Suchergebnisse für ‘fußball’

Informanten, NZZ, 1. FC Köln

1. “Mit Bedacht: Verantwortung von Auslandsreportern”
(ndr.de, Video, 7 Minuten)
Welche Verantwortung Reporter für ihre Informanten tragen. Erwähnt im Bericht werden auch zwei Reporter der “Bild am Sonntag”, die 2012 in Iran unterwegs waren (ab 2:45 Minuten).

2. “Ein Schulterklopfen für den Ich-Journalismus”
(buchalsmagazin.tumblr.com, pw)
Im Gegensatz zu Michael Sontheimer in der “taz” kann pw dem Ich-Journalismus etwas abgewinnen. Die Leser hätten, “zumindest nach meiner Erfahrung, Lust darauf, ihr Leben mit anderen abzugleichen und zu sehen, wo sie selbst stehen.”

3. “Warum Choreos nichts mit Prügeleien zu tun haben”
(effzeh.com, David Schmitz)
Fußball: Eine beim Bundesliga-Spiel 1. FC Köln gegen Borussia Möchengladbach gezeigte Riesenflagge lässt Bild.de fragen: “Warum hat der FC das nicht verhindert?”. David Schmitz bemerkt dazu: “Es ist also so, dass der Verein in Zukunft besser jedes Motiv, das auch nur halbwegs provokant ist, unterbinden sollte, damit im Stadion keine Ausschreitungen stattfinden können, die ja aber gar nicht stattgefunden haben. Einleuchtend.”

4. “Wie die neue NZZ aussehen soll”
(watson.ch, Maurice Thiriet)
Maurice Thiriet liegt die Nullnummer einer neuen “Neuen Zürcher Zeitung” vor: “NZZ-Sprecherin Bettina Schibli betont, dass es sich bei der watson vorliegenden Nullnummer ‘um eine von mehreren in der Marktforschung qualitativ und quantitativ beurteilten Testversionen’ handle, die seither aufgrund des Feedbacks aus der Marktforschung weiter verändert worden seien.”

5. “Wolle hat die Faxen dicke”
(taz.de, Mark-Stefan Tietze)
Mark-Stefan Tietze schreibt in der Rubrik “Die Wahrheit” über die aktuellen Querelen beim “Spiegel”.

6. “Das große LVZ-Online-Kommentare-BULLSHIT-BINGO”
(facebook.com/lvzonline)

Die Chili-Verarsche

Gestern wurde bekannt, dass der Fußballspieler Maicon aus der brasilianischen Nationalmannschaft geworfen wurde. Weil die Gründe für den Rauswurf zunächst nicht genannt wurden, sind seither viele Spekulationen im Umlauf. Die Version mit der Chili-Schote hat es den Medien aber ganz besonders angetan:

“Bild” schreibt:

Maicon soll seinem alkoholisiert schlafenden Mitspieler Elias nach einer Party-Nacht eine Chili-Schote (mit Milch!) in den Po geschoben haben. Später soll Maicon dem aufgewachten Elias auch noch erzählt haben, er habe ihn auf einer Disko-Toilette gefunden. Vergewaltigt von vier Männern. Eine ziemlich üble Verarsche.

Kann man so sagen. Und hätte sich die “Bild”-Reporterin die Quelle (die sie natürlich nicht nennt) mal etwas genauer angesehen, hätte sie auch schnell gemerkt, wer hier eigentlich verarscht wurde — nämlich sie selbst. Das Portal, das die Chili-Geschichte in die Welt gesetzt hatte, ist eine Satire-Seite.

Überall auf der Welt sind die Medien auf den Fake reingefallen. Inzwischen hat die Satire-Seite den Artikel gelöscht und sich entschuldigt. Viele Medien (Bild.de ausgenommen) haben ihre Artikel dementsprechend korrigiert.

Doch wer glaubt, das würde die Journalisten jetzt davon abhalten, das Märchen weiter zu verbreiten, der kennt “Focus Online” nicht. Obwohl nach dreisekündiger Recherche feststeht, dass an dieser Geschichte nicht das Geringste dran ist, schrieb das Portal vor ein paar Stunden:

Im Teaser heiß es:

Offiziell ist Maicon mit der Begründung “Disziplinlosigkeit” aus der brasilianischen Nationalmannschaft geflogen. Er soll nach einem freien Tag zu spät zurückgekommen sein. Doch laut Gerüchteküche soll er einem Mitspieler ganz übel mitgespielt haben. Die Vorwürfe sind unglaublich.

