Suchergebnisse für ‘the’

Snapstream, CEN, YouTube

1. “Der Medienmanipulator als Agent Provocateur: Schwarze Schafe sind noch lange keine Wölfe”
(wortvogel.de, Torsten Dewi)
Torsten Dewi denkt nach über die moralische Empörung über Provokationen: “Und so lassen wir uns von denen, die angetreten sind, uns zu provozieren, provozieren. Wir lassen uns am Nasenring durch die öffentliche Diskussion ziehen, während wir glauben, die Richtung vorzugeben.”

2. “Warum die ‘Heute Show’ neidisch nach Amerika blickt”
(sueddeutsche.de, Hakan Tanriverdi)
Hakan Tanriverdi stellt Snapstream vor, eine Suchmaschine für das Fernsehen: “Warum gibt es so einen Dienst in den Vereinigten Staaten, aber nicht in Deutschland? Es liegt an der US-Regulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC). Sie hat im Jahr 1999 vorgeschrieben, dass fast alle Sendungen untertitelt sein müssen, akkurat und möglichst synchron: Das zielte natürlich nicht auf die Zweitverwertung durch Firmen wie Snapstream, sondern auf Menschen, die schlecht hören oder ganz taub sind. Selbst die Macher von Live-Sendungen stehen in der Pflicht, müssen live transkribieren.”

3. “The King of Bullsh*t News”
(buzzfeed.com, englisch)
Die Storys der Central European News (CEN) mit Hauptsitz im britischen Canterbury: “They’re often bizarre, salacious, gruesome, or ideally all three: If you’ve read a story about someone in a strange country cutting off their own penis, the chances are it came from CEN.”

4. “‘Es wird viel gelogen'”
(ostpol.de, Othmara Glas)
Ein Interview mit Jutta Sommerbauer zur Berichterstattung aus der Ukraine: “Man kann physisch nur auf einer Seite der Front sein. Je nachdem welche Seite das ist, sind bestimmte Informationen zugängig. Da wird viel gelogen. Oft stecken propagandistische Absichten dahinter. Eine verlässliche Berichterstattung ist nicht immer einfach. Wenn man sich unsicher ist oder bestimmte Fakten nicht verfügbar sind, sollte man das dem Leser jedoch auch so kommunizieren.”

5. ” Das Geschäft mit den Youtube-Stars”
(faz.net, Michael Ashelm und Julia Löhr)
Die Vermarktungsgesellschaften hinter YouTube-Inhalten arbeiten wie wie Plattenfirmen in der Musikindustrie, schreiben Michael Ashelm und Julia Löhr: “Die reichweitenstärksten Netzwerke kommen auf mehr als 500 Millionen Zugriffe im Monat und sind damit de facto große Online-TV-Sender.”

6. “Landwirtin sauer: Spiegel erschleicht sich Interview”
(topagrar.com, Alfons Deter)
Landwirtin Anneli Wehling fühlt sich von einer “Spiegel”-Journalistin überrumpelt: “Wehling legte in der lockeren Unterhaltung freimütig ihre Sicht der Dinge dar: Dass es sicherlich Fehlentwicklungen gebe und sich alle Verbände mal an einen Tisch setzen müssten, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. ‘Im Gespräch am Rande mit der Journalistin habe ich mich schon kritisch über die Ausrichtung der Landwirtschaft und auch über Kostendruck auf den Betrieben geäußert und was diese Entwicklung treibt. Aber nicht in der Form, wie im Spiegel zitiert wird, sondern so dass ich auch dazu stehen kann! Hier bin ich offensichtlich sehr blauäugig auf billigen Journalismus gestoßen, der nur seine reißerische Story brauchte!’, so Wehling gegenüber top agrar online.”

Kettenanstiftung, Brian Williams, Prenzlauer Berg Nachrichten

1. “Gericht tadelt ‘Blick’-Methoden”
(tagesanzeiger.ch, Peter Studer)
Ein Fall von “Kettenanstiftung” vor dem St. Galler Kantons­gericht: “Der Reporter stiftet den Privatdetektiv an, dieser dann den Polizeimann. Wer jemanden zu einer Straftat ‘bestimmt hat’, wird nach derselben Strafdrohung verurteilt wie der Haupttäter, hier: der geheimnisverletzende Polizist. Das Geheimnis von Bild und Namen der Chauffeure wurde über den Privatdetektiv einer ‘nicht berechtigten Drittperson’ – hier dem Reporter – offenbart: ‘Auf welchem Weg das geschieht, ist nicht von Bedeutung’ (Gericht).”

