Archiv für August 5th, 2026

Menschen als Katastrophen, Mehr als ein Sieg, Frau­chens Restau­rant­kritik

1. Ceuta: Menschen als Katastrophen
(mdr.de, Antonia Groß)
Antonia Groß übt in ihrer Medienkolumne scharfe Kritik an der Berichterstattung über den massenhaften Grenzübertritt in die spanische Exklave Ceuta. Viele der Menschen seien offenbar durch gezielte Falschinformations-Kampagnen auf Social-Media-Plattformen getäuscht worden. Anstatt das Schicksal dieser Personen und die tatsächlichen Hintergründe in den Vordergrund zu rücken, würden politische Spekulationen und gegenseitige Schuldzuweisungen den medialen Diskurs bestimmen. Außerdem hätten sich zahlreiche deutschsprachige Medien einer entfesselten Bild- und Metaphernsprache (“Invasion”, “Grenzsturm”, “Strom”) bedient.

2. KI-Test: So einfach lassen sich Nachrichten mit ChatGPT und Co. fälschen
(correctiv.org, Max Bernhard & Kimberly Nicolaus)
Eine Recherche von „Correctiv“ zeigt, dass gängige KI-Chatbots wie ChatGPT, Gemini und Copilot trotz bestehender Richtlinien ohne große Hürden gefälschte Nachrichtenbeiträge mitsamt echten Medienlogos (wie dem der “Tagesschau”) generieren. Besonders bedenklich habe OpenAI mit ChatGPT agiert. Der Chatbot habe täuschend echte Screenshots im Design bekannter deutscher Medienmarken geliefert.

3. Wenn die Lüge Wirkung zeigt
(medientage.de, Cathrin Hegner)
Eine experimentelle Studie der Universität Würzburg um die Psychologin Lara Grohmann zeige, dass Politikerinnen und Politiker von der sogenannten “Lügner-Dividende“ (Liar’s Dividend) profitieren können, indem sie authentische Videobeweise für eigenes Fehlverhalten fälschlicherweise als KI-generierte Deepfakes abtun: “Da in Bezug auf KI-generierte Videoinhalte in den sozialen Medien Verunsicherung herrscht, kann es sein, dass man in bestimmten Situationen eher bereit ist, der Deepfake-Behauptung zu glauben. Sie bietet zumindest für den Moment Orientierung und eine Chance, Verunsicherung durch Heuristiken aufzulösen.” Im Interview erklärt Grohmann die Hintergründe.

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4. Frau­chens scharfe Restau­rant­kritik auf Ins­ta­gram ist erlaubt
(lto.de)
Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main habe entschieden, dass die emotionale und zugespitzte Kritik einer Hundehalterin an einem Restaurant rechtmäßig gewesen sei. Der Dackel der Frau habe im Gastraum des Lokals Schädlingsköder gefressen und sei in einer Tierklinik behandelt worden. Daraufhin habe die Halterin dem Betrieb auf Instagram unter anderem ein “massives Sicherheits- und Hygieneversagen” vorgeworfen. Das OLG werte diese Angaben als zulässige Meinungsäußerung im Rahmen eines konkreten Einzelvorfalls.

5. OLG erlaubt Veröffentlichung aller Weißmann-Chats: Mehr als ein Sieg des Falter
(falter.at, Florian Klenk)
Das Oberlandesgericht Wien habe in einer Grundsatzentscheidung zugunsten der österreichischen Wochenzeitung „Falter“ entschieden, dass Originalzitate aus privaten Chatprotokollen des ehemaligen ORF-Generaldirektors Roland Weißmann veröffentlicht werden durften. „Falter“-Chefredakteur Florian Klenk kommentiert in eigener Sache: “Wer die Wahrheit einer öffentlichen Darstellung überprüfen will, braucht Zugang zu den Belegen. Und manchmal bedeutet das eben auch, Chats zu sehen, die wir lieber nicht so genau hätten sehen wollen.”

6. Ein unablässiges In-sich-selbst-Herumgraben
(taz.de, Valérie Catil)
Hollywood-Produktionen seien zunehmend besessen von psychischen Traumata und dem individuellen Blick nach innen, schreibt Valérie Catil in ihrer „taz“-Kolumne. Dadurch würden strukturelle gesellschaftliche Ursachen ausgeblendet. Wie Catil ausführt, suggeriere das wiederkehrende Narrativ einer ständigen Selbstoptimierung durch Aufarbeitung der eigenen Psyche, dass jegliches Leid rein subjektiv gelöst werden müsse. So würden globale wie auch systemische Belastungsfaktoren (etwa wirtschaftlicher Druck, politische Krisen oder patriarchalische Strukturen) entpolitisiert.