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Lobschummelei bei Bild.de

Bei Bild.de platzen sie gerade fast vor Stolz:

Günter Wallraff hat dem “SZ Magazin” für die aktuelle Ausgabe ein großes Interview gegeben (kostenpflichtig). Darin erzählt der Investigativjournalist nicht nur, dass er geplant hatte, sich für einen ehemaligen US-Soldaten als “IS”-Geisel eintauschen zu lassen, sondern auch über sein Verhältnis zur “Bild”-Zeitung.

Er habe neulich per Zufall “den Artikel eines jungen Kollegen entdeckt”, der ihm gefallen habe, sagt Wallraff im Laufe des Gesprächs. Es geht um einen Text von “Bild”-Reporter Daniel Cremer, der unter falschem Namen an einem sogenannten “Entschwulungskurs” in den USA teilgenommen und darüber berichtet hat.

Wallraffs Aussage zitiert Bild.de so:

Jubel in der Redaktion:

Großes Lob von Günter Wallraff (73) — für BILD!

Das Problem dabei: Bild.de hat einen nicht ganz unwesentlichen Teil von Wallraffs Aussage weggelassen (von uns gefettet):

Der hätte eine reißerische Kolportage daraus machen können, aber seine Reportage war einfühlsam und überzeugend, und er hat die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen respektiert, was ansonsten ja nicht gerade Bild-typisch ist. Diese Selbsterfahrung hätte genauso in der Zeit oder der Süddeutschen erscheinen können. Ich bin immer wieder froh, wenn ich in meiner Grundhaltung irritiert werde.

Auch vor und nach dieser Stelle singt “Bild”-Kritiker Wallraff kein Loblied auf das Boulevardblatt. Mit freundlicher Genehmigung des “SZ Magazins” zitieren wir hier (ganz ohne Kürzungen) die Passagen, in denen sich Günter Wallraff über die “Bild”-Zeitung äußerst:

Sie klingen andererseits immer wieder so versöhnlich. Gibt es jetzt bald Frieden mit dem Springer-Verlag?
Nachdem ich die Bild-Zeitung mit einem gemeingefährlichen Triebtäter verglichen hatte, rief mich deren Chefredakteur Kai Diekmann an und rechtfertigte sich, dass Bild nicht mehr so sei wie damals, als ich den Aufmacher veröffentlichte. Ich hatte den Eindruck, der will etwas ändern. Vielleicht ist aus dem Boulevard-Heroin inzwischen Methadon geworden. Früher war das Blatt ja mit Hetze gegen Ausländer, Linke und Minderheiten jeder Art durchtränkt. Seitdem gab es gab Wellenbewegungen, gelegentlich waren da Chefredakteure, die etwas weniger sensationsgierig, politisch etwas weniger rechts ausgerichtet waren. Dann produzierte Bild etwas weniger Hass, etwas weniger Frauenverachtung, etwas weniger Minderheitenhetze und dergleichen. Die Bild ist heute vorsichtiger geworden, das liegt sicher auch am Zeitgeist, der vulgären Sexismus oder dumpfen Rassismus nicht besonders mag.

Wie finden Sie die Berichterstattung der Bild-Zeitung über Griechenland?
Das war systematische Hetze mit Schlagzeilen wie: “Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen und die Akropolis gleich mit!” Ich kaufe die Bild ja nicht, aber in Zügen oder Restaurants liegt sie manchmal rum. Da habe ich neulich zu meiner Überraschung den Artikel eines jungen Kollegen entdeckt. Der Autor bekennt sich als schwul und hat sich in den USA undercover in eine dieser obskuren Selbsthilfegruppen begeben, die Homosexualität “heilen” wollen.

Jetzt beschäftigt sogar die Bild-Zeitung Wallraff-Schüler?
Der hätte eine reißerische Kolportage daraus machen können, aber seine Reportage war einfühlsam und überzeugend, und er hat die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen respektiert, was ansonsten ja nicht gerade Bild-typisch ist. Diese Selbsterfahrung hätte genauso in der Zeit oder der Süddeutschen erscheinen können. Ich bin immer wieder froh, wenn ich in meiner Grundhaltung irritiert werde. Ich brauche Irritationen.

