Am späten Freitagabend schien Henning Feindt, der stellvertretende “Sport Bild”-Chefredakteur, mächtig stolz zu sein:
Thomas Tuchel, bis zur vergangenen Bundesligasaison noch Trainer bei Borussia Dortmund, wurde am Düsseldorfer Flughafen fotografiert, unterwegs nach München. Der FC Bayern München hat gerade erst seinen Trainer Carlo Ancelotti entlassen und sucht derzeit nach einem Nachfolger — was Tuchels München-Trip zumindest für den Sport-Boulevard interessant macht (wobei man auch erwähnen muss, dass Thomas Tuchel schon seit längerer Zeit eine Wohnung in München hat). Die “exklusiv-fotos”, die Henning Feindt in seinem Tweet — retweetet von “Bild”-Sportchef Walter M. Straten, geliket von “Sport Bild”-Chefredakteur Alfred Draxler sowie von “Sport Bild”-Fußballchef Chrisitan Falk — beklatscht und die er seinem “Sport Bild”-Kollegen Sven Westerschulze zuschreibt, sind aber alles andere als ein “Great Job”. Sie sind geklaut.
Simon Schlenke war am Freitag gerade auf dem Weg nach Prag, als er und sein Bruder am Flughafen in Düsseldorf Thomas Tuchel sahen. Schlenke machte ein Foto und postete es um 14:28 Uhr bei Twitter:
Nach eigener Aussage schickte er das Bild auch per WhatsApp an Freunde.
Am Freitagabend tauchte ein Ausschnitt von Schlenkes Foto bei Bild.de auf:
Einer der drei Autoren des dazugehörigen Textes: Sven Westerschulze. Am Samstag erschien “Fußball Bild” mit diesem Titelfoto …
… und mit dieser Aufmachung auf den Seiten 2 und 3:
Am selben Tag sah die erste der Sportseiten in der “Bild”-Bundesausgabe so aus:
Überall war das Foto zu sehen, das Simon Schlenke gemacht hatte (und in “Fußball Bild” und “Bild” auch noch ein Foto, das laut Schlenke sein Bruder aufgenommen hatte). Und überall stand als Fotocredit “Exklusiv-Foto SPORT BILD”. Eine Erlaubnis, das Foto zu benutzen, hatten offenbar weder Bild.de noch sportbild.de noch “Fußball Bild” noch “Bild”. Auf Nachfrage erklärte Schlenke bei Twitter:
Oder im japanischen Fuji, wo Schüler in einer Minute 225 Mal über ein Seil gehüpft sind und somit den Seilsprung-Weltrekord um einen Sprung verbessert haben.
Und dann hat im Irak noch ein Mann einen anderen Mann erschossen — und auch hier jubeln Medien in Deutschland, Österreich und der Schweiz: “Weltrekord!”
Zudem muss die “Zielscheibe” komplett stillhalten, was bei einer Zeit von elf Sekunden, die die Kugel braucht, um ihr Ziel zu erreichen, nicht ganz normal ist. Im Fall des Kanadiers hat es offenbar geklappt und so kann er sich nun mit dem wohl makabersten Weltrekord der Erde rühmen.
(tag24.de)
Ganz unabhängig davon, wer wen erschossen hat und wer aus hiesiger Sicht die Guten und die Bösen sind: Die grausamen Kämpfe im Irak als Leistungsschau darzustellen, den grässlichen Ausnahmezustand Krieg als ganz normalen Wettbewerb, ist verharmlosend und damit gefährlich. Es “läuft eindeutig etwas schief”, wie “Zeit Online”-Redakteur Kai Biermann bei Twitter schreibt:
1. ZAPP Themenschwerpunkt Sportjournalismus (ndr.de)
Das Medienmagazin “Zapp” hat sich in einer halbstündigen Sondersendung ausschließlich mit dem Sportjournalismus beschäftigt. Fünf Themen hat man sich ausgesucht: 1.) Die Nebenjobs von ARD & ZDF-Sportmoderatoren und die damit einhergehenden Probleme 2.) Die mediale Abschottung von Fußballvereinen durch den Aufbau eigener Plattformen 3.) Das Abwandern von Sportevents wie der Champions League ins Pay-TV 4.) Der hohe Preis, den Whistleblower im Sport zahlen müssen und 5.) ein Gespräch mit dem Sportmoderator und -reporter Alexander Bommes, der selbst jahrelang aktiver Sportler war. Die Sendung kann in kompletter Länge angeschaut werden; es gibt aber auch Unterseiten, in denen nur das jeweilige Thema behandelt wird.
2. Petra Reski verklagt Jakob Augstein (faz.net, Andreas Rossmann)
Der Streit zwischen der Journalistin Petra Reski und dem Verleger des „Freitags“, Jakob Augstein, geht in eine weitere Runde: Reski verklagt den Verleger. Dieser hätte mit seinen Äußerungen ihre journalistische Arbeit herabgewürdigt. Grund war ein Artikel der Mafiaspezialistin mit einer umstrittenen Namensnennung, die eine Klage des Genannten nach sich zog. In der juristischen Auseinandersetzung hatte “Freitag”-Chef Augstein seiner freien Mitarbeiterin die finanzielle Unterstützung verweigert und ihr Fehlverhalten vorgeworfen.
