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Zwei, wie füreinander geschaffen

Der “Stern” schreibt in seiner aktuellen Ausgabe über die “gefährliche Nähe” zwischen Ex-AWD-Chef Carsten Maschmeyer und Gerhard Schröder. Laut dem Artikel soll Maschmeyer dem Altkanzler zwei Millionen Euro für die Rechte an dessen Autobiographie gezahlt haben — doppelt so viel wie bisher bekannt.

“Privates wurde mit Geschäftlichem vermischt”, finden einige Journalisten; die “Stern”-Enthüllung geht seit gestern durch alle Medien. Oder durch fast alle. Denn “Bild” hat bislang kein einziges Wort darüber berichtet, weder in der Print-Ausgabe noch online.

Woran das wohl liegt? Ist der “stern” vielleicht nicht glaubwürdig genug für ein Sorgfaltsmedium wie “Bild”? Oder hat es womöglich etwas damit zu tun, dass Béla Anda, Politikchef von “Bild”, sowohl Schröders Regierungssprecher als auch später Maschmeyers Kommunikationschef war? Wir wissen es nicht. Wir wissen nur: Auch Carsten Maschmeyer und die “Bild”-Zeitung stehen sich gefährlich nahe.

Seit Jahren sind die beiden dicke Kumpels, was praktisch ist für den Finanzmann, denn wenn mal wieder irgendwelche Vorwürfe gegen ihn laut werden, kann er sich gleich via „Bild“ vor Millionen Lesern verteidigen. Als sich etwa 2011 eine NDR-Doku kritisch mit Maschmeyer und der AWD beschäftigte, bot das Blatt ihm schon einen Tag nach der Sendung die Möglichkeit, den Vorwürfen in einem Pseudo-Verhör ausführlich zu widersprechen (BILDblog berichtete). Als “Bild” knapp ein Jahr später berichtete, dass Maschmeyer die Anzeigen für das Wulff-Buch bezahlt hatte, durfte er auch gleich seine Version der Geschichte loswerden. Als er 2013 von Günther Jauch in dessen Talkshow “attackiert” wurde, durfte er kurz darauf bei Bild.de zurückschlagen.

Die „Bild“-Zeitung gibt “Maschi”, wie sie ihn liebevoll nennt, eine Plattform, wenn er eine braucht, sie hofiert ihn über die roten Teppiche, feiert ihn als vielleicht etwas umstrittenen, aber eigentlich doch herzensguten Wohltäter, und als er Veronica Ferres heiratete („Zwei, wie füreinander geschaffen“), wünschte die „Bild am Sonntag“ natürlich „von Herzen: Alles Glück dieser Welt!“

Aber auch für „Bild“ hat die Freundschaft zu Maschmeyer so ihre Vorteile. Als Maschmeyer 2012 sein Buch veröffentlichte, war es die „Bild“-Zeitung, die vorab exklusive Auszüge daraus drucken durfte. „Bild“ erfuhr auch vor allen anderen Medien von den Morddrohungen gegen Maschmeyer, und freilich lassen er und Frau Ferres sich auch regelmäßig auf den „Bild“-Events blicken, worüber die Zeitung dann wieder ganz entzückt berichten kann.

Das hat schon fast was Symbiotisches: Maschmeyer profitiert von der Reichweite und Meinungsmacht der „Bild“-Zeitung, sie von seiner Berühmt- und Berüchtigtheit. Und von seinem Geld.

2008 spendete Maschmeyer eine Million Euro aus seinem Privatvermögen an die „Bild“-Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“. Bei der Gala 2010 gab er 1,4 Million Euro, außerdem sponsorte die AWD im selben Jahr Bandenwerbung für „Ein Herz für Kinder“ im Wert von 500.000 Euro. Im vergangenen Jahr zahlte Maschmeyer erneut eine Million aus eigener Tasche an die „Bild“-Organisation. In gut drei Wochen findet die nächste Spendengala statt.

Kein Wunder, dass die „Bild“-Leute ihren Maschi lieber in Ruhe lassen.

Mit Dank an Sabine.

1. Nachtrag, 14. November: Tja, was sollen wir sagen? Heute berichtet “Bild” plötzlich doch über die Geschichte — und zwar so:

2. Nachtrag, 14. November: Béla Anda hat unseren Eintrag gelesen. Und nicht verstanden. In seinem “Bild”-Politik-Newsletter schreibt er (mit “Osnablogger” ist übrigens Stefan Niggemeier gemeint):

Bild, Focus, Stern  etc.