2. “‘Spiegel’-Abo? Gekündigt!”
(thilo-baum.de)
Weshalb Thilo Baum sein “Spiegel”-Abonnement kündigt: “Beim ‘Spiegel’ hat man noch nicht begriffen, dass es auch hier um Kundenorientierung geht – die Leute wollen klare Informationen, keine Agitation. Ebenfalls nicht begriffen hat die ‘Spiegel’-Redaktion, dass sie mit ihrem Stil am eigenen Ast sägt. Ob die Mitarbeiter der Abo-Abteilung hin und wieder mal den Redakteuren klarmachen, dass sie nicht weiter ihre Jobs in Gefahr bringen sollen? Ich denke, der ‘Spiegel’ braucht ein völlig anderes Selbstverständnis: Die Leute müssen runter vom hohen Ross und mehr Respekt zeigen nicht nur gegenüber den Leuten, die ihre Gehälter finanzieren, sondern auch vor der Wahrheit.”

3. “Begeisterung unerwünscht”
(wortvogel.de, Torsten Dewi)
Torsten Dewi fotografiert in einem Zeitschriftenladen – und wird deshalb kritisiert.

4. “NBC News finds Brian Williams embellished at least 11 times”
(washingtonpost.com, Paul Farhi, englisch)
Eine Untersuchung von NBC News hat ergeben, dass der frühere Nachrichtenmoderator Brian Williams in elf Fällen seine journalistischen Leistungen übertrieben hat: “It’s not clear when, or even if, Esposito’s findings about Williams will be made public. Although the investigation could be a critical factor in whether NBC decides to bring Williams back, it could also remain confidential as a condition of any potential severance agreement, an NBC journalist said on Friday.”

5. “Ich mach dich fertig”
(taz.de, Dana Buchzik)
Nach der Publikation des Artikels “Auch in der Literatur ist ein #aufschrei fällig” (welt.de) habe sie “Beleidigungen und Drohungen, auch seitens Kollegen” erhalten, schreibt Dana Buchzik: “Ich schätze viele dieser Kollegen nach wie vor; es sind kluge, feinsinnige Menschen. Um ihre Ausfälle nachvollziehen zu können, muss man vor allem begreifen, dass im Literaturbetrieb Konkurrenzkampf nicht unbedingt auf der Leistungsebene stattfindet. In der gutbürgerlichen Betriebssuppe darf im Grunde sowieso nur schwimmen lernen, wessen Eltern oder Partner für den eigenen Lebensunterhalt aufkommen, denn von zynisch bezahlten Volontariaten kann sich niemand ernähren.”

6. “‘Prenzlauer Berg Nachrichten’ in der Krise”
(tagesspiegel.de, Luisa Jacobs)
Die “Prenzlauer Berg Nachrichten” lassen sich aus dem Werbemarkt alleine nicht finanzieren, so Gründer Philipp Schwörbel. Er sucht deshalb “750 Abonnenten, die für 4,90 Euro im Monat Mitglied” werden.

Kronen Zeitung, Wolf Schneider, Playboy

1. “Wie die ‘Krone’ für Spar ein Bundesland unter Druck setzt”
(kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
Hans Kirchmeyr beleuchtet die Berichterstattung der “Kronen Zeitung” über einen ihrer größten Werbekunden seit Januar 2015.

2. “Die Berliner Morgenpost und die Parteispenden”
(miro-jennerjahn.eu)
Miro Jennerjahn prüft Zahlen zu Parteispenden nach: “Die große Story, die die Berliner Morgenpost krampfhaft herbeizuschreiben versucht, lässt sich zumindest für die GRÜNEN nicht nachvollziehen. Das alles habe ich mit rund drei bis vier Stunden Zeitaufwand nachvollzogen. Zeit, die eigentlich die Redakteure der Berliner Morgenpost hätten aufbringen müssen, um zu schauen, ob die eigene im Artikel formulierte These stimmt.”

