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Rechtes für die Frau

Der Stange-Verlag, ein kleines Familienunternehmen an der Nordsee, ist (zumindest laut Eigenbeschreibung) der “Verlag für wirklich schöne und erfolgreiche Zeitschriften”. Die schönste und erfolgreichste von allen, das “Flaggschiff” des Hauses, ist das Blatt “aktuell für die Frau”, eine Frauenzeitschrift mit Ratgebern, Rezepten und harmlosen Klatschgeschichten.

Laut Verlag ist es mit über 230.000 verkauften Exemplaren “die klare Nr. 1 im Pressesegment der monatlichen unterhaltenden-serviceorientierten Frauenzeitschriften”. Und das nicht ohne Grund, denn das Heft “bietet einfach mehr!”, wie es unter dem Logo selbst verspricht:

Cover

So bietet es in der aktuellen Ausgabe zum Beispiel “42 herzliche Liebes-Grüße” zum Aufkleben, ein “großes Mondhoroskop”, die “10 besten Schlank-Tricks”, das “Leckerste mit Pasta & Hack”, Ratgeber gegen Rückenschmerzen und Werbung für die deutsche Nationalhymne.

Ganz recht: Zwischen Gemüsekuchen und Frauenkräutern plötzlich — Vaterlandsliebe.

Die ganzseitige Anzeige wurde vom Verein “Die Deutschen Konservativen” geschaltet, der 1995 vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wurde. Anführer des Vereins ist Joachim Siegerist, ein ehemaliger “Bild”-Redakteur und verurteilter Volksverhetzer.

Der Verein wettert gegen alles, was nicht rechts ist. Derzeit am liebsten gegen die “linke Meinungsvorschrift” in den Medien und die “Vernichtungskultur” der “political correctness”, gegen die “Gutmenschen”, “Muslimischen Sozialromantiker” und die “Gehirnwäsche der p.c.-Generation”. Ach, und Sarrazin “hat doch recht!”

Schon in den 80er-Jahren hatte der “Spiegel” über den “rechten Kreuzzug” der “Deutschen Konservativen” berichtet. Und schon damals hatten Siegerist und Kameraden — seinerzeit noch mit dem Vorgänger-Verein “Konservative Aktion” — eifrig Werbung für die deutsche Hymne gemacht:

Mehr als eine Million mal, rühmte sich die Konservative Aktion letztes Jahr, sei eine selbstproduzierte Schallplatte mit der Nationalhymne an den Mann gebracht worden – alle drei Strophen. “Deutschland, Deutschland über alles”. (“Spiegel”, 42/1986)

Heute wird sie an die Frau gebracht, “die schönste Hymne der Welt”. Auf seiner Internetseite schreibt der Verein:

Ein interessanter Test für Die Deutschen Konservativen e.V.: Erstmals werben Die Deutschen Konservativen e.V. mit einer Groß-Anzeige in einer typischen Frauenzeitschrift. In der neuen Ausgabe von “aktuell für die Frau” bieten wir in einer ganz seitigen Anzeige (Seite 65) die gedruckte Edel-Kassette mit dem “Lied der Deutschen” an.

Wie kann das sein? Wie schafft es ein solcher Verein mit einer solchen Anzeige in ein Friede-Freude-Frauen-Heft? Oder anders gefragt: Warum lässt die “wirklich schöne und erfolgreiche” “aktuell für die Frau” Werbung für diese rechte Truppe zu?

Chefredakteur, Herausgeber und Verleger von “aktuell für die Frau” ist Michael Stange. Laut Impressum ist er auch für die Anzeigen verantwortlich. Und er dürfte genau gewusst haben, mit was für einem Verein er es da zu tun hat. Er hat ihn nämlich mitgegründet.

Stange leitete in den 80ern schon die Jugend-Organisation der “Konservativen Aktion”. Nachdem er und Joachim Siegerist aus dem Verein geflogen waren, gründeten sie ihren eigenen — mit Sigerist als Chef und Stange als Stellvertreter. Und so begann er, der “rechte Kreuzzug” der “Deutschen Konservativen”.

