Suchergebnisse für ‘BILD’

Kobane, Dmitri Kisseljow, §201a StGB

1. “Die ‘Entscheidungsschlacht’ um Kobane”
(blog.tagesschau.de, Kai Gniffke)
Die Berichterstattung über die syrische Stadt Kobane als “Paradebeispiel für die Mechanismen im Nachrichtenjournalismus”: “Die Stadt liegt an der Grenze und eignet sich deshalb besonders für die Berichterstattung. Denn während Journalisten auf syrischer Seite nur in größter Lebensgefahr arbeiten können, hat man von der türkischen Seite aus sicherer Entfernung einen Blick auf das umkämpfte Städtchen. Und so hatten internationale Medienanbieter dort ihre Übertragungstechnik aufgebaut. Doch als nach mehreren Wochen die Schlacht um Kobane keine Entscheidung brachte, zogen die Übertragungswagen wieder ab. Und damit endete die Berichterstattung.”

2. “Der Böse ist immer der Westen”
(cicero.de, Moritz Gathmann)
Seit Februar 2014 laufe die russische Propagandamaschine auf Volldampf, schreibt Moritz Gathmann: “Die Erzählung, die der russische Fernsehzuschauer seitdem in jeder Nachrichtensendung in Variationen serviert bekommt, geht so: In Kiew haben Faschisten, unterstützt und instruiert von den Amerikanern, den demokratisch gewählten Präsidenten gestürzt und die Macht errungen. Nun geht von ihnen eine physische Bedrohung gegen alle Russen, ja alles Russische an sich aus.”

3. “Politische Berichterstattung im Russland-Ukraine-Konflikt”
(deutschlandfunk.de, Thomas Franke)
Wer eine Interviewanfrage schickt an den “Anführer der medialen Truppen in Russland”, so nennt Thomas Franke Dmitri Konstantinowitsch Kisseljow, erhält einen Fragebogen zurück: “Ihre Antworten werden mir helfen zu verstehen, wie sehr Sie die Meinungsfreiheit schätzen: – Sind sie der Ansicht, die EU-Sanktionen gegen den Journalisten sind legitim? – Sind Sie bereit, Ihre Position öffentlich zu vertreten, indem Sie sie in ihrem Artikel aufnehmen? – Sind Sie bereit, Herrn Kiseljow zu zitieren? – Haben Sie Dmitri Kiseljows Artikel ‘Russland und der Westen tauschen bei der Meinungsfreiheit die Plätze’ gelesen, der im ‘Guardian’ erschienen ist.”

4. “60 Prominente gegen den Krieg sind keine Nachricht für ARD und ZDF”
(stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier fragt nach, warum in den TV-Nachrichten von ARD und ZDF nicht über den Aufruf “Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen!” berichtet wird.

5. “Strafbarkeit unbefugter und ehrverletzender Fotos: Änderung §201a StGB”
(rechtambild.de, Dennis Tölle)
Dennis Tölle berichtet über die Änderungen am Paragraph 201a des deutschen Strafgesetzbuchs, in der es um die “Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen” geht.

6. “10 tolle Weihnachtsgeschenke für Journalisten”
(journalisten-tools.de)

Mittermeier muss doch nicht kotzen, wenn er Helene Fischer sieht

Also… genau wissen wir das natürlich nicht, aber zumindest hat er es so nicht gesagt:

Und wie immer, wenn’s um Helene Fischer geht, stiegen die anderen Klatschmedien auch gleich mit ein und verbreiteten im Oktober die Meldung von Mittermeiers “Hass-Attacke”: Der Satz erschien unter anderem bei Bild.de, “Focus Online”, Blick.ch, auf der Seite der “inTouch” und News.de. Wenig später mussten sie alle eine Gegendarstellung bzw. Richtigstellung veröffentlichen:

Einige Medien haben sich sogar für den Fehler entschuldigt. Nur Bild.de schiebt bockig hinterher:

Anm. d. Red.: Unabhängig vom Wahrheitsgehalt sind wir zum Abdruck dieser Gegendarstellung verpflichtet

Avarija, E-Zigaretten, Tatort

1. “Wie aus einer Panne ein Atomunfall wurde”
(tagesschau.de, Bernd Großheim)
Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk verwendet an einer Pressekonferenz das Wort “Avarija” im Zusammenhang mit einem Atomkraftwerk, worauf Journalisten eine Katastrophe fürchten.

