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Gaffen und gaffen lassen

Nach einem tödlichen Unfall auf der A3 haben sich am Sonntag nach Aussage des Passauer Stadtbrandinspektors “unbeschreibliche Szenen” abgespielt. Gegenüber der “Passauer Neuen Presse” (PNP) sagte er, dass einige Autofahrer auf der Überholspur plötzlich abgebremst hätten, um den Unfall, den Toten und die Verletzten zu fotografieren. Auch auf der Gegenfahrbahn und einer nahegelegenen Brücke hätten sich viele Schaulustige versammelt, zitiert die PNP einen Augenzeugen.

“Die Fahrer haben teilweise aus dem fahrenden Auto heraus gefilmt. Sie hatten die Hände gar nicht mehr am Steuer”, beschrieb [der Stadtbrandinspektor] das Verhalten der dreisten und sensationslüsternen Gaffer. “Das habe ich in dem Ausmaß noch nie erlebt”, betonte der erfahrene Feuerwehrmann.

Warum machen Menschen so etwas? Als schaurige Erinnerung fürs Fotoalbum? Damit sie im Freundeskreis damit angeben können? Oder einfach nur, weil es möglich ist?

Einige zücken ihre Kameras vermutlich nur deshalb, weil sie hoffen, ihre Horrorbilder später an die Medien verkaufen zu können. Manche Boulevardmedien belohnen solche Gaffer-Fotos auch mal mit mehreren Hundert Euro.

Aber auch Zeitungen wie die “Passauer Neue Presse” sollten sich überlegen, ob es der Sache unbedingt dienlich ist, wenn sie, wie in diesem Fall, zwar das Verhalten der Gaffer kritisieren — aber im selben Artikel eine Klickstrecke mit über einem Dutzend Fotos vom Unfallort zeigen und darüber hinaus ein Youtube-Video einbetten, das offenbar von genau der Brücke aus aufgenommen wurde, auf der sich die Schaulustigen versammelt hatten.

Hochgeladen wurde das Video von einem lokalen Radiosender. Auf Anfrage hieß es, ein Mitarbeiter habe das Video gemacht. Für die Leser ist das aber nicht ersichtlich; sie könnten annehmen, dass es von einem “Leserreporter” stammt — und sich im schlimmsten Fall beim nächsten Unglück auch auf irgendeine Brücke stellen und die Sache filmen, für alle Fälle.

Mit Dank an spotnik.

Karl Dall, Native Advertising, Gutmenschen

1. “Mitten im Propaganda-Krieg – ohne es zu wissen”
(heute.de, Video, 3:33 Minuten)
Manipulierte Videos und verfälschte Meldungen im Propagandakrieg: “Wenn die Story gut ist und Emotionen schürt, trägt sie weit.”

2. “Vermitteln deutsche Medien ein extrem einseitiges, negatives Israel-Bild?”
(stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier zweifelt daran, dass “kein anderes Land der Welt” in deutschen Medien so oft und scharf kritisiert werde wie Israel – so hatte es Stern.de mit Bezug auf eine noch nicht veröffentliche Studie dargestellt.

3. “Ermittlungen gegen Karl Dall beendet”
(handelsblatt.com/AFP)
Erhebt die Staatsanwaltschaft Zürich Anklage gegen Karl Dall, wie “Bild” berichtet? “Die entsprechende Meldung der „Bild“-Zeitung vom Montag sei ‘nicht korrekt’, sagte die Sprecherin der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich, Corinne Bouvard, am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Es sei noch keine formelle Entscheidung gefallen.”

4. “Männer gestehen sich ihre sanfte Seite nicht ein”
(planet-interview.de, Jakob Buhre und Lovis-Marie Trummer)
Matthias Reim spricht über die Herzkatheter-Untersuchung, aus der “Bild” eine “heimliche Herz-OP” (“sechsstündiger Eingriff am Herzen”) machte (BILDblog berichtete).

