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Der Kita-Krieg und die Ökofaschisten

Das Online-Gästebuch des Delingsdorfer Kindergartens war lange Zeit ein Ort des Friedens. Da bedankte sich “Miss Schmidt” herzlich für das “tolle Laternenfest”, und “Henrys Mama” zeigte sich “beeindruckt” von der großartigen “Cats-Aufführung”. Wie gesagt: ein Ort des Friedens. Doch dann kam der 26. März. Und mit ihm der “Kita-Krieg”.

Seitdem füllt sich das Gästebuch des Kindergartens plötzlich mit Einträgen, in denen Begriffe wie “Öko-Diktatur” vorkommen und “Kinderfeindlichkeit”, in denen von den “verschrobenen Vorstellungen” einiger “Gutmenschinnen” die Rede ist, von “Körperverletzung”, “dusseligem Ökogefasel” und “linksextremem Ökoterror”. Auch in vielen anderen Ecken des Internets wird auf das Kita-Personal eingedroschen. Die Erzieherinnen werden als “Ökofaschisten” beschimpft, als “hartherzige”, “kalte”, “machtgeile” und “hirnkranke” Frauen.

Ins Rollen gebracht wurde diese Empörungswelle von einem Artikel, der am Dienstag in der “Welt”, dem “Hamburger Abendblatt” und der “Berliner Morgenpost” erschienen ist. Darin berichten die Eltern eines vierjährigen Jungen aus Delingsdorf bei Hamburg, dass man ihnen den Kita-Platz gekündigt habe. Vorausgegangen war ein Streit mit der Kita-Leitung und dem Bürgermeister, weil die Eltern ihrem Sohn statt Butterbroten ein paar Kekse mit in die Kita gegeben hatten. Die Kita hatte dem Sohn die Kekse wieder mit nach Hause gegeben – versehen mit einem Zettel, auf dem stand: “Bitte denken Sie daran, dass wir ein zuckerarmer Kindergarten sind.” Die Eltern beschwerten sich beim Bürgermeister, es entwickelte sich ein Streit, und am Ende stand die Kündigung des Kita-Vertrages. So weit die etwas verkürzte Darstellung der Ereignisse.

Das “Hamburger Abendblatt” drückte es so aus:

Kita wirft Vierjährigen nach Streit um Kekse raus

Während in der Überschrift lediglich ein zeitlicher Zusammenhang festgestellt wird, klingt das im Artikel schon deutlich anders. Und in “Bild” erst recht:
Kita wird Kind (4) raus - Weil es Kekse in der Brotdose hatte

Dies ist die unglaubliche Geschichte über einen kleinen Jungen, seine Kita – und einen Butterkeks!

Thore (4) aus Delingsdorf bei Hamburg darf nicht mehr in den Kindergarten, weil seine Eltern das falsche Essen in die Brotdose packten! Die Gemeinde kündigte jetzt den Kita-Vertrag mit Thores Eltern. Aus wichtigem Grund, heißt es. Der wichtige Grund: Butterkekse!

Nun ist aus dem zeitlichen Zusammenhang also endgültig ein kausaler geworden. Auch im “Express” heißt es, der Junge müsse “alleine zu Hause spielen, weil seine Eltern Süßigkeiten in die Frühstücksdose gepackt hatten”. Laut “Hamburger Morgenpost” wurde er rausgeworfen, “nur weil er Süßigkeiten dabei hatte”.

Und schon ist es so weit:

Ganz Deutschland diskutiert über die unglaubliche Geschichte des kleinen Thore (4) aus Delingsdorf bei Hamburg.

“Ganz Deutschland” heißt bekanntlich: “Bild” und Bild.de. Und konkret sieht das so aus:

Der Irra Kita-Keks-Streit - Das sagen die BILD.de-Leser - "ist das ein Kindergarten oder eine Sekte?"

Bild.de, 27. März:Rausschmiss wegen Keksen in der Brotdose - "Erzieherinnen entlassen" oder "Fehlverhalten der Eltern"? - Die große Kita-Diskussion: Das sagen BILD.de-Leser

Bild.de, 27. März:Rechte in Kindertagesstätte -- Keks in der Kita - kann mein Kind dafür fliegen?

Bild.de, 28. März:Eltern oder Erzieher - Wer bestimmt, was Kinder in der Kita essen?

Bild.de, 28. März:6

Bild.de, 29. März:BILD.de fragt bei Eltern nach - Was halten SIE vom irren Kita-Keks-Streit?

“Bild”-Titelseite, 28. März:

Kita-Krieg! Eltern gegen Erzieher, Erzieher gegen Eltern - und die Leidtragenden sind die Kinder

Weil sich ihre Eltern beschwert hatten, dürfen Oda (3) und Thore (4) nicht mer in ihre Kitas. Was ist nur los in deutschen Kindergärten? Eltern und Erzieher berichten über den täglichen Kita-Krieg. Der große BILD-Report.

Das andere Beispiel, das “Bild” hier rausgekramt hat, betrifft übrigens einen Fall, der aus dem November 2012 stammt. Schon damals hatte “Bild” darüber berichtet. Und schon damals hatte der Trägerverein die Vorwürfe zurückgewiesen.

Was die “unglaubliche Geschichte des kleinen Thore” angeht, behauptet “Bild” auch in diesem Artikel, die Kita habe ihn rausgeworfen, weil er die Kekse dabeihatte. Auf shz.de, dem Internetauftritt des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags, kann man derweil eine ganz andere Version der Geschichte lesen. Dort heißt es:

Differenzen zwischen der Gemeinde und den Eltern von Thore gibt es bereits seit längerer Zeit. Karola und Christian [P.], beide berufstätig, prangern seit zwei Jahren vermeintliche Mängel in der Kindertagesstätte “Lütte Lüüd” an.

(…) Am 25. Januar kommt es dann zum Keks-Konflikt.