2. “Für keine Handvoll Dollar”
(tagesspiegel.de, Patrick Wehner)
In der syrischen Stadt Homs dient Abu Emad Journalisten von BBC und CNN als Informant: “Abu Emad sagt, er habe die Journalisten ein paar Mal nach Geld gefragt, um das Internet bezahlen zu können. Und um die Akkus seiner Kamera und seines Handys aufladen zu können. Bekommen habe er nichts. ‘Vor ein paar Wochen habe ich mit einer CNN-Moderatorin telefoniert. Ich habe ihr gesagt, dass das Leben gerade richtig hart ist. Dass ich ein paar Dollar gut gebrauchen könnte.’ Sie habe geantwortet, ihr Sender könne ihm nichts bezahlen. Die Journalisten müssten unparteiisch bleiben. Bei allen anderen Medien sei es ganz genauso gewesen, sagt Abu Emad.”

3. “‘Ich muss weitermachen'”
(taz.de, Anne Fromm)
Ein Interview mit der afghanischen Journalistin Farida Nekzad: “Dass heute fast jeder Afghane ein Handy besitzt, ist der größte Fortschritt der letzten Jahrzehnte. Das eröffnet uns Journalisten ganz neue Möglichkeiten: Plötzlich erreichen wir junge Leute und Frauen – und vor allem sie uns.”

4. “Ein Ausflug in die Datenminen”
(krautreporter.de, Theresia Enzensberger und Hannes Grassegger)
Handel mit persönlichen Daten von Lesern: “Während die Redaktion der ‘Zeit’ seit Jahren engagiert gegen den Datendiebstahl durch Geheimdienste anschreibt und über die Gefahren des Missbrauchs persönlicher Daten aufklärt, bietet der Verlag des Blattes seine eigenen Kundendaten auf dem freien Markt an.”

5. “Keine Panik, liebe Raucher: Ihr dürft auf E-Zigis umsteigen”
(watson.ch, Roman Rey)
Watson.ch dementiert den eigenen Artikel “E-Zigaretten sind schädlicher als klassischer Tabak”, der jedoch unverändert online bleibt inzwischen mit einem Hinweis versehen wurde.

6. “Krimisendung ‘Tatort’: 12 Fußballer als verdächtige Verbrecher”
(90minuten.at, Martin Böswarth)
Fahndungsfotos im “Tatort”, die aus dem Panini-Album stammen.

Das Zeugenhaus, Ferndiagnose, Focus

1. “‘Frau Jäkel, ich finde, das alles sollten Sie wissen'”
(newsroom.de, Gabriele Riedle)
Die 56-jährige Journalistin Gabriele Riedle beschreibt Julia Jäkel, was sie nach ihrer Entlassung erwartet: “Kann sich eigentlich jemand vorstellen, wie es ist, nicht etwa nach dem Abschluss der Journalistenschule, sondern Ende 50 damit anfangen zu müssen, Klinken zu putzen? Oder wie es ist, nicht mit Ende 20 oder so, sondern mit 57..63…65 von der Hand in den Mund leben zu müssen?”

2. “‘Die Tendenz der Medien zur Ferndiagnose ist fatal'”
(schweizamsonntag.ch, Patrik Müller)
Ein Interview mit Kriegsreporter Kurt Pelda: “Leider gibt es immer mehr Medien, die keine Bilder und Texte von Freelancern aus Syrien kaufen – angeblich aus Sorge um die Sicherheit der Journalisten. Aus diesem Grund lehnte zum Beispiel die kanadische Tageszeitung ‘The Globe and Mail’ einen langen Text von mir ab, bat mich aber um ein Interview zum selben Thema, natürlich ohne Bezahlung. Wer sich wirklich um das Schicksal von Kriegsreportern kümmern möchte, sollte dafür sorgen, dass wir angemessene Honorare erhalten. Nur dann können wir uns die Versicherungspolicen, Mietautos, Leibwächter, Mietautos und Satellitentelefone leisten, die in Syrien und anderswo überlebenswichtig sind.”

