Homophobie, Überwachungswahn, Döpfnerkratie

1. „Sommerloch-Skandal beim Tagesspiegel“
(queer.de)
Der „Tagesspiegel“ übt sich im Boulevardjournalismus (den die „Bild“ wenig überraschend aufgreift) und sieht sich angesichts der Empörung in den sozialen Medien (facebook.com) alsbald zu einer Rechtfertigung genötigt. Während „Queer.de“ die Homophobie und „die verklausulierte Kinderporno-Anschuldigung“ aufs Korn nimmt und Paul Wrusch Meisner in der „taz“ attestiert, „in den 50er Jahren hängengeblieben“ zu sein, zweifelt der „Löschbeirat“ am journalistischen Verantwortungsgefühl des Autors.

2. „Das Ende der Pressefreiheit“
(spiegel.de, Marc Pitzke)
Der Überwachungswahn der NSA schadet der Pressefreiheit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Insbesonders investigative Reporter sprechen von „eine[r] schreckliche[n] Zeit“ und „einer zusätzlichen Schicht der Angst“. Elisabeth Pohl zitiert bei „Netzpolitik“ einen von HRW befragten Journalisten: „Ich will nicht, dass die Regierung mich zwingt, mich wie ein Spion zu verhalten. Ich bin kein Spion, ich bin ein Journalist.“

3. „MH17: how Storyful’s ’social sleuthing‘ helped verify evidence“
(theguardian.com, Ben Cardew, englisch)
Bei Katastrophen wie dem MH17-Unglück greifen Journalisten oft auf User-generated content aus sozialen Netzwerken zurück. Um diese Informationen zu verifizieren, hat Storyful den „Open Newsroom“ entwickelt. Executive Editor David Clinch ist sich sicher: „For sustainable journalism you cannot just rely on sources of information or video content that exist traditionally. If that is the only place you are looking you are missing huge amounts.“

4. „Medien tappen in Strafanzeigen-Falle“
(taz.de, Sebastian Heiser)
„Wassertisch kritisiert Senat“ sei so erwartbar wie „Hund beißt Mann“. Bei einer Strafanzeige würden Journalisten dagegen eine Geschichte wittern. Deshalb wirft ein CDU-Politiker des Berliner Abgeordnetenhauses seinen politischen Gegnern immer wieder Untreue vor, und die Medien beißen an. Allerdings: „Dass die Verfahren später allesamt eingestellt werden – das berichtet dann keiner mehr.“

5. „‚Zeit‘-Journalisten gehen gerichtlich gegen das ZDF und ‚Die Anstalt‘ vor“
(internet-law.de, Thomas Stadler)
Die angebliche Zensur des ZDF war bereits gestern Thema bei „6 vor 9“ (Link 4). Der Rechtsanwalt Thomas Stadler kommentiert: „Für ein Flaggschiff wie die ‚Zeit‘ kommt das juristische Vorgehen von Joffe und Bittner gegen das ZDF einem journalistischen Offenbarungseid gleich. Leider berichten die großen Zeitungen wie SZ, FAZ oder ‚Spiegel‘ […] nicht. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.“

6. „Springer funktioniert wie eine Monarchie“
(blogs.stern.de, Lutz Meier)
Nach der Aufregung um die rassistische Islam-Hetze (stefan-niggemeier.de) von Nicolaus Fest analysiert Lutz Meier die Machtverhältnisse innerhalb des Konzerns und macht Mathias Döpfner als absolutistischen Herrscher aus: „Springer funktioniert hier weniger wie ein pluralistischer Verlag. Sondern es ist eine Art feudalistisches Prinzip, dem das Haus folgt.“