5. “Politische Korrektheit: Wider den Aufstand der Gutmenschen”
(novo-argumente.com, Günter Ropohl)
Ein “Diktat eines kleinbürgerlichen Moralismus” durch politisch korrekte Sprache fürchtet Technikphilosoph Günter Ropohl in einem Beitrag zur Debatte über sogenannte Gutmenschen: “Natürlich möchten wir alle, dass die Welt gut wäre. Wo sie es nicht ist, müssen alle mit persönlichen und politischen Anstrengungen daran arbeiten, sie besser zu machen. Aber es hilft nicht, sie bloß gut zu reden. In der eskapistischen Version ist solche Moralrhetorik bestenfalls Gesinnungspflege zur Beruhigung des eigenen Gewissens, in der kategorischen Form kann sie schlimmstenfalls in Tugendterror ausarten. Daher rühren die Vorbehalte gegen die Gutmenschen, nicht daher, dass sie linke Ideen von Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität verträten. Gutmenschen sind nicht ‘links’, sie sind Moralisten.” Siehe dazu auch “Linke Heuchler” (faz.net, Reinhard Mohr).

6. “Last Week Tonight with John Oliver: Native Advertising (HBO)”
(youtube.com, Video, 11:22 Minuten, englisch)

Online-Kommentare, Islamfeindlichkeit, Antisemitismus

1. “Im Land der ‘gleichgeschalteten Medien'”
(fr-online.de, Katja Thorwarth)
Nach der FAZ (“Meine Tage im Hass”) schreibt sich auch die FR ihren Frust über pöbelnde Online-Kommentatoren von der Seele. Neben der Wiedergabe vieler, “zum besseren Verständnis in Ansätzen korrigiert[er]” Fäkalausdrücke macht Katja Thorwarth eine wichtige Feststellung: “Der Schrei über Zensur ist vollkommen deplatziert, denn Zensur kann nur dort greifen, wo es um das Grundrecht der Meinungsfreiheit geht. Und an diesem Punkt verwechseln viele User die Kommentarspalten im Internet mit dem Tresen ihrer Stammkneipe.” Auf Twitter sind sich Stefan Plöchinger und Wolfgang Blau einig: Es hilt nur “gescheit moderieren”.

2. “Meinungsfreiheit ja, Beleidigung nein”
(dw.de, Naser Schruf)
Drei Tage und rund 180 Presserats-Beschwerden (derstandard.at) nach dem “herrlichen Shitstorm” (stefan-niggemeier.de) melden sich die von Nicolaus Fest geschmähten Muslime zu Wort. Naser Schruf beleuchtet das laute und überwiegend empörte Echo in der arabischen Presse, Sanjay Patel kritisiert die langjährige “islamfeindliche Marschroute” (migazin.de) der “Bild”, Canan Topçu wünscht “Bayramınız kutlu olsun” (zeit.de), und Koray Yilmaz-Günay spricht in der “taz” über Islamophobie unter Konservativen.

3. “Ton gegen Juden in Deutschland verschärft sich”
(berliner-zeitung.de, Thomas Kröter)
Die Sprachwissenschaftlerin Monika Schwarz-Friesel untersucht soziale Medien, Online-Kommentare, Chats und Foren auf antisemitische Äußerungen. Während Ausmaß und Intensität zugenommen hätten, sei eines gleich geblieben: “Über 60 Prozent kommen aus der sogenannten Mitte” und leugnen “vehement, antisemitisch eingestellt zu sein”. Weniger Grund zur Besorgnis sieht dagegen der Historiker Wolfgang Benz (tagesspiegel.de).

