1. “Journalismus von morgen – Die virtuelle Feder” (arte.tv, Video, 89:37 Minuten)
Eine Dokumentation über die Zukunft der Zeitung: “Wie müssen sich Zeitungen verändern, um zu überleben? Oder ist es schon zu spät?”
2. “Exekution durch Hamas: ‘Sehr sozial abgelaufen'” (ruhrbarone.de, Martin Niewendick)
Martin Niewendick befasst sich mit einem Blogbeitrag von Journalist Martin Lejeune: “Die Frage, die Lejeune hier elegant umschifft, lautet aber: Wie legal ist die Justiz einer Gruppierung, die als Terrororganisation eingestuft wird (und sich entsprechend verhält); die Menschen an Motorräder bindet und bis zum Tod durch die Straßen schleift; die die eigene Bevölkerung als menschliche Schutzschilder missbraucht? Fragen über Fragen, und Martin Lejeune stellt keine einzige davon.” Siehe dazu auch “Distanz als Lernprozess” (anlasslos.de, Tilo Jung) und “Stellungnahme zum taz-Vorwurf” (ruhrbarone.de).
3. “Da platzt das Phrasenschwein” (zeit.de, Christian Spiller)
Christian Spiller würdigt die Fußball-Talkshow “Doppelpass”: “Das ist die Qualität am Doppelpass: Man wird verschont von den großen Problemen der Fußballwelt, die das Ganze vielleicht mal zum Implodieren bringen könnten. Stattdessen lieber fünf Superzeitlupen von Jürgen Klopps Torjubel plus Interpretation allerseits. Leider ist Udo Lattek nicht mehr dabei.”
4. “‘Gerigate’ – Märchen für Erwachsene” (suedostschweiz.ch, Dennis Bühler)
Dennis Bühler blickt zurück auf die ersten zehn Tage der “Nacktselfie-Affäre” um den Schweizer Nationalrat Geri Müller: “In vielem ist der Fall Müller ein Paradebeispiel eines Medienskandals – denn erst durch die Berichterstattung der ‘Schweiz am Sonntag’ wurden die Nacktselfies von Geri Müller zum Skandal, erst die Veröffentlichung und die darauf folgenden Recherchen und aufgedeckten politischen Verstrickungen schufen eine (Schein-)Relevanz.”
5. “Potsdams Linke-Chef zeigt Reporter den Stinkefinger” (tagesspiegel.de, Henri Kramer)
Sascha Krämer, Kreisvorsitzender der Partei “Die Linke” in Potsdam, zeigt “einem Reporter der Boulevardzeitungen ‘Bild’ und ‘BZ'” den Stinkefinger: “Linke-Politiker und die Parteizentrale sahen sich genötigt, auf Distanz zu Krämer zu gehen, der in Potsdam als Direktkandidat zur Wahl antritt.”
Das Land Nordrhein-Westfalen will bei Fußballspielen künftig offenbar weniger Polizei einsetzen, was die “Bild”-Zeitung seit ein paar Tagen zum Anlass nimmt, das sportliche Sommerloch mit einbisschenHysterie zu füllen.
Für ihre gestrige Ausgabe hat sie sich diese neue Schreckensliste ausgedacht:
Minden, Mannheim, Hamm, Kassel, Würzburg, Magdeburg gehören zu den gefährlichsten Orten im deutschen Fußball.
Grund: Es sind sechs von zehn Umsteige-Knotenpunkten der Deutschen Bahn, an denen die Fans Wochenende für Wochenende aufeinander prallen.
Begleitend dazu haben die “Bild”-Onliner eine flotte Infografik gebastelt, deren Informationsgehalt sich bei näherem Hinsehen allerdings eher in Grenzen hält (Klick für größere Version):
Gut, inzwischen wurde der “sehr lange Text” ersetzt, aber viel besser ist es dadurch nicht geworden.
Ein paar Beispiele.
