Hertha BSC Berlin hat sich gestern von Trainer Lucien Favre getrennt. Eine willkommene Gelegenheit für “Bild”, eine Frage zu stellen:
Eine Frage mit Geschichte, denn wann immer in Deutschland oder weiten Teilen der bekannten Welt ein Trainer entlassen wird, sieht “Bild” Lothar Matthäus als Nachfolger. Im Profifußball gibt es kaum einen Verein, mit dem der “Bild”-Intimus nicht schon in Verbindung gebracht wurde. Die folgende Liste ist daher sicher unvollständig:
Als im Sommer zahlreiche Trainerposten neu besetzt werden mussten, druckte “Bild” “als Service” die Namen von 50 Trainern die gerade frei waren — ganz oben natürlich Matthäus. Der wurde im Mai auch als “Außenseiter” für den Posten des neuen Bayern-Trainers gehandelt, nachdem sein Name schon im Jahr 2007 bei der letzten Trainersuche der Bayern in “Bild” stand.
In einem Interview aus dem Juni dieses Jahres ist die Verzweiflung auf beiden Seiten daher fast zum Greifen nahe:
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2. Interview mit Stefan Aust (diepresse.com, Isabella Wallnöfer)
Ex-“Spiegel”-Chefredakteur Stefan Aust entwickelt für die WAZ-Gruppe “etwas im Magazinbereich”, “keine Frauenzeitschrift”. Enthüllungsgeschichten, so glaubt er, hätten oft etwas mit Zufall zu tun. “Wenn sich Journalisten großer Titel dann als investigativ bezeichnen, kommen sie mir manchmal vor wie der Schrankenwärter, der glaubt, der Zug kommt, weil er die Schranken heruntergelassen hat.”
3. Twitter-Manipulation zur Bundestagswahl (docs.google.com)
Die Diskordische Mediengruppe 09 bekennt sich zu Manipulationen auf Twitter zur Bundestagswahl 2009: “Wir haben die Veröffentlichung von Exit-Polls auf Twitter am Wahltag dominiert, manipuliert, ja sogar gefälscht was das Zeug hält.”
4. “Streik der Praktikanten” (taz.de, Anna Mauersberger)
Die “taz”-Praktikanten, die “die eigene Arbeitskraft für Nichts” hergeben, rufen in einer Beilage zum Streik auf (am 9. Oktober): “Und so sitzen der und die Prakti bis spät abends noch hörig vor ihrem Computer-auf-Zeit, verzichten auf Urlaubstage, feiern niemals krank – während die Chefs sich ins Fäustchen lachen.”
Der brasilianische Fußballstar Ronaldo sollte, wenn man einer jungen Damen namens Michele Umrazu glauben darf, erst gar keine Hoffnungen darauf setzen, dass ihn ein Vaterschaftstest entlasten könnte: Haare, Augen, Nase, alles an ihrem vierjährigen Sohn sei so wie bei dem Mann, den sie lange ein Phänomen nannten. Bei soviel Ähnlichkeit ist sie sich jetzt sicher: Der Vater kann nur Ronaldo sein.
Ronaldo? Fußballer? Da gibt´s in der Tat eine klitzekleine Verwechlungsgefahr: zwischen dem Brasilianer Ronaldo und dem Portugiesen Cristiano Ronaldo. FAZ.net hat sich angesichts dessen nicht so recht entscheiden können und einen Doppel-Ronaldo daraus gemacht: In der Überschrift ist von “Cristiano” die Rede, im ersten Satz vom “brasilianischen Fußballstar”. Bei der Bebilderung musste man sich dann doch entscheiden, Brasilianer, Portugiese — und wählte(siehe Bild 9): den Portugiesen…
“Bild” war da gestern “exklusiv” einer ganz heißen Sache, einer “Horror-Szene”, auf der Spur:
Was war (vor dreiviereinhalb Monaten) geschehen?
