Suchergebnisse für ‘pol’

Verlagsversagen, Köppels SVP-Organ, Crowdfunding-Republik

1. Fake News mit Fake Journals: Gender-Studies-Hoax als Verlagsversagen
(netzpolitik.org, Leonhard Dobusch)
Leonhard Dobusch berichtet auf “Netzpolitik.org” über Fake News im Wissenschaftsbetrieb. Schon seit längerem gäbe es eine wachsende Zahl an unseriösen Open-Access-Zeitschriften, die sich zwar als begutachtet („peer-reviewed“) bezeichnen, tatsächlich aber gegen Bezahlung einer Publikationsgebühr quasi jeden eingereichten Beitrag publizieren würden. Zuletzt hatte ein Artikel für Furore gesorgt, der beweisen sollte, dass Gender Studies unseriös seien. Dazu hatten Peter Boghossian und James Lindsay unter dem Titel „The conceptual penis as a social construct“ allerhand Unsinn zusammengeschrieben und erfolgreich im Journal “Cogent Social Sciences” zur Veröffentlichung eingereicht. Leonhard Dobusch dazu: “Mit ihrem Versuch, Gender Studies als Disziplin bloßzustellen, haben Boghossian und Lindsay tatsächlich skandalöses Verhalten offengelegt. Der Skandal liegt jedoch nicht im Bereich der Gender Studies, sondern im Bereich eines der größten wissenschaftlichen Verlagshäuser. Aus reinem Profitstreben heraus werden hier offensichtlich Kooperationen mit dubiosen Pseudo-Open-Access-Verlagen eingegangen, die sich wiederum mit einem vermeintlich seriösen Verlagsnamen schmücken können.”

2. Probleme der «Weltwoche» häufen sich
(nzzas.nzz.ch, Francesco Benini)
Die Schweizer “Weltwoche” hat nicht nur ein Auflagenproblem (in nur einem Jahr ist die Zahl der Leser um 22 Prozent geschrumpft). Für zusätzliche Unruhe sorgt auch die Doppelrolle ihres Chefredakteurs Roger Köppel, der eine politische Karriere gestartet hat und für die “SVP” im Schweizer Nationalrat sitzt. Dies schade dem Blatt; es werde seit seiner Wahl als “reines SVP-Organ” wahrgenommen.

3. DW-Korrespondent Niragira sofort freilassen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Der Deutsche-Welle-Korrespondent Antediteste Niragira ist in einem Flüchtlingslager an der Grenze zu Burundi verhaftet worden, wo er über die katastrophalen Lebensbedingungen der Menschen berichten wollte. “Reporter ohne Grenzen” fordert seine sofortige Freilassung: “Antediteste Niragira muss sofort freigelassen werden und sicher nach Burundi zurückkehren können. Journalisten, die über Missstände berichten, dürfen nicht wie Verbrecher oder Spione behandelt werden.”

4. «Wir wollen mehr Wertschätzung für den Journalismus»
(medienwoche.ch)
Es war ein sensationeller Crowdfunding-Erfolg für unabhängigen Journalismus: Binnen kürzester Zeit hat das zehnköpfige Zürcher Start-up-Projekt R (“Republik”) über 11 000 Mitglieder gewonnen und mehr als 2,8 Millionen Franken eingesammelt. Im Interview sprechen die Macher darüber, wie sie das Projekt ohne Werbung finanzieren, wie viel Mitspracherecht Geldgeber haben und welche Rolle die Community spielt.

5. Tageszeitung “Sözcü” erscheint mit leeren Seiten
(spiegel.de)
Aus Protest gegen die Verfolgung durch den türkischen Staat, hat die regierungskritische Zeitung “Sözcü” mit einer “Spezialausgabe zur Pressefreiheit” mit unbedruckten Seiten reagiert.

6. Revolution bei VG Wort: Urheber bekommen, was ihnen zusteht
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Nachdem einige Versammlungen der VG-Wort letztes Jahr sehr chaotisch und konfrontativ verlaufen waren, hat man nun eine Einigung erzielt, nach der in Zukunft die Einnahmen aus gesetzlichen Vergütungsansprüchen rechtskonform an die Urheber ausgeschüttet werden, ohne die Verleger vollständig auszuschließen. Der jetzt beschlossene Verteilungsplan soll jedoch nach dem Willen vieler Beteiligter nicht lange gelten, so Stefan Niggemeier. Im Hintergrund werde bereits daran gearbeitet, die Gesetzeslage so zu ändern, dass die alte Situation wieder hergestellt wird, die eine pauschale Beteiligung der Verlage ermöglicht.

Gerichts-TV, FPÖ-Pingpong, Kalter Kaffee

1. Neue Ansichten
(sueddeutsche.de, Wolfgang Janisch)
Nach langem Hin und Her haben sich die Verhandlungspartner auf einen Gesetzentwurf zum Thema Kameras im Gerichtssaal geeinigt. Aufnahmen historisch bedeutsamer Prozesse will man erlauben, jedoch nur Tonaufnahmen gestatten. Ob es in Zukunft ein Justizfernsehen geben wird, hängt unter anderem mit den Kosten zusammen. Beim BGH veranschlagt man das Schaffen einer Infrastruktur auf eine halbe Million Euro.

2. Was die Autoren über die Gründung der VG Wort wissen sollten
(wolfgangmichal.de)
Wolfgang Michal schreibt über die Entstehung der “Verwertungsgesellschaft Wort” (VG Wort). Bereits Jahre vor der Gründung gab es schon einmal den Versuch, eine Verwertungsgesellschaft der Autoren zu gründen: die „Gesellschaft zur Verwertung literarischer Urheberrechte“, abgekürzt GELU. Und er blickt auf eine Zeit, die gerne ausgeklammert wird: die Dreißiger Jahre.

3. Die Kartelle bestimmen deinen Todestag
(faz.net, Matthias Rüb)
Der 50-jährige Javier Valdez galt als einer der bekanntesten investigativen Reporter Mexikos. Er gehörte zu den Gründern von „Rio Doce“, der wichtigsten Informationsquelle über die organisierte Kriminalität in der Region und schrieb für verschiedene mexikanische Tageszeitungen. Nun wurde Valdez vor dem Bürogebäude des Wochenmagazins “Rio Doce” erschossen, am helllichten Tag und auf offener Straße. Mit ihm hat die Mafia eine Symbolfigur ausgeschaltet.

4. Facebook: Pingpong zwischen FPÖ und oe24.at
(derstandard.at)
Eine Medienagentur hat über 7.000 Facebook-Postings österreichischer Medien analysiert, sie mit der Printberichterstattung verglichen und Themen und Parteien zugeordnet. Viele der Postings fallen durch “stark negative, emotionale Wortwahl” und “beängstigende Inhalte” auf. Interessant ist auch die selektive Beschäftigung mit Parteien: Während die FPÖ in Print im März auf einen Anteil von zehn Prozent der Erwähnungen gekommen sei, hätte die Zuordnung bei den Facebook-Postings bei 21 Prozent gelegen. Bei der Webseite “oe24.at” war der Wert noch höher: Hier konnten 38 Prozent der politischen Berichte auf Facebook der FPÖ zugeordnet werden.

5. Was ihre Fälle unterscheidet – und was sie verbindet
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers)
Am 30. April wurde in der Türkei die deutsche Journalistin Mesale Tolu wegen angeblicher “Terrorpropaganda” inhaftiert. In den sozialen Netzwerken machte die Inhaftierung schnell die Runde, doch die Medien griffen die Thematik erst zwei Wochen später auf. Der Beitrag zeigt die Parallelen, aber auch die Unterschiede zum Fall Deniz Yücel.

6. Mit freundlicher Unterstützung von Nespresso
(nzz.ch, Rainer Stadler)
Im Schweizer “Tages-Anzeiger” erschien ein doppelseitiger Beitrag über Recycling. Das Ganze sollte wie Journalismus aussehen, war in Wahrheit jedoch (oben gekennzeichnete) Werbung für die Kaffeekapseln aus dem Haus Nespresso. Rainer Stadler schreibt in seiner Medienkritik: “Die deutliche Hervorhebung von gesponserten Beiträgen bedeutet nicht, dass darüber hinaus alles sauber verläuft. Der Konsument kann es glauben oder nicht, oder er vermag allenfalls die Konstellationen aufgrund der kontinuierlichen Lektüre eines redaktionellen Angebots einzuschätzen.”