In der Tat.

Mit Dank an Anita.

Nachtrag, 11. September: “Focus Online” hat den Artikel unauffällig korrigiert. Bild.de gibt den Fehler immerhin zu.

  

“Mopo”/Pressekonferenz

“Mopo” Pressekonferenz
Es ist ein neues Gefühl für mich Cheftrainer in der 2. Liga zu sein. Aber ich sehe es als tolle Aufgabe in einem – wie alle wissen – tollen Verein. Es ist für mich auch ein neues Gefühl, Cheftrainer in der 2. Liga zu sein, aber am Ende ist es eine tolle Aufgabe, unseren Verein hier zu trainieren, unseren FC St. Pauli – toller Club, muss ich nicht erzählen.
Das war in der Nacht zum Mittwoch. Gestern Nacht. [Anm.: zu Mittwoch.]
Nein, ganz bestimmt nicht. Im Leben ist es doch so: Es fahren viele Züge an einem vorbei. Es kann aber auch sein, dass die Züge zu oft an einem vorbeifahren. Diesen aber wollte ich nicht vorbeifahren lassen. Nein. (…) Es fahren Züge an einem vorbei, und es kann auch sein, dass die Züge zu oft an einem vorbeifahren. (…) deshalb war für mich klar, dass ich den Zug nicht vorbeifahren lasse.
Auf jeden Fall! Ich habe immer versucht Freude auf die Jungs zu übertragen, deshalb gehe ich mit einem weinenden Auge. Aber es geht auch darum, irgendwann den nächsten Schritt zu machen. Wenn man (…) viel Freude an dem Job hat und auch versucht, die Freude auf die Jungs zu übertragen (…), dann ist es natürlich schon so, dass man ein weinendes Auge hat, weil man die Jungs verlässt, aber es geht auch darum, dass man selbst den nächsten Schritt geht (…).
Ich habe drei Jahre lang Erfahrungen gesammelt unter richtig guten Trainern wie Holger Stanislawski, André Schubert und Michael Frontzeck. Nun dachte ich: Spring rein ins kalte Wasser, arbeite wie ein Verrückter und versuche das Beste aus jedem Tag zu machen. Ich konnte drei Jahre Erfahrungen unter drei richtig guten Trainern sammeln, unter André Schubert, Michael Frontzeck und unter Holger Stanislawski (…). Wenn die Möglichkeit da ist (…), dann spring rein ins kalte Wasser, arbeite wie ein Verrückter und versuch, das Beste aus jedem Tag zu machen.
So ist es. Fußball ist ein Spiel – und das soll an erster Stelle Spaß machen. Wenn harte Arbeit gepaart wird mit viel Freude, dann kann das ein Schlüssel zum Erfolg sein. Wenn man als Basis dafür die harte Arbeit sieht, wird man Erfolg haben – kurz- oder langfristig. Harte Arbeit, gepaart mit viel Freude, kann der Schlüssel zum Erfolg sein. (…) Fußball ist ein Spiel – und ein Spiel soll an erster Stelle Spaß machen. Und wenn man dazu noch als Basis die harte Arbeit zieht, dann wird im Normalfall immer der Erfolg einkehren. Ob kurz- oder langfristig, ist dann immer noch ‘ne andere Geschichte.
Wenn ich eine Aufgabe habe, erfülle ich sie zu 100 Prozent. Deshalb habe ich mich auf meine Mannschaft konzentriert. Von den Profis kenne ich natürlich einige Spieler, aber dicht dran war ich am Team nicht. Gesehen habe ich allerdings alle Spiele. Ich kenne natürlich schon einige Spieler, aber ich bin immer mit 100 Prozent bei meiner Aufgabe, und 100 Prozent meine Aufgabe war bis heute die U-23, von daher gesehen war ich nicht dicht dran an unserer Profimannschaft, aber ich habe natürlich schon die Spiele unserer Mannschaft gesehen.
Ich bin der Meinung, dass man nicht mehr zurückblicken sollte. Natürlich wollen wir auch ein paar Erfolge feiern. Doch jetzt geht es kurzfristig erst einmal nur darum, Dinge in ganz kleinen Bereichen zu verändern. Das wollen wir schon beim Testspiel gegen Bayer Leverkusen (heute, 18.30 Uhr) versuchen. Ich glaube, dass es jetzt gerade gar nicht darum geht, in die Vergangenheit zu blicken (…). Wir wollen natürlich auch ein paar Erfolge feiern, aber da gilt es, kurzfristig zur agieren, von Tag zu Tag zu schauen (…) Wir werden morgen nach Leverkusen fahren und werden dann versuchen, einige Dinge umzusetzen, aber im ganz, ganz, ganz, ganz einfachen Bereich.
Heute ist nicht der Tag für Witze – deshalb bin ich auch nicht mit einer Badekappe gekommen (lacht). Der Tag ist eigentlich heute nicht für Witze gedacht, deshalb hab’ ich den Witz auch weggelassen, dass ich hier mit ‘ner Bademütze reinkomme (lacht).

