Archiv für April, 2019

Bild  

Ursache > Wirkung

In der „Bild“-Zeitung vom vergangenen Freitag sind zwei beunruhigende Meldungen erschienen. Nummer 1:

Ausriss Bild-Zeitung - Pinguin-Babys sterben in der Antarktis - Die zweitgrößte Kaiserpinguin-Kolonie der Welt in der Antarktis hat seit drei Jahren keinen Nachwuchs durchgebracht. Das ist das Ergebnis einer Studie des Polarforschungsprogramms British Antarctic Survey. Grund ist die fortschreitende Eisschmelze. Die Forscher beobachten die Kolonie in der Halley-Bucht im Wedell-Meer seit einem Jahrzehnt mit Satellitenbildern. So sahen sie, dass die Brut der Tiere seit 2016 scheiterte. Fast keines der Jungtiere überlebte. Die Kolonie sei dadurch so gut wie verschwunden.

Und direkt darunter Nummer 2:

Ausriss Bild-Zeitung - In nur einem Jahr - Zwölf Millionen Hektar Tropenwald weg - Durch Abholzung und Brände sind 2018 weltweit zwölf Millionen Hektar an Tropenwald verloren gegangen. Eine Fläche so groß wie Bayern und Niedersachsen zusammen. Das zeigt ein Bericht des Projekts Global Forest Watch. Trauriger Spitzenreiter war Brasilien, wo 1,35 Millionen Hektar an ursprünglichem Regenwald zerstört wurde.

Leider passten in die zwölf Zeilen zur Tropenwald-Abholzung keine Beispiele mehr, welche Ursachen etwa in Brasilien dafür sorgen, dass dort riesige Regenwaldflächen gerodet werden. Es sind vor allem die Viehzucht und der Anbau von Soja für die Viehzucht, die zur Abholzung führen. Und das auch, damit in Deutschland Fleisch gegessen werden kann, zum Beispiel beim Grillen. Nicht selten landet das Tropenholz auch direkt als Holzkohle-Briketts in deutschen Grills. Und dass der wachsende Fleischkonsum, beispielsweise beim Grillen, dem Klima schadet und damit auch zur fortschreitenden Eisschmelze in der Antarktis beiträgt — auch davon kein Wort in „Bild“.

Warum wir auf dem Grillen so herumreiten? Auf derselben Seite, direkt neben den beiden beunruhigenden Meldungen, brachte die „Bild“-Redaktion deutlich größer Teil 3 ihrer vierteiligen Serie „BILD GRILLT“:

Ausriss Bild-Zeitung - Übersicht Seite acht mit den beiden zitierten Meldungen und deutlich größer daneben Das sind die häufigsten Grill-Irrtümer

Mit Dank an Anna S. für den Hinweis!

DW-Türkei-Kanal, Steingarts Podcast-Expansion, Ungültiges Baby

1. „Journalismus ohne Risiko gibt es nicht.“
(sueddeutsche.de, Hans Hoff)
Die Deutsche Welle (DW) hat sich mit einigen internationalen Partnern zusammengetan und einen YouTube-Kanal für die Türkei gestartet. In Anlehnung an die türkische Ländervorwahl hat man den Kanal „+90“ getauft. „Kontakt halten, Meinungsfreiheit und Vielfalt stärken“ sei das Ziel. Man setze auf längere Erklärstücke und wolle keinen „Billigramsch“ anbieten, so Intendant Peter Limbourg über die Pläne des Senders.

2. Phoenix lässt über Misstrauen gegen Medien diskutieren
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Am 3. Mai wird der Internationale Tag der Pressefreiheit begangen. Bereits am Vorabend bietet der Fernsehsender Phoenix einen Themenabend unter dem Motto „Wie mächtig sind Medien?“ an. Zunächst gibt es drei Dokus über die Situation in den USA. Um 21:45 Uhr geht es dann in einer Diskussion um das gewachsene Misstrauen gegenüber den Medien und die Frage, inwiefern diese selbst dazu beigetragen haben.

3. Was für ein Job!
(twitter.com, Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs, Video: 1 Minute)
Die Redaktion von „Zeiglers wunderbarer Welt des Fußballs“ (WDR) hat einen wunderbaren Filmschnipsel von 1977 aus dem Archiv ausgegraben: „Was für ein Job! Dieser Mann betreibt alleine einen Fussball-Ergebnisdienst. Er hört mit Kurzwellengeräten ausländische Radiosender ab und verkauft die Ergebnisse an deutsche Sender.“

4. Diese Instagram-Accounts gingen im April durch die Decke
(horizont.net, Giuseppe Rondinella)
„Horizont Online“ lässt regelmäßig die wachstumsstärksten deutschsprachigen Instagram-Accounts ermitteln. Im April kommen die Top 4 der Kanäle mit dem größten Follower-Zuwachs aus Heidi Klums Model-Rekrutierungsmaschine „Germany’s Next Topmodel“.