Am 23. August könnte es laut Bild.de in Minden gefährlich werden, weil dort Schalke-Fans (die nach Hannover wollen) auf Fortuna-Köln-Fans (die nach Bielefeld wollen) treffen könnten:
Allerdings: Von Köln fahren Züge direkt nach Bielefeld, die Fans müssen also gar nicht umsteigen. Und wenn, dann eher in Hamm, nicht in Minden.
Einen Tag später könnten sich laut Bild.de am selben Bahnhof die Duisburger Fans (nach Chemnitz) und die Mainzer (nach Paderborn) treffen:
Auch sehr unwahrscheinlich — von Minden gibt es gar keine direkte Zugverbindung nach Paderborn (dagegen aber aus Hannover und Kassel).
Für die Fans von Dortmund II dürfte es auch eher schwierig werden, auf dem Weg nach Bielefeld in Minden umzusteigen, die Züge fahren nämlich über Bielefeld nach Minden.
Und die Fans der Stuttgarter Kickers lässt Bild.de auf ihrem Weg nach Bielefeld sowohl in Frankfurt (Main) als auch in Mannheim, Minden, Hannover und Kassel umsteigen — was ebenfalls sehr unrealistisch sein dürfte.
Oder das Aufeinandertreffen von Rostockern (nach Regensburg) und Schalkern (nach Hannover) in Hannover: Wenn die Schalker in Hannover ankommen, dürften die Rostocker schon längst wieder weg sein, weil ihr Spiel anderthalb Stunden früher beginnt und allein die Fahrt von Hannover noch mindestens vier Stunden dauert.
Aber solche Details übersieht die “Bild”-Redaktion ganz gerne mal, wenn sie ihr nicht in den Kram passen.
Das Foto, auf dem der Bahnsteig in Bengalo-Flammen steht, stammt übrigens nicht von einem der genannten Randale-Bahnhöfe, sondern vom Hamburger Hauptbahnhof, wie an dem Schild “Hamburg Hbf” nicht allzu schwer zu erkennen ist — wenn man es denn sehen kann. In der Print-Ausgabe wurde es abgeschnitten; “Bild” brauchte den Platz für die Schlagzeile.
Vrabec: „Wir wollen im oberen Drittel dabei sein. Nürnberg ist für mich der Favorit. Die wollen sofort wieder hoch. Danach kommen mit Düsseldorf, Braunschweig, 1860 München Fürth und Red Bull Leipzig die nächsten Klubs. Wir sind im erweiterten Kreis, sind immer noch in der Entwicklung und noch nicht so stabil. Aber wir wollen besser sein als letzte Saison mit Platz 8.“
“Deswegen denke ich, das obere Drittel ist für uns sicher das Ziel (…). Für mich persönlich ist der 1. FC Nürnberg der ganz klare Favorit (…) signalisiert, dass sie willens sind, sofort wieder aufzusteigen (…). Danach gibt’s eine große Gruppe von Vereinen (…), wie beispielsweise Düsseldorf, wie beispielsweise auch Braunschweig, (…) 1860 München und Greuther Fürth (…), und Red Bull Leipzig (…). Ich glaube, dass wir zum erweiterten Kreis dieser Mannschaften gehören (…), wohlwissend aber auch, dass wir immer noch in der Entwicklung sind (…) weil auch wir immer noch nicht so stabil sind (…). [Das Ziel ist] besser als letzte Saison auf jeden Fall, als Platz 8.”
BILD: Wer kämpft gegen den Abstieg?
Vrabec: „Da will ich keine Prognose wagen. Mit Cottbus hat letzte Saison auch keiner gerechnet.“
“[Für die unteren Plätze] möchte ich keine Prognose abgeben, […] letztes Jahr hat niemand im Vordergrund drüber nachgedacht, dass Energie Cottbus absteigen könnte.”
BILD: Wie wichtig ist jetzt ein guter Start?
