Archiv für April 5th, 2019

Bild  

Von knackigen Hupen und gewinnenden Männern

Vor drei Monaten, im Januar, ernannte die „Bild“-Redaktion den Bruder des Ex-Papstes zum VERLIERER des Tages. Der Grund: seine Einstellung gegenüber Frauen.

Ausriss der Bild-Zeitung: VERLIERER - Ex-Domspatzen-Chef Georg Ratzinger (94, Bruder von Ex-Papst Benedikt XVI.) kann sich eine Frau als Chefin des weltberühmten Regensburger Chores nicht vorstellen. Meine persönliche Meinung ist, vor so vielen Buben und jungen Männern ist es doch besser, wenn ein Mann dem Chor vorsteht, so Ratzinger. BILD meint: Schiefe Töne!

Eine Woche später ging der Titel VERLIERER an eine „exklusive Männerrunde“ aus Bremen. Grund: ihr Umgang mit Frauen.

Ausriss der Bild-Zeitung: VERLIERER - Das Bremer Eiswett-Fest ist eine gute Sache. Eigentlich. Aber diesmal hagelte es neben Spenden heftige Kritik an Präsident Patrick Wendisch (61). Die exklusive Männerrunde weigerte sich, als offiziellen Vertreter der Stadt Bürgermeisterin Karoline Linnert (60, Grüne) zu akzeptieren. Seit 1828 sind Frauen bei der Eiswette unerwünscht. BILD meint: Veraltet!

Ja, da regte sie sich auf, die „Bild“-Redaktion, denn bei „Bild“ werden Frauen noch respektiert!

Okay, sagen wir: Bei „Bild“ schätzt man die „Melonen“, „Kisten“ und „Hupen“ von Frauen. Ihre Leistungen hingegen spielen im Blatt kaum eine Rolle.

Das erkennt man schon an dem täglichen GEWINNER/VERLIERER-Ranking. Bereits in unserem Jahresrückblick 2018 haben wir festgestellt, dass von den ausgezeichneten Personen im vergangenen Jahr über 80 Prozent Männer waren. Selbst Tiere und Gegenstände kamen in dem Ranking häufiger vor als Frauen.

Nachdem wir den Beitrag veröffentlicht hatten, änderte sich jedoch plötzlich etwas. Denn in den folgenden Wochen schien sich die Redaktion tatsächlich Mühe zu geben, mehr Frauen im Ranking unterzubringen: Im Januar war gut die Hälfte aller GEWINNER weiblich — ein immenser Anstieg zum Vorjahr. In dieser Zeit ernannte „Bild“ auch die oben genannten Männer zu VERLIERERN, weil sie so „veraltet“ mit Frauen umgegangen waren.

Eine feministische Revolution bei „Bild“?

Nee. Es dauerte nicht lange, da verfiel die Redaktion wieder in alte Muster. Die GEWINNER im Februar und März: Männer – 68 Prozent. Tiere und Gegenstände – 22 Prozent. Frauen – 10 Prozent.

BILDblog meint: Mannmannmann.

Braunes Geblubber, Head Full of Fördergeld, Leistungsschutzlügen

1. „Facebook-Pranger“ von „Bild“ bleibt unzulässig
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Der sogenannte Facebook-Pranger, den die „Bild“-Zeitung 2015 aufgestellt hatte, bleibt unzulässig. Dies entschied nun der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe und lehnte Springers Wunsch nach einer Revision ab. „Bild“ hatte in Print und online fremdenfeindliche Facebook-Kommentare samt Nutzerfotos und Namen der Kommentierenden veröffentlicht und selbst von einem „Pranger“ gesprochen. Während der Presserat diese Art der Berichterstattung 2015 noch für zulässig gehalten hatte, verurteilte das Oberlandesgericht München diese Praxis ohne Zulassung weiterer Rechtsmittel. Dies wurde nun vom BGH bestätigt.

2. Verständnis für Rechtsextreme
(taz.de, Ralf Leonhard)
Der österreichische Milliardär und Unternehmer Dietrich Mateschitz (Red Bull) sponsert nicht nur diverse Extremsportler wie den „Stratosphärenspringer“ und politisch rechtsaußen stehenden Felix Baumgartner, sondern besitzt auch den Fernsehsender „Servus TV“. Damit fördere der Brauseabfüller auch die Verbreitung rechten Gedankenguts, so der Vorwurf von Kritikern.

3. Nur 155 Zuschauer: Til-Schweiger-Film scheitert spektakulär
(ostsee-zeitung.de)
Til Schweigers „Head Full of Honey“ lockte am Wochenende gerade mal 155 Zuschauer in die Kinos — bei 86 im Umlauf befindlichen Kopien … klingt unwirtschaftlich, oder? Ist es aber nicht unbedingt, denn die 4,6 Millionen Euro deutsche Fördergelder sind an den deutschen Kinostart gekoppelt.

4. Das Lügen geht weiter
(golem.de, Friedhelm Greis)
Selbst nach der Abstimmung über die EU-Urheberrechtsreform würden die „Lügen für das Leistungsschutzrecht“ weitergehen, konstatiert Friedhelm Greis in seiner Analyse. Besonderen Unmut ruft bei ihm ein Interview des Springer-Vorstands und BDZV-Chefs Mathias Döpfner hervor, das „so viele Falschbehauptungen und Verdrehungen enthält, dass man gar nicht weiß, wo man mit den Richtigstellungen anfangen soll.“ Greis fordert: „Auf dieser Basis darf die Regierung nicht final den Plänen zum Leistungsschutzrecht zustimmen.“

5. Wa(h)re Verbrechen: Der True-Crime-Boom
(ndr.de, Christine Seidemann, Video: 5:48 Minuten)
Sogenannte True-Crime-Formate erfreuen sich großer Beliebtheit, ob im Print, Fernsehen oder als Podcast. Das Medienmagazin „Zapp“ hat mit zwei hochkarätigen Experten über den Boom des Genres gesprochen: Mit Giuseppe Di Grazia („Stern Crime“) und mit Sabine Rückert („Zeit Verbrechen“). Eine derart breite mediale Beschäftigung mit besonders spektakulären Gewalttaten könne jedoch dazu beitragen, dass die Kriminalitätsfurcht steigt, warnt Bernd-Rüdiger Sonnen, Rechtswissenschaftler von der Uni Hamburg.

6. Was labert der? Die Sprache der Nummer-Eins-Hits in Deutschland
(einfacherdienst.de)
Von der Mitte der Neunzigerjahre bis in die jüngste Vergangenheit kritisierten viele Menschen die Übermacht englischsprachiger Musik im Radio. Und immer wieder gab es seine Diskussion um eine Quote für deutschsprachige Musik. Eine Debatte, die sich heutzutage nicht mehr stellt: Sämtliche Lieder der Top 10 der MTV-Single-Charts haben deutschsprachige Texte. (Wobei Bandnamen und Songtitel teilweise nicht ohne die englische Sprache auskommen. Aber „Kirsche Kirsche Dame“ von „Hauptstadt Büstenhalter“ beziehungsweise „Besitztumsbruder“ klinge zugegebenermaßen auch etwas irritierend.)