Archiv für April, 2019

Angriff auf Kunstfreiheit, PR oder Journalismus?, Grindels Drehtür

1. Ein Angriff auf die Freiheit der Kunst
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Die Staatsanwaltschaft in Gera ermittelt gegen die Aktionskunstgruppe „Zentrum für Politische Schönheit“ wegen „Bildung einer kriminellen Vereinigung“. Nicht nur ein Skandal allererster Güte, sondern ein Angriff auf die Freiheit der Kunst, wie Markus Reuter in seinem Kommentar findet: „Wer auch immer dieses Verfahren eröffnet und für 16 Monate nicht eingestellt hat, sollte von seinem Amt zurücktreten.“

2. Theodor-Wolff-Preis Lebenswerk für Michael Jürgs
(bdzv.de)
Der Theodor-Wolff-Preis ist „die renommierteste Auszeichnung, die die Zeitungsbranche zu vergeben hat“. So urteilt jedenfalls der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger über den von ihm vergebenen Journalistenpreis. Dieses Jahr auf der Nominierungsliste: Das vielfach kritisierte Pro und Contra der „Zeit“ über die Seenotrettung von Geflüchteten „Oder soll man es lassen?“. Es wäre interessant zu erfahren, was der Namensgeber Theodor Wolff von dieser Nominierung halten würde. Wolff musste nämlich selbst flüchten (vor den Nazis).
Über den nominierten Beitrag siehe auch: Leben oder sterben lassen?: „In der „Zeit“ wird diskutiert, ob Schiffsbrüchige gerettet werden dürfen — mit halben Wahrheiten und kruden Vergleichen. Ein Faktencheck.“ (taz.de, Christian Jakob).

3. Karl Lauterbach zu Gesundheits-Fakes News im Netz: „Der Verbraucherschutz ist überhaupt nicht ausgeprägt“
(medwatch.de, Nicola Kuhrt & Hinnerk Feldwisch-Drentrup)
„MedWatch“ hat sich mit dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach über die Qualität von Gesundheitsinformationen im Internet unterhalten. Außerdem geht es um eine mögliche Impfpflicht, Homöopathie und Heilpraktiker, sowie um Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zur Kostenerstattung.

4. Eine Gratwanderung: PR oder Journalismus?
(ndr.de, Daniel Bouhs)
Ist PR eine „Spielart des Journalismus“, wie der DJV-Vorsitzende Frank Überall behauptet, oder „selektive Auftragskommunikation“, die nichts mit unabhängiger Berichterstattung zu tun hat, wie der Hamburger Journalistik-Professor Volker Lilienthal betont? Auf jeden Fall ist es eine Gratwanderung, bei der Transparenz besonders wichtig sei.

5. So werden aus Politikern wieder Journalisten
(deutschlandfunk.de, Mike Herbstreuth und Stefan Fries)
Reinhard Grindel könnte nach seinem Rücktritt als DFB-Präsident theoretisch wieder zum ZDF, seinem alten Arbeitgeber, zurückkehren. Der Sender hält ihm jedenfalls eine Stelle frei. Der „Deutschlandfunk“ hat bei öffentlich-rechtlichen Sendern nachgefragt, wie sie mit möglichen Rückkehrern umgehen.
Weiterer Lesehinweis: Ex-DFB-Chef Grindel: Drehtür zurück zum ZDF? (deutschlandfunk.de, Christoph Sterz).

6. System der Angst
(freitag.de, Lennart Laberenz)
Herrscht auf dem Buchmarkt oder in der Fernsehunterhaltung ein „System der Angst“ vor allem, was neu, andersartig und mutig ist? Über diese Frage hat der „Freitag“ mit zwei Autorinnen gesprochen: Heidi Goch-Lange, die unter dem Pseudonym Sofie Cramer Bestseller wie „SMS für dich“ geschrieben hat, und Drehbuchschreiberin Dorothee Schön (u.a. „Tatort“, „Charité“).

Lobbyarbeit statt Berichterstattung: Wie die „Bild“-Medien für die Urheberrechtsreform kämpften

Am Tag nach der Abstimmung über die EU-Urheberrechtsreform stellte ZDF-Korrespondent Florian Neuhann treffend fest:

Tweet von Florian Neuhann - Bemerkenswert, wie die Bild in einer Nachricht auf S. 1 über die Urheberrechtsreform berichtet, ohne auch nur ein einziges Wort über die Kritik zu verlieren. Nicht mal das sonst unter Journalisten so beliebte Wort umstritten fällt
Weiterer Tweet von Florian Neuhann - Habe übrigens mal nachgesehen, wie oft Bild über Proteste gegen Urheberrechtsreform berichtet hat. Gefunden habe ich nicht viel. Eine Meldung über die Demo, online etwas über Wikipedia-Protest. Im gedruckten Blatt? Offenbar: nichts.

Doch, auch in den gedruckten „Bild“-Medien gab es was zum Thema — einen Artikel. Wenige Tage vor der Abstimmung erschien in „Bild am Sonntag“:

Ausriss Bild am Sonntag - Wer für die Filter ist, bekommt sogar Morddrohungen

Auf der einen Seite CDU-Politiker Axel Voss, der für eine „gute Sache“ kämpfe und dafür „zur Hassfigur des Internets“ geworden sei, auf der anderen Seite die jungen Menschen, die „auf die Barrikaden“ gehen und nicht mal vor „Morddrohungen“ zurückschrecken würden.