5. Ohne Werbung: Gabor Steingart baut an einem Medienimperium mit 30 neuen Leuten.
(turi2.de, Markus Trantow & Peter Turi)
Gabor Steingart war zwei Jahrzehnte beim „Spiegel“ und danach einige Jahre in führender Position beim „Handelsblatt“. Vergangenes Jahr hat Steingart ein eigenes Medienunternehmen gegründet und bietet den täglichen Newsletter „Morning Briefing“ und einen begleitenden Podcast an. Nun will er expandieren und für fünf bis zehn neue Podcasts sein Personal von 20 auf 50 Mitarbeiter aufstocken.
Weiterer Lesehinweis: Podcast Logbuch: Netzpolitik feiert 300. Ausgabe mit einer Gala in Berlin (netzpolitik.org, Markus Reuter).

6. Glücks-Tragödie bei Harry & Meghan: Ist ihr Baby ungültig?
(uebermedien.de, Mats Schönauer)
Yellow-Press-Experte Mats Schönauer pflegt beim medienkritischen Onlineportal „Übermedien“ die Rubrik „Topf voll Gold“. Anlässlich der Schwangerschaft von Herzogin Meghan lädt Schönauer zum lustigen Schlagzeilenbasteln ein: Anhand einer vorgegebenen, eher nüchternen bis langweiligen Meldung darf man raten, was ein Regenbogenblatt Knalliges daraus gemacht hat. Die Ergebnisse dürften überraschen.

„Bild“-Medien lassen zu viele Polizisten im Dienst sterben

„Bild“-Chefreporter Sven Kuschel ist laut eigener Aussage „Tatort-Fan und -Hasser“ und obendrein auch noch „BILD-‚Tatort‘-INSPEKTOR“: Die „Bild“-Medien beantworten nach der Ausstrahlung eines jeden „Tatorts“ am Sonntag immer ein paar Fragen zum aktuellen Fall. Beim „Tatort“ aus Dresden, der gestern Abend im Ersten lief, wurde (Achtung, Spoiler!) eine der Kommissarinnen mit einem Messer verletzt. Deshalb fragt Bild.de:

Screenshot Bild.de - Bild-Tatort-Inspektor - Wie viele Polizisten werden im Dienst verletzt?

Antwort von „Inspektor“ Kuschel:

Screenshot Bild.de - Gleich zu Beginn wurde Ermittlerin Karin Gorniak (Karin Hanczewski, 37) niedergestochen, musste ins künstliche Koma versetzt werden. In Deutschland sind rund 300.000 Polizisten im Einsatz. Laut den aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2017 wurde 36.000 Polizeibeamte Opfer einer Gewalttat. 45 starben durch Attacken.

45 getötete Polizistinnen und Polizisten in nur einem Jahr? Das war selbst der „Bild“-Zeitung zu viel. Im Blatt schreibt Kuschel von deutlich weniger Beamten, die „durch Attacken“ starben:

Ausriss Bild-Zeitung - Gleich zu Beginn wurde Ermittlerin Karin Gorniak (Karin Hanczewski, 37) niedergestochen, musste ins künstliche Koma versetzt werden. In Deutschland sind rund 300.000 Polizisten im Einsatz. Laut den aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2017 wurde 36.000 Polizeibeamte Opfer einer Gewalttat. Acht starben durch Attacken.

Acht statt 45. Doch auch das ist noch zu hoch gegriffen. Beim Bundeskriminalamt (BKA) gibt es die „Bundeslagebilder Gewalt gegen Polizeivollzugsbeamtinnen/-beamte“. Die aktuellste Ausgabe gilt für das Jahr 2017. Laut der Tabelle auf Seite 24 (PDF) gab es im gesamten Jahr zwei im Dienst getötete Beamte. Bei dem vollendeten Mord an zwei Polizisten handele es sich, so das BKA, um die Tat am 28. Februar 2017 im brandenburgischen Beeskow, „bei der ein Tatverdächtiger zwei Polizeibeamte auf der Flucht überfahren hat, nachdem er zuvor einen Mord im familiären Umfeld begangen haben soll.“

Das kam dann auch irgendwann bei Bild.de an. Dort heißt es nun:

Gleich zu Beginn wurde Ermittlerin Karin Gorniak (Karin Hanczewski, 37) niedergestochen, musste ins künstliche Koma versetzt werden. In Deutschland sind rund 300 000 Polizisten im Einsatz. Laut den aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2017 wurden 36 000 Polizeibeamte Opfer einer Gewalttat. Zwei starben durch Attacken. In 45 Fällen wurden wegen Mord- (17) oder Totschlag (28)-Versuchen gegen Angreifer ermittelt.

Jetzt müsste „BILD-‚Tatort‘-Inspektor“ Sven Kuschel nur noch ermitteln, dass auch seine Antwort auf die ursprüngliche Frage („Wie viele Polizisten werden im Dienst verletzt?“) falsch ist: Es sind nicht 36.000 Polizistinnen und Polizisten, die 2017 „Opfer einer Gewalttat“ wurden, sondern mehr: In 36.441 Fällen von versuchten oder vollendeten Gewalttaten waren es laut BKA 73.897 Opfer (PDF, Seite 20; wobei ein- und dieselben Person in der Statistik in einem Jahr mehrfach als Opfer gezählt werden kann, wenn sie bei verschiedenen Einsätzen Opfer wird).