(…) Der Streit eskaliert. Schließlich nimmt sich der Jugend-, Sport- und Kulturausschuss des Themas an. “Um die Persönlichkeitsrechte der Eltern zu schützen, war die Sitzung zu diesem Punkt natürlich nicht öffentlich”, erklärt der Bürgermeister. Das habe er Karola und Christian [P.] verdeutlicht. Die Eltern empfinden den Hinweis als Rauswurf. “Wir wurden als Querulanten dargestellt und gingen”, sagt Christian [P.]. Er kritisiert das Vorgehen des Bürgermeisters, der lautstark und aggressiv agiert habe. Darüber habe er sich bei der Kommunalaufsicht beschwert.

Fünf Tage später liegt die Kündigung des Kindergartenplatzes zum 25. März auf dem Tisch, “aus wichtigem Grund”. Das Vertrauensverhältnis sei nachhaltig gestört, begründet das Amt Bargteheide-Land. Die Eltern sollten sich eine andere Einrichtung suchen.

Nach dem Aufschrei der Medien nahm der Bürgermeister auf einer eiligst einberufenen Pressekonferenz Stellung zur Entscheidung der Gemeinde:

“Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, Experten der Kreisverwaltung hinzugezogen”, sagt Bürgermeister Knudsen. Ihr Fazit sei gewesen, dass es dem Kindeswohl dienlicher sei, wenn Thore den Kindergarten verlasse. Der Bürgermeister: “Das Kind spürt den Konflikt, zumindest unter bewusst. Es spürt, dass seine Eltern diesen Kindergarten, in den es gehen soll, eigentlich ablehnen. Das schadet ihm mehr als ein Wechsel.”

Die Eltern legten Widerspruch gegen die Kündigung ein, doch der wurde zurückgewiesen. Schließlich suchten sie den Weg in die Medien.

In dieser Version der Geschichte ist also nicht der Keks der Grund für den Rausschmiss, sondern die Auseinandersetzung darüber – ein kleiner, aber bedeutender Unterschied. Denn in dieser Version geht der Konflikt von zwei Parteien aus. In der “Bild”-Version nur von einer.

Der Bürgermeister erklärte daher schon am Donnerstag, die Schlagzeilen der Boulevardmedien träfen nicht “den Kern der Wahrheit”. Auf shz.de heißt es:

[Bürgermeister Knudsen:] “Der Keks war nicht der Grund für die Kündigung.” Allerdings ist er sich nicht sicher, ob das noch irgendjemand hören möchte. Längst hat der Fall eine gewaltige Eigendynamik entwickelt. “Die Mitarbeiter des Kindergartens werden mittlerweile bedroht und als Öko-Faschisten bepöbelt.”

Das “Abendblatt” ruderte Mitte der Woche immerhin zurück und widmete dem “Machtwort” des Bürgermeisters einen eigenen Artikel. Für “Bild” hingegen sind diese Aussagen nicht der Rede wert. Ebenso wie die Stellungnahme der Elternvertreter, die mittlerweile herausgegeben wurde. Darin schreiben sie, sie seien “überrascht über die aktuelle Berichterstattung unseres Kindergartens”:

Wir sind sprachlos und auch ohnmächtig, da wir nicht wissen, wie wir auf diese Medienberichte reagieren sollen.

Fakt ist: Nein, hier wurde niemandem wegen einem Butterkeks gekündigt. Seit 2 Jahren gibt es Differenzen zwischen der Familie und dem Kindergarten.

(…) Auf die weiteren Vorwürfe können wir leider nicht eingehen. Das laufende Verfahren wird hier hoffentlich bald auch der Gegendarstellung Gehör verschaffen. Wir bitten Euch, die Medien sorgfältig zu prüfen. (…) Wir bedauern den Medienrummel, der auf den Kindergarten, den Erziehern und vor allem auf den kleinen Thore und seiner Familie hereinprasselt.

Die Eltern des Jungen haben sich unterdessen selbst mit einem Brief gemeldet. Laut shz.de heißt es darin:

Wir wurden von zwei Elternvertretern in Kenntnis gesetzt, dass nach dieser gewaltigen Presse-Lawine bezüglich der Kündigung des Betreuungsverhältnisses in der Kindertagesstätte Delingsdorf über die Betreuung unseres Sohnes Thore eine Welle von Hass auf die Gemeinde, die Kindertagesstätte und den Bürgermeister einschlägt. Wir distanzieren uns von diesem Hass und den Drohungen.

“Kein Bürger der Gemeinde” dürfe “darunter leiden oder bedroht werden”, zitiert shz.de die Eltern. “Zerstören Sie nicht den Dorffrieden und das Miteinander innerhalb der Gemeinde durch Androhungen und Hass.”

Doch “Bild” befindet sich immer noch im “Kita-Krieg” (der offenbar so etwas ist wie der inoffizielle Nachfolger des “Schnitzel-Krieges”). In einem Artikel über den “täglichen Kita-Ärger” empören sich in der heutigen Ausgabe erneut Eltern über die “Unverschämtheiten” in den deutschen Kindergärten. Und von “Thore (4) aus der Nähe von Hamburg” behauptet “Bild” immer noch, er sei “aus seiner ‘zuckerfreien’ Kita geworfen [worden], weil er Butterkekse in der Brotdose hatte”. Munition für die Kämpfer gegen den Ökoterror.

Der neueste Eintrag im Online-Gästebuch des Kindergartens (Stand heute Morgen) stammt übrigens von “Mama aus Delingsdorf”. Sie schreibt:

(…) Glaubt der Rest der Republik wirklich, dass ein ganzes Dorf seine Kinder in diesen Kindergarten geben würde, wenn die Umstände so wären, wie ihn manche Zeitungen beschreiben? Das bedeutet im Umkehrschluss, dass man einer ganzen Gemeinde unterstellt, sich nicht für das Wohl seiner Kinder zu interessieren und bei der Kindergartenwahl keine Sorgfalt walten zu lassen. (…) Ich nehme das beinahe persönlich.

