Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].
1. “Alle auf Apple” (computerbase.de, Patrick Bellmer)
Der “Apple-Zulieferer” Foxconn: “Foxconn produziert für nahezu jedes namhafte Unternehmen der IT-Branche; Nokia, Sony, HP, Acer, Amazon, Dell, Intel, Microsoft, Nintendo und Toshiba sind nur einige der Namen derer, die es vorziehen, ihre Smartphones, Konsolen, Notebooks und andere Produkte unter umstrittenen Arbeitsbedingungen billig produzieren zu lassen. Das ist in vielen Teilen der Gesellschaft aber nicht einmal bekannt, da Medien es sich zur Aufgabe gemacht haben, bei jeder Meldung über Foxconn immer auch und nur Apple zu nennen.”
2. “Xbox One und die Sensorleiste Kinect als Wurzel des Bösen” (stadt-bremerhaven.de, caschy)
Die Sensorleiste Kinect der Xbox One: “Diese Neuerungen können natürlich Schaden anrichten, wenn sie manipuliert werden. Aber diese Gefahr gibt es seit gefühlten 100 Jahren, denn mittlerweile hat jeder aktuelle Laptop eine Webcam verbaut, die durch Manipulation zu Big Brother werden könnte.”
4. “In Diekmanns Armen” (zeit.de, Daniel Erk)
Politiker und das Internet in den Medien: “Auch zwanzig Jahre nach der Einführung des Browsers gilt das Netz den hiesigen Politikern nicht einfach als Alltagsmedium, sondern immer noch als Ausweis einer metaphysischen Zukunftskompetenz.”
5. “Als starke Männer weinten” (nzz.ch, Christoph Fisch)
Christoph Fisch erinnert an eine Etappe des Giro d’Italia im Jahr 1988: “In der Abfahrt musste ich erst die Bremsen von Hand enteisen. Zum Glück war es in der Höhe eine Schotterstrasse, auf der der Schnee nicht so schnell gefror wie auf Asphalt. Zuschauer und Mechaniker rannten hin und her, im Unwissen, ob das Rennen überhaupt noch im Gang war. Ein Carrera-Mechaniker trug diesen tollen Goretex-Ganzkörperanzug – was hätte ich dafür gegeben!” Siehe dazu auch “‘Die Linthebene brachte uns fast um'” (nzz.ch, cf.)
Unter www.focus.de verbreiten Sie am 10.05.2013 unter der Überschrift “Bewährungsstrafe für Bushidos Freund” unter Bezugnahme auf die “Bild”-Zeitung, ich sei in einem Prozess, in dem ich mich “offenbar wegen Beihilfe bei einer Bedrohung aus dem Jahr 2010 vor Gericht verantworten” musste, zu einer “Bewährungsstrafe von vier Monaten” verurteilt worden.
Hierzu stelle ich fest: Ich wurde nicht verurteilt, sondern auf Antrag der Staatsanwaltschaft freigesprochen.
Berlin, den 14. Mai 2013
Arafat Abou-Chaker
Nun könnte man sagen: Schön blöd von der Agentur SpotOn, das einfach aus der “Bild”-Zeitungabzuschreiben. In diesem Fall müsste es aber heißen: Schön blöd, das falsch aus der “Bild”-Zeitung abzuschreiben. Die schrieb nämlich nicht, dass Arafat Abou-Chaker, der “Boss des Abou-Chaker-Clans”, zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, sondern sein Bruder Yasser.
Andererseits: Yasser, Arafat. Wer kann schon ahnen, dass das nicht mehr nur eine Person ist.
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2. “Der Boulevard auf der Anklagebank” (nzz.ch, Jörg Krummenacher)
Vor dem Kreisgericht in Flawil: “In bemerkenswerter Offenheit hatte sich ‘Blick’-Blattmacher Urs Helbling bei der Vernehmung gegenüber dem Staatsanwalt geäussert. Es spiele beim ‘Blick’ keine Rolle, bestätigte er, ob Bilder illegal besorgt würden, solange sich der eigene Journalist nicht strafbar mache. Amtsgeheimnis- oder Persönlichkeitsverletzungen dritter Personen würden hingegen in Kauf genommen.”