Michael Stange, den der “Spiegel” 1988 noch einen“Rechtsradikalen” genannt hatte, war später Chefreporter bei “Bild”, heute leitet er den Stange-Verlag, das kleine Familienunternehmen an der Nordsee, mit seinen “wirklich schönen und erfolgreichen Zeitschriften”. Auf seiner Internetseite schreibt er:

Unser Verlag und unsere bekannten und erfolgreichen Zeitschriften gehören (anders als die meisten anderen Titel im deutschen Markt) nicht zu einem der großen und mächtigen Presse-Konzerne. Wir sind ein Teil derer, von denen die Politik immer zu recht sagt, dass sie das Standbein der deutschen Wirtschaft darstellen: Ein kleines, mittelständisches und inhabergeführtes Familienunternehmen, das sich mit einem tollen und engagierten Team noch um seine Leserinnen und Leser, Kunden und Geschäftspartner kümmert und Arbeitsplätze schafft und sichert, statt sie abzubauen. Deshalb drucken wir auch alle unsere Zeitschriften (auch anders, als so mancher Konzern) bei Druckerei-Partnern in Deutschland – und das soll auch so bleiben.

So retten Stange & Co. nicht nur die deutsche Hymne, sondern die deutsche Wirtschaft gleich mit. “aktuell für die Frau” bietet eben “einfach mehr!”

Mit Dank an topfvollgold-Leser Oliver K.

Nachtrag/Korrektur, 22.30 Uhr: Der Stange-Verlag sitzt nicht in Baden-Württemberg, wie wir zuerst geschrieben hatten, sondern in Friedrichskoog. In Baden-Württemberg sitzt die Redaktion der “aktuell für die Frau”. Danke an die Hinweisgeber!

Ein schönes, falsches Bild von Google

Wenn Digitalthemen Schlagzeilen machen, ist es ein Alptraum für Bildredakteure. Denn das Internet ist nicht fotogen. An Hackern in Skimasken, Snowden-Fotos und abfotografierten Bildschirmen hat sich das Publikum schon lange sattgesehen.

Nicht ganz so schlimm war es, als der Europäische Gerichtshof am Dienstagmorgen eine überraschende Entscheidung verkündete: Der Suchmaschinenkonzern Google wurde verpflichtet, bestimmte Artikel über den spanischen Kläger nicht mehr zu verlinken. Es war kein Problem, denn die dpa hatte das perfekte Bild im Angebot: Eine Google-Angestellte, die einsam zwischen den riesigen Serverschränken an einem Laptop sitzt und Wartungsarbeiten vornimmt. Das Foto ist so perfekt, dass es bei vielen Online-Portalen verwendet wurde.

Auf sueddeutsche.de, …

Screenshot: Sueddeutsche.de

… auf spiegel.de ,…

googlefoto-spon

welt.de

googlefoto-welt

… bei der Frankfurter Rundschau, beim Handelsblatt und vielen anderen.

Das Problem an dem Bild: Es ist eine Fälschung. Oder eine künstlerische Neuinterpretation des Google-Rechenzentrums in Oregon.

Es stammt aus der Hochglanzproduktion “Where the Internet lives“, mit dem sich Google 2012 von seiner besten Seite präsentieren wollte. Die Fotografin Connie Zhou hatte, wie Google nach herber Kritik schließlich einräumte, aus ästhetischer Gründen Korrekturen an den Originalbildern vorgenommen. Mal wurden die Kontraste bereinigt, mal ein störender Lichtfleck ausgeblendet, mal die Perspektive des Bildes digital verändert. Bei dem heute so prominenten Bild baute sie jedoch gleich das Gebäude um: Der breite Gang neben der Google-Mitarbeiterin — hier die Originalaufnahme — wurde kurzerhand in der Nachbearbeitung mit einem Serverschrank überdeckt, sodass sie komplett von Computern eingeschlossen scheint. Sehr symbolisch, aber eben auch falsch.

Die prominente Bildverfälschung, die zum Beispiel vor zwei Jahren von Zeit Online aufgegriffen worden war, war der Bildredaktion der dpa entgangen. Auf unsere Nachfrage hat ein Sprecher der Nachrichtenagentur nun Konsequenzen versprochen: “Wir ziehen das Bild jetzt aus dem Dienst zurück, denn Bildmanipulationen jeglicher Art sind mit den dpa-Standards nicht vereinbar.”

