldorfer vollzogen sein.

Inzwischen haben wir Mitte der Woche. Und siehe da: Fortuna Düsseldorf hat tatsächlich eine Entscheidung bekannt gegeben. Allerdings nicht ganz so, wie “Bild” vorhergesagt hat:

Vorstand und Aufsichtsrat von Fortuna Düsseldorf haben am Dienstagabend in einer gemeinsamen Sitzung die aktuelle sportliche Situation des Vereins intensiv erörtert. Die Gremien sind übereinstimmend zu dem Ergebnis gekommen, dass sie von der Arbeit von Mike Büskens weiterhin überzeugt sind und er Cheftrainer von Fortuna Düsseldorf bleibt.

Mit Dank an Tim, Toby J. und Bernd J.

Tom Cruise, Kunstfund, CNN

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Die Willkür der Huffington Post Deutschland”
(social-secrets.com, Daniel Fürg)
Daniel Fürg beklagt den Umgang der “Huffington Post Deutschland” mit ihren Bloggern: “Blogbeiträge werden völlig willkürlich freigeschalten – ob das einen Tag dauert oder ein paar Stunden weiß niemand. Aber das wäre eigentlich gar kein großes Problem. Viel schlimmer ist, dass die vermeintlich kreativen Blog Editoren Headlines erweitern oder gar umdichten und damit sogar deren Sinn verändern.”

2. “Vom Glauben abgefallen”
(kontextwochenzeitung.de, Roger Repplinger)
Ein Interview mit Medienwissenschaftler Horst Pöttker zur Glaubwürdigkeit von Medien: “Das Fernsehen wirkt glaubwürdiger, weil es mit Bildern arbeitet, die als authentisch gelten, dies aber nicht immer sind. Die Presse gilt als weniger glaubwürdig, weil sie ein schriftliches Medium ist, weil später berichtet wird, nicht in Echtzeit, da sieht man eher, dass die Berichterstattung etwas mit Selektion zu tun hat, mit Perspektiven, aus denen berichtet wird. Ob die Presse tatsächlich weniger glaubwürdig ist, bezweifele ich.”

3. “Tom Cruise verklagt Hamburger Verlag auf 50 Millionen Dollar”
(abendblatt.de)
Tom Cruise verlangt von der Bauer Media Group “insgesamt 50 Millionen Dollar Entschädigung. (…) Jeder Cent, den Cruise durch den Prozess gegen Bauer einnehmen könnte, würde in wohltätige Projekte gehen.”

4. “‘Hartes journalistisches Wettrennen’ um Snowden-Dokumente”
(heise.de/tp, Matthias Monroy)
“Anscheinend haben in Deutschland also lediglich der Spiegel sowie die Süddeutsche Zugriff auf die geleakten NSA-Dokumente”, schreibt Matthias Monroy zu den Dokumenten von Edward Snowden. “Dabei ist nicht einmal klar, ob auch die jeweiligen Chefredakteure Einblick haben oder ob sich die Daten nur im Besitz einzelner Journalisten befinden.”

5. “‘Mei, ich nehm das sportlich'”
(taz.de, Anne Fromm)
“Abendzeitung”-Mitarbeiter Thomas Gautier wusste seit “etwa einem Jahr” vom Kunstfund in München – die “Focus”-Titelgeschichte kam jedoch seiner Story, die “noch nicht vollständig” war, zuvor.

6. “CNN Best Walk Ever”
(thedailyshow.com, Video, 4:23 Minuten)
CNN blendet Werbung ein, während sich ihre Moderatoren vom Tisch zum Sofa bewegen.

Upcoming.de, Rezensionsauszüge, Grüne

6 vor 9

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1. “Hurra, die Zukunft ist da: der Buzzfeed-Klon Upcoming.de startet in Deutschland”
(120sekunden.com, Martin Giesler)
Martin Giesler stellt Upcoming.de vor und fragt nach beim niederländischen Verleger TMG: “We are growing very rapidly in the Netherlands, but our ambitions are much bigger than that. The fact that a concept like upcoming was not present in Germany yet and the large size of the German market, made Germany a logical first step for our international expansion.”