3. “SRG-SRF: Der Einzeltäter und das Establishment” (infosperber.ch, Robert Ruoff)
Robert Ruoff beschäftigt sich mit den vom Schweizer Fernsehen nachträglich in einen Beitrag eingefügten Fangesängen: “So hat der Einzeltäter in der Sportredaktion des Schweizer Fernsehens doch nur im Interesse der versammelten Obrigkeit gehandelt. Im Interesse des Schweizerischen Fussballverbands und der Vereine, die ihre plakativen Anstrengungen gegen die Fan-Gewalt mit dem neuen Konkordat ungestört über die Bühne ziehen wollen. Im Interesse der Kantonalen Justizdirektoren, die damit politische Handlungsfähigkeit demonstrieren. Vielleicht auch im Interesse von Vermarktungs-Unternehmen, die ebenfalls eine heile, Politik-freie Sportwelt präsentieren wollen (alles andere wäre geschäftsschädigend).”
5. “Mensch gegen Maschine: Radioleute, das kommt auf euch zu” (besser-optimieren.de, Nils Glück)
Nils Glück setzt der Nachrichtensprecherin des Deutschlandfunks die Leistung eines Sprachautomaten entgegen: “Leichte Schwierigkeiten hat die Software noch mit englischen Wörtern, die in deutsche Sprache eingebettet sind. Aber ansonsten: Nicht schlecht!”
Seit vergangenem August läuft in “Bild” die Serie “50 Jahre Bundesliga”, in der die Sportredaktion jede Woche zurückblickt: Bunte Anekdoten, “legendäre Fotos” und die jeweilige Abschlusstabelle sollen den Leser an längst vergangene Bundesligaspielzeiten erinnern.
Die gestrige Rückschau auf die Saison 2000/2001 fiel ein bisschen ausführlicher aus als sonst, was damit zusammenhängen könnte, dass es eigentlich nur am Rande um Fußball ging — und hauptsächlich um “Bild”:
Detailliert beschreibt Vim Vomland, über viele Jahre der ganz persönliche Christoph-Daum-Beauftragte von “Bild”, wie das damals war, als Christoph Daum das Land verließ, nachdem seine Haarprobe positiv auf Kokain getestet worden war.
Und mit “detailliert” meinen wir so was:
21. Oktober: Ich, der BILD-Reporter, telefoniere gegen 13 Uhr mit Daums Lebensgefährtin Angelika. Sie sagt einen ungeheuerlichen Satz:
“Der Test bei Christoph ist so, als hätte er eine Lkw-Ladung genommen.” Ihre Worte dröhnen in meinen Ohren.
Um 13.45 Uhr fliegt Daum mit dem Lufthansa-Jumbo in der First-Class auf Platz 83 C von Frankfurt nach Miami.
Vomland flog damals hinterher (“Nur mit einem grauen Anzug, ohne Gepäck, aber mit BILD-Fotograf Andreas Pohl”) und versuchte alles, um den frisch entlassenen Trainer von Bayer Leverkusen zu finden.
Doch erst hatte er kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu:
24. Oktober: Daum feiert seinen traurigsten Geburtstag (den 47.). Wir spüren sein Versteck auf. Das Privat-Resort “Windstar”. Ich bekomme Einlass in die Anlage unter dem Vorwand, eine Mitgliedschaft im Golf-Club kaufen zu wollen. Doch in der Villa eines Freundes ist von Daum nichts zu sehen. Wir mieten uns im “Hilton” auf Marco Island, 30 Kilometer südlich von Naples, ein.
Was wir nicht ahnen konnten: Daum wohnt in dem Augenblick nur 100 Meter in einer Strand-Villa entfernt. Als Calmund erfährt, wo die BILD-Reporter absteigen, lässt er Daum durch die Hotel-Tiefgarage vom gemeinsamen Freund Mark Dillon wegbringen. Von Naples ins neue Versteck nach Orlando Altamonte Springs.
Und so beschreibt Vomland, wie tagelang erst nichts und dann wenig passierte:
2. November: Bei mir klingelt um 11.18 Uhr das Handy. “What’s up Maria? – Was gibt es Maria?” Es ist Christoph Daum! Er gehört zu den wenigen, die meinen Taufnamen kennen. Daum: “Mir geht es gut, mich findet keiner.” Auf meinen Vorschlag (“Lass uns treffen!”) antwortet er: “Ich weiß nicht. Mach es gut. Kopf hoch.”
Vomlands hyperaktive Berichterstattung über den “flüchtigen” Daum sorgte schon damals für Erheiterung bei anderen Journalisten, wie zeitgenössische Texte von “Spiegel Online” und der “Berliner Zeitung” zeigen.