Vrabec: „Sehr wichtig. Dann weiß man, dass die Dinge in der Vorbereitung gut gelaufen sind. Die Vorbereitung ist noch nicht abgeschlossen, dauert bestimmt noch bis zum dritten oder vierten Spieltag.“
“Ein guter Start in die Saison ist immer wichtig (…), weil du weißt, dass du das, was du in der Vorbereitung erarbeitet hast, auch wirklich gut gemacht hast.
(…) wobei auch immer klar ist, dass die Vorbereitung (…) noch in den dritten, vierten Spieltag mit hineingeht (…).”
BILD: Es fehlt immer noch der Stürmer…
Vrabec: „Ich bin guter Hoffnung. Wir sind aber mit Nöthe, Thy, Verhoek und Kyong sehr zufrieden. Fakt ist, dass wir noch einen anderen Stürmertypen suchen, der uns kompletter macht. Vielleicht kommt er erst zum Ende der Transferperiode (bis 2.9., d. Red.). Wenn‘s gar nicht klappt, ist das aber nicht schlimm.“
“Ich find’s nicht ärgerlich, dass er momentan nicht da ist, weil (…) wir mit den Stürmern, die momentan uns zur Verfügung stehen, sehr zufrieden sind – alle drei: Nöthe, Verhoek und Thy (…) aber auch Kyong. (…) Fakt ist aber auch: Wir wollen dann schon einen anderen Spielertyp noch dazubekommen im Sturm, der uns dann einfach als Mannschaft auch kompletter macht. (…) vielleicht auch erst am Ende der Transferperiode – und wenn’s gar nicht klappt, dann müssen wir auch damit leben (…).”
BILD: Neu ist der Kapitän, der die Truppe jetzt anführt. Warum haben sie Sören Gonther ausgewählt?
Vrabec: „Sören hat ein sehr gutes Standing innerhalb der Mannschaft, er ist ein Wortführer bei den jungen und bei den älteren Spielern. Er ist sehr kritisch – mit sich, auch mit dem Trainerteam. Er hat einen langfristigen Vertrag und bringt natürlich auch die Qualität auf den Platz.“
“Zunächst einmal, dass Sören ein sehr gutes Standig in der Mannschaft hat, dort wirklich auch ein Wortführer ist, egal ob bei älteren, etablierteren Spielern oder bei der jüngeren Generation (…). Des Weiteren ist er sehr kritisch, intern, mit sich selbst, mit der Mannschaft, auch mit dem Trainerteam (…). Drittens hat er einen längerfristigen Vertrag (…) und viertens einfach auch durch seine Qualität als Fußballspieler selbst auf dem Platz.”
BILD: Auch für den Kopf wird was getan?
Vrabec: „Wir haben kein Kopfproblem, wollen aber die Spieler noch besser machen. Ein Mentalcoach arbeitet mit der Mannschaft zum Beispiel bei der Zielformulierung.“
“[Der Mentalcoach] arbeitet mit der Mannschaft (…), um beispielsweise Erfolgsfaktoren festzulegen (…), wenn’s um Zielformulierungen geht (…). Wenn man sich mit einem Mentalcoach zusammensetzt (…), heißt das nicht automatisch, dass man irgendein Kopfproblem hat, sondern man versucht (…), den Spieler noch besser zu machen.”
Vrabec: „Ich glaube aber, dass unsere Mannschaft besser ist als letzte Saison. Wir haben unsere neuen Spieler gezielt dazugeholt. Der Team-Geist ist überragend. Wir sind auf allen Positionen doppelt besetzt, der Konkurrenzkampf ist groß. Die Jungs gehen aber miteinander gut um.“
1. “Angeschwärzt” (vonwurmbseibel.com)
Ronja von Wurmb-Seibel lebt als freie Journalistin in Kabul. In deutschen Zeitungen entdeckt sie regelmäßig Artikel über Afghanistan, die mit der Realität vor Ort nur wenig zu tun haben. Deshalb greift sie zum Edding, schwärzt Falschinformationen in den Texten und kündigt an: “Der nächste Autor, der von weit weg Scheiße über Kabul schreibt, wird von mir eine Nachricht bekommen. Sie wird schwarz sein, und bedrohlich, und nur zwei Worte werden zu erkennen sein: LOOK! LISTEN!”