Die Wandlungsfähigkeit des Bild-Chefs Kai Diekmann dürfte Ihnen doch gefallen. Der tritt mal mit, mal ohne Bart auf, mal im Anzug und mal im Kapuzenpulli.
Die Auflage von Bild ist den letzten Jahren gewaltig eingebrochen. Vielleicht ist seine äußerliche Verwandlung ja Ausdruck für den Versuch einer Neuorientierung. Ich habe Bild schon vor einiger Zeit zum Ansporn attestiert: Es gibt sehr wohl eine Sorte von Triebtätern, die noch therapierbar ist. Das müssen sie aber erst unter Beweis stellen.

Nachtrag, 20.23 Uhr: Bild.de gibt das Zitat jetzt doch vollständig wieder und schreibt unter dem Artikel:

*Das Zitat wurde nachträglich ergänzt, nachdem es in einer vorherigen Version nicht vollständig wiedergegeben war.

Unbekanntes Flugobjekt löst Eilmeldungen aus

Tweet von @faznet: "++EIL++ Das türkische Militär hat einen Kampfjet nahe der Grenze zu Syrien abgeschossen. Mehr in Kürze auf FAZ.NET"

Tweet von @BILD: "+++ EIL +++ Das türkische Militär hat nahe der Grenze zu Syrien einen Kampfjet abgeschossen. Mehr in Kürze auf bild.de"

Tweet von @ntv_EIL: "Breaking News: Türkei schießt Kampfjet ab."

Schlagzeile von stern.de: 'Grenze zu Syrien: Türkei schießt Kampfjet im türkischen Luftraum ab'
Schlagzeile von n-tv.de: 'Nahe der Grenze zu Syrien: Türkei schießt Kampfjet ab'
Schlagzeile von T-Online.de: 'Türkei schießt Kampfjet ab'
Schlagzeile von Huffingtonpost.de:
Schlagzeile von N24.de: 'Türkisches Militär schießt Kampfjet ab'
Schlagzeile von welt.de: 'Grenze zu Syrien: Türkei schießt im eigenen Luftraum Kampfjet ab'

Und so sieht er aus, der “Kampfjet”:

Mittlerweile haben die meisten Medien ihre Berichte korrigiert und schreiben jetzt von einer Drohne. Beispielsweise FAZ.net:

Das türkische Militär hat am Freitag nach eigenen Angaben eine Drohne über der Türkei nahe der Grenze zu Syrien abgeschossen. Zunächst hatte es Meldungen gegeben, es habe sich um ein Flugzeug gehandelt.

Und:

Bisher sei nicht bekannt, zu welchem Land das im türkischen Luftraum abgeschossene Objekt gehört habe, teilte der türkische Generalstab auf seiner Internetseite mit.

Bild.de weiß es aber natürlich schon:

Schlagzeile von Bild.de: 'Zwischenfall an der Grenze zu Syrien - Türkische Kampfjets schießen Russen-Drohne ab'

Mit Dank an Dawud.

Wo laufen sie denn?

Der “Fan Run” sollte der nächste Höhepunkt der selbstlosen “Wir helfen”Werbekampagne der “Bild”-Zeitung werden. Die Idee: Gemeinsam mit dem FC Bayern München einen Fünf-Kilometer-Lauf initiieren (als besonderes Leckerli dürfen die Teilnehmer im Innenraum des Bayern-Stadions eine Runde drehen), die Startgebühr von knapp 30 Euro pro Person soll — nach Abzug der Steuern — an die “Bild”-Stiftung “Ein Herz für Kinder” gehen. Und, schwups, wieder einmal den Feuerlöscher gemimt.

Seit Bekanntwerden der Pläne haben die “Bild”-Medien eifrig für den “Fan Run” getrommelt:




Klar, es gab auch Gegenwind. Gleich zu Beginn hatten Bayern-Fans in ihrem Blog “Miasanrot” moniert, dass nicht genau klar sei, wofür die Teilnahmegebühren verwendet werden, die Organisationsstruktur undurchsichtig sei und Daten der Läufer an den Axel-Springer-Verlag weitergeben würden. Einige der Punkte haben die Veranstalter ausgemerzt. Doch bis zuletzt gab es Kritik.

Alles kein Problem für die “Bild”-Profis, die direkt den Werbekonter einleiteten: Der frühere Fanliebling Hasan Salihamidzic forderte bei Bild.de:

Und “Bild”-Kumpel Lothar Matthäus jubelte:

Total super und riesig werde das alles, kündigten “Bild” und den FC Bayern an. “Tausende” Menschen würden teilnehmen:

Vergangenen Samstag fand der “Traum für alle Fans” schließlich statt. Es kamen: “über 500 Läufer”.