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Teaser, Webtracking, Abbas Schirmohammadi

1. “Das Ende des klassischen Teasers”
(sueddeutsche.de, Niklas Hofmann)
Ist ein vom bezahlpflichten Artikel abgetrennter und frei verfügbarer Teaser presserechtlich etwas Eigenständiges? Niklas Hofmann schreibt zu einem konkreten Rechtsstreit mit Bild.de: “Falls beide aber tatsächlich getrennt zu behandeln sind, dann wären in Zukunft auch Konstellationen denkbar, in denen ein Artikel als solcher nicht zu beanstanden, ein Anreißer mangels Differenzierung aber sehr wohl verbotsfähig wäre.”

2. “‘Wer die Ausnahmestellung von Bild nicht anerkennt, geht unter'”
(vocer.org, Christian Wulff)
Ein Auszug aus dem Buch “Ganz oben, ganz unten” von Christian Wulff: “Im Dezember 2007 suchte Bettina ihre Gynäkologin auf, sie war im fünften Monat schwanger. Ihr Mutterpass lag auf dem Tresen. Ein Mann, der im Wartezimmer saß und sie erkannte, unterrichtete die Bild-Zeitung. Meinem Pressesprecher blieb nichts anderes übrig, als die Information zu bestätigen. Die wichtigste Frage, die Bild und andere jetzt beschäftigte: Wird es ein Mädchen oder ein Junge? Das ging wochenlang hin und her, und am 23. März 2008 ‘enthüllte’ Bild, Bettina erwarte ein Mädchen. Als am 12. Mai unser Sohn Linus auf die Welt kam, war Bild blamiert.”

3. “Ehe, Gewicht, Promis: Wie man Experte für Allesmögliche bei ‘bunte.de’ wird”
(stefan-niggemeier.de, Boris Rosenkranz)
Boris Rosenkranz befragt Abbas Schirmohammadi, der Bunte.de regelmäßig “Einschätzungen mit psychologischem Hintergrund” liefert: “Ach, ja: Ich habe Herrn Schirmohammadi übrigens seine Zitate zugeschickt. Wünschte er so. Und dann hat er einiges duchaus Interessantes gestrichen. Auf die Frage, ob er das bei bunte.de auch so mache, antwortet er, dass er den Redaktionen, die anfragen, seine Einschätzungen schriftlich zukommen lasse. Was sie daraus verwenden würden, obliege den Redaktionen. Darauf habe er keinen Einfluss.”

4. “Gläserner User: Wie Verlage ihre Leser ausspähen”
(ndr.de, Video, 5:52 Minuten)
Während Zeitungen Google und andere Dienste in langen Artikeln als “Datenkraken” bezeichnen, lassen sie selbst die Nutzer ihrer Websites per Webtracking ausspähen.

5. “Die Spur der 40.000”
(deutschlandradiokultur.de, Janosch Delcker)
Janosch Delcker geht der Frage nach, wie sich das Gerücht verbreiten konnte, dass während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 “40.000 ausländische Prostituierte” (“Zeit”) / “40.000 Huren aus Osteuropa” (“Spiegel”) in Deutschland erwartet werden. “Eine Zahl steht im Raum. Ein Journalist der dpa schreibt sie auf. Er verweist auf eine prominente Frauenbeauftragte, die sich wiederum auf eine Behörde beruft. Diese dementiert, dass die Zahl von ihr kommt. Aussage gegen Aussage. Hier endet die Spurensuche nach dem Ursprung dieses Gerüchts.”