Nachtrag, 13:02 Uhr: Süddeutsche.de hat das Bild inzwischen transparent ersetzt.

Etihad liegt die “Welt” zu Füßen

Sie wollen wissen, wie supertoll und megaluxuriös das “fliegende Hotelzimmer” wird, das die Fluggesellschaft Etihad Airways plant? Nun, dann können Sie sich entweder das 90-sekündige Werbevideo des Unternehmens anschauen, oder Sie investieren ein bisschen mehr Zeit und lesen diesen Artikel beim Onlineauftritt der “Welt”:

Das Werbevideo können Sie sich danach immer noch anschauen — die “Welt” hat es am Ende des Textes freundlicherweise gleich eingebettet, für alle Fälle.

Aber das ist eigentlich nicht nötig, denn nach der Lektüre des 5.000 Zeichen langen Textes werden Sie ohnehin schon längst überzeugt sein von der unschlagbaren Grandiosität der Etihad-Luxus-Suite. Die “Welt” gibt sich jedenfalls größte Mühe, kein einziges der vielen fantastischen Details zu vernachlässigen.

Schon die ersten beiden Sätze machen die Marschrichtung klar.

Wer dachte, mit der First Class sei der ultimative Luxus im Linienflugzeug bereits erreicht, muss sich von der arabischen Etihad Airways eines Besseren belehren lassen. Denn der neue Wohnraum “The Residence” fängt dort an, wo die First aufhört.

(Im Original liegt hinter “‘The Residence'” ein Link zur Unternehmensseite.)

Der “Gipfel des Genusses”, meint die “Welt”, werde

eine immerhin fast zwölf Quadratmeter große Wohnfläche sein, die ein Maß an Luxus und Privatsphäre bieten wird, wie es sonst nur in Privatjets vorgefunden wird.

“Das Wohnzimmer” sei

unter anderem mit einem 1,50 Meter breiten Zweisitzersofa (ausklappbar zu einem Liegesofa), ausklappbaren Ottomanen, Intarsien-Esstisch, gekühlter Minibar und 32-Zoll-TV-Bildschirm ausgestattet.

“Im Schlafbereich” stehe

ein 205 mal 120 Zentimeter großes Doppelbett mit Leselampen und Stimmungslicht, ein Nachtschrank, Kleiderschrank, hinterleuchtete holzgeschnitzte Wände und ein 27-Zoll-Fernseher.

Und das “private Duschbad” ermögliche

eine vier Minuten währende Dusche sowie Toilette, Waschtisch mit Kosmetikspiegel und Föhn.

Wir erfahren, dass jedem Gast “ein persönlicher Butler zur Verfügung” steht und dass diese “qualifizierten Servicekräfte” an der “Londoner Savoy Butler Academy speziell geschult” werden.

Wir erfahren, dass ein “‘Fünfsterne-Verpflegung'” dazugehört und der Chefkoch “auf Wunsch eine persönliche Menüplanung berücksichtigt”. Dass der Fluggast “mit luxuriöser Bettwäsche, Schlafanzug” und anderem Schnickschnack “umsorgt” wird. Dass sich “ein spezielles VIP-Reise-Concierge-Team um die Top-Gäste” kümmert und “dafür sorgt, dass jedes Reisedetail, einschließlich Bodentransport, Küche und Annehmlichkeiten, optimal auf die Anforderungen des Gastes zugeschnitten sind.”

Dann folgen Angaben zum Preis, zu den geplanten Strecken, den kooperierenden Flughäfen, den angepeilten Terminen und den Platzkapazitäten des Flugzeugs.

Anschließend darf der Etihad-Chef noch persönlich erklären, dass diese “neuartigen Wohnräume” die “Erwartungen von Flugreisenden in Bezug auf Bordkomfort und Luxus nachhaltig verändern [werden]”. Und die Konkurrenz darf er auch noch niedermachen erwähnen:

Mit Blick auf Mitbewerber um begehrte First-Class-Passagiere wie die Golf-Rivalen Emirates und Quatar Airways, aber auch Singapore Airline und British Airways habe man sich entschlossen, die größten “First Class Suites” anzubieten.

