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Sportteil von “Bild” rasselt durch den Realitäts-Check

Die Transferphase der Bundesliga neigt sich dem Ende entgegen — heißt: Die Medien geben nochmal Vollgas und spekulieren munter darüber, welcher Spieler wohl zu welchem Verein wechseln wird.

Wie wenig man auf solche Ratespielchen geben kann, zeigt schon das Beispiel von Andreas Bjelland. Die “Bild”-Zeitung behauptete vor zwei Tagen, der Spieler vom FC Twente sei beim FSV Mainz 05 im Gespräch — einen Tag später musste sie aber per Twitter einräumen: Stimmt gar nicht.

Interessant übrigens auch diese Fortsetzung:

Auf der heutigen Pressekonferenz des FSV wurde der Mainzer Manager Christian Heidel gefragt, was in Sachen Transfers denn jetzt eigentlich Fakt sei. Da werde ja momentan viel geschrieben.

Heidel antwortete:

Ich lese auch viele Dinge, teilweise sehr belustigt, muss ich sagen. Aber ich verstehe das ja: Wenn wir nichts sagen, wird einfach was geschrieben – teilweise an den Haaren herbeigezogen.

Also teilweise ist es wirklich unglaublich, manche Namen habe ich noch nie gehört, kannte ich gar nicht – aber es ist halt so, damit müssen wir leben. Und wer uns kennt, wer mich kennt, weiß, dass wir einen Transfer dann bekannt geben, wenn ein Transfer perfekt ist.

Ein Journalist wollte daraufhin wissen:

Wie schwer wiegt es denn, dass ein Wunschspieler dann durch den Medizin-Check fällt? Den hätten sie ja sonst verpflichtet.

Gemeint ist damit eine Geschichte, die die “Bild”-Zeitung heute in der Mainzer Ausgabe gebracht hat:

Manager Heidel antwortete:

Das habe ich heute auch gelesen, das habe ich genauso belustigt zur Kenntnis genommen. Deswegen: Selbst wenn es so wäre, würde ich mich zu solch einer Thematik nie äußern, auch nie äußern dürfen. Ich kann nur eines sagen: Dem Jungen geht’s ausgesprochen gut!

Daraufhin der Journalist:

Ich habe nicht nach dem Medizin-Check gefragt, sondern wie schwer das wiegt, dass kurz vor einer Verpflichtung jemand scheinbar nicht den Medizin-Check besteht und die Transferperiode ja jetzt abläuft.

Manager Heidel:

Und das entscheide Wort war: scheinbar. Ich hab ja gesagt: Wartet doch mal ein bisschen ab! Hab ich gesagt, dass wir einen Spieler aufgrund eines Medizin-Checks nicht verpflichten können? Glaub ich nicht. Das hab ich auch heute irgendwo gelesen – aber was soll ich denn dazu sagen? Wir haben das nie bekanntgegeben, wir haben das nie gesagt, und ich habe ja eben gesagt: Diesem besagten Spieler geht es ausgezeichnet.

Und siehe da: Wenige Stunden nach der Pressekonferenz gab Mainz 05 die Verpflichtung des Spielers bekannt — dessen Wechsel laut “Bild” eigentlich schon “geplatzt” war.

Mit Dank an Jessica.

Sport Bild, Spiegel Online, Social-Media-Redakteur

1. “Der Social-Media-Redakteur – das überschätzte Wesen?”
(onlinejournalismusblog.com, Stephan Dörner)
Die Frage, “was von den eigenen Inhalten beachtet wird und was nicht”, entgleite den Redaktionen zunehmend, stellt Stephan Dörner fest, weshalb es zunehmend auch gar keine “Blattmacher” benötige. “Auch für Werbekunden erfordert die wachsende Bedeutung von Social Media ein Umdenken: Kann der Werbekunde, der eine Anzeige bei Handelsblatt Online oder dem Wall Street Journal bucht, wirklich noch sicher sein, dass diese vor allem die Zielgruppe erreicht? Vermutlich immer weniger, je größer der Anteil von Lesern wird, der eher zufällig auf der Website landet, weil ein einzelner Artikel – wenn er ein Reizthema behandelt oder das Thema einer gut vernetzten Gruppe – zum Facebook-Hit wird.”