4. “Wer ist der Kriegstreiber?”
(spiegel.de)
Als hätte der “Spiegel” auf Alexander Becker gehört (meedia.de), steht im “SPIEGELblog” erstmals seit Monaten keine Eigen-PR, sondern eine Rechtfertigung. Und zwar für das von Frank Lübberding kritisierte und vom Postillon bespottete (der “Löschbeirat” vereint Kritik und Spott) Cover. Der Tenor: Weil die Artikel im Heft nicht kriegstreiberisch seien, ist die Titelzeile “Stoppt Putin jetzt!” auf dem Heft ebenso harmlos.

5. “Wir brauchen kein Radio der Zukunft, wir brauchen es jetzt”
(diskurslabor.de, Tom Leonhardt)
Das “National Public Radio” hat mit seiner neuen App “NPR One” die “Idee von personalisierbarem Radio auf eine sehr stilvolle und gut umgesetzte Art und Weise salonfähig gemacht”. Ein Vorbild für deutsche Anstalten sieht Marc Krüger (netzpiloten.de): “Was wäre, wenn alle ARD- und Deutschlandradio-Sender ihre Podcasts in einer App wie ‘NPR One’ anbieten würden? […] Was für eine großartige Möglichkeit, einmal Gesendetes (und Bezahltes) haltbar zu machen!”

6. “Missliebige Offenlegung”
(taz.de, Anne Fromm)
Ja, das ZDF hat eine Folge der Kabarettsendung “Die Anstalt” aus der Mediathek gelöscht. Nein, das ist keine Zensur, sondern eine “Frage der Korinthenkackerei” zweier “Zeit”-Journalisten, wie Max Uthoff es ausdrückt (youtube.com) – eine Darstellung, die Jochen Bittner allerdings zurückweist (twitter.com). Anne Fromm fasst den Streit zusammen und meint: “Das ZDF hat zwar in letzter Zeit Einiges verbockt, steht diesmal aber offenbar ziemlich gut da.” Stellungnahmen von Bittner und Joffe gibt es bei Telepolis.

Homophobie, Überwachungswahn, Döpfnerkratie

1. “Sommerloch-Skandal beim Tagesspiegel”
(queer.de)
Der “Tagesspiegel” übt sich im Boulevardjournalismus (den die “Bild” wenig überraschend aufgreift) und sieht sich angesichts der Empörung in den sozialen Medien (facebook.com) alsbald zu einer Rechtfertigung genötigt. Während “Queer.de” die Homophobie und “die verklausulierte Kinderporno-Anschuldigung” aufs Korn nimmt und Paul Wrusch Meisner in der “taz” attestiert, “in den 50er Jahren hängengeblieben” zu sein, zweifelt der “Löschbeirat” am journalistischen Verantwortungsgefühl des Autors.

2. “Das Ende der Pressefreiheit”
(spiegel.de, Marc Pitzke)
Der Überwachungswahn der NSA schadet der Pressefreiheit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Insbesonders investigative Reporter sprechen von “eine[r] schreckliche[n] Zeit” und “einer zusätzlichen Schicht der Angst”. Elisabeth Pohl zitiert bei “Netzpolitik” einen von HRW befragten Journalisten: “Ich will nicht, dass die Regierung mich zwingt, mich wie ein Spion zu verhalten. Ich bin kein Spion, ich bin ein Journalist.”

3. “MH17: how Storyful’s ‘social sleuthing’ helped verify evidence”
(theguardian.com, Ben Cardew, englisch)
Bei Katastrophen wie dem MH17-Unglück greifen Journalisten oft auf User-generated content aus sozialen Netzwerken zurück. Um diese Informationen zu verifizieren, hat Storyful den “Open Newsroom” entwickelt. Executive Editor David Clinch ist sich sicher: “For sustainable journalism you cannot just rely on sources of information or video content that exist traditionally. If that is the only place you are looking you are missing huge amounts.”

4. “Medien tappen in Strafanzeigen-Falle”
(taz.de, Sebastian Heiser)
“Wassertisch kritisiert Senat“ sei so erwartbar wie “Hund beißt Mann”. Bei einer Strafanzeige würden Journalisten dagegen eine Geschichte wittern. Deshalb wirft ein CDU-Politiker des Berliner Abgeordnetenhauses seinen politischen Gegnern immer wieder Untreue vor, und die Medien beißen an. Allerdings: “Dass die Verfahren später allesamt eingestellt werden – das berichtet dann keiner mehr.”