2. “Nutzung von Buchbesprechungen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu Werbezwecken möglich”
(verlag.faz.net, Pressemitteilung)
“Infolge der Reaktionen auf einen Rechtsstreit mit einem Online-Buchhändler” stellt die FAZ klar, dass sie “die Verwendung von Rezensionsauszügen zu Werbe- und Marketingzwecken” gestattet: “Lizenzfrei und ohne gesonderte Genehmigung möglich ist somit die Nutzung von Auszügen aus Rezensionen, die aus bis zu 25 aufeinanderfolgenden Wörtern bestehen. Möglich ist zudem damit ausdrücklich die Verwendung auf Umschlagseiten und in Klappentexten sowie zukünftig die Bewerbung der besprochenen Bücher im Internet.”

3. “Kritik unerwünscht: Newcastle sperrt Journalisten aus”
(sport.de)
Fußball: Aufgrund “zu negativer” Berichterstattung will Newcastle United einige Journalisten von Lokalzeitungen nicht länger an Pressekonferenzen und Spielen zulassen. Siehe dazu auch “We’re sports reporters, Mr Ashley, not media partners — and we’re worth more than you think” (telegraph.co.uk, Luke Edwards, englisch).

4. “Niederlage in der Mediendemokratie – Das grüne Bundestagswahlergebnis 2013”
(boell.de, Ralph Obermauer)
Ralph Obermauer, Referent des Fraktionsvorstands der Grünen, analysiert in einem langen Text die Verluste der Partei bei der Bundestagswahl und kommt darauf, zukünftig die “kommunikativen Machtverhältnisse in Medien und Verbändelandschaft” sorgfältiger zu analysieren: “Sie sind von enormer, wahlentscheidender Bedeutung. (…) Ohne publizistische und zivilgesellschaftliche Unterstützung, ohne starke, flankierende, sozial und ökologisch orientierte Stimmen in Meinungsmacherkreisen kann man gegen Wirtschaftsverbände, Private Krankenversicherungen, Ärzteverbände, Energiekonzerne, Autoindustrie, Chemieindustrie, Bauern, Beamte, hochvermögende Privatleute und Unternehmer in Deutschland keine Wahlen gewinnen. Gegen fast alle Schlüsselmedien und die einflussreichsten Verbände geht einfach nichts. Sollte sich das Meinungsklima in Zukunft nicht verschieben, bleiben profilierte Wahlkämpfe mit starkem Veränderungsanspruch riskant.”

5. “WESER-KURIER Image-Spot 2013”
(youtube.com, Video, 40 Sekunden)
Siehe dazu auch “Kinospot der Berliner Zeitung” (youtube.com, Video, 1:19 Minuten).

6. “7 Twitter Accounts for Outstanding Longreads”
(mashable.com, englisch)

Journalismus auf Irrwegen

Es ist aber auch eine kuriose Geschichte, die die dpa da entdeckt hat. Unter der Überschrift …

Bosnische Fußball-Fans reisen zum Auswärtsspiel ins falsche Land

… tickerte die Agentur in der vergangenen Woche:

Auf der europäischen Landkarte haben mehrere Fußball-Fans aus Bosnien-Herzegowina wohl die Übersicht verloren: Sie wollten ihr Team am vergangenen Dienstag beim entscheidenden letzten WM-Qualifikationsspiel im litauischen Kaunas unterstützen. Doch statt nach Litauen reisten die Fans ins benachbarte Lettland – sie hatten bei der Buchung nicht genau aufgepasst, wohin die Reise geht.

Tja — dumm gelaufen.

Es dauerte nich lange, bis sich auch andere Medien für die Geschichte der “Touristen-Trottel” (Süddeutsche.de) interessierten — so etwa das “Hamburger Abendblatt”, die “Mopo”, tagesschau.de, die “Sächsische Zeitung”, sport1.de, der “Kölner Stadt-Anzeiger”, “NWZonline”, der “General-Anzeiger Bonn”, der “Nordkurier”, die “Rhein-Zeitung”, express.de, die “Saarbrücker Zeitung”, die “Rheinische Post”, die “Nürnberger Zeitung”, die “Main Post”, die “Neue Osnabrücker Zeitung” und und und.