3. “Der Akt der Kritik”
(funkkorrespondenz.kim-info.de, René Martens)
Der Umgang von ARD und ZDF mit der Kritik an der Ukraine-Berichterstattung: “Obwohl ‘Steuerungen’ von interessierter Seite eine Rolle spielen, spricht viel für die These, dass in der massiven Kritik an der Ukraine-Berichterstattung von ARD und ZDF Stimmungen und Haltungen zum Ausdruck kommen, die schon lange virulent sind, aber erst infolge des digitalen Wandels sichtbar werden konnten. Dass sich Menschen zu Wort melden, die es jetzt sehr ausgiebig kompensieren, dass sie vorher keine Stimme hatten im Diskurs über das Fernsehen.” Siehe dazu auch “Die Journalisten der Kanzlerin: Sie sind ihre beste Truppe” (faz.net, Julia Encke).

4. “Diez, das Zeugenhaus und die Deutschen”
(hellojed.de, moritz)
Eine Kritik am Text “Wehrmacht böse, Deutsche gut”, in dem sich Georg Diez mit dem ZDF-Film “Das Zeugenhaus” auseinandersetzt: “Weil in ‘Das Zeugenhaus’ hauptsächlich die Angehörigen des Tätervolkes sprechen dürfen, soll seiner Ansicht nach der Film die Schuld dieser Täter relativieren. Das lässt mich daran zweifeln, dass Diez den Film überhaupt gesehen hat. Denn, klammern wir mal die völlig irrelevant bleibende Berben-Hauptrolle aus, verteilen sich die Sympathien in diesem Film ganz automatisch – jeder Versuch der Selbstentschuldung der belasteten Deutschen wirkt jämmerlich, unehrlich.”

5. “Medienschelte leicht gemacht”
(noltejournal.de)
Ein Lehrgang in der Disziplin “Medienschelte” mit fünf Lektionen.

6. “Focus kreativ”
(twitter.com/p_rentsch)
Der “Focus” vom 1. Dezember 2014 im Vergleich mit dem “Focus” vom 30. Januar 2010.

RT, Syrien, Media Markt

1. “Die große Syrien-Schlamperei”
(taz.de, Idrees Ahmad)
Die Berichterstattung aus Syrien: “Von Anfang an hat Damaskus versucht, die Kontrolle über die Berichterstattung zu behalten, indem es die Arbeit für ausländische Journalisten lebensgefährlich machte – außer sie waren ‘eingebettet’. Einige wenige gefährdeten dennoch ihr Leben, andere nutzten Skype, Youtube oder Twitter, um Material für Berichte zu sammeln. Wieder andere ignorierten die besonderen Umstände und hielten sich an orts- und zeitunabhängige Ideologien. Je weniger Journalisten nach Syrien reisten, desto stärker dominierten die Klischees die westliche Berichterstattung.” Siehe dazu auch “Kurt Pelda erhält Menschenrechtspreis und kritisiert die Medien” (srf.ch).

2. “Nenn mich nicht Mob – Der Umgang von Journalisten mit Inhalten aus sozialen Netzwerken”
(socialmediawatchblog.org, Eve)
Eve sieht die Haltung, “dass was öffentlich gepostet wurde, auch bedenkenlos weiterveröffentlicht werden kann”, kritisch: “Ein Tweet, der im Kontext einer Timeline als spontane Äußerung an eine bestimmte Zielgruppe gepostet wird, von der ein gewisses Vorwissen und oft auch ein Konsens erwartet werden kann, wird durch unbedachte Veröffentlichung im völlig anderen Kontext eines Nachrichtenmediums plötzlich zur fixierten kontroversen Position.”

3. “‘Wir wurden gleich mit der Propaganda-Keule begrüßt'”
(heise.de/tp, Harald Neuber)
Harald Neuber spricht mit dem Chefredakteur von “RT deutsch”, Iwan Rodionow: “Diejenigen, die sich informieren möchten, wie die Medien in Russland geknebelt, gesteuert und unterdrückt werden, die können sich durchaus bei der BILD, bei der Tagesschau, beim Spiegel oder bei der FAZ bedienen. Vielleicht wären sie etwas enttäuscht, wenn sie auf RT Deutsch klickten und dort auch auf solch plumpe Behauptungen träfen.”

4. “Informiert oder propagandiert?”
(weblog.medienwissenschaft.de, s2mmhoff)
Ein Resümee einiger zum Start von “RT deutsch” publizierter Artikel: “Es ist also festzuhalten, dass RT Deutsch durchaus berechtigt ist, Kritik am Westen auszuüben, aber nach genauerer Betrachtung zeigt sich, dass RT Deutsch nicht objektiv arbeitet. Renommierte Journalisten belegen dies. Es kommt nicht zur Abwägung. Gegenpositionen kommen nicht zum Zug oder werden vollkommen verdreht. In ihren Methoden lassen sich klar propagandistische Absichten erkennen.”