Es gab dann aber doch noch ein Happy End:
3. November: [“Daum-Freund” Mark] Dillon ruft an: “Christoph will dich sehen. Aber allein. Halte dich in der Church Street in Downtown Orlando bereit.”
In dem Vergnügungsviertel tippt mir Dillon um 12.47 Uhr auf die Schulter. Durch den Hinterausgang eines Irish Pub geht es über Feuerleiter, Treppen, Hinterhöfe, Parkplätze zu Dillons Auto. Dort werden mir die Augen verbunden. 25 Minuten später halten wir.
Über eine Hintertreppe landen wir in einem Büro im 1. Stock. Da sitzt Daum und lacht: “Mensch, Maria, wo ist dein Problem?”
BILD hat Daum gefunden!
“Gefunden”, so so.
Man kann sich das gut vorstellen, wie Vim Vomland bei einer Treibjagd durch den Wald pflügt, haufenweise unwichtige Details an die Redaktion durchgibt und am Ende dann mit verbundenen Augen von einem Eichhörnchen zum Hirschen geführt wird. Der Hirsch sagt: “Ich habe auf Dich gewartet”, und Vomland ruft: “Ha! Gefunden!”
Alternativ wäre man gerne dabei gewesen, in der Kindheit von Vim Vomland, als er mit den Nachbarskindern Verstecken gespielt hat und immer “Hab dich”, gerufen hat, wenn die anderen Kinder nach Stunden aus ihrem Versteck krochen.
Wirklich ergiebig war das Interview nicht, wie Vomland auch zwölfeinhalb Jahre später noch andeutet:
30 Minuten reden wir über Calmund, seine Kinder, seine US-Zeit, seine nächtliche Hotel-Flucht. Daum: “Vim, sage allen, dass es mir gut geht. Ich hoffe, wir sehen uns unter erfreulicheren Bedingungen wieder.”
Tatsächlich hat Daum damals offenbar so wenig gesagt, dass Vomland seinen Text in “Bild” vom 4. November 2000 mit banalen Details strecken musste. Aber das konnte er damals schon gut:
Der verschollene Daum. Hockt da, hinter einem Holztisch auf einem der sechs grauen Stühle. Füllt irgendwie den ganzen beigefarbenen Neun-Quadratmeter-Raum. Hinter ihm ein Fenster mit Markise. Daum trägt ein hellblaues Hemd (Button down), eine pinkfarbene Krawatte, eine dunkelblaue Sommerhose, graue Slipper. Sein Gesicht ist gebräunt. Und: Sein Haar ist um etwa die Hälfte kürzer als zuletzt in Leverkusen.
Die tatsächlichen Antworten Daums damals lassen sich in etwa so zusammenfassen: “Dazu sage ich nichts”, “Mehr dazu nicht”, “Du kannst mit mir reden, aber dazu kein Kommentar.”
Dafür erklärte “Bild” damals das besondere Verhältnis zwischen Daum und Vomland:
Christoph Daum (47) und Vim Vomland (45) – der Trainer und der BILD-Reporter aus Köln. Sie kennen sich schon seit dem Winter ’76. Damals waren sie beide Studenten der Sporthochschule Köln. In der Mensa kamen sie erstmals ins Gespräch. Als Daum Jugendtrainer beim 1. FC Köln war, berichtete Vomland als junger BILD- Mitarbeiter über diese Spiele. Und später über Daums Aufstieg. Intensiv wurde der Kontakt ab Juli 1996: Daum wechselt zu Bayer Leverkusen. Den Klub, über den Vomland fast täglich berichtet. Der Reporter war dabei, als Daum am Tag vor seinem 45. Geburtstag bekannte: “Vim, ich verlasse meine Familie.” Der Reporter erlebte Daum nach dem Unterhaching-Desaster: “Er fiel in sich zusammen. Er tat mir leid.” Jetzt war Vomland der erste Journalist, der Daum nach seiner überstürzten Abreise nach Florida gesprochen hat.
Sogar die “Welt” bezeichnete Vomland damals als Daums “zu Berühmtheit gelangten Spezi”.
Heute schreibt Vim Vomland noch immer für den Sportteil von “Bild”, nur Christoph Daum scheint er seit 2011 nicht mehr gefunden zu haben.
Die BVB-Profis Neven Subotic und Mats Hummels haben der “Bild”-Zeitung ein Exklusiv-Interview gegeben. Darin kommen die Fußballer unter anderem darauf zu sprechen, dass “manche Leute bei Facebook, Twitter und Co. es mittlerweile echt schaffen, aus total wilden Phantasien Gerüchte mit erstaunlicher Haltbarkeit zu machen!” Da muss ein “Bild”-Redakteur natürlich sofort nachhaken:
BILD: Welche [Geschichten] gab’s denn noch?