Mit Dank an Florian K. und @kongraupner für die Hinweise!

Bild  

Reisetipps von „Bild“-Bruchpilot Julian Reichelt

Außenminister Heiko Maas ist gerade in Brasilien gelandet, wo er eine Reihe von Besuchen in Südamerika startet. Ihn begleitet unter anderem „Spiegel“-Journalist Christoph Schult, der heute früh bei Twitter ein kurzes Video von einem „planmäßigen Tankstopp und Crewwechsel auf den Kapverdischen Inseln“ postete. Dieser Vorgang — der Zwischenstopp, nicht das Posten des Videos — brachte wiederum „Bild“-Chef Julian Reichelt auf die Palme:

Screenshot eines Tweets von Bild-Chef Julian Reichelt - Warum sollte die Flugbereitschaft die Strecke auch non-stop hinbekommen, so wie Lufthansa und so ziemlich alle anderen Airlines der Welt?

Reichelts Schaut-euch-diese-Versager-an-Tweet wurde unter anderem durch den „Bild“-Account (1,67 Millionen Follower) verbreitet. Nur zielt die Kritik des „Bild“-Chefs völlig daneben.

Mit ein bisschen Hingucken kann man erkennen, dass das Flugzeug in Christoph Schults Video nur zwei Triebwerke hat. Damit kann es sich schon mal nicht um eines der beiden Langstreckenflugzeuge A340 der Flugbereitschaft handeln — denn die haben je vier Triebwerke. Es dürfte sich um eines der zwei Mittelstreckenflugzeuge A319 handeln, über die die Flugbereitschaft verfügt.

Nun könnte man natürlich versuchen, die Distanz von rund 8800 Kilometern zwischen Berlin und Salvador da Bahia, wo Heiko Maas heute ein Netzwerk zur Stärkung von Frauenrechten gründen will, mit einem Flugzeug zurückzulegen, zu dem die Luftwaffe eine maximale Reichweite von circa 7600 Kilometern angibt. Doch das dürften auch „Lufthansa und so ziemlich alle anderen Airlines der Welt“ nicht unfallfrei hinbekommen. Stattdessen kann man auch größere Gefahren für Leib und Leben vermeiden und einen geplanten Zwischenstopp auf den Kapverdischen Inseln einlegen. Dafür muss man sich dann allerdings von „Bild“-Bruchpilot Julian Reichelt anranzen lassen.

FPÖ und die „Folgen“, Paywall-Links, Kriminalität: das Böse und wir

1. „Etwas, das nicht ohne Folgen bleiben kann“
(arminwolf.at)
Österreichs rechtspopulistische FPÖ hat sich auf den ORF-Journalisten Armin Wolf eingeschossen. Wolfs „Vergehen“: Er hatte den FPÖ-Spitzenkandidaten für die EU-Wahl, Harald Vilimsky, zu einem rassistischem Plakat der FPÖ-Jugendorganisation befragt. Bereits während des Interviews hatte Vilimsky dafür „Folgen“ angekündigt. Im Nachgang echauffieren sich nun weitere FPÖ-Politiker. Außerdem verlangt man lautstark die Entlassung Wolfs.

2. Sind Tweets, in denen auf eine Paywall verlinkt wird, kennzeichnungspflichtig?
(internet-law.de, Thomas Stadler)
Oft verlinken Journalisten und Medien in Tweets und Postings eigene Inhalte, ohne darauf hinzuweisen, dass es sich um Bezahlartikel hinter einer Paywall handelt. Dies ist nach Ansicht des IT-Rechtlers Thomas Stadler nicht zulässig. Es müsse ausreichend deutlich gemacht werden, dass es sich um kommerzielle beziehungsweise werbliche Hinweise handelt.

3. Und das Netz vergisst doch: Die Utopie vom ewigen Speicher
(nzz.ch, Felix Simon)
Das angeblich niemals vergessende Internet habe ein Archivproblem: Es gebe keine zentrale Stelle für die Archivierung von Inhalten, die Gefahr des „digitalen Gedächtnisschwundes“ drohe. Vor allem Medienhäuser seien hier in der Pflicht, allerdings würden sie oftmals Aufwand und Kosten scheuen. Felix Simon kommentiert: „Der Gedanke an Archive mag nicht so „sexy“ sein wie Vorstellungen von der schönen neuen Welt digitaler Möglichkeiten. In Zeiten, in denen die Presse mit ganz anderen Problemen zu kämpfen hat, ist er nicht weit oben auf der Agenda. Doch ohne verlässliche Archive riskieren wir nicht nur, dass bestimmte Versionen der Geschichte später die Oberhand gewinnen, wenn es nichts gibt, mit dem sie korrigiert werden können — wir riskieren auch, dass die historischen Wissenslücken, die sich zwangsläufig in Zukunft auftun werden, noch grösser sind als die der Vergangenheit.“

4. Vorschau in die Vergangenheit: Geschlechterverteilung auf dem Buchmarkt
(einfacherdienst.de)
Der Anteil an Autorinnen im Sachbuch-Bereich führender Verlage liegt bei gerade mal 20 Prozent. Dies ergibt eine Auswertung der Verlagsvorschauen für den Frühling 2019. Einziger Trost: Bei Romanen sieht es mit 42 Prozent deutlich besser aus.
Dazu ein Lesetipp aus dem Jahr 2015: Frauen auf dem Buchmarkt: Es sich selbst machen (taz.de, Fatma Aydemir).