6. “The state of the music industry”
(theoatmeal.com, englisch)

Blick, Netflix, Erklärbär

1. “Dumme Nüsse”
(stefan-niggemeier.de, Boris Rosenkranz)
Nach einer schlechten Haselnuss-Ernte in der Türkei rufen Medien die Nutella-Krise aus, denn Nutella besteht zu 13 Prozent aus Haselnüssen.

2. “Wie der Blick Stimmung macht gegen Sozialhilfebezüger”
(agossweiler.wordpress.com)
Andreas Gossweiler analysiert eine “Blick”-Grafik mit dem Untertitel “Die Kosten für Sozialhilfe explodieren”: “Nüchtern analysiert, sind die Zahlen weit weniger dramatisch. Von 1,77 Milliarden Franken (2006) stiegen die Ausgaben auf 2,37 Milliarden (2012).”

3. “Stadion-Einsprecher zeigt die Boulevardzeitung an”
(persoenlich.com)
“Dieser Mann verhindert das neue Stadion” und “BLICK hat den Querulanten aufgespürt” schrieb “Blick” über einen Mann, der Einsprache gegen den Bau eines neuen Stadions für den FC Aarau erhoben hatte. “‘Ich akzeptiere nicht, das ich für die Ausübung eines Bürgerrechts als Verbrecher hingestellt werde’, sagt der Mann gegenüber der SoZ. Die Polizei sieht den Anfangsverdacht für Ehrverletzungsdelikte als gegeben.”

4. “Medien-PR oder auch: Wann muss ich wegsehen”
(grabbelkiste.org, Tante Jay)
Tante Jay gibt Tipps zum Teilen von Bildern im Internet: “Verbrechen geschehen. Kriegsverbrechen geschehen. Das ist nicht zynisch, das ist eine Tatsache. Man kann sie nicht ändern, weil man furchtbare Bilder weiterverbreitet.”

5. “Hinter den Kulissen von Netflix”
(heise.de/ct, Nico Jurran)
Nico Jurran besucht die Netflix-Zentrale in Los Gatos, Kalifornien: “Zu den großen Schwachstellen, die Netflix bei den etablierten deutschen Diensten ausgemacht haben will, gehört der Umgang mit englischsprachigen Produktionen, die nicht immer in der Originalfassung abrufbar sind – und praktisch nie mit Untertiteln. (…) Hinweis: Netflix hat für Nico Jurran die Reise nach Los Gatos bezahlt.”

6. “Warum die Banane krumm ist”
(heise.de/tp, Marcus Hammerschmitt)
Marcus Hammerschmidt sieht den deutschen Journalismus als Erklärbär: “Man kann sich also Vieles wünschen, aber was man bekommen wird, sind die zehn wichtigsten Fakten über Helene Fischer, alles, was man über Fußball wissen muss, oder über das nächste Betriebssystem von XYZ, und neue Antworten auf die Frage, warum die Banane krumm ist.”

Doppelpass, Gerigate, Stinkefinger

1. “Journalismus von morgen – Die virtuelle Feder”
(arte.tv, Video, 89:37 Minuten)
Eine Dokumentation über die Zukunft der Zeitung: “Wie müssen sich Zeitungen verändern, um zu überleben? Oder ist es schon zu spät?”

2. “Exekution durch Hamas: ‘Sehr sozial abgelaufen'”
(ruhrbarone.de, Martin Niewendick)
Martin Niewendick befasst sich mit einem Blogbeitrag von Journalist Martin Lejeune: “Die Frage, die Lejeune hier elegant umschifft, lautet aber: Wie legal ist die Justiz einer Gruppierung, die als Terrororganisation eingestuft wird (und sich entsprechend verhält); die Menschen an Motorräder bindet und bis zum Tod durch die Straßen schleift; die die eigene Bevölkerung als menschliche Schutzschilder missbraucht? Fragen über Fragen, und Martin Lejeune stellt keine einzige davon.” Siehe dazu auch “Distanz als Lernprozess” (anlasslos.de, Tilo Jung) und “Stellungnahme zum taz-Vorwurf” (ruhrbarone.de).