3. Publizistische Sorgfaltspflicht statt Netzwerkdurchsetzungsgesetz (wolfgangmichal.de)
Es ist schon ein Phänomen: Einig wie selten lehnen Digitalverbände und Bürgerrechtsgruppen das von Justizminister Heiko Maas geplante „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ ab. Es lege die Meinungsfreiheit in die Hände privater Internetkonzerne und fördere Zensur. Die Befürchtungen seien nachvollziehbar, so Wolfgang Michal. Die Kritiker der geplanten Gesetzgebung würden jedoch die Augen vor einem anderen Problem verschließen: “Sie halten es offenbar für vertretbar, dass Online-Plattformen ein Sonderrecht auf organisierte Verantwortungslosigkeit für sich in Anspruch nehmen dürfen.” Michal hält das gesamte Netz-DG für unnötig. Für Medienunternehmen wie Facebook sollten jene Regelungen des Presserechts und Selbstverpflichtungen gelten, die bereits existieren. Entsprechend sollten die Unternehmen ihrer Verantwortung nachkommen: “Wer Inhalte gewissenhaft prüft, bevor sie veröffentlicht werden, übernimmt eben nicht „staatliche Rechtsdurchsetzungsaufgaben“, wie Kritiker des NetzDG gerne unterstellen, er kommt lediglich seiner Sorgfaltspflicht nach. Verhütung ist immer besser als die Pille danach.”
4. Regierung muss Journalisten besser schützen (reporter-ohne-grenzen.de)
Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht Ende der Woche Mexiko. Dies nimmt “Reporter ohne Grenzen” zum Anlass, an die Bundeskanzlerin zu appellieren, sich bei der mexikanischen Regierung für den Schutz von Journalisten einzusetzen. „Mexikos Regierung darf nicht länger so tun, als hätte das erschreckende Ausmaß der Gewalt gegen Journalisten nichts mit ihr zu tun“, so der Geschäftsführer der Organisation. „Verbale Verurteilung und wohlklingende Ankündigungen reichen nicht aus. Mexiko muss jetzt schnell handeln, um endlich deutliche Signale gegen die Kultur der Straflosigkeit zu setzen, durch die sich die Täter zu immer neuen Verbrechen gegen Journalisten ermutigt fühlen.“
5. Verräterische Drucker (zeit.de, Kai Biermann)
In den USA wurde die 25-jährige, mutmaßliche Whistleblowerin Reality Leigh Winner festgenommen. Ihr wird vorgeworfen, der Nachrichtenseite “The Intercept” eine geheime NSA-Studie zugespielt zu haben. Zum Verhängnis wurde ihr ein versteckter und kaum sichtbarer Code, den moderne Drucker den Ausdrucken hinzufügen und der eine Identifizierung des Druckers möglich macht. “The Intercept” hatte dieses Dokument den Behörden zur Stellungnahme vorgelegt. Ein Riesenfehler wie sich nun herausstellt.
6. Wunderbare Welt der Schadenfreude (taz.de, Laila Oudray)
Mit einer gewissen Schadenfreude betrachtet “taz”-Autorin Laila Oudray das Scheitern von Katie McHugh, einer Autorin des rechten US-Portals “Breitbart”. Diese hatte Dutzende Artikel für die Seite geschrieben, in denen sie gegen Muslime und Flüchtlinge gewettert und Donald Trump gefeiert hat. Nun wurde sie von “Breitbart” angeblich wegen eines Tweets gefeuert, der selbst für “Breitbart” nicht hinnehmbar war (“Ohne Muslime gäbe es keinen Terror in UK”). Katie Mc Hugh hat daraufhin eine Crowdfunding-Page eingerichtet, um ihre medizinischen und alltäglichen Ausgaben decken zu können. Was nicht ohne Ironie ist, denn sie hatte sich vorher gegen Unterstützung von Armen ausgesprochen. “taz”-Autorin Laila Oudray: “Man wünscht ihr natürlich keine Krankheit, aber es ist einfach zu schön, zu sehen, wie ihr jeder ihrer hasserfüllten Ansichten auf die Füße fällt. Deswegen I love you Katie Mc Hugh, für dieses breite Grinsen und dass ich wieder an Karma glauben kann.”
1. Veraltete Focus-Meldung über Sexualdelikt sorgt für Verwirrung (freiepresse.de, Johannes Pöhlandt)
Unter der Überschrift “Kripo ermittelt wegen sexueller Nötigung” berichtet die Onlineausgabe des “Focus” über ein Sexualdelikt in einer Stadt in Sachsen. Der Haken dabei: Die Meldung ist mehr als ein halbes Jahr alt. Nach Angaben der “Freien Presse” sei es nicht das erste Mal, dass der “Focus” veraltete Polizei-Pressemitteilungen veröffentlicht hat.
2. Auf dem Heimatplaneten für rechtsextreme Ufologen (faz.net, Rüdiger Soldt)
Dank allerlei wilder Verschwörungsliteratur und dem rechtspopulistischen Aufgreifen der Flüchtlingsthematik macht der “Kopp Verlag” mittlerweile zehn Millionen Jahresumsatz und beschäftigt 60 Mitarbeiter. “FAZ”-Autor Rüdiger Soldt zeichnet die Entwicklung des rechtsesoterischen Verlages nach und berichtet über einen der zweifelhaften Kopp-Kongresse.
