Geheimdienste, Neonazis, Vokabeltest

1. Agent in eigener Sache
(zeit.de, Christian Fuchs)
„Zeitmagazin“-Autor Christian Fuchs hatte das erste Mal das Gefühl, überwacht zu werden, als einer seiner Informanten plötzlich verhaftet wurde. Heute sitzt der auf der Anklagebank im NSU-Prozess. Seitdem brechen Fuchs‘ Telefonate manchmal ab. Der Journalist ist inzwischen vorsichtiger, um seine Quellen zu schützen — auch wenn er nicht glaubt, aktiv abgehört zu werden. Was die Geheimdienste über ihn gespeichert haben, hat ihn trotzdem überrascht.

2. „Ich bin kein Einzelfall“
(taz.de, Claudia Hennen)
Vor einem Jahr fand der Dortmunder Journalist Peter Bandermann seinen Namen auf einer Liste im Internet. Neonazis sammelten „insgesamt zehn Personen, die potenziell geeignet sein sollten, dass man vor ihrer Haustür demonstriert.“ Kurz darauf wurde seine Adresse veröffentlich, sein Haus mit schwarz-roter Farbe beworfen. Im Februar erschien eine Todesanzeige mit seinem Namen, seitdem gehören anonyme Anrufe, Nachstellungen und Nazi-Post zu Bandermanns Alltag. Davon erzählt er im Interview mit Claudia Hennen. Zum Thema: „Zapp“ mit „Pegida und Co. bedrohen Journalisten

3. Der Tag, an dem mir klar wurde, wie egal die „Bild“-Zeitung ist
(rnd-news.de, Ulrike Simon)
Ulrike Simon ist „Bild“ egal. Zumindest so egal, dass sie in ihrer Kolumne darüber schreibt, wie egal „Bild“ ihr ist. Die Gleichgültigkeit kommt vor allem durch ein Gespräch mit dem Schauspieler Ulrich Matthes: „Sinngemäß und stark verkürzt hatte er gesagt, ‚Bild‘ sei ihm zwar unsympathisch, mehr aber noch egal.“ Das überzeugte Simon: „Bild“ lebe „in einer Parallelwelt. Ihr Verständnis von Prominenz und Relevanz hat mit meinem rein gar nichts zu tun.“

4. Wo die Recherche der Leser an ihre Grenzen stößt
(opinion-club.com, Falk Heunemann)
Das Recherchekollektiv „Correctiv“ will zwielichtige Finanzströme bei den 414 deutschen Sparkassen durchleuchten und hat dafür eine „virtuelle Redaktion“ aufgebaut, um sich von seinen Lesern helfen zu lassen. Falk Heunemann hält das für ein „nicht nur überfälliges, sondern auch gleich doppelt nützliches Projekt“ — sieht aber zwei Probleme und trägt „Correctiv“ und der Crowd eine weitere Recherche auf. In den Kommentaren antwortet „Correctiv“-Leiter David Schraven.

5. „Ich kämpfe weiter“
(tagesspiegel.de, Sonja Álvarez)
Ali Anousla drohen wegen seiner Recherchen in seinem Heimatland Marokko bis zu 20 Jahre Haft. Einschüchtern lassen will sich der Journalist allerdings nicht. Im Interview mit Sonja Álvarez spricht er darüber, wie sich seine Texte im Netz verbreiten, wie er seine Arbeit finanziert und mit welchen Mitteln der Staat versucht, ihn verstummen zu lassen.

6. Jugendwort 2015: Hefte raus, Vokabeltest!
(ze.tt, Mark Heywinkel)
Alljährlich sucht Langenscheidt nach dem „Jugendwort des Jahres“ — und genauso regelmäßig beschweren sich mittelalte Journalisten, dass junge Leute in Wahrheit doch völlig anders sprechen würden. Mark Heywinkel findet: „Welches Wort die Jury morgen zum Gewinner kürt, ist herzlich egal.“ Überhaupt solle man die ganze Sache nicht so ernst nehmen. Deshalb: „Auf zum Vokabeltest: Könnt ihr in der folgenden Geschichte unsere Lieblingsworte der Long- und Shortlist aus 2015 richtig zuordnen?“