(…) Unser Sohn geht gern in diesen Kindergarten. Die Menschen dort haben Lob und Anerkennung verdient und nicht Schimpf und Schande!

Liebe Kommentatoren: Es ist nicht immer alles so, WIE es in der Zeitung steht, nur WEIL es in der Zeitung steht.

Mit Dank an Robert G. und Martin.

Nachtrag, 1. April: Zwei Stunden nach Erscheinen unseres Eintrags sind auch die Leute von Bild.de zurückgerudert – oder sagen wir: Sie haben die Richtung gewechselt. Unter der Überschrift “Jetzt rollt eine Wutwelle durch das Dorf” heißt es:

Auf der Homepage des Kindergartens ist ein heftiger Streit entbrannt. Eltern wettern gegen Eltern, Unbekannte gegen Dorfbewohner, von “Öko-Terror” und Machtdemonstration ist die Rede. “Einem kleinen Kind den Keks zu verweigern, ist widerlich”, schreibt jemand.

Dass diese “Wutwelle” erst aufgrund der Springer-Medien losgerollt ist, erwähnt Bild.de natürlich nicht. Und natürlich zitieren sie auch keine jener Beschimpfungen, die nur deshalb geschrieben wurden, weil deren Verfasser im Glauben standen, der alleinige Kündigungsgrund sei der Keks gewesen.

Immerhin rückt Bild.de jetzt von dieser falschen Darstellung ab — und stellt statt eines kausalen nur noch einen zeitlichen Zusammenhang fest:

Thore hatte Butterkekse in seiner Brotdose, die Kita legt aber Wert auf die “zuckerarme” Ernährung im Haus. In der Folge gab es Streit und die Gemeinde kündigte den Vertrag mit Thores Eltern.

Auf der Internetseite des Kindergartens ist derweil folgender Hinweis veröffentlicht worden:

Leider haben sich in den letzten Tagen viele Menschen dazu berufen gefühlt, dieses Gästebuch für Beleidigungen und Bedrohungen zu missbrauchen.

Da sich hieraus auch polizeiliche Ermittlungen ergeben haben, sehen wir uns leider gezwungen, das Gästebuch vorübergehend zu schliessen.

Swing, Content Marketing, DSDS

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “An der plakativen Front: Eine Fälschung macht Geschichte”
(pophistory.hypotheses.org, Bodo Mrozek)
Hintergründe zum Schild “Swing tanzen verboten” im ZDF-Dreiteiler “Unsere Mütter, unsere Väter”.

2. “Content Marketing – die Rettung für den Journalismus?”
(lousypennies.de, Karsten Lohmeyer)
Karsten Lohmeyer denkt nach über “Content Marketing”: “Erst wenn die Unternehmen erkennen, dass sie mit eigenen aber journalistisch unabhängig produzierten Medien tatsächlich mehr erreichen können, als mit stumpfer Eigen-PR, die bei den meisten Lesern sofort im Papierkorb landet, funktioniert der Gedanke des Content Marketing wirklich – und es gibt ein weites Betätigungsfeld für kreative Journalisten.”

3. “Warum sich Journalisten auf Text-Roboter einstellen müssen”
(journalist.de, Hans-Arthur Marsiske)
Hans-Arthur Marsiske prüft, wie wahrscheinlich ein Einsatz von Robotern ist bei der Aufbereitung von Wetter, Wirtschaft, Sport, Gesundheit und Politik. “Journalisten werden sich auf Roboter als Kollegen einstellen müssen. Die Maschinen werden den Menschen nicht verdrängen, aber sie werden Platz beanspruchen.”

4. “Trotz der Sex-Posse”
(freitag.de, Dexter & Barnes)
Dexter & Barnes schreiben zur Berichterstattung über “Deutschland sucht den Superstar”: “Die ‘Bild’-Zeitung ist das inoffizielle Werbe-Organ des Senders RTL und froh stimmt daran eigentlich nur, dass viele das schon wissen und nicht jeder mehr darauf hereinfällt.”

5. “Why I left news”
(allysonbird.com, englisch, 19. März)
Warum Allyson Bird das News-Geschäft verlässt: “I finally came to accept that the vanity of a byline was keeping me in a job that left me physically and emotionally exhausted, yet supremely unsatisfied.”

6. “Wieso das RTL-Programm plötzlich im Ersten lief”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Ein technischer Fehler “mit einer sogenannten Kreuzschiene im Studio in Berlin-Adlershof”.

Fallen, Fallstricke, Fernsehfilme

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Die Kunst des Nichtssagens”
(cicero.de, Frank A. Meyer)
“Fallenstellen wird zum medialen Sport, ehrliche Sätze werden zum publizistischen Straftatbestand”, schreibt Frank A. Meyer zum Berliner Politikjournalismus. Peer Steinbrück habe doch nur geredet “wie ein Mensch, der sagt, was er denkt”. Dafür habe der Berliner Journalistenschwarm “die miefige Meldung vom geldgeilen Sozialdemokraten mit zunehmender Zuspitzung im ganzen Land” verbreitet: “‘Peer will mehr’, lautete die schäbigste Schlagzeile.”

2. “Die schönen Seiten”
(sojus.ch)
Nach zehn Jahren im Online-Journalismus notiert Sojus zehn Gründe, warum er seinen Job mag.

3. “Anwalt Himmelsbach: Das sind die größten Fallstricke beim Bloggen”
(lousypennies.de, Karsten Lohmeyer)
Medienanwalt Gero Himmelsbach nennt vier Bereiche, die Blogger besonders beachten sollten: “Die Schmähkritik. Ein Eingriff in die Privat- oder Intimsphäre anderer Personen. Verstöße gegen das Urheberrecht. Unwahre Tatsachenbehauptungen.”