5. Das Böse und wir
(zeit.de, Tonio Walter)
Obwohl die Zahl der Gewalttaten heute deutlich niedriger ist als vor zwanzig Jahren, sind viele Menschen vom Gegenteil überzeugt. Dies liege auch daran, wie Polizei und Medien berichten. Strafrechtsprofessor Tonio Walter erklärt, warum keinesfalls alles immer schlimmer wird und warum volle Gefängnisse die Kriminalität erhöhen. Es geht um Beobachterfehler, Untergangsempfinden und selektive Erinnerung.

6. Die netzpolitischen Highlights auf der re:publica 2019
(netzpolitik.org, Markus Beckedahl)
Nächsten Montag startet in Berlin die re:publica, Europas größte Konferenz rund um Digitalisierung und Internet. Das Angebot umfasst etwa 600 Sessions mit 1000 Sprechern und Sprecherinnen. Mitgründer Markus Beckedahl von netzpolitik.org hat eine Auswahl lohnenswerter Veranstaltungen mit dem Fokus „Netzpolitik“ getroffen. 
Hinweis in eigener Sache: Wir vom BILDblog sind in Berlin auch dabei: Am Montag, 6. Mai, um 20 Uhr starten wir auf Stage 2 zu einem wilden Ritt durch 15 Jahre „Bild“- und Boulevardbeobachtung, mit den übelsten Kampagnen, der schlimmsten Hetze und dem falschesten Katzenbenzin.



Die Legende vom „Bamf-Skandal“, EU-Wahl-Ein-Mann-Show, Leere Worte

1. „Bamf-Skandal“ schrumpft weiter
(taz.de, Stefan Simon)
Im Frühjahr 2018 erschütterte der sogenannte Bremer Bamf-Skandal die Republik: Von mehr als 1.200 Asyl-Betrugsfällen war die Rede. Die Zahl ist mittlerweile auf einen Bruchteil zusammengeschrumpft: Es geht derzeit um gerade mal 50 strittige Asylentscheidungen. Obwohl nicht eine Entscheidung rechtskräftig aufgehoben worden sei, würde die Bremer Staatsanwaltschaft unverdrossen nach angeblichen Missständen im Bremer Flüchtlingsamt forschen.

2. Ein-Mann-Show
(deutschlandfunk.de, Isabelle Klein)
Bei der Europawahl wird indirekt auch über das Amt des neuen EU-Kommissionspräsidenten entschieden. Während Kandidaten wie Margrethe Vestager, Frans Timmermans oder Ska Keller wenig mediale Beachtung finden, stehe der Spitzenkandidat des konservativen Parteienbündnisses Manfred Weber oft im Fokus der Berichterstattung. „SZ“-Redakteur Alexander Hagelüken spekuliert über die Gründe und ordnet die Zusammenhänge ein.

3. Facebook ist ein schwarzes Loch
(blog.clickomania.ch, Matthias Schüssler)
Der Journalist und Blogger Matthias Schüssler hat einen interessanten Vorschlag, wie man verhindern könne, dass Facebook die Aufmerksamkeit von verlinkten Originalquellen abzieht: „Man könnte Facebook zum Beispiel schlicht verbieten, Diskussionen zu Beiträgen von Newsplattformen und Blogs abzuhalten: Wer sich darüber auslassen will, muss sich wohl oder übel auf die Originalplattform bemühen. Nur dort wird kommentiert — und sonst nirgendwo. Das hätte nebenbei auch zur Folge, dass viele Debatten gesitteter stattfinden würden.“

4. Angesagte Teenie-App TikTok: Deutsche Publisher experimentieren – doch es fehlt ein Geschäftsmodell
(meedia.de, Robert Tusch)
An den sensationellen Erfolg der Video-Clip-App TikTok wollen sich nun auch deutsche Publisher und Marken hängen und experimentieren mit Inhalten und Communities. Die Aussichten sind derzeit völlig unklar, wie Robert Tusch für „Meedia“ berichtet: Keiner wisse, wie lange der Hype anhalte und wie damit Geld verdient werden könne. Zudem sei die Plattform anfällig für Mobbing und Hass.

5. Neue Sicht auf die Dinge
(sueddeutsche.de, Hans Hoff)
Immer mehr Fernsehsender sparen sich Kamerateams und statten ihre Reporter mit Smartphones aus. Kritiker finden den Trend bedenklich. Es bleibe all das auf der Strecke, was die Kunst eines jahrelang ausgebildeten Kameramannes oder einer jahrelang ausgebildeten Kamerafrau ausmache. Hans Hoff wägt Vor- und Nachteile der neuen Technik gegeneinander ab und lässt Bedenkenträger und Fürsprecher zu Wort kommen.