3. “Da platzt das Phrasenschwein”
(zeit.de, Christian Spiller)
Christian Spiller würdigt die Fußball-Talkshow “Doppelpass”: “Das ist die Qualität am Doppelpass: Man wird verschont von den großen Problemen der Fußballwelt, die das Ganze vielleicht mal zum Implodieren bringen könnten. Stattdessen lieber fünf Superzeitlupen von Jürgen Klopps Torjubel plus Interpretation allerseits. Leider ist Udo Lattek nicht mehr dabei.”

4. “‘Gerigate’ – Märchen für Erwachsene”
(suedostschweiz.ch, Dennis Bühler)
Dennis Bühler blickt zurück auf die ersten zehn Tage der “Nacktselfie-Affäre” um den Schweizer Nationalrat Geri Müller: “In vielem ist der Fall Müller ein Paradebeispiel eines Medienskandals – denn erst durch die Berichterstattung der ‘Schweiz am Sonntag’ wurden die Nacktselfies von Geri Müller zum Skandal, erst die Veröffentlichung und die darauf folgenden Recherchen und aufgedeckten politischen Verstrickungen schufen eine (Schein-)Relevanz.”

5. “Potsdams Linke-Chef zeigt Reporter den Stinkefinger”
(tagesspiegel.de, Henri Kramer)
Sascha Krämer, Kreisvorsitzender der Partei “Die Linke” in Potsdam, zeigt “einem Reporter der Boulevardzeitungen ‘Bild’ und ‘BZ'” den Stinkefinger: “Linke-Politiker und die Parteizentrale sahen sich genötigt, auf Distanz zu Krämer zu gehen, der in Potsdam als Direktkandidat zur Wahl antritt.”

6. “Is this the new iPhone 6?”
(youtube.com, Video, 2:20 Minuten, englisch)

Randale auf Umwegen

Das Land Nordrhein-Westfalen will bei Fußballspielen künftig offenbar weniger Polizei einsetzen, was die “Bild”-Zeitung seit ein paar Tagen zum Anlass nimmt, das sportliche Sommerloch mit ein bisschen Hysterie zu füllen.

Für ihre gestrige Ausgabe hat sie sich diese neue Schreckensliste ausgedacht:

Minden, Mannheim, Hamm, Kassel, Würzburg, Magdeburg gehören zu den gefährlichsten Orten im deutschen Fußball.

Grund: Es sind sechs von zehn Umsteige-Knotenpunkten der Deutschen Bahn, an denen die Fans Wochenende für Wochenende aufeinander prallen.

Begleitend dazu haben die “Bild”-Onliner eine flotte Infografik gebastelt, deren Informationsgehalt sich bei näherem Hinsehen allerdings eher in Grenzen hält (Klick für größere Version):

Gut, inzwischen wurde der “sehr lange Text” ersetzt, aber viel besser ist es dadurch nicht geworden.

Ein paar Beispiele.

Am 23. August könnte es laut Bild.de in Minden gefährlich werden, weil dort Schalke-Fans (die nach Hannover wollen) auf Fortuna-Köln-Fans (die nach Bielefeld wollen) treffen könnten:

Allerdings: Von Köln fahren Züge direkt nach Bielefeld, die Fans müssen also gar nicht umsteigen. Und wenn, dann eher in Hamm, nicht in Minden.

Einen Tag später könnten sich laut Bild.de am selben Bahnhof die Duisburger Fans (nach Chemnitz) und die Mainzer (nach Paderborn) treffen:

Auch sehr unwahrscheinlich — von Minden gibt es gar keine direkte Zugverbindung nach Paderborn (dagegen aber aus Hannover und Kassel).

Für die Fans von Dortmund II dürfte es auch eher schwierig werden, auf dem Weg nach Bielefeld in Minden umzusteigen, die Züge fahren nämlich über Bielefeld nach Minden.

Und die Fans der Stuttgarter Kickers lässt Bild.de auf ihrem Weg nach Bielefeld sowohl in Frankfurt (Main) als auch in Mannheim, Minden, Hannover und Kassel umsteigen — was ebenfalls sehr unrealistisch sein dürfte.

Oder das Aufeinandertreffen von Rostockern (nach Regensburg) und Schalkern (nach Hannover) in Hannover: Wenn die Schalker in Hannover ankommen, dürften die Rostocker schon längst wieder weg sein, weil ihr Spiel anderthalb Stunden früher beginnt und allein die Fahrt von Hannover noch mindestens vier Stunden dauert.