Bild.de lässt Putin Geld an eine Frau zahlen, die eigentlich ein Mann ist

Bei all der Kritik an Medien hier auf der Seite, darf man nicht vergessen, dass viele Journalisten jeden Tag einen richtig guten Job machen. Eine Redaktion, die aktuell einen besonders guten Job macht, ist die der “Washington Post”. Das Team gräbt — ähnlich wie das der “New York Times” — immer wieder brisante Geschichten über US-Präsident Donald Trump aus.

Aktuell berichtet die “Washington Post” über ein Gespräch in vertraulicher Runde vom 15. Juni 2016, in der Kevin McCarthy, republikanischer Mehrheitsführer im Abgeordnetenhaus, zu führenden Parteifreunden sagt:

Es gibt zwei Leute, von denen ich glaube, dass sie von Putin bezahlt werden: Trump und Rohrabacher … ich schwöre bei Gott.

Die Unterhaltung zwischen McCarthy und seinen Kollegen soll kurz vor der Nominierung Trumps als republikanischer Präsidentschaftskandidat stattgefunden haben. Die Autoren der “Washington Post” schreiben, sie hätten nun eine Audioaufnahme des Gesprächs nachhören können. Kevin McCarthy sagt heute, dass seine Aussage damals ein Witz gewesen sei.

Jetzt müssten andere Medien nur noch auf diese Geschichte stoßen, sie aufschreiben und vielleicht noch kurz nachschauen, wer Dana Rohrabacher ist.

Dann mal los, Bild.de:

Washington Post enthüllt Geheimgespräch aus 2016 - Top-Republikaner: Ich denke, Putin bezahlt Trump

Damit wäre zudem offiziell, dass nicht nur das Trump-Team Gelder aus Russland erhalten hat. Dana Rohrabacher ist eine republikanische Kongress-Abgeordnete aus Kalifornien, die als starke Verfechterin Putins und Russlands gilt. Nach den Aussagen McCathys steht auch sie auf Putins Gehaltszettel.

Die Information über Rohrabacher findet man fast eins zu eins auch im Artikel der “Washington Post”:

Dana Rohrabacher is a Californian Republican known in Congress as a fervent defender of Putin and Russia.

Bild.de hat die Passage beinahe richtig übersetzt. Nur, dass Dana Tyron Rohrabacher ein Mann ist.

Mit Dank an Jörg L. für den Hinweis!

Nachtrag, 26. Mai: Christoph Herwartz weist darauf hin, dass der Mann/Frau-Fehler aus einer “dpa”-Meldung stamme:

Tatsächlich steht in der entsprechenden Agenturmeldung:

Dana Rohrabacher ist eine republikanische Politikerin, die sich wiederholt positiv über Russland und Wladimir Putin geäußert hatte.

Wir finden allerdings weiterhin, dass die Ähnlichkeit zwischen der falschen Bild.de-Passage und der Originalpassage der “Washington Post” größer ist als die Ähnlichkeit zwischen der falschen Bild.de-Passage und der falschen “dpa”-Passage.

Ausweis verloren – Schlagzeile bekommen

Ein 16-Jähriger soll vor ein paar Tagen in Lörrach zusammen mit zwei Komplizen einen Getränkemarkt überfallen haben. Noch ist nicht bewiesen, dass er wirklich einer der Täter ist, aber es spricht sehr viel dafür. Die Polizei fand einen Teil der Beute, insgesamt 13 Flaschen Alkohol im Wert von 500 Euro, im Zimmer des jungen Mannes, und was für ihn noch etwas unglücklicher ist: Am Tatort lag sein Ausweis.

Der erste Gedanke ist da natürlich: Wie kann so etwas passieren? Wie oft im Leben verliert man seinen Ausweis? Wie oft passiert das nüchtern? Und vor allem: Wie oft fällt einem der Ausweis in Situationen aus der Tasche, in denen man genau weiß, dass man auf keinen Fall Spuren hinterlassen darf?

Ich würde vermuten, die Wahrscheinlichkeit ist nicht wesentlich höher als die, dass einem Einbrecher beim Verlassen des Tatorts ein Flugzeug auf den Kopf fällt. Es könnte aber sein, dass ich mir irre, denn wenige Stunden nach dem Einbruch in den Getränkemarkt beobachtete in München ein Zeuge, wie ein Mann, etwa Mitte dreißig, versuchte, die Tür eines Geschäftshauses einzutreten. Der Zeuge rief die Polizei. Der Einbrecher flüchtete auf dem Fahrrad, was aber gar nicht nötig gewesen wäre, denn vor der immer noch verschlossenen Tür des Geschäftshauses lag eine Kundenkarte mit seinen Personalien.

Islamistische Terroristen, das wissen wir spätestens seit dem Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin, lassen ihre Ausweise absichtlich am Tatort zurück. Sie wollen die Welt wissen lassen, was ihre kranken Gehirne ihnen geflüstert haben. Ihre Taten sollen ein Mahnmal sein.

Bei den beiden Männern, die an einem Dienstagabend im März in Essen-Rüttenscheid in ein Blumengeschäft einstiegen, ist davon nicht auszugehen. Auf den ersten Blick war wohl gar nicht so klar, ob sie überhaupt das Prinzip des Einbruchs verstanden haben, denn eigentlich lassen Einbrecher ja Dinge mitgehen. Hier aber lag das Geld verteilt auf dem Boden. Und eben Ausweise. Wenn der Plural in der Polizeimeldung tatsächlich stimmt, sogar die beider Täter. Und das lässt sich mit Pech alleine wohl nicht mehr erklären?

Aber womit dann? Mit der Rechtslage?

In Deutschland ist jeder Mensch ab dem vollendeten 16. Lebensjahr verpflichtet, sich ausweisen zu können. Kann natürlich sein, dass das Pflichtbewusstsein hierzulande auch bei Einbrechern so ausgeprägt ist, dass sie im Falle einer Festnahme neben der Anklage wegen Einbruchs auf keinen Fall auch noch Ärger wegen eines fehlenden Personalausweises riskieren wollen. Und dann passiert das, was man selbst von längeren Bahnreisen kennt: Aus Sorge, irgendein wichtiges Dokument nicht eingesteckt zu haben, durchwühlt man zu Hause das Gepäck noch zwei überflüssige Male. Und dann lässt man die Tasche am Bahnhof beim Bäcker stehen.








Die Frage ist, ob das auch passieren würde, wenn man wüsste, dass man die nächsten Jahre bei Verlust der Tasche im Gefängnis verbringt. Ich vermute, da wäre man etwas vorsichtiger. Kriminellen dagegen scheint so was egal zu sein. Dabei müssen sie ja eigentlich nur an ein Dokument denken. Und mit dem können sie anstellen, was sie wollen. Nur eben eins nicht.

Ralf Heimann hat vor ein paar Jahren aus Versehen einen Zeitungsbericht über einen umgefallenen Blumenkübel berühmt gemacht. Seitdem lassen ihn abseitige Meldungen nicht mehr los. Er hat mehrere Bücher veröffentlicht, zuletzt zusammen mit Jörg Homering-Elsner “Bauchchirurg schneidet hervorragend ab — Perlen des Lokaljournalismus”. Fürs BILDblog kümmert er sich um all die unwichtigen Dinge, die in Deutschland und auf der Welt so passieren.
(Foto: Jean-Marie Tronquet)

Was wohl in anderen Berufen los wäre, wenn über die in ihnen tätigen Menschen immer wieder solche Meldungen zu lesen wären? Architekt baut Haus ohne Türen. Bäcker vergisst, Brote zu verkaufen. Feuerwehr fährt ohne Schläuche los.

Und das nicht nur einmal, sondern wieder und wieder. Das sind ja Dinge, die man am ersten Tag lernt. Irgendwann schlügen wahrscheinlich die Berufsverbände Alarm. Danach würde man, um einfach etwas Sichtbares zu unternehmen, die Ausbildung reformieren. Und hier liegt wahrscheinlich auch das Problem mit den Einbrechern und Bankräubern. Ihre Lehre ist so gut wie überhaupt nicht organisiert. Während Finanzbeamte in Schulen lernen, die Leute um ihre Einnahmen zu erleichtern, eignen Einbrecher sich ihr Wissen ausschließlich in der Praxis an. Die Theorie fehlt vollkommen. Und das bleibt nicht ohne Folgen.