5. “Native Advertising der Extraklasse: ‘Der dreiste Lügen-Opa’ von Media-Markt”
(wuv.de, Markus Weber)
Media Markt wirbt in “Bild” im “Bild”-Artikel-Format: “Obwohl sie korrekt als ‘Anzeige’ gekennzeichnet ist, muss man dreimal hinschauen, um zu erkennen, dass hier die Elektronikfachmarktkette wirbt.”

6. “Unsichtbar: Vom Leben auf der Straße”
(unsichtbar.morgenpost.de)

Der öffentliche Tod einer jungen Mutter

Am vergangenen Mittwoch ist in Emmerich eine 26-jährige Frau im Beisein ihrer kleinen Kinder erstochen worden. Laut Polizei war ein Nachbar der Familie über den Balkon in die Wohnung eingedrungen, hatte dort zuerst die 45-jährige Oma schwer verletzt und dann im Schlafzimmer, wo sich auch die Kinder aufhielten, brutal auf die junge Mutter eingestochen. Sie war schon verblutet, als die Rettungskräfte eintrafen.

Der mutmaßliche Täter, der auf seiner Flucht noch einen dritten Menschen attackierte, wurde am Tag darauf festgenommen; er habe die Taten gestanden, teilte die Polizei mit.

Die Medien interessierten sich natürlich sehr für den grausamen Fall, allerdings verzichteten sie in ihren Berichten auf Fotos der Opfer, änderten alle Namen und nannten auch sonst kaum persönliche Details, eine Praxis, die eigentlich selbstverständlich sein sollte, es aber bei Weitem nicht ist, nicht mal in den sogenannten seriösen Medien, wie man ja zuletzt an den fürchterlichen Opfergalerien zum MH17-Unglück sehen konnte. Umso erfreulicher, dass sich die Medien diesmal so zurückgehalten haben.

Bis auf „Bild“ natürlich.

Dort gab es mal wieder das volle Sensationsprogramm: Die Zeitung druckte Fotos vom Abtransport der Leiche und davon, wie die (immerhin verpixelten) Kinder aus dem Haus getragen werden; zeigte (sowohl in der Print- als auch in der Online-Ausgabe) Fotos vom Haus, in dem die Tat geschah, von der Wohnungstür der Familie, von der Wohnungstür des mutmaßlichen Täters und vom Haus des dritten Opfers. „Bild“ ist auch das einzige Medium, in dem die Namen der Betroffenen nicht geändert wurden. Und das einzige, das ein unverpixeltes Foto der getöteten Frau veröffentlicht hat — und zwar einmal am Mittwoch …

… und zweimal am Donnerstag …


… außerdem in der Bundesausgabe …

… in der Regionalausgabe (Ruhrgebiet) …

… nochmal in der Bundesausgabe …

… und nochmal in der Regionalausgabe:

(Alle Unkenntlichmachungen von uns.)

Als Foto-Quelle ist in der Printversion (wenn überhaupt) „Privat“ angegeben. Online heißt es:

In Wahrheit stammt das Foto aber natürlich nicht von „Bild“-Mann Stefano Laura, sondern vom Facebookprofil des Opfers. Auch das (mit schwarzem Alibi-Balken versehene) Foto des mutmaßlichen Täters hat sich „Bild“ kurzerhand bei Facebook besorgt, Quellenangabe: keine.

Am Donnerstag haben wir den Axel-Springer-Verlag um eine Erklärung zu dem Fall gebeten. Eine Antwort haben wir bis heute nicht bekommen.

Übrigens: Wie gestört die Leute von “Bild” mit diesem Thema umgehen, zeigt sich in der heutigen Ausgabe in ganz besonderer Weise. In einem Artikel über die Wild-Unfälle vom Wochenende hat die Zeitung einem Reh (!) das gewährt, was die meisten menschlichen Opfer nicht bekommen: ein verpixeltes Gesicht.

Mit Dank an Stephan T. und Kurt Wolfgang S.