3. Wie SRF-Gegner mit SRF reich werden wollen (tageswoche.ch, Gabriel Brönnimann)
Gabriel Brönnimann findet heftige Worte für das, was gerade in der Schweizer Medienlandschaft passiere: “Von der aktuellen Schweizer Medienpolitik könnte sich manche Bananenrepublik eine Scheibe abschneiden.” Private Medienanbieter würden die Inhalte der Öffentlich-Rechtlichen kostenlos nutzen wollen. Mit der aktuellen Gesetzesvorlage sei es möglich, von der Bevölkerung per Gebühren finanzierte Inhalte auf privatwirtschaftlichen werbefinanzierten Portalen – gratis!, aber mit eigenen Werbeeinnahmen – weiterzuverbreiten. Die dahinterstehende Lobby nennt sich schönfärberisch “Aktion Medienfreiheit”.
4. Schlappe für Karl-Heinz Hoffmann (br.de)
Der Rechtsextremist Karl-Heinz Hoffmann (Gründer der gleichnamigen “Wehrsportgruppe”) fühlte sich durch einen Bericht auf tagesschau.de verleumdet und klagte gegen den verantwortlichen NDR-Journalisten auf Unterlassung und Schmerzensgeld. Die Klage ist gescheitert: Das Landgericht Nürnberg-Fürth wies die Sache ab. Es ist aber noch eine weitere Klage Hoffmanns gegen einen BR-Reporter offen.
5. Perfide Petition zu „Publikationsfreiheit“: Verlagslobby verleumdet Entwurf zum Wissenschaftsurheberrecht (netzpolitik.org, Leonhard Dobusch)
Als keinen großer Wurf, aber einen Schritt in die richtige Richtung bezeichnet Leonhard Dobusch die Modernisierungsversuche des Urheberrechts im Bereich Wissenschaft und Unterricht. Umso erschütternder sei es, dass selbst diese zaghaften und vorsichtige Schritte, das Urheberrecht zumindest an Schulen und Universitäten alltagstauglicher zu gestalten, auf großen Widerstand der Verlagslobby stoßen würden. In der Petition „Publikationsfreiheit“ würden Verlage mit Alarmismus und Halbwahrheiten operieren.
6. Betr.: Zweifel an Fakten (uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
“Bild” hat seit Kurzem einen “Ombudsmann”, an dem man sich wenden kann, wenn man “Zweifel an Fakten” habe. Stefan Niggemeier hat sich sofort an die Tastatur gesetzt.
1. Warum sich die Berichterstattung über Terror ändern muss (sueddeutsche.de, Georg Mascolo & Peter Neumann)
Peter Neumann, Experte für islamistischen Terror und Professor am Londoner King’s College und Georg Mascolo, ehemaliger “Spiegel”-Chef und jetziger Leiter des Rechercheverbunds von “NDR”, “WDR” und “Süddeutscher Zeitung” über den medialen Umgang mit Terroranschlägen. Eine Betrachtung, die historische Vorfälle miteinbezieht und bis in die Jetztzeit reicht. Verschweigen sei keine Lösung, aber die neue Bedrohung erfordere neue Regeln.
2. Öffentlich-rechtliche Sender: Reflexionsniveau einer Streichholzschachtel (spiegel.de, Georg Diez)
Das öffentlich-rechtliche Fernsehen sei zur “Simplifizierungsmaschine” verkommen. Es müsse sich grundlegend wandeln, wenn es der komplexen Gegenwart gerecht werden wolle, so Georg Diez in seiner neuen “Spiegel”-Kolumne: “Wenn es die Sender nicht schaffen, sich eine wirkliche inhaltliche Berechtigung zu verschaffen, die Automatismen und Abläufe entscheidend zu verändern, die Herausforderung der überbordenden Rentenrechnungen zu meistern – dann werden sie irgendwann dem Druck der Verhältnisse nicht länger standhalten.”
3. Technisch hat der IS zehn Jahre Vorsprung (faz.net, Jonas Jansen)
Jonas Jansen hat sich die aktuelle Ausgabe des dschihadistischen Magazins „Dabiq“ und Propagandavideos des „Islamischen Staates“ angesehen. Die Medienmaschine des IS laufe effizient und professionell. Die Hoheit im Netz sei ihm nur schwer streitig zu machen. Doch es gäbe Hoffnung, den Terroristen den ideologischen Nährboden zu nehmen. Wissenschaftler und Islamgelehrte würden daran arbeiten, die IS-Propaganda theologisch zu widerlegen: “Denn wenn den Terroristen der ideologische Nährboden weggenommen wird, sind die Chiffren und Codes nicht mehr so attraktiv für ziellose Jugendliche, die sonst vom IS angelockt werden.”
4. Fünf Fragen zur angemessenen Smartphone-Nutzung (dirkvongehlen.de)
Der “Spiegel” ist augenscheinlich genervt von Handys: Diese Woche macht das Nachrichtenmagazin mit einer entsprechenden Titelstory auf: “Legt doch mal das Ding weg! Wie man sein Smartphone beherrscht – und Ruhe findet”. Auf die um sich greifende Smartphone-Angst reagiert Dirk von Gehlen mit einer “kulturpragmatischen Antwort”, in der er die wichtigsten Kritikpunkte aufgreift, Gegenfragen stellt und zu weiteren Gedanken anregt.
5. Kritik als Krawall (dirkhansen.net)
Vor einigen Tagen bekam das Journalistenkollektiv “Correctiv” ungebetenen Besuch von zwei aggressiv auftretenden, filmenden Kritikern bzw. Gegnern. Dirk Hansen hat sich über diese Form krawalliger Auseinandersetzung Gedanken gemacht: “Ich fürchte, ignorieren reicht nicht mehr. (Was man ja schon an diesem Blogbeitrag erkennen kann.) Wir sollten derlei aggressive Störfälle sehr sorgfältig registrieren. Wo es journalistische Fehler gibt, kann man diese ja diskutieren. Publizistische Kommandoaktionen ala Graham und Six gilt es öffentlich zu brandmarken. Denn sie verhindern zuverlässig jene Phase der Beruhigung, die der Auf- und Abregung im Meinungsstreit eigentlich folgen müsste.”