4. “Niemandes Mutter, niemandes Vater”
(titanic-magazin.de, Stefan Gärtner)
Stefan Gärtner ist erstaunt, wie konsequent der ZDF-Fernsehfilm “Unsere Mütter, unsere Väter” “keine Nazis kennt und die paar, die er doch kennt, schon keine Menschen mehr sind.”

5. “‘Ich bin eine Charaktermaske'”
(faz.net, Timo Frasch)
Ein Interview mit Harald Schmidt: “Ich bin nie unkontrolliert. Auch zu Hause nicht. Das heißt: Wenn ich mit vier Tage getragener Unterhose ungeduscht Etüden spiele, dann weiß ich, dass ich das mache, und bin sozusagen immer noch mehr im Sinne von Feuerstein kein Mensch als 90 Prozent der Leute auf Deutschen Fernsehpreisen.”

6. “Die echten Menschen und die im Internet”
(dasnuf.de)
Das Nuf sieht “alte Menschen, die auf ihrem kleinen Balkon stehen und nach draußen schauen” und stellt sich das eigene Alter vor: “Ich möchte lieber auf meinem Bett liegen, ein leichtes, riesenhaftes Gadget auf dem Schoß haben und mit knorrigen Fingern Symbole anklicken als frierend und alleine auf einem Balkon stehen und in die Ferne schauen, so wie die Menschen, die nur Kontakt zu ‘echten Menschen’ hatten und haben.”

Bild  

Falschfahrer auf der sechsspurigen Autobahn

Am Mittag gab Eintracht Frankfurt bekannt, dass Trainer Armin Veh seinen auslaufenden Vertrag für ein weiteres Jahr verlängern wird:

Armin Veh bleibt Trainer von Eintracht Frankfurt. Nachdem in der vergangenen Woche die Vertragsmodalitäten festgelegt wurden, hat Cheftrainer Armin Veh dem Vorstandsvorsitzenden von Eintracht Frankfurt, Heribert Bruchhagen, am heutigen Morgen mitgeteilt, dass er seinen Vertrag um ein weiteres Jahr, bis 2014, verlängern wird.

Eine Nachricht, die für Leser und Mitarbeiter von “Bild” überraschend kommen dürfte. Allen voran für Alfred Draxler, stellvertretender Chefredakteur der Zeitung und Sportchef der “Bild am Sonntag”. Der gab sich nämlich am 16. März in seiner Kolumne “Nachgehakt” gut informiert und war sich sicher, dass Veh den Verein verlassen werde:

Veh nach Schalke! Sagt er es schon am Montag?

Und mit “sicher” meinen wir “richtig, richtig sicher”:

Denn dass Veh gehen wird, das ist so sicher wie die Tatsache, dass Bruchhagen keinem Hündchen etwas zu Leide tun könnte. Seine Entscheidung hat der Trainer auch schon zwei, drei Vertrauten im Verein mitgeteilt. Nur offiziell ist sie noch nicht!

Doch das könnte jetzt ganz schnell gehen. Holt Frankfurt Sonntag im Heimspiel gegen Stuttgart mindestens einen Punkt, dann gehen Insider davon aus, dass Veh in der kommenden Woche seinen Abschied verkünden wird. […]

Und was macht Veh? Sein Weg nach Schalke ist inzwischen schon so breit wie eine sechsspurige Autobahn. Auf Schalke fragten sich einige nach dem glanzvollen Derby-Sieg gegen Dortmund schon, ob Aushilfs-Trainer Keller vielleicht doch der Richtige sein könnte. Doch das bittere Champions-League-Aus gegen Galatasaray hat solche Gedanken endgültig zerstreut.

Keller macht seine Sache zwar viel besser, als nach den ersten Spielen befürchtet – aber der neue Schalke-Trainer heißt Veh. Wie gesagt: Nur offiziell ist es noch nicht…

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

Nachtrag, 21.25 Uhr: Auf der Facebook-Seite seiner “Nachgehakt”-Kolumne schrieb Draxler am Abend:

Liebe Freunde von “Nachgehakt”, Armin Veh verlängert in Frankfurt und ich gratuliere meinem Freund Heribert Bruchhagen. Meine Info, dass Veh nach Schalke geht, war also falsch und es tut mir leid, dass ich sie viel zu früh veröffentlicht habe. Dass Veh vor zwei Wochen der Eintracht noch definitiv erklärt hat, dass er geht, tut dann auch nichts mehr zur Sache. Sorry!

Das Stilmittel im vorletzten Satz nennt man übrigens “Paralipse”.

ZDF, Roma, Unsere Väter, unsere Mütter

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Ist das ZDF von gestern?”
(blog.zdf.de, Video, 61:28 Minuten)
ZDF-Intendant Thomas Bellut stellt sich der Kritik am ZDF. Mit in der Diskussionsrunde: Tim Renner, Helmut Thoma und Stefan Niggemeier (hier komprimiert auf 3:10 Minuten). Siehe dazu auch “50 Jahre ZDF: Specken Sie mal bitte ab!” (spiegel.de, Daniel Bouhs).

2. “Schwierige Berichterstattung über Roma”
(ndr.de, Video, 7:36 Minuten)
Zapp prüft die Zahl der 147.000 Menschen, die aus Rumänien und Bulgarien 2011 in Deutschland eingewandert sind – dabei sind jene nicht abgezogen, die wieder in ihre Heimat zurückgegangen sind. Gekommen sind zudem nicht nur Armutszuwanderer, sondern zum Beispiel Ärzte. Siehe dazu auch “Das umkämpfte Haus” (zeit.de), ein Besuch von Dagmar Rosenfeld und Özlem Topcu in Duisburg.

