Danke an Mario E.
***
Danke an Nathalie G.
***
Danke an Marcus Q.
***
Danke an Stefanie D.
***
Danke an Mathias W.
Danke an Mario E.
***
Danke an Nathalie G.
***
Danke an Marcus Q.
***
Danke an Stefanie D.
***
Danke an Mathias W.
Danke an Marc F.
***
Danke an Nicolas A.
***
Danke an Alessandro B.
***
Danke an Christian M.
***
Danke an Detlef M.
Die letzte Seite von “Bild” ist wie ein Schulhofgespräch in der Jungs-Ecke: laut und durcheinander, mit Tendenz zu verzerrter Selbstwahrnehmung und schlechten Wortspielen. Lieblingsthemen: Tratsch und Titten.
Vorteil beim Schulhof: Da bekommt den Quatsch keiner mit. Das hier hingegen …
… wurde millionenfach gedruckt und gelesen, vor zwei Wochen auf der letzten Seite von “Bild”.
Männer, holt den Pinsel raus — auf diesen Rundungen darf gemalt werden! Model Toni Garrn (23) zeigt uns Kunst am Körper — natürlich für den guten Zweck! Mit ihren Fotos für das französische Magazin “lui” setzt sich die Ex von Leonardo DiCaprio (41) gegen Brustkrebs ein. Tolle Sache — und wir können uns freuen, dass der Malermeister ein paar Stellen frei gelassen hat!
Nun ja. Bloß zeigt das Foto gar nicht Toni Garrn, sondern das litauische Model Edita Vilkeviciute.
Offenbar ist eine der beiden Frauen gegen “Bild” vorgegangen, denn aus dem ePaper ist die Seite inzwischen verschwunden, und am Montag erschien auf der letzten Seite eine Berichtigung — was für die Leute von “Bild” aber eigentlich ganz praktisch war, denn so konnten sie ihre Pinsel gleich noch einmal rausholen:
Danke an Chris von B.
***
Danke an Isabelle J.
***
Danke an André Z.
***
Danke an Heidrun A.
***
Danke an Florian M.
Ein Punkt lag den drei “Bild am Sonntag”-Autoren Markus Balczuweit, Kurt Hofmann und Daniel Peters offenbar besonders am Herzen, als sie ihren Bericht über das Bundesligaspiel zwischen dem VfL Wolfsburg und Werder Bremen verfassten:
Werders Schießbude hat den Deppen-Rekord!
Nach dem Deppen-Rekord von Galvez brach das Team von Trainer Viktor Skripnik (46) völlig auseinander.
Immerhin gab’s den Deppen-Rekord.
In der Tat hat Werders Innenverteidiger Alejandro Gálvez am vergangenen Wochenende mit seinem Eigentor zum 0:1 nicht nur die deutliche 0:6-Niederlage eingeleitet, sondern seinem Verein auch einen Negativrekord beschert: Werder Bremen ist jetzt der Klub mit den meisten Eigentoren der Bundesligageschichte. Das ist für “Bild am Sonntag” und Bild.de der “Deppen-Rekord”.
Betrachtet man die Zahlen, um die es geht, mal etwas genauer, sieht das alles aber schon deutlich weniger dramatisch aus. Gálvez’ Eigentor war das 54. eines Werderaners in der obersten deutschen Fußballliga. Werder Bremen war allerdings auch 1963 Gründungsmitglied der Bundesliga und hat seitdem lediglich eine Saison in der zweiten Liga gespielt. Hinter dem HSV sind die Bremer daher der Verein mit den zweitmeisten Bundesligaspielen, aktuell 1743. Im Schnitt schießen die Spieler von Werder Bremen also alle 32 Spiele mal ein Eigentor. Davon ist in den “Bild”-Medien natürlich nicht die Rede.
Auf Platz zwei der “Bild am Sonntag”-“Deppen-Rekord”-Rangliste liegt übrigens Eintracht Frankfurt mit 53 Eigentoren. Die Frankfurter haben allerdings auch deutlich weniger Bundesligaspiele als Werder Bremen, derzeit 1573. Somit schießt die Eintracht durchschnittlich alle 30 Spiele ein Eigentor. Immer noch sehr selten, aber im Schnitt häufiger als die Bremer “Deppen-Rekord”halter.