Aber auch das ist noch lange nicht alles.

Und so plant der Carrier neben dem Top-Produkt “The Residence by Etihad” auch noch eine Vielzahl weiterer Service-Veränderungen.

Die kürzen wir aber jetzt mal ab.

… “First Apartments” (neun Stück in einer 1-1-Anordnung also mit nur einem Gang) … 1,60 Meter hohen Schiebetür … Liegesessel … Ottomane … Full-Flat-Bett mit einer Länge von 2,03 Metern … gekühlte Minibar … persönlicher Waschtisch … schwenkbarer TV-Monitor zur Nutzung vom Sitz oder vom Bett aus … 74 Prozent größere Grundfläche als die aktuellen, preisgekrönten First Class Suites … verbesserte “First Suite” … acht Suiten (in 1-2-1-Anordnung) … großen Sitz … Ottomane … Full-Flat-Bett von 2,05 Metern Länge … lassen sich die Armlehnen zurückschieben … können zwei Suiten in eine Einheit mit Doppelbett umgewandelt werden … gekühlte Minibar … 24-Zoll-TV-Monitor … 20 Prozent mehr persönlichen Platz bieten … direkten Zutritt zum Gang … Full-Flat-Bett mit einer Länge von 2,05 Metern …

… und so weiter.

Der Artikel ist (inklusive Etihad-PR-Video und zehnteiliger Klickstrecke) vergangenen Montag erschienen, im redaktionellen Bereich des Online-Ablegers der “Welt”.

In der Print-Ausgabe, zumindest in der “Welt kompakt”, suchte man ihn vergeblich. Dort wurde stattdessen auf die klassische Weise für “The Residence” geworben — per Anzeige über drei ganze Seiten.

Bei den Fluggesellschaften gebe es einen “Kampf um die zahlungskräftige Klientel”, schreibt die “Welt” noch. Gut für die, die ihre Verbündeten schon gefunden haben.

Mit großem Dank an Micky M. und Sébastien Z.

Wer den Wal hat, hat die Qual

Fällt Ihnen was auf?

Genau: Der Pottwal (links) und der Blauwal (rechts) könnten glatt Zwillinge sein.

Auch bei taz.de, der “Huffington Post”, bz-berlin.de, Oe24.at und einigen anderen Medien sieht ein toter Pottwal …

… genauso aus wie ein toter Blauwal:

Und bei “RP Online” ist das sowieso alles dasselbe:

Also beginnen wir am besten grundlegend. Pottwale, liebe Medien, sind keine Blauwale. Andersrum auch nicht.

Der tote Wal, der in Kanada angespült wurde und jetzt zu explodieren droht, ist ein Blauwal. Und er hat nichts mit dem toten Wal zu tun, den eine kanadische Gemeinde bei Ebay versteigern wollte. Der ist nämlich ein Pottwal und sieht so aus.

Kleiner Tipp fürs nächste Mal: Pottwale haben keine Kehlfurchen.

Mit Dank an Uwe R. und pottwale.de.

Alles nur Fassade

Die Frau des Fußballers Robert Lewandowski, der zur kommenden Saison vom BVB zum FC Bayern wechselt, hat sich zum Abschied aus Dortmund etwas ganz Romantisches einfallen lassen:

LEWANDOWSKI - Kabinen-Kuss zum Abschied - Ab jetzt zählt nur noch Bayern

Bild.de schreibt:

Die Kabine ist sonst der heilige Ort der Fußballer. Jetzt nimmt uns Robert Lewandwoskis Frau Anna mit.

Für ein Knutsch-Foto!

Und das sieht so aus:

  Bei Instagram postete Lewandowskis Frau Anna dieses Knutsch-Foto aus der Kabine

Warum da immer noch das Trikot von Moritz Leitner hängt (obwohl er zurzeit gar nicht in Dortmund spielt), erklärt “Bild” leider nicht. Und warum beim BVB die Türklinken in der Luft schweben, bleibt ebenfalls offen.

Könnte aber alles daran liegen, dass sich die beiden nicht in der Kabine geküsst haben, sondern vor einer Fototapete im VIP-Bereich des BVB.