Daneben beschrieb die „BamS“-Redaktion in einem vermeintlichen Erklär-Kasten noch mal, warum die Reform dringend „nötig“ sei, und beantwortete Fragen wie „Was passiert, wenn die Reform abgelehnt wird?“ (Antwort: Das wäre „ein Schlag für die Medien- und Kreativschaffenden in Europa“). Die Argumente der Kritiker wurden nicht erläutert, sie wurden nicht mal erwähnt. Unter dem Punkt „Wer kämpft für die Reform, wer dagegen?“ listete das Blatt bei den Gegnern nur den Bundesverband Deutsche Start-ups auf:

Der Bundesverband Deutsche Start-ups warnt vor der Einführung von Uploadfiltern. Junge Start-ups müssten diese zukünftig dann teuer einkaufen, weil sie die Uploadfilter nicht selbst entwickeln könnten.

Als wäre das das einzige Problem. Und als wären Start-ups die einzigen, die vor Uploadfiltern gewarnt hätten. Alle anderen Argumente, alle anderen Gegner ließ das Blatt einfach unter den Tisch fallen.

Dazu stellte die Redaktion noch eine „Sonntagsfrage“ an Passanten. Nicht etwa: „Was halten Sie von der EU-Urheberrechtsreform?“ Sondern: „Müssen Facebook, Google & Co. mehr in die Verantwortung genommen werden, damit Recht und Respekt auch im Internet gelten?“ Antwort aller Befragten: Ja.

Ausriss Bild am Sonntag mit der Straßenumfrage

Auch die anderen „Bild“-Artikel rund um die Reform waren keine Berichterstattung, sondern Lobbyarbeit. Ein Beispiel:

Ausriss Bild-Zeitung - Deutsche wollen faires Urheberrecht

Was „Bild“ nicht erwähnte: Hinter der Initiative, die die Umfrage in Auftrag gegeben hatte, steht der Dachverband europäischer Verwertungsgesellschaften, dem unter anderem die GEMA angehört. Die Initiative war extra für die Lobbyschlacht gegründet worden und hatte sich mit allen Mitteln für Artikel 13 eingesetzt.

Bereits im Februar hatte „Bild“ auf der Titelseite geschrieben:

Ausriss Bild-Titelseite - EU-Reform zum Urheberrecht - Google soll künftig an Verlage zahlen

Die Presseverlage würden durch die Reform „deutlich gestärkt“, hieß es da. Und: Es habe „heftige Diskussionen“ gegeben. Warum es die gab und was die Gegner einzuwenden hatten, verschwieg die Redaktion.

Darüber hinaus fand das Thema in den „Bild“-Medien kaum statt: Bei Bild.de gab es einen Artikel, in dem ein CDU-Politiker von vermeintlich gekauften Demonstranten erzählen durfte. Und einen Text zur Demo in Berlin. Außerdem durfte CDU-Mann Günther Oettinger im Interview erklären, „warum die Proteste gegen das neue EU-Urheberrecht unbegründet sind“. In „Bild“ und „BamS“ haben wir lediglich noch zwei kleine Artikel aus diesem Jahr gefunden: „Wikipedia heute gesperrt“ und „CDU will keine Upload-Filter für Deutschland“. Auch im Artikel zum Wikipedia-Protest verschwieg „Bild“ das Warum. Schlimmer noch: Die Redaktion stellt es so dar, als wären die Wikipedia-Autoren gegen die Stärkung der „Rechte von Künstlern, Autoren und Verlagen“:

Damit protestieren die Autoren der Plattform gegen die EU-Urheberrechtsreform, die Ende des Monats im EU-Parlament zur Abstimmung steht. Sie soll u. a. die Rechte von Künstlern, Autoren und Verlagen an ihren Inhalten besser schützen.

Passend dazu auch Franz Josef Wagner:

Ich finde den Streik von Wikipedia beschissen. Bezahlt die Autoren, die Regisseure, die Journalisten, die Forscher, die Dichter und Denker. Sie sind das Salz der Welt.

Im Übrigen hatte sich „Bild“ auch beim Wikipedia-Protest sichtlich Mühe gegeben, ihn möglichst unauffällig im Blatt unterzubringen:

Übersicht über Bild-Seite mit kleinem Wikipedia-Protest-Artikel

Deutlich sichtbarer hingegen war in den Tagen vor der Abstimmung das hier:

Übersicht über Bild-Seite mit großer Pro-Urheberrechtsreform-Anzeige
Übersicht über Bild-Seite mit großer Pro-Urheberrechtsreform-Anzeige
Übersicht über Bild-Seite mit großer Pro-Urheberrechtsreform-Anzeige

Mit Dank auch an alle Hinweisgeber!