Hummels (lacht): “Inzwischen erzählt sich ja die halbe Fußball-Republik, dass Neven ein Verhältnis mit meiner Freundin Cathy hat. Aber pssst..!”
Subotic (lacht): “Ich wollt’s dir noch erzählen, Mats. Aber jetzt mal im Ernst: Das ist natürlich totaler Quatsch! Mats und ich sind miteinander befreundet und beide glücklich vergeben.”
Es folgt eine klassische Sportreporter-Frage:
BILD: Wie sehr nervt Sie das Gerede?
Hummels: “Es ist schon befremdlich, wenn man sieht, wie leicht sich so eine Lüge verselbstständigt und die Leute meinen, über dein Privatleben Bescheid zu wissen. Aber wir kennen uns so gut, dass wir alle echt darüber schmunzeln können.”
Subotic (grinst): “Müssen wir ja auch. Inzwischen spricht uns doch jeder Taxifahrer und jeder Friseur drauf an. Na ja, nach diesem Interview vielleicht nicht mehr. (…)”
Da sind wir uns ehrlich gesagt nicht so sicher.
Denn das haben die Leute von “Bild” aus diesem Interview auf der Titelseite gemacht:
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1. “Hoeneß’ großer Coup” (wiwo.de, Ferdinand Knauß)
Das “Zeit”-Interview mit Uli Hoeneß sei ein “Lehrstück der professionellen Krisenkommunikation”, schreibt Ferdinand Knauß: “Hoeneß exerziert meisterhaft vor, was ein skandalisierter, gefallener Held in so einer Situation tun muss: Ein öffentliches Umdeutungsmanöver ist notwendig, um aus dem für seine Taten selbst verantwortlichen Sünder ein Opfer der Umstände zu machen. Die Zeitredakteure geben ihm dafür die perfekte Vorlage: ‘Halten Sie sich eigentlich für süchtig?’.”
2. “Herr Marmor, Sie als alter Rocker …” (journalist.de, Hans Hoff)
Ein Interview. Lutz Marmor: “Ein Intendant ist ein Möglichmacher.” Hans Hoff: “Och, echt?” Marmor: “Doch, genau das ist meine Funktion. Ich muss Freiräume schaffen, rechtliche, kreative und journalistische.” Hoff: “Das Zitat hängen sich jetzt ganz viele Redakteure in ihre Büros und gucken immer wieder drauf, weil sie es nicht glauben können.”
3. “Ha, ha, Haltung” (zeit.de, Tina Hildebrandt)
Ein Besuch bei der ZDF-“Heute-Show”: “In den USA informieren sich viele Zuschauer, vor allem jüngere, längst nicht mehr über die Nachrichten, sondern nur noch durch die Daily Show, eines der Vorbilder der heute-show. In Deutschland ist das inzwischen ähnlich. Auf Partys kann man Dialoge hören wie: ‘Hast du das mit Nordkorea mitbekommen? Ja, ich hab’s in der heute-show gesehen.'”
4. “Wie Internet und US-Serien die Fernsehgewohnheiten ändern” (tagesspiegel.de, Bodo Mrozek)
US-Serien haben “die Sehgewohnheiten des Publikums nachhaltig verändert”, schreibt Bodo Mrozek: “Psychologische Konzeptionen lösen die einfache Zuordnung in ein moralisierendes Gut-Böse-Schema ab.”
5. “Comeback mit Online-Serien: Netflix ist wieder obenauf” (blogs.faz.net, Roland Lindner)
Der Gründer von Netflix, Reed Hastings: “Die Idee für Netflix entstand aus einem Alltagsärgernis. Hastings musste 40 Dollar Säumnisgebühr zahlen, weil er den Film ‘Apollo 13’ zu spät in eine Videothek zurückgebracht hatte. Er fragte sich, ob es kundenfreundlichere Wege des Filmverleihs geben könnte. 1997 rief er Netflix zunächst als Versanddienst ins Leben, der Kunden gegen monatliche Gebühr DVDs per Post nach Hause lieferte, die sie beliebig lange behalten konnten – Porto inklusive, ohne jegliche Strafgebühren.”