RT, Ebola, Wrestling

1. “Fatale Falschmeldung”
(taz.de, Francesco Giammarco)
Eine Meldung über eine Ebola-Erkrankung in Berlin stellt sich als falsch heraus: “Unter anderem der TV-Sender n-tv und die Berliner Morgenpost hatten am Dienstag berichtet, dass es sich bei dem Mann um einen Übersetzer handeln soll, der für die Botschaft der Republik Sierra Leone in Berlin arbeitet. (…) Weder vor, noch nach der Veröffentlichung sei die Botschaft kontaktiert worden, um die Verbindung zu dem vermeintlich Kranken zu bestätigen.”

2. “Mein Auftritt bei Putins Propagandasender”
(faz.net, Olaf Sundermeyer)
Olaf Sundermeyer wird vom seit Kurzem auch auf deutsch sendenden TV-Sender “RT” eingeladen und berichtet über seine Erfahrung: “Ich warte. Zu lesen gibt es nur die ‘Junge Welt’, in der eine spezielle linke Sicht der Dinge das Böse in Kiew vermutet und das Gute in Moskau weiß.”

3. “Ohne Brüste und Budget zu einer halben Million Klicks”
(tokyofotosushi.wordpress.com, Fritz)
Fritz Schumann erzielt mit einer Story, die er zunächst “allen großen Redaktionen” in Deutschland erfolglos angeboten hatte, internationale Aufmerksamkeit und eine Laudatio des dpa-Inlandchefs: “Ich ahnte von Beginn an, dass die Geschichte abgehen wird. Wie sehr, das war mir bis zum Schluss nicht klar. Mein Problem zu Beginn war, dass ich als junger Journalist keinen direkten Kontakt zu den Redaktionen hatte, denen ich es anbot. Ich hatte kein Vertriebsnetzwerk. Durch die Verbreitung im Netz erhielt ich aber Angebote von Adressen, an die ich niemals dachte. Das Internet wurde mein Vertriebsnetzwerk.”

4. “Post von der ‘Bild’: Homberger mit Regierungssprecher verwechselt “
(hna.de, Olaf Dellit)
Eine Geburtstagsgratulation von “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann: “Das Problem: Klaus Bölling aus Homberg hatte an diesem Tag überhaupt nicht Geburtstag, und 86 Jahre alt ist er noch lange nicht, sondern gerade einmal 52.”

5. “Ein offener Brief an BILD-Redakteur Enrico Ahlig”
(wrestling-point.de, Mathias)
Mathias freut sich, dass “Bild” über Wrestling berichtet, aber nicht, wie “Bild” über Wrestling berichtet. An Redakteur Enrico Ahlig schreibt er, seine Artikel hätten “ungefähr den Informationsgehalt einer leeren Tomatensaft-Dose. Ein bisschen Text, Selfie, Text, Selfie… Man erkennt Ihr Muster schnell. Und wenn Sie in einem Artikel mal nicht zu sehen sind gibt es trotzdem extrem viele Bilder und wenig Text. Als wäre jeder Buchstabe mehr eine Belastung für den Leser.”

6. “Satirisch: So war mein erstes Mal – ‘Ich fühlte mich richtig mies!'”
(interview-blogger.de, Florian Staudter)
Florian Staudter kauft erstmals eine Ausgabe von “Bild”: “Schnell wurde mir klar, das Ganze war eine einmalige Sache. Ein Ausrutscher – ein One-Read-Stand. Sie ist zwar billig, mehr aber auch nicht.”

Roma, Klickkacheln, Kampagnenjournalismus

1. “Der Schullehrerinnen-Report”
(tageswoche.ch, Renato Beck)
“Eine Lehrerin soll mit einem 17-jährigen Schüler geschlafen haben” – Renato Beck berichtet von den medialen Reaktionen: “Gar keinen Grund gibt es, das Alter der Frau zu nennen (‘Schweiz am Sonntag’), die Initialen (‘Basler Zeitung’) oder das verfremdete Bild zu zeigen (’20 Minuten’). Nichts, was dazu führen kann, dass die Betroffenen identifiziert werden, gehört in so einem Fall veröffentlicht.”