6. Hey Siri, wie viele Menschen hören mich ab?
(vice.com, Sebastian Meineck)
Es ist fast ein wenig lustig, mit wie viel Worten man nichts sagen kann. Die Unternehmen Apple, Microsoft, Google und Amazon beherrschen diese Kunst meisterlich, wie „Motherboard“-Chefredakteur Sebastian Meineck mit nur einer einzigen Frage herausgefunden hat: Meineck wollte wissen, wie viele Menschen im Zusammenhang mit Sprach-Assistenten wie Siri die Audio-Aufzeichnungen ihrer Nutzerinnen und Nutzer abhören.

Glyphosat-Berichterstattung, Sinnlose Sonntagsfrage, Notgeile AfD-Werbung

1. Wie Medien mitbestimmen, was ein Risiko ist: Der Fall Glyphosat
(medienwoche.ch, Martha Kuhnhenn)
Im ersten Teil einer Serie zu aktueller kommunikationswissenschaftlicher Forschung geht es um den medialen Umgang mit dem umstrittenen Herbizid Glyphosat. Für die Kommunikationswissenschaft und den Journalismus würden sich die gleichen Fragen stellen: „Welche Akteure kommen überhaupt zu Wort? Welche Akteure haben eine zentrale Machtposition? Wessen Argumente werden von Journalisten aufgegriffen? Welche Ressourcen verhelfen Akteuren zu (Deutungs-)Macht im Diskurs?“ Daher sei die Offenlegung aller Interessen bei gesellschaftlich relevanten Risiken eine Kernaufgabe des Journalismus.

2. Wöchentlich grüßt die Sonntagsfrage
(taz.de, Hanna Lohoff)
Die Ergebnisse von Wahlumfragen sind bei vielen Medien äußerst beliebt und werden gern und oft veröffentlicht. Dabei sind die Zahlen mit größter Vorsicht zu genießen. Häufig würden sie mit einer Prognose verwechselt, sind ungenau oder wegen ihrer minimalen Schwankungen schlicht nicht von Nachrichtenwert.

3. Eine AfD-Wahlwerbung und ihre notgeile Geschichte
(schantall-und-scharia.de, Fabian Goldmann)
Der Politik- und Islamwissenschaftler Fabian Goldmann hat sich mit der Geschichte und Bedeutung des orientalistischen Gemäldes beschäftigt, mit dem die AfD in Berlin Europawahlkampf macht. Mit der Bildauswahl würden die Rechtspopulisten vor allem etwas über ihre eigenen Sex- und Gewaltfantasien verraten. Goldmanns Resümee: „(…) aus der Geschichte lernen, wie es die AfD auf ihrem Wahlplakat schreibt, lässt sich mit Gérômes „Sklavenmarkt“ tatsächlich. Nicht etwas über die der arabisch-islamischen Welt. Aber darüber, wie sehr unser Blick auf den „Orient“ auch noch heute von Klischees geprägt ist. Nichts über lüsterne und gewalttätige Araber. Aber darüber, wie die Sex- und Gewaltfantasien von Europäern unseren Blick auf eine großen Teil der Welt verfälschen können.“

4. Grindel kann nicht zurück zum ZDF
(faz.net)
Lange Zeit hieß es, der nach Korruptionsvorwürfen zurückgetretene DFB-Präsident Reinhard Grindel könne aufgrund eines gesetzlich geregelten Rückkehrrechts wieder bei seinem ehemaligen Arbeitgeber, dem ZDF, arbeiten. Doch nun revidierte der Sender seine zuvor vertretene Rechtsauffassung: Grindel habe kein Rückkehrrecht.

5. Empörio Amani
(zeit.de, Mely Kiyak)
„Zeit Online“-Kolumnistin Mely Kiyak beschäftigt sich mit dem Streit zwischen der Komikerin, Schauspielerin und Moderatorin Enissa Amani und der TV-Kritikerin Anja Rützel: „(…) natürlich ist die Beurteilung von Humor keine alleinige Angelegenheit von Geschmack, sondern hat Regeln und Filter. Das unterscheidet die Meinung, den Like, das Herz und den Daumen von der professionellen Kritik. Rützel sei nicht konstruktiv, klagte Amani. Auch das ist ein seltsames Missverständnis unserer Zeit. Kritik ist kein Seminar dafür, wie man etwas besser macht. Es handelt sich hier um kein DIY-Ding, es gibt auch keine Infobox. Kritik ist Kritik.“
Weiterer Lesetipp: Im „Deutschlandfunk“ zeigt sich die Feuilleton-Chefin der „Süddeutschen Zeitung“, Sonja Zekri, erstaunt von Amanis „enormer Humorlosigkeit“.

6. Die Top 30 Magazine – sechs sind im Plus
(wuv.de, Susanne Herrmann)
Die neuesten Auflagenzahlen der IVW für das erste Quartal 2019 bestätigen den Abwärtstrend bei Magazinen: Von den Top 30 sind 24 im Minus und nur sechs im Plus. „W&V“ zeigt die wichtigsten Gewinner und Verlierer. Besonders schlimm habe es „Stern“ und „Focus“ mit zweistelligen Minuswerten getroffen.

