Archiv für November 22nd, 2018

Bringt Julian Reichelt Helene Fischers Familie in Gefahr?

Zur Erinnerung: „Bild“-Chef Julian Reichelt will nicht, dass der Mediendienst „kress“ sein Gehalt schätzt. Das könne nämlich seine Familie in Gefahr bringen.

Die Einschätzung Reichelts war auch Thema in einem Interview, das zwei Schüler und eine Schülerin seines ehemaligen Gymnasiums in Hamburg-Othmarschen mit ihm geführt haben. Auf die Frage …

Gestern stand auf der Website von „BILD“ im Gehaltscheck, was man als Autoschrauber, Pornostar oder Elitesoldat verdient. Im letzten Jahr veröffentlichte das Magazin „Kress“ eine Schätzung Ihres Gehalts. Sie hatten zuvor darum gebeten, dies nicht zu tun. Warum darf die Öffentlichkeit wissen, was ein Porno-Star verdient, nicht aber, was der Chefredakteur der „BILD“ verdient?

… antwortete Reichelt:

Stand da der Name von dem Porno-Star? Dem Autoschrauber?

Also: Gehalt nennen ist laut Reichelt offenbar in Ordnung, solange der Name nicht fällt. Oder umgekehrt: Der Name zum Gehalt sollte nicht genannt werden. Sonst: Gefahr!

So sieht die heutige Titelseite der „Bild“-Zeitung aus:

Ausriss Bild-Titelseite - Mehr Millionen als Britney Spears und Celine Dion - So viel verdient Helene Fischer

Und so die letzte Seite der Ausgabe:

Ausriss Bild-Zeitung - Forbes schätzt Helene auf 28 Millionen

Auch bei Bild.de erklärt die Redaktion „Helenes finanziellen Erfolg“ und nennt die Einnahmen der Schlagersängerin, die das US-Magazin „Forbes“ geschätzt hat. Fischer landet im „Forbes“-Ranking hinter Katy Perry, Taylor Swift, Beyoncé, Pink, Lady Gaga, Jennifer Lopez und Rihanna auf Rang 8 der weltweit bestbezahlten Musikerinnen.

Julian Reichelt sagte im Interview mit der Schülerzeitung noch:

Die Bundeskanzlerin ist auch eine Angestellte der Menschen in diesem Staat. Deshalb ist es auch selbstverständlich, dass das [ihr Gehalt] öffentlich ist. Ihr könnt auch nachschauen, was eure Lehrer verdienen. In der Privatwirtschaft ist das eben nicht so, weil da kein zwingendes öffentliches Interesse besteht. Denn die Öffentlichkeit bezahlt mein Gehalt ja nicht.

Vielleicht denkt der „Bild“-Chef ja, Helene Fischer ist auch sowas wie „eine Angestellte der Menschen in diesem Staat“. Oder er legt bei sich selbst einfach nur andere Maßstäbe an als bei anderen.

Dazu auch:

Lösch Dich, Trecker auf der Überholspur, Christine Prayon

1. Schlechte Nachrichten. Zur dreifachen Krise des Journalismus
(arminwolf.at)
Seit 2005 verleiht die Otto-Brenner-Stiftung alljährlich die Otto-Brenner-Preise für kritischen Journalismus. Dieses Jahr wurde die Festrede vom renommierten österreichischen Journalisten Armin Wolf gehalten, der sich zur Krise des Journalismus geäußert hat. (Wolfs Rede gibt es auch als Videomitschnitt auf Youtube.)

2. Lösch dich: Wie der Hass im Netz die Politik beeinflusst
(kooperative-berlin.de)
Der Youtuber Rayk Anders und der Journalist Patrick Stegemann haben für ihre Doku über Hater und Trolle („Lösch dich! So organisiert ist der Hass im Netz“) gerade den Otto-Brenner-Preis gewonnen. Im Interview spricht Stegemann über digitale Meinungsbildung, bürgerliches Engagement und die Tatsache, dass sich die Medienkritik zu selten mit Youtube-Inhalten beschäftigt.

3. Die Stasi spielte mit
(zeit.de, Denis Gießler)
Denis Gießler schreibt über das Thema „Videospiele in der DDR“, und das ist nicht nur kulturwissenschaftlich, geschichtlich und politisch interessant, sondern wurde auch äußerst liebevoll grafisch gestaltet.
Weiterer Tipp: „Neuland“ bei „Deutschlandfunk Kultur“. „Die sechsteilige Feature-Serie erzählt vor dem Hintergrund der Geschichte der ostdeutschen Mikroelektronik-Industrie ein Stück deutsch-deutscher Vergangenheit. Im Zusammenspiel vieler kleiner Geschichten und Beobachtungen ergibt sich ein Panorama der DDR kurz vor und nach der Wende.“ Hier gibt es alle Folgen auf einer Seite.

4. Über heilige Kühe und die Grenzen der Satire
(medienblog.hypotheses.org, Natalie Berner)
Die Kabarettistin Christine Prayon ist einem breiteren Publikum als „Birte Schneider“ aus der „heute show“ (ZDF) bekannt. Im Rahmen einer Uni-Veranstaltung hat Prayon 90 Minuten über ihren Werdegang, ihren Antrieb, ihre Arbeitsweise und Haltungsfragen gesprochen.
Video-Tipp des „6 vor 9“-Kurators, Comedy-Highlight und Satire-Evergreen: Christine Prayon liest aus „Nussloch“ von Mario Barth (youtube.com, Video, 4:21 Minuten).

5. Was wir so tun. Eine Woche unterwegs mit Fearless Democracy.
(fearlessdemocracy.org, Gerald Hensel)
Wenn die Macher von „Fearless Democracy“ keine Texte schreiben, sind sie höchstwahrscheinlich auf Achse, sitzen auf Podien oder referieren zum Beispiel über digitale Medien als Propaganda- und Mobbingtools. In einem Blogpost erzählen sie von den vergangenen Veranstaltungen.

6. Mit dem Trecker auf der Überholspur
(deutschlandfunk.de, Angelika Gördes-Giesen)
Für viele überraschend: Unter den fünf meistverkauften Fachzeitschriften in Deutschland beschäftigen sich gleich zwei mit dem Thema Landwirtschaft: das „Wochenblatt“ von Bauernverband, Genossenschaften und Landwirtschaftskammer sowie „Top Agrar“ mit über 90.000 Abonnenten. Es ist vor allem die Mischung aus Fachinformation und Unterhaltung, mit denen die Agrarmagazine punkten.