Bild.de schreibt „Erdogan-Partei“ in Izmir an die Ex-Macht

Zur „Wahl-Klatsche für Erdogan“ bei der Kommunalwahl in der Türkei am vergangenen Wochenende schreibt Bild.de:

Screenshot Bild.de - AKP spricht von Wahlfälschung in Ankara und Istanbul - Erdogan-Partei wütete gegen Wahl-Ergebnis

In mehreren türkischen Großstädten hat die Opposition bestehend aus der kemalistischen CHP und der säkular-konservativen Iyi-Partei die Mehrheit geholt. Besonders wichtig dabei ist die Hauptstadt Ankara, die 20 Jahre lang von der AKP regiert wurde. Auch in der Ferienhochburg Antalya und in Izmir wechselt die Regierung und die Erdogan-Partei muss gehen.

Für Ankara und Antalya stimmt das. Dort war bisher jeweils Erdogans AKP die stärkste Kraft, nun ist es die Republikanischen Volkspartei CHP. Izmir wird hingegen seit Jahren schon von der CHP regiert. Auch die gleichnamige Hauptstadt der Provinz Izmir ist lange schon eine Hochburg der CHP: Aziz Kocaoglu ist dort seit 2004 Bürgermeister, zuvor war es mehrere Jahre dessen Parteikollege Ahmet Piristina.

Mit Dank an Konan für den Hinweis!

Glyphosat-Zensurheberrecht, „Buzzfeed“ vs. KfW, Geld-Umarmung

1. Zensurheberrecht: Landgericht Köln zwingt FragDenStaat, staatliches Glyphosat-Gutachten zu löschen
(fragdenstaat.de, Arne Semsrott)
Das Landgericht Köln hat dem Transparenz-Portal „FragDenStaat“ per einstweiliger Verfügung untersagt, ein Glyphosat-Gutachten des Bundesinstituts für Risikobewertung zu veröffentlichen. „FragDenStaat“ will dies nicht hinnehmen und hat angekündigt, nötigenfalls bis zum Europäischen Gerichtshof zu ziehen: „Das Glyphosat-Gutachten ist staatlich finanziert und von Beamten erstellt worden. Dass das Urheberrecht als Zensurheberrecht missbraucht wird, ist ein Angriff auf die Pressefreiheit!“ Das Portal fordert alle Menschen dazu auf, ihr Recht auf Informationsfreiheit zu nutzen und ebenfalls das Glyphosat-Gutachten beim Bundesinstitut anzufragen. Obwohl das Dokument nicht veröffentlich werden darf, müsse es die Behörde nämlich jedem Interessierten zukommen lassen. Die Anfrage ist dank vorbereitetem Formular mit einem Mausklick möglich und wurde binnen weniger Stunden schon mehr als 20.000 Mal durchgeführt (Stand: 8:30 Uhr).

2. Steuerfahnder haben schon eine Milliarde Euro zurückgeholt
(sueddeutsche.de, Frederik Obermaier & Bastian Obermayer)
Da sage einer, Journalismus habe keine Wirkung: Drei Jahre nach der Veröffentlichung der sogenannten „Panama Papers“ haben sich Steuerbehörden weltweit mehr als eine Milliarde Euro an Steuergeldern zurückgeholt. Auf Deutschland entfallen davon etwa 150 Millionen Euro. Ins Rollen gekommen war der Skandal, nachdem ein Whistleblower der „Süddeutschen Zeitung“ ein Konvolut von mehr als 11,5 Millionen Dokumenten zugespielt hatte. Für die Aufarbeitung hatten sich neben der „SZ“ noch das Internationale Konsortium für Investigative Journalisten (ICIJ) sowie über 100 Medien in rund 80 Ländern zusammengeschlossen.

3. In eigener Sache: Wir gehen gerichtlich gegen die KfW vor, weil sie uns Unterlagen zum WWF nicht geben will
(buzzfeed.com, Marcus Engert)
Anfang März hatte „Buzzfeed“ schwere Vorwürfe gegen den WWF und die Bundesregierung erhoben: In einem vom Entwicklungsministerium geförderten WWF-Projekt im Kongo sei es zu Folter, Massenvergewaltigungen und Mord gekommen. Die deutsche Förderbank KfW habe dies durch die Bereitstellung von etlichen Millionen indirekt mitfinanziert. „Buzzfeed“ wollte Licht ins Dunkel bringen und hat bei der KfW die Einsicht in Dokumente gemäß Informationsfreiheitsgesetz verlangt. Obwohl die KfW wie eine staatliche Stelle auftritt, verweigerte sie die Auskünfte. Sie übe „als Bank ihre Aufgaben grundsätzlich privatrechtlich (…) aus“ und könne „deshalb nicht als Behörde (…) eingeordnet werden.“ Dagegen geht „Buzzfeed“ nun juristisch vor.