Doch so schön sie auch ist: Die Geschichte der verirrten Fans ist ein Fake.

Sie stammt nämlich ursprünglich von der kroatischen Satire-Seite Novosti24.net. Dort kann man sich gefälschte Artikel generieren lassen, um seine Freunde (oder die Medien) zu veräppeln. Dafür muss man einen Namen sowie Beruf und Herkunftsort eingeben und kann dann aus mehreren vorgegebenen Themen eines auswählen – zum Beispiel, dass [Name] tagelang auf dem Klo eingesperrt war, einen Abend mit Justin Bieber gewonnen hat, sich für den Playboy auszieht oder beim Eurovision Song Contest mitsingt. Oder aber, dass [Name] zusammen mit anderen bosnischen Fußball-Fans aus Versehen nach Lettland statt nach Litauen gefahren ist. Die zuvor eingetippten Daten erscheinen dann im Text, der aussieht, als sei er ein echter Artikel.

Auf unsere Anfrage teilten die Betreiber des Portals mit:

Novosti24.net ist eine Website, um lustige Fake-News zu erstellen, die man seinen Freunden zeigen kann – also ja: Diese Geschichte ist ein Fake von unserer Seite. Nichts in diesem Artikel ist wahr, es ist alles erfunden. Der Text ist in den vergangenen Tagen schon auf etlichen kroatischen/bosnischen/serbischen Zeitungs-Websites aufgetaucht. Es ist wirklich lustig, wie Journalisten in ganz Europa über etwas schreiben, das überhaupt nicht passiert ist. Aber wir sind froh, wenn wir Leute zum Lachen bringen können.

Nachdem wir die dpa darauf hingewiesen hatten, forschte sie noch mal nach und musste schließlich einräumen, dass es nun “deutliche Zweifel” an der Geschichte gebe. Wie uns ein Sprecher erklärte, hätten zunächst verschiedene Medien in Südosteuropa über den Fall berichtet, mit einiger Verzögerung dann aber darauf hingewiesen, dass es sich um einen Scherz handele. Auch im Baltikum sei die Geschichte vielfach aufgegriffen worden, noch dazu mit sehr unterschiedlichen Quellenangaben. Da das alles ein sehr großes Durcheinander sei und die Authentizität der Geschichte nicht abschließend geklärt werden könne, sei die Meldung im dpa-System jetzt gesperrt worden.

Tja — dumm gelaufen.

Mit Dank an Muamer A.

Tebartz-van Elst, Fußball, Hautnah

6 vor 9

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1. “Wem nutzt die Hatz auf Tebartz?”
(cicero.de, Alexander Kissler)
Alexander Kissler stuft die Flut von aktuellen Berichten über den Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, als “mediales Empörungsgeheul” ein. Medien würden die “Maßlosigkeit des Maßlosen” verdoppeln: “Mittlerweile taugt es zur Schlagzeile, wenn der Bischof von Limburg etwas nicht tut. Wenn er anders handelt, als die Recherche es ergeben haben will, er einen Flug etwa nach Rom nicht oder später antritt oder einen Brief nicht oder später schreibt. Die Metaebene regiert: Berichtenswert ist, was sich auf Berichte bezieht. Journalismus bedeutet, dass Journalisten über Journalisten schreiben. Die Eskalation schreitet voran.”

2. “Richtigstellung”
(dynamo-dresden.de)
Der Fußballverein Dynamo Dresden kritisiert einen Bericht der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ): “Die SG Dynamo Dresden kritisiert diese unsorgfältige und falsche Berichterstattung der größten Regionalzeitung Deutschlands mit aller Entschiedenheit, denn gerade solche Veröffentlichungen dienen immer wieder dazu, dass ein Zerrbild des Vereins in der überregionalen Medienöffentlichkeit transportiert und durch solchen unseriösen Journalismus verfestigt wird.”

3. “LVZ-Fußballkrieg: Offene Fragen”
(ostfussball.com, om)
Ostfussball.com hat einige Fragen an die Sportredaktion der “Leipziger Volkszeitung”, die zunächst über “Ausschreitungen während des Leipzig-Derbys” schreibt, diesen Bericht dann aber aufgrund einer “fehlerhaften Pressemitteilung der Polizei” zurückzieht.