2. “Das verbotene Zitat von Jogi Löw” (schweizamsonntag.ch, Patrik Müller) Am 29. März ruft der Pressesprecher der deutschen Fußballnationalmannschaft beim Chefredakteur der Schweiz am Sonntag an: “Wenn Sie diesen Satz im Interview drin lassen, dann brauchen wir gar nicht erst nach Brasilien fahren!” Es geht um ein Zitat, in dem Joachim Löw seinen Rücktritt nach der WM andeutet; das Interview erscheint letztendlich ohne die pikante Aussage. Doch nach dem Weltmeistertitel findet Patrik Müller: “Jetzt darf das verbotene Zitat raus.”
3. “Damals, als FAZ-Autoren noch jung waren…” (schmalenstroer.net)
Die FAZ hat einen Weckruf für die aktuelle Studentengeneration verfasst, wünscht sich mehr Selbständigkeit und weniger Konformität und “verbreitet so viel Blödsinn, dass man einfach mal genauer hinschauen muss.” Meint jedenfalls Michael Schmalenstroer und kommt zum Schluss: “Heute ist vieles anders, als damals, als die FAZ-Autoren und ihre Leser jung waren.” Widerspruch kommt auch von Katharina Nocun (lang und kämpferisch) und Christian Simon (kurz und polemisch).
4. “Die Verrohung des Diskurses, diese ganze Häme, mit Diffamierung und Denunziationen” (danisch.de)
Christian Wulff teilt in einem Interview im Spiegel (Vorabmeldung) gegen Journalisten aus und wirft den Medien vor, ihn aus dem Amt geschrieben zu haben. Das nimmt Hadmut Danisch zum Anlass für eine Generalabrechnung: “Unsere Presse ist unglaublich schlecht geworden. Längst erfüllt sie ihre Aufgaben nicht mehr, und richtet mittlerweile in vielen Bereichen mehr Schaden als Nutzen an.”
5. “Blogs und ihre Macher: Supermarktblog” (br.de, Daniel Bouhs)
“Wenn ich Reisen mache, bezahl ich die selber, wenn ich Unterkünfte bezahlen muss, bezahl ich die selber und […] ich schreib natürlich auch mal positiv über Unternehmen, […] aber nicht, weil ich dafür bezahlt wurde.” Das sagt Peer Schader, Erfinder und Betreiber des Supermarktblogs. Das Medienmagazin des Bayerischen Rundfunks stellt ihn und seine Arbeit in 3:21 Minuten vor.
6. “Blognetz Visualisierungen Juli 2014” (2-blog.net, Luca Hammer)
Das #blognetz (FAQ) visualisiert die Facebook-Verbindungen zwischen rund 3000 angemeldeten Bloggerinnen und Bloggern. So werden die Netzwerke und Filterblasen sichtbar, die sich im deutschsprachigen Raum gebildet haben.
1. “Die Maschine übernimmt den Journalismus” (denktagebuch.de, Marco Herack)
Es sei “kein großer Verlust”, wenn das Verfassen von Börsennachrichten von Maschinen übernommen werde, schreibt Marco Herack. Vielmehr sollte sich der Journalismus an die Auswertung von Dokumenten machen, “die gerne mal über 1000 Seiten lang sind und viel Geschwafel erhalten, zwischen dem sich die harten Fakten verstecken.”