4. Anwaltskanzlei von Cristiano Ronaldo unterliegt gegen den SPIEGEL
(spiegel.de, Rafael Buschmann & Nicola Naber & Christoph Winterbach & Michael Wulzinger)
Ein sich über Jahre hinziehendes „Eilverfahren“ hatte es dem „Spiegel“ unmöglich gemacht, über die „Football Leaks“ zu berichten, in denen es um das Finanzgebaren und die Steuertricks diverser Fußball-Weltstars geht. Nun ging der Rechtsstreit zu Ende — zugunsten des Magazins. Damit sind nun wieder folgende Reportagen frei zugänglich:
Der Fall Mourinho: „José Mourinho ist der Star unter den Startrainern — und einer, der auch abseits des Platzes alle Tricks kennt. Wie Football Leaks enthüllt, hat er eine Briefkastenfirma in der Karibik genutzt, um Millionen zu verschleiern.“
„Das sieht richtig übel aus“: „Anderthalb Jahre lang trieben die spanischen Finanzbehörden den deutschen Nationalspieler Mesut Özil vor sich her. Dann verdonnerten sie ihn zu einer Millionenzahlung.“
Die Dose des Ronaldo: „Ihr schwerster Gegner war das Finanzamt: Superstar Cristiano Ronaldo und Trainerlegende José Mourinho haben für ihre Werbemillionen Briefkastenfirmen in der Karibik benutzt.“

5. Facebook unterstützt lokale Verlage mit 2 Mio. Euro
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Insgesamt 300 Millionen Euro hat Facebook zur Unterstützung lokaler Medien angekündigt, zwei Millionen davon sollen an deutsche Lokalzeitungsverlage gehen. Die Medienhäuser sollen das Geld für den „Aufbau nachhaltiger Geschäftsmodelle“ verwenden. Von Facebooks Geldsegen profitieren die Funke Mediengruppe, MHS Digital, Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung, Rheinische Post Digital, Nordbayern Infonet, Oberpfalz Medien, Verlag und Druckerei Main-Echo, DuMont, Ippen Digital, Mediengruppe Main-Post, Mediengruppe Oberfranken und Lensing Media.
Weiterer Lesehinweis: t-online.de-Chef Florian Harms kommentiert unter Scheinheiligkeit, wohin man schaut: „Die Kunst, Gegner zu Gefolgsleuten umzupolen, beherrscht Herr Zuckerberg aus dem Effeff. Daran dürfen wir uns erinnern, wenn wir den nächsten Leitartikel zu einem Digitalthema aus einem dieser Verlagshäuser aufgetischt bekommen.“

6. Blick muss wegen «Fall Spiess-Hegglin» vor Gericht: Deshalb könnte es richtig teuer werden
(tagblatt.ch, Pascal Hollenstein)
Die Schweizer Ringier-Gruppe droht die Herausgabe des Gewinns, den es mit den Print- und Onlineartikeln über die Netzaktivistin und Feministin Jolanda Spiess-Hegglin erwirtschaftet hat. Dabei könnte einiges zusammenkommen, denn der Medienkonzern hat mit mehr als 200 Artikeln Klicks und Kasse gemacht. Ein Experte spricht von weit mehr als einer Million Franken, die Ringier mit der publizistischen Ausbeutung von Spiess-Hegglin verdient habe. Und nun dank „Gewinnabschöpfung“ eventuell wieder herausgeben muss.

Kurz korrigiert (526)

In Berlin und im schleswig-holsteinischen Neustadt ist jeweils ein Mann aus dem Maßregelvollzug geflohen. Die Polizei sucht derzeit öffentlich nach den zwei verurteilten Verbrechern. „Bild“ und Bild.de schreiben heute dazu:

Die zwei hoch gefährlichen aus dem Maßregelvollzug geflohenen Verbrecher sind weiter auf der Flucht. Und die Justiz kann nur hoffen, dass nichts Dramatisches passiert.

Wir sind uns auch ziemlich sicher, dass die Justiz in Berlin und die Justiz in Schleswig-Holstein und der Berliner Justizsenator und die schleswig-holsteinische Justizministerin hoffen, „dass nichts Dramatisches passiert.“ Wer hofft das schon? Sollte die „Bild“-Redaktion damit aber meinen, dass der Justizsenator oder die Justizministerin für die zwei Geflohenen zuständig sind, dann liegt sie damit falsch. Der Maßregelvollzug ist in Berlin und in Schleswig-Holstein, anders als der Justizvollzug, bei der Gesundheitssenatorin beziehungsweise dem Gesundheitsminister angesiedelt.

Das steht so auch angedeutet im „Bild“-Text („Montag präzisierte die zuständige Gesundheitsverwaltung der rot-rot-grün-regierten Hauptstadt“), was den Einleitungssatz mit der Justiz, die nur hoffen könne, umso merkwürdiger macht.

Andere Zeiten

DFB-Präsident Reinhard Grindel ist heute zurückgetreten. Dieser Schritt ist die Reaktion auf verschiedene Vorwürfe — der ausschlaggebende war wohl jener zu einer teuren Uhr, die Grindel von einem ukrainischen Oligarchen und Fußballfunktionär geschenkt bekommen hatte. Steht auch so bei Bild.de:

Screenshot Bild.de - DFB-Rücktritt nach Uhren-Skandal - Grindel: Ich bin tief erschüttert

Tick, tick, tick…

Der Druck war am Ende zu groß und seine Uhr als DFB-Boss heute Vormittag endgültig abgelaufen.