4. “RTL-2-Magazin ‘Hautnah!’: Nackte Niedertracht”
(spiegel.de, Stefan Kuzmany)
Stefan Kuzmany schaut “Hautnah – Das Promimagazin” auf RTL II. “Ehemalige Trash-TV-Mitwirkende treffen auf Menschen, die deren Wirken im Trash-TV sahen und als vorbildhaft empfinden, und beraten diese nun beim Berühmtwerden im Trash-TV – woraus weiteres Trash-TV entsteht.”

5. “Verschenkt meine Filme!”
(sueddeutsche.de, Fred Breinersdorfer)
Drehbuchautor Fred Breinersdorfer ruft in der Auseinandersetzung um Urheberrechte und Piraterie den Staat zu Hilfe, “um einen lebendigen Markt zu schaffen und die Illegalen endlich auszutrocknen”: “Hier und heute fordere ich den Gesetzgeber auf, mir meine eigenen Internetrechte gegen Vergütung abzunehmen und mich dabei bitte nicht um Erlaubnis zu fragen. Und alle anderen Filmkünstler auch nicht. Ich fordere eine umfassende Zwangslizenz für Filme im Internet.” Siehe dazu auch “Abmahnwahn bei Urheberrechtsverletzungen” (dradio.de, Stephanie Kowalewski).

6. “‘Die Armen haben immerhin Kabelfernsehen und Smartphones'”
(zeit.de, Thorsten Schröder)
Ein Interview mit Ökonom Tyler Cowen zur Veränderung der Arbeit durch technischen Fortschritt: “Die alten Technologien haben die Körperkraft ersetzt. Das führte dazu, dass Leute mehr und mehr in Berufe gewechselt sind, in denen sie ihr Gehirn benutzen. Die Technologien von heute ersetzen das Denken. Wohin die Leute jetzt ausweichen können, um neue Jobs zu finden, ist aber eine viel schwierigere Frage.”

Verfassungsschutz, Shitstorm, Praktika

6 vor 9

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1. “Unter Verdacht”
(sueddeutsche.de, Ronny Blaschke)
Sportjournalist Ronny Blaschke wird informiert, er sei vom Verfassungsschutz beobachtet worden: “Nie wurden meine Veranstaltungen von Partnern organisiert, die wie Rechtsextreme andere Menschen wegen angeborener Merkmale ablehnen, wegen Hautfarbe oder Sexualität. Ich halte das für gesellschaftliche Mindeststandards, nicht für Linksextremismus. Der Verfassungsschutz hat das offenbar anders gesehen.”

2. “It’s Arrested Development”
(juliane-wiedemeier.de)
Juliane Wiedemeier weist darauf hin, dass der Einstieg in den Journalismus auch eine finanzielle Frage ist: “Es ist nicht so, als sei ich nicht der Meinung, spätestens nach dem Studienabschluss sollte man auch ohne Muttis finanzielle Hilfe über die Runden kommen. Aber ich hatte mir blöder Weise in den Kopf gesetzt, Journalistin zu werden, und dachte damals noch, dazu gehöre wohl ein Volontariat. Ohne (unbezahlte) Praktika im Lebenslauf aber kein Volo, kein Volo ohne Auto – und jetzt kommt endlich der Teil, in dem ich mich darüber aufrege, dass unter diesen Bedingungen nur westdeutsche Akademikerkinder in den Beruf kommen, und dass ihm das schadet.”

3. “Wie Journalisten einem Shitstorm standhalten”
(journalist.de, Ellyn Angelotti)
Eine Übersetzung des Texts “How to handle personal attacks on social media” (poynter.org, englisch).

4. “Mehr Publikum wagen”
(medienspiegel.ch, Christof Moser)
“Verleger und Journalisten müssen mehr Publikum wagen”, findet Christof Moser: “Die Medien haben verlernt, ihren Kunden zuzuhören, wenn sie es denn überhaupt je konnten. Das Publikum ist viel zu lange abgeschotteten Medienkartellen ausgeliefert gewesen, als dass seine Meinungen in den Verlagen ernsthaft gefragt gewesen wäre.”