2. “Drohnenjournalismus: großes Potenzial, aber hohe Hürden” (onlinejournalismus.de, Bernd Oswald)
Bernd Oswald klärt auf über den journalistischen Einsatz von Drohnen: “Für den spontanen Rechercheeinsatz etwa bei Demonstrationen eignen sich Drohnen (zumindest in Deutschland) nicht. Bei Unglücken und im Umfeld von besonders sensiblen Anlagen wie Atomkraftwerken ist ihr Einsatz sogar verboten.”
3. “Man will mich hinausekeln” (persoenlich.com, Roger Schawinski)
Roger Schawinski ärgert sich, für Inhalte zu bezahlen, die es im Netz kostenlos gibt, und schreibt an die Zeitungsverleger: “Ihr tut alles, um die Werthaltigkeit eurer Bezahlzeitungen zu torpedieren, indem ihr eure journalistischen Perlen nicht nur kostenfrei ins Netz stellt, sondern dies auch meist viele Stunden, bevor ich am Morgen zum Briefkasten wandle, dort klaube ich mir eure druckfrischen Produkte heraus, um dann beim Morgenkaffee zu meinem grossen Missfallen so vieles vorzufinden, das ihr mir bereits am Vorabend gratis im Netz serviert habt.”
4. “Haben Journalisten ein Problem mit Meinungsfreiheit?” (1300ccm.de, Tom Schwede)
“Sollen Blogger Autos testen?”, fragt die “Auto Bild”. Tom Schwede antwortet: “Natürlich dürfen Auto-Blogger Autos testen, um die Frage der ‘Auto Bild’ an dieser Stelle deutlich zu beantworten. Es gibt kein Meinungsmonopol der etablierten Medien!”
5. “Die TV-Berichterstattung zur WM ist teils unglaublich schwach” (stern.de, Bernd Gäbler)
Bernd Gäbler zieht ein Fazit zur Fußball-WM-Berichterstattung im Fernsehen: “In der ARD fällt Bernd Schmelzer besonders unangenehm auf, der auch die ‘Tagesschau’ permanent mit DFB-Werbeclips anfüllte. ‘Noch hat Merkel nichts erreicht. Aber der Triumpf winkt. Sie selbst weiss es am besten. O-Ton Angela Merkel. Der Weg ist hart. Aber die Mannschaft ist reif.’ Dazu dann Merkel-Bilder einsam, aber gelassen am Strand. Man stelle sich so etwas einmal in der Politik-Berichterstattung vor! Merkt in den Redaktionen keiner, dass da im Sport etwas schiefläuft?”
1. “Meine Tage im Hass” (faz.net, Andrea Diener)
Andrea Diener liest Leserkommentare: “Jeder Fehler wird mit dem Gestus der Herablassung aufgezeigt, nebenbei ein Autor beleidigt, und das Ganze gipfelt meist in der Feststellung, dann könne man ja auch gleich die ‘Bild’-Zeitung lesen. Themen, die ein wenig zu bunt sind: ‘Bild’-Zeitung. Themen, die nicht interessieren: ‘Bild’-Zeitung. Falsch gesetzte Kommas: ‘Bild’-Zeitung.”
2. “Hasszeit” (anmutunddemut.de, Benjamin Birkenhake)
Auch Benjamin Birkenhake denkt über Leserkommentare nach: “Und vielleicht muss man sich in manchen Teilen des Journalismus eingestehen, dass man nach Jahren der Boulevardisierung jetzt in einem Kontext angekommen ist, in dem Leute halt ‘die Sau rauslassen’ und das von der Gesellschaft auch für normal gehalten wird.”
3. “Was vor allem die BILD-Zeitung NICHT berichtet, obwohl ich es ihr mitgeteilt habe” (danielmack.de)
Politiker Daniel Mack liest einen Artikel über sich in “Bild”, stellt seine Version der Sachlage dar: “Für mich ist dies ein schlimmes und sehr belastendes Beispiel dafür, wie Journalisten beim Leser durch das bewusste Weglassen von ‘störenden’ Fakten einen völlig falschen Eindruck erwecken.”