Über diesen „UHREN-SKANDAL“ berichteten zuerst die „Bild“-Medien:

Ausriss Bild-Titelseite - DFB-Präsident Grindel - Skandal um geschenkte Luxus-Uhr
Screenshot Bild.de - DFB-Präsident Grindel - Skandal um geschenkte Luxus-Uhr

Eine „geschenkte Luxus-Uhr“? Sowas würde bei „Bild“ ja niemand annehmen. Also, außer … Bei dem ganzen Wirbel um Reinhard Grindel fiel uns eine Geschichte von vor zehn Jahren ein: Damals bekam der Hamburger Sportchef der „Bild“-Zeitung Jürgen Schnitgerhans eine 1000 Euro teure Armbanduhr vom HSV-Vorstand geschenkt — also von dem Verein, über den er selbst und seine Redaktion berichteten. Schnitgerhans und „Bild“ fuhren unter anderem eine ordentliche Kampagne zugunsten des HSV-Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann.

Konsequenzen aus diesem „UHREN-SKANDAL“ bei „Bild“? Keine. Denn das hatte ja alles überhaupt nichts miteinander zu tun. Und außerdem handelte es sich ja auch gar nicht um ein Geschenk, wie der damalige „Bild“-Sprecher Tobias Fröhlich erklärte:

Hr. Schnitgerhans hat sich keine Uhr vom HSV-Vorstand „schenken lassen“. Sondern vielmehr wurde ihm diese Uhr vom gesamten HSV-Vorstand zum 60. Geburtstag als Würdigung und Anerkennung für seine 37-jährige Tätigkeit als Sportreporter für verschiedene Medien und speziell als journalistischer und kritischer Begleiter des Vereins überreicht. Dies wurde auch so in der Ansprache des Vorstands artikuliert.

Er wurde also für seine Gesamtleistung als langjähriger Sportjournalist und nicht als BILD-Reporter ausgezeichnet. Schnitgerhans schrieb über den HSV 1971 beim Sportmegaphon Lübeck, ab 1973 bei der Hamburger Morgenpost, seit 1980 für BILD. Aus diesem Grund sehen wir diese Auszeichnung nicht im Widerspruch zu unseren Leitlinien.

In diesen Leitlinien steht unter anderem:

Schon der Anschein, die Entscheidungsfreiheit von Journalisten könne durch Gewährung von Einladungen oder Geschenken beeinträchtigt werden, ist zu vermeiden.

Klar, so einen Anschein kann man natürlich auch durch Kleinreden vermeiden.

Mit Dank an @MikeGlindmeier für den Hinweis!

Clickbait mit dem möglichen Tod einer 15-Jährigen

Bietet ein Vermisstenfall, bei dem Medien wie im Live-Ticker-Modus jede Kleinigkeit zu einem Beitrag verwursten, mal keine Neuigkeiten, greifen Redaktionen auch auf besondere Mittel und Quellen zurück, um dem Klickvieh etwas hinwerfen der Leserschaft einen Artikel präsentieren zu können:

Screenshot Der Westen - Rebecca (15) vermisst: Hellseher sicher - hier liegt die Leiche

Was für ein erbärmlicher Clickbait auf Kosten einer vermissten 15-Jährigen und deren Familie. Wohlgemerkt: Es steht nicht fest, ob Rebecca noch lebt oder tot ist. Die Polizei geht davon aus, dass sie nicht mehr lebt, aber sicher ist das nicht.

Ärgerlicherweise geht die rücksichtslose, klickgeile Rechnung der „Der Westen“-Redaktion auch noch auf:

Screenshot Der Westen - Eure Favoristen - dazu eine Hitliste mit den meistgelesenen Artikel von Der Westen - auf Platz eins der Artikel zum Hellseher - von bisher 218.840 Personen gelesen

Mit Dank an @jens0331 für den Hinweis!

Böhmermann verklagt Merkel, Polizei interviewt sich, Zitat ohne Verstand

1. Drohung wahr gemacht: Böhmermann klagt gegen Merkel
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Jan Böhmermann verklagt Bundeskanzlerin Angela Merkel. Durch ihre Äußerungen in Sachen Erdogan-Schmähgedicht („bewusst verletzend“) habe die Kanzlerin eine „juristische Bewertung“ vorgenommen, die ihr nicht zugestanden und für den Satiriker „erhebliche Folgen“ gehabt habe. Mitte April soll das Berliner Verwaltungsgericht entscheiden, ob die Kanzlerin ihre Worte zurücknehmen muss.

2. Polizei interviewt sich selbst
(deutschlandfunk.de, Felicitas Boeselager, Audio: 4:07 Minuten)
Immer öfter nutzt die Polizei die sozialen Netzwerke als Verlautbarungs- und Informationskanal. Ob mit kurzen Tweets oder ganzen Videobeiträgen, wie in einem aktuellen Fall in Bremen. Dort hatte die Polizei ein professionell geschnittenes Video mit Informationen und Bildern von einer Razzia im Rahmen von Clan-Ermittlungen veröffentlicht. Der Deutsche Journalisten-Verband Bremen kritisiert, dass nicht zunächst Medienanfragen bearbeitet wurden: „Wenn es Anfragen gibt von Journalisten, dann müssen die zunächst beantwortet und bedient werden. Und erst danach kann ich als Pressestelle natürlich auch mein eigenes Material drehen, für die Verwendung auf Facebook. Oder ich kann eine Pressemitteilung schreiben, keine Frage. Aber zunächst muss ich die Journalisten bedienen und darf die nicht vertrösten und dann mit meinem eigenen Material auf den Markt kommen.“
Weiterer Lesehinweis: Polizei will „sensibler formulieren“: „Seit Jahren kritisieren schwul-lesbische Verbände den Begriff „Homosexuellen-Milieu“. Die Kölner Polizei will jetzt auf den Begriff verzichten.“ (taz.de, Frederik Schindler).