Wie BILD jetzt exklusiv erfuhr, wurden Berliner Polizisten sogar mit einer Granate attackiert, die das britische Militär im Anti-Terror-Kampf einsetzt. 47 Beamte wurden durch die giftigen Gase verletzt.
Die Geschichte klingt dramatisch, und sie klänge sicher noch dramatischer, wenn “Bild” nicht ein Foto der “Giftgas-Granate” abgebildet hätte:
“Nach vorläufigen Ermittlungen des Staatsschutzes habe es sich bei der Granate um einen vermutlich mit Reizgas befüllten “Nebelwurfkörper” gehandelt, sagte [ein] Sprecher der Berliner Polizei (…). Die Polizisten hätten Reizungen der Augen und Gesichtsschleimhäute erlitten sowie über Übelkeit und Schwindelgefühle geklagt (…). Sie hätten jedoch den Einsatz nicht abgebrochen. Auch habe keiner von ihnen die angebotene ärztliche Nachsorge in Anspruch genommen.”
Im “Spiegel-Online”-Artikel heißt es zudem, “dass eine derartige Chemiekeule zum ersten Mal gegen Polizisten eingesetzt wurde” (siehe auch “Berliner Morgenpost” vom 29. Mai 2009), was den Stolz der “Bild”-Zeitung, wonach es “nach BILD-Informationen (…) bundesweit das erste Mal [ist], dass eine Waffe mit derartiger Wirkung gegen Polizisten eingesetzt wurde” etwas schmälern dürfte.
So aber kann jeder, der sich dafür interessiert, nach “M7A2” googeln und beispielsweise auf diese Seite stoßen, auf der erklärt wird, dass Granaten dieses Typs “CS gas for riot control” verströmen. Sie werden also bei Straßenkämpfen von der Polizei eingesetzt und enthalten Tränengas. Klar: Das ist nichts, was man unbedingt aus nächster Nähe ins Gesicht kriegen möchte. Aber auch nichts, was man ernsthaft als “Giftgas” bezeichnen würde — schon gar nicht, wenn man vor drei Monaten aufmerksam “Spiegel Online” gelesen hätte (siehe Kasten).
Theoretisch wissen auch die “Bild”-Autoren, dass die “britische Militär-Granate!” so schädlich nicht sein kann, wenn sie gegen Menschen eingesetzt wird:
Wegen der starken Wirkung wurde sie für das Militär zur Bekämpfung von Aufständen und sogar für Anti-Terror-Einsätze entwickelt.
Nach dem “Bild”-Artikel sah sich der Berliner Polizeipräsident am gestrigen Nachmittag veranlasst, die Situation in einer Pressemitteilung klar zu stellen:
(…) Es handelt sich hier um einen Sachverhalt, der von der Berliner Polizei bereits unmittelbar nach dem 1. Mai umfassend und abschließend untersucht und ausgewertet wurde. Noch bevor das Ergebnis schon vor mehreren Monaten von der Polizei in verschiedenen Medien kommuniziert wurde, waren die betroffenen Beamten über den Inhalt selbstverständlich informiert.
Die heutige erneute Berichterstattung, die den Eindruck wecken könnte, es handele sich hier um neue Erkenntnisse, hat uns veranlasst, das damalige Untersuchungsergebnis erneut zu kommunizieren:
Es handelte sich bei dem Gegenstand nach Untersuchung der Kriminaltechnik um einen britischen Nebelwurfkörper, der mit Reizgas des Typs “CS” befüllt war. Dieses CS-Gas findet auch in handelsüblichen Selbstverteidigungs-Sprays Verwendung und stellt keine grundsätzliche Gesundheitsgefährdung dar. Die am 1.Mai beworfenen Polizeibeamten klagten unmittelbar nach dem Bewurf kurzfristig über Augen- und Atemwegsreizungen sowie Übelkeit. Jedoch musste keiner der Beamten verletzt vom Dienst abtreten. Aus diesem Grund meldeten sie den Vorfall auch erst nach dem Einsatz. Bei der daraufhin erfolgten intensiven polizeiärztlichen Untersuchung, die auch die Entnahme von Blutproben beinhaltete, wurden keine gesundheitlichen Schäden festgestellt. Selbstverständlich sind die Beamten unverzüglich über das Ergebnis der Untersuchungen umfassend informiert worden.