3. “Journalistenlegende Wolf Schneider: ‘Lieber Hitler als die Rote Armee'”
(spiegel.de, Fiona Ehlers und Thomas Hüetlin)
Ein Interview mit Wolf Schneider: “Goethe hat einmal behauptet, ein Gedicht sei ihm über Nacht zugeflogen. Forscher haben nachgewiesen, dass dies nicht stimmt. Er hat tagelang daran gearbeitet. Einer muss sich immer plagen. Die Frage ist, ob der Schreiber oder der Leser.”

4. “Let’s Play, Boy”
(arte.tv, Video, 90 Minuten)
Eine Dokumentation über das Männermagazin Playboy und dessen Gründer Hugh Hefner.

5. “Ja, wir haben abgeklebt! Das gar nicht mehr paranoide Verhalten von Menschen, die ihre Daten schützen wollen”
(krautreporter.de, Juliane Schiemenz)
Juliane Schiemenz spricht mit fünf Menschen, die ihre Laptop-Kameras abgeklebt haben.

6. “Gesichter, Straßen und Fahrzeuge”
(daniel-rehbein.de)
Daniel Rehbein wird immer wieder angesprochen und zurechtgewiesen, er dürfe in der Öffentlichkeit nicht fotografieren: “Interessanterweise erlebe ich solche Situationen nicht auf den Bahnhöfen der Deutschen Bahn und in Eisenbahnzügen. Trainspotting scheint gesellschaftlich akzeptiert zu sein, Street- und Buildingspotting dagegen nicht. Daß Reisende ihre Verkehrsmittel im Bild festhalten, ist offensichtlich akzeptiert, auch wenn dabei immer wieder ganz viele Personen im Bild sind. Daß aber jemand im öffentlichen Straßenraum Bilder macht, weckt offenbar großen Argwohn. Dabei mache ich doch nur das, was ich vor 30 Jahren als Teenager gemacht habe, nur jetzt aufgrund der Digitaltechnik wesentlich preiswerter und deshalb häufiger.”

Youtube, Druckstückfremdeln, Eiffelturm

1. “Cheaper bandwidth or bust: How Google saved YouTube”
(arstechnica.com, Ron Amadeo)
Anlässlich des 10-jährigen Youtube-Jubiläums erinnert Ron Amadeo daran, dass Youtube es beinahe nicht geschafft hat: “Survival for the site was a near-constant battle in the early days. The company not only fought the bandwidth monster, but it faced an army of lawyers from various media companies that all wanted to shut the video service down. But thanks to cash backing from Google, the site was able to fend off the lawyers. And by staying at the forefront of Web and server technology, YouTube managed to serve videos to the entire Internet without being bankrupted by bandwidth bills.”

2. “DRUCKSTÜCKFREMDELN”
(christophkappes.de, Christoph Kappes)
Christoph Kappes hat nach längerer Zeit mal wieder ein gedrucktes Magazin in der Hand und stellt fest, dass er verlernt habe, Magazine zu lesen: „Und noch mehr: das Teilen (sharen) ist mir eine so selbstverständliche Handlung geworden, dass ich gar nicht weiß, warum ich Print lesen soll, kann ich doch diese wichtige Funktion damit gar nicht vornehmen. Warum soll ich lesen, was ich nicht teilen kann? Warum soll ich lesen, was ich nicht kopieren kann, was ich nicht kommentieren kann […].”

3. “Journalismus als Katastrophe”
(getidan.de, Georg Seeßlen)
Georg Seeßlen beobachtet eine boulevardisierung der seriösen „bürgerlichen Presse“:

Die Nachricht wird an drei emotionale Zentren gebunden. Das Private (die Geschichte eines tragischen Menschen vielleicht, die Vorführung der Opfer und ihrer Angehörigen), das Allgemeine (was machen „wir“ jetzt mit unserer Flugangst?, die Rückkopplung zu anderen Katastrophen im kollektiven Gedächtnis, „unsere“ Sicherheit) und schließlich, besonders perfid, das Nationale. Das furchtbare Unglück der Germanwings „rührt am Selbstverständnis des Konzerns – und der Nation“. So die Zeit. Das Eindringen in die Privatsphären möglichst vieler Menschen und das Aufblähen zum „Selbstverständnis einer Nation“ sind offensichtlich die beiden emotionalen Pole, zwischen denen nahezu alles möglich ist, was aus dem Wörterbuch des unmenschlichen Journalismus denkbar ist.