2. “Die substantiellen Probleme von Spiegel Online”
(datenjournalist.de, Lorenz Matzat)
Lorenz Matzat befasst sich mit der Online-Strategie von “Spiegel” und “Spiegel Online”: “Die Zwei Klassen-Gesellschaft in der Spiegel Gruppe, also die Printredaktion mit ihren Gesellschafteranteilen (Mitarbeiter-KG) versus Online ohne Anteile am Verlag, bleiben das zentrale Problem.”

3. “Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Für die nicht wissen wie”
(titanic-magazin.de, Stefan Gärtner)
“Sport Bild” lässt Kevin Großkreutz Fragebogen mit witzig gemeinten Antworten ausfüllen (BILDblog berichtete), um ihm diese später ernsthaft vorzuhalten.

4. “Er kann es einfach nicht”
(begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Gregor Keuschnig liest das Buch “Ganz oben ganz unten” von Christian Wulff: “Ich habe inzwischen keinen Zweifel daran, dass Wulff in einer Mischung aus selbst­verschuldetem Unglück und narzisstischem Jagdtrieb einiger wildgewordener Egomanen einem eben auch qualitätsmedialen Blutrausch erlag, in dem sich zu Beginn mehrere Jäger gleichzeitig auf das gleiche Objekt konzentrierten. Zunächst begann ein Wettkampf (‘Bild’, ‘stern’, ‘Spiegel’). Als ‘Bild’ durch die Mailbox-Nachricht praktisch über Nacht ein Faustpfand in der Hand hatten, übernahm ‘Bild’ die Führungsrolle. Willig liessen sich nahezu alle selbsternannten Qualitätsmedien vor den Karren spannen.”

5. “The German war against the link”
(buzzmachine.com, Jeff Jarvis, englisch)
Jeff Jarvis kommentiert die Forderung deutscher Verleger an Suchmaschinen, “bis zu elf Prozent der Umsätze, die sie mit Ausschnitten aus Online-Presseerzeugnissen erzielen, an die Zeitungen und Zeitschriften” weiterzureichen: “They are trying to blackmail net companies in hopes of getting some payoff from them.”

6. “Fußballfloskeln wörtlich genommen”
(youtube.com, Video, 5:15 Minuten)
Die Sendung mit der Maus nimmt Fußballreporter mal wörtlich.

Kommentare, Kiosk, Alles Ausser Sport

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Die bessere Kommentarkultur: Stärkt die Guten!”
(medialdigital.de, Ulrike Langer)
Um eine bessere Kommentarkultur zu erhalten, solle man nicht immer nur über Negativbeispiele reden, sondern die Positivbeispiele stärken. Die meisten Tipps für ein bessere Community-Führung gingen “stark vom Weltbild des unreifen Users aus, der im Zaum gehalten und zu besseren Manieren bekehrt werden muss. Dabei sollte es doch vor allem um jene Nutzer gehen, die von vornherein und von sich aus mit intelligenten und konstruktiven Beiträgen Debatten anregen und damit auch den Journalismus weiterbringen.”

2. “Magazin-Menschen (1): Die Verkäuferin – ‘Gruftis sind wahnsinnig nett'”
(kioskforscher.wordpress.com, Markus Böhm)
Ein Interview mit einer 54-jährigen Kioskverkäuferin am Münchner Hauptbahnhof: “Die Fernsehzeitschriften könnten gern abwechslungsreicher sein – optisch unterscheiden die sich doch nur durch die Haarfarbe des Models. Zu häufig auf Titelseiten ist Heidi Klum: Manchmal habe ich das Gefühl, die zieht gleich bei mir ein.”

3. “Ask me Anything zum 10jährigen”
(allesaussersport.de, Kai Pahl)
Gründer Kai Pahl beantwortet anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Blogs “Alles Ausser Sport” Fragen der Leser: “Wie viele Fernseher hast Du wirklich?” – “Zuhause eigentlich nur einen, aber zwei Satelliten-Receiver und da der Fernseher Split-Screen kann, kann ich zwei Bilder gleichzeitig sehen. Nach Bedarf kann ich hocheskalieren mit iPad und Laptop. Am Fernseher ist noch ein alter Laptop angeschlossen um ggf. Streams auf den Fernseher zu bringen. Und da die Freundin derzeit in München weilt, habe ich ihren Fernseher auch gleich in mein Zimmer gerollt.”