2. “Wie über die Roma berichtet wird”
(nzz.ch, Brigitte Hürlimann)
Obwohl 470 Journalisten dazu eingeladen und “147 von ihnen gar persönlich angeschrieben” wurden, erschienen lediglich vier Journalisten zur Präsentation einer Studie der Roma Foundation in Zürich, die untersuchte, wie Schweizer Medien über Roma berichten. Das Fazit der Erhebung: “Sämtliche acht Zeitungen berichten praktisch ausnahmslos einseitig und überaus negativ über die Roma, bedienen sich alter Stereotype, Mythen und Vorurteile, ohne diese zu hinterfragen, zu relativieren oder wenigstens ab und zu in einem Artikel auch noch zu erwähnen, dass die meisten Roma in der Schweiz unauffällig und integriert leben.”

3. “Zürcher Gericht schützt Karl Dall vor deutschen Sensations-Journalisten”
(watson.ch, Maurice Thiriet)
“Aus der Anklageschrift gegen den deutschen Entertainer im Vorfeld des Prozesses darf nicht in direkter Rede zitiert werden”, schreibt Maurice Thiriet über den anstehenden Prozess gegen Karl Dall am Bezirksgericht Zürich: “Die Gerichtsberichterstatter aus Deutschland, die für die Verhandlung eine Einzelakkreditierung lösten, mussten eine entsprechende Unterlassungserklärung quittieren.”

4. “Den Pulk fühlen”
(sueddeutsche.de, Cornelius Pollmer)
Cornelius Pollmer beschäftigt sich mit den “Klickkacheln”, die Leser von Bild.de seit zwei Wochen dazu auffordern, unter dem Artikel ihre Emotionen per Klick kund zu tun.

5. “Plädoyer für einen Kampagnenjournalismus”
(carta.info, Lorenz Lorenz‑Meyer)
Lorenz Lorenz‑Meyer plädiert für den Kampagnenjournalismus: “Wie die Werbung oder die PR, muss der Journalismus es lernen, stärkere Botschaften zu entwickeln (und seien es zunächst einmal Relevanzbotschaften) und diese im Sinne von Kampagnen nachdrücklich und nachhaltig zu kommunizieren. Das Publikum wird sich dem nicht widersetzen, wenn die Botschaften argumentativ glaubhaft aufgebaut und spannend vermittelt werden, im Gegenteil: Es will gefesselt werden.”

6. “RTL zeigt seine Zuschauer beim RTL-Schauen”
(dwdl.de, Alexander Krei)

Putin, Print wirkt, Toleranz

1. “Selbstversuch eines Teenagers: Moritz, 16, kauft eine Zeitschrift”
(spiegel.de, Moritz Deutschländer)
Moritz Deutschländer kauft und liest die Ausgabe “Der Kapitalismus” der Zeitschrift “Geo Epoche”: “Ich habe mehr erwartet, vielleicht zu viel. Ich bin enttäuscht. Die zehn Euro bereue ich zwar nicht, aber im Internet gibt’s mehr Für und Wider. Ein großer Zeitschriftenleser werde ich wohl nie mehr. Ein großer Kapitalist wahrscheinlich auch nicht. Ich schenke meine erste Zeitschrift meinen Eltern.”

2. “Es hört nicht auf zu wirken”
(operation-harakiri.de, Ralf Heimann)
Ralf Heimann schlägt der Kampagne “Print wirkt.” des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger VDZ neue Plakate vor.

3. “In der Regel ein Artikel pro Redaktor und Tag”
(medienwoche.ch, Antonio Fumagalli)
Welche Produktionsleistung von Journalisten einer Schweizer Tageszeitung erwartet wird: “Ein Artikel pro Redaktor und Tag. Ist es eine grössere Geschichte, können wegen Front-Text und Kommentar schnell auch drei daraus werden. Bei anderen Zeitungen mag diese Kadenz ein bisschen tiefer liegen, auf Online-Redaktionen dafür umso höher.” Siehe dazu auch “Wer schreibt noch über uns?” (zeit.de, Catherine Duttweiler).

4. “Toleranz ist die falsche Utopie”
(gruen-ist-lila.de, Johanna Braun)
“Eine tolerante Welt ist die falsche Utopie”, schreibt Johanna Braun in der von der ARD ausgerufenen Themenwoche Toleranz: “Nach Ausgrenzung, Diskriminierung und Intoleranz dürfen wir nicht bei Toleranz stehen bleiben. Ziel muss es sein, eine Gesellschaft zu kreieren, in der alle Menschen einen Platz haben, ungeachtet irgendwelcher Merkmale, die als Makel angesehen werden.”

