1. “Ich trete in das Vermächtnis eines Anspruchs”
(fragdenstaat.de, Aiko Kempen & Jonathan Peaceman)
“FragDenStaat” wirft Thüringens Ministerpräsidenten Mario Voigt vor, Künstliche Intelligenz nicht nur in einem umstrittenen “Welt”-Gastbeitrag, sondern offenbar auch bei zahlreichen Reden und Artikeln eingesetzt zu haben. Eine Auswertung lege nahe, dass mehrere Texte aus Voigts Amtszeit zu großen Teilen oder vollständig KI-generiert seien. Problematisch sei vor allem die fehlende Kennzeichnung, denn eine Thüringer Dienstanweisung sehe bei wesentlich KI-generierten Texten Transparenz vor.
2. “Journalismus ist das nicht – Bambi für Ronzheimer hin, Freiheits-Gerede von Döpfner her”
(bsky.app, Janosch Dahmen)
Bei Bluesky erhebt der Bundestagsabgeordnete Janosch Dahmen (Die Grünen) schwere Vorwürfe gegen wichtige Springer-Protagonisten und deren politisches Umfeld. Dahmen beschreibt Springer als Macht- und Einflussnetzwerk, das angeblich eine schwarz-blaue Option aus Union und AfD vorbereite. Als Beispiele nennt er persönliche Verbindungen zwischen Springer-Chef Mathias Döpfner und dem stellvertretenden “Bild”-Chefredakteur Paul Ronzheimer mit verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Akteuren sowie eine unkritische oder interessengeleitete Berichterstattung (hier der Thread übersichtlich auf einer Seite).
3. “Kauf kein Kack”, aber kauf (bei Amazon)!
(uebermedien.de, Martin Rücker)
Der “Übermedien”-Text von Martin Rücker nimmt den “Bild”-Kaufberater unter die Lupe. Die Redaktion inszeniere die Produkttests als unabhängige Verbraucherberatung, baue daraus aber zugleich ein lukratives Affiliate-Geschäft auf. Rücker erkennt durchaus ernsthafte Testverfahren, kritisiert aber die Grauzone zwischen journalistischer Prüfung und Kaufanreiz. Besonders problematisch werde es, wenn “Bild” Produkte empfehle, ohne grundsätzlich zu fragen, ob der Kauf überhaupt sinnvoll sei.
4. Stellungnahme von Correctiv
(instagram.com, Justus von Daniels)
Vor drei Tagen haben wir in unseren “Hör- und Gucktipps zum Wochenende” das Gespräch von Markus Lanz und Richard David Precht über “Aktivismus vs. Journalismus” verlinkt. Dort ging es auch um die Potsdam-Recherche von “Correctiv”, die von Lanz angezweifelt wird; er sei “auf die Recherche reingefallen”. Bei Instagram erklärt “Correctiv”-Chefredakteur Justus von Daniels nun das große Ganze und spricht darüber, warum die “Correctiv”-Einordnung aus seiner Sicht zutreffend sei.
5. RiffReporter in eigener Sache: Neues Crowdfunding soll das Überleben sichern
(riffreporter.de)
Wie die “Riffreporter” in eigener Sache berichten, habe man eine Insolvenz nur durch drastische Sparmaßnahmen abwenden können. Bis zum 13. Juli dieses Jahres soll nun eine Finanzierungslücke geschlossen werden, die man über eine Crowdfunding-Aktion füllen wolle: “Das Crowdfunding verfolgt mehrere Finanzierungsziele. Bereits mit 50.250 Euro könne der laufende Betrieb abgesichert werden. Weitere Mittel sollen in Marketingmaßnahmen fließen, Sichtbarkeit und Reichweite steigern und dabei helfen, bestehende Formate wie Podcasts und Newsletter weiterzuentwickeln.”
6. Film brennt gut
(taz.de, Valérie Catil)
Die Debatte um problematische Filmszenen ende nicht bei Wim Wenders’ “Falsche Bewegung” und der Nacktszene mit der damals 13-jährigen Nastassja Kinski. An Beispielen wie Alejandro Jodorowskys “El Topo” und Bernardo Bertoluccis “Der letzte Tango in Paris” zeigt Valérie Catil, dass reale Übergriffe, Demütigungen oder nicht abgesprochene Gewalt am Set teils als Kunst konserviert und später kanonisiert wurden. Catil wendet sich gegen die Vorstellung, das Entfernen solcher Szenen sei automatisch Zensur oder Kulturrevision.