Eine Gefährdung der Anwohner bestand zu keiner Zeit.
Mit dem Sachverhalt befasst sich auch eine Pressemeldung der Deutschen Polizeigewerkschaft vom 19.09.2009*. Die darin enthaltenen Vorwürfe gegen den Polizeipräsidenten, die Mitarbeiter seien nicht informiert und der Vorgang nicht transparent dargestellt worden, entbehren jeder Grundlage.
*) Die DPolG-Pressemeldung (hier im Wortlaut), die übrigens quasi zeitgleich mit dem “Bild”-Artikel veröffentlich wurde, enthält — neben kruder Polemik — nicht nur ein Zitat des Berliner DPolG-Chefs, das sich wortgleich im “Bild”-Artikel wiederfindet, sondern auch sonst dieselben Infos, die “Bild” (ohne genauere Quellenangabe) “exklusiv erfuhr”.
Eine der wichtigsten Vokabeln der heutigen Internetsprache heißt “fail”. Sie ist nahezu universell einsetzbar und ersetzt Formulierungen von “Da hat aber jemand einen (großen) Fehler gemacht” bis “Herr Lehrer, ich weiß was”. “fail” steht häufig in Kurznachrichten von Twitter-Usern, wenn Politiker, Journalisten oder andere Twitter-User etwas nicht verstanden haben.
Zum Beispiel in etlichen der paar Hundert Nachrichten, die am gestrigen Nachmittag und Abend diesen Screenshot von “Focus Online” kommentierten:
“Haha, diese Deppen”, lauteten die impliziten und expliziten Reaktionen nach der Veröffentlichung. “Nennen die ‘The Sims’ ein ‘Killerspiel’ …”
Blöd nur: Der angebliche Screenshot von “Focus Online” war wohl keiner.
Im Artikel, zu dem der angebliche Teaser gehört, fehlt jeder Hinweis auf irgendein Computerspiel. Aber klar: Der könnte nachträglich entfernt worden sein, genauso wie die Leserkommentare zum Thema “Killerspiele”, von denen jede Spur fehlt.
“Focus Online” verwendet aber auch keine Absätze in seinen Teasern. Gut, das könnte im Eifer des Gefechts passiert sein.
Aber dann stimmen auch die Zeilenabstände nicht und überhaupt benutzt “Focus Online” ganz andere Anführungszeichen:
Es hätte also genug Gründe gegeben, skeptisch zu sein. Aber die Leute, die den Medien vorwerfen, unkritisch zu sein und nur aufzuschreiben, was ihnen in den Kram passt, waren unkritisch und schrieben genau das auf, was ihnen in den Kram passte: “fail” eben.
Auch jetzt – Stunden, nachdem namhafte Twitterer mit vielen Followern den Screenshot als Fake entlarvt haben – gehen immer noch neue Tweets online, die die Mär verbreiten, dass “The Sims” bei “Focus Online” als “Killerspiel” bezeichnet worden sei.
Die Medien machen zu oft Fehler und gehen zu schlecht damit um, darum bloggen wir hier. Aber nicht alles, was wie ein Fehler aussieht, ist auch einer. Unser Ziel ist nicht, dass die Leute denken, alles was in den Medien steht, sei falsch, sondern dass die Leute kritisch sind. Das betrifft aber auch den Umgang mit anderen Quellen.
Nachtrag, 12:50 Uhr: Inzwischen haben wir auch eine offizielle Bestätigung von “Focus Online” erhalten, dass es sich bei dem “Screenshot” um einen Fake handelt.