Na gut, ein paar höherklassige Spiele hat Howard Webb aus England auch schon gepfiffen, wie auch Bild.de zugeben muss:
Der Unparteiische wurde berühmt-berüchtigt, weil er im WM-Finale 2010 in Südafrika einen brutalen Kung-Fu-Tritt des Holländers Nigel de Jong gegen Xabi Alonso nur mit Gelb bestrafte. Später räumte er ein: “Das war eine Rote Karte.”
Aber in letzter Zeit lief es bei ihm offenbar nicht so gut:
Seltsam: Webb wurde in der vorletzten Woche in England in der Premier League wegen schlechter Leistungen in die 3. Liga versetzt – aber Champions League darf er pfeifen.
Der Einsatz in der Champions League wird vielleicht ein weniger “seltsam”, wenn man weiß, dass Webb nach seiner “Strafversetzung” in die 3. Liga am vorletzten Wochenende an diesem Samstag noch das Spiel zwischen Manchester City und West Ham United gepfiffen hat — in der Premier League, der ersten englischen Liga.
Und das scheint nicht unüblich zu sein: Der deutsche Schiedsrichter Wolfgang Stark, der bei der WM in Südafrika immerhin auch drei Spiele gepfiffen hatte, hat in dieser Saison sogar ein Spiel in der Regionalliga Bayern geleitet. Was ihn nach der Logik von Bild.de zum “Viertliga-Schiri” machen würde.
Selbst, wenn Sie sich nicht für Fußball interessieren, könnten Sie in den letzten Tagen mitbekommen haben, dass ein Spieler namens Mario Götze von einem Verein namens Borussia Dortmund zu einem Verein namens Bayern München wechselt.
Weil die Meldung, die Ablösesumme und der Zeitpunkt der Bekanntgabe allein noch nicht spektakulär sind, bemühen sich die Medien um Zitate von zumeist maximal indirekt beteiligten Personen, mit denen sie ihre vielen, vielen Artikel zum Thema aufpeppen können. Früher musste man dafür bei diesen Personen anrufen, heute scheinen sich Zitatgeber und -nehmer einvernehmlich darauf geeinigt zu haben, andere Wege zu beschreiten.
Die “B.Z.” schrieb jedenfalls am Dienstag auf ihrer Webseite:
Sportreporter-Ikone Fritz von Thurn und Taxis twittert: “Ich weiß ihr wartet alle darauf, also gut: #Götze zum #FCBayern? #HUIHUIUHHUI DONNERWETTER, DAS IST EIN DING!!!! #BVB #FCB”.
Und auch die Kollegen von sportbild.de waren von dem Posting so begeistert, dass sie es gleich in zweiKlickstrecken aufnahmen:
Der Twitter-Account, auf dem dieses Posting abgesetzt wurde, trägt den Namen “@TuT_Parody”.* Und für alle jene, die sich dennoch nicht ganz sicher sind, ob der Account nicht vielleicht doch vom echten Fritz von Thurn und Taxis befüllt wird, steht da noch diese Erklärung:
Am Dienstag hat der Betreiber dieses “Parody-Accounts” die Leute von sportbild.de auf ihren Fehler aufmerksam gemacht. Als ob die sich dafür interessieren würden, wessen Äußerungen sie da in ihren Zitatenstrauß einflechten.
Mit Dank an Mathias B.
Nachtrag/Korrektur, 29. April: Offenbar hieß der Twitter-Account zunächst “@Fritze_von_TuT” und wurde erst nach der “Sportbild”-Verwechselung in “@TuT_Parody” geändert. Der Hinweis “(Parody-Account. Nicht der echte Fritz)” stand da aber bereits in der Beschreibung.
Was Gerüchte, Mutmaßungen und Rätselraten angeht, ist die Welt des Fußballs der Welt der Unterhaltung inzwischen weit voraus: geplatzte Vertragsverlängerungen, vermeintliche Wechsel und irgendwelche Zerwürfnisse — fast rund um die Uhr tratschen die Medien irgendetwas aus dem sogenannten Umfeld von Spielern, Funktionären und Vereinen weiter. Manches wird dementiert, mal zu recht, mal zu unrecht, wie man natürlich immer erst viel später weiß.
Gegen Ende einer Bundesligasaison kommt dann ein weiteres Thema dazu: Sportreporter und andere Fans spekulieren wild darüber, wie die Trikots einer Mannschaft in der kommenden Saison aussehen könnten.
Es soll an dieser Stelle nicht darum gehen, ob die Trikots tatsächlich so aussehen werden. Dabei ist es gar nicht unwahrscheinlich, dass die Bilder ziemlich nah dran sind.