3. “Fußball-Internet-Radio: Die DFL zieht bei 90elf den Stecker”
(stehplatzhelden.de, Jan Bechler)
90elf verliert die Internet-Audioübertragungsrechte der Fußball-Bundesliga an Sport1. “90elf hat hier einen neuen Markt geschaffen, den es vorher nicht gab. Einen Markt, den die DFL bis dato selber nicht einmal kannte. Als 90elf die Rechte für die Liveberichterstattung erstmalig erworben hat, wusste die DFL nicht einmal, dass es diese gibt und dafür eine Nachfrage existiert.”

4. “Political Correctness: Die Kultivierung des Misstrauens”
(novo-argumente.com, Matthias Heitmann)
Matthias Heitmann denkt nach über Politische Korrektheit: “Die sich ausbreitende neue Kultur der politischen Korrektheit basiert keinesfalls auf einer freieren gesellschaftlichen Moral. Sie bedient sich teilweise sogar noch autoritärer und tyrannischerer Methoden als die vorangegangene, da sie die robuste Autonomie und die aktive Handlungsfreiheit des Menschen nicht einmal mehr theoretisch für grundlegend erachtet. Stattdessen trachtet sie danach, den Menschen möglichst umfassend vor eigenem oder fremden Fehlverhalten zu schützen – also auch vor sich selbst und auf Kosten seiner Freiheit.”

5. “Wir armen Täter”
(ksta.de, Tobias Kaufmann)
“Wir Täter hatten’s auch nicht leicht”, sei der moralische Unterton des ZDF-Dreiteilers “Unsere Väter, unsere Mütter”: “Ausgerechnet eine Gesellschaft, in der im Eifer des Gefechts schon mal jeder amerikanische Investor als Heuschrecke und jeder Waffenbesitzer als potenzieller Amokläufer diffamiert wird, ist nun zur besten Sendezeit mit sich selbst gnädig.”

6. “78. unseremütterunsereväter.”
(vague.antville.org, Peter Praschl)

Woher kommt der Hass?

Timo Hildebrand, der Torwart des FC Schalke 04, ist auf Facebook beleidigt worden. Ein Nutzer hatte unter anderem geschrieben, Hildebrand solle sich erschießen. Nachdem der Fußballer auf den Eintrag hingewiesen hatte, berichtete auch “Bild” in der gestrigen Ausgabe über die “fiese und feige” Attacke gegen den Torwart:

Hildebrand - Die Grenze ist überschritten. [Nächster Artikel:] Internet, Hausbesuche, Telefon! Immer mehr Spieler bedroht

Das Blatt stellt fest, dass es “immer mehr Spieler” gibt, die von den eigenen Fans bedroht werden:

Die Fan-Wut eskaliert. Im Visier immer häufiger die Spieler der eigenen Vereine. Timo Hildebrand ist nicht der erste Profi, der bei facebook attackiert wurde. (…)

Woher kommt der Hass gegen eigene Spieler?

Ja – woher nur?

Bild.de, 28.02.2012:

(…) Ob‘s die Hertha-Luschen jetzt kapiert haben?

04.03.2012:

So verspielen die Schalke-Schlaffis ALLES!
Nach dem leidenschaftslosen 1:2 in Freiburg fällt Schalke in Schock-Starre. Nur ein Sieg aus den letzten fünf Liga-Spielen, drei Auswärtspleiten in Folge.

(…) So verspielen Schalkes Schlaffis ALLES! (…) Königsblau in der Krise. Auch, weil bei den meisten die Einstellung nicht stimmt. (…) So verspielen Schalkes Schlaffis ALLES – und Heldt ist nur noch ein Ratlos-Manager! (…) Schon Donnerstag in der Europa League in Enschede MUSS Schalke wieder auf viele der Schlaffis setzen.

07.03.2012:

(…) Denn schon jetzt ist die sportliche Entwicklung [des 1. FC Köln] desaströs, ein Aufwärtstrend nicht erkennbar. Der Kader ist schwach – auch charakterlich. Die Spiele sind schlecht. Und zu viele Spieler haben die Bezeichnung PROFI nicht verdient.

17.03.2012:

(…) Die Leistung der Hamburger desaströs (sechsmal Note 6). In dieser Verfassung ist der HSV (Platz 14) der gegenwärtig größte Trümmerhaufen der Liga.

20.03.2012:

(…) Fazit: Die Hertha-Schlaffis sind ein kopfloser Haufen.

13.08.2012:

(…) Das bekamen seine Frankfurt-Versager gestern deutlich zu spüren.

13.08.2012:

Luhukay stampft seine Stars in die Mülltonne

(…) Nach nur zwei Spielen geht Hertha-Trainer Jos Luhukay auf seine Versager los.

14.08.2012:

Das tut den Fans schon beim Hinschauen weh! Und hoffentlich auch Herthas Schlaffi-Profis! (…) Hey, Hertha-Schlaffis. Relegation – kennt ihr ja schon!

(…) Gott sei Dank ist mit Alarm-Macher Luhukay ein Typ da, der es nicht so weit kommen lassen wird, dass sich Hertha nächstes Jahr mit Unterhaching, Osnabrück oder Bielefeld duellieren muss.

Aber ob er diese Schlaffi-Profis zum Aufstieg treiben kann, daran sind gerade erste Zweifel angebracht – unabhängig vom derzeitigen (Relegations-)Tabellenplatz…

15.08.2012:

Luhukay: Jetzt schleift er die Schlaffis

20.08.2012:

POKAL-AUS NACH 1:2! ABSTURZ GEHT WEITER - Wollt ihr uns verar...?Diese Mannschaft ist nur noch peinlich…

Hertha blamiert sich mal wieder im DFB-Pokal, fliegt 1:2 bei Viertligist Worms in der 1. Runde raus. Fehlstart in der Liga, Pokal-Aus beim Amateur-Klub – WOLLT IHR UNS EIGENTLICH VERARSCHEN?