Immer wenn “Bild” diese “Deppen”-Keule rausholt, müssen wir an die Worte von “Bild”-Sportchef Walter M. Straten denken, mit denen die “Süddeutschte Zeitung” ihn nach dem Suizid von Robert Enke zitierte:
Aber auch das Boulevardblatt ist nach dem Enke-Tod nicht einfach so zur Tagesordnung übergegangen. Über vieles sei diskutiert worden, auch über Noten, und man sei schließlich zu dem Ergebnis gekommen, bei der Benotung so weiter zu machen wie bisher, sagt Straten. Auch in seiner Redaktion soll es zu einem etwas sensibleren Umgang mit den Zensuren kommen: “Wir werden wohl mit extremen Noten etwas vorsichtiger sein”, sagt der stellvertretende Bild-Sportchef. Man werde sich einmal mehr überlegen, “ob der Spieler, der eine klare Torchance vergeben hat, oder der Torwart, der den Ball hat durchflutschen lassen, eine Sechs bekommt oder eine Fünf reicht”.
Das Vorhaben war schnell über Bord geworfen. Und heute reicht ein Eigentor, um zum “Deppen” gemacht zu werden.
Dass Alejandro Gálvez sich seinen Fauxpas offenbar ziemlich zu Herzen genommen hat, konnte man am Montag in der Bremen-Ausgabe der “Bild”-Zeitung lesen:
Doch was juckt das schon die Haudraufreporter bei “Bild”? Eine Seite weiter vorne titeln sie Gálvez und seine Teamkollegen zu “Versagern”:
Mit Dank an Dustin!
1. “Ich bin kein IS-Pate!” — Exklusiv-Interview mit dem Imam der sogenannten “Winterthurer IS-Zelle”
(watson.ch, Rafaela Roth)
Je nachdem, ob man die “Weltwoche” oder den “Sonntagsblick” liest, ist der Imam A. E. entweder “purer IS” oder der “IS-Pate von Winterthur”. Im Interview mit watson.ch wehrt er sich gegen die Vorwürfe. Ein etwas anders gelagerter Fall: “Vice” erzählt die Recherche von “AJ+” über Nabila Bakkatha nach: Die Marokkanerin, die fälschlicherweise für eine Terroristin bei den Paris-Anschlägen gehalten und von Medien für tot erklärt wurde.
2. Warum wir einen Facebook-Post gelöscht haben
(rp-online.de, Tobias Dupke)
Kurz nachdem die Moerser Redaktion der “Rheinischen Post” eine Reportage über die Ankunft von 200 Flüchtlingen auf Facebook teilte, “tat die Redaktion etwas, das sie bislang noch nie tun musste”: Sie löschte das Posting. Die Entscheidung begründet Tobias Dupke so: “Beleidigungen, teilweise sogar hetzerische Beiträge haben hier nichts verloren. Ebensowenig grausame Fotos von toten Kindern. (…) In Zukunft werden wir Nazi-Kommentare sofort an die Behörden weiterleiten.”
3. Populistische Töne im “SocialWeb”
(ndr.de, Teja Adams, Video, 5:40 Minuten)
In den sozialen Medien macht “Focus Online” eine Menge richtig — zumindest, wenn man die Zahl der Interaktionen als alleiniges Erfolgskriterium heranzieht. Berücksichtigt man auch, mit welchen Methoden diese Reichweite erzielt wird, relativiert sich der Respekt vor Burdas Social-Media-Abteilung. Diese sei “extrem auf das Flüchtlingsthema aufgesprungen und meldet da alles — auf eine populistische Art und Weise”, sagt Jens Schröder von “10000 Flies”. “Zapp” wollte mit “Focus Online” über die Vorwürfe sprechen, die Redaktion stimmte zu. Doch am Tag des angefragten Interviews teilte die Pressestelle mit: “Wir stehen aktuell nicht für ein Interview zur Verfügung.” Auch Stefan Niggemeier hat die populistische Social-Media-Strategie von “Focus Online” unter die Lupe genommen.