4. “Der Tag, an dem die Verlage gerettet wurden”
(lumma.de)
Nico Lumma befasst sich mit dem seit gestern geltenden Leistungsschutzrecht für Presseverleger: “Das Argument, dass eine strukturelle Schwäche eines Marktes durch das Eingreifen des Gesetzgebers ausgeglichen werden muss, zieht leider immer wieder, vor allem, wenn mit dem Verlust von vielen Arbeitsplätzen gedroht wird. Da haben dann insbesondere die Politiker der Volksparteien CDU/CSU/SPD so einen dermaßen großen Schiss vor der nächsten Wahl, dass sie alles mitmachen. Lieber den nötigen Strukturwandel der Dickschiffe einer Branche durch ein Gesetz etwas herauszögern, als kleineren Marktteilnehmern eine Chance zu geben, aus einer nischigen Position heraus zu wachsen”

5. “Willkommen in der Sackgasse”
(zeit.de, Till Kreutzer)
“Für einen Suchdienst, egal ob horizontal oder vertikal”, sei es unmöglich, das Leistungsschutzrecht einzuhalten, schreibt Till Kreutzer. “Schließlich würde das erfordern, für alle Webangebote, die nach der Definition des Leistungsschutzrechtes Presseerzeugnisse sind, Rechte einzuholen. Abgesehen davon, dass es keine zentrale Stelle für die Lizenzierung gibt, dürfte dieser Versuch schon daran scheitern, überhaupt herauszufinden, welche Webseiten unter den Begriff des Presseerzeugnisses fallen. Die einzige Strategie, und das macht die Ironie dieser Gesetzesnovellierung besonders deutlich, ist es, sich um das Leistungsschutzrecht herumzudrücken. Mit anderen Worten: Den Anbietern von Suchdiensten bleibt nichts anderes übrig, als ihre Angebote so zu gestalten, dass sie nicht unter das Gesetz fallen.”

6. “Bild.de: Hold me”
(psdisasters.com, englisch)

DFB hält sich nicht an “Sport Bild”-Wissen

Der Fußballzweitligist Dynamo Dresden ist wegen der Randale seiner Fans im Pokalspiel bei Hannover 96 für die kommende Saison aus dem DFB-Pokal ausgeschlossen worden.

Diese Meldung kommt für alle überraschend, die sich auf die Expertise von “Sport Bild” verlassen hatten:

Exklusiv: Nur Geisterspiele für Dynamo Dresden. Wie SPORT BILD PLUS weiß, ist ein Pokal-Ausschluss für Dynamo Dresden nach den Fan-Randalen in Hannover nicht möglich. Bei der DFB-Verhandlung wird es wohl auf Geisterspiele als Strafe hinauslaufen

Dabei hatten die Reporter gestern doch so glaubwürdige Quellen aufgetan:

SPORT BILD Plus erfuhr aus dem Umfeld des DFB-Sportgerichts: Auch diesmal wird Dresden mit einem blauen Auge davonkommen. Ein Ausschluss aus dem DFB-Pokal ist nicht möglich, weil dieser gegen die DFB-Satzung verstoßen würde. Stattdessen sollen mehrere Geisterspiele gegen Dynamo verhängt werden.

Mit Dank an Rico K.

Die Zeit, Mediaset, Sport1

6 vor 9

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1. “Medienvielfalt selber machen – was die Zeitungskrise mit Blogs zu tun hat”
(metronaut.de, John F. Nebel)
John F. Nebel erinnert daran, dass Medienvielfalt nicht nur von Verlagen abhängt, “deren Print-Tageszeitungen abschmieren, sondern der Auswahl diverser, verfügbarer, spannender, lesbarer, hörbarer, konsumierbarer Medien insgesamt. (…) Qualität gibt es, wenn Leute Zeit, Muße und Begeisterung in den Inhalt stecken können. Und dann braucht es Leser, bei denen gute Inhalte Enthusiasmus und den Griff zum Geldbeutel auslösen.”

2. “Auf den Hund gekommen: Der Wärmestuben-Journalismus der ‘Zeit'”
(stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier liest die aktuelle “Zeit” mit dem Titelthema “Wie guter Journalismus überleben kann”: “Mich hat diese hilflos-verzweifelt-verklärende Flucht ins Pathos unter dem Sinnbild des süßen gephotoshoppten Hundes heute depressiver gemacht als alle aktuellen Untergangs-Nachrichten von Print-Medien.”