3. Medien-Kolumne: Willkommen in der Lokalsport-Zentrale
(kress.de, Steffen Grimberg)
Der ehemalige „taz“-Medienjournalist und frühere „Zapp“-Redakteur Steffen Grimberg schreibt ab sofort regelmäßig eine Medien-Kolumne bei „kress“. In der ersten Ausgabe geht es um den Ab- und Umbau bei der Funke Mediengruppe.

4. Wie stark hängen Psychosen mit dem Cannabiskonsum zusammen? Kann uns eingefrorenes vorpubertäres Hodengewebe vor späterer Unfruchtbarkeit schützen? Science Media Newsreel No. 42
(meta-magazin.org)
Das „Science Media Newsreel“ beschäftigt sich regelmäßig mit den wissenschaftlichen Themen bzw. Studien, die Einzug in die allgemeine Berichterstattung fanden. Diesmal dabei: Eine Studie aus „Lancet Psychiatry“ zur Frage, wie stark Psychosen mit Cannabiskonsum zusammenhängen. Außerdem eine zunächst bei „Science“ veröffentlichte Studie zur Frage, ob eingefrorenes vorpubertäres Hodengewebe vor späterer Unfruchtbarkeit schützen kann.

5. Schmerzfrei
(sueddeutsche.de, Werner Bartens)
Stolze 4,9 Millionen Exemplare beträgt die Auflage der „Apotheken Umschau“, die zweiwöchentlich kostenlos an Kunden abgegeben wird. Nun bringt Burda mit „My Life“ ein konkurrierendes Gratisheft auf den Markt. Werner Bartens hat sich das Blatt angeschaut und allerlei Unausgewogenes sowie „Ankündigungs-Prosa“ entdeckt.

6. Presserat erklärt „Focus Money“ die Bedeutung von Anführungszeichen
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
„Wer Verstand hat, kauft Gold“: In großen Lettern titelte „Focus Money“ dieses vermeintliche Zitat von Alan Greenspan. Das Problem: Sowas hat der frühere Notenbankchef weder wörtlich noch sinngemäß gesagt. Der Presserat hat dem wenig einsichtigen „Focus Money“-Chefredakteur Frank Pöpsel nun in aller Ruhe erklärt, was ein Zitat ist (Setzung in Anführungszeichen, „die gemeinhin als Konvention für wörtliche Zitate bekannt ist“) und eine Rüge ausgesprochen.

Bild.de macht Greta Thunberg zur Atomkraft-Aktivistin

Wie man aus der angeblich „ehrlichsten Antwort“ die verlogenste Zusammenfassung macht, zeigt heute „Bild“-Autor Josef Nyary.

Nyary schaut sich regelmäßig Polit-Talkshow im Fernsehen an und fasst sie anschließend für „Bild“ und Bild.de zusammen. Gestern lief im Ersten „Anne Will“, Thema: „Streiken statt Pauken — ändert die Generation Greta die Politik?“ Mit der titelgebenden Greta Thunberg hatte Moderatorin Anne Will zuvor ein Interview geführt, von dem ein längerer Ausschnitt auch in der Sendung zu sehen war. Josef Nyary schreibt dazu:

Screenshot Bild.de - Ehrlichste Antwort - Sind Sie für Atomkraft?, fragt die Talkmasterin als nächstes. Die Zuschauer sind gespannt und Klima-Greta lässt sie nicht lange warten: Atomkraft ist nicht die Zukunft, meint sie. Aber die Atomkraft kann ein kleiner Teil einer Lösung ohne fossile Brennstoffe sein. Rumms! Was sagt Habeck dazu? Der Grünen-Chef macht keinen Mucks.

Das ist eine bemerkenswert freie Zusammenfassung von Thunbergs Antwort. Tatsächlich sagte die 16-Jährige (ab Minute 23:36):

Anne Will: Zuletzt hieß es, Sie seien für Atomkraft. Stimmt das?

Greta Thunberg: Persönlich: nein. Aber ich meine, Atomkraft ist nicht die Zukunft. Sie ist nicht erneuerbar. Aber nach Meinung des Weltklimarats, nicht meiner Meinung nach, nach Meinung des Weltklimarats kann Atomkraft ein kleiner Teil einer großen Lösung für Energie ohne fossile Brennstoffe sein in Ländern, in Regionen, in denen die Option 100 Prozent erneuerbarer Energie nicht besteht. Aber ich meine, Atomkraft ist sehr gefährlich, teuer und zeitaufwendig.