Aber solche Details übersieht die “Bild”-Redaktion ganz gerne mal, wenn sie ihr nicht in den Kram passen.

Das Foto, auf dem der Bahnsteig in Bengalo-Flammen steht, stammt übrigens nicht von einem der genannten Randale-Bahnhöfe, sondern vom Hamburger Hauptbahnhof, wie an dem Schild “Hamburg Hbf” nicht allzu schwer zu erkennen ist — wenn man es denn sehen kann. In der Print-Ausgabe wurde es abgeschnitten; “Bild” brauchte den Platz für die Schlagzeile.

Mit Dank an Ingo H., Peter M. und Tjalf P.!

  

“Interview”/Pressekonferenz

“Bild” Pressekonferenz
Vrabec: „Wir wollen im oberen Drittel dabei sein. Nürnberg ist für mich der Favorit. Die wollen sofort wieder hoch. Danach kommen mit Düsseldorf, Braunschweig, 1860 München Fürth und Red Bull Leipzig die nächsten Klubs. Wir sind im erweiterten Kreis, sind immer noch in der Entwicklung und noch nicht so stabil. Aber wir wollen besser sein als letzte Saison mit Platz 8.“ “Deswegen denke ich, das obere Drittel ist für uns sicher das Ziel (…). Für mich persönlich ist der 1. FC Nürnberg der ganz klare Favorit (…) signalisiert, dass sie willens sind, sofort wieder aufzusteigen (…). Danach gibt’s eine große Gruppe von Vereinen (…), wie beispielsweise Düsseldorf, wie beispielsweise auch Braunschweig, (…) 1860 München und Greuther Fürth (…), und Red Bull Leipzig (…). Ich glaube, dass wir zum erweiterten Kreis dieser Mannschaften gehören (…), wohlwissend aber auch, dass wir immer noch in der Entwicklung sind (…) weil auch wir immer noch nicht so stabil sind (…). [Das Ziel ist] besser als letzte Saison auf jeden Fall, als Platz 8.”
BILD: Wer kämpft gegen den Abstieg?
Vrabec: „Da will ich keine Prognose wagen. Mit Cottbus hat letzte Saison auch keiner gerechnet.“
“[Für die unteren Plätze] möchte ich keine Prognose abgeben, […] letztes Jahr hat niemand im Vordergrund drüber nachgedacht, dass Energie Cottbus absteigen könnte.”
BILD: Wie wichtig ist jetzt ein guter Start?
Vrabec: „Sehr wichtig. Dann weiß man, dass die Dinge in der Vorbereitung gut gelaufen sind. Die Vorbereitung ist noch nicht abgeschlossen, dauert bestimmt noch bis zum dritten oder vierten Spieltag.“
“Ein guter Start in die Saison ist immer wichtig (…), weil du weißt, dass du das, was du in der Vorbereitung erarbeitet hast, auch wirklich gut gemacht hast.
(…) wobei auch immer klar ist, dass die Vorbereitung (…) noch in den dritten, vierten Spieltag mit hineingeht (…).”
BILD: Es fehlt immer noch der Stürmer…
Vrabec: „Ich bin guter Hoffnung. Wir sind aber mit Nöthe, Thy, Verhoek und Kyong sehr zufrieden. Fakt ist, dass wir noch einen anderen Stürmertypen suchen, der uns kompletter macht. Vielleicht kommt er erst zum Ende der Transferperiode (bis 2.9., d. Red.). Wenn‘s gar nicht klappt, ist das aber nicht schlimm.“
“Ich find’s nicht ärgerlich, dass er momentan nicht da ist, weil (…) wir mit den Stürmern, die momentan uns zur Verfügung stehen, sehr zufrieden sind – alle drei: Nöthe, Verhoek und Thy (…) aber auch Kyong. (…) Fakt ist aber auch: Wir wollen dann schon einen anderen Spielertyp noch dazubekommen im Sturm, der uns dann einfach als Mannschaft auch kompletter macht. (…) vielleicht auch erst am Ende der Transferperiode – und wenn’s gar nicht klappt, dann müssen wir auch damit leben (…).”
BILD: Neu ist der Kapitän, der die Truppe jetzt anführt. Warum haben sie Sören Gonther ausgewählt?
Vrabec: „Sören hat ein sehr gutes Standing innerhalb der Mannschaft, er ist ein Wortführer bei den jungen und bei den älteren Spielern. Er ist sehr kritisch – mit sich, auch mit dem Trainerteam. Er hat einen langfristigen Vertrag und bringt natürlich auch die Qualität auf den Platz.“
“Zunächst einmal, dass Sören ein sehr gutes Standig in der Mannschaft hat, dort wirklich auch ein Wortführer ist, egal ob bei älteren, etablierteren Spielern oder bei der jüngeren Generation (…). Des Weiteren ist er sehr kritisch, intern, mit sich selbst, mit der Mannschaft, auch mit dem Trainerteam (…). Drittens hat er einen längerfristigen Vertrag (…) und viertens einfach auch durch seine Qualität als Fußballspieler selbst auf dem Platz.”
BILD: Auch für den Kopf wird was getan?
Vrabec: „Wir haben kein Kopfproblem, wollen aber die Spieler noch besser machen. Ein Mentalcoach arbeitet mit der Mannschaft zum Beispiel bei der Zielformulierung.“
“[Der Mentalcoach] arbeitet mit der Mannschaft (…), um beispielsweise Erfolgsfaktoren festzulegen (…), wenn’s um Zielformulierungen geht (…). Wenn man sich mit einem Mentalcoach zusammensetzt (…), heißt das nicht automatisch, dass man irgendein Kopfproblem hat, sondern man versucht (…), den Spieler noch besser zu machen.”
Vrabec: „Ich glaube aber, dass unsere Mannschaft besser ist als letzte Saison. Wir haben unsere neuen Spieler gezielt dazugeholt. Der Team-Geist ist überragend. Wir sind auf allen Positionen doppelt besetzt, der Konkurrenzkampf ist groß. Die Jungs gehen aber miteinander gut um.“ Keine Entsprechung — siehe Eintrag.