3. “Verstöße gegen Gewinnspielsatzung bei Sport1: ZAK verhängt Bußgelder und schöpft Einnahmen ab”
(die-medienanstalten.de)
Die ZAK verhängt Bußgelder in der Höhe von insgesamt 28.000 Euro gegen den TV-Sender Sport1: “Sport1 hatte im Januar 2012 in sieben Ausgaben der Sendung Sportquiz irreführende Angaben gemacht, u.a. über den Schwierigkeitsgrad von Spielen und über das Auswahlverfahren für die durchgestellten Nutzerinnen und Nutzer. Außerdem wurde mehrfach gegen die Pflicht zur umfassenden Information verstoßen; das betraf z. B. Spielmodus und Teilnahmebedingungen.”

4. “Bunga-Bunga-Stimmung in Italien ist vorbei”
(dradio.de)
Der Börsenwert der von Silvio Berlusconi gegründeten TV-Sendergruppe Mediaset “hat sich in weniger als einem Jahr halbiert”: “Die von Berlusconis Medien propagierte und von ihm vorgelebte unbändige Vergnügungslust kommt immer weniger an. Eine wachsende Zahl der italienischen Fernsehzuschauer schaltet sich lieber bei politischen Talkshows ein. Sie erzielen heute Rekordwerte bei den Einschaltquoten.”

5. “Was für Artikel die Menschen von Journalisten erwarten”
(blog.tagesanzeiger.ch/deadline, Constantin Seibt)
Als Constantin Seibt 1989 als Volontär einen Artikel über ein Firmenjubiläum einer Schnellreinigung schreiben sollte, wurde er mit den Worten “Sie müssen hier nichts mehr tun – wir haben den Artikel schon geschrieben” empfangen.

6. “A Day in the Life of a Blogger”
(youtube.com, Video, 47 Sekunden)

Kostas Vaxevanis, Randsportarten, Zensor

6 vor 9

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1. “Warum ich die Lagarde-Liste veröffentlicht habe”
(presseurop.eu, Kostas Vaxevanis)
“Hotdoc”-Verleger Kostas Vaxevanis veröffentlichte eine Liste mit Personen, die ein Bankkonto in der Schweiz haben. Nun wurde er vom Landgericht Athen vom Vorwurf der Verletzung des Datenschutzes freigesprochen. Siehe dazu auch “Medienwirbel um den Verleger Vaxevanis” (nzz.ch, Elisa Hübel).

2. “Verhitlern für die Quote”
(politisieren.at, Florian Machl)
Florian Machl denkt nach über ein Interview, in dem Felix Baumgartner sagte: “Wir würden eine gemäßigte Diktatur brauchen, wo es ein paar Leute aus der Privatwirtschaft gibt, sie sich wirklich auskennen.” – “Interessiert man sich für die Meinung Baumgartners, kann man aus dem weiteren Gesagten den ungeschickt formulierten Wunsch nach einer Expertenregierung herauslesen.”

3. “Ich streame, also bin ich ein Sport”
(zeit.de, Christian Spiller)
Randsportarten kommen kaum vor im Fernsehen: “Mittlerweile aber haben sich die Vernachlässigten etwas überlegt. Sie produzieren einfach ihre eigenen Bilder und stellen sie ins Internet. Technisch ist das kein Problem mehr, es ist zudem relativ kostengünstig.”

4. “Me and My Censor”
(foreignpolicy.com, Eveline Chao, englisch)
Eveline Chao erzählt von ihrem Zensor: “Every legally registered publication in China is subject to review by a censor, sometimes several. (…) Our censor, an employee of MOFCOMM [Handelsministerium], was a nervous, flighty woman in her forties with long, frizzy hair and a high, childlike voice, whose name was Snow. (Snow requested I only use her English name for this article.) In late September of this year, I learned that Snow left the magazine, enabling me to finally write this story without fear that it would affect her job.”

5. “Immer zur besten Sendezeit”
(freitag.de, Klaus Raab)
Klaus Raab malt sich aus, wie es wäre, wenn alle Fernsehen nur noch auf Abruf sehen würden.

6. “Was Katzen mögen vs. was Hunde mögen”
(graphitti-blog.de, katja)

Sportlich, sportlich (5)

Der FC Bayern München gibt sich derzeit viel Mühe, den Kampf um die Deutsche Meisterschaft schon am 8. Spieltag als langweilig und “gelaufen” erscheinen zu lassen.

Oder, in den Worten von n-tv.de:

Wer sieht, wie der FC Bayern durch die Fußball-Bundesliga stürmt, der fragt sich schon, wer diese Münchner noch stoppen kann.