5. “‘Zeit’-Journalisten gehen gerichtlich gegen das ZDF und ‘Die Anstalt’ vor”
(internet-law.de, Thomas Stadler)
Die angebliche Zensur des ZDF war bereits gestern Thema bei “6 vor 9” (Link 4). Der Rechtsanwalt Thomas Stadler kommentiert: “Für ein Flaggschiff wie die ‘Zeit’ kommt das juristische Vorgehen von Joffe und Bittner gegen das ZDF einem journalistischen Offenbarungseid gleich. Leider berichten die großen Zeitungen wie SZ, FAZ oder ‘Spiegel’ […] nicht. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.”

6. “Springer funktioniert wie eine Monarchie”
(blogs.stern.de, Lutz Meier)
Nach der Aufregung um die rassistische Islam-Hetze (stefan-niggemeier.de) von Nicolaus Fest analysiert Lutz Meier die Machtverhältnisse innerhalb des Konzerns und macht Mathias Döpfner als absolutistischen Herrscher aus: “Springer funktioniert hier weniger wie ein pluralistischer Verlag. Sondern es ist eine Art feudalistisches Prinzip, dem das Haus folgt.”

Per Mertesacker, Mindestlohn, Erdbeben

1. “Haut ab mit eurem Wow-Effekt!”
(zeit.de, David Hugendick)
Ein ZDF-Interview mit Per Mertesacker (youtube.com, Video, 2:35 Minuten) im Anschluss an das Fußball-WM-Spiel Deutschland gegen Algerien: “Im Fernsehen, wo notorisch ‘magische Momente’ eingefordert werden, hat Negativität keinen Platz mehr. Man will lieber Wirklichkeit mit dem Emotionswert der Soap-Opera. Man will ‘echte Tränen’, ‘echte Freude’ und alles, was sonst noch unter dem Modewort ‘Authentizität’ firmiert, die nur gut ist, solange sie sich anpasst und irritationsfrei konsumierbar ist.”

2. “Herzlichen Glückwunsch, Boris Büchler!”
(faz.net, Frank Lübberding)
Frank Lübberding gratuliert ZDF-Reporter Boris Büchler zu diesem Interview und regt an, sich mit dem Bundestrainer zu beschäftigen: “Stattdessen sieht man etwa im Fernsehen jene Szenen namens ‘Löw am Strand’ im WM-Quartier der Nationalmannschaft. Ein nachdenklicher Trainer auf dem Wege zu Ruhm, so ist diese Form des öffentlich-rechtlichen Propaganda-Fernsehens zu nennen. Offenkundig muss jeder Journalist für ein kritisches Wort befürchten, am Hofe des DFB in Ungnade zu fallen.” Siehe dazu auch “In Interviewgewittern” (begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig).

3. “LSR: Wiederholt sich die Geschichte?”
(vocer.org, Heidi Tworek und Christopher Buschow)
Heidi Tworek und Christopher Buschow erinnern an das Gesetzgebungsverfahren in den 1920er-Jahren, als mit der zunehmenden Verbreitung des Radios “die Forderung nach einem rechtlich geregelten Nachrichtenschutz” aufkam.

4. “Schlechte Schlagzeilen (1): ‘Warum in Deutschland stärkere Erdbeben drohen'”
(scienceblogs.de/astrodicticum-simplex, Florian Freistetter)
Die Schlagzeile “Warum in Deutschland stärkere Erdbeben drohen” auf Focus.de: “Die Gefahr durch geologische Aktivität ist heute nicht größer als sie es in der Vergangenheit war. Es ist nichts passiert, dass eine neue ‘Bedrohung’ durch Erdbeben verursacht hat. Wir wissen nun nur besser über die Statistik Bescheid als vorher.”