4. Wir verlieren täglich Tausende Datenpunkte Zeit- und Mediengeschichte
(konradlischka.info)
Konrad Lischka hat die Berichterstattung zu den Anschlägen in Paris als sehr “actionorientiert” wahrgenommen. Und wollte nachprüfen, ob die Schlagzeilen nach dem 11. September ähnlich waren. Dabei fiel ihm auf: Es gebe kein ordentliches Archiv für Online-Seiten, Momente der Zeitgeschichte seien unauffindbar.
5. Gewalt in der Liga: Ein offener Brief an die “Bild”
(schalke-news.de)
Am Samstagabend, vor dem Bundesligaspiel zwischen Schalke 04 und dem FC Bayern München, kam es vor dem Stadion in Gelsenkirchen zu gewalttätigen Angriffen auf Schalke-Fans. “Bild” und vor allem Bild.de berichteten in einer Art, die das Magazin “Schalke News” dazu bringt, einen offenen Brief zu schreiben: Man könne nicht nachvollziehen, “dass Schalker und auch Dortmunder in der Bildsprache der ‘Bild’ zu den prototypischen Problemfans stilisiert werden, während die wahren Schuldigen dieses Spieltages in keinem Foto Erwähnung finden.”
6. Peng! entert Bundeswehr-Werbung
(jetzt.sueddeutsche.de, Eva Hoffmann)
“Mach, was wirklich zählt” ist der Slogan der neuen Werbekampagne der Bundeswehr. machwaszaehlt.de ist die Website der neuen Gegenkampagne des “Peng!”-Kollektivs. Dort geht es um die Themen, die das Werbeteam von Ursula von der Leyen lieber ausgespart hat, schreibt Eva Hoffmann: “Wenn man auf die Seite machwaszaehlt.de klickt, bekommt man deshalb ausführliche Informationen zu Folgeschäden von Kriegseinsätzen, Rechtsextremismus beim Bund oder die aktuellen Auslandseinsätze.”
1. Bewährungschance missachtet: taz-Autor darf nicht vom NPD-Bundesparteitag berichten
(blogs.taz.de, Andreas Speit)
“Leider gehören Sie zu der Sorte ‘Journalisten’, die im Umgang mit der NPD bzw. der nationalen Opposition notorisch den presserechtlichen Pflichten zuwider handeln und die journalistischen Sorgfaltspflichten chronisch missachten.” Mit dieser Begründung schloss die NPD den “taz”-Autor Andreas Speit 2010 vom Bundesparteitag aus. Auch fünf Jahre später verweigert ihm die Partei den Zugang, da Speit “in den letzten Jahren nicht dazu beigetragen [habe], dass wir unsere Beurteilung Ihrer Tätigkeit seit dem letzen Akkreditierungswunsch aus dem Jahre 2010 ändern konnten.”
2. No, 1 in 5 British Muslims doesn’t have sympathy with ISIS — here’s why
(mirror.co.uk, Mikey Smith, englisch)
In bester Knallblattmanier titelte “The Sun” gestern: “1 in 5 Brit Muslims’ sympathy for jihadis”. Mikey Smith erkennt an der Geschichte allerdings ein ganz gravierendes Problem: Die Boulevardzeitung frage in ihrem selbsternannten “shock poll” nach etwas ganz anderem als nach “sympathy for jihaids”. Bei der “Independent Press Standards Organisation” seien für die “Sun”-Titelgeschichte bereits mehrere Hundert Beschwerden eingegangen.
3. SPIEGEL blamiert sich mit Social Media-Schelte für @RegSprecher
(jensrehlaender.com)
Der “Spiegel” ärgert sich darüber, durch die Facebook-Seite der Bundesregierung nun vollends die Informationshoheit verloren zu haben. Das wiederum stört Jens Rehländer, der jede Kritik des Nachtrichtenmagazins an Regierungssprecher Steffen Seibert nur als vorgeschoben ansieht. Da werde mit BVerfG-Urteil von 1977 argumentiert, obwohl damals wohl noch niemand soziale Medien für Regierungsposts für möglich gehalten hätte. Rehländer findet: Der “Spiegel”-Artikel ende “als Blamage für das Autoren-Duo”.