Mit Dank an Florian E.

“Bild” in die Tonne (3)

Hui, da war ja was los!

Eine größere Galerie mit Beispielbildern haben wir hier zusammengestellt (dauert einen Moment, bis alles geladen ist).

Über 5.500 Menschen, ein Dutzend Tiere und eine Pflanze haben sich an #BILDindieTonne beteiligt und ihre Gratis-“Bild” unschädlich gemacht. Viele haben auch gleich ihren Nachbarn einen Dienst erwiesen oder ihr Exemplar kurzerhand zurückgeschenkt. Mit so viel Einsatz hatten wir nicht gerechnet. Vielen Dank dafür!

Wir werden also alle der versprochenen 1.000 Lernhefte an Flüchtlingsunterkünfte verteilen. Und wir werden alle Spenden, die wir seit Dienstag bekommen haben, verwenden, um weitere Hefte zu besorgen (wie viele es am Ende geworden sind, tragen wir dann hier nach). Das Lernmaterial ist am besten für Unterkünfte geeignet, in denen es betreute Deutschkurse gibt. Wenn Sie Tipps haben, welche Unterkunft noch Hefte gebrauchen könnte, melden Sie sich gerne bei uns.

Die Gewinner der Verlosung kontaktieren wir in den nächsten Tagen.

Und falls Sie bisher ein schweres Rückenleiden daran gehindert haben sollte, die Gratis-“Bild” zu entsorgen: Hier kann man noch was Nützliches damit anstellen.

  

1329 x #BILDindieTonne

Bild.de hat den letzten

Auf den ersten Blick — und auch auf den zweiten — ist bei dieser Bild.de-Überschrift nicht so ganz klar, um wen es hier eigentlich geht: Um den vor zwei Tagen verstorbenen Hellmuth Karasek? Oder um “Bild”?

In der Gratis-“Bild”, die heute in allen Briefkästen des Landes stecken soll und die vermutlich schon im Druck war, als der Tod Karaseks bekannt wurde, klingt die Überschrift noch etwas weniger “Bild”-zentristisch:

Durch den Tod des Literaturkritikers wird eine Liste mit 25 Lesetipps, keiner davon länger als drei Sätze, für Bild.de und “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann (der es nicht hinbekommt, Karaseks Vornamen richtig zu twittern) also zum “Vermächtnis” Karaseks, der auch über 20 Bücher und für “Zeit” und “Spiegel” geschrieben hat und Teil des “Literarischen Quartetts” war und, und, und.

Nun gibt es aber noch ein Problem bei Karaseks Vermächtnis Liste: Sie hat ein paar Fehler. Zum Beispiel direkt bei Tipp Nummer eins, Günter Grass’ “Blechtrommel”:

Buchstäblich mit einem Paukenschlag meldete sich in diesem Schelmenroman der kleine Oskar Matzerath in die Literatur. Er weigerte sich zu wachsen und beobachtete mit dem Blick eines bösen Zwerges die schreckliche Erwachsenenwelt nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Ebenso erfolgreich wie das Buch war die Verfilmung von Volker Schlöndorff, die mit einem Oscar ausgezeichnet wurde.

Mit dem “Ausbruch des Ersten Weltkriegs” hat die Blechtrommel zeitlich nichts zu tun. Protagonist Oskar Matzerath wird erst 1924 geboren, also sechs Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs.

Und auch bei Tipp Nummer drei, Theodor Fontanes “Effi Briest”, passt der zeitliche Rahmen nicht so recht:

“Effi Briest” ist neben Tolstois “Anna Karenina” und Gustave Flauberts “Madame Bovary” der berühmteste Ehebrecherroman des 20. Jahrhunderts. Er beschreibt, an welchen Grenzen damals bürgerliche Frauen zerbrachen.

Theodor Fontane ist 1898 gestorben, also noch im 19. Jahrhundert. “Effi Briest” erschien wenige Jahre vor seinem Tod und ist damit — genau wie “Anna Karenina” und “Madame Bovary” — kein Roman “des 20. Jahrhunderts”.

Schade eigentlich, dass Hellmuth Karaseks letzter Text an diesen Details und dem offenbar nicht vorhandenen Gegenlesen der “Bild”-Redaktion krankt. Aber immerhin: Es ist ja nicht sein Vermächtnis.