Und das hat mit den “BILD-Informationen” zu tun: Im Fußballforum transfermarkt.de diskutieren die User seit Wochen über den möglichen neuen Look. Der Teilnehmer “djaytommy” hatte die neuen Trikots angeblich schon gesehen, der User “jimsen” veröffentlichte aufgrund dessen Beschreibungen eine Art “Phantombild”.
Transfermarkt.de gehört mehrheitlich zur Axel Springer AG, die auch “Bild” herausgibt. Und die Zeitung kann sich womöglich auf diesen Passus in den Allgemeinen Nutzungsbedingungen bei transfermarkt.de berufen:
4.8. Mit der Übermittlung von Content räumen Sie Transfermarkt das unwiderrufliche, zeitlich und räumlich unbeschränkte und übertragbare Recht ein, den Content zu vervielfältigen, zu verbreiten, zu veröffentlichen, auszustellen, öffentlich zugänglich zu machen, zu verändern, zu übersetzen und zu speichern. Dies umfasst das Recht, den Content zu bearbeiten, zu gestalten, an die zur Nutzung erforderlichen Dateiformate anzupassen und die Darstellungsqualität zu ändern und/oder zu verbessern. Diese Nutzungseinräumung besteht über die Laufzeit dieses Vertrages hinaus fort, das heißt bei einer Beendigung des Vertrags sind wir nicht verpflichtet, Content, den Sie Transfermarkt übermittelt haben, zu löschen.
Sport1.de und spox.com berufen sich in ihren (unbebilderten) Artikeln nun auf “Informationen der ‘Bild’-Zeitung”, während sich die Münchener “tz” auf die Seite trikot.cc beruft, die die Grafik von “jimsen” am Donnerstag veröffentlicht hatte.
6:1 hat der FC Bayern München gestern gegen den VfL Wolfsburg im Halbfinale des DFB-Pokals gewonnen und damit fast das geschafft, worauf Bild.de im Vorfeld spekuliert hatte:
Na ja, fast:
Um den Torrekord im Pokal zu überbieten müssten die Bayern-Stürmer allerdings noch Mal eine Schippe drauflegen: Der liegt bei 17 Treffern – in einem Spiel! Die Stuttgarter Kickers trafen 1941 in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokal-Vorgängerwettbewerbs, dem Tschammer-Pokal, durchschnittlich alle fünf Minuten ins Tor des VfB Knielingen.
Die Antwort auf die Überschrift lautete also von Anfang an: “Vermutlich eher nicht.”
Aber dann vielleicht was anderes:
Oder knackt der FC Bayern den Rekord für das torreichste Bundesliga-Duell im Pokal?
Das fand im Viertelfinale 1987 statt: Borussia Mönchengladbach schlug den KFC Uerdingen 9:2 – das Ergebnis, mit dem die Bayern zuletzt den Hamburger SV in der Bundesliga überrollten.
Den höchsten Halbfinal-Sieg in der Geschichte des Pokal-Wettbewerbs feierten ausgerechnet die Stadtrivalen der Bayern: 1860 München gewann 1942 gegen TuS Lipine mit 6:0.
Möglich gewesen wären natürlich auch noch die Torrekorde für ein Spiel an einem Dienstagabend, der auf ein gerades Datum fällt, ein Spiel zwischen einer Mannschaft aus einer Stadt mit sieben Buchstaben gegen eine aus einer Stadt mit neun oder für ein Spiel, bei dem die Redaktion von Bild.de zuvor gefragt hatte, ob Bayern heute den Pokal-Tor-Rekord knacken werde.
Bild.de hatte jedenfalls mehrere Listen zu den “torreichsten Duellen im DFB-Pokal” vorbereitet, unterteilt in die “höchsten Siege im DFB-Pokal”, die “höchsten Halbfinalsiege” und die “meisten Tore in Bundesliga-Duellen”:
Sieht soweit nicht weiter verdächtig aus, enthält aber zwei Fehler:
Das 1:8 vom 1. FC Köln gegen den VfB Stuttgart war kein “Bundesliga-Duell”, weil es die Kölner Amateure waren, die da gegen Stuttgart verloren.
Und das 6:1 der Stuttgarter gegen Frankfurt wird noch beeindruckender, wenn man weiß, dass es die Amateurmannschaft des VfB war, die die Eintracht da bezwang — also auch kein “Bundesliga-Duell”.