Wie DFB, Medien und “Die Mannschaft” auf einen Fake hereinfielen

Morgen startet in den Kinos der DFB-Werbespot WM-Film „Die Mannschaft“, in dessen Trailer* gleich zu Beginn dieses Zitat auftaucht:


(Screenshot aus dem Trailer.)

Die Filmemacher und DFB-Verantwortlichen müssen sehr stolz auf dieses Zitat sein, denn es eröffnet nicht nur den Trailer und war Inspiration für den Titel, sondern wurde gar zur „Leitidee“ des ganzen Projekts erklärt. In einer Pressemitteilung schrieb der DFB vor einigen Wochen:

Der Film […] stellt den besonderen Teamgedanken als entscheidend für den vierten Titelgewinn heraus. “Brasilien hat Neymar. Argentinien hat Messi. Portugal hat Ronaldo. Deutschland hat eine Mannschaft!” Dieses Motto, ein Twitter-Beitrag des englischen Kapitäns Steven Gerrard nach dem 7:1-Triumph des DFB-Teams im Halbfinale gegen Brasilien, ist die Leitidee.

Doof nur: Das Zitat stammt gar nicht von Steven Gerrard.

Der „Twitter-Beitrag“, auf den sich der DFB bezieht, sieht so aus:

Tweet von "Steven Gerrard" (@iSteven8Gerrard): "Brazil have Neymar. Argentina have Messi. Portugal have Ronaldo. Germany have a team!"

Da steht zwar „Steven Gerrard“, und das Foto zeigt ihn auch, doch hinter dem Account steckt nicht Gerrard selbst, sondern ein Fan. Das erkennt man zum Beispiel daran, dass über Gerrard in der dritten Person getwittert wird, oder auch am fehlenden blauen Haken (Sportler dieser Größenordnung haben in der Regel verifizierte Accounts, wie man schön an dieser Liste sieht), vor allem aber an der Profilbeschreibung, in der es heißt:

Your mouth-piece centre for #LFC transfers news and rumours #DareToGerrard #TeamGerrard

Als Website wird im Profil außerdem eine Steven-Gerrard-Fanseite verlinkt.

Kurzum: Eigentlich hätte auch der DFB darauf kommen können, dass das ach so schöne Zitat nicht vom damaligen Kapitän der Engländer stammt, sondern von irgendwem.

Und die Medien genauso. Aber die sind auch drauf reingefallen, schon damals, als der Tweet um die Welt ging. Und zwar durch die Bank. So erschien das angebliche Gerrard-Zitat unter anderem in der „Bild“-Zeitung, in der „Berliner Zeitung“, in der „Süddeutschen Zeitung“, in der „Welt“, im „Stern“, im „Focus“, im „Tagesspiegel“, in der „Badischen Zeitung“, der „Saarbrücker Zeitung“, der „Kölnischen Rundschau“, der „Rheinischen Post“, den „Aachener Nachrichten“, dem „Darmstädter Echo“, der „Westdeutschen Zeitung“, dem „Bonner General-Anzeiger“, auf den Webseiten des „Handelsblatts“, der „Berliner Morgenpost“, der „Sport Bild“, der „Augsburger Allgemeinen“, der “Sportschau”, der „Hamburger Morgenpost“, bei Web.de, T-Online, der AFP, dem SID und bei vielen, vielen mehr.

Aber vielleicht als kleiner Trost, damit wir die fußballpatriotische Ein-Hoch-auf-uns-Stimmung jetzt nicht völlig zerschießen: Es gibt noch ein anderes Zitat, nämlich vom damaligen Trainer der Brasilianer, der nach der 1:7-Niederlage gegen Deutschland sagte:

We tried to do what we could, we did our best – but we came up against a great German team.

Das knallt zwar nicht so schön, ist aber wenigstens kein Fake.

Mit Dank an David.

*Korrektur/Nachtrag, 13. November: Das falsche Gerrard-Zitat taucht nur im Trailer auf, nicht im Film selbst, wie wir zunächst geschrieben hatten. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Inzwischen haben wir auch den Verfasser des Tweets erreicht und ihm ein paar Fragen gestellt:

Hallo @iSteven8Gerrard, nur der Vollständigkeit halber: Bist Du der echte Steven Gerrard?
Nein, ich bin nicht der echte Steven Gerrard.