4. “Die neue Unübersichtlichkeit”
(taz.de, René Martens)
René Martens über teilweise unübersichtliche und intransparente Kooperation von öffentlich-rechtlichen Medien und privaten Verlagen: „Beim Thema IS arbeitete das Politmagazin [Report] aus München bisher nicht nur mit der Zeit zusammen, sondern mehrmals mit der FAZ, die gern gegen den NDR/WDR/SZ-Verbund wettert. FAZ und Report waren Anfang 2014 die Ersten, die über Islamisten berichteten, die aus Deutschland in den Krieg nach Syrien zogen. Der IS-Terror scheint zu Kooperationen zu motivieren.“

5. “Lügenpresse? Nö, wenn schon Lügeninformant!”
(alvar-freude.de, Alvar Freude)
Alvar Freude meint, dass die SPIEGEL-Redakteurin im Falle Seibert Media (siehe 6vor9 von gestern) weniger die Firma falsch darstellen wollte, als auf eine Informantin (m/w) reingefallen sei, die sauer auf das Unternehmen sei.

6. “Can someone photoshop the Eiffel Tower under my finger?”
(buzzfeed.de, Karsten Schmehl)

Halbgares über die Herdprämie

Der schnellste und sicherste Weg, einen möglichst fehlerhaften Text zu bekommen, ist, einen Bild.de-Mitarbeiter mit Statistiken jonglieren und anschließend alles aufschreiben zu lassen. Zum Beispiel zum Thema Betreuungsgeld.

Momentan entscheidet das Bundesverfassungsgericht, ob die monatlichen Zahlungen von 150 Euro für Kinder zwischen dem 15. und 36. Lebensmonat mit der Verfassung vereinbar sind.

Aber welche Eltern haben bisher eigentlich vom Betreuungsgeld profitiert?

… fragt Bild.de.

Das Statistische Bundesamt hat nun aktuelle Daten dazu veröffentlicht.

Na, dann mal ran ans Durcheinanderbringen an die Daten!

Nur in Bremen und Berlin war der Anteil der Väter, die die Prämie beantragt haben, mit knapp 11 und 8 Prozent recht groß. Am niedrigsten lag die Väter-Quote in Bayern (3,2 %), Thüringen (3,4 %) und Baden-Württemberg (3,6 %).

Das stimmt schon mal fast. Man müsste bloß die “knapp 11” und die “8 Prozent” für Bremen und Berlin jeweils durch 9,1 Prozent ersetzen, statt der “3,2 %” für Bayern 3,1 Prozent schreiben und anstelle der “3,4 %” für Thüringen 3,6 Prozent nehmen. Steht so auch alles in der Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts (PDF):

Aber weiter im Bild.de-Text:

Die Bezugsdauer ist in den Bundesländern im Osten mit durchschnittlich 13,7 Monaten viel kürzer als in den westlichen Bundesländern mit im Schnitt 19,6 Monaten.

Auch fast richtig. Nur dass die durchschnittliche voraussichtliche Bezugsdauer “in den Bundesländern im Osten” (einschließlich Berlin) 14,4 Monate beträgt und die “in den westlichen Bundesländern” 19,9:

Weiter:

Etwa jedes zweite Kind (51 %), für das Betreuungsgeld bezogen wird, ist derzeit ein Einzelkind.

Und wieder ein Volltreffer — also im Sinne von voll daneben. Denn nicht 51, sondern 49,5 Prozent aller Kinder, für die Betreuungsgeld gezahlt wird, sind Einzelkinder:

Und irgendwas mit Ausländern gibt’s doch sicher auch noch:

15 Prozent der Bezieher des Betreuungsgeldes besaßen nicht die deutsche Staatsbürgerschaft.

Um es kurz zu machen: Es sind 16,6 Prozent:

Wie Bild.de auf all die wirren Zahlen kommt, wissen wir auch nicht*. Sie haben — entgegen der Behauptung im Artikel — jedenfalls nichts mit der aktuellsten Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts zu tun, das hat uns eine Mitarbeiterin dort auf Nachfrage bestätigt.