Der Verein hat eine ganze Menge Rekorde und Serien zu feiern:

Die Bayern haben ihre Partien allesamt gewonnen, so viele wie nie zuvor eine Mannschaft zum Start in eine Saison. […] In diesen acht Spielen haben die Münchner 24 Tore geschossen, im Schnitt also drei pro Begegnung. Und ganze zwei Gegentreffer kassiert. Auch das gab es noch nie. Was soll da noch passieren?

Wie man es dreht und wendet: Die Behauptung, das habe es “noch nie” gegeben, dass ein Verein am achten Spieltag “ganze zwei Gegentreffer kassiert” habe, ist falsch.

In der Saison 2001/2002 hatten die Bayern nämlich exakt zwei Gegentore. Und es geht sogar noch besser: Vor einem Jahr hatten sie nur ein Gegentor auf dem Konto, in der Saison 2003/2004 hatte der VfB Stuttgart gar noch kein einziges.

Mit Dank an Joachim.

Nachtrag, 15.10 Uhr: Bayern hat aktuell übrigens 26 Tore geschossen, nicht 24, wie n-tv.de behauptet.

Mit Dank an Ansgar.

2. Nachtrag, 15.55 Uhr: n-tv.de hat die Stelle unauffällig überarbeitet:

In diesen acht Spielen haben die Münchner 26 Tore geschossen, im Schnitt also drei pro Begegnung. Und ganze zwei Gegentreffer kassiert. Was soll da noch passieren?

Sportlich, sportlich (1-4)

Am Freitag gewann die deutsche Fußballnationalmannschaft ihr WM-Qualifikationsspiel in Irland mit 6:1. Am Sonntag feierte die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” den “Hauch von Befreiung”, den dieses Ergebnis bedeutete.

Was laut “Sonntagszeitung” vor allem an einem Mann lag:

In Dublin genügte ein Name, um das Steigerungspotential im Vergleich zur EM zu vermessen. Marco Reus präsentierte sich nicht nur wegen seiner beiden Tore als ein weiterer Spieler, der den Unterschied ausmachen kann.

Doch obwohl Reus gegen Irland der Matchwinner war, gab es offensichtlich kein brauchbares Foto von ihm aus dem Spiel — die “FAS” jedenfalls druckte ein Foto aus dem EM-Viertelfinale gegen Griechenland, gut zu erkennen am EM-Logo auf den Ärmeln und an den deutschen und griechischen Fahnen unter dem Adler:

Mit Dank an Oskar L.

***

Apropos Adler: Am Sonntag fand das sogenannte “Jahrhundertspiel” zwischen Deutschland und Italien statt, bei dem ehemalige Nationalspieler beider Länder für einen guten Zweck gegeneinander antraten.

Der Kölner “Express” schreibt dazu auf seiner Website:

30:000 Fans waren in die Frankfurter Arena gekommen, und sie sahen Ballack noch einmal mit dem DFB-Adler auf der Brust.

Das darüber abgebildete Foto zeigt allerdings deutlich, dass Ballack gar keinen DFB-Adler auf der Brust hatte:

Genau genommen hatte keiner der deutschen Spieler den DFB-Adler auf der Brust, weil es sich nicht um ein offizielles Spiel des Deutschen Fußballbundes handelte und dessen Wappen deshalb auch nicht verwendet werden durfte. Weswegen auch die Überschrift “Ballack genießt Auftritt im DFB-Trikot” auf wackligen Beinen steht.

Mit Dank an Tim W.

***

In der Nacht zum Sonntag kam es in Fürth zu einer Massenschlägerei mit neun Verletzten.

Der Sportinformationsdienst sid schreibt:

Nach Angaben der Polizei sollen sich zu jenem Zeitpunkt 40 Anhänger des Aufsteigers in ihrem Vereinsheim aufgehalten haben, als gegen 1.30 Uhr rund 60 Fans des Club auftauchten.

Der sid war so unvorsichtig, die Meldung als “Fußball/BL/Nürnberg/Fürth/Fans/Schlägerei” zu kategorisieren, woraus die Überschriftenmacher bei “Focus Online” folgendes folgerten:

1. FC Nürnberg gegen SpVgg Greuther Fürth: Massenschlägerei bei Bundesligaspiel.

Nur, dass am Wochenende nicht nur nicht das Spiel Fürth gegen Nürnberg stattfand (das ist erst Ende November), sondern wegen der Länderspielpause (s.o.) gar kein “Bundesligaspiel”. Aber wenn Fans von Bundesligavereinen aufeinander einschlagen, muss das ja quasi ein Bundesligaspiel gewesen sein.