6. Video: Die Story im Ersten: Die Sportfalle (daserste.de, Video, 44:58 Min.)
Die ARD-Reportage “Die Sportfalle” – nur noch heute online zu sehen! Der Film zeigt, “wie Olympia und Co. bisher der Demokratie schaden, die Steuerzahler betrügen, den lokalen Sport ausbremsen und die Volkswirtschaft beschädigen. Und welche Visionen diejenigen haben, die das ändern wollen. Olympische Spiele in Rio – bei den Bürgern herrscht keine große Feierlaune. Die Brasilianer leiden unter einer Staats- und Wirtschaftskrise.”
In den vergangenen Tagen haben sich gleich mehrere Fußballvereine und ein Handballer gegen die Berichterstattung der „Bild“-Medien gewehrt. Ein kleiner Überblick.
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Schon vor anderthalb Wochen hatte der FC Bayern erklärt, die vor allem von der „Sport Bild“ verbreiteten „Alkohol-Gerüchte“ um Bayern-Spieler Arturo Vidal und die Behauptung, er verdiene acht Millionen Euro netto im Jahr, seien „frei erfunden“, „böswillig und falsch“ (BILDblog berichtete). Am vergangenen Donnerstag teilte der Verein schließlich mit:
Der FC Bayern München hat von den Zeitschriften „SPORT BILD“ und „Kicker“ die Unterlassung falscher Behauptungen verlangt. Beide hatten geschrieben, der „Netto-Jahresverdienst von Arturo Vidal“ liege bei rund „acht Millionen Euro“. „SPORT BILD“ wie „Kicker“ haben jeweils eine so genannte strafbewehrte Unterlassungserklärung abgegeben und damit eingeräumt, dass ihre Behauptung nicht der Wahrheit entspricht.
„SPORT BILD“ hatte weiter behauptet, Arturo Vidal solle „das Mannschaftsquartier während des Trainingslagers mehrmals verlassen und bei seiner Rückkehr alkoholisiert gewirkt haben.“ Der FC Bayern München wie Arturo Vidal haben auch hier Unterlassung der falschen Behauptung verlangt und von „SPORT BILD“ eine strafbewehrte Unterlassungserklärung bekommen. Damit hat „SPORT BILD“ auch hier eingeräumt, dass diese Behauptung nicht der Wahrheit entspricht.
Nach der ersten Stellungnahme des Vereins hatte die „Sport Bild“-Redaktion zuerst noch bekräftigt, sie bleibe bei ihrer Darstellung. Inzwischen sind die Artikel aber aus den Onlineauftritten von „Bild“ und „Sport Bild“ verschwunden.
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Gestern äußerte sich Hannover 96 zu einem “Bild”-Artikel. Das Blatt hatte am Samstag behauptet:
Der gesamte Bericht erweckt den Anschein, dass es sich ausschließlich um aktuelle Geschehnisse rund um den Nachwuchsbereich von Hannover 96 handelt. Das ist schlichtweg falsch. Dem Klub sind die Vorfälle im Bezug auf die meisten geschilderten Vorkommnisse bekannt. Allerdings resultieren diese überwiegend aus der Saison 2013/14, wurden bereits aufgearbeitet und teilweise sanktioniert. Einige damals handelnde Personen stehen bereits nicht mehr im Angestelltenverhältnis zu Hannover 96. Auch haben Spieler, die damals angeblich “gemobbt” wurden, aktuell die Möglichkeit nach einer Rückkehr zu Hannover 96 angefragt.
Dem Klub liegen keine Erkenntnisse über “Damenbesuch” sowie eine angeblich größere Anzahl an Spielern mit Spielsucht vor. Hannover 96 wird sich aber noch intensiver mit dieser Thematik beschäftigen.
Wir möchten betonen, dass alle handelnden Personen im Rahmen der Möglichkeiten zielgerichtet und qualifiziert ihren Verpflichtungen nachgehen. Auf dieser Basis wird zudem eine Weiterentwicklung stattfinden. Der Klub hat erkannt, dass er die infrastrukturellen Bedingungen ändern muss und investiert einen zweistelligen Millionenbetrag in ein hochfunktionelles Nachwuchsleistungszentrum, das mit fachkundigem Personal besetzt sein wird.
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Auch Ewald Lienen, Trainer des von der “Bild”-Zeitung soinniggeliebten FC St. Pauli, wehrt sich aktuell gegen eine “Bild”-Geschichte.
Hintergrund war ein Zitat von ihm von einer Pressekonferenz in der vergangenen Woche, auf der ein Sondertrikot für das Spiel gegen RB Leipzig vorgestellt wurde. Aufdruck: „Kein Fußball den Faschisten“. Anlass dafür war der Abschluss der Holocaust-Gedenktage.
Auf dieser Pressekonferenz wurde Lienen von „Bild“ gefragt, „ob Bedingungen wie in Leipzig, also Geld ohne Ende“, nicht auch für ihn „das Paradies“ seien. Darauf Lienen:
“Wenn die Alternative wäre, den Fußball den Faschisten und dem Kommerz zu überlassen, verzichte ich gerne auf diese Möglichkeit.”