Mit Dank an @SchaerWords.

Nachtrag, 16:53 Uhr:

Und auch bei Tipp Nummer 23 stimmt was nicht, diesmal sogar recht grundsätzlich:

Der große Roman der Wirtschaftskrise der kleinen Leute in Berlin zur Zeit des Börsenkrachs. Fallada beschreibt ein mutiges Paar, das trotz seiner “Stehaufmännchen”-Qualitäten unter die Räder zu kommen droht.

Diese Zweisatzbeschreibung soll laut “Bild” und Bild.de Hans Falladas Roman “Jeder stirbt für sich allein” zusammenfassen, klingt aber eher nach Falladas “Kleiner Mann — was nun?”.

Mit Dank an @JohannesFreytag und Jens.

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“Bild” in die Tonne (2)

Morgen startet unsere große Umtauschaktion Gratis-“Bild” gegen Deutsch-Lernheft.

Hier noch mal die Anleitung im Schnelldurchlauf: Gratis-“Bild” aus dem Briefkasten holen, ungelesen zusammenknüllen, in den Mülleimer werfen und das Endprodukt fotografieren. Dieses Foto dann per Twitter (mit dem Hashtag #BILDindieTonne), Facebook (als Kommentar zu diesem Post) oder E-Mail ([email protected]) an uns schicken. Wir tauschen dann die Fotos im Kurs 1:1 in Deutsch-Lernhefte für Flüchtlinge um.

Und damit sich der Einsatz doppelt lohnt, verlosen wir unter allen #BILDindieTonne-Einsendern folgende Bücher, die uns die Verlage freundlicherweise zur Verfügung gestellt haben:

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“Bild” in die Tonne

Am Donnerstag will der Axel-Springer-Verlag mal wieder eine Gratisausgabe der “Bild”-Zeitung ungefragt “an alle Haushalte in Deutschland” verteilen. Anlass ist dieses Mal “das 25. Jubiläum der Deutschen Einheit”, wie es in einer Broschüre für Werbekunden (PDF, Update: Inzwischen wurde die Folie zur Gratis-“Bild” aus der verlinkten Datei entfernt) heißt:

Für Widersprüche wie in den vergangenen Jahren ist es jetzt zu spät (wenige Tage vorher behauptet der Verlag immer, die Widersprüche könnten aus logistischen Gründen nicht mehr beachtet werden; schlauerweise hat er die Aktion bis heute nur seinen Werbekunden angekündigt und tut auf Anfrage so, als wisse er selbst noch gar nichts von einer Gratis-“Bild”), aber zum Einen gibt es ja noch ein paar schöne Anti-“Bild”-Briefkasten-Sticker zum Selberausdrucken. Oder aber: Sie tun mit dem Gratisexemplar noch etwas Gutes für Flüchtlinge — indem Sie es ungelesen wegschmeißen.

Denn hiermit präsentieren wir Ihnen die Gratis-“Bild”-Müll-Upcycling-Aktion: #BILDindieTonne.

So geht’s: Zerknüllen Sie am Donnerstag Ihre ungelesene Gratis-“Bild” und werfen Sie sie direkt in den Mülleimer. Machen Sie ein Foto davon und posten Sie es bei Facebook (als Kommentar zu diesem Post) oder Twitter (mit dem Hashtag #BILDindieTonne) oder schicken es uns per E-Mail ([email protected]). Für jedes Foto, das uns so erreicht, besorgen wir ein Exemplar eines Deutsch-Lernhefts für Asylbewerber. Das Lehrmaterial stellen wir dann Deutschkursen in Flüchtlingsunterkünften zur Verfügung.

Übrigens wird “Bild” mit der Sonderausgabe nicht nur 25 Jahre Deutsche Einheit, sondern vor allem natürlich sich selbst feiern. Und Einnahmen bringt die riesige Eigen-PR-Kampagne auch: Eine ganzseitige Anzeige kostet Werbekunden 4,2 Millionen Euro.

(Da unsere finanziellen Mittel etwas begrenzter sind, können wir vorerst maximal 1.000 Flüchtlinge mit Lernheften versorgen. Wenn Sie uns dabei unterstützen wollen, finden Sie hier alle Infos. Sollten wir am Donnerstag mehr Fotos bekommen, werden wir versuchen, Sponsoren für weitere Exemplare (Preis pro Deutsch-Lernheft: circa 5 Euro) zu gewinnen.)

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