Boris Palmer: Den Rassismus beim Namen nennen

Ist Rassismus weniger schlimm, wenn er von einem Grünen-Politiker kommt? Oder sind die meisten Medien der Ansicht, dass es sich bei Palmer in Wahrheit ja gar nicht um Rassismus handeln kann, weil er eben Palmer ist? Der provoziert nun mal gern. Der übertreibt es halt manchmal. Das ist ungefähr das, was deutschen Medien gerade zu Boris Palmers rassistischem Post über eine Bildcollage der Deutschen Bahn einfällt. Und nicht etwa, dass es ein rassistischer Post ist.

Muss man tatsächlich noch darüber diskutieren, ob eine Aussage rassistisch ist, die Hautfarbe per se mit „andere Herkunft“ gleichsetzt? Oder dass es nicht-weiße Menschen sind, die in Werbung und Medien eklatant unterrepräsentiert sind? Und dass man weißen Menschen keinen Schaden zufügt, wenn sie einmal nicht in der Mehrheit sind? Ist es tatsächlich erklärungsbedürftig, dass man Menschen rassistisch angreift, wenn man faktisch eine Hautfarbe als erwünscht darstellt und andere nur, wenn sie unter einer Art Obergrenze verschwinden? Muss es immer so weit kommen, dass einer der direkt Angegriffenen sich persönlich zu Wort meldet, bis überhaupt über Rassismus gesprochen werden kann?

Bevor Sternekoch Nelson Müller sich persönlich diskriminiert und „tief bestürzt“ durch Palmers „rassistisch anmutende Äußerungen“ zeigte, stellte „Spiegel Online“ die ganze Sache noch auf eine Stufe zu Palmers Frotzeleien gegen die Hauptstadt: „Palmer hatte in der Vergangenheit immer wieder für Kontroversen gesorgt. So sagte er beispielsweise über die Bundeshauptstadt Berlin: ‚Wenn ich dort ankomme, denke ich immer: ‚Vorsicht, Sie verlassen den funktionierenden Teil Deutschlands'“.

All das, was Theaterautor, Blogger und Marketingexperte Johannes Kram schon so gemacht hat, würde nicht in diese Box passen. Deswegen hier unvollständig und im Schnelldurchlauf: Nicht nur, aber auch wegen seiner Medien-Kampagne ist Guildo Horn zum „Eurovision Song Contest“ gekommen. In seinem neuen Buch „Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber“ prangert er die „schrecklich nette Homophobie“ auch in den Medien an. Für seinen „Nollendorfblog“ bekam er eine Nominierung für den „Grimme Online Award“, er selbst erhielt 2018 den Tolerantia Award. Und mit „Seite Eins — Theaterstück für einen Mann und ein Smartphone“ hat er Boulevard-Kritik auf die Bühne gebracht. Dafür ein herzliches Dankeschön vom BILDblog.

So sieht das Fazit in fast allen Berichten aus: Der will doch nur spielen, einen raushauen. Kann sein. Aber ist das so wichtig, warum Palmer das macht? Ist es nicht viel wichtiger, was er da macht? Warum fällt es deutschen Medien so schwer, das zu benennen? Warum taucht das Wort Rassismus so gut wie nicht auf? Und wenn, dann fast nur als der Vorwurf seiner Gegner, also derer, denen Palmer sowieso suspekt ist? So, als ob das eigentliche Problem eines solchen Posts das ist, wer parteipolitisch davon gerade profitiert? So, als ob die eigentliche Nachricht ein Streit unter Politikern ist und nicht die Tatsache, dass da gerade ein Politiker Menschen mit nicht-weißer Hautfarbe abspricht, Deutsche Wirklichkeit zu repräsentieren. Oder zumindest nicht, wenn es zu viele davon sind.

Über „Bild“ braucht man in der ganzen Sache eigentlich gar nicht reden. Muss man aber trotzdem. Natürlich nutzen die Leute von „Bild“ auch dieses Ereignis, um die Messlatte für Rassismus noch weiter nach unten zu ziehen. „Boris ist eine eitle Krawallnudel aber kein Rassist. Und die Deutschen haben nicht zu 80 Prozent Migrationshintergrund. Können wir uns darauf einigen?“, twittert Nikolaus Blome. Rassistisches doch mal eben so sagen zu wollen und gleichzeitig damit durchzukommen, kein Rassist zu sein, ist seit gestern noch salonfähiger geworden. In „Bild“ hatte Blome zuvor sogar die Sichtbarkeit von Nicht-Weißen in der öffentlichen Wahrnehmung selbst zum Problem erklärt, wenn diese nicht der tatsächlichen Repräsentanz in der Bevölkerung entspricht: „Der Kampf gegen alltägliche Diskriminierung ist auch in Deutschland längst nicht gewonnen. Traurig, aber wahr. Doch mit einseitigem Überbetonen ist auch niemandem gedient. Das wirkt nur lächerlich.“ Nicht die Regel, in der People of Colour fast immer unterrepräsentiert sind, machen also Rassismus, sondern die eine Ausnahme, in der das nicht so ist. Mit dieser Logik schafft sich „Bild“ eine lupenreine Rassismus-Formel, da jeder Versuch, Rassismus dadurch zu bekämpfen, immer öfter auch nicht-weiße Menschen sichtbar zu machen, dadurch skandalisiert werden kann, dass es hier eine Art Bevorzugung gäbe.