Eine merkwürdige Antwort, doch St. Paulis Pressesprecher erklärte den „Bild“-Reportern im Anschluss:
„Das sollte kein Angriff auf Leipzig sein. Das war von Ewald Lienen unglücklich formuliert.“
Auch der Sprecher des RB Leipzig sagte „Bild“:
„St. Pauli hat sich umgehend gemeldet und versichert, dass Ewald Lienen mit seiner Aussage insgesamt die Zusammenhänge so nicht herstellen wollte sowie die explizite Wortwahl nicht uns galt. Und damit ist zwischen den Vereinen alles geregelt.“
Und auch Lienen selbst erklärte den “Bild”-Leuten laut eigenen Angaben, dass er die Aussage nicht so gemeint habe, wie sie sie verstanden hatten.
Doch das alles hielt sie nicht davon ab, am nächsten Tag zu schreiben:
So sah sich auch Ewald Lienen gezwungen, die Sache öffentlich klarzustellen:
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Um welche Sportart es in ihren Märchen geht, ist den “Bild”-Mitarbeitern übrigens Latte. Am Freitag titelten sie online:
Im Artikel heißt es:
Wiede: „Ich hatte ihn Donnerstag vor dem 10-Uhr-Training auf dem Parkplatz vor dem Welli im Sportforum Hohenschönhausen abgestellt. Als ich um 11.30 Uhr raus kam, war die Scheibe an der Fahrerseite eingeschlagen. Sehr ärgerlich, wenn man auf dem Handy und dem Computer sein halbes Leben gespeichert hat.
Wiede rief die Polizei, aber die kam nicht.
Wo hier das Zitat von Wiede endet, ist unklar, weil die schließenden Anführungszeichen fehlen. Ob also der Satz …
Sehr ärgerlich, wenn man auf dem Handy und dem Computer sein halbes Leben gespeichert hat.
… von Wiede stammt oder von der „Bild“-Redaktion, ist nicht zu erkennen. Falsch sei er aber so oder so, erklärt Wiede in einem Interview mit „Sport 1“:
“Das Iphone war eh kaputt und der Laptop war noch gut, aber es waren jetzt auch keine wertvollen Sachen darauf. Die ‘Bild’ hat da irgendwas geschrieben, dass irgendwelche Super-Dateien darauf waren, aber das ist alles Quatsch. Die haben sich irgendetwas ausgedacht.”
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Da dürfen sich die Reporter von „Bild“ nicht wundern, wenn in Zukunft auch andere Sportler und Funktionäre soreagieren wie Gertjan Verbeek, der Trainer des VfL Bochum — kleiner Ausschnitt aus der Pressekonferenz nach dem letzten Spiel:
Wie VfL Bochum 1848-Trainer Gertjan Verbeek auf Fragen des "Bild"-Reporters reagiert. (Danke an Philip! Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=k28kZLk4q8k)
Posted by BILDblog on Donnerstag, 11. Februar 2016
Mit Dank an Philip W., Alexander B., Chris H. und Julius A.
1. Jürgen Werner – die Schreibmaschine (sueddeutsche.de, Katharina Riehl)
Wir kennen die Namen vieler TV-Serien, doch welche Autoren hinter den Geschichten stecken, ist den wenigsten bekannt. Die “SZ” hat sich mit einem dieser TV-Autoren getroffen: Jürgen Werner, dem “Mann aus dem Maschinenraum des deutschen Fernsehwahnsinns”, der u.a. für die Nonnen-Soap “Um Himmels Willen” schreibt und hinter diversen Traumschiff-Episoden und unzähligen Geschichten des Halali-Epos “Forsthaus Falkenau” steckt. Doch damit nicht genug: Werner hat für “Schloss Einstein”, den “Bergdoktor” und “Schimanski” Stoffe entwickelt, in manchen Jahren verließen 20 bis 30 Drehbücher seinen Schreibtisch. Zur Zeit ist der umtriebige Autor mit dem PR-trächtigen Schwarzwald-Tatort (Hauptrolle: Harald Schmidt) beschäftigt.
2. Leute, benehmt euch wie die Deutschen! (sueddeutsche.de, Viola Schenz)
Der WDR zeigt am Mittwoch, den 10.02.2016 um 22.55 Uhr eine Dokumentation über Flüchtlings-Schicksale. Das Besondere: Das Videomaterial kommt von den Flüchtligen selbst. “Wir sind in Flüchtlingsheime gegangen und haben die Menschen dort gefragt, ob sie Videomaterial zu ihrer Flucht haben”, so die verantwortliche WDR-Redakteurin. Die Flüchtlinge hätten bereitwillig Videomaterial beigesteuert. Die 90-minütige Doku soll Aufnahmen vom Alltagsleben in der alten Heimat, aber auch dramatische Szenen von der Flucht in überfüllten Transportern oder Schlauchbooten zeigen.