Du hast ja mitbekommen, dass Dein Tweet (“Deutschland hat eine Mannschaft!“) ganz schön die Runde macht. Stammt das Zitat denn von Dir oder vom echten Gerrard?
Das Zitat ist von mir. Während der Weltmeisterschaft haben meine Freunde ich darüber gesprochen, dass sich die Deutschen so gut schlagen, weil sie im Gegensatz zu Brasilien oder Argentinien als Mannschaft spielen. Dann bin ich auf Twitter gegangen, und das waren die Sätze, die mir in den Kopf kamen.

Wie heißt Du denn wirklich und worum geht’s bei Deinem Twitter-Projekt?
Mein echter Name ist Seumas Beathan. Der Twitter-Account hat als normale Fanseite [über Gerrard und den FC Liverpool] begonnen, und zurzeit arbeite ich noch an einer Website für Liverpool-Fans.

Seit Juli hat dein Tweet über 35.000 Retweets bekommen. Ist das Dein erfolgreichster Tweet?
Ich hatte ein paar, die über 1.000-mal retweeted wurden, aber dieser ist mit Abstand der erfolgreichste.

Jetzt taucht er sogar im Trailer zum offiziellen DFB-WM-Film auf und wurde zur „Leitidee“ des Projekts erklärt — ist das der krönende Moment?
Nun, ja und nein. Ja, weil es natürlich unglaublich ist, meinen Tweet im Trailer zu sehen, aber auch nein, weil ich keine Anerkennung dafür bekommen habe. Außer ein paar Journalisten und deutschen Fans hat niemand gemerkt, dass der Tweet in Wirklichkeit gar nicht von Steven Gerrard kam.

Aber hast Du denn nicht manchmal ein schlechtes Gewissen, Dich als Steven Gerrard auszugeben? Oder besser: Wenn so viele Leute glauben, Du seist er?
Ich gebe mich nicht wirklich als er aus. Offensichtlich gibt es einige Leute, die mich fälschlicherweise für den echten Gerrard halten, aber der Großteil meiner Follower ist sich bewusst, dass es ein Fan-Account ist. Und ich versuche so gut wie möglich, die Leute zu korrigieren und darauf hinzuweisen, dass es nur eine Fanseite ist.

Hat Dich jemals irgendein deutscher Journalist oder Fußball-/Film-Mensch kontaktiert, um zu überprüfen, ob Du der echte Gerrard bist?
Nein, und das enttäuscht mich. Der DFB hat mein Zitat ohne Erlaubnis benutzt, darüber bin ich ziemlich unglücklich.

Hast Du überlegt, Dir einen Anwalt zu nehmen?
Nein, das möchte ich nicht. Mir missfällt auch nicht unbedingt die Tatsache, dass der Tweet benutzt wurde, sondern dass sie mich nicht kontaktiert und es nicht geschafft haben, mich korrekt zu zitieren.

Hast Du den echten Gerrard eigentlich jemals getroffen?
Nein, leider noch nicht. Aber ich hoffe, dass ich das eines Tages werde.

James Foley, Bernd Lucke, Prostatakrebs

1. “Die Würde stirbt zuerst”
(journalist.de, Carsten Stormer)
Der von der IS ermordete James Foley war mit Carsten Stormer befreundet. Stromer schreibt über den Umgang mit den Bildern der Exekution: “Wir sollten dem Drang widerstehen, einem Hilflosen, dem Kriminelle das Messer an die Kehle setzen, beim Sterben zuzusehen. Nur so geben wir dem Opfer jene Würde zurück, die ihm Fanatiker rauben wollen. Es braucht nicht viel Fantasie, um zu verstehen, dass Jim Foley, Steven Sotloff und David Haines einen grauenvollen Tod gestorben sind. Die Hinrichtungen sind ein Attentat auf alle, die an Freiheit und Demokratie glauben und diese Gewaltideologie ablehnen. Deshalb gilt es, Respekt vor den Opfern und ihren Familien zu zeigen – und vor sich selbst. Aus dem gleichen Grund würden wir uns keine Vergewaltigung ansehen, sie nicht als News verkaufen.”