Wo „Bild“ offen Rassismus schürt, fällt es anderen Medien schwer, Rassismus überhaupt zu benennen. Ist der Rassismus in der Geschichte etwa so abwegig? Oder so unwichtig? Oder ist das Eis einfach zu dünn, wenn man über Rassismus schreiben muss? „Palmer hat offenbar ein Problem damit, dass vier der fünf Bilder keine Nord- oder Mitteleuropäer zeigen, sondern Menschen mit dunkleren Hautfarben“, meint etwa „RP Online“, so, als ob es keine Nord- oder Mitteleuropäer mit dunkler Hautfarbe gebe.

„Ob Enteignung, Erziehung von Zuwanderern oder Multikulti-Werbekampagnen – Boris Palmer provoziert. Das Tübinger Stadtoberhaupt sucht Streit. Meist sehr zum Leidwesen seiner Partei“, beginnt heute.de seinen Bericht und kommt bis zum Ende kein einziges mal auf die Idee, dass das eigentliche Leid die Minderheiten trifft, die die Opfer seiner Ausgrenzungen sind.

Wieso steht eigentlich bei der rassistischen Entgleisung eines AfD-Politikers die rassistische Entgleisung im Vordergrund der Berichterstattung, während es hier bei einem Grünen-Politiker vor allem die — wie suggeriert wird — überbändige Reaktion darauf ist? Lautete die Durchschnittsüberschrift damals „Gauland beleidigt Boateng“, heißt es heute „Shitstorm gegen Boris Palmer“. Der Arme. Meinetwegen will er nur spielen. Meintewegen will er nur provozieren. Aber ganz offensichlich will er eben rassistisch spielen und provozieren. Was muss Palmer eigentlich noch alles machen, dass er von deutschen Medien endlich als Rassist wahrgenommen wird?

Die Bank, die einen füttert, beißt man nicht

Die Smartphone-Bank N26 gilt — mit einer Unternehmensbewertung von stolzen 2,3 Milliarden Euro — als eines der erfolgreichsten Start-ups der europäischen Finanzbranche. Doch seit ein paar Wochen steht das Berliner Unternehmen immer wieder in der Kritik.

Zuerst wurden einem Kunden 80.000 Euro von seinem Konto gestohlen; dann wurde bekannt, dass hunderte N26-Konten zur Geldwäsche genutzt worden sein sollen; zudem bekam die Bank Ärger mit dem Berliner Datenschutzbeauftragten, wurde von Kunden für ihren schwer erreichbaren Kundenservice kritisiert und jüngst sogar von der Finanzaufsicht BaFin gerüffelt. Entsprechend häufig ist N26 derzeit in den Schlagzeilen:

Schlagzeilen verschiedener Medien: Bei N26 häufen sich die Probleme, Schwarze Listen: So bekam N26 Ärger mit Datenschützern, Gefäschte Online-Shops sollen über N26 Geld gewaschen haben, Pannen bei gefeierter Online-Bank, N26: Konto leergeräumt - Bank nicht erreichbar, N26-Konten sollen zur Geldwäsche missbraucht worden sein, N26-Kunde werden 80.000 Euro vom Konto geklaut - die bank reagiert ganz schwach, N26 gerät ins Visier der Finanzaufsicht, Finanzaufsicht drängt Onlinebank zu Nachbesserungen, Deutliche Warnung für die Smartphone-Bank N26

Das „Handelsblatt“ berichtete, die „Süddeutsche Zeitung“, der „Spiegel“, die „Stuttgarter Zeitung“, „Focus Online“, n-tv.de, Stern.de und viele mehr. Selbst internationale Medien griffen die Geschichten auf.

Nur die „Bild“-Medien bleiben ungewöhnlich still. Bis heute ist weder in der gedruckten noch in der Online-Ausgabe auch nur ein Satz zu den Vorgängen rund um N26 erschienen.

Eine der wertvollsten Banken des Landes wird massiv kritisiert, es geht um Mängel, Betrügereien, Geldwäsche — eigentlich ein gutes Thema für „Bild“, doch das Blatt bleibt stumm. Auch die „Welt“ druckte lediglich einen mickrigen Artikel zu den verschwundenen 80.000 Euro. Sonst nichts. Das wird doch wohl nicht etwa daran liegen, dass der Axel-Springer-Verlag an N26 beteiligt ist?

Mit Dank an Jörg G.!