3. Die undurchsichtigen Verbindungen zwischen einem „Welt“-Redakteur und der AfD (uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Die Geschichte hat das Zeug zu einem Politik-Krimi: Ein hochrangiger AfD-Politiker behauptet, ein zweifelhaftes Angebot eines “Welt”-Redakteurs erhalten zu haben. Dieser hätte sich als Berater angedient. Für ein monatliches Salär von 4.000 Euro und über Umwege zahlbar… Boris Rosenkranz hat versucht, Licht ins Dunkel zu bekommen und die Konfliktparteien um Auskunft gebeten. Die beteiligten Parteien reagierten jedoch merkwürdig schweigsam. Deshalb hat er weiter recherchiert und sich das privat betriebene Portal des Redakteurs bzw. das der Ehefrau näher angeschaut, über das es einige Merkwürdigkeiten zu berichten gibt. (teilw. Bezahlinhalt)
4. Landesverweis wegen investigativer Recherche (medienwoche.ch, Dominique Strebel)
In der Schweiz sind neue Regelungen im Gespräch, die zu erheblichen Einschränkungen der Pressefreiheit führen und eine Gefahr für den Journalismus darstellen. Wird Ende Februar die sogenannte “Durchsetzungsinitiative” der rechtskonservativen SVP angenommen, können Journalisten ohne Schweizer Pass des Landes verwiesen werden. Als Strafe für Delikte, die sie als Teil ihrer Arbeit und des Berufsrisikos in Kauf nehmen müssen wie z.B. investigativen Recherchen. Würde die Neuregelung realisiert, würden ausländische Ressortleiter und Chefredakteure zudem für Rechtsbrüche von Untergebenen (egal, ob Schweizer oder Ausländer) haften und könnten ebenfalls ausgewiesen werden.
5. Stirb und Werde, auf und nieder, Astro-Blödsinn immer wieder – in den Nürnberger Nachrichten (blog.gwup.net, Bernd Harder)
In der “Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V.” (oder abgekürzt: “GWUP”) engagieren sich etwa 1.400 Mitglieder für Wissenschaft und kritisches Denken. Pressesprecher Bernd Harder betreut den Blog der Skeptiker-Organisation und berichtet dort über einen Fall von unkritischer Übernahme von Astro-Mumpitz: Die “Nürnberger Nachrichten” räumen einem “Sportastrologen” eine ganze Seite für seine Humbug-Analyse über die sportliche Zukunft des “Clubs” ein. Darunter befinden sich Weissagungs-Perlen im Der-Ball-ist-rund-Stil wie: “Ich würde schon sagen, dass der FCN gewinnt, es könnte aber auch ein Unentschieden werden. Das ist jetzt kein total eindeutiges Spiel. Aber das Wochenende darauf, da müsste es mit einem Sieg klappen.”
Der Autor, Publizist und Fernseh-Moderator Roger Willemsen war nicht nur ein gebildeter und charmanter Universalgelehrter, sondern auch ein wegen seiner Schlagfertigkeit und geistreichen Art geschätzer Interviewer. Anlässlich seines Tods sind viele sehr persönlich gehaltene Nachrufe von Wegbegleitern und Kollegen erschienen, die deutlich machen, welch hohes Maß an Anerkennung er genoss. Eine kleine und höchst unvollständige Auswahl sei hier vorgestellt. Auf “Spiegel Online” schreibt mit Nils Minkmar ein ehemaliges Mitglied von Willemsens-TV-Sendung derart anschaulich und zugewandt über Roger Willemsen, dass man sich ein ganzes Buch davon wünschte. Im “Zeit Magazin” erschien Willemsens “Jahreszeitenkolumne”. Sein langjähriger Redakteur Matthias Kalle erinnert sich an die Zusammenarbeit mit dem Kolumnisten, der es verstand, “mit dem Ernsten zu unterhalten und das Unterhaltende ernst zu nehmen”. Die “SZ” publiziert noch einmal seinen Artikel zum Dschungelcamp aus dem vorletzten Jahr, in dem er über die Protagonisten und Wirkmechanismen der Sendung philosophiert. Die Zeitschrift “Konkret” erinnert ihm zu Ehren an seinen ersten journalistischen Beitrag, der sich um die Sprache des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker dreht. Der “Tagesspiegel” veröffentlicht erneut ein langes Interview über den “Zustand der deutschen Politiker”. (Willemsen hatte sich gerade ein Jahr lang Parlamentsdebatten in Berlin angehört und darüber ein Buch geschrieben.) Im “Deutschlandradio” gibt es ein Interview mit dem Leiter des Hamburger Literaturhauses Rainer Moritz, in dem dieser sich an die Zusammenarbeit mit Willemsen erinnert. Der Blogger und Journalist Lukas Heinser erzählt, wie die Sendung “Willemsens Woche” dazu beigetragen hat, auch “was mit Medien” machen zu wollen. Der Aktivist Raul Krauthausen (sozialhelden.de, wheelmap.org, leidmedien.de) erinnert an Willemsen, der ihm Mentor und Ideengeber war und der sein Interesse an gesellschaftskritischen Themen geweckt hat. Und “SPON”-Kolumnist Sascha Lobo findet auf seinem privaten Facebook-Account berührende Worte über den Mann, der ihm ein Vorbild an Bildung und Herzensbildung war.
2. Der Sportjournalismus trägt Mitschuld an der Doping-Problematik (andreasgriess.de, Andreas Grieß)
Auf die jüngsten Doping-Enthüllungen der ARD reagierten viele Vertreter der Leichathletik-Verbände empört. Das deute “eklatant darauf hin, dass diese Menschen kritischen Journalismus gar nicht gewohnt sind”, glaubt Andreas Grieß. Es sei kein Zufall, dass der Doping-Skandal von einem “kritischen Außenstehenden” aufgedeckt wurde, und nicht etwa von einem Leichtathletik-Journalist. Sein bitteres Fazit: “Damit passiert auch im Sport, was bereits im Lokalen geschieht: Es wird kaputt gespart. Es gibt in Deutschland Sportberichterstattung, aber kaum Sportjournalismus.”