Aber das hindert die Leute von Bild.de natürlich nicht, den Artikel so zu überschreiben:

Joar.

Mit Dank an Christof D. und Joachim L.

*Nachtrag, 26. April: Inzwischen wissen wir, wie das Zahlen-Durcheinander zum Betreuungsgeld entstanden sein dürfte. Bild.de hat nämlich drauf gepfiffen, dass das Statistische Bundesamt “nun aktuelle Daten dazu veröffentlicht” hat, und stattdessen die Zahlen aus dem zweiten Quartal 2014 (Stand: August 2014, PDF) verwurstet.

Bild  

“Bild” braucht keine Erlaubnis für Opferfotos

Vor vier Wochen hat die „Bild“-Zeitung in ihrer Print- und Online-Ausgabe mehrere unverpixelte Fotos von Menschen veröffentlicht, die zwei Tage zuvor beim Absturz der Germanwings-Maschine in den Alpen gestorben waren. „Bild“ nannte auch ihre Vornamen, abgekürzten Nachnamen, in einigen Fällen auch ihre Wohnorte, Berufspläne, Hobbies und andere private Dinge.

(Alle Unkenntlichmachungen von uns.)

Als wir vom Axel-Springer-Verlag wissen wollten, ob die Angehörigen der Veröffentlichung zugestimmt hatten, verwies „Bild“-Sprecherin Sandra Petersen zunächst auf eine imaginäre Twitter-Diskussion der „Bild“-Chefs, inzwischen hat sie nach mehrfacher Nachfrage aber doch geantwortet. Sie schreibt:

Wir halten es für wichtig, die Opfer und ihre Geschichten abzubilden, nur so wird die Tragik deutlich und fassbar. Bei dem Flugzeug-Absturz handelt es sich um ein furchtbares zeitgeschichtliches Ereignis, in solchen Fällen halten wir es für möglich, Fotos von Betroffenen ohne explizite Einwilligung zu zeigen. Wir haben auf Fotos zurückgegriffen, die im medialen Umfeld oder im Umfeld der Trauer-Aktionen veröffentlicht wurden.

Heißt konkret: „Bild“ hat sich die Fotos bei Facebook besorgt oder irgendwo abfotografiert. Im Blatt selbst hieß es:

Gestern postete eine Freundin von […] dieses Foto …

Im Feuerwehrhaus der Stadt steht ein Bild des Verstorbenen …

Dieses Gruppen-Selfie der Verstorbenen wurden [sic] auf dem Marktplatz in […] aufgehängt …

Dieser Bilderrahmen […] steht in einem Versicherungsbüro auf dem Arbeitsplatz von …

Ob der Schreibtisch eines Verstorbenen zu seinem „medialen Umfeld“ oder zum „Umfeld der Trauer-Aktionen“ zählt, wissen wir allerdings nicht.

Immerhin, so schreibt die „Bild“-Sprecherin:

Dem vereinzelten Wunsch von Betroffenen, ihre Angehörigen nicht weiter abgebildet zu sehen, kommen wir nach.

Dann muss man sich also, wenn man zwei Tage zuvor ein Familienmitglied verloren hat, nur schnell durch die „Bild“-Redaktionen telefonieren und schon wird das Foto künftig nicht mehr gezeigt. Es ist dann zwar schon millionenfach gedruckt und auf der ganzen Welt herumgereicht worden, aber so ist das nun mal, wenn jemand ohne eigenes Zutun Teil eines Ereignisses wird, bei dem die „Bild“-Zeitung sich nicht in der Lage sieht, die Tragik ohne Opferfotos “fassbar” zu machen.

Übrigens: Als es um die Namensnennung des Co-Piloten ging, wurde „Bild“-Chef Kai Diekmann ja nicht müde, den Pressekodex zu zitieren:

Richtlinie 8.2 hat leider nicht mehr draufgepasst, darum reichen wir sie gerne nach:

Richtlinie 8.2 – Opferschutz
Die Identität von Opfern ist besonders zu schützen. Für das Verständnis eines Unfallgeschehens, Unglücks- bzw. Tathergangs ist das Wissen um die Identität des Opfers in der Regel unerheblich. Name und Foto eines Opfers können veröffentlicht werden, wenn das Opfer bzw. Angehörige oder sonstige befugte Personen zugestimmt haben, oder wenn es sich bei dem Opfer um eine Person des öffentlichen Lebens handelt.