5. “Warum werden eigentlich ausgerechnet Zeitungszusteller vom Mindestlohn ausgenommen?”
(nachdenkseiten.de, Jens Berger)
Der angeblich flächendeckende Mindestlohn von 8,50 Euro soll erst ab 2017 auch für Zeitungszusteller gelten. “Geht es nicht noch ein bisschen grotesker und dreister?”, fragt Jens Berger zur Behauptung, die Pressefreiheit sei dadurch in Gefahr: “Nach dieser Logik sind auch Hungerlöhne für Krankenpfleger gerechtfertigt, da ansonsten ja Krankenhäuser geschlossen werden müssten und die öffentliche Gesundheitsvorsorge in Gefahr wäre. Nach dieser Logik ließen sich in so ziemlich in jeder Branche Hungerlöhne rechtfertigen.”

6. “Die gesammelten Bauer-Regeln zu Journalismus im Netz”
(davidbauer.ch)

Jung&Naiv, Volontariat, Netzfingerabdruck

1. “Der Traum vom Journalistenleben”
(mdr.de, Audio, 29:23 Minuten)
Zwanzig Jahre nach dem Besuch der Journalistenschule ruft Philip Meinhold ehemalige Mitschüler an und fragt sie, ob sie ihre Vorstellungen von Journalismus verwirklichen konnten.

2. “Bitte bewerben – ihr braucht dafür auch nur drei Tage”
(sara-weber.tumblr.com)
Noch bis zum 8. Juli kann man sich beim britischen “Spectator” für ein ein- oder zweiwöchiges Praktikum bewerben. Sara Weber findet die Anforderungen dafür sehr hoch, das Bewerbungsverfahren “unverschämt”.

3. “Meine Laudatio für Jung&Naiv: Die konservative Konterrevolution hat Youtube erreicht”
(leitmedium.de, ccm)
“Jung & Naiv” mit Tilo Jung revolutioniere nicht den Journalismus auf Youtube, sondern es sei “ein Intranetformat für Medienmacher und Politiker”, schreibt Caspar Clemens Mierau: “Jung bringt den am Zuschauer desinteressierten Journalisten auf die Videoplattform und erntet damit natürlich den Applaus einiger Journalisten-Kollegen, die auch lieber ohne Leser schreiben würden.”

4. “Stromnetz verrät Whistleblower”
(heute.de, Peter Welchering)
Eine Verzerrung der Stimme des Informanten ist kein wirkungsvoller Schutz, schreibt Peter Welchering: “Denn mit einer IT-forensischen Methode können die Einstreuungen der elektrischen Netzfrequenz in Tonaufnahmen herausgefiltert und zu einer Art Netzfingerabdruck verdichtet werden. Dieser Netzfingerabdruck wird dann mit Frequenzdatenbanken abgeglichen, um herauszubekommen, wann und wo die Aufnahme gedreht wurde.”

5. “Das Chaos der Anderen”
(neues-deutschland.de, Tobias Riegel)
Tobias Riegel malt sich in der sozialistischen Tageszeitung “Neues Deutschland” aus, wie es wäre, wenn ausländische Politiker und Medien deutsche Politiker kritisieren, die versuchen, für Ruhe und Ordnung zu sorgen: “Wir können uns in Deutschland kaum vorstellen, wie das wäre, wenn sich der US-Außenminister regelmäßig tadelnd zu unserem Umgang mit Demonstranten äußern würde. Es ist aber zu vermuten: Sollte eine linke Bundesregierung einst den Austritt aus der NATO anstreben – wir würden das Gefühl der ständigen Ermahnung kennenlernen. Dann wären die Randalierer vom 1. Mai für die ‘Bild’-Zeitung plötzlich die ‘friedliche und demokratische’ Speerspitze gegen eine ‘autokratische’ und ganz allgemein ‘korrupte’ Bundesregierung – die schleunigst durch Technokraten ersetzt werden muss.”