2. “‘Österreichs’ falsches Terror-Testimonial”
(kobuk.at, Thomas Hoisl)
“Österreich” zeigt ein Bild auf der Titelseite, auf dem “Sabina (15)” abgebildet sein soll – tatsächlich ist das Foto von einem Reuters-Fotografen und zeigt “eine syrische Rebellin namens Umm Dschafar. Diese kämpfte damals für eine weibliche Brigade der Freien Syrischen Armee, also in Wahrheit für die Gegner des IS.”

3. “Sex mit vielen Frauen schützt vor Prostatakrebs”
(stimmthaltnicht.de)
“Sex mit vielen Frauen schützt vor Prostatakrebs”, ist auf Augsburger-allgemeine.de zu lesen. Stimmthaltnicht.de dagegen hält fest: “Die mediale Berichterstattung über diese Studienergebnisse erweckt (…) zum Teil den Anschein, dass es zwischen der Anzahl der Sexualpartnerinnen und einer Prostatakrebserkrankung einen Ursachen-Wirkung-Zusammenhang gibt. Diesen Schluss lässt die Studienform jedoch nicht zu.”

4. “Warum das ‘Westfalen-Blatt’ ein Interview auch ohne alle Antworten veröffentlicht”
(newsroom.de, Bülend Ürük)
Das “Westfalen-Blatt” veröffentlicht ein Interview mit Bernd Lucke, das von diesem nur teilweise autorisiert wird. Redaktionsleiter Ulrich Windolph gibt Auskunft: “Das verschriftete Interview lag Professor Lucke dann sehr früh am Freitag vor. Trotz mehrfacher Rückfragen unsererseits über den Tag sah sich Herr Lucke aber nicht in der Lage, das komplette Interview freizugeben. So blieb der gesamte Fragenkomplex zum Thema Rechtspoulismus unautorisiert. (…) Es gab diesbezüglich auch keine Kritik von Herrn Lucke, sondern lediglich den wiederholten Hinweis, dass er sich mit Blick auf anderweitige terminliche Verpflichtungen und Sitzungen nicht imstande sähe, seine Antworten zum Thema Rechtspopulismus freizugeben.”

5. “Versteckte Recherche”
(sueddeutsche.de, Matthias Kolb)
US-Investigativreporter befassen sich mit dem Thema Verschlüsselung: “Wer als Journalist einen PGP-Schlüssel hat, sollte diesen auf Twitter und auf seiner Website zeigen, rät Angwin, um zu signalisieren, dass eine sichere Kontaktaufnahme möglich sei.”

6. “Medien: Fortgesetzter Kindesmissbrauch”
(politplatschquatsch.com)
Ein Foto eines Mädchens mit roter Jacke und blauer Baseballmütze, das auf eine Hochhaussiedlung blickt: “Seit Jahren schon muss das kleine Mädchen immer ran, wenn es um Armut, Kinder, Kinderarmut oder Hartz-4 oder Bildungsdefizite geht.”

Super Illu, Ebola, Restrukturierungen

1. “Die Netzflüsterer”
(datum.at, Stefan Apfl und Sarah Kleiner)
Österreichische Unternehmen beauftragen eine PR-Agentur, die schmeichelhafte Internet-Einträge über sie erstellt, “80.000 bis 100.000 PR-Postings pro Jahr”: “Wer einmal begriffen hat, wie umfassend heimische Unternehmen das Netz mithilfe der PR-Agentur Mhoch3 manipuliert haben, der wird kein Posting und keinen Onlinekommentar mehr lesen können, ohne dabei ein mulmiges Gefühl und die Frage im Kopf zu haben: Was, wenn der Mensch dahinter dafür bezahlt wurde?” Siehe dazu auch “Das Geschäft mit der gefälschten Meinung” (sueddeutsche.de, Johannes Boie).

2. “Engagiert gegen ‘Bild’-Miezen”
(ndr.de, Janina Kalle)
Die Petition “Zeigt allen Respekt – schafft das BILD-Girl ab!” (change.org) findet bisher über 11 000 Unterstützer.

3. “Experten erwarten mehr Ebola-Panikfälle in Deutschland”
(stefan-niggemeier.de, Boris Rosenkranz)
Während in manchen Monaten 40 bis 50 Malaria-Fälle diagnostiziert werden bei aus Westafrika einreisenden Personen, hat sich bis heute in Deutschland niemand mit Ebola infiziert. “Die Verdachtsfälle, die es gab, waren jedes Mal – Verdachtsfälle. Und trotzdem wurden sie vom medialen Panikorchester begleitet.”

