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Das Khan doch nicht wahr sein!

Wenn eine Geschichte zu schön klingt, um wahr zu sein, dann stehen die Chancen hoch, dass sie schlichtweg nicht wahr ist.

Die Geschichte, wonach Karl-Theodor zu Guttenberg die letzten Worte seiner Rücktrittsrede ohne Quellenangabe aus dem Film „Star Trek II — Der Zorn des Khan“ abgeschrieben haben soll, war dementsprechend auch nicht wahr. Der Journalist Daniel Bröckerhoff hat in seinem Blog dokumentiert, wie sich die Falschmeldung vor allem via Twitter verbreitete und es dort bis in den Twitter-Account der „taz“ schaffte (die den Fehler inzwischen irgendwie eingestanden hat).

Das alleine wäre schon peinlich genug, aber wenn die Causa Guttenberg eines gezeigt hat, dann: es geht immer noch peinlicher — und mindestens eine MetaEbene ist immer drin.

Die „Hamburger Morgenpost“, einschlägig aufgefallen bei ihrer ungekennzeichneten Weiterverwendung von Twitter-Witzen, veröffentlichte gestern die Kolumne „Moin Moin“, in der David Siems folgende Behauptung aufstellte:

Gute Laune bekam ich aber gestern Abend wieder, als ich „Star Trek II“ sah: „Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht“, sagt der Klingone Khan. Häh? Karl-Theodor konnte es einfach nicht lassen …

Ergänzend dazu, dass Siems den besagten Satz im Film gar nicht gehört haben kann, ist Khan auch kein Klingone, sondern ein genetisch verbesserter Mensch.

Mit Dank an M.K.

Failmeldung

Eine der wichtigsten Vokabeln der heutigen Internetsprache heißt „fail“. Sie ist nahezu universell einsetzbar und ersetzt Formulierungen von „Da hat aber jemand einen (großen) Fehler gemacht“ bis „Herr Lehrer, ich weiß was“. „fail“ steht häufig in Kurznachrichten von Twitter-Usern, wenn Politiker, Journalisten oder andere Twitter-User etwas nicht verstanden haben.

Zum Beispiel in etlichen der paar Hundert Nachrichten, die am gestrigen Nachmittag und Abend diesen Screenshot von „Focus Online“ kommentierten:

Offensichtlich hatte er den Amoklauf vorher auf seinem Computer mit dem Killerspiel "The Sims" simuliert.

„Haha, diese Deppen“, lauteten die impliziten und expliziten Reaktionen nach der Veröffentlichung. „Nennen die ‚The Sims‘ ein ‚Killerspiel‘ …“

Sims ist jetzt Kllerspiel?! (http://bit.ly/3rl1zq ) ... (via @Zellmi) #focus ist das neue #fail - Focus Online, das ist einfach arm: Offenbar hatte er den Amoklauf vorher mit dem KILLERSPIEL the Sims simuliert! - RT: SIMS #Killerspiel ? Besteht #Lobotomiepflicht beim Focus ?

Blöd nur: Der angebliche Screenshot von „Focus Online“ war wohl keiner.

Im Artikel, zu dem der angebliche Teaser gehört, fehlt jeder Hinweis auf irgendein Computerspiel. Aber klar: Der könnte nachträglich entfernt worden sein, genauso wie die Leserkommentare zum Thema „Killerspiele“, von denen jede Spur fehlt.

„Focus Online“ verwendet aber auch keine Absätze in seinen Teasern. Gut, das könnte im Eifer des Gefechts passiert sein.

Aber dann stimmen auch die Zeilenabstände nicht und überhaupt benutzt „Focus Online“ ganz andere Anführungszeichen:

Die üblichen Anführungszeichen von "Focus Online"

Es hätte also genug Gründe gegeben, skeptisch zu sein. Aber die Leute, die den Medien vorwerfen, unkritisch zu sein und nur aufzuschreiben, was ihnen in den Kram passt, waren unkritisch und schrieben genau das auf, was ihnen in den Kram passte: „fail“ eben.

Auch jetzt – Stunden, nachdem namhafte Twitterer mit vielen Followern den Screenshot als Fake entlarvt haben – gehen immer noch neue Tweets online, die die Mär verbreiten, dass „The Sims“ bei „Focus Online“ als „Killerspiel“ bezeichnet worden sei.

Die Medien machen zu oft Fehler und gehen zu schlecht damit um, darum bloggen wir hier. Aber nicht alles, was wie ein Fehler aussieht, ist auch einer. Unser Ziel ist nicht, dass die Leute denken, alles was in den Medien steht, sei falsch, sondern dass die Leute kritisch sind. Das betrifft aber auch den Umgang mit anderen Quellen.

Nachtrag, 12:50 Uhr: Inzwischen haben wir auch eine offizielle Bestätigung von „Focus Online“ erhalten, dass es sich bei dem „Screenshot“ um einen Fake handelt.