Missliebige Missbrauchs-Doku, Mächtige InfluencerInnen, Filter-Omen

1. Arte nimmt Missbrauchs-Doku aus dem Programm
(sueddeutsche.de, Benjamin Emonts)
Der Fernsehsender Arte musste eine vielbeachtete Dokumentation über Missbrauch in der katholischen Kirche („Gottes missbrauchte Dienerinnen“) aus der Mediathek nehmen. Der Grund: Eine Person habe sich nach Angaben des Senders in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt gefühlt und eine einstweilige Verfügung erwirkt. Arte hält die Entscheidung für falsch und prüft die rechtlichen Möglichkeiten.
Weiterer Lesetipp: Matthias Drobinski hat den Film über sexuelle Gewalt gegen Nonnen für Süddeutsche.de rezensiert. Der Film habe Schwächen, doch die Stärke des Films überwiege: „Das Schweigen ist gebrochen.“

2. Neue gegen alte Mediengeneration
(taz.de, Anne Fromm)
Der Komikerin Enissa Amani passte eine Kritik bei „Spiegel Online“ nicht, und so keilte sie auf ihren Social-Media-Kanälen heftig gegen die Verfasserin aus. Der öffentlich ausgetragene Streit zeigt auch die neuen Machtverhältnisse. Heutzutage haben InfluencerInnen dank hunderttausender treuer Fans viele Möglichkeiten, sich zu wehren. Amani konstruierte gar einen Kampf gegen die „Mächtigen“, zu denen sie „Spiegel Online“ und „Bild“ zählt. „taz“-Redakteurin Anne Fromm kommentiert: „Da tönt eine Form der Elitenkritik, die man sonst eher aus der rechten Ecke kennt. Allerdings sind „die da oben“ und „wir hier unten“ eben nicht mehr so leicht voneinander zu trennen, wenn man, wie Amani, bei Instagram über eine halbe Million Menschen erreicht.“
Siehe dazu auch: Am längeren Hebel (sueddeutsche.de, Quentin Lichtblau).

3. Ende einer Trolljagd – Compact-Magazin scheitert am BGH mit Nichtzulassungsbeschwerde
(kanzleikompa.de, Markus Kompa)
Für Rechtsanwalt Markus Kompa und seinen Mandanten Richard Gutjahr war 2017 ein aufreibendes Jahr: Journalist Gutjahr war ins Visier einiger besonders bösartiger und hartnäckiger Verschwörungstheoretiker geraten, mit ziemlich unangenehmen Folgen für sich und seine Familie. Nun gelang ein wichtiger juristischer Sieg gegen den Verlag des rechtsdrehenden und verschwörerischen „Compact“-Magazins, der von Kompa und Gutjahr in zwei Instanzen erfolgreich verklagt worden war. Weil das OLG Köln hiergegen keine Revision zuließ, habe der Verlag Beschwerde beim Bundesgerichtshof erhoben. Diese sei vergangene Woche vom 6. Zivilsenat des BGH als unbegründet abgewiesen worden. Ein teurer Spaß für das „Compact“-Magazin, so Kompa: „Dieser Rechtsstreit kostet die Gegenseite damit rund 25.000,- €.“

4. Netzwelt-Newsletter: Nach den Anschlägen
(spiegel.de, Sonja Peteranderl)
Nach den Terroranschlägen in Sri Lanka mit mehr als 300 Toten verhängte die Regierung eine Netzsperre und blockierte unter anderem Facebook, WhatsApp, Instagram und YouTube. Der Grund: Man wolle die Verbreitung von Hass und Falschnachrichten eindämmen. Die Blockade wurde im Netz von vielen Menschen positiv aufgenommen und gelobt. Sonja Peteranderl kommentiert: „Dass die Blockade so viel Zustimmung erhält, entspringt dem Gefühl der Ohnmacht, das sich nach globalen Hasskampagnen und live ins Netz übertragenen Anschlägen wie in Christchurch verbreitet hat. Es gibt aber keine einfache Lösung gegen Gewalt. Statt Netzwerke abzuschalten, müssen sie zu einer stärkeren Moderation des Hasses gezwungen werden. Und das bedeutet eben viel Aufwand, Arbeit und Frust, für Konzerne, Regierungen und die Zivilgesellschaft.“

5. Die Geschichten hinter der Forschung erzählen
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 5:10 Minuten)
Beim „Deutschlandfunk“ geht es um das Wissenschaftsmagazin „Science Notes“, das vor einem Jahr mit einer Startauflage von 5.000 Stück auf den Markt kam. Die Klaus-Tschira-Stiftung fördere das Magazin für mindestens zwei weitere Ausgaben. Annika Schneider ist äußerst angetan von Inhalten und Aufmachung: „‚Science Notes‘ ist ein Designheft, das nicht nur zum Schmökern auf dem Sofa einlädt, sondern sich auch auf dem Couchtisch gut macht. Das dicke Papier zieren stilvolle Grafiken und außergewöhnliche Schriftarten. So will die Redaktion eine Brücke aus dem wissenschaftlichen Elfenbeinturm mitten in die Gesellschaft schlagen.“

6. Omen für EU-Urheberrechtsreform: Uploadfilter sperren Mueller-Bericht
(heise.de, Martin Holland)
Uploadfilter des Webportals Scribd, einer Art YouTube für Dokumente, sperrten den gemeinfreien Abschlussbericht des US-Sonderermittlers Mueller. Kritiker sehen dies als weiteren Beweis für die Fehleranfälligkeit von Uploadfiltern, die nach der EU-Urheberrechtsreform bald notwendig sein dürften.

Blättern: 1 2 3 4 5