Es ist ein klassisches Bildungsproblem. Der Beruf steckt in der Krise. Andererseits sind die Beschäftigungsaussichten in Deutschland hervorragend. Nicht einmal jeder fünfte Täter wird gefasst. Das zieht Quereinsteiger an. Und vielleicht liegt hier auch die Erklärung für das Phänomen mit den Ausweisen. Als Einbrecher läuft das Geschäft anders als in Ausbildungsberufen. Die Kontaktdaten zurückzulassen, ist hier vollkommen zwecklos. Auch wenn die Leute sehen, dass man gute Arbeit geleistet hast — sie werden einen nicht empfehlen, und sie geben einem auch keine neuen Aufträge.

Die schwule Teufelsaustreibung der ARD beim “Eurovision Song Contest”

Der diesjährige “Eurovision Song Contest” steht unter dem Motto “Celebrate Diversity”. Eine gute Gelegenheit, einmal zu hinterfragen, warum die ARD — verantwortlich für den “ESC” in Deutschland — im Umgang mit Diversitätsfragen so grandios scheitert. Im letzten Jahr schaffte sie dabei mit den Ereignissen um die missglückte Nominierung von Xavier Naidoo so etwas wie einen Worst Case. Auch in diesem Jahr fremdelt die ARD mit dem, was den Contest eigentlich ausmacht.


(Screenshot Xavier Naidoo: eurovision.de; Foto Conchita Wurst: Albin Olsson, CC BY-SA 3.0)

Doch zunächst zurück zu der Sache mit Naidoo, der gerade rechtzeitig zum diesjährigen “ESC” mit seinem “Marionetten”-Song die Frage provoziert, wann die ARD sich endlich für den “Shitstorm” bedankt, der es ihr ermöglichte, den Sänger nicht zum “Eurovision Song Contest” schicken zu müssen.

Als der Sender nach der Nominierung Naidoos (ohne den sonst üblichen Vorentscheid) unter anderem mit Homophobie-Vorwürfen gegen ihren Kandidaten konfrontiert wurde, verweigerte er sich einer inhaltlichen Auseinandersetzung. Stattdessen versuchte der zuständige Koordinator Thomas Schreiber, die Kritik mit dem Hinweis auf die eigene Diskriminierungserfahrung des Sängers für absurd zu erklären:

Xavier Naidoo ist weder rechtspopulistisch noch homophob oder antisemitisch. Xavier ist als Kind selber massiv diskriminiert worden und hat Schläge bekommen, weil er keine weiße Hautfarbe hat.

Die Vorstellung, dass die Zugehörigkeit eines Menschen zu einer Minderheit diesen vor Ressentiments gegenüber einer anderen bewahren würde, ist von bewundernswerter Naivität. Ihm liegt ein Paternalismus zu Grunde, der im Grunde rassistisch ist. Dazu passt auch, dass Schreiber die Hautfarbe Naidoos mit einer politischen Haltung verwechselte und dessen geplanten Auftritt per se als Statement für Weltoffenheit hielt, hinter dem die tatsächlichen Statements des Künstlers zu marginalisieren sind. Es ist eine Sicht auf Minderheiten, die bei allen sich dahinter offenbarenden Abgründen auch etwas Drolliges hat: Ein Blick wie auf wie separat eingezäunte Tierarten im Zoo — so sind sie, die Schwarzen, so sind sie, die Homos. Die Merkmale, mit denen sich Minderheiten unterscheiden, werden zu Schablonen. Vielfalt, so darf man der ARD unterstellen, bedeutet hier das Ausstellen von Schablonen, nicht deren Dekonstruktion.

Sobald die von der ARD umhegten Minderheiten zu selbstständigen Akteuren werden, passen sie nicht mehr ins Format. Wie brisant ein solcher Blödsinn werden kann, zeigte sich im weiteren Verlauf der Naidoo-Debatte: Die Warnung vor Homophobie (also vor einer Aggression) wurde mit Hilfe der von der ARD vorgegebenen Argumentationsmuster zur eigentlichen Aggression umgedeutet — nicht Homophobie ist das Problem, sondern die Homosexuellen und ihre Unterstützer, die sich dagegen wehren, sind es. Die Tatsache, dass Naidoo dann schließlich doch nicht zum “ESC” fahren “durfte”, verlieh dem homophoben Zerrbild einer “aggressiven Homolobby” dann auch noch zusätzliche selbsterklärende “Plausibilität”.

All das, was Theaterautor, Blogger und Marketingexperte Johannes Kram schon so gemacht hat, würde nicht in diese Box passen. Deswegen hier unvollständig und im Schnelldurchlauf: Nicht nur, aber auch wegen seiner Medien-Kampagne ist Guildo Horn zum “Eurovision Song Contest” gekommen. Den “Waldschlösschen-Appell” gegen Homophobie in Medien hat er initiiert. Sein “Nollendorfblog” bekam eine Nominierung für den “Grimme Online Award”. Und mit “Seite Eins — Theaterstück für einen Mann und ein Smartphone” hat er Boulevard-Kritik auf die Bühne gebracht. Dafür ein herzliches Dankeschön vom BILDblog.

Ob der ARD das Ausmaß ihrer Verstricktheit in diese ganze Naidoo-Geschichte, also auch in die heutige, bewusst ist? Ob sie versteht, dass die von ihr befeuerte “Plausibilität”, die eine Logik von vermeintlicher Verschwörung und vermeintlicher Ohnmacht ist, auch die innere Logik des “Marionetten”-Songs ist?

Hinter dem Fall Naidoo steht jedoch noch eine ganz andere Frage: Wieso versuchte die ARD, ausgerechnet einen auch im eigenen Haus großteils als homophob eingeschätzten Künstler in einem Format zu installieren, das als die Gay-Culture-Ikone des internationalen Fernsehens gilt? Nicht nur die Besetzung Naidoos, sondern auch fast alles, was die ARD seit Jahren rund um die “Eurovision”-Finalshow inszeniert, wirkt wie eine schwule Teufelsaustreibung. Dies hat zur Folge, dass sich alle fremd fühlen, nicht nur die queere Fanbasis, sondern auch die Musiker, die in den Vorabshows auf der Bühne stehen und deren Bekenntnisse zur Wichtigkeit des “ESC” für ihr eigenes Leben so wirken, als würde man ihnen eine Pistole vor das Gesicht halten. Kein Wunder, dass in dieser zynischen Grundkonstruktion nichts gelingen möchte. Es ist erstaunlich, mit welcher Inbrunst die ARD eine Marke zerstört, nur weil der Minderheitenzoo in ihren Köpfen sie nicht verstehen lässt, dass Queerness kein Hindernis dafür ist, ein großes, auch mainstreamiges Publikum zu erreichen. Sondern eine der besten Voraussetzungen dafür.

Statt kulturelle Unterschiedlichkeit zu zelebrieren, ist bei den Vorentscheidungsshows der letzten Jahre alles darauf ausgerichtet, diese zu negieren. In diesem Jahr war dieses Bemühen besonders erkennbar: Die Beiträge wurden von einer Jury (bestehend aus Lena, Tim Bendzko und Florian Silbereisen) kommentiert, deren Kompetenzen sich aus verschiedenen Musikkulturen begründet. Doch statt für die Verschiedenheit, die jeweiligen Stärken dieser kulturellen Hintergründe zu streiten, bestand die Aufgabe der Juroren offensichtlich darin, diese zu überwinden. Der Volksmusikstar sollte im popkulturellen Sinne cool sein, dafür der Teenie-Popstar schlagerkompatibel. Und Lena einfach irgendwer. Alles eine Sauce. “Celebrating Diversity” ist für die ARD vor allem das Verhindern von Diversity: Die Suche nach dem größten gemeinsamen Nenner.

Wer den “Eurovision Song Contest” nur für eine trashige Quatschveranstaltung hält (was er natürlich auch ist, aber eben nicht nur), dem mag all das egal sein. Aber er mag vielleicht auch erkennen, dass er so vielen Menschen nicht egal ist. Ein Hinweis darauf könnte sich etwa hinter der Tatsache verbergen, dass zum Sieg Conchita Wursts selbst die russischen Televoter mit beachtlichen acht Punkten beigetragen haben. Was den “ESC” zusammenhält ist eine Queerness im besten Sinne, also eine, die weit mehr ist als LGTBI, sondern das wohlwollende Zulassen und Integrieren abseitiger Identitäten, das Spiel mit Normen und nicht deren Restauration.