Mit Dank an Christoph.

Nachtrag, 17.25 Uhr: Bild.de hat den Artikel korrigiert und unter dem Text einen Hinweis veröffentlicht:

*BILD hatte Tomaten auf den Augen

Zu der Geschichte “Kabinen-Kuss zum Abschied” zeigten wir ein Foto von Dortmund-Stürmer Robert Lewandowski, der seine Frau Anna küsst. Den Kuss gab’s aber nicht in der BVB-Kabine, sondern vor einer Foto-Tapete. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Pakistan, Lobbygruppen, Rebellion

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Eine Meldung – und ihre Geschichte”
(blog.zeit.de/kabul, Ronja von Wurmb-Seibel)
Die Geschichte hinter der dpa-Meldung “Pakistan: Zwei Berliner Brüder festgenommen”: “Im Bus gibt es dann englischsprachige Zeitungen zu lesen und auf Seite zwei entdecken wir die Schlagzeile über unser Ergreifen, maßlos übertrieben und wenig informativ. (…) Eine ganze Reihe deutscher Medien hat diese fälschliche Schlagzeile reproduziert, teilweise noch pikanten Details verfeinert.”

2. “Qualitätsjournalismus Fehlanzeige: Journalisten als Lobbyisten”
(meedia.de, mit Video, 6:48 Minuten)
Die ZDF-Sendung “Die Anstalt” zeigt Verflechtungen deutscher Journalisten mit Lobbygruppen auf. “In der Mitgliederliste der Atlantik-Brücke, der u.a. Bild-Chef und -Herausgeber Kai Diekmann vorsitzt, tauchen neben ‘heute’-Anchor Claus Kleber auch Theo Koll, noch Politbarometer-Experte und bald Leiter des ZDF-Studios in Paris, und Grünen-Politiker Cem Özdemir auf, der den stv. Vorsitz des ZDF-Fernsehrates inne hat.”

3. “Rebellion unter den Lesern”
(medienblog.blog.nzz.ch, Rainer Stadler)
Die Meinungsvorherrschaft der Journalisten zerbröckle, stellt Rainer Stadler fest angesichts der breiten Kritik von Lesern, Journalisten würden im Konflikt um die Ukraine “die Ereignisse einseitig aus westlicher Optik darlegen und bewerten”: “Ich bezweifle allerdings, dass diese Erkenntnis ins Bewusstsein vieler professioneller Informationsverarbeiter gedrungen ist. Der Wille, die Rebellion im Publikum ernst zu nehmen, ist kaum vorhanden.” Siehe dazu auch “Der Westen und die Massenmedien sind zu tadeln!” (nzz.ch, Lorenz König).

4. “Im Abseits”
(sueddeutsche.de, Ralf Wiegand)
Insgesamt zwei gedruckte Interviews mit Pep Guardiola sind erschienen, seit dieser Trainer des FC Bayern München ist. “Viele Vereine aber führen intern schon Diskussionen, wozu man Sportjournalisten in den Stadien überhaupt noch braucht – wenn man doch alles selber machen kann.”

5. “Fünf Jahre taz-Hausblog: So viel Transparenz wie bei keiner anderen Zeitung”
(blogs.taz.de/hausblog, Sebastian Heiser)
Das “taz”-Hausblog feiert den 5. Geburtstag: “Als Student hatte ich das Blog spiegelkritik.de betrieben, das sich am Spiegel und Spiegel Online abarbeiten wollte, aber leider nie das Niveau des großen Vorbilds bildblog.de erreicht hat. Noch mehr als über die journalistischen Fehler im Spiegel habe ich mich über den Umgang mit ihnen geärgert. Genauer: Den Nicht-Umgang. Die Journalisten – gerade beim Spiegel – dachten, es sei für ihre Arbeit essenziell, einen Nimbus der Unfehlbarkeit zu verbreiten und keine Fehler zuzugeben. Das ärgerte mich als Leser. Ich fand, Journalisten müssten mal von ihrem hohen Ross runterkommen, ihre Arbeit transparenter machen und sich der Kritik stellen. Und dann wechselte ich die Seiten.”