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1. Interview mit Markus Spillmann (persoenlich.com, Adrian Schräder und Christian Lüscher)
Die “Neue Zürcher Zeitung” wird am 23. September einem Relaunch unterzogen. Chefredakteur Markus Spillmann: “Wir leben nicht mehr in den Neunziger Jahren. Die fetten Jahre sind vorbei! Diese Botschaft ist unterdessen hoffentlich überall angekommen.”
3. “ZDF sagt ‘Berliner Runde’ ab” (zeit.de)
Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier reicht das “TV-Duell” letzten Sonntag. Sie verweigern dem ZDF eine Teilnahme an einer “Berliner Runde” – worauf das ZDF die Sendung streicht. Chefredakteur Nikolaus Brender: “Die Verweigerung von Kanzlerin und Kanzlerkandidat beschädigt die demokratische Kultur.”
4. Interview mit Ai Weiwei (sueddeutsche.de, H. Bork)
Der bekannte chinesische Künstler Ai Weiwei liegt in Deutschland im Krankenhaus. Ein chinesischer Polizist schlug ihm hart ins Gesicht, “auf den rechten Wangenknochen”. Seinen aktuellen Zustand dokumentiert er auf twitter.com/aiww: “Vor drei Jahren hatte ich einen Blog, aber der wurde ein halbes Jahr lang vom Netz genommen. Da begann ich, Twitter zu nutzen.”
Man kennt das von billigen Pullovern: Erst entdeckt man, dass irgendwo ein kleiner Faden raushängt, aber wenn man dran zieht, ribbelt sich das Ding komplett auf.
Ungefähr so verhält es sich merkwürdigerweise, wenn die “Bild”-Familie über deutsche Künstler schreibt, die in den USA Erfolg haben: Diesmal geht es nicht um die Band Juli, sondern um Cascada, aber geribbelt wird trotzdem.
Cascada (27) tritt in die Fußstapfen von 80er-Ikone Nena (49) und erobert Amerika. Mit ihrem Sommer-Hit “Evacuate The Dancefloor” schaffte die Blondine aus dem Rheinland den Sprung in die Top 50 der US-Charts.
So schreibt Bild.de am Freitag und hat — von Nenas Fußstapfen, über die weniger bekannt ist als über ihre Achselhöhlen, mal ab — bis hierhin noch alle Fakten richtig auf der Reihe. Doch von nun an geht’s bergab…
Platz 47! Damit steht sie vor Superstars wie Lady Gaga (auf Platz 74) und Beyoncé (60).
Damit steht sie aber auch hinter Superstars wie Lady Gaga (auf Platz 24 & 41) und Beyoncé (46).
Keine deutsche Frau seit Nena (mit “99 Luftballons” 1983 auf Platz 2) war in den letzten Jahren besser.
Mal davon ab, dass “99 Luftballons” am 3. März 1984 auf Platz 2 der US-Charts stand, gab es da vor dreieinhalb Jahren eine deutsche Frau, die es nicht nur auf Platz 47, sondern auf Platz 10 schaffte: Cascada mit “Everytime We Touch”.
Das weiß sogar Bild.de so ein bisschen:
In den US-Charts kennt sich Natalie Horler (27), wie die Blondine mit bürgerlichem Namen heißt, übrigens schon recht gut aus. Auch mit ihrem Cover-Hit “Everytime We Touch” schaffte sie 2006 den Einstieg in die wichtigen Top 200 der USA.
200 Plätze haben in den USA nur die Albumcharts, in denen Cascada noch nie war. Aber wie gesagt: In den Top 10 der Singlecharts.*
Sarah Connor (29, mit “Bounce”, 2003, Top70) und die No Angels (“Daylight”, 2002, Top80) waren der letzte erfolgreiche Sängerinnen-Export aus Deutschland.
Warum der 54. Platz für “Bounce” unter “Top70” und nicht unter “Top60” oder “Top55” verbucht wird, weiß vermutlich nur Bild.de — ebenso wie von dem Chart-Erfolg einer No-Angels-Single in den USA: Das unbestechliche Archiv des Billboard-Magazins hat davon nämlich nie etwas gehört.
