Pakistan, Lobbygruppen, Rebellion

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. „Eine Meldung – und ihre Geschichte“
(blog.zeit.de/kabul, Ronja von Wurmb-Seibel)
Die Geschichte hinter der dpa-Meldung „Pakistan: Zwei Berliner Brüder festgenommen“: „Im Bus gibt es dann englischsprachige Zeitungen zu lesen und auf Seite zwei entdecken wir die Schlagzeile über unser Ergreifen, maßlos übertrieben und wenig informativ. (…) Eine ganze Reihe deutscher Medien hat diese fälschliche Schlagzeile reproduziert, teilweise noch pikanten Details verfeinert.“

2. „Qualitätsjournalismus Fehlanzeige: Journalisten als Lobbyisten“
(meedia.de, mit Video, 6:48 Minuten)
Die ZDF-Sendung „Die Anstalt“ zeigt Verflechtungen deutscher Journalisten mit Lobbygruppen auf. „In der Mitgliederliste der Atlantik-Brücke, der u.a. Bild-Chef und -Herausgeber Kai Diekmann vorsitzt, tauchen neben ‚heute‘-Anchor Claus Kleber auch Theo Koll, noch Politbarometer-Experte und bald Leiter des ZDF-Studios in Paris, und Grünen-Politiker Cem Özdemir auf, der den stv. Vorsitz des ZDF-Fernsehrates inne hat.“

3. „Rebellion unter den Lesern“
(medienblog.blog.nzz.ch, Rainer Stadler)
Die Meinungsvorherrschaft der Journalisten zerbröckle, stellt Rainer Stadler fest angesichts der breiten Kritik von Lesern, Journalisten würden im Konflikt um die Ukraine „die Ereignisse einseitig aus westlicher Optik darlegen und bewerten“: „Ich bezweifle allerdings, dass diese Erkenntnis ins Bewusstsein vieler professioneller Informationsverarbeiter gedrungen ist. Der Wille, die Rebellion im Publikum ernst zu nehmen, ist kaum vorhanden.“ Siehe dazu auch „Der Westen und die Massenmedien sind zu tadeln!“ (nzz.ch, Lorenz König).

4. „Im Abseits“
(sueddeutsche.de, Ralf Wiegand)
Insgesamt zwei gedruckte Interviews mit Pep Guardiola sind erschienen, seit dieser Trainer des FC Bayern München ist. „Viele Vereine aber führen intern schon Diskussionen, wozu man Sportjournalisten in den Stadien überhaupt noch braucht – wenn man doch alles selber machen kann.“

5. „Fünf Jahre taz-Hausblog: So viel Transparenz wie bei keiner anderen Zeitung“
(blogs.taz.de/hausblog, Sebastian Heiser)
Das „taz“-Hausblog feiert den 5. Geburtstag: „Als Student hatte ich das Blog spiegelkritik.de betrieben, das sich am Spiegel und Spiegel Online abarbeiten wollte, aber leider nie das Niveau des großen Vorbilds bildblog.de erreicht hat. Noch mehr als über die journalistischen Fehler im Spiegel habe ich mich über den Umgang mit ihnen geärgert. Genauer: Den Nicht-Umgang. Die Journalisten – gerade beim Spiegel – dachten, es sei für ihre Arbeit essenziell, einen Nimbus der Unfehlbarkeit zu verbreiten und keine Fehler zuzugeben. Das ärgerte mich als Leser. Ich fand, Journalisten müssten mal von ihrem hohen Ross runterkommen, ihre Arbeit transparenter machen und sich der Kritik stellen. Und dann wechselte ich die Seiten.“

6. „Die fünf Erfolgsfaktoren von mobilen Newsplattformen: Boulevard, Reichweite auf Social Media, Viralität, Originalität und neue Werbeprodukte“
(svenruoss.ch)