Sie zitiert also nur das häufig als „Weltklimarat“ bezeichnete Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). Und sie betont extra noch mal, dass das nicht ihre Meinung ist. Bei Bild.de machen sie daraus:

Screenshot Bild.de - Schulstreik-Zoff bei Anne Will - Klima-Greta - Atomkraft kann Teil der Lösung sein

In der längeren, englischen Originalversion des Interviews ist Thunbergs Antwort (ab Minute 18:50) noch etwas ausführlicher:

Anne Will: Recently, it has been said that you are in favor of nuclear power. Are you?

Greta Thunberg: Personally, no. I mean nuclear power is not the future. It’s not renewable. But according to the IPCC, not according to me, according to the IPCC nuclear power can be a small part of a very big new fossil free energy solution in countries, in areas that lack the possibility of 100 percent renewables. But I mean nuclear power is very dangerous, expensive and time consuming. I mean just ask a scientist if we were to replace fossil fuels with nuclear power: How many new nuclear power plants we will have to build each week within the time frame of the Paris Agreement to reach the Paris Agreement? And how much money that will cost? How much time it takes to build nuclear power? And how much it takes from our remaining carbon budgets? But if we should talk about these things, we should talk about energy efficiency and especially reducing our energy demand. But still we can’t keep focussing on these small things. We need to realize that there are no solutions within these current systems. And we need to see the whole picture and to have a holistic view on climate crisis.

Anne Will: Let me follow up. If one wants to stop the emissions — and that is what you want: not to lower them but to stop the emissions — is it then possible to avoid nuclear energy in your understanding?

Greta Thunberg: Ask scientists. That is something I can’t speak out on because I don’t have that scientific education. That is such a big decision that we need to have scientific evidence and scientific based recommendations on what we should do. So, I can’t say what we should do.

Diese komplette Verzerrung von Greta Thunbergs Aussage passt ganz gut zu Josef Nyarys gesamter „TALK KRITIK“: Höhnisch schreibt er, eine „Fridays for Future“-Aktivistin komme „aus der Schülervertretungsszene“, Thunberg sei „ein Milchgesicht aus Pipi-Langstrumpf-Land“, ZDF-Moderator Harald Lesch (den Nyary fälschlich bei der ARD einsortiert) sei ein „Angstmann“, und die Grünen seien die „erfolgreichste deutsche Bevormundungspartei“.

Interessant ist auch Nyarys Seitenhieb Richtung Grünen-Chef Robert Habeck („Rumms! Was sagt Habeck dazu? Der Grünen-Chef macht keinen Mucks.“). Was Nyary nicht schreibt: Habeck konnte gar keinen „Mucks“ machen, schließlich war das eingespielte Interview mit Thunberg aufgezeichnet und lief nach der Frage zur Atomenergie noch einige Zeit weiter. Aber wie soll man sowas als „Bild“-Talkshow-Kritiker auch mitbekommen, wenn man zu diesem Zeitpunkt schon damit beschäftigt ist, Aussagen aus dem Zusammenhang zu reißen?

Dazu auch:

Mit Dank an Andreas P., Farid A. und @EvaStegen für die Hinweise!

Nachtrag, 3. April: „Bild“-Polittalk-Kritiker Josef Nyary hat es schon häufiger auf Grünen-Chef Robert Habeck abgesehen. Bei einer früheren „TALK KRITIK“ aus dem Juli 2018 etwa hieß es in der Dachzeile: „AUSRASTER BEI ‚ILLNER'“, in der Überschrift: „Grünen-Chef Habeck brüllt CSU-Staatssekretärin nieder“ und in einer Zwischenüberschift: „Brüll-Attacke des Jahres“. Nyary schreibt:

Da ist der nette Herr Habeck auf einmal gar nicht mehr souverän. „Sie vergiften den Diskurs!“, donnert er die Staatsministerin an. (…) „Bleiben Sie doch bei der Wahrheit!“ brüllt er die CSU-Frau an.

Das ist alles ziemlicher Unsinn — von „niederbrüllen“, „anbrüllen“ oder der „Brüll-Attacke des Jahres“ findet man in der Sendung (ab Minute 59:00) nichts. Daher gab es wegen des Verstoßes gegen das Wahrhaftigkeitsgebot auch einen Hinweis vom Deutschen Presserat für Nyarys Text.

Mit Dank an Johannes K. für den Hinweis!

Neues Altes von Grindel, Negatives für Autoren, Seltsame Greta-Ehrung

1. Herr Grindel und seine besondere Beziehung zur Deutschen Welle
(journalist-magazin.de, Olaf Wittrock)
DFB-Präsident Reinhard Grindel brach unlängst vor laufender Kamera ein Interview mit der „Deutschen Welle“ ab, wegen unbequemer Fragen zu einem angeblichen Milliardendeal. Nun stellt sich heraus, dass dies nicht der erste Fall dieser Art war. Schon vor acht Jahren habe Grindel ein Interview mit einer früheren freien Mitarbeiterin der „Deutschen Welle“ abgebrochen — mit angeblich dramatischen Folgen für die freie Mitarbeiterin: Sie habe nach dem Vorfall keine neuen Aufträge bekommen und sei regelrecht kaltgestellt worden. Grindel sei zu dieser Zeit Mitglied des Verwaltungsrates der „Deutschen Welle“ gewesen und habe dies auch während des Interviews deutlich anklingen lassen, was die Interviewerin als Drohung empfunden habe. Laut „Deutscher Welle“ habe sich alles mit rechten Dingen zugetragen: „Herr Grindel hat seinen Unmut hierüber der Mitarbeiterin gespiegelt. Das betrachten wir als das gute Recht eines jeden Interviewten.“