5. “Wahnsinnsquoten und Geldgeschlechter”
(konkret-magazin.de, Barbara Kirchner)
Barbara Kirchner schreibt in Konkret über Männer wie Harald Martenstein, die über Gender schreiben. “Worauf ich hinauswill? Natur- und geisteswissenschaftliche Halbbildung, flankiert von einer Weinerlichkeit, die früher Friedenspfaffen schmückte, ist die neue Vulgärreligion für Meinungsdeppen der Informationsgesellschaft.”

6. “Die grüne Journaille hat versagt”
(cicero.de, Wolfgang Bok)
Die Ergebnisse der Bundestagswahl sieht Wolfgang Bok als “Weckruf für die deutsche Medienlandschaft, die Scheuklappen abzulegen und mit klarem Blick die Wirklichkeit aufzunehmen”.

Michael Hanfeld, taz, Twerk Fail

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Jimmy Kimmel Reveals ‘Worst Twerk Fail EVER – Girl Catches Fire’ Prank”
(youtube.com, Video, 5:06 Minuten, englisch)
Jimmy Kimmel enthüllt die Hintergründe über das am 3. September hochgeladene Video “Worst Twerk Fail EVER – Girl Catches Fire!”, das bereits über zehn Millionen mal angesehen und auch von mehreren Medien aufgegriffen wurde.

2. “FAZ prangert Verschwendung in der ARD an – dabei ist alles noch viel schlimmer”
(udostiehl.wordpress.com)
Udo Stiehl beschäftigt sich mit den “34 – im weitesten Sinne – Sportjournalisten der ARD”, die gemäß Michael Hanfeld in der FAZ zur Wahl des IOC-Präsidenten in Buenos Aires akkreditiert waren.

3. “Monokultur in den Chefetagen”
(taz.de, René Martens)
René Martens blickt auf sich ankündigende Personalwechsel beim WDR: “Als sicher gilt, dass Jörg Schönenborn, seit mehr als einem Jahrzehnt Chefredakteur des WDR Fernsehens, befördert wird. Zudem könnte Jochen Rausch, der Chef des erfolgreichen Radioprogramms 1Live, auf den Hörfunkdirektorenposten klettern. Als geeignet für diesen Top-Job gilt auch Jona Teichmann, Leiterin der Landesprogramme im Hörfunk. Die ist aber ‘ausgerechnet’ (Süddeutsche Zeitung) mit Schönenborn verheiratet. Andere Frauen stehen offenbar nicht zur Debatte.”

4. “… und mit kleinem Penis regiert man schlechter?”
(welt.de, Kritsanarat Khunkham)
Kritsanarat Khunkham stört sich an den “an Bösartigkeit kaum zu überbietenden” Fragen, die Philipp Rösler von der “taz” gestellt wurden. Im Artikel “Rassismus-Streit zwischen Rösler und der ‘Taz'” (welt.de, Thomas Vitzthum) ist weiter zu lesen: “‘Das Interview war keineswegs unter dem Stichwort ‘Hass’ angefragt, wie ‘Taz’-Chefredakteurin Ines Pohl behauptet’, sagte ein Parteisprecher der ‘Welt’. Vereinbarter Schwerpunkt sei vielmehr ‘Stil und Anstand im Wahlkampf’ gewesen.”

5. “Unwahrheiten in der taz”
(alexanderdilger.wordpress.com)
Aufgrund “falscher Tatsachenbehauptungen” schaltet Alexander Dilger einen Anwalt ein, der “die taz abmahnt und die Abgabe einer Unterlassungserklärung sowie einen Widerruf verlangt”. Der Artikel wird gelöscht und mit einer Richtigstellung (“Das war alles falsch. Entschuldigung.”) ersetzt.

6. “Achtjähriges jemenitisches Mädchen stirbt nach Zwangsheirat und erzwungenem Sex – Versuch eines Faktenchecks”
(kyriacou.ch)

B.Z., Bild  

Gericht untersagt “Lolita”-Berichterstattung

Das Sabbern hat ein Ende: Die Springer-Blätter “B.Z.” und “Bild” dürfen nicht mehr über den angeblichen “Lolita-Skandal” berichten. Per einstweiliger Verfügung wurde ihnen gestern untersagt, wesentliche Teile ihrer Berichterstattung weiter zu verbreiten.