Die ARD scheitert seit Jahren am “ESC”, weil sie ihn nicht verstanden hat, nicht verstehen will. Der Wettbewerb ist ein Opfer ihres Unvermögens geworden, Popkultur als etwas zu verstehen, das Reibung und nicht Angleichung verlangt, und das verhindert hat, eigene erfolgreiche popkulturelle Musikformate in ihrem Programm zu verankern. Deshalb soll der “ESC” sein, was er nicht ist: Eine imposante, aber x-beliebige Musikshow, in der all das Schräge, Queere nur Kulisse und nicht das eigentlich Passierende ist.

So klang es schon fast wie eine kleine Unwetterwarnung, als der Off-Kommentar beim diesjährigen ersten Halbfinale einen Mann mit Rock ankündigen musste und diesen in der Kategorie “Paradiesvogel” verortete. So, als hätte es Conchita Wurst nie gegeben. So, als wären alle Heteros alle ein bisschen doof. Der wahre Paradiesvogel des “Eurovision Song Contests” heißt ARD.

ÖVP-Django, Nazibilder, Lanzelot Kubicki

1. Österreichs Vizekanzler tritt ab und keilt gegen den ORF
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der österreichische Vizekanzler und ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner hat den Rückzug von allen politischen Ämtern angekündigt. In einer eilig einberufenen Pressekonferenz kritisierte er auch den ORF scharf. Besonders gestört hat ihn wohl, dass er mit dem Film “Django – Die Totengräber warten schon“ in Zusammenhang gebracht wurde.

2. Grüße aus Ostpreußen
(sueddeutsche.de, Willi Winkler)
Wenn man nach Erkenntnissen eines Stuttgarter Historikers geht, wurden zwischen 1942 und 1945 ungefähr vierzigtausend Bilder zwischen den sich erbittert bekriegenden Ländern Amerika und Deutschland getauscht. Willi Winkler erzählt, wie die amerikanische Nachrichtenagentur AP mit einem berühmten Bild von Hitler und Mussolini noch kurz vor Kriegsende die Nazi-Propaganda unterstützte.

3. Schreibverbot für Streikende
(taz.de, Patrick Guyton)
Sechs Monate dauert nun schon der Kampf der Redakteure und Verlagsangestellten des „Obermain-Tagblatts“ für einen neuen Haustarifvertrag. Der Hintergrund: Seit zehn Jahren haben die Beschäftigten keine Lohnerhöhung mehr erhalten. Nun sind zwei Redakteure von der Verlagsleitung mit einem „Schreibbann“ belegt worden.

4. Stellvertreterkrieg ums Web
(zeit.de, Torsten Kleinz)
Wenn selbst Google angeblich an einem Werbeblocker für den konzerneigenen Browser Chrome arbeitet, weiß man, dass in Sachen Onlinewerbung einiges im Argen liegt. Torsten Kleinz fasst die derzeitige Situation zusammen. Dabei geht es nicht nur um den Aspekt der Monetarisierung von Onlineinhalten, sondern auch um Themen wie freie Meinungsäußerung, Netzneutralität und Datenschutz.

5. Wolfgang Kubicki und die dunkle Macht in Mainz
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Der schleswig-holsteinische FDP-Spitzenpolitiker Wolfgang Kubicki ereifert sich darüber, dass er von der Markus-Lanz-Redaktion ausgeladen wurde und wittert dahinter eine politische Verschwörung. Boris Rosenkranz erklärt, warum die Vorwürfe ins Leere gehen.

6. Skurriler Aufruf bricht Twitter-Rekord
(haz.de)
Der auf Twitter meistgeteilte Tweet war bislang das berühmte Oscar-Selfie von Ellen DeGeneres mit Stars wie Jennifer Lawrence, Bradley Cooper und Brad Pitt aus dem Jahr 2014. Der Rekord wurde nun gebrochen, wovon zwei Seiten profitieren: Der neue Rekordinhaber darf ein Jahr lang kostenlos Chicken Nuggets essen und die betroffene Fast-Food-Kette freut sich über die kostenlose Werbung.

6-vor-9-Sonderausgabe: Unsere Empfehlungen für den dritten Tag der re:publica 2017

Tausende Blogger, Medienleute und Netzaktivisten sind nach Berlin zur re:publica gereist, um die Themen der digitalen Gesellschaft zu diskutieren. Auch wir konnten dem Lockruf nicht widerstehen und sind dort. Besonders interessieren uns natürlich alle Themen, die im weitesten Sinne mit Medien zu tun haben. Deshalb haben wir aus der Vielzahl von Vorträgen die für uns interessanten Veranstaltungen des dritten Tags herausgepickt (was bei dem Überangebot nicht leicht war) und samt der offiziellen Beschreibungstexte hier aufgeführt. Vielleicht sieht man sich ja…

1. Privacy und datengetriebener Journalismus: Warum Datenschutz keine Innovations-Bremse sein muss (Stage 7 – 10.00 bis 11.00 Uhr)
(re-publica.com)
Datenschutz gilt als Bremse der Medien-Innovation. Muss das sein? Tatsächlich bieten sich viele Möglichkeiten, eigene Produkte innovativ und datenschutzkonform zu gestalten. In ihrem Talk präsentieren die Journalisten Marco Maas und Daniel Moßbrucker Ergebnisse einer Analyse der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung und stellen Thesen auf, welche Neuerungen für die Medien-Branche wichtig werden. Anhand eigens entwickelter Beispiele zeigen sie, wie neue Datenschutz-Pflichten in Apps journalistischer Angebote integriert werden können.
Marco Maas (Datenjournalist OpenDataCity)
Daniel Moßbrucker (Internet Freedom Desk Officer Reporters Without Borders)

2. Medienstrafrecht: Grundwissen für Blogger und Journalisten (Stage J – 10:00 bis 11.00 Uhr)
(re-publica.com)
Medienstrafrecht? Was ist denn das? Blogger, Vlogger, Podcaster, aber auch Print-Journalisten und Verleger sollten das eigentlich wissen. Denn es gibt einen Bereich des Strafrechts, der für diese Personengruppen in der täglichen Arbeit relevant ist – jenseits der jüngsten “Strafe für Fake-News” Debatte.
Ulrich Kerner (Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht der AnwaltFuerStrafsachen.de – FHF)

3. Der Source Code der AfD (Stage 5: 10:30 bis 11.00 Uhr)
(re-publica.com)
Oft wird argumentiert, Kritik an der AfD wäre durch die „Lügenpresse“ gesteuert und Äußerungen von Funktionären stünden nicht für die Position der Partei. Deshalb habe ich das getan, was jeder gute Nerd macht. Ich habe den Source-Code gelesen, also alle Wahlprogramme der AfD auf EU-, Bundes- und Landesebene. Hinzu kommen unzählige Anträge aus Bürgerschaften und Landtagen. Dieser Talk fasst die großen Baustellen der AfD zusammen. Und diese haben es in sich!
Katharina Nocun (Blogger kattascha.de)

4. Das Auge liest mit: Multimediales Storytelling ohne Code und Kohle (Media Cube – 11:15 bis 12:15)
(re-publica.com)
Geht nicht, gibt’s nicht! Multimediales Storytelling muss nicht teuer sein, wenn man die richtigen Programme kennt. Wir zeigen dir nützliche Tools, mit denen du deine Storys ohne Geld oder Programmierkenntnisse in multimediale Online-Reportagen verwandelst – und das ohne großen Aufwand.
Daniela Späth (Journalistin Deutsche Welle)
Michel Penke (Redakteur Gründerszene)