Nachtrag, 8. Juli: “Bild” und Bild.de sind für die Veröffentlichung der Opferfotos vom Deutschen Presserat öffentlich gerügt worden.

Kakerlaken, Kinder, Care-Teams

1. “Die ‘Kakerlaken’ und wir”
(taz.de, Dominic Johnson)
“Sun”-Kolumnistin Katie Hopkins vergleicht Flüchtlinge mit Kakerlaken. Eine darauf lancierte Petition, sie zu entlassen, erhält über 200 000 Unterstützer. Siehe dazu auch “Katie Hopkins: Sun migrants article petition passes 200,000 mark” (guardian.com, John Plunkett, englisch).

2. “Bitte ein Care-Team für Journalisten”
(medienblog.blog.nzz.ch, Rainer Stadler)
Rainer Stadler wundert sich, wie Journalisten auf starken Einspruch reagieren: “Man ist fast schon versucht, ein Care-Team für die geschundenen Seelen anzufordern. Unter den Leidenden finden sich, wen wundert’s, auch solche, welche selber gerne hart austeilen, Personen beschiessen, Unwahrheiten verbreiten oder Aussagen verdrehen und zuspitzen, um besser draufhauen zu können. Schlimm ist das wohl nur, wenn es die andern tun.”

3. “Die Nierensteine waren nicht autorisiert”
(faz.net, Werner Mussler)
Der Start von Politico.eu: “Die Mitglieder der EU-Kommission und die Europaparlamentarier sehnen sich seit langem nach einem Medium wie ‘Politico Europe’. Sie beklagen, dass die traditionellen Medien nach den Bedürfnissen ihres jeweiligen Heimatlandes berichten, dass sie im Vergleich zur nationalen Politprominenz medial wenig präsent seien und dass keine europäische Öffentlichkeit existiere. Mancher Brüsseler Politiker meint, diese Öffentlichkeit lasse sich gewissermaßen herbeiinszenieren, wenn die Medien das nur wollten.”

4. “Fuck off, wenn Du nicht meiner Meinung bist”
(dondahlmann.de)
“Es ist ja ein Trend geworden, dass man jeden, der auch nur entfernt etwas anderes denkt, meint, sagt oder schreibt, sofort aus der eigenen Timeline und dem Leben entfernt”, stellt Don Dahlmann fest: “Dass man selber bestimmte Dinge in seiner Timeline nicht sehen oder lesen will – ok. Dass man andere aber ohne Diskussion dafür in Sippenhaft nimmt, hat etwas Totalitäres. Statt Fronten aufzulösen, baut man welche auf. Man teilt die Welt in Lager, in Schwarz und Weiß und verbarrikadiert sich hinter seinen Gedankentürmen, von denen man annimmt, dass nur man selber in der Lage ist, die reine Wahrheit zu erkennen. Das hat etwas religiöses, fällt mir, jetzt wo ich es schreibe, so auf.”

5. “Der Missbrauchsvorwurf zieht Schuld von Tätern ab”
(tagesspiegel.de, Susanne Mierau)
Die Debatte um das Zeigen von Kinderfotos im Internet: “Beschämende Bilder oder Videos von Kindern sind wie bei Erwachsenen unangebracht und auch Bilder von Kindern auf dem Töpfchen oder in schwierigen Situationen sind zu vermeiden. Denn tatsächlich ist ein solches Vorgehen, wie auch Frau Fetscher betont, unangebracht. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Kinderbilder generell aus dem Internet verbannt werden sollten.”

6. “One of Monday’s Pulitzer Prize Winners Left Journalism Because It Couldn’t Pay His Rent. Now He’s in PR.”
(slate.com/blogs/moneybox, Jordan Weissmann, englisch)

Auflage, Franz Josef Wagner, Kinderfotos

1. “IVW 1/2015: So hoch ist die ‘Harte Auflage’ wirklich”
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Deutsche Zeitschriften in einer Gegenüberstellung zwischen ausgewiesener Auflage (“Bordexemplare, Lesezirkel oder stark rabattierte sonstige Verkäufe, mit denen die Verlage gerne Auflagenkosmetik betreiben”) und “harter Auflage” (“Einzelverkäufe zum regulären Preis und Abonnements”).