(…) Die Fans haben jedenfalls die Schnauze voll, skandierten in Richtung der Spieler: “Ihr seid so lächerlich!” Typisch, dass die Versager nach Abpfiff wortlos in den Bus schlichen. (…) Zwei Tage Geheimtraining, mehrmalige Gegner-Beobachtung – wofür eigentlich? Hertha nur noch peinlich!

25.08.2012:

(…) Nach der 0:4-Schande von Berlin geht‘s für seine Pokal-Versager [TSG Hoffenheim] aber gleich um viel mehr als nur Wiedergutmachung:Gladbach wird zum Charakter-Test!

28.08.2012:

HERTHA BSC - Endlich! Luhukay räumt den Sauhaufen auf
Satte Möchtegern-Stars, lasche Einstellung, null Leidenschaft.

Diese katastrophale Mischung hat Trainer Jos Luhukay (49) seit Dienstantritt im Juni als “Hertha-Krankheit” und Grund für den sportlichen Niedergang diagnostiziert. Und er kämpft mit allen Mitteln dagegen an.

ENDLICH! Nur 15 Tage nach seiner Frankfurt-Wutrede geht der Holländer erneut gegen seine Schlaffis vor, räumt vorm Derby am Montag bei Union den Sauhaufen auf.

(…) Luhukay hat nach seiner ersten Wutrede noch lange nicht fertig. Als das Trainingsspiel beginnt, knöpft er sich Spieler um Spieler vor. Lesen Sie das Protokoll seines Rundumschlags!

30.08.2012:

Allofs warnt vor den HSV-Schlaffis

05.09.2012:

Hier quält Babbel seine Versager

15.09.2012:

Magath begnadigt zwei Versager
Spiele wie diese nennen Trainer “Abnutzungskampf”. BILD nennt sie Schlafpille! Augsburgs 0:0 gegen Wolfsburg war der bisher größte Langweiler der Saison. (…) Unterhaltsam war höchstens, wie VfL-Torwart Benaglio nach einem Rückpass seinen eigenen Abwehrchef Pogatetz aus zwei Metern kernig umschoss (4.).

17.09.2012:

WAS IST BLOSS MIT DEM HOFFENHEIM-TORWART LOS? - SCHIESSBUDE WIESE

22.09.2012:

Heldt sauer auf die Schalke-SchlaffisErst Pfiffe, dann eisiges Schweigen ihrer Fans. Höchststrafe für die Schalker Versager!

23.09.2012:

FC Hasenfuß 04 -- Kein Mut - Keine Chance - Keine Leidenschaft
Aufgabe wegen Unterlegenheit! (…) Schalkes Schlaffis ergaben sich den Bayern bereits nach 58 Minuten und beerdigten ihre heimlichen Titel-Träume. (…) FC Hasenfuß 04! (…) FC Hasenfuß 04! (…) Schalkes Profis wollten beweisen, dass sie endlich etwas näher an die Bayern herangerückt sind. Stattdessen stolperten sie (bis auf eine starke Viertelstunde vor der Halbzeit) wie Amateure durch die Arena. (…) FC Hasenfuß 04!

01.10.2012:

GLADBACH-TRAINER FAVRE - Abrechnung mit seinen Versagern
Der Gladbach-Absturz! (…) BUHRUSSIA! (…) Borussia-Trainer Lucien Favre (54) nagelt gegen die Gladbach-Versager gnadenlos. (…) BUHRUSSIA!

01.11.2012:

(…) Zu viel Larifari, da lässt Luhukay seine Luschen laufen!

01.11.2012:

Neuhaus droht Pokal-Schlaffis mit harter Welle

24.11.2012:

(…) Note 6 für elf 96-Profis.

09.12.2012:

Werders Tor-Trottel

13.12.2012:

AM RASEN KANN'S NICHT LIEGEN... - Stevens' Schlaffis haben keine Ausreden mehr

15.12.2012:

(…) Zehnmal BamS-Note 5 oder 6 für die HSV-Versager!

02.01.2013:

(…), als die Hinrunden-Versager [TSG Hoffenheim] nach exakt zwei Stunden müde und kaputt in die Katakomben schlichen.

04.02.2013:

LAUFFAUL, ABWEHRSCHWACH, KEINE PUSTE - Heldt droht Schalke-Versagern

11.02.2013:

(…) Die grausamen Szenen aus Sandhausen kriegen Paulis Versager morgen noch mal zu sehen. Video-Analyse!

12.02.2013:

Rüttelt er damit die Schalke-Versager wach?

15.02.2013:

(…) Der Trainer verspricht einen mutigen und offensiven Auftritt seiner Auswärts-Schlaffis [Hannover 96].

17.02.2013:

Neue Pleite für Hoffnungslosheim

18.02.2013:

(…) Dann hat Müller noch einen Tipp für seine Versager [TSG Hoffenheim].

21.02.2013:

(…) Es ist das bisher wichtigste Spiel der Vereinsgeschichte!

Die Loser aus Hoffenheim, die trotz Verstärkungen für zehn Millionen Euro in der Winterpause weiter abstürzten, beim letztjährigen Aufsteiger.

24.02.2013:

Die Hoffenheimer Versager führten Zweikämpfe zerbrechlich wie Ballett-Tänzer.

24.02.2013, (BILDblog berichtete):

MÜLLHALDE HOFFENHEIM - 300 Mio Euro in die Tonne getreten
Hoffenheim nur noch mega-peinlich…

1899 Hoffenheim taumelt nach der peinlichen 1:2-Pleite in Augsburg wehrlos Richtung Zweiter Liga. Zehn Niederlagen aus den letzten zwölf Spielen – Absturz auf Abstiegsplatz 17.

Auch die neuen 1899-Trikots in grellem Müllmann-Orange brachten nicht die erhoffte Wende.

MÜLLHALDE HOFFENHEIM!

So tritt die seelenlose Söldnertruppe die 350 Millionen Euro, die Mäzen Dietmar Hopp in den letzten 20 Jahren in den Klub investiert hat, in die Tonne!