5. Geld im digitalen Journalismus – Wege zu innovativen Geschäftsmodellen (Media Cube – 12:30 bis 13:00 Uhr)
(re-publica.com)
Der digitale Wandel stellt Medienunternehmen vor eine große Herausforderung: Wie lässt sich online mit Informationsjournalismus Geld verdienen? Führt der Weg dahin über Kämpfe um das sogenannte Leistungsschutzrecht, Adblocker oder “zahlungswillige” UserInnen? Oder muss die Medienbranche stattdessen ebendiese UserInnen sowie deren Bedürfnisse ins Zentrum stellen, um daraus innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln? Und falls ja, wie geht das? Wir diskutieren mit euch, ob und wie man existierende digitale Geschäftsmodelle für Medien nutzbar machen kann.
Oliver Kaut (Vorstand Digital Media Finance Lab)
Paulina Parvanov (Journalistin Digital Media Finance Lab)

6. Innenminister de Maizière im netzpolitischen Dialog (Stage 2 – 12:30 bis 13:30 Uhr)
(re-publica.com)
Im Wahljahr gibt es auch auf der re:publica vermehrt interaktive Formate, die dem Publikum Fragen und Aufmerksamkeit abverlangen: Wir freuen uns sehr, erstmalig Thomas de Maiziére begrüßen zu dürfen. Nach einem Impulsvortrag trifft der Innenminister in einem moderierten Gespräch auf Constanze Kurz und Markus Beckedahl von netzpolitik.org- und zwar als Debattenformat: Moderatorin Geraldine de Bastion stellt Fragen zu netzpolitischen Kerngebieten- beide Seiten dürfen Stellung nehmen. Ausserdem wird es auch genügend Zeit geben für eure Fragen!
Geraldine de Bastion (Programmteam re:publica)
Constanze Kurz (Autorin netzpolitik.org)
Markus Beckedahl (Gründer und Chefredakteur netzpolitik.org)
Thomas de Maizière (Minister Bundesministerium des Innern)

7. Hands-on Verifikation: Social-Media-Inhalte überprüfen (Stage 7 – 12:30 bis 13:30)
(re-publica.com)
Augenzeugen-Fotos, falsche Verdächtigungen und spektakuläre Videos: Journalisten und Redaktionen haben eine besondere Sorgfaltspflicht, aber auch normale Nutzer sollten sich fragen: Stimmt das, was ich da mit einem Klick auf “Teilen” oder “Retweet” verbreite? Wir erklären, wie man Informationen, Bilder und Videos aus dem Netz einschätzen und überprüfen kann, und zeigen Beispiele aus dem redaktionellen Alltag. Hands-on: Bring your own device!
Fiete Stegers (Netzwelt-Redakteur NDR)
Wolfgang Wichmann (Redakteur tagesschau / tagesthemen ARD)

8. Berichterstattung für Flüchtlinge: Do´s and Don´ts (Media Cube 13:45 bis 14.45 Uhr)
(re-publica.com)
Alle reden über sie, aber wir reden mit ihnen: Flüchtlinge. Die anfängliche Begeisterung in der Bevölkerung ist gewichen, die Honeymoon-Phase haben wir hinter uns. Der direkte Draht in die Community ist umso wichtiger. Wir stehen täglich in direktem Kontakt mit unseren Usern bei Facebook. Besonders wichtig ist dabei auf Augenhöhe miteinander zu kommunizieren und die kleinen, aber feinen Unterschiede zu kennen.
Janina Werner (Journalistin WDRForyou)
Falah Elias (Reporter und Moderator WDR)

9. Gründung eines Medien-Startups (Stage 6 : 15:00 bis 16:00 Uhr)
(re-publica.com)
Immer mehr Journalisten entscheiden sich dafür, ihr eigenes Ding zu machen und ein Startup zu gründen. Doch dabei gibt es einiges zu beachten. Bei dieser Diskussion berichten unterschiedliche Gründer von ihren Erfahrungen, von Do’s und Don’ts und geben Interessierten somit einen realistischen Einblick was es heißt, ein Unternehmen an den Start zu bringen.
Pauline Tillmann (Chefredakteurin Deine Korrespondentin)
Nora-Vanessa Wohlert (Mit-Gründerin EDITION F)
Marco Maas (Datenjournalist OpenDataCity)
Laurent Burst (Mit-Gründer Project R / Republik)

10. Ein Taliban spielt Tagesschau – Die absurde Bildkultur Islamistischer Propaganda (Stage 3: 16:45 bis 17:15 Uhr)
(re-publica.com)
Rühmten sich Islamistische Gruppen Anfang des Jahrtausends noch mit einem Bildverbot, so streamen sie mittlerweile Ihre Propaganda nahezu live in das Internt. Als Reaktion darauf hat sich das Bildverbot in das Westliche Lager verschoben und der Ruf nach Zensur wird immer lauter. Ich habe mich als Künstler in den letzten Jahren intensiv den Bildern dieser Propaganda auseinandergesetzt und möchte darlegen weshalb ein gesellschaftlicher Diskurs hier sehr wichtig ist und ausgesprochen befreiend sein kann.
Simon Menner

11. Geh sterben du F°tze (Stage 2: 18:00 bis 18:30 Uhr)
(re-publica.com)
Eine Erlebnis-Session für alle, die noch nie im Zentrum eines Shitstorms standen. Jede:r weiß mittlerweile was ein Shitstorm ist. Wir kennen Politiker:innen, die im TV einzelne Hass-Tweets vorlesen. Aber wie fühlt sich das an, als Mensch Ziel so eines Shitstorms zu sein? Für alle, die mutig genug sind sich freiwillig 30 Minuten lang blankem Hass auszusetzen, bietet diese Session einen authentische Simulation.
Laura Sophie Dornheim (Digital Strategist)

12. Advanced Social Media Verification: Learn how to authenticate images and videos that emerge online (Stage 8: 17:30 bis 18:30 Uhr)
(re-publica.com)
In this practical workshop participants will learn the key steps that any journalist should take when working with images and videos that have been sourced online.
Isa Sonnenfeld (Head of Google News Lab DACH)
Claire Wardle (Director First Draft News)

6-vor-9-Sonderausgabe: Unsere Empfehlungen für den zweiten Tag der re:publica 2017

Tausende Blogger, Medienleute und Netzaktivisten sind nach Berlin zur re:publica gereist, um die Themen der digitalen Gesellschaft zu diskutieren. Auch wir konnten dem Lockruf nicht widerstehen und sind dort. Besonders interessieren uns natürlich alle Themen, die im weitesten Sinne mit Medien zu tun haben. Deshalb haben wir aus der Vielzahl von Vorträgen die für uns interessanten Veranstaltungen des zweiten Tags herausgepickt (was bei dem Überangebot nicht leicht war) und samt der offiziellen Beschreibungstexte hier aufgeführt. Vielleicht sieht man sich ja…

1. Flachsinn – über gute und schlechte Aufmerksamkeit, wie man sie bekommt, wer gewinnt und wohin alles führt (Stage 1 – 10:00 bis 11:00 Uhr)
(re-publica.com)
Früher war es nicht so gut, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. “Gehe nicht zum Fürst, wenn du nicht gerufen wirst.” Man wollte bestimmt nicht “auffällig” werden, weil Normabweichungen zu Nachteilen führten. Heute hat derjenige Erfolg, der Aufmerksamkeit auf sich zieht, “attraktiv” oder “visible” ist, also weithin “auffällig” wirkt und als “besonders” gilt. Die Aufmerksamkeit mausert sich seit Jahren zu einer Ersatzwährung.
Gunter Dueck (CEO Omnisophie)

2. Anonymous.Kollektiv & Migrantenschreck: Warum wir bei Rechten geklingelt haben (Stage 2 – 10:00 bis 11:00 Uhr)
(re-publica.com)
Hunderte Deutsche haben illegale Schusswaffen beim Online-Shop “Migrantenschreck” bestellt. Wir haben Dutzende besucht, viele von ihnen sind Menschen aus der Mitte der Gesellschaft. Das zeigt: Rechte Parolen sind im Mainstream angekommen, das Bild des angeblich kriminellen Flüchtlings verfängt. Wie können Journalisten damit umgehen? Wie ernst sollen wir die Ängste der besorgten Bürger nehmen?
Karolin Schwarz (Social Media Redakteurin & Journalistin Hoaxmap)
Max Hoppenstedt (Chefredakteur MOTHERBOARD)
Simon Hurtz (Redakteur SZ.de)