4. Presserat bewertet Fotos von Aylan und Leichen in LKW unterschiedlich
(derstandard.at)
Ende August und Anfang September sorgten zwei Fotos für heftige medienethische Diskussionen: die Leichen von Flüchtlingen im Laderaum eines LKWs und der ertrunkene Aylan Kurdi. Der österreichische Presserat hält die Abbildung von Aylan Kurdi für “angemessen” und stellt das Verfahren gegen die Medien ein, die das Bild zeigten. Für den Abdruck des LKW-Fotos erhält die “Kronen Zeitung” dagegen eine Rüge, zuvor waren mehr als 180 Beschwerden eingegangen.
5. Mit Sonne
(sueddeutsche.de, Thomas Hahn)
Thomas Hahn sieht in der Berichterstattung der Hamburger Lokalmedien rund um die Olympiabewerbung der Stadt — ganz im Sinne der sportlichen Veranstaltung, um die es geht — “eine Art Rekordversuch des abhängigen Journalismus”.
6. Citizenfour
(mediathek.daserste.de, Laura Poitras, Video, 1:46:17 Stunden)
Einen Oscar hat er bekommen, einen Emmy und noch eine ganze Reihe weiterer Auszeichnungen. Jetzt (und noch bis zum 30. November) ist der Dokumentarfilm “Citizenfour” in der ARD-Mediathek abrufbar. In aller Kürze: Es geht um Edward Snowden und den NSA-Skandal. Der Journalist Glenn Greenwald und die Dokumentarfilmerin Laura Poitras spielen dabei wichtige Rollen.
1. Agent in eigener Sache
(zeit.de, Christian Fuchs)
“Zeitmagazin”-Autor Christian Fuchs hatte das erste Mal das Gefühl, überwacht zu werden, als einer seiner Informanten plötzlich verhaftet wurde. Heute sitzt der auf der Anklagebank im NSU-Prozess. Seitdem brechen Fuchs’ Telefonate manchmal ab. Der Journalist ist inzwischen vorsichtiger, um seine Quellen zu schützen — auch wenn er nicht glaubt, aktiv abgehört zu werden. Was die Geheimdienste über ihn gespeichert haben, hat ihn trotzdem überrascht.
2. “Ich bin kein Einzelfall”
(taz.de, Claudia Hennen)
Vor einem Jahr fand der Dortmunder Journalist Peter Bandermann seinen Namen auf einer Liste im Internet. Neonazis sammelten “insgesamt zehn Personen, die potenziell geeignet sein sollten, dass man vor ihrer Haustür demonstriert.” Kurz darauf wurde seine Adresse veröffentlich, sein Haus mit schwarz-roter Farbe beworfen. Im Februar erschien eine Todesanzeige mit seinem Namen, seitdem gehören anonyme Anrufe, Nachstellungen und Nazi-Post zu Bandermanns Alltag. Davon erzählt er im Interview mit Claudia Hennen. Zum Thema: “Zapp” mit “Pegida und Co. bedrohen Journalisten”
3. Der Tag, an dem mir klar wurde, wie egal die “Bild”-Zeitung ist
(rnd-news.de, Ulrike Simon)
Ulrike Simon ist “Bild” egal. Zumindest so egal, dass sie in ihrer Kolumne darüber schreibt, wie egal “Bild” ihr ist. Die Gleichgültigkeit kommt vor allem durch ein Gespräch mit dem Schauspieler Ulrich Matthes: “Sinngemäß und stark verkürzt hatte er gesagt, ‘Bild’ sei ihm zwar unsympathisch, mehr aber noch egal.” Das überzeugte Simon: “Bild” lebe “in einer Parallelwelt. Ihr Verständnis von Prominenz und Relevanz hat mit meinem rein gar nichts zu tun.”
4. Wo die Recherche der Leser an ihre Grenzen stößt
(opinion-club.com, Falk Heunemann)
Das Recherchekollektiv “Correctiv” will zwielichtige Finanzströme bei den 414 deutschen Sparkassen durchleuchten und hat dafür eine “virtuelle Redaktion” aufgebaut, um sich von seinen Lesern helfen zu lassen. Falk Heunemann hält das für ein “nicht nur überfälliges, sondern auch gleich doppelt nützliches Projekt” — sieht aber zwei Probleme und trägt “Correctiv” und der Crowd eine weitere Recherche auf. In den Kommentaren antwortet “Correctiv”-Leiter David Schraven.