25.02.2013:

(…) Ein Spiel Bewährung für die Hannover-Versager.

10.03.2013:

10 MAL NOTE 6 - Die FÜRTHerlichen - Bundesliga sagt DANKE für Nichts!

16.03.2013:

Jetzt muss Schluss sein mit den roten Auswärts-Schlaffis [Hannover 96]!

16.03.2013:

(…) Trainer Markus Weinzierl (38) erwartet jedoch eine Trotzreaktion seiner Derby-Versager [FC Augsburg].

16.03.2013:

Jones staucht Schalke-Schlaffis zusammen
(…) Schalkes Offensive versagte krass. Obasi – Note 6! Raffael – Note 6! Bastos und Pukki – Note 5!

Am selben Tag, die “Schalke-Schlaffis” kamen gerade vom “kläglichen” 0:3 in Nürnberg zurück, erhielt Timo Hildebrand die beleidigende Nachricht auf  Facebook. Drei Tage später fragte “Bild”:

Woher kommt der Hass gegen eigene Spieler?

Maischberger, Jorge Mario Bergoglio, Tosca

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “WDR zahlte Honorar nach Quote”
(ksta.de, Anne Burgmer)
Bis vor Kurzem war das Honorar von Sandra Maischberger für die ARD-Talkshow “Menschen bei Maischberger” abhängig von der Einschaltquote.

2. “85-Euro-Journalismus – eine Wutrede”
(webvideoblog.de, Martin Heller)
Eine Stellenanzeige bietet 85 Euro für “Drehen, Schneiden, Vertonen, Upload, sogar mit eigenem Technik-Equipment”. Siehe dazu auch “Liebe DNN” (facebook.com, Frank Dehlis).

3. “Die irren Scheichs eben”
(taz.de, Andreas Rüttenauer)
Fußball: Wird die “Dream Football League” die neue Konkurrenz der “Champions League”? Wohl eher nicht. Siehe dazu auch “Qatar Football Association denies plans for ‘Dream Football League'” (bbc.co.uk, englisch).

4. “Im Landtag unerwünscht”
(kontextwochenzeitung.de, Hermann G. Abmayr)
Ein Interview mit Anton Hunger, Autor des Buchs “Blattkritik: Vom Glanz und Elend der Journaille”: “Man korrumpiert – und ich setze das Wort hier in Anführungszeichen – man ‘korrumpiert’ einen Journalisten am leichtesten mit einer Geschichte. Das kann auch eine Geschichte über einen Wettbewerber sein.”

5. “John Allen Jr.: The Man Who Picked the Pope”
(world.time.com, David Von Drehle, englisch)
John Allen Jr. vom “New Catholic Reporter” schrieb am 3. März ein ausführliches Porträt von Jorge Mario Bergoglio, auf das alle stießen, die nach dessen Wahl zum Papst die Suchmaschinen bedienten. “The fact that Allen, virtually alone, gave props in advance to the eventual pope was a vindication of his own hard-won expertise in covering one of the world’s most opaque bureaucracies.”

6. “‘Tosca’ ist mein Pony”
(ankegroener.de)
Anke Gröner singt die Arie “Vissi d’arte” aus der Puccini-Oper “Tosca” (hier interpretiert von Maria Callas).

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“Bild” verwahrt sich gegen Leverkusen-Kritik

Gestern hatten wir berichtet, dass sich Bayer 04 Leverkusen und Trainer Sami Hyypiä gegen Berichterstattung von “Bild” verwahren, wonach ein Bruch zwischen Hyypiä und seinem Trainerkollegen Sascha Lewandowski bevorstehe.

Timm Detering, bei “Bild” für Bayer Leverkusen zuständig, schreibt heute ungerührt weiter den baldigen Bruch herbei und erwähnt die Mitteilung des Vereins mit keinem Wort. Das hat allerdings hat Walter M. Straten übernommen, Chef des Sportressorts von “Bild”.

In seinem Kommentar lehnt sich Straten mindestens so weit aus dem Fenster, wie es Leverkusen gestern getan hatte, und bezichtigt den Verein und vor allem Sami Hyypiä der Lüge:

Die Leverkusener Bosse Holzhäuser und Völler antworteten gestern auf der Homepage mit einem Dementi: Alles falsch, das habe Hyypiä nie so gesagt! Und dann faseln sie noch von einer “Kampagne”.

Was für ein Quatsch! Hiermit dementieren wir das Dementi.

Hyypiä will von seinen eigenen Aussagen nichts mehr wissen. Und Leverkusen versucht, das Trainer-Pärchen über die Saison zu retten.

Sind falsche Dementis da der richtige Weg? Vielleicht sollten die Leverkusener es mit der Wahrheit probieren…

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Leverkusen verwahrt sich gegen “Bild”-Bericht

In der Politik, der Wirtschaft, vor allem aber im Sport ist es gerne so, dass ein Medium eine anstehende Personalentscheidung vermeldet, die dann von den Betroffenen dementiert wird — und am Ende liegt das Verhältnis, wer recht hatte, ziemlich genau bei 50:50.

Seit längerem will die Kölner Sportredaktion von “Bild” beobachtet haben, dass es bei Sascha Lewandowski und Sami Hyypiä, dem Trainer-Duo von Bayer 04, nicht rund läuft.

Am Montag schrieb “Bild”:

Hyypiäs Trainer-Partner lässt es nämlich mit Aussagen über das Trainer-Modell in einem ZDF-Beitrag im Bayer-Gebälk krachen: “Es ist schon schwierig, das Tag für Tag zu leben. Kurzfristig ist es sicherlich eine sehr gute Entscheidung. Mittel- und langfristig macht es bestimmte Sachen auch schwieriger.”

• BILD hat es schon seit Monaten beobachtet: Es war auffällig, wie sich Lewandowski rund ums Spiel und an der Seitenlinie in den Vordergrund schob.