5. “Der Lieblingsbösewicht”
(taz.de, Andreas Rüttenauer)
Andreas Rüttenauer kommentiert das ARD-Interview mit Wladimir Putin (ardmediathek.de, Video, 78:24 Minuten): “Allzu oft dominiert der Stolz darauf, einen der Großen der Politik vor das Mikrofon bekommen zu haben, den journalistischen Ehrgeiz, etwas wirklich Substanzielles aus den Gesprächspartnern herauszukitzeln. Seit den finsteren Zeiten des CSU-Staatsfunks hat sich da nicht viel geändert.”

6. “Neue Pressebild-Agentur ist auf Fotos von finster dreinblickendem Putin spezialisiert”
(der-postillon.com)

Markus Spillmann, Frank-Walter Steinmeier, Ecopop

1. “Wir müssen reden. Über un-fair radio.”
(dokublog.de, Sandra Müller)
Sandra Müller listet bedenkliche Verhaltensweisen im Hörfunk auf, denen sie in den letzten zwanzig Jahren begegnet ist: “Alles Fälle, die ich selbst erlebt habe. Und mehr als die berühmten ‘Einzelfälle’.”

2. “Standgericht der Schein-Toleranten”
(sueddeutsche.de, Marc Felix Serrao)
Marc Felix Serrao kritisiert die öffentliche Kritik von NZZ-Chefredakteur Markus Spillmann an einer Mitarbeiterin in der Debatte um das Coming-Out von Apple-CEO Tim Cook: “Kritikwürdige Texte erscheinen jeden Tag in jedem Medium. Über viele wird entsprechend geurteilt, in Leserkommentaren und in Konferenzen hinter verschlossenen Türen. Aber so? Öffentlich? Durch den Chefredakteur selbst und ohne die Chance auf eine Widerrede, die nicht den Arbeitsplatz gefährden würde? Ein größerer Gesichtsverlust ist schwer vorstellbar. Eine rückgratlosere Führung ebenfalls. Und das bei der NZZ. (…) Jede Wette: Weder sie noch irgendein anderer Mitarbeiter der großen alten Zeitung wird es künftig noch wagen, einen Text abzugeben, der der kodifizierten Haltung der Blattspitze widerspricht.”

3. “Voll auf die Presse”
(faz.net, Frank-Walter Steinmeier)
Eine Rede des deutschen Aussenministers Frank-Walter Steinmeier über Journalismus: “Ich glaube fest, dass mündige Bürger sich für differenzierte Berichterstattung interessieren und auch bezahlen. Aber sie spüren auch, wenn Journalisten selbst nicht glauben, dass ihr Stoff interessant genug ist, und ihn deshalb mühsam aufbauschen und anschärfen.”

4. “Die Medien müssen erwachsen werden”
(cicero.de, Petra Sorge)
Petra Sorge rät den Medien zu mehr Gelassenheit und zu mehr eigener Kritikfähigkeit: “Wann immer in den letzten Jahren irgendwo ein Shitstorm wütete, waren die Medien nicht weit. Mit welchem Recht also beklagt sich die Branche jetzt, selbst Ziel solcher Hetze zu sein?”

5. “Ecopop: Auf Kriegsfuss mit den Medien”
(schweizamsonntag.ch, Othmar von Matt)
Benno Büeler, einer der Initianten der Schweizer Volksinitiative “Stopp der Überbevölkerung – zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen”, beklagt eine unfaire und einseitige Behandlung durch die Schweizer Medien: “Büeler hat in den letzten Monaten generell kein gutes Bild von den Schweizer Medien bekommen, wie er festhält. Er lobt nur ein Medienprodukt explizit, die Gratiszeitung ’20Minuten’: ‘Sie war eine Ausnahme, berichtete relativ sachlich.’ Alle anderen Titel sieht Büeler mit politischer Schlagseite.”

6. “‘Ich schäme mich, Herr Döpfner!'”
(onlinemarketingrockstars.de)
Mathias Döpfner antwortet auf das Schreiben eines Mitarbeiters einer Springer-Tochter (“Hören Sie bitte auf, sich selber, die Internet-Gemeinde und den intellektuelleren Teil unserer Bevölkerung zu belustigen”), der sich über das Leistungsschutzrecht beschämt zeigt: “Ohne die kostenlose Auffüllung der Google-Server mit Bildern, Videos und Texten von Verlagen aus aller Welt hätten Abermillionen Nutzer viel weniger Grund, Google für die Suche aufzusuchen.”

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