2. EU-Urheberrechtsreform: 8 negative Folgen, mit denen Autoren jetzt rechnen müssen
(literaturcafe.de, Wolfgang Tischer)
Vergangene Woche hat das EU-Parlament für die umstrittene Urheberrechtsreform gestimmt. Dies werde für Autorinnen und Autoren überwiegend negative Folgen haben, so „Literaturcafe“-Gründer Wolfgang Tischer. Autorinnen und Autoren würden unter anderem weniger Geld von der VG Wort erhalten, die Zahlungen von YouTube, Facebook & Co. seien noch völlig unklar und das Teilen von eigenen Texte und Leseproben werde erschwert.
Weiterer Lesetipp: Fachanwalt Chan Jo-Jun: „Die Bundesregierung wird bei der Umsetzung den Begriff „Uploadfilter“ vermeiden“ (quotenmeter.de, Manuel Weis).

3. Der ORF hat Facebook nicht ganz richtig verstanden
(nzz.ch, Reto Stauffacher)
Unlängst hat der Österreichische Rundfunk (ORF) seinen Abschied von Facebook verkündet. In einer Stellungnahme führte der Sender mehrere Gründe dafür an, von grundlegenden Bedenken gegenüber dem Netzwerk als solchem bis hin zu pragmatischen Erwägungen. Reto Stauffacher kritisiert die Entscheidung als Kapitulation vor dem Social-Media-Netzwerk und falsches Signal: „Es ist eine Kernaufgabe von Medien, auf Facebook präsent zu sein, Verantwortung zu übernehmen, zu intervenieren und zu moderieren. Und es ist eine Herausforderung, sich mutig und selbstbewusst der Kritik und der Häme entgegenzustellen. Medienhäuser schaffen das natürlich nur, wenn Ressourcen gesprochen werden. Das allerdings sollte für den ORF, der sich mit Gebührengeldern finanziert, kein Problem sein.“

4. Zwischen Landlust und Randfrust
(message-online.com, Gisbert Strotdrees)
„Landlust“, „Liebes Land“, „Landliebe“, „Schönes Land“, „Landgenuss“, „Landkind“, „Landapotheke“ … In den letzten Jahren erschienen etliche Hochglanz-Magazine, die sich der schönen heilen Welt auf dem Land widmen. Fernsehsender und Printmedien haben das Thema für sich entdeckt und berichten in zahlreichen Land-, Dorf- und Provinz-Reportagen über das Regionale. In einem längeren Lesestück untersucht Gisbert Strotdrees das Phänomen, das zwischen Klischees und realem Abbild schwankt.

5. Konrad Weber, wie müssen sich öffentlich-rechtliche Medien verändern?
(anchor.fm/unterzwei, Levin Kubeth & Felix Ogriseck, Audio: 60 Minuten)
Der Journalist des Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) Konrad Weber hat ein Manifest veröffentlicht, wie öffentlich-rechtliche Medien heutzutage aussehen sollten. Im Interview mit dem Medienpodcast „Unter Zwei“ erzählt er, wie die Entwicklung der 15 Punkten verlief, welche Mitstreiter es gab und welche Konflikte es zu überwinden gilt: „Es geht darum, als Journalist — vor allem der öffentlich-rechtlichen Medien — vom hohen Ross herunterzukommen und stattdessen zu lernen, wie die digitalen Möglichkeiten bestmöglich genutzt werden können.“

6. Erst Klima-Aktivistin ehren, dann Mini-SUV verschenken
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz, Video: 1:30 Minuten)
Die Funke Mediengruppe hat die Umweltaktivistin Greta Thunberg am Samstagabend für ihr Engagement mit einer „Goldenen Kamera“ ausgezeichnet. Sponsor der Veranstaltung war der Autokonzern VW, der live einen Mini-SUV an eine Schauspielerin verschenkte. Boris Rosenkranz hat die beiden Vorgänge kontrastiert, indem er die entsprechenden Sendungsausschnitte gegenübergestellt hat.
Weiterer Lesetipp: Greta Thunberg und Atomkraft: Wie viel CO2 macht eine Nebelkerze?: „Konservative Medien behaupten, die Umweltaktivistin befürworte Atomenergie. Das ist nicht nur falsch — es ist ein bewusstes Ablenkungsmanöver.“ (taz.de, Finn Holitzka).

7. Der Bildblog und die HuffPost – die Geschichte einer wahren Liebe
(huffingtonpost.de)
Heute noch ein Zusatzlink: Die deutsche „HuffPost“ schließt und verabschiedet sich vom BILDblog mit einem Dank „für die vielen anerkennenden Texte, die Ihr eine zeitlang über uns geschrieben habt!“ Nun ja, das mit der Anerkennung, das habt Ihr vielleicht nicht ganz … ach, egal! Macht es gut, liebe HuffPostler und zum Abschied ein WinkeWinke von Eurem BILDblog.

Blättern:  1 2 3 4 5