2. “Ein Recht auf Information” (nzz.ch, Annegret Mathari)
Unterstützung für Radios in Krisengebieten, so in der Zentralafrikanischen Republik: “‘Wir informieren über Fakten, machen jedoch weder Analysen noch Kommentare’, sagt Chefredaktor Jean-Claude Ali im Gespräch.”
5. “Der Rassist in uns” (zdf.de, Video, 74:14 Minuten)
39 Personen nehmen teil an einem Experiment, das versucht, Blauäugige und Braunäugige gegeneinander auszuspielen. Siehe dazu auch “Die Arier” (zdf.de, Video, 91:55 Minuten).
Die Arbeit der “Bild-APO” bestand daraufhin größtenteils darin, anzukündigen, was die “Bild-APO” in Zukunft so alles machen werde. Nämlich:
Ab heute haut BILD der Regierung munter auf die Finger
(17.12.2013, Seite 1)
Deshalb haut BILD der Großen Koalition von heute an ordentlich auf die Finger!
(17.12.2013, Seite 1)
Warum BILD der GroKo auf die Finger (sc)haut
(17.12.2013, Seite 4)
Deshalb macht BILD sich als Außerparlamentarische Opposition auf den langen Marsch durch mindestens vier Jahre GroKo.
VERSPROCHEN!
(17.12.2013, Seite 4)
BILD (sc)haut der Großen Koalition genau auf die Finger, wird z. B. Sogenannte “kleine Anfragen” und “große Anfragen” stellen – um Tricksereien, Steuergeld-Verschwendungen etc. aufzudecken! […] BILD schlägt Alarm, will von der Regierung wissen: Was hat der Stillstand bisher gekostet, wie hoch sind die monatlichen Ausgaben für Abgeordnetendiäten, Verwaltung, Büros etc.?
Die Antworten der Regierung – demnächst in BILD …
(18.12.2013)
BILD schaut der Großen Koalition genau auf die Finger, deckt Tricksereien, Steuergeld-Verschwendung etc. auf – und schlägt Alarm!
(19.12.2013)
Das Versprechen: Wir schauen der Regierung auf die Finger – und hauen notfalls kräftig drauf.
(30.12.2013)
Wir von BILD haben es uns auf die Fahne geschrieben: Wir werden der Großen Koalition auf die Finger gucken und kräftig draufhauen, wenn etwas schiefläuft. Als BILD-APO gegen die GroKo!
(30.12.2013)
Die BILD-APO (Außerparlamentarische Opposition) nimmt die Sorgen der Bevölkerung ernst […].
(9.1.2014)
Das Versprechen: Wir schauen der Regierung ganz genau auf die Finger – und hauen notfalls kräftig drauf.
(9.1.2014)
Die erste Haudrauf-Aktion inszenierte “Bild” am 30. Dezember vergangenen Jahres:
Das Übergabe-Fotoshooting musste diesmal allerdings ausfallen — denn am nächsten Tag hieß es plötzlich:
Statt Anfragen der BILD-APO wie erfolgt persönlich entgegenzunehmen, sollen sie künftig wie gewöhnliche Presseanfragen behandelt werden […].
Bereits am vergangenen Donnerstag hatte die stellvertretende Sprecherin der Bundesregierung, Christiane Wirtz (43), vor der BILD-APO gewarnt, erfuhr BILD aus Koalitionskreisen! […] Die Kollegen sollten “sich nicht vor den Karren der BILD-Zeitung spannen lassen”, sagte Wirtz nach Angaben von Teilnehmern.
Doch selbst diesen Rückschlag verkaufte “Bild” — natürlich — als Erfolg:
Die letzte Regung der “Bild-APO” liegt inzwischen fast fünf Monate zurück. Damals kündigte das Blatt lauthals an, die Große Koalition wegen “Renten-Klaus” verklagenzu wollen. Was daraus geworden ist? Keine Ahnung. Bis heute haben wir weder davon noch sonst von der “Bild-APO” je wieder etwas gehört.