4. “Blutarmut als Konzept”
(vocer.org, Jan Klage)
Restrukturierer Jan Klage blickt kritisch auf die Restrukturierungen bei Gruner + Jahr: “Warum aber übernimmt ein international tätiges und innovatives Verlagshaus wie Gruner + Jahr ein vier Jahre altes und immer noch umstrittenes Umstrukturierungskonzept eines mittelständischen Mitbewerbers? Weil es praktikabel ist. Und weil offensichtlich immer noch keine bessere Lösung in Sicht ist. (…) Nicht PR-Texte und Auftragsarbeiten schlecht bezahlter freier Journalisten werden die Schlacht um die Aufmerksamkeit moderner Zielgruppen gewinnen, sondern Geschichten mit Herzblut und Authentizität.”

5. “Bräsiger Mix aus Käse- und Infoblatt”
(taz.de, Jenni Zylka)
Jenni Zylka liest die “Super Illu”, “die Zeitschrift, die immer noch jede Woche von jedem fünften Erwachsenen in Ostdeutschland gelesen wird und damit, so wirbt sie seit Jahren, ‘mehr Leser erreicht als Spiegel, Stern und Focus zusammen’.”

6. “Keine üble Nachrede gegen Tiedje: Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen stern-Mann Tillack ein”
(meedia.de)

Mauerfall, Klickköder, Donezk

1. “Die deutschen Medien und das Jahrhundertereignis Mauerfall”
(ardmediathek.de, Video, 29:45 Minuten)
Wie der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 im deutschen Fernsehen zu sehen war.

2. “Volle Ladung Hass”
(zeit.de, Bernhard Pörksen)
Bernhard Pörksen macht sich Gedanken zum schwindenden Vertrauen, das Teile des Publikums zu den Journalisten haben. “Die Aufgabe des Qualitätsjournalismus wird es sein, auf die Ad-hoc-Attacken, die Einsprüche und die Ideen der Leser und Zuschauer dialogisch und im Sinne einer kritischen Partnerschaft zu reagieren. Es gilt, eine Art Mittelweg zu entdecken, der sich nicht opportunistisch einem vermeintlichen Publikumswillen und der Diktatur der Klickzahlen beugt oder aber selbst in die Abwertungsspirale einsteigt und jede kritische Regung pauschal als Shitstorm gekaufter Trolle oder dumpfes Gröhlen eines digitalen Mobs verunglimpft.”

3. “Why BuzzFeed Doesn’t Do Clickbait”
(buzzfeed.com, Ben Smith, englisch)
Buzzfeed distanziert sich vom Klickködern: “Anyone who has spent the last 20 years online knows the specific disgust that comes with a headline that doesn’t deliver on its promise. It’s the kind of taste you get in your mouth from a glistening but spoiled peach.”

4. “Donezk unter Kontrolle russischer Truppen!”
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.de, Thomas)
Russische Panzer in der Nähe von Donezk (Ukraine) bzw. Donezk (Russland).

5. “25 Dinge, die passieren würden, wenn heute die Mauer fallen würde”
(siegstyle.de, Alf Frommer)
Alf Frommer versammelt “in bester, neuster journalistischer Tradition 25 Dinge, die passieren würden, wenn heute die Mauer fallen würde”.

5. “8 praktische Verwendungszwecke für die Gratis-‘Bild’ zum Mauerfall-Jubiläum”
(der-postillon.com)

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Die Feinde meiner Feinde sind meine Lokführer

Was die „Bild“-Zeitung vom gestern beendeten Streik der Lokführer, pardon, vom gestern beendeten „MONSTER-STREIK“ der Lokführer hielt, dürfte spätestens seit der Telefonterrorkampagne gegen GDL-Chef Claus Weselsky klar gewesen sein.


(Unkenntlichmachung von uns.)

Am Donnerstag, pünktlich zum Beginn des Streiks, schoss „Bild“ dann mit einer ganzen Anti-Streik-Seite nach, auf der die wütenden Gegner und Opfer nochmal ordentlich rumwettern durften:

Herzstück der Schimpferei: die Kritik aus den eigenen Reihen. „Wir sind Lokführer und finden den Streik bescheuert!“

Die Lokführer-Gewerkschaft GDL hat zum bisher längsten Streik in der Bahn-Geschichte aufgerufen! Doch nicht alle folgen dem Aufruf: Einige sind Beamte, dürfen nicht streiken, andere Lokführer halten den Monster-Streik der GDL für völlig überzogen.