Mit besonderem Dank an Thomas!
*) Korrektur, 8. September: In den Albumcharts waren Cascada sehr wohl schon.
Das muss ein ziemlicher Schock gewesen sein für den preisgekrönten Regisseur Torsten C. Fischer, als er gestern in die “Welt” gesehen hat. Denn die Zeitung hat ihn kurzerhand zum Komplizen in einem krimireifen Fall gemacht, der den NDR und die deutsche Fernsehspiel-Branche gerade erschüttert.
Die langjährige NDR-Fernsehspielchefin Doris J. Heinze hat ihrem Mann offenbar heimlich Drehbuchaufträge verschafft. Er soll in den vergangenen acht Jahren fünf Fernsehfilme unter dem Pseudonym “Niklas Becker” geschrieben haben und bekam für die Pressehefte sogar eine erfundene Biographie. Die “Süddeutsche Zeitung”, die den Fall aufgedeckt hat, sieht viele weitere Ungereimtheiten und spricht davon, Heinze habe “jahrelang ein System der Vetternwirtschaft betrieben”.
Dass es (…) Mitwisser gegeben haben muss, zeigt die Co-Autorenschaft beispielsweise des Regisseurs und Drehbuchautors Thorsten [sic] C. Fischer am TV-Film “Katzenzungen” aus dem Jahr 2003, den er gemeinsam mit “Niklas Becker” schrieb.
Ja, das könnte man vermuten. Die “Süddeutsche Zeitung” hat sich aber, im Gegensatz zur “Welt”, nicht auf den bloßen Anschein verlassen. Sie schrieb am selben Tag über den Regisseur:
Als er den Film “Katzenzungen” drehte, fand er das Drehbuch des ihm unbekannten Autoren Niklas Becker miserabel, schrieb es völlig um. Kein Satz blieb. Das sei in Ordnung, versicherte Doris Heinze. Auch Fischer wollte mit dem Autoren reden, doch der war nie zu sprechen oder in Übersee verschollen. Wer sich nach Becker erkundigte, hörte oft, Becker lebe sehr einsam und habe kein Telefon.
Das wäre — insbesondere da andere Regisseure ähnliche Erfahrungen gemacht haben sollen — zumindest eine plausible Erklärung, die die “Welt” nicht zu kennen scheint. Doch nachdem sie Fischer schon für mitschuldig hält, fügt sie noch hinzu:
Pikant dabei: Fischer war zuvor von Doris J. Heinze in einem Brancheninterview als Talent gelobt worden. “Wir haben insbesondere norddeutsche Talente immer gefördert und sehr früh darauf hingearbeitet, ihre Filme primetimefähig zu machen”, sagte sie dort. “Das ist häufiger als gedacht auch gelungen. Angelina Maccarone, Hans-Erich Vieth und Thorsten [sic] C. Fischer sind nur einige Beispiele.”
Was ist daran “pikant”? Dass der Mann Talent hat, findet nicht nur Heinze. Torsten C. Fischer ist ein angesehener Regisseur, war Assistent bei Dominik Graf, wurde schon in den Jahren 2000 und 2003 mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet.
So leichtfertig macht die “Welt” offenbar ohne Recherche einen Mann zum Komplizen und erledigt ihn als Regisseur gleich mit.
Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].
1. “Tatort ARD” (sueddeutsche.de, Nicolas Richter und Hans Leyendecker)
Der NDR trennte sich am Donnerstag von Doris J. Heinze, gemäss “Süddeutscher Zeitung” eine “sehr einflussreiche Leiterin der Fernsehfilmabteilung”: “Die 60-Jährige hatte jahrelang ein System der Vetternwirtschaft betrieben.”