6. “Keine Handyfotos auf der Pressetribüne erlaubt”
(twitter.com/LarsWallrodt)

Bild  

Böses Foul an Schweinifurt!

Stuttgart liegt am Ganges /
Berlin liegt an der Seine …

(Traditioneller “Bild”-Merkreim)

Mit dem Deutschlandbild der “Bild”-Zeitung stimmt was nicht. Gut, das hatten wir in der vergangenen Woche schon festgestellt, aber es ist seitdem nicht besser geworden.

Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft berichtet das Blatt heute, dass “wir” “ab heute ballaballa sind”. Es hat den größten Teil der Titelseite für etwas freigeräumt, das es “die wahre Deutschland-Karte” nennt und als Vorwand für die schlechtesten Wortspiele der Welt nimmt, darunter: “Fifalkensee” statt Falkensee, “DFBeelitz” statt Beelitz, “Pfostsee” statt Ostsee; “Bumm” für Bonn und “Gelsenkonter” für Gelsenkirchen.

Angesichts dessen sind die geographischen Unzulänglichkeiten der Karte, zugegeben, harmlos, aber nicht minder rätselhaft.

Kaiserslautern, zum Beispiel, liegt plötzlich in Sichtweite des Rheins, aus Hof ist Bayreuth geworden, Schweinfurt hat den Platz von Coburg eingenommen, und Bamberg ist über den Main in Richtung Norden gezogen. Dafür hat sich die Fränkische Schweiz auf den Weg in die umgekehrte Richtung gemacht und liegt nun nicht mehr nördlich, sondern südlich von Nürnberg und Fürth.

Auch diese Karte ist ein Geschenk für den Geographieunterricht in der Schule, und wahrscheinlich kann man mehrere Stunden damit füllen, gemeinsam alle Fehler zu entdecken (“Liegt Magdeburg wirklich nördlicher als Berlin?”).

Das eigentliche Rätsel aber ist, warum die “Bild”-Grafiker nicht einfach vorhandenes Kartenmaterial verwenden anstatt sich immer wieder vergeblich daran zu versuchen, die Geographie Deutschlands zu erraten.

Mit Dank an Matthias B.!

Forget.me, Echo-Medien, Norbert Lammert

1. “Staatsanwaltschaft geht mit Durchsuchungsbeschluss gegen Echo-Medien vor”
(echo-online.de)
Zum ersten Mal “in der fast siebzigjährigen Geschichte der Echo-Zeitungen überhaupt” erhalten die ECHO-Medien in Darmstadt Besuch von der Staatsanwaltschaft und der Kriminalpolizei. Gefordert wird die Identität hinter einem inzwischen gelöschten Leserkommentar.

2. “Forget.me illustriert, wie nah Datenschutz und Zensur beieinander liegen”
(netzwertig.com, Martin Weigert)
Martin Weigert stellt Forget.me vor. Die französische Website zeichne sich auch dadurch aus, “dass User nicht wie beim Google-‘Löschservice’ manuell die zu entfernenden Website-URLs liefern müssen. Stattdessen zeigt Forget.me eine Live-Ergebnisliste zur Suche nach dem persönlichen Namen an. Neben jedem Eintrag befindet sich eine prominent platzierte Schaltfläche ‘Forget this’. Wer diese betätigt, muss auf der Folgeseite noch die passende juristische Rechtfertigung auswählen und den Scan eines Dokuments zur Identifizierung hochladen. Fertig.”

3. “Auf einmal”
(umblaetterer.de, Paco)
Paco fragt sich, weshalb der “Freitag” den Jakob-Augstein-Text “Wir töten, was wir lieben” über Frank Schirrmacher offline gestellt hat.