6. “Die fünf Erfolgsfaktoren von mobilen Newsplattformen: Boulevard, Reichweite auf Social Media, Viralität, Originalität und neue Werbeprodukte”
(svenruoss.ch)

Heftig.co, AX, Burger King

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Heftig, Likemag, Storyfilter & Co.: die neue Macht im Social Web”
(10000flies.de, Jens Schröder)
Im Like-Medien-Ranking von 10000flies.de erobert Heftig.co Platz 1 und verdrängt damit “Giganten wie Spiegel Online und Bild.de”.

2. “Der Autor dieses Artikels hasst diese Seite so sehr, es ist unglaublich was passiert. Am Ende musste ich weinen.”
(hermsfarm.de)
Auch Herm beschäftigt sich mit Heftig.co: “Heftig.co besteht komplett aus geklauten Inhalten. Auf Credits, Bildrechte und Qualität des Inhalts wird sich hier ungefähr so gekümmert, wie um Servicequalität in Berliner Taxen. Ein großer Müllhaufen mit wohlportionierten, geklauten Inhalten. Sieht man etwas halbwegs bewegendes im Netz, wird es wenige Tage später aus dem Zusammenhang gerissen und mit reißerischer Überschrift auf Heftig.co zu sehen sein. Oder besser gesagt: Wenige Tage später wird man den Artikel von einer Schulkameradin aus der Grundschule auf Facebook geteilt bekommen.”

3. “Roboter im Journalismus: Wie Maschinen unseren Umgang mit News verändern”
(t3n.de, Frank Feulner)
Der Textroboter AX: “Er wird keine zehn Meldungen über den Tod eines Popstars schreiben und dabei den armen Schauspieler vergessen, der einen Tag später den Löffel abgegeben hat. So funktioniert er einfach nicht. Stattdessen präsentiert er die gesamte Bandbreite an Sachverhalten, die er in seinen Daten findet. Gleichwertig, gleichrangig und alle mit der selben Sorgfalt.”

4. “Wie RTL mit seiner Burger-King-Recherche selbst geschaffene Märchen entzaubert”
(blogs.stern.de/programmstoerer, Peer Schader)
Peer Schader erinnert daran, dass sich Verantwortliche von “Burger King” noch vor Kurzem auf RTL sehr positiv darstellen konnten. “Es ist ja lobenswert, wenn sich der Sender neuerdings wieder darum bemüht, mit journalistischen Mitteln die Selbstinszenierung großer Wirtschaftsunternehmen zu entzaubern, die ihren Profit auf den Schultern der Mitarbeiter machen. Noch glaubwürdiger wäre das allerdings, wenn RTL vorher nicht so intensiv dabei helfen würde, diese Märchen überhaupt erst in die Welt zu setzen.”

5. “Von der Seeschlacht zum Bumerang”
(blog.wikimedia.de, Jan Engelmann)
Jan Engelmann befasst sich mit der Plagiatsdiskussion um das Buch “Große Seeschlachten”: “Frei lizenzierte Inhalte, wie in Wikipedia, sind Teil des alltäglichen Umgangs mit Medien geworden – deren korrekte Handhabung jedoch nicht unbedingt.”

6. “Der Zeitgeist steht rechts, die Zeitungen stehen wo?”
(carta.info, Wolfgang Michal)
Wolfgang Michal macht eine “fehlende Vielfalt der großen Medienangebote” aus. “Lästern Politikverächter seit Jahren über die ‘Einheitspartei’ CDUCSUSPDFDPGRÜNE, so zetern die neuen Medienverächter nun über den Einheitsbrei von ZEITSPIEGELSTERNSZFAZWELTBILDTAZFR. Zu lange glaubten die Vertreter der Leitmedien, die Politikverachtung (die eine heuteshow sehr erfolgreich zelebriert) könne nicht auf die Medien abfärben. Nun ist es passiert.”

Gerhard Schröder, Seeschlachten, Gegenlesen

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Markus Wiegand: Vom Wahnsinn des Gegenlesens”
(newsroom.de, Markus Wiegand)
Medienjournalist Markus Wiegand zeigt auf, wie Journalisten darauf bestehen, Artikel über sie vor Erscheinen komplett gegenzulesen: “Viele Journalisten finden es inzwischen selbst total normal, zum Beispiel Porträts komplett vor der Veröffentlichung an den Porträtierten rauszugeben.”