3. Bitte, kein Kommentar! (de.ejo-online.eu, Fabian Prochazka und Patrick Weber)
Kommunikationswissenschaftler der Universität Hohenheim wollen herausgefunden haben, dass sich das Niveau der Leserkommentare auf Nachrichtenseiten auf die wahrgenommene Qualität der Artikel auswirkt: Je mehr Trolle, desto schlechter werden auch die Texte beurteilt. Besonders erstaunlich: “Auch höfliche Kommentare und solche mit Argumenten verschlechtern die wahrgenommene Qualität eines Artikels im Vergleich zu einer Version ganz ohne Kommentare.”
4. Trennung zwischen Arm und Reich wirkt sich auf Lokalnachrichten aus (netzpiloten.de, Laura Hazard Owen)
Wohlhabende Städte haben besseren Zugang zu Lokaljournalismus, dort werden die Bewohner häufiger und umfassender informiert, als in ärmeren Städten. Allerdings ist die Stichprobe der Rutgers-Untersuchung sehr klein, nur drei Städte im US-Bundesstaat New Jersey wurden untersucht. Trotzdem müsse man anhand dieser Ergebnisse annehmen, dass die demokratischen Werkzeuge nicht gleichmäßig verteilt sind, sagt Philip M. Napoli, Professor für Journalismus und Leiter der Studie – “was uns Sorgen machen sollte”.
5. Germanwings: Klage gegen “Österreich” wegen falschem Co-Piloten (derstandard.at)
Nach dem Germanwings-Unglück hatten unter anderem die “Kronen Zeitung” und “Österreich” das unverpixelte Foto eines Mannes gedruckt, das aber nicht, wie angegeben, den Co-Piloten Andreas L. zeigte, sondern einen Unbeteiligten. Mit der “Krone” gab es eine außergerichtliche Einigung, “Österreich” steht nun vor Gericht.
6. Sagt die Bild wirklich “die Wahrheit über Cannabis”? (vice.com, Michael Knodt)
“Zugegeben, ein wenig mehr Mühe als sonst hat die Redaktion sich im Rahmen der Recherche schon gegeben. Aber man muss nicht lange lesen, um zu verstehen, dass die Bild immer noch keine Ahnung von Weed hat.”
Jürgen Klopp, der ehemalige Trainer von Borussia Dortmund, hat sich in seiner Zeit beim BVB bekanntermaßen gerne mal aufgeregt, mitunter auch über Journalisten. Die Mitarbeiter der “Bild”-Zeitung hatten es ihm dabei immer ganz besondersangetan.
Nach einem Spiel etwa, in dem BVB-Stürmer Marco Reus den Linienrichter umgehauen hatte, kam es, wie “Bild” später nicht ohne Stolz berichtete, zu folgender Szene:
Ich [der “Bild”-Reporter] frage Klopp: „Haben Sie sich kurz Gedanken um den Linienrichter gemacht, als Marco Reus ihn abgeräumt hat?“
Klopp schäumt.
Er weiß, für wen ich arbeite, fragt aber süffisant: „Von was für einer Zeitung sind Sie?“
Ich: „BILD.“
Klopp: „Neeee… So viel Fußball heute, und dann müsst ihr so eine Kack-Geschichte machen. Boah ist das ein Drecksleben, das tut mir wirklich leid!“
Das wollte der “Bild”-Reporter nicht auf sich sitzen lassen.
Drecksleben als BILD-Reporter?
Das ist beleidigend und falsch
Und wie! Denn in Wahrheit ist das Leben als “Bild”-Reporter vor allem eins: megafunny! Besonders dann, wenn man mit Jürgen Klopp zu tun hat.
Fragen Sie mal Jörg Weiler. Der ist auch “Bild”-Reporter — ebenfalls zuständig für den BVB — und hat anlässlich des Abschieds des Dortmunder Trainers neulich „von seinen lustigsten Momenten in sieben Jahren mit Jürgen Klopp“ erzählt.
Zum Beispiel das hier:
Bei einem Testspiel in Emmendingen war es, wo er [Klopp] mir vorher gesagt hat: „Du musst mir einen Gefallen tun: Geh nicht zu meiner Mutter! Die kommt heute mal ins Stadion, um mal zuzugucken, und du wirst nicht zu meiner Mutter gehen!“
Das war ein langweiliges Testspiel, es hat geregnet in Strömen, und dann hatte ich natürlich irgendwann doch die Idee, zumindest aus Neugier mal zu gucken, wie die Mutter aussieht.
Natürlich.
Bin zu der Mutter hingegangen, hab mich nur kurz vorgestellt, ‘n Smalltalk mit ihr gehalten, und bin wieder abgehauen. Und ich schätze mal, das waren 80 bis 90 Meter Entfernung, die der Klopp da irgendwie gucken musste, um das überhaupt mitzubekommen.