2. “Das Recht am eigenen Foto”
(dasnuf.de)
Das Nuf greift den Text “Das Zurschaustellen der eigenen Kinder im Internet ist Missbrauch” (tagesspiegel.de, Caroline Fetscher) auf und nennt ihn reißerisch, themenvermischend und nicht ausreichend differenziert: “Am Ende ist es natürlich eine Entscheidung der jeweiligen Eltern. Ich weiß, ich persönlich würde es befremdlich finden, wenn ich auf eine im Netz dokumentierte Kindheit zurück blicken würde. Ich erinnere mich gut, dass es ein großes Baby-Foto von mir gab, das ich peinlich fand. Meine Eltern und Großeltern fanden das Foto besonders süß und rahmten es sich ein, um es jeweils gut sichtbar im Flur zu platzieren. Das alleine (und wie viele Leute liefen wohl durch den Flur dieser beiden Wohnungen) war mir jahrelang unangenehm.”

3. “So wird in afrikanischen Medien berichtet”
(tagesspiegel.de, Wolfgang Drechsler)
Wolfgang Drechsler liest afrikanische Medien zu den Bootsunglücken im Mittelmeer: “Selbst wenn die Medien in Afrika über die Flüchtlingsströme nach Norden berichten, werden selten Hauptschuldige dafür offen benannt: die afrikanischen Regierungen. Stattdessen ist, wie auch in den europäischen Medien, oft vom Versagen und der Schuld Europas die Rede.”

4. “‘Wissen wollen ist ein Reflex'”
(berliner-zeitung.de, Joachim Frank)
Nach der Berichterstattung zum Absturz von Germanwings-Flug 9525 fordert Alexander Filipovic die Redaktionen dazu auf, andere Formen der Aktivität zu finden: “Es bekäme der öffentlichen Kommunikation gerade gut, wenn nicht immerzu auf allen Kanälen das Gleiche gesendet und geschrieben würde. Das hieße dann für Redaktionen: Einen Gang herunterschalten. Nichts bringen, nur weil es bei den Kollegen vom Sender X oder der Zeitung Y auch schon zu sehen war! Lieber warten, bis es wirklich etwas Neues gibt.”

5. “Je suis Franz Josef”
(stern.de, Meike Winnemuth)
Meike Winnemuth setzt sich für Franz Josef Wagner ein, dessen Ergüsse sie “regelmäßig fassungslos machen”: “Selbstverständlich kann man sich gegen Unliebsames empören, man soll es sogar, oft muss man es unbedingt. Aber wenn gefordert wird, dass alles Empörende weg soll, alles Geschmacklose, Stillose, Verdammtnochmalfalsche, und wenn diejenigen verbal an die Laterne gehängt werden, die einem nicht behagen, dann geht gerade gewaltig was schief.”

6. “Antilopen, die Löwen fressen. In elf einfachen Lektionen zum Terror-Opfer”
(derzaunfink.wordpress.com, 15. April)
Der Zaunfink kümmert sich um “die allgegenwärtige Unterdrückung der Heterosexuellen”: “Homos klagen seit Jahrzehnten darüber, wie schwer sie es haben. Aber Heteros durften das nie. Das ist ungerecht und gemein. Um nicht zu sagen: diskriminierend! Wenn Sie sich jetzt gerade nicht mit der Hand auf die Stirn geschlagen haben, dann können wir beginnen. Sie haben Potential.”

E-Zigaretten, Mario Mandzukic, Roger Köppel

1. “Verification Handbook”
(verificationhandbook.com, englisch)
Ein Handbuch zeigt auf, wie man Bilder, Videos und Inhalte verifiziert und wie man bei der Berichterstattung über Katastrophen und Notfällen vorgeht.

2. “Stellungnahme zum Bericht über die e-Zigarette von Frontal 21 (ZDF)”
(ismokesmart.de)
Der E-Zigaretten-Händler iSmokeSmart beschäftigt sich mit dem Frontal21-Beitrag “E-Zigaretten: Warnung vor Chemiecocktail” (zdf.de, Video, 7:20 Minuten): “Im Gegensatz zu den ca. 4000 chemischen Verbindungen (hiervon ca. 270 giftig und 70 krebserregend) im Rauch einer herkömmlichen Tabak-Zigarette, beinhalten die Liquids der e-Zigarette selbst jedoch nicht einen einzigen krebserregenden Stoff in gesundheitsschädlicher Konzentration – und auch nicht der Dampf nach sachgemäßer Anwendung der e-Zigarette.”

