Falscher Weg, Auswärtiges Amt “sehr irritiert”, Abgelehnter “Exxpress”

1. Frankreich wählt den falschen Weg
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Sebastian Meineck kritisiert die neuen Social-Media-Regelungen in Frankreich. Das vom französischen Parlament beschlossene Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren greife zu kurz und setze falsche Prioritäten. Es schütze Minderjährige nicht, da es leicht umgangen werden könne, und bedrohe durch invasive Alterskontrollen die Privatsphäre aller Nutzerinnen und Nutzer. Sinnvoller und nachhaltiger wären aus Meinecks Sicht strengere Vorgaben für Plattformbetreiber, ein Ausbau digitaler Medienkompetenz sowie eine einheitliche Regulierung auf EU-Ebene.

2. Nach Morddrohungen: Lokaljournalist erschossen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Wie die Organisation Reporter ohne Grenzen berichtet, ist der mexikanische Lokaljournalist Josué Martínez Contreras, am 16. Juli im Bundesstaat Puebla erschossen worden. Die bislang unidentifizierten Täter seien auf einem Motorrad geflohen. Contreras, der unter anderem zu Kommunalfinanzen und Umweltvergehen recherchiert habe, habe bereits zuvor Morddrohungen wegen seiner Berichterstattung erhalten. Er sei bereits der sechste im Jahr 2026 in Mexiko ermordete Pressevertreter.

3. DW-Journalist Alican Uludağ wieder frei, Auswärtiges Amt »sehr irritiert« über Festnahme
(spiegel.de)
Der in der Türkei festgenommene Deutsche-Welle-Journalist Alican Uludağ sei unter Auflagen, darunter ein Ausreiseverbot, wieder auf freiem Fuß. Die türkische Justiz werfe dem Investigativreporter unter anderem die Verbreitung von Falschinformationen vor. Das Auswärtige Amt in Berlin zeige sich über das Vorgehen gegen den DW-Journalisten “sehr irritiert”. Uludağ selbst bestreite die Vorwürfe.

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4. “Exxpress” abgelehnt: 20 Millionen Qualitätsjournalismusförderung vergeben
(derstandard.at, Harald Fidler)
Die österreichische Medienbehörde KommAustria habe dem rechtspopulistischen Portal “Exxpress” die “Qualitätsjournalismusförderung” für 2026 gestrichen. Der Grund sei die redaktionelle Hervorhebung von User-Kommentaren, die zu Hass und Gewalt aufstacheln. Die Fördergelder in Höhe von insgesamt 20 Millionen Euro sollen stattdessen überwiegend an etablierte Verlagsgruppen wie Mediaprint, RMA und Styria gehen.

5. “Gründergeist findet man bei Journalisten kaum”
(journalist.de, Catalina Schröder)
Im Interview mit dem Fachmagazin “journalist” fordert Sebastian Turner, Gründer von “Table.Briefings”, mehr unternehmerisches Denken und Innovationsgeist in der Medienbranche. Technisch und finanziell sei es nie einfacher gewesen, neue Medien zu gründen. Allerdings bremse eine traditionelle Berufskultur bei Journalistinnen und Journalisten häufig den Aufbau eigener Projekte aus. Turner spricht sich entschieden gegen staatliche Mediensubventionen aus. Diese würden die Unabhängigkeit gefährden und Fehlanreize setzen.
Weiterer Lesetipp: Michael Bröcker wechselt von Table Media zu Axel Springer: “Michael Bröcker verlässt Table Briefings als Chefredakteur und wechselt zu Axel Springer. Er übernehme zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Position des übergreifenden Politikchefs der Premium-Gruppe und werde zugleich Chefredakteur von Politico Deutschland, teilte das Medienhaus mit.” (taz.de)

6. Wie verbreiten sich Empörungswellen auf Social Media?
(dwdl.de, Simon Pycha)
Anhand des Auftritts der Rapperin Ikkimel im ZDF-“Morgenmagazin” dekonstruiert Simon Pycha den typischen Phasenverlauf digitaler Entrüstung. Am Anfang stehe ein polarisierendes Starter-Ereignis, das binnen 24 Stunden von “Cultural Tastemakern” aufgegriffen, skandalisiert und von journalistischen Accounts validiert werde. Es würden Gegentrends und die Verwertung in Nischen-Communitys folgen, bevor die Debatte nach drei bis sieben Tagen verpuffe oder als Referenz in der Popkultur verbleibe.

7. Danger Dan spricht von Zensur, das ZDF von einem möglichen Gewaltaufruf: Wer hat recht?
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:12 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins ordnet der “6-vor-9”-Kurator die Ausladung von Danger Dan und Igor Levit aus der 100. Ausgabe der ZDF-Satire “Die Anstalt” ein. Der Vorwurf der Zensur greife nicht. Zudem sei die Absage des Senders wegen kalkulierter Zweideutigkeiten und Anspielungen auf gewaltsame Selbstjustiz im Songtext in der Sache nachvollziehbar. Allerdings habe das ZDF durch sein spätes Handeln den Künstlern ungewollt den “Nimbus des Verbotenen” und maximale Aufmerksamkeit beschert.