3. »Wir hab’n Polizei!« – Chancen & Herausforderungen beim Einsatz sozialer Medien in der Polizeiarbeit (Stage 2 – 11:15 bis 12:15 Uhr)
(re-publica.com)
Aufgezeigt werden soll, wie ein ganzer Berufsstand durch seine Kommunikation in den sozialen Medien eine Art Imageaufschwung von »dislikable« zu »loveable« erfahren hat, welche positiven Signale dies für unsere Gesellschaft, den Rechtsstaat und die Zukunft der digitalen Präsenz der Polizei haben kann, vor welche Herausforderungen der offene Dialog die Beamten aber auch stellt (Stichworte: Falschmeldungen, Hatespeech, Whistleblowing, Terrorwarnungen …) und wie diese Weise der »neuen Kommunikation« anderen Berufsgruppen zum Vorbild gereichen kann.
Alexa Brandt (Digitalredakteurin I Head of PR & Social Media result gmbh)
Katharina Kleinen-von Königslöw (Professor University of Hamburg)
André Karsten (Social Media Communicator / Polizeisprecher Soziale Medien Polizei Frankfurt am Main)
Thomas-Gabriel Rüdiger (Kriminologe FHPol Brandenburg)

4. Survival of the fakest? ARD und andere Medien im Kampf gegen gezielte Falschinformationen im Netz
(re-publica.com)
Derzeit scheint das Netz von Fake News durchsetzt zu sein. Meldungen, die im Internet kursieren, können weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen. Wie können wir uns gegen Falschmeldungen wappnen?
Stefan Niggemeier (Gründer Übermedien)
Juliane Leopold (Journalistin und Beraterin)
David Biesinger (Programmchef)
Patrick Gensing (Leiter Faktenfinder Tagesschau)
Richard Gutjahr (Journalist und Blogger G! blog)
Niddal Salah-Eldin (Head of Social Media WELTN24)

5. Exit Journalism: Dating-, Shopping-, und Vergleichsportale. Bestimmen sie die Zukunft der Medienkonzerne? (Stage 7 – 11:15 bis 12:15 Uhr)
(re-publica.com)
Springer macht in Immobilienanzeigen, Burda in Dating und P7S1 in Vergleichsportalen. Es scheint als ob die journalistischen Produkte nur noch als Startrampe für besser bezahlte Aktivitäten im Netz gesehen werden. Welche Rolle spielt Journalismus für die Konzerne? Wie kann sich das journalistische Kerngeschäft weiter entwickeln und eigenständig bestehen?
Hansi Voigt (Freier Medienberater)
Arne Wolter (Chief Digital Officer Gruner+Jahr GmbH + Co KG)
Caroline von der Groeben (Chief of Staff to the board Axel Springer SE)

6. What’s Up TV? Television from Abroad (Stage 6 – 12:30 bis 13:00 Uhr)
(re-publica.com)
Der Markt für Fernsehformate ist international, und TV-Trends verbreiten sich schnell über die ganze Welt. Trotzdem unterliegt jedes Land nationalen Eigenheiten und Geschmäckern. Was trotzdem Trend ist – oder zu einem werden könnte, welche Formate in der TV-Branche diskutiert werden und was für kuriose Auswüchse die TV-Produktion zuweilen zustande bringt, präsentiert die Session.
Marcel Amruschkewitz (Leiter Creative Unit VOX)

7. Beitragskürzung oder erweiterter Auftrag. Wohin entwickelt sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk? (Stage 7 – 12:30 bis 13:30 Uhr)
(re-publica.com)
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht unter Veränderungs- und Rechtfertigungsdruck, in Deutschland und in ganz Europa. Der Druck kommt nicht nur durch neue Medientechnologien und veränderte Medienrezeptionsgewohnheiten der Nutzer, sondern auch aus Politik und den eigenen Reihen. Innerhalb der Rundfunkanstalten wird in Arbeitsgruppen über zukünftige Strukturen, Reformansätze, Angebote und die Vorstellungen der Beitragszahler diskutiert.Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht unter Veränderungs- und Rechtfertigungsdruck, in Deutschland und in ganz Europa. Der Druck kommt nicht nur durch neue Medientechnologien und veränderte Medienrezeptionsgewohnheiten der Nutzer, sondern auch aus Politik und den eigenen Reihen. Innerhalb der Rundfunkanstalten wird in Arbeitsgruppen über zukünftige Strukturen, Reformansätze, Angebote und die Vorstellungen der Beitragszahler diskutiert.
Tabea Rößner (MdB Bündnis 90/Die Grünen)
Ulrike Simon (freiberufliche Medienjournalistin)
Hans Demmel (Vorsitzer / Geschäftsführer VPRT e. V. / n-tv)
Prof. Dr. Karola Wille (Intendantin des MDR und Vorsitzende der ARD)
Lauri Kivinen (CEO Yle – Finnish Broadcasting Company)

8. Jemand vor Ort? Lokaljournalismus zwischen Innovation, gesellschaftlicher Bedeutung und staatlicher Förderung. (Stage 7 – 15:00 bis 16:00 Uhr)
(re-publica.com)
In immer mehr Regionen in Deutschland gibt es nur noch eine Tageszeitung, auch im lokalen Rundfunk nimmt die Konzentration zu. Hyperlokale Blogs erschienen kurze Zeit als Alternative, die Finanzierung bleibt jedoch in den meisten Fällen schwierig. Um lokale Vielfalt zu erhalten, werden unterschiedliche Konzepte zur Weiterentwicklung und Förderung von Lokaljournalismus diskutiert und in einzelnen Bundesländern auch probiert.
Prof. Dr. Hansjürgen Rosenbauer (Vorsitzender des Medienrats Medienananstalt Berlin-Brandenburg)
Prof. Dr. Frank Lobigs (Professor für Journalistik, Schwerpunkt “Ökonomische Grundlagen des Journalismus” Inst. f. Journalistik, TU Dortmund)
Thomas Kralinski (Chef der Staatskanzlei & Beauftragter für Medien Staatskanzlei Land Brandenburg)
Patricia Schlesinger (Intendantin Rundfunk Berlin-Brandenburg)
Prof. Bascha Mika (Chefredakteurin Frankfurter Rundschau GmbH)
Isa Sonnenfeld (Head of Google News Lab DACH)
Andrea Hansen (Freie Journalistin und stellvertretende Landesvorsitzende DJV NRW)

9. Schöner Schein oder tiefgreifende Erkenntnisse? – Datenjournalismus im redaktionellen Alltag (Stage 4 – 16:15 bis 17:15 Uhr)
(re-publica.com)
Datenjournalismus schafft Ordnung im Chaos, zeigt komplexe Zusammenhänge auf und macht riesige Zahlenmengen auf einen Blick begreifbar. Datenjournalismus ist die Antwort auf die großen Datenmengen unserer Welt. Aber zeigt Datenjournalismus wirklich Neues? Interessieren sich die NutzerInnen dafür? Welche Reichweiten lassen sich damit erzielen? Und wie bindet man die Datenjournalisten sinnvoll in den Redaktionsalltag ein? Auf der Bühne: Macher und Experten mit Daten, Erfahrungen und Gedanken zu einem wichtigen Thema im Journalismus – nicht nur Online.
Lorenz Matzat (Journalist & Unternehmer Lokaler Infosystems)
Wolfram Leytz (Redaktionsleiter rbb|24 Rundfunk Berlin-Brandenburg)
Uli Köppen (BR Data)
Teresa Sickert (Journalistin Radiobüro)
Christina Elmer (Ressortleitung Datenjournalismus Spiegel Online)

10. Fake News und die Glaubwürdigkeitsdebatte. Wie dringt Journalismus noch durch? (Stage 7 – 17:30 bis 18:30 Uhr)
(re-publica.com)
Erst die Fake-News teilen, sich dann über die Gegenposition in den Medien aufregen, um sich schließlich bei Russia Today zu informieren. Der Kampf um Aufmerksamkeit im Social Web schafft schiefe Anreize für Medienmacher und Nutzer. Wie geht man mit den Unwahrheiten um? Wie stärkt der Journalismus seine Glaubwürdigkeit und dringt zu den Nutzern durch?
Dr. Barbara Hans (Chefredakteurin SPIEGEL ONLINE GmbH)
Jim Egan (CEO BBC Global News Ltd)
Dr. Joachim Huber (Leiter Ressort Medien Der Tagesspiegel)
Niddal Salah-Eldin (Head of Social Media WELTN24)
Dr. Maren Urner (Co-Founder and editor-in-chief Perspective Daily)
Dr. Rasmus Kleis Nielsen (Director of Research Reuters Institute, University of Oxford)