Afghanistan, Jogi Löw, Christian Wulff

1. “Angeschwärzt”
(vonwurmbseibel.com)
Ronja von Wurmb-Seibel lebt als freie Journalistin in Kabul. In deutschen Zeitungen entdeckt sie regelmäßig Artikel über Afghanistan, die mit der Realität vor Ort nur wenig zu tun haben. Deshalb greift sie zum Edding, schwärzt Falschinformationen in den Texten und kündigt an: “Der nächste Autor, der von weit weg Scheiße über Kabul schreibt, wird von mir eine Nachricht bekommen. Sie wird schwarz sein, und bedrohlich, und nur zwei Worte werden zu erkennen sein: LOOK! LISTEN!”

2. “Das verbotene Zitat von Jogi Löw”
(schweizamsonntag.ch, Patrik Müller)
Am 29. März ruft der Pressesprecher der deutschen Fußballnationalmannschaft beim Chefredakteur der Schweiz am Sonntag an: “Wenn Sie diesen Satz im Interview drin lassen, dann brauchen wir gar nicht erst nach Brasilien fahren!” Es geht um ein Zitat, in dem Joachim Löw seinen Rücktritt nach der WM andeutet; das Interview erscheint letztendlich ohne die pikante Aussage. Doch nach dem Weltmeistertitel findet Patrik Müller: “Jetzt darf das verbotene Zitat raus.”

3. “Damals, als FAZ-Autoren noch jung waren…”
(schmalenstroer.net)
Die FAZ hat einen Weckruf für die aktuelle Studentengeneration verfasst, wünscht sich mehr Selbständigkeit und weniger Konformität und “verbreitet so viel Blödsinn, dass man einfach mal genauer hinschauen muss.” Meint jedenfalls Michael Schmalenstroer und kommt zum Schluss: “Heute ist vieles anders, als damals, als die FAZ-Autoren und ihre Leser jung waren.” Widerspruch kommt auch von Katharina Nocun (lang und kämpferisch) und Christian Simon (kurz und polemisch). 

4. “Die Verrohung des Diskurses, diese ganze Häme, mit Diffamierung und Denunziationen”
(danisch.de)
Christian Wulff teilt in einem Interview im Spiegel (Vorabmeldung) gegen Journalisten aus und wirft den Medien vor, ihn aus dem Amt geschrieben zu haben. Das nimmt Hadmut Danisch zum Anlass für eine Generalabrechnung: “Unsere Presse ist unglaublich schlecht geworden. Längst erfüllt sie ihre Aufgaben nicht mehr, und richtet mittlerweile in vielen Bereichen mehr Schaden als Nutzen an.”