2. “Wir machen es (uns zu) einfach” (print-würgt.de, Michalis Pantelouris)
Michalis Pantelouris hat “noch nie so viel Gejammere gehört wie in der letzten Zeit”: “Wir sind nicht auf Kuba. Kein Staat, kein Verleger und keine materielle Not hindern uns daran, geilen Journalismus zu machen. Und wenn ich als Freier mir angucke, wie früh manche festangestellte Redakteure nach Hause gehen, dann fehlt uns nicht einmal die Zeit.”
3. “Sterbende Zeitungen: Verschwindet endlich die Journaille?” (konkret-verlage.de, Michael Hahn)
“Konkret”, nach eigenen Angaben “die einzige linke Publikumszeitschrift Deutschlands”, schreibt über die Zeitungskrise: “Daß Journalisten massenhaft entlassen werden, hat schon in den boomenden neunziger Jahren begonnen, als immer mehr Verlage an die Börse gingen oder von großen Konzernen aufgekauft wurden. So ist die Redaktion der ‘Los Angeles Times’ heute nur noch halb so groß wie vor 15 Jahren.”
4. “Finanzen100: Was Google kann, können wir auch” (dwdl.de, Thomas Lückerath) Finanzen100, ein neues Finanzportal der Burda-Tochter Tomorrow Focus, wird als “Kernangebot zunächst aggregierte Informationen aus fremden Quellen” anbieten. Thomas Lückerath fragt nach der Doppelmoral – hatte doch Verleger Hubert Burda noch letzten Monat derartige Vorgehensweisen bei Google angeprangert und sogar Geld dafür gefordert.
5. “Online-Kommentare: Mehr löschen oder nicht?” (30jahre.taz.de, Sebastian Heiser)
Die “taz” weiß nicht recht, ob sie mehr oder weniger Leser-Kommentare online gehen lassen soll und stellt Meinungen von Lesern dazu zur Diskussion. Eine lautet: “Gustave Flaubert habe einmal gesagt, er sei gegen die Einführung der Eisenbahn, weil sie es noch mehr Leuten gestatte, zusammenzukommen und zusammen dumm zu sein. Womit alles wesentliche zum Internet (und erst recht zu all seinen Mitmachfunktionen) gesagt ist.”
6. Der geduldigste Reporter (break.com, Video, 2:20 Minuten)
Aus Prag berichtet ein Journalist mit Nerven aus Stahl. Ein echter Profi.
Nicht weniger als drei Autorenkürzel stehen unter dem “Bild”-Artikel über das Familiendrama, bei dem ein Mann am vergangenen Samstag in Sundern seine Frau auf offener Straße erschoss. Aber es waren entweder nicht genug — oder einfach zu viele “Bild”-Autoren beteiligt, um einen gravierenden Fehler zu verhindern: Den Täter mit seinem Bruder zu verwechseln.
“Bild” hat zwar den Nachnamen der Eheleute abgekürzt, aber sich — wie üblich — keine Mühe gemacht, die Beteiligten tatsächlich zu anonymisieren. Das Blatt nennt den ungewöhnlichen Vornamen des vermeintlichen Täters, schreibt, wo er arbeitet und zeigt ein Foto des Hauses der Familie.
Das ist in diesem Fall besonders dramatisch, denn die Namen sind nicht die von Täter und Opfer, sondern vom Bruder des Täters und seiner Frau. Auch die “Hintergründe” des Artikels basieren teilweise auf dem Leben des Bruders.
Man kann sich ausmalen, wie sehr das das Leid der überlebenden Verwandten vergrößert hat, dass sie in ihrer Situation nun auch noch als Täter und Todesopfer dargestellt wurden. Und das nur, weil eine große Boulevardzeitung nicht anonymisieren will und nicht recherchieren kann.
PS: Heute korrigiert sich “Bild” am Ende eines weiteren Artikels zum Thema:
Durch eine bedauerliche Namensverwechslung war der engagierte Trainer des Fußballvereins […] bei BILD.de als Täter und seine Frau als Opfer bezeichnet worden. Beide haben mit dem Verbrechen nichts zu tun.