3. “Präsent: Polizeigewerkschaften in den Medien”
(ndr.de, Video, 5:56 Minuten)
Ein Blick auf die Polizeigewerkschaften, die in den Medien regelmässig mehr Polizei fordern.

4. “Roger Köppels Auftrag”
(nzz.ch, Christina Neuhaus)
Ein Porträt von Journalist Roger Köppel, der im Herbst für die Schweizerische Volkspartei SVP in das Schweizer Parlament einziehen möchte.

5. “Jurgen Klopp to quit Borussia Dortmund on July 1 – as it happened”
(telegraph.co.uk, Ben Bloom, englisch)
Ein britischer Reporter ohne Deutschkenntnisse tickert live von einer Pressekonferenz des Fußballvereins Borussia Dortmund: “I’d love to tell you what Klopp is saying. He is saying a lot. But I can understand precisely none of it. So here’s a photo of him pouring some water instead.”

6. “Soccer star sports reverse Hebrew tat”
(timesofisrael.com, Stuart Winer, englisch)
Eine Tätowierung des Fußballers Mario Mandzukic: “Once the bizarre lettering had been sorted out, it emerged that the tattoo aimed to proclaim ‘What doesn’t kill me makes me stronger,’ although spelling errors rendered the actual translation closer to the grammatically awkward ‘Which doesn’t to kill me, makes me stronger.'” Siehe dazu auch “Hebrew or gibberish? Soccer star’s faulty tattoo appears straight out of Google translate” (haaretz.com, englisch).

Show-Gipfel, Vice, Do Not Track

1. “Die Letzten machen das Licht aus”
(faz.net, Oliver Jungen)
Oliver Jungen besucht den “Show-Gipfel 2015” in Köln: “Hunderte zum Verwechseln ähnliche Formate werden zurzeit in einzelnen Märkten getestet. Es ist ein Graus.”

2. “Ebola-Kannibalen in Liberia”
(zeit.de, Felix Stephan)
Felix Stephan beschäftigt sich mit dem Erfolg von “Vice”: “Vice nimmt die Perspektive des regular dude ein, des normalen Typen, was jegliches Erkenntnisinteresse quasi im Vorhinein ausschließt, schließlich läuft der regular dude ständig Gefahr, durch plötzliche Verständnisschübe zu einem überdurchschnittlich informierten, enervierend differenzierenden irregular dude zu werden.”

3. “Nichtssagende Propagandaschau für Extrem-Spätgebärende”
(tagesspiegel.de, Richard Weber)
Richard Weber schaut die RTL-Sendung “Extra” zur Schwangerschaft einer 65-Jährigen: “Keine unpassenden Antworten dürfen die Idylle stören. 27,30 Minuten dauert diese Mutterkreuz-Propagandaschau für Extrem-Spätgebärende.”

4. “Leif Kramp: Öffentlich-rechtliche Inhalte brauchen Archivierungs-Pflicht”
(irights.info, Henry Steinhau)
Leif Kramp will die Öffentlich-rechtlichen verpflichten, ihre Inhalte “an eine externe Sammlungseinrichtung zur systematischen öffentlichen Überlieferungsbildung” abzuliefern. “Für die – freiwillige – Hinterlegung von Filmen ist das Bundesarchiv zuständig – immerhin. Doch für das Fernseh- und Radioerbe fühlt sich der Staat nicht verantwortlich, hier ist die Überlieferung im sprichwörtlichen Sinne auf Gedeih und Verderb den Sendern überlassen.”

5. “Es ist jedes Mal wieder unfassbar, wie viel Falsches die Bild in 36 Zeilen Text unterbringen kann”
(facebook.com, Thomas Kuhn)
Thomas Kuhn korrigiert einen kurzen “Bild”-Bericht.

6. “Do Not Track S01E01: Morgenrituale”
(donottrack-doc.com)
Siehe dazu auch “S01E02: Breaking Ad”.

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