4. “Der digitale Kulturpessimismus des Feuilletons langweilt”
(schulesocialmedia.com, Philippe Wampfler)
“Kulturpessimismus floriert im Feuilleton”, stellt Philippe Wampfler fest: “Über die Gründe kann ich nur spekulieren – es wundert mich immer wieder, warum aus all den Menschen, die zu digitalen Entwicklungen etwas sagen könnten, immer die mit den platten Angst-Thesen Platz erhalten.”

5. “Die scheinheilige Empörung über Schumachers gestohlene Krankenakte”
(stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier reagiert auf die “Warnung vor Veröffentlichung” der entwendeten Krankenakte von Michael Schumacher durch den DJV: “Die Veröffentlichung der Krankenakte wäre gerade deshalb auch so empörend, weil ihr Inhalt wahr wäre. Im Gegensatz zu all dem unzuverlässigen Geraune, mit dem die Medien ihre Schumacher-Berichterstattung füllen.”

6. “Lammerts Lebenshilfe: Überwachung mit Fassung tragen!”
(youtube.com, Video, 1:31 Minuten)
Siehe dazu auch “Arbeitserleichterung für die NSA: Deutscher Bundestag bezieht Internet von US-Anbieter Verizon” (netzpolitik.org, Andre Meister).

Sport Bild, Spiegel Online, Social-Media-Redakteur

1. “Der Social-Media-Redakteur – das überschätzte Wesen?”
(onlinejournalismusblog.com, Stephan Dörner)
Die Frage, “was von den eigenen Inhalten beachtet wird und was nicht”, entgleite den Redaktionen zunehmend, stellt Stephan Dörner fest, weshalb es zunehmend auch gar keine “Blattmacher” benötige. “Auch für Werbekunden erfordert die wachsende Bedeutung von Social Media ein Umdenken: Kann der Werbekunde, der eine Anzeige bei Handelsblatt Online oder dem Wall Street Journal bucht, wirklich noch sicher sein, dass diese vor allem die Zielgruppe erreicht? Vermutlich immer weniger, je größer der Anteil von Lesern wird, der eher zufällig auf der Website landet, weil ein einzelner Artikel – wenn er ein Reizthema behandelt oder das Thema einer gut vernetzten Gruppe – zum Facebook-Hit wird.”

2. “Die substantiellen Probleme von Spiegel Online”
(datenjournalist.de, Lorenz Matzat)
Lorenz Matzat befasst sich mit der Online-Strategie von “Spiegel” und “Spiegel Online”: “Die Zwei Klassen-Gesellschaft in der Spiegel Gruppe, also die Printredaktion mit ihren Gesellschafteranteilen (Mitarbeiter-KG) versus Online ohne Anteile am Verlag, bleiben das zentrale Problem.”

3. “Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Für die nicht wissen wie”
(titanic-magazin.de, Stefan Gärtner)
“Sport Bild” lässt Kevin Großkreutz Fragebogen mit witzig gemeinten Antworten ausfüllen (BILDblog berichtete), um ihm diese später ernsthaft vorzuhalten.

4. “Er kann es einfach nicht”
(begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Gregor Keuschnig liest das Buch “Ganz oben ganz unten” von Christian Wulff: “Ich habe inzwischen keinen Zweifel daran, dass Wulff in einer Mischung aus selbst­verschuldetem Unglück und narzisstischem Jagdtrieb einiger wildgewordener Egomanen einem eben auch qualitätsmedialen Blutrausch erlag, in dem sich zu Beginn mehrere Jäger gleichzeitig auf das gleiche Objekt konzentrierten. Zunächst begann ein Wettkampf (‘Bild’, ‘stern’, ‘Spiegel’). Als ‘Bild’ durch die Mailbox-Nachricht praktisch über Nacht ein Faustpfand in der Hand hatten, übernahm ‘Bild’ die Führungsrolle. Willig liessen sich nahezu alle selbsternannten Qualitätsmedien vor den Karren spannen.”