In BILD sagen vier von ihnen, warum sie heute zur Arbeit gehen – und den Streik bescheuert finden

Da wäre zum Beispiel ein Lokführer aus München, der sagt:

Dieser viertägige Streik ist voll daneben. Er trifft einfach zu viele Reisende, Familien, Pendler. Ich merke auch, dass ein Teil der GDL-Lokführer den Streik nicht mehr mitträgt, weil sie der Ausstand Lohn kostet. Ich bin für heute in der ICE-Bereitschaft eingesetzt und werde mit Sicherheit einen Zug fahren.

Was der Mann allerdings nicht sagt: Er ist gar kein Mitglied bei der GDL, sondern bei der konkurrierenden Gewerkschaft EVG, die überhaupt nicht mitgestreikt hat und den Tarifkonflikt stark kritisiert.

Auch zwei weitere, also insgesamt drei der vier interviewten Lokführer sind laut Gewerkschafts-Website Mitglied in der EVG und setzen sich unter anderem für die Eingliederung der Lokführer in die EVG ein. Es ist also keine Überraschung, dass sie nicht am Streik teilgenommen haben, dass sie ihn „voll daneben“ finden und auch sonst fleißig gegen die Konkurrenz von der GDL stänkern.

Und es ist keine Überraschung, dass die „Bild“-Zeitung diese Fakten auf ihrem Feldzug gegen Weselsky und den „MONSTER-STREIK“ ganz einfach verschwiegen hat.

Mit Dank an Max und Anonym.

Protektionismus, Dieter Nuhr, Die Ärzte

1. “Nestbeschmutzung: Das bequeme Märchen vom aufrechten Magazinjournalismus”
(wortvogel.de, Torsten Dewi)
Torsten Dewi geht auf Entlassungen von festen Textredakteuren bei der “Brigitte” ein und erklärt den Unterschied zwischen Journalisten und Textern: “Der Journalist steht für eine Sache, manchmal sogar für eine Geisteshaltung. Er verkauft auch seine Sprache, seine ganz bestimmte Art, Themen aufzuarbeiten. Wer ihn anheuert, will ihn haben – keinen anderen. Er ist nicht beliebig, nicht austauschbar, auch weil er Netzwerke, Erfahrung und Insiderwissen mitbringt. Der Texter füllt einen Textkasten zu einem Thema. Locker, lesbar, verständlich, auf Zeile genau. Er kann Kinokritiken ebenso schreiben wie Starklatsch und einen Abriss über die Geschichte der Badewanne. Im Idealfall hat er KEINE eigene Sprache, weil das in einem generischen Umfeld auffallen würde. Er ist nicht gut, weil er aufdeckt oder entlarvt, sondern weil er pünktlich und verlässlich liefert.”

2. “Von Putinverstehern und Journalistenverstehern”
(stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier beschäftigt sich mit den Reaktionen von Journalisten etablierter Medien auf den Verlust von Vertrauen durch das Publikum. “Ich glaube nicht, dass viele deutsche Journalisten in irgendeinem engeren oder weiteren Sinne gekauft sind. Ich glaube aber, dass sie nicht unvoreingenommen sind.”

3. “Wie der Protektionismus der Verlage Googles Marktposition stärkt”
(presseschauer.de, Daniel Schultz)
Mit dem Leistungsschutzrecht für Presseverleger haben die Verlage “die Vormachtstellung von Google nicht nur gefördert, sondern zementiert”, findet Daniel Schultz – “zu Lasten kleinerer Wettbewerber und damit zu Lasten der Allgemeinheit”. “Es bleibt zu prüfen, ob die in der VG Media organisierten Verlage mit diesen exklusiven ‘Gratislizenzen’ ihr Monopolrecht als wettbewerbsfeindliches Kartell missbrauchen.”

4. “Verfahren gegen Dieter Nuhr eingestellt”
(ndr.de, Stefan Schölermann)
Die Staatsanwaltschaft Osnabrück stellt das Ermittlungsverfahren gegen Dieter Nuhr wegen des Verdachts auf Islambeleidigung ein. “Zur Begründung hieß es, für die Erfüllung des Volksverhetzungsparagrafen fehle es in den Werken von Nuhr an der ‘fremdenfeindlichen Gesinnung’. Auch das Kriterium der Beschimpfung einer Religionsgemeinschaft sei nicht erfüllt, da es sich erkennbar um Satire handle.”