Vergangenen Donnerstag hatte die “B.Z.” eine Titelgeschichte veröffentlicht, in der die Boulevardzeitung behauptete, mehrere Spieler von Hertha BSC hätten sich eine 16-jährige Geliebte geteilt. Kronzeugin der Geschichte war das Mädchen selbst. Das Blatt nannte sie “die Hertha-Lolita” und fotografierte sie, passend zum Thema, in Hotpants.

Von dort zog die Geschichte ihre Kreise, allen voran die “Bild”-Zeitung interessierte sich für die intimen Details aus dem Kinderzimmer. Am Freitag, einen Tag nach dem “B.Z.”-Artikel war der “Lolita-Skandal” also auch bei “Bild” Titelthema, Hotpants inklusive.

Doch schon am Donnerstagabend hatte die “Berliner Morgenpost” in ihrer Online-Ausgabe berichtet, dass das Mädchen gelogen habe:

[In einer eidesstattlichen Erklärung des Mädchens] heißt es, sie hätte deren Eltern von dem Interviewtermin mit der Zeitung erzählt. Die Eltern hätten ihr die Teilnahme verboten. Darauf habe sie den Reportern eine gefälschte Unterschrift ihrer Eltern vorgelegt. […]

Außerdem versicherte die Schülerin auch schriftlich, sie hätte die “BZ”-Reporter belogen. Sie habe nie Geschlechtsverkehr mit einem Hertha-Profi gehabt […].

Dennoch legte die “B.Z.” am Freitag nach: Neue Titelgeschichte, neue Hotpants. “Wie ich zum Spielball der Hertha-Profis wurde”.

Am Samstag noch eine Titelgeschichte. Am Sonntag noch eine.

Doch seit gestern Nacht sind sämtlich Artikel zum “Lolita-Skandal” aus den Online-Portalen von “B.Z.” und “Bild” verschwunden. Auf Anfrage teilte uns der Anwalt der Eltern des Mädchens mit, dass er eine einstweilige Verfügung gegen die Berichterstattung erwirkt habe. Insbesondere die vermeintlichen Schilderungen, Auszüge aus Protokollen und die Fotos des Mädchens dürfen nicht mehr verbreitet werden. Das Landgericht Berlin folgte der Argumentation des Anwalts, dass keine Genehmigung der Eltern vorlag. Das allein sei schon ein grober Verstoß gegen das Presserecht.

Übrigens hatte das Mädchen laut “Spiegel” 5000 Euro von der “B.Z.” bekommen. Inzwischen habe sie das Geld an Springer zurückgezahlt.

Die Grünen, IOC, Dagger-Komplex

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Von Politik befreite Interviews mit Politikern. Im Politikteil. Wie seltsam.”
(debattiersalon.de, Marcus Müller)
Ein Interview der “Süddeutschen Zeitung” mit Grünen-Politiker Tarek Al-Wazir: “Es geht im Prinzip in wiederkehrenden Variationen um Macht, deren Abwesenheit (Opposition), Beliebtheit, sowie ob und wie lange man diese Opposition ertragen könne. 20 Fragen lang!”

2. “Medialer Hofknicks für Angela Merkel”
(cicero.de, Petra Sorge)
Angela Merkel erhält eine recht unkritische Berichterstattung, findet Petra Sorge: “Die Journalisten folgten damit unbewusst der PR-Strategie des CDU-Wahlkampfteams. Das will Merkel als ‘Menschen’ zeigen – genau wie die ZDF-Doku übrigens – und präsentiert sie auf der Homepage so apolitisch wie noch nie: Mutti gärtnert, kocht, backt und liebt Kartoffelsuppe.”