5. “The German war against the link”
(buzzmachine.com, Jeff Jarvis, englisch)
Jeff Jarvis kommentiert die Forderung deutscher Verleger an Suchmaschinen, “bis zu elf Prozent der Umsätze, die sie mit Ausschnitten aus Online-Presseerzeugnissen erzielen, an die Zeitungen und Zeitschriften” weiterzureichen: “They are trying to blackmail net companies in hopes of getting some payoff from them.”

6. “Fußballfloskeln wörtlich genommen”
(youtube.com, Video, 5:15 Minuten)
Die Sendung mit der Maus nimmt Fußballreporter mal wörtlich.

Exklusiv, Bloomsday, Tatort

1. “BamS klaut und kämpft für Franz gegen die FIFA-Russenmafia”
(jensweinreich.de)
Jens Weinreich schreibt zur gestrigen Titelgeschichte der “Bild am Sonntag”, “Der FIFA-Boss und die Russen-Mafia”: “Sieht man von einigen falschen Details und aufgeblasenen Formulierungen (‘heißt es aus deutschen Sicherheitskreisen’) ab, die wohl eher nicht stimmen, dann hat BamS im Grunde nur abgeschrieben und in pubertäre Zusammenhänge gebracht, was im Herbst 2008 in diesem Blog ‘exklusiv’ vermeldet wurde.”

2. “‘Bild’ stürzte Wulff mit einer Falschmeldung. Das kümmert aber keinen.”
(stefan-niggemeier.de)
“Ist es nicht bemerkenswert, dass Wulff am Ende durch eine Falschmeldung der ‘Bild’-Zeitung zu Fall gebracht wurde?”, fragt Stefan Niggemeier zum Rücktritt von Christian Wulff am 17. Februar 2012. “Offenbar nicht. Kaum jemand hat darüber berichtet.”

3. “Vernarrt in die Verfehlung”
(zeit.de, Ursula März)
Das RTL-Boulevardmagazin “Exclusiv”, moderiert von Frauke Ludowig: “Die Zeiten, in denen Boulevardfernsehen nichts anderes vorhatte, als erstaunliche oder mondäne Geschichten aus der Starwelt zu erzählen, sind wohl passé. Die Sprache, die in Exclusiv gesprochen wird, erinnert vielmehr an eine Untersuchungskommission, die ihre Arbeit aufnimmt, weil sie einer bösen Vermutung auf den Grund gehen muss.”

4. “Putins Trolle”
(sueddeutsche.de, Julian Hans)
Julian Hans wertet “interne Dokumente und E-Mails leitender Mitarbeiter” einer “Agentur zur Analyse des Internets” mit rund 600 Mitarbeitern in St. Petersburg aus, “die eine Gruppe anonymer Informanten im Internet zugänglich gemacht hat”.

5. “‘Nach Kuh-Schweizer-Deutsch darf es ja dann auch nicht klingen'”
(tagesanzeiger.ch, Simon Knopf)
Urs Fitze, Bereichsleiter Fiktion des Schweizer Fernsehens, nimmt Stellung zur Frage, warum der Schweizer “Tatort” die schlechtesten Quoten einfährt. “Die ARD möchte, dass man das Schweizerische auch in der Synchronfassung hört. Für uns bedeutete dies aber einen Spagat. Nach Kuh-Schweizer-Deutsch darf es ja dann auch nicht klingen. Also müssen wir subtil arbeiten. Die Schauspieler sprechen Hochdeutsch, sagen aber ‘Grüezi’ oder verwenden Helvetismen wie Pneu oder Trottoir.”

6. “Bloomsday 2009”
(youtube.com, Video, 46:44 Minuten)
Ein Zusammenschnitt von Szenen, die am 16. Juni 2009 im deutschen Fernsehen zu sehen waren. Siehe dazu auch “Die Tour kann beginnen: Bloomsday 2014” (fernsehkritik.tv, Fernsehkritiker).

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