5. “Farin Urlaub im SPUTNIK InstaView”
(youtube.com, Video, insgesamt 2:36 Minuten)
Farin Urlaub spricht über den Umgang seiner Band Die Ärzte mit Konzertfotografen.

6. “‘Bild’-Zeitung entlarvt GDL-Chef Claus Weselsky als Dämon aus der Niederhölle”
(der-postillon.com)

Kurz korrigiert (504)

Die Sache ist zwar jetzt schon ein paar Tage her, aber weil dieser Fehler immer wieder gerne gemacht wird, wollen wir noch kurz darauf eingehen.

Und zwar hat die “Tagesschau” am Sonntag über den Weltklimarat berichtet, der fordert, die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 40 Prozent zu reduzieren (Mediathek, ab 7:30).

Illustriert hat die “Tagesschau” das mit folgender Grafik:

Um auf das 2050-Rechteck zu kommen, hat die Redaktion beide Seiten des großen Rechtecks einfach auf 60 Prozent gestaucht. Das ist aber falsch, denn damit weist das kleinere Rechteck nur 0,6 x 0,6 = 36 Prozent des Flächeninhalts des großen Rechtecks auf. Eigentlich müssten es aber 60 Prozent sein.

Richtig sähe es also ungefähr so aus:

Oder die “Tagesschau” hätte das kleine Rechteck genauso breit machen müssen wie das große:

Mit Dank an Sören C.

DDR, Brainpool, Putin

1. “In der DDR gab es keinen echten Journalismus”
(thueringer-allgemeine.de, Hanno Müller)
Hanno Müller erinnert an den Journalismus in der DDR: “In der DDR gibt es 1989 zwei Fernsehprogramme, fünf Radiostationen und die zentral gelenkte Nachrichtenagentur ADN. Dazu eine überregionale und 15 regionale SED-Zeitungen sowie 18 Zeitungen der sogenannten Blockparteien. Unabhängige Medien – Fehlanzeige. Journalisten sind Teil des Systems.”

2. “Traktat über einen Mann, den es so gar nicht gibt”
(ad-sinistram.blogspot.de, Roberto De Lapuente)
Die Berichterstattung über Wladimir Putin: “Er gebiert Meldungen, die dem Konsumenten ein Bild vermitteln, das nicht über wirkliche Geschehnisse aufklärt, sondern etwaige Vorurteile nur bestätigt. Der beschriebene Putin ist eine Konstruktion, die nicht mit Ergebnisoffenheit recherchiert wird, sondern nach verplanten Attributen. Er ist so voller einseitiger Boshaftgkeit, Durchtriebenheit und Heimtücke, dass er nur als Personifikation verstanden werden kann.”

3. “Unter Druck”
(zeit.de, Charlotte Parnack)
Peter Noßeks “Harburger Blatt”: “Noßek, 55 Jahre alt, ist Erfinder des Harburger Blatts und dessen Herausgeber. Er ist weiterhin: Chefredakteur, Chefreporter, Artdirector, Fotograf, Anzeigenleiter, Vertriebschef, Buchhalter, Sekretär, Zeitungsbote. (…) Alle zwei Wochen bringt er acht Seiten Lokalnachrichten heraus. Acht Seiten Print. Nur Print.”

4. “Wie TV TOTAL arglose Jugendliche vorführt”
(youtube.com, Video, 6:53 Minuten)
Welche Rechte sich die TV-Produktionsfirma Brainpool von Jugendlichen einräumen lässt, die gemäß einer einzelnen Aussage im Glauben gelassen wurden, sie nähmen an einem Casting teil.

5. “Schäuble: ‘Schnelligkeit vor Sorgfalt'”
(ndr.de, Video, 18:06 Minuten)
Finanzminister Wolfgang Schäuble spricht zum 20. Geburtstag von “Spiegel Online” über Journalisten, Politiker, Print und Online.

6. “‘Wir verschießen ständig Potenzial'”
(krautreporter.de, Theresa Bäuerlein)
Ein Interview mit einer 32-Jährigen, die während einigen Jahren als Prostituierte in Berlin gearbeitet hat.

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