11. Fake sells: Eine wahre Geschichte in 2000 Facebook-Copys (Stage 1 – 18:45 bis 19:15 Uhr)
(re-publica.com)
Fake News sind immer die News der anderen? Unsere Datenanalyse zeigt, wie sich Falschmeldungen auszahlen und mit welchen Strategien Medien Fakes verbreiten: Jeder dritte Facebook-Post enthält Spuren von Unwahrheit. Um dem Problem beizukommen, gilt es zu differenzieren: zwischen Propaganda, Clickbait und Fahrlässigkeit. Wir präsentieren das Thema als interaktive Game Show mit zwei Kandidaten und einer Hydraulikpresse (Modell „Lügenpresse™“) auf der Bühne, die über Wahrheit und Fake richtet.
Theresa Locker (MOTHERBOARD)

12. Unfragen und Umfragen: Wenn Meinungsforschung Meinung macht
(re-publica.com)
Wir konsumieren Eindeutigkeit: 2,5 Milliarden Euro pro Jahr geben deutsche Politik und Wirtschaft für quantitative Meinungsforschung aus, 150 Umfragen beauftragt allein das Bundeskanzleramt jährlich. Doch nach Wahlkämpfen, die mitunter von Bots und sogenannten Fake News bestimmt wurden, scheint es immer schwieriger, diese Eindeutigkeit zu finden. Große Medien nutzen zur Steigerung ihrer Engagement-Raten häufig einfache Klick-Tools, um Meinungen abzufragen. Welche Meinungen diese Ergebnisse widerspiegeln ist fraglich.
Christian Humborg (Of Counsel CORRECT!V)
Janina Mütze (Co-Founder & COO Civey)

6-vor-9-Sonderausgabe: Unsere Empfehlungen für den ersten Tag der re:publica 2017

Tausende Blogger, Medienleute und Netzaktivisten sind nach Berlin zur re:publica gereist, um die Themen der digitalen Gesellschaft zu diskutieren. Auch wir konnten dem Lockruf nicht widerstehen und sind dort. Besonders interessieren uns natürlich alle Themen, die im weitesten Sinne mit Medien zu tun haben. Deshalb haben wir aus der Vielzahl von Vorträgen die für uns interessanten Veranstaltungen des ersten Tags herausgepickt (was bei dem Überangebot nicht leicht war) und samt der offiziellen Beschreibungstexte hier aufgeführt. Vielleicht sieht man sich ja…

1. Ein Plädoyer für anständiges Community Management (Stage 2 – 11:00 bis 12:00 Uhr)
(re-publica.com)
Was gutes Community Management mit gesellschaftlicher Verantwortung zu tun hat? Viel mehr als wir denken. Die Unart Nutzer öffentlich vorzuführen schadet nicht nur der Glaubwürdigkeit der dahinter stehenden Institutionen, sondern führt zu einer Verstärkung der jeweiligen Filterblasen. Warum das so ist und was wir dagegen tun können, diskutieren wir nach einer kurzen thematischen Einführung mit einer illusteren Runde von Praktikern. Wir zeigen Euch, was wir alle dafür tun können, um die Diskussionskultur im Netz wieder besser zu machen.
Tanja Laub (Berater Community-Management Walkabout Media)
Ulrich Gelsen (Social-Media-Redakteur BKM)
Lutz Staacke (Head of Social Media Management Deutscher Landwirtschaftsverlag)
Vivian Pein (Vorstand Bundesverband Community Management)

2. Wie digitale Medien das Machtmonopol von Spitzensportverbänden verändern (Stage 3 – 12:15 bis 13:15 Uhr)
(re-publica.com)
Digitale Medien und sportpolitische Blogs haben einen immensen Einfluss auf Veränderungen im Spitzensport. Sie können dazu beitragen, den Sportverbänden das Machtmonopol über den Spitzensport zu entreißen. Neben Bloggern müssen Spitzensportler in der Zukunft digitale Medien intensiver nutzen, um eigene Interessen durchzusetzen. Athleten sind in der heutigen Zeit nicht mehr von den traditionellen Medien abhängig und können so eigenständig über die digitalen Medien ihre Meinung äußern, Interessen vertreten und sich vermarkten.
Jonathan Sachse (Reporter CORRECT!V)
Marthe-Victoria Lorenz (Geschäftsführung fairplaid)
Benjamin Bendrich (Sportwissenschaftler/ Blogger “der ball lügt nicht”)

3. Neue Player, frisches Geld: Goldene Zeiten für Film und TV? (Stage 6 – 12:15 bis 13:15 Uhr)
(re-publica.com)
Online Originals für Marken und Plattformen, die Suche nach dem nächsten Superformat im TV und neue Mittel in der Filmförderung: Produzenten stellen sich für die Zukunft neu auf. Für wen brechen goldene Zeiten an? Mit welchen Erfolgsgeschichten kann das deutsche TV glänzen? Wo steht die Film- und Medienwirtschaft generell?
Stefan Arndt (Geschäftsführer X Filme)
Stefan Schnorr (Abteilungsleiter Digital- und Innovationspolitik Bundeswirtschaftsministerium)
Marcus Wolter (CEO Endemol Shine)
Julia Vismann (Redakteurin, Reporterin, Moderatorin radioeins vom rbb)

4. Wie Podcasts mehr Leute erreichen können (Stage 8 – 12:15 bis 12:45 Uhr)
(re-publica.com)
Podcasts und Audio im Netz könnten noch viel erfolgreicher sein: für NutzerInnen UND MacherInnen. In verschiedenen Bereichen fehlt Bewegung. Wie noch mehr Bewegung in dieses spannende Umfeld kommen kann, wird hier vorgestellt und diskutiert.
Christian Bollert (Managing director detektor.fm / BEBE Medien GmbH)

5. Mit den Trollen ums Datenfeuer tanzen (Stage 3 – 13:30 bis 14:00 Uhr)
(re-publica.com)
Sifftwitter, Hasstwitter, Trolltwitter. Nur drei der Labels, die für eine lose Gruppe von Accounts genutzt wird. Angeblich das Schlimmste, das Twitter zu bieten hat. Ich habe mich mit ihnen unterhalten und Netzwerkvisualisierungen erstellt, um zu verstehen, was dran ist und wie man damit umgehen kann. Es sind relativ wenige, sie haben unterschiedliche Motive und dennoch üben sie eine gewisse Macht aus. Mit Fallbeispielen wie #RasenmäherGegenSexismus, #löschDichTeilzeit und #fragDagi.
Luca Hammer (ruhefaktor/)

6. Türkei unzensiert – Meinungsvielfalt in der Türkei (Lightning Talks 2 – 13.30 bis 14.00 Uhr)
(re-publica.com)
Mit “Türkei unzensiert” bietet der WDR eine mehrsprachige Plattform zur Situation in der Türkei. Ziel ist es, einen Beitrag zur Debatte und damit zum besseren Verständnis der politischen und gesellschaftlichen Ereignisse zu bieten.
AutorInnen und JournalistInnen aus der Türkei melden sich via Video-Messages aus der Türkei zu Wort, ExpertInnen aus Deutschland liefern weitere Perspektiven. Neben WDR-Inhalten kuratiert das deutsch-türkische JournalistInnenteam Beiträge dritter Medien und macht auch in der Türkei gesperrte Inhalte zugänglich.
Schiwa Schlei (Content Chefin COSMO)
Erkan Arikan (Journalist, Reporter, Moderator, Leiter der türkischen Redaktion cos)
Bülent Mumay (FAZ & WDR Kolumnist Türkei unzensiert)

7. Das BAMF in den Sozialen Medien: Unser Umgang mit Hate Speech und alternativen Fakten (Lightning Talks 2 – 14.00 bis 14:30 Uhr)
(re-publica.com)
Das Social Media Team des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) befasst sich mit der Grauzone zwischen Hate Speech und Meinungsäußerung und zeigt, wie das Bundesamt mit zweifelhaften Kommentaren auf seinen Social Media Kanälen umgeht.
Theresa Charlotte Edelhoff (Social Media Managerin BAMF)
Stefanie Bächler-Grünke (Social Media Managerin BAMF)