5. “Blogs und ihre Macher: Supermarktblog”
(br.de, Daniel Bouhs)
“Wenn ich Reisen mache, bezahl ich die selber, wenn ich Unterkünfte bezahlen muss, bezahl ich die selber und […] ich schreib natürlich auch mal positiv über Unternehmen, […] aber nicht, weil ich dafür bezahlt wurde.” Das sagt Peer Schader, Erfinder und Betreiber des Supermarktblogs. Das Medienmagazin des Bayerischen Rundfunks stellt ihn und seine Arbeit in 3:21 Minuten vor.

6. “Blognetz Visualisierungen Juli 2014”
(2-blog.net, Luca Hammer)
Das #blognetz (FAQ) visualisiert die Facebook-Verbindungen zwischen rund 3000 angemeldeten Bloggerinnen und Bloggern. So werden die Netzwerke und Filterblasen sichtbar, die sich im deutschsprachigen Raum gebildet haben.

Auto Bild, Drohnen, Börsennachrichten

1. “Die Maschine übernimmt den Journalismus”
(denktagebuch.de, Marco Herack)
Es sei “kein großer Verlust”, wenn das Verfassen von Börsennachrichten von Maschinen übernommen werde, schreibt Marco Herack. Vielmehr sollte sich der Journalismus an die Auswertung von Dokumenten machen, “die gerne mal über 1000 Seiten lang sind und viel Geschwafel erhalten, zwischen dem sich die harten Fakten verstecken.”

2. “Drohnenjournalismus: großes Potenzial, aber hohe Hürden”
(onlinejournalismus.de, Bernd Oswald)
Bernd Oswald klärt auf über den journalistischen Einsatz von Drohnen: “Für den spontanen Rechercheeinsatz etwa bei Demonstrationen eignen sich Drohnen (zumindest in Deutschland) nicht. Bei Unglücken und im Umfeld von besonders sensiblen Anlagen wie Atomkraftwerken ist ihr Einsatz sogar verboten.”

3. “Man will mich hinausekeln”
(persoenlich.com, Roger Schawinski)
Roger Schawinski ärgert sich, für Inhalte zu bezahlen, die es im Netz kostenlos gibt, und schreibt an die Zeitungsverleger: “Ihr tut alles, um die Werthaltigkeit eurer Bezahlzeitungen zu torpedieren, indem ihr eure journalistischen Perlen nicht nur kostenfrei ins Netz stellt, sondern dies auch meist viele Stunden, bevor ich am Morgen zum Briefkasten wandle, dort klaube ich mir eure druckfrischen Produkte heraus, um dann beim Morgenkaffee zu meinem grossen Missfallen so vieles vorzufinden, das ihr mir bereits am Vorabend gratis im Netz serviert habt.”

4. “Haben Journalisten ein Problem mit Meinungsfreiheit?”
(1300ccm.de, Tom Schwede)
“Sollen Blogger Autos testen?”, fragt die “Auto Bild”. Tom Schwede antwortet: “Natürlich dürfen Auto-Blogger Autos testen, um die Frage der ‘Auto Bild’ an dieser Stelle deutlich zu beantworten. Es gibt kein Meinungsmonopol der etablierten Medien!”

5. “Die TV-Berichterstattung zur WM ist teils unglaublich schwach”
(stern.de, Bernd Gäbler)
Bernd Gäbler zieht ein Fazit zur Fußball-WM-Berichterstattung im Fernsehen: “In der ARD fällt Bernd Schmelzer besonders unangenehm auf, der auch die ‘Tagesschau’ permanent mit DFB-Werbeclips anfüllte. ‘Noch hat Merkel nichts erreicht. Aber der Triumpf winkt. Sie selbst weiss es am besten. O-Ton Angela Merkel. Der Weg ist hart. Aber die Mannschaft ist reif.’ Dazu dann Merkel-Bilder einsam, aber gelassen am Strand. Man stelle sich so etwas einmal in der Politik-Berichterstattung vor! Merkt in den Redaktionen keiner, dass da im Sport etwas schiefläuft?”

6. “Did a Twitter account *really* predict the World Cup Final result?”
(usvsth3m.com, englisch)
Die Prophezeiungen des Twitter-Kontos @FifNdhs für den Ausgang des Fußball-WM-Finals.

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