5. “Ich kämpfe weiter”
(tagesspiegel.de, Sonja Álvarez)
Ali Anousla drohen wegen seiner Recherchen in seinem Heimatland Marokko bis zu 20 Jahre Haft. Einschüchtern lassen will sich der Journalist allerdings nicht. Im Interview mit Sonja Álvarez spricht er darüber, wie sich seine Texte im Netz verbreiten, wie er seine Arbeit finanziert und mit welchen Mitteln der Staat versucht, ihn verstummen zu lassen.
6. Jugendwort 2015: Hefte raus, Vokabeltest!
(ze.tt, Mark Heywinkel)
Alljährlich sucht Langenscheidt nach dem “Jugendwort des Jahres” — und genauso regelmäßig beschweren sich mittelalte Journalisten, dass junge Leute in Wahrheit doch völlig anders sprechen würden. Mark Heywinkel findet: “Welches Wort die Jury morgen zum Gewinner kürt, ist herzlich egal.” Überhaupt solle man die ganze Sache nicht so ernst nehmen. Deshalb: “Auf zum Vokabeltest: Könnt ihr in der folgenden Geschichte unsere Lieblingsworte der Long- und Shortlist aus 2015 richtig zuordnen?”
Heinz Buschkowsky mag die Medien, und die Medien mögen Heinz Buschkowsky. Der ehemalige Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln ist oft in Talkshows, er gibt Interviews, schreibt Gastbeiträge und Bücher. Buschkowsky ist ein zuverlässiger Gast, ein bissiger, aber beherrschter „Klartext“-Redner, Schwerpunkt: Migration, oder eher: Schattenseiten der Migration. Er wirkt besonnen und erfahren, aber schön steil in seinen Thesen, ein bisschen wie Sarrazin ohne die Beklopptheiten.
Buschkowskys Vorteil ist seine Erfahrung, er hat in Neukölln gearbeitet, hat das Multi-Kulti jeden Tag am eigenen Leib gespürt, er hat erlebt, worüber viele andere bloß reden. Darum wird er immer wieder eingeladen, als Kronzeuge quasi, mal hier, mal dort, Heinz Buschkowsky erzählt, und die Medien hören zu. Und widersprechen ihm selten.
Gestern Abend war er zu Gast bei Anne Will im Ersten. Thema der Sendung: „Familiennachzug begrenzen – Unchristlich, aber unvermeidlich?“ Buschkowskys Metier. Für die Islamhasser von „Politically Incorrect“ war er schon vor Beginn der Sendung unter den Gästen die „einzige Hoffnung“ auf eine „kompetente Auseinandersetzung mit dem Asylirrsinn“, und er dürfte sie nicht enttäuscht haben.
Routiniert gab Buschkowsky den Auf-den-Tisch-Packer unbequemer Wahrheiten, warnte vor diesem und jenem und sagte Dinge wie (ab Minute 14:50):
Wir wissen, dass etwa 70 Prozent junge Männer unterwegs sind und kommen, dass die geschickt werden, weil sie die Stärksten sind, um zu schauen, wo es für die Familie eine Bleibe gibt, die besser ist als zu Hause. Das gilt insbesondere für Irak, für Afghanistan …
„70 Prozent junge Männer“? Da war doch was.
Das sind aber mittlerweile 38 Prozent, das verändert sich. Es kommen jetzt auch die Familien.
… erwiderte Simone Peter, Bundesvorsitzende der Grünen, die auch zu Gast war.
Buschkowsky:
Ja, öh, ich will ja gar nicht mit ihnen über Zahlen streiten, weil es gibt jede Woche eine neue Zahl.
Da hat er natürlich recht. Kurz nachdem Jan Fleischhauer und Boris Palmer die 70 Prozent verbreitet hatten, hieß es zum Beispiel in der RTL-Sendung „Guten Morgen Deutschland“:
85 Prozent der Flüchtlinge sind allein reisende junge Männer (…)
85 Prozent. Eine Quelle dafür wurde auch dort nicht genannt.
Die Zahl kam übrigens nicht von den RTL-Leuten, sondern von ihrem Studio-Gast – Heinz Buschkowsky.