Auf der anschließenden Pressekonferenz dann:
Und plötzlich merke ich, wie mir einer vor’s Scheinbein tritt. (…) Dann kommt der zweite Tritt, mitten vor’s Schienbein, und ein dritter Tritt, und ich hatte gute Schmerzen. Irgendwann sehe ich: Es war der Klopp. Ich sag’ zu ihm: „Hömma, was soll der Kack denn? Was machst du denn da?“ Und darauf entgegnete er mir nur: „Hömma, ich hab’ genau gesehen, dass du bei meiner Mutter warst, das hatte ich dir doch extra gesagt, dass Du da nicht hingehen sollst.“
(grinst)
Hihi, ja, ganz schön ulkig, dieses Dasein als “Bild”-Mensch. Mütter behelligen, die man nicht behelligen soll — oder Gespräche belauschen, die man nicht belauschen soll:
Ich kann mich noch erinnern, es war sehr, sehr warm, knalleheiß (…), und das Fenster war eben offen. Und wir standen da, weil der Ordner vergessen hatte, uns wegzuschicken, und ich konnte mal live eine Mannschaftssitzung von Borussia Dortmund miterleben und habe gehört, wie’s da eben zuging. Kloppo wurde schon sehr, sehr deutlich (…). Dann hab ich nach dieser Sitzung allerdings einen Kardinalfehler gemacht: Habe ihn auf die Sitzung angesprochen, worauf der Mann dann fast einen Blutstau bekommen hat vor Wut, dass wir eben da vor dem Fenster gestanden haben und alles mithören konnten. Muss ich heute noch im Nachhinein Sorry an Willi sagen, den Ordner, weil der hat da richtig einen zwischen die Hörner bekommen. Tut mir leid, Willi, das war mein Fehler, aber es war trotzdem ein unvergessenes Erlebnis.
Der Off-Sprecher fasst zusammen:
Kein Zuckerschlecken, sich als Journalist mit Jürgen Klopp anzulegen.
Und erst recht keins, sojemandenwie Jörg Weiler am Bein zu haben.
1. “Bloggen & Geld” (dondahlmann.de)
Don Dahlmann antwortet auf die Auflistung von Blogkosten durch Mel, die er “teilweise hanebüchen” findet. Er glaubt, es gebe im Moment nur zwei Wege, um mit seinem Blog längerfristig erfolgreich zu sein: “1. Ich nutze das Blog als mein persönliches Vermarktungsinstrument in bestimmten Nischen. 2. Ich baue ein redaktionelles Angebot auf.”
2. “Warum wir die Griechen falsch verstehen (wollen)” (zeit.de, Axel Hansen)
Axel Hansen listet fünf Missverständnisse auf, die sich über die griechische Regierung festgesetzt haben: “1. Griechische Reeder-Millionäre zahlen keine Steuern. 2. Die Griechen sind faul und geben das Geld anderer Länder aus. 3. Tsipras’ Besuch eines Widerstandsdenkmals war eine Provokation Deutschlands. 4. ‘Was immer die Deutschen sagen, sie werden zahlen’. 5. Griechenland reformiert nicht genug.”
3. “Umblättern im Kopf – ein Besuch beim Nordbayerischen Kurier” (operation-harakiri.de, Ralf Heimann)
Bei einem “Hate-Slam” lesen Redakteure des “Nordbayerischen Kuriers” “hasserfüllte Leserbriefe” vor: “Als der Applaus am Mittwochabend abgeklungen war, standen Kollegen von Verlagen aus anderen Städten vor der Garderobe. Dass die Veranstaltung ganz gut funktioniert, hat sich herumgesprochen. Und wenn etwas gut funktioniert, ist das gerade genau das Richtige für Zeitungen auf der Suche nach einem Plan für die Zukunft. Das Problem ist nur: Wenn sich sonst nichts verändert, wird auch der Hate-Slam nicht funktionieren. Und eine Redaktion, die kein bisschen subversiv ist, wird selbst bei so einer Veranstaltung die Leute in den Schlaf lesen.”
4. “Die geheimen Träume der Sportreporter” (blog.tagesanzeiger.ch/blogmag, Michèle Binswanger)
“Frauensport interessiert die Schreibenden wenig, weshalb sie glauben, es interessiere auch sonst keinen”, behauptet Michèle Binswanger über Sportreporter: “Weil sie trotzdem darüber berichten müssen, handeln sie ihn ihren eigenen Interessen gemäss ab. Das heisst, sie konzentrieren sich auf Körpermasse, Bekleidungsvorlieben, Schmink- und Diätgewohnheiten der Frauen.”
5. “To all the young journalists asking for advice….” (fusion.net, Felix Salmon, englisch)
Felix Salmon gibt jungen Journalisten Tipps: “I’m sure that many people have told you this already, but take it from me as well: journalism is a dumb career move. If there’s something else you also love, something else you’re good at, something else which makes the world a better place — then maybe you should think about doing that instead. Even successful journalists rarely do much of the kind of high-minded stuff you probably aspire to. And enormous numbers of incredibly talented journalists find it almost impossible to make a decent living at this game.” Siehe dazu auch “This is my best advice to young journalists” (vox.com, Ezra Klein, englisch).
6. “‘Haha, Schrei nach Liebe'” (krautreporter.de, Theresa Bäuerlein)
Ein Interview mit Anti-Gewalt-Coach Alex, der während zwanzig Jahren “eine bekannte Figur in der rechtsextremen Szene” war: “Auch wenn es kein homogenes rechtsextremes Weltbild gibt: Der Antisemitismus eint sie alle. Um auch weiterhin Teil dieser Gemeinschaft bleiben zu können, habe ich mich diesen Äußerungen und Denkweisen angeschlossen. Es war für mich wichtig, mit meinen eigenen Äußerungen nicht aus dem Rahmen zu fallen. Sonst hätte man mich wahrscheinlich aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, davor hatte ich Angst. Und irgendwann glaubte ich selbst auch daran, dass es wahr sein musste, was ich über die Juden hörte und las. Sonst wäre mein gesamtes Weltbild schon viel früher in sich zusammengefallen.”