Was weiterhin fehlt, ist die bürgerliche Opposition.
Gerade deshalb ist es so wichtig, dass BILD der Großen Koalition die Stirn bietet. Wir lassen uns nicht mit Geschäftsordnungstricks plattmachen. Die wahre Opposition ist die BILD-APO!
Bleibt die Frage: Was macht sie heute, die “wahre Opposition”?
Nun …
WIR SINGEN DER KANZLERIN EIN LIED!
Das Lied, so verriet es Angela Merkel im Mai in Stralsund, gehört zu ihren Lieblingsliedern. BILD meint: „Wir lieben die Stürme…“ passt perfekt zur Regierungschefin, die seit ihrem Amtsantritt einen Krisenherd nach dem anderen löschen musste – und dabei ihren Humor und ihre Zuversicht nie verloren hat.
Statt Kloppe gibt’s also jetzt Lieder, Bilder und Streicheleinheiten für die “Übermutti”.
Derweil berichtet “BILD-APO-Experte” Ralf Schuler (der dem Wirtschaftsministerium vor einigen Monaten noch die zweite “APO”-Anfrage aufgenötigt hat) so über die China-Reise von Angela Merkel:
33 Grad Celsius, Smog, eine unsichtbare Sonne brütet über der Dunstglocke Pekings. Mein Hemd fühlt sich an wie ein nasses Handtuch.
Nur eine wirkt cool: Angela Merkel (59, CDU).
Ralf Schuler, Verzeihung, Lalf Schulel schaut der Kanzlerin jetzt nicht (mehr) auf die Finger, sondern auf die Klamotten:
Als die Kanzlerin kommt, wirkt sie unbeschwert in ihrem lindgrünen Blazer; Premier Li trägt ein Kurzarmhemd, keine Krawatte. Dafür, dass Angela Merkel tadellos aussieht, sorgt auch ihre Stylistin Petra Keller. Sie ist auf Reisen mit dabei, wohnt im Nachbarzimmer der Kanzlerin.
Und CSU-Mann Alexander Dobrindt darf heute im größten Nicht-Fußball-Artikel der gesamten Ausgabe hoch und heilig versprechen, dass seine ersehnte Pkw-Maut keinen Bundesbürger finanziell mehrbelasten werde:
Die “Bild”-Zeitung widmet dem “Maut-Macher” und seinen Plänen fast die gesamte Politik-Seite und inszeniert sich selbst dabei als Beschützerin des Volkes. Klassische Win-Win-Situation. Und von “APO” keine Spur.
Offenbar lebt es sich als außerparlamentarischer Verbündeter dann doch irgendwie besser.
1. “Geografie für Privatradios: Brasilien liegt im Ruhrgebiet” (fair-radio.net)
Fußball-Weltmeisterschaft: Radioreporter berichten aus einem “WM-Studio” oder auch “live vor Ort”, aber nicht etwa aus Brasilien, sondern aus Oberhausen: “Wie uns eine ‘radio NRW’-Sprecherin bestätigt, sitzt dort ein Sportreporter, der das Spiel schaut und davon berichtet, was er in der Übertragung sieht. Unter dessen Reportage wird die Live-Atmo aus den jeweiligen Stadien in Brasilien eingespielt, die die FIFA offiziell für solche Zwecke zur Verfügung stellt.”
2. “Wirre Experten müssen schweigen” (nzz.ch, Paula Scheidt)
Die BBC will wissenschaftlichen Aussenseitermeinungen zukünftig weniger Gewicht geben. “Einige Journalisten und Blogger kritisieren, die neue Ausrichtung verhindere eine objektive Berichterstattung. Zwischen Konsens und Propaganda liege nur ein schmaler Grat, schreibt ein Blogger. Viele befürchten die Einschränkung von freier Meinungsäusserung und freiem Informationszugang.”