85 Prozent der Flüchtlinge sind allein reisende junge Männer, da ist nicht viel Abgewogenheit, sondern sehr viel Impulsivität. Das ist ja auch das, was sehr vielen Menschen Ängste macht.
Und mit Ängstemachen kennt sich Buschkowsky aus.
Gestern bei Anne Will also wieder 70 Prozent. Und obwohl die Grünen-Vorsitzende widersprochen hatte, war heute überall nur eines zu lesen:
Der ehemalige Bürgermeister von Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD), rechnet vor, dass 70 Prozent der Flüchtlinge junge Männer sind.
(stern.de)
Er sagt, dass 70 Prozent der Flüchtlinge junge Männer seien.
Er berichtet, dass 70 Prozent der Flüchtlinge junge Männer sind.
(Bild.de)
Doch nicht nur das:
Er berichtet, dass 70 Prozent der Flüchtlinge junge Männer sind. Diese werden zunächst nach Deutschland kommen, um die Familie im Anschluss nachzuholen. So komme man auf bis zu 10 Millionen Flüchtlinge bis 2020. „Und das ist ganz konservativ und unaufgeregt gerechnet“, fügt er hinzu.
10 Millionen Flüchtlinge. Schauen wir uns doch mal an, wie er darauf kommt und welche Belege er anführt (ab 32:30 Minuten):
Anne Will: Man ist sich ja gar nicht so sicher, wie viele Menschen denn über den sogenannten Familiennachzug nach Deutschland noch kommen werden, da hört man immer unterschiedliche Zahlen. Der Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge hat im vergangenen Jahr mal gesagt, er geht von einem Faktor 3 bis 4 aus, also mal 3 bis 4. Herr de Maizière hat heute im Bundestag gesagt, er nehme an, er wisse es auch nicht genau, dass die Zahl sich verdoppeln oder verdreifachen könnte. Wäre das eine Anzahl von Menschen, Herr Buschkowsky, die Deutschland integrieren könnte?
Heinz Buschkowsky: Auf Sicht: ja. Aber nicht von heute auf morgen. Weil das ist doch die Diskussion, über die wir reden müssen: Sind wir in einer Situation, wo wir den Zustrom eingrenzen oder steuern müssen? Also da werden, voriges Jahr waren es 400.000, dieses Jahr eine Million, 1,4 Millionen, mit Familiennachzug sind das sofort viereinhalb bis fünf Millionen Menschen.
Will: Weil sie jetzt locker mit mal 3, mal 4 rechnen. Woher wissen Sie das denn, Herr Buschkowsky?
Buschkowsky: Das ist ganz konservativ unaufgeregt, mal 3. Es gibt andere Konfliktforscher, die nehmen mal 7! (…) Die EU hat eine offizielle Prognose für 2016: plus weitere drei Millionen Flüchtlinge. Oder: in den nächsten drei Jahren fünf Millionen. Da ist Deutschland natürlich wieder dabei. Kommt noch eine Millionen plus Familiennachzug, haben sie noch mal vier bis fünf, dann sind sie in einem sehr knappen Zeitraum bis 2020 bei zehn Millionen Menschen.
Will: Das haben sie jetzt alles überschlagen und haben dafür keinen Beleg.
Buschkowsky: Das ist ganz konservativ unaufgeregt. Aber es ist so!
Ganz konservativ unaufgeregt.
Mit Dank an Martin.
Für “besondere Augenblicke, die sich in unser kollektives Gedächtnis gebrannt haben, und unbekannte Foto-Schätze aus Zeitgeschichte und Popkultur” hat “Bild” den Twitter-Account “Heute vor …” ins Leben gerufen.
Da lernt man Sachen. Zum Beispiel: Vorgestern vor “46 Jahren strahlt der US-Sender National Education Television die erste Folge der Sesamstraße aus.” Oder: Gestern vor “89 Jahren wird die legendäre Autostrecke Route 66 in den USA offiziell für den Verkehr freigegeben.” Und heute vor …
Das größte — und bisher völlig unterschätzte — Talent Loriots? Sich als Heinz Erhardt zu verkleiden.
Mit Dank an @PsyKater
Nachtrag, 17:32 Uhr: Das Team des Twitterkanals hat reagiert und zeigt nun den richtigen Loriot.