3. “‘taz’-Chefredakteurin verhindert kritischen Artikel über Grüne und Pädophilie”
(stefan-niggemeier.de)
Die “taz” vom vergangenen Dienstag lasse den Vorwurf, “eine Art grünes Gegenstück zum ‘Bayernkurier’ der CSU” zu sein, nicht mehr ganz so abwegig erscheinen, schreibt Stefan Niggemeier. “Ganz im Stil eines Ronald Pofalla erklärte sie auf ihrer Titelseite die Diskussion um die pädophilen Verstrickungen der Partei in ihren Anfangsjahren für erledigt. ‘Aufgeklärt!’ jubelte die ‘taz’ in den Farben und mit dem Logo der Grünen”.

4. “Wie die Crowd Journalismus und (manchmal) exklusive Informationen finanzieren kann”
(jensweinreich.de)
Jens Weinreich vermisst Journalisten, die sich für die Wahl des IOC-Präsidenten am 10. September interessieren. “In fast jedes Fußball-Bundesligaspiel, oder eben für so ein Jux-Länderspiel wie gestern zwischen Deutschland und Paraguay, investieren deutsche Medien (insgesamt) viel mehr Geld und Ressourcen als in die Recherche und Berichterstattung zur, noch einmal, wichtigsten Personalie der deutschen Sportgeschichte.”

5. “Aufruhr am Dagger-Komplex”
(echo-online.de, Hans Dieter Erlenbach)
Neben dem Dagger Complex in Griesheim wird eine Drohne beschlagnahmt.

6. “So isses!”
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.com.es, Thomas)

“Bild” gafft hinter den Sichtschutz

Um Menschen in Notsituationen vor den gierigen Blicken anderer zu schützen, versperren Rettungskräfte den Gaffern oft mit Decken oder Tüchern die Sicht.

Vergangene Woche gab es im saarländischen Riegelsberg so einen Fall. Ein stark übergewichtiger Mann musste ins Krankenhaus gebracht werden, doch ein Transport durch das Treppenhaus war nicht möglich. Also wurden Feuerwehr und THW gerufen, die es zuerst mit einer Drehleiter, dann mit einem Kran versuchen wollten, schließlich aber ein Fenster herausbrachen und den Mann mit Hilfe eines Baggers aus seiner Wohnung holten. Die Rettungsaktion dauerte sechs Stunden, Dutzende Helfer waren vor Ort, selbst der Bürgermeister kam zwischendurch mal vorbei, um sich die Sache anzuschauen.

Man kann nur erahnen, wie sich der Patient dabei gefühlt haben muss. Mit nacktem Oberkörper in der Baggerschaufel sitzend, überall Menschen, im Garten ein Krangerüst. Immerhin kamen die erwähnten Decken zum Einsatz, die die Rettungskräfte hochhielten, um den Mann vor den Blicken der Anwohner zu schützen.

Das Problem ist nur, dass auch ein Journalist vor Ort war. Und der hat die Szenen hinter dem Sichtschutz fotografiert und die Fotos dann an die “Bild”-Zeitung verkauft:

Hier wird ein 400-Kilo-Mann mit dem Bagger aus dem Haus geholt

Die Männer mit dem Sichtschutz sind in der Print-Ausgabe nicht zu sehen. Online aber schon:

Vorher musste der Fensterrahmen herausgestemmt werden! - 400-Kilo-Mann mit Bagger aus dem Haus geholt - [Bildunterschrift:] Mit Fingerspitzengefühl und schwerem Gerät befreien die Rettungskräfte [Vorname] L. aus seiner Wohnung, bringen ihn in der Baggerschaufel zum Spezial-Rettungswagen

Wir haben bei der Feuerwehr Riegelsberg nachgefragt, warum sie es zugelassen hat, dass der Fotograf — der übrigens auch für die offiziellen Internetseiten der örtlichen Feuerwehr und des THW arbeitet — hinter den Sichtschutz gelangt und dort auch noch fotografiert. Ein Sprecher antwortete uns, es sei “nicht immer möglich, die Pressefotografen an den Einsatzstellen fern- bzw. aufzuhalten.” Der Fotograf sei in diesem Fall “nicht hinter den Sichtschutz gelangt, sondern verschaffte sich von einer erhöhten Position den Blick auf die dargestellte Situation.”

Danach sehen die Fotos allerdings nicht aus.

Mit Dank an Roland G.

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