2. “‘Team Wallraff’: RTL hält Kurs in Richtung Relevanz”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Thomas Lückerath lobt RTL für die erste Folge von “Team Wallraff”: “RTL lieferte Erkenntnisse, die weit tiefer und wichtiger sind als wenn der ‘Markencheck’ im Ersten doch tatsächlich enthüllt: Mit dem Junior Menü will McDonalds Kinder locken! Nein! Doch! Oh! Wie kurios das Jahr 2014 doch ist, wenn RTL die Öffentlich-Rechtlichen bei einer investigativen Verbraucherstory in diesem Fall sehr alt aussehen lässt.”

3. “Moralischer Fehlschluss in der Sache Schröder”
(hogymag.wordpress.com, almasala)
Almasala wendet sich gegen die breite Kritik deutscher Medien an der Tatsache, dass Gerhard Schröder seinen 70. Geburtstag zusammen mit Wladimir Putin in St. Petersburg feiert. “Anscheinend kommt den Schreiberlingen einfach nicht in den Sinn, dass es auch andere legitime Standpunkte als den eigenen geben könnte; das nicht jeder Putin als den rücksichtslosesten und gefährlichsten Mann für den Weltfrieden seit Ende des kalten Kriegs sieht, sondern man auch eine völlig andere Sicht auf den aktuellen Konflikt in der Ukraine haben kann, bei der die USA und Europa in ihrer Doppelmoral und Selbstgerechtigkeit ebenfalls reichlich bekleckert dastehen.”

4. “Die mysteriöseste Seite des Internets: Was ich gefunden habe, ist heftig und macht mich wütend”
(rhein-zeitung.de, Lars Wienand)
Lars Wienand beschäftigt sich mit der Website Heftig.co.

5. “Plagiatsvorwurf gegen Historiker: C.H.-Beck-Verlag stoppt Auslieferung der ‘Großen Seeschlachten'”
(spiegel.de, aar)
Der Verlag C.H. Beck reagiert auf die Plagiatsvorwürfe gegen das Buch “Große Seeschlachten” mit einer Stellungnahme (chbeck.de, PDF-Datei) und einer Überprüfung der Vorwürfe: “Aufgrund der Prüfung hat der Verlag beschlossen, das Buch nicht weiter auszuliefern.”

6. “China nimmt ‘The Big Bang Theory’ aus dem Netz”
(blog.zeit.de/china, Felix Lee)
“Die amtliche Behörde für Medienkontrolle” in China untersagt einem Internetportal ohne Vorwarnung, verschiedene US-Serien weiterhin auszustrahlen. “Mithilfe der Zensurbehörden wollen die Staatssender offenbar verlorenes Terrain zurückgewinnen. Offensichtlich sind nicht mehr politisch fragwürdige Inhalte für die chinesischen Behörden das Kriterium für eine Absetzung einer Sendung, sondern allzu hohe Zuschauerzahlen.”

Team Wallraff, Roboterjournalismus, Siezen

6 vor 9

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1. “Eine Ente geht um die Welt: Medien lassen Schumacher aufwachen”
(meedia.de, Marvin Schade)
Verschiedene Medien melden, Michael Schumacher sei aus dem Koma erwacht: “Die Suche nach der Quelle der Falschmeldung bleibt bisher erfolglos.”

2. “‘Die Personifizierung des Roboterjournalisten ist absurd'”
(barnabyskinner.com)
Cord Dreyer erklärt in einem Interview, weshalb er nur wenig hält vom Wort “Roboterjournalismus”: “Die grossen journalistischen Leistungen, die Reportage, einen politischen Zusammenhang erklären, Menschen kennen lernen – das kann eine Maschine in absehbarer Zeit nicht leisten. Was sie kann, ist Routinearbeiten übernehmen.”