• Jetzt die Bestätigung für die Bilder und Worte der letzten Wochen: Lewandowski passt seine Rolle nicht, er nimmt sich wichtiger als er ist.

Gestern brachte “Bild” die gleichen Zitate in der Bundesausgabe einfach noch mal:

Da haben sich zwei auseinander trainiert…

Es kriselt bei Leverkusens Trainer-Duo. Sascha Lewandowski (41) stellte im ZDF-Sportstudio die Doppel-Lösung mit Sami Hyypiä (39) in Frage: “Es ist schon schwierig, das Tag für Tag zu leben.” Ist im Sommer Schluss?

Heute nun vermeldete “Bild” in der Kölner Regionalausgabe, die “Pärchen-Krise bei Leverkusen” spitze sich zu:

SAMI HYYPIÄ: "Ohne Lewandowski wäre einiges leichter"

Laut “Bild”-Reporter Timm Detering “scheint” es, dass es “schon jetzt zum Bruch kommt”:

Gestern, 12.54 Uhr: Nach dem Training stapft Lewandowski durch den Hintereingang in die Kabine.

Ganz anders Hyypiä!

Der Finne spricht mit BILD über seine Zukunft in Leverkusen, sagt ganz offensiv: “Vielleicht werde ich es hier irgendwann alleine machen!”

Er erklärt: “Dass diese Konstellation nicht einfach für uns beide ist, habe ich ja schon mehrfach gesagt. Zurzeit muss ich alles erst mit Sascha absprechen.”

Dann wird er deutlich: “Wenn ich das dann nicht mehr müsste, würde das natürlich einiges leichter machen. Dann könnte ich die Entscheidungen alleine treffen.”

Starke Worte – zumal Hyypiä und Lewandowski (beide Vertrag bis 2015) offiziell gleichberechtigt arbeiten.

Trennt sich das Bayer-Pärchen im Sommer?

Bayer 04 Leverkusen sah sich nach eigener Aussage “genötigt”, der “Bild”-Darstellung in einer Pressemitteilung ungewohnt deutlich zu widersprechen: In der von Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser und Sportdirektor Rudi Völler unterzeichneten Mitteilung heißt es, die von “Bild” “transportierte vermeintliche Absicht”, Hyypiä strebe eine Trennung von Lewandowski an, entbehre “jeglicher Grundlage”:

Deutlicher noch, sie entspricht nicht der Wahrheit!

Die in der Überschrift mehr als latent transportierte vermeintliche Absicht Hyypiäs entspricht möglicherweise dem Wunschdenken der Bildzeitung – die Berichterstattung des Blattes über Sascha Lewandowski in den vergangenen Wochen und Monaten lässt diesen Schluss zu. Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass die Formulierung schlichtweg nicht von Sami Hyypiä stammt – wie in dem Artikel suggeriert. Hyypiä zu der ihm unterstellten Aussage: “Das ist nicht die Wahrheit, das habe ich definitiv nicht gesagt.”

Sami Hyypiä selbst und Bayer 04 Leverkusen verwahren sich gegen die heutige Berichterstattung der Bildzeitung. Der dargestellte bevorstehende “Bruch” zwischen Hyypiä und Sascha Lewandowski ist ein Fantasieprodukt des Autors. Aus Sicht des Vereins ist der Artikel die offensichtliche Zuspitzung einer Kampagne gegen Sascha Lewandowski, die in dieser Form nicht mehr hinnehmbar ist.

Dass in der professionellen Zusammenarbeit gleichberechtigter Personen immer auch Kompromisse vonnöten sind, um erfolgreich zu sein – dies und nichts anderes haben sowohl Sami Hyypiä als auch Sascha Lewandowski zum Ausdruck gebracht. Und zwar bereits mehrfach in den vergangenen Monaten, in Interviews mit diversen Medien und nicht erst im Rahmen von Hyypiäs Auftritt im Aktuellen Sportstudio des ZDF am vergangenen Wochenende, an dem die Bildzeitung dieser Tage nun Anstoß nimmt.

Im Sommer wissen wir vielleicht mehr.

Wobei sich “Bild” vermutlich nur an ihre Prognosen erinnern wird, wenn es in Leverkusen tatsächlich zum “Bruch” kommen sollte.

Mit Dank an Martin, Langzeitgedächtnis, Flo L., Marc W., Frank B., Eliano und Marco.

So jung kommen wir nicht mehr zusammen

Als Julian Draxler am Samstag für den FC Schalke 04 in der Bundesliga auflief, war er mit 19 Jahren und 170 Tagen der jüngste Bundesligaspieler, der sein 100. Pflichtspiel für seinen Verein absolviert hat.

Ein (etwas bemüht wirkender) Rekord, den die Autoren von sportbild.de einzuordnen versuchen:

Der in Gladbeck vor den Toren Gelsenkirchens geborene Draxler eilt bereits von Rekord zu Rekord. Am 15. Januar 2011 gab er mit 17 Jahren und 117 Tagen als jüngster Bundesligaspieler sein Debüt.

Das stimmt so nicht: Zwar war Draxler damit der jüngste Bundesligaspieler des FC Schalke 04, aber den eigentlichen Rekord des jüngsten Bundesligaspielers überhaupt hält ein Spieler von Borussia Dortmund: 16 Jahre und 335 Tage alt war Nuri Şahin, als er am 6. August 2005 erstmalig für den BVB auflief.

Die offizielle Datenbank von bundesliga.de listet Draxler als viertjüngsten Bundesliga-Debütanten:

Mit Dank an Markus K.

Nachtrag, 13. März: Offenbar schon gestern hat sportbild.de den Satz unauffällig geändert:

Am 15. Januar 2011 gab er mit 17 Jahren und 117 Tagen als jüngster Schalker Bundesligaspieler sein Debüt.

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