3. “Und es hat Klick gemacht” (journalist.de, Boris Hänßler)
Wie lässt sich Erfolg im Netz messen, durch Klicks, Verweildauer, Aufmerksamkeit? Boris Hänßler zitiert Manuel Marini: “Die meisten Menschen bewegen beim Lesen unbewusst den Mauszeiger über den Text. Das ist ein guter Indikator, wie intensiv die Leute sich mit dem Inhalt beschäftigen – oder ob sie die Seite nur aufgerufen haben und sich einen Kaffee holen.”
6. “Öffentliche Narbe” (sueddeutsche.de, Ekkehard Müller-Jentsch)
Eine gerichtliche Auseinandersetzung um eine Schlagzeile von “Closer” zu einem “Wundmal im Dekolleté” von Simone Thomalla: “In öffentlicher Sitzung ließ sie vortragen: Der durch die Titelseite erweckte Eindruck, sie habe kürzlich eine Brustoperation durchführen lassen, sei falsch. Diese sei bereits sieben Jahre her, sodass ein aktuelles Berichtsinteresse nicht vorliege.”
1. “‘Ist sie nicht hübsch?'” (freitag.de, Elke Wittich)
Weibliche Journalisten zum Thema Fußball: “Manchmal allerdings bleibt auch mir nur Sprachlosigkeit. Wie bei einem Interview mit einem Ostberliner Vereinspräsidenten, der die Frage nach dem ‘Wie geht es denn nun weiter mit dem Klub?’ mit einem ‘Nein, wie sind Sie hübsch!’ beantwortete. Auch alle weiteren Versuche, etwas auch nur halbwegs Zitierbares aus ihm herauszubekommen, beantwortete er mit einer Variation des Hübsch-Themas. Er holte sogar seinen Vizepräsidenten dazu und sagte dem: ‘Schau sie dir an, ist sie nicht hübsch?’ Das komplette Interview haben wir dann übrigens ungekürzt abgedruckt, eine Reaktion des Vereins gab es nie.”
2. “Beschwerde gegen den ‘Playboy’: Wie der Presserat seine Missbilligung begründet” (kress.de, Henning Kornfeld)
Wie der Presserat und der Chefredakteur des “Playboy” mit der Beschwerde eines Lesers umgehen: “Der Chefredakteur bezweifelt, dass der Experte, der in seinem Fach äußerst aktiv und offenbar auch anerkannt sei, seine Glaubwürdigkeit für Gefälligkeits-PR aufs Spiel setze. Nur weil der Hersteller möglicherweise nicht unglücklich über die Feststellung des Experten sei, mache dies den Professor noch lange nicht zum Handlanger des Unternehmens.”
3. “Sack Reis in China” (coffeeandtv.de, Lukas Heinser)
Die Titelseiten wichtiger überregionaler Zeitungen in Deutschland zeigen alle Angela Merkel beim Kochen.
4. “Bad China Articles: Hall of Infamy” (theanthill.org, englisch, 27. Juni)
“The Anthill” kürt zehn schlechte Artikel über China: “Business Insider reporter in town on a visit goes out ‘to see the ‘real’ China’. Has lunch, pays a lot for it, writes blog post. Contains the poetic photo caption ‘Beijing from the window of my cab’, which pretty much sums it up.”
6. “‘Der Leser hat recht'” (blickamabend.ch, Peter Röthlisberger, 1. Juli)
In einem Beitrag für ein Buch des Verbands Schweizer Medien behauptet Peter Röthlisberger, Chefredakteur der kostenlosen Boulevardzeitung “Blick am Abend”: “Der ‘Blick’ lügt nicht, die Blick-Titel erfinden keine Geschichten. (…) Im Idealfall missionieren Boulevardmedien auch nicht für eine Anschauung, nehmen die Leser und User ernst und erklären nicht die Welt, wie sie sein müsste, sondern beschreiben, was ist.”