8. Fakes, Leaks und Desinformation – Verlässlicher Journalismus im Nachrichtensturm (Stage 2 – 14:45 bis 15:45 Uhr)
(re-publica.com)
„Stimmt das?“ Eine einfache Frage, die doch so schwer zu beantworten ist. Vor allem im Jahr der Bundestagswahl hat diese Frage für den Journalismus eine besondere Bedeutung. Der Präsidentschaftswahlkampf in den USA wurde auch mit Lügen, Leaks und Desinformation geführt. Im deutschen Bundestagswahlkampf muss mit vergleichbaren Vorfällen gerechnet werden.
Eva-Maria Lemke (Moderatorin “ZDF-Morgenmagazin” und “heute+”, Reporterin, Autorin)
Claus Kleber (Jurist, Journalist, Buchautor und Fernsehmoderator. Moderator des ZDF-“heute-journals”)
Ralf Paniczek (Leiter Rechercheteam “#ZDFcheck17” ZDF)

9. Die Macht der Sprachbilder – Politisches Framing und neurokognitive Kampagnenführung (Stage 1 – 16.00 bis 17.00 Uhr)
(re-publica.com)
Language is never innocent. ~ Roland Barthes // Im Januar 2017 zog Donald Trump nach einer donnernden Wahlkampagne ins Weiße Haus ein. Die Welt hatte bis zuletzt Hillary Clinton für überlegen gehalten – „Faktencheck“ hieß die Zauberformel, die am Ende keine war. Bis heute klammern sich viele an die Hoffnung des rationalen Wählers.
Elisabeth Wehling (Neuroforscherin und Linguistin)

10. Clickbait für Videocontent. Wie das Bohemian Browser Ballett Clips viral macht (Media Cube – 16.30. bis 17.00 Uhr)
(re-publica.com)
Das offizielle Ballett des deutschen Internets bringt Talente aus Comedy, Musik und Online-Unterhaltung auf Deinen Browser. Als linksgrünversiffter Stachel im Arsch der Revolutionäre ist das Bohemian Browser Ballett das perfideste Propaganda-Instrument des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und der Scheinregierung der BRD GmbH. Wir vergiften die Köpfe der jungen deutschen Intelligenzija mit vermeintlichen “Gags” manipulieren damit aber aufs Hinterfotzigste ihre Meinung.
Martin Danisch (Geschäftsführer Turbokultur GmbH)
Christian Brandes (Autor Schlecky Silberstein)

11. Journalist als Social Entrepreneur (Stage J – 18:30 bis 19:30 Uhr)
(re-publica.com)
Social Entrepreneurs im gemeinnützigen Journalismus sind innovationsfreudige Vordenker*innen: Die durch die Digitalisierung gewonnenen publizistischen Möglichkeiten werden von vielen Nonprofit-Projekten gewinnbringend genutzt. Der Workshop soll die Teilnehmer*innen ermutigen und befähigen, Gründungsideen zu entwickeln und zu realisieren.
Thomas Schnedler (netzwerk recherche e.V.)
Jessica Schober (Newscomer)
Günter Bartsch (Geschäftsführer netzwerk recherche)
Tabea Grzeszyk (CEO and Co-Founder hostwriter.org)
Arne Semsrott (FragDenStaat.de Open Knowledge Foundation)

12. Meme-Jeopardy (Stage 4: 20:15 bis 20:45 Uhr)
(re-publica.com)
„Die Woodys“ laufen bei Euch in Dauerschleife, in Eurem Zimmer steht längst ein Harambe-Schrein und den Harlem-Shake habt ihr schon getanzt, als es noch cool war? Ihr glaubt also, Euch gut auszukennen in der Welt der Memes? Zeigt es uns und kommt zum Meme-Jeopardy! Vom Youtube-Gassenhauer bis zum undergroundigen Twittertrend – wir testen, wie ihr euch in der schönen Welt der Netzphänomene auskennt. Belohnt wird das Wissen mit hochwertigen Paarkartenspielen mit Memen (zweite Edition!). Und damit ihr nicht dümmer geht als ihr gekommen seid, gibt es zu jedem Meme ein bisschen Angeberwissen mit nach Hause.
Christian Schiffer (Redakteur Bayerischer Rundfunk)
Anna Bühler (Freie Autorin PULS vom BR)

Deniz-Yücel-Brief, Olaf Utan, “Deppenleerzeichen”

1. „Alles, was ich verlange, ist ein fairer Prozess“
(welt.de, Deniz Yücel)
Der “Welt”-Korrespondent Deniz Yücel sitzt in der Türkei seit vielen Wochen in Einzelhaft. Die Tatvorwürfe sind in höchstem Maße zweifelhaft. Der türkische Präsident Erdogan redet von Spionage und Terrorismus. Nun meldet sich Yücel mit einem Brief, den er seinen Anwälten bei einem Besuchstermin diktiert hat. Er wolle keineswegs “ausgeliefert” werden, sondern verlange einen fairen Prozess.

2. Auch AfD-Anhänger liken “Mainstream-Medien”
(sueddeutsche.de, Simon Hurtz)
Bislang ist wenig bekannt darüber, wie es zur politischen Willensbildung in sozialen Netzwerken kommt beziehungsweise wie dort Politik gemacht wird. Über Monate hat die “SZ” in einer großen Datenrecherche Facebooklikes gesammelt und ausgewertet. Simon Hurtz hat sich das Datenmaterial angeschaut. Welche Medien sind in den politischen Lagern besonders beliebt? Und worüber wird parteiübergreifend am meisten gelacht?

3. Das Deppenleerzeichen gibt es nicht: Eine Art Replik
(sprachlog.de, Kristin Kopf)
Die Sprachwissenschaftlerin Kristin Kopf hatte kürzlich ein Gespräch mit einem dpa-Journalisten. Es ging um Leerzeichen und Bindestriche in Komposita und Schreibweisen, die bei Lesern und Leserinnen immer wieder zu heftigen Reaktionen führen (z.B.: Johannes Gutenberg-Universität, dpa-Kindernachrichten, Würfel Zucker). Nun ist der Artikel erschienen und Kristin Kopf ist vom Ergebnis genervt. Sie erklärt warum und macht uns alle nebenbei ein klein wenig schlauer, was Sprache und Hochmut anbelangt.

4. “Das erspart mir Drohbriefe” – Der Mann hinter Böhmermanns Songs im Interview
(noisey.vice.com, Linus Volkmann)
Jan Böhmermann präsentiert in seiner Sendung “Neo Magazin Royale” gelegentlich Songs aus eigener Herstellung. Maßgeblichen Anteil an diversen bekannten Stücken aus der Show hat der Tonmeister der Sendung. Linus Volkmann hat sich mit dem Mann unterhalten, der sich speziell für Böhmermanns letzten Charterfolg das Pseudonym “Olaf Utan” zugelegt hat.

5. Die AfD und die öffentlich-rechtlichen Medien: „Lassen Sie uns doch mal vernünftig miteinander reden“
(boell.de, Audio, 23:40 Minuten)
Im Podcast der Böll-Stiftung ging es um die Frage, wie die öffentlich-rechtlichen Medien mit der AfD umgehen und wie sie mit ihr umgehen sollten. Im Interview spricht der Rechtsextremismus-Experte David Begrich vom Verein “Miteinander” über die anfängliche “Dauerrepräsentanz des Ressentiments” im Fernsehen, über das paradoxe Verhältnis der Partei zu den Medien, Alternativen zur Talkshow – und über die Unfähigkeit von Politikern, dem vorgeblich “gesunden Menschenverstand“ der AfD eine eigene Sprache entgegenzusetzen.

6. Elefanten, Handcreme und der Papst: Hier arbeitet die „Bunte“-Vizechefin
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz & Mats Schönauer)
Am Landgericht Hamburg steht das Urteil im Prozess Michael Schumacher gegen die „Bunte“ an. Gegenstand des Streits ist eine Geschichte aus der Feder der stellvertretenden Chefredakteurin Tanja May. Wer ist diese Frau und hat sie vielleicht ein süßes Geheimnis? Zum Glück gibt es ein Foto, das Rückschlüsse erlaubt. Rückschlüsse, die mindestens so ernst zu nehmen sind wie die Berichterstattung der “Bunten”.

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