3. “Die Glaubwürdigkeit der Medien steht auf dem Spiel”
(salzburg.com, Manfred Perterer)
“Fast alles Geld fließt direkt an die großen Wiener Boulevard- und Gratisblätter. Regionalzeitungen werden mit Brosamen abgespeist”, schreibt Manfred Perterer über die Inserate-Vergabe “von öffentlichen und halböffentlichen Stellen” in Österreich, “mit denen eine wohlwollende Berichterstattung erkauft werden soll”.

4. “‘Jeder macht mal Fehler – aber bei uns Journalisten stehen sie gleich in der Zeitung'”
(hogn.de, Helmut Weigerstorfer)
Helmut Weigerstorfer befragt Lokaljournalist Jörg Homering-Elsner, der die Facebook-Seite “Perlen des Lokaljournalismus” ins Leben gerufen hat.

5. “Dann bleiben wir doch lieber per Sie”
(medienwoche.ch, Antonio Fumagalli)
Sollen sich Politikjournalisten und Parlamentarier duzen oder siezen? Antonio Fumagalli versucht, “zumindest in der Grussform eine Abgrenzung aufrechtzuhalten. Die Parlamentarier sind nicht unsere Feinde. Sie sind aber auch nicht unsere Freunde – obschon einem gewisse Parlamentarier selbstverständlich sympathischer sind als andere.”

6. “Team Wallraff – Reporter undercover – Folge 1”
(rtl-now.rtl.de, Video, 50:05 Minuten)
Siehe dazu auch “Das darf nicht sein, das darf nicht sein” (spiegel.de, Stefan Kuzmany).

BILDblog wird 10

Vor ziemlich genau zehn Jahren ist hier der erste BILDblog-Eintrag erschienen. Das heißt: Im Sommer haben wir Geburtstag!

Das wollen wir natürlich feiern. Unter anderem auf der re:publica am 6. Mai in Berlin. Aber statt Topfschlagen und Schokokusswettessen haben wir uns ein anderes Spiel überlegt:

Dafür brauchen wir Ihre und Eure Hilfe!

Wir wünschen uns zum Geburtstag, dass Ihr Euch Quizfragen übelegt. Sie sollten natürlich mit BILDblog zu tun haben, nicht zu einfach sein, aber auch nicht zuu schwer, wenn’s geht, unterhaltsam und gerne kreativ.

Zum Beispiel:

Wie nennt man Danny DeVito, wenn er Zitronenlikör kauft?

[Antwort]

Was haben wir “Bild” 2006 zu Weihnachten geschenkt?

[Antwort]

Welchen ehemaligen Bremer SPD-Politiker nahm “Bild” im vergangenen Jahr tagelang eifrig in Schutz, nachdem dieser wegen diskriminierender Aussagen über Sinti und Roma in die Kritik geraten war?

[Antwort]

Wer oder was sind “Schaumglocken”?

[Antwort]

Wer oder was sind “Uuuupsala-schön-anzusehen-sind-sie-Ja”?

[Antwort]

Wer oder was hat eine Woche nach Mick Jagger Geburtstag?

[Antwort]

“Bild” entdeckte 2011 auf einer Demonstration der “Pleite-Griechen” ein Hakenkreuz-Plakat. Darunter, so der Artikel, habe gestanden: “Die EU ist die Krönung aus UdSSR-Zentralismus und Glühbirnen-Faschismus”. Das stimmte aber gar nicht. Woher stammte der Spruch tatsächlich?

[Antwort]

Wie viele Lügen werden im BILDblog-Werbespot gezählt?

[Antwort]

An welcher Uni wird die Anrede “Herr Professorin” benutzt?

[Antwort]

Wie lautet die Standard-Antwort, die wir auf so gut wie alle Anfragen an “Bild” erhalten?

[Antwort]

Und jetzt seid Ihr dran. Schickt uns Eure Vorschläge bitte bis Mittwochabend (30.4.) an [email protected]. Unter allen Einsendern verlosen wir zehn Tickets für unsere kleine Geburtstagsfeier auf der re:publica (Dienstag, 6.5., ab 18 Uhr, die Tickets sind auch gültig für die anschließende “Web Week Night”).

Also: Wühlt Euch durchs Archiv, durchforstet Eure Erinnerungen — und schenkt uns Quizfragen! Je mehr Vorschläge wir bekommen, desto toller wird’s.

Wir freuen uns drauf!

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