Mit Dank an Bastian.

***

Und dann war da noch die “Welt”, die gestern den schwedischen Fußballer Zlatan Ibrahimovic porträtierte, der “als gemein, gefährlich und genial” gilt:

Auf der Skala der Traumberufe stünden wir Fußballreporter ganz oben, wenn da nicht mitunter diese brutale Wirklichkeit wäre: Erst bettelt man bei einem Star um ein Interview – um hinterher zu bedauern, dass es geklappt hat. So erging es jenem armen Kerl, der Zlatan Ibrahimovic einmal unbedingt vor der Kamera haben wollte. Der Torjäger kam nach dem Spiel vom Duschen, strebte zum Ausgang – und es kam zu folgendem Dialog.

“Zlatan!”, schrie ihm der Reporter nach. Ibrahimovic hielt abrupt an, machte kehrt und sagte: “Was zum Teufel willst Du?” Der Reporter bugsierte den Rüden dann irgendwie vors Mikrofon, zupfte sich fürs Interview schnell die Haare schön – da verzog Ibrahimovic seine krumme Nase und maulte: “Zum Teufel, was hast Du für ein Parfüm? Du riechst nicht gut.” Die Anspannung des Reporters nahm dramatisch zu, verkrampft lächelnd nahm er Anlauf zum Zwiegespräch, doch wieder war der Kicker schneller. “Das ist ja schlimm, wie Du riechst”, beschwerte sich Ibrahimovic. Anschließend beantwortete er halbherzig eine kurze Frage zum Spiel, und der Reporter, erleichtert, bedankte sich: “Also, bis demnächst, wir sehen uns.” “Besser nicht”, sagte Ibrahimovic, rümpfte noch mal die Nase – und ging.

Wie ernst es Ibrahimovic mit seinen “Beschwerden” war, sehen Sie am Besten selbst:

Mit Dank an Boludo.

Daily Mail, Abokündigung, Sportinformation

6 vor 9

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1. “Mail Supremacy”
(newyorker.com, Lauren Collins, englisch)
Die 1896 gegründete britische Tageszeitung “Daily Mail” erreicht vier mal so viele Leser wie der “Guardian”, im Januar überholte sie die “New York Times” als meistgelesene Zeitung online. Der ausführliche Bericht von Lauren Collins beleuchtet die Haltung der Zeitung während dem 2. Weltkrieg und die Beziehung zu den Prominenten: “In 1997, after Princess Diana’s death, the third Viscount Rothermere promised that the paper would no longer use photographs taken by paparazzi—a vow that didn’t last.”

2. “Axel Springer AG verurteilt”
(vzhh.de)
Das Landgericht Berlin verurteilt die Axel Springer AG wegen unlauterer Abowerbung, meldet die Verbraucherzentrale Hamburg: “Das Gericht verbot dem Medienunternehmen, Kunden, die ihr Zeitschriftenabonnement gekündigt haben, mit der Aufforderung anzuschreiben, sie zurückzurufen, weil noch eine Frage aufgetreten sei, wenn der Kunde tatsächlich auf diesem Wege dazu bewegt werden soll, seine Kündigung zurückzunehmen.”

3. “Warum ich den ‘Blick’ verachte”
(facebook.com, Max Küng)
Max Küng thematisiert den Umgang von “Blick” mit den Opfern des Busunglücks im Wallis: “Es mag etwas altmodisch klingen, aber ich verachte den ‘Blick’, respektive die Leute, die für die Leidpornografie in seinen Seiten verantwortlich sind.” Siehe dazu auch “Wie es mit Emma wirklich war” (blick.ch, Ralph Grosse-Bley).

4. “Fanprojekt fordert Gegendarstellung von Bildzeitung”
(stadionwelt-fans.de)
Fußball: Ein Sozialpädagogisches Kölner Fanprojekt fordert von “Bild” eine Gegendarstellung.

5. “Müssen nicht jeden Schrott melden”
(medienkritik-schweiz.ch, Reto Stauffacher)
Reto Stauffacher befragt Peter Lerch vom Schweizer Sportnachrichtendienst SI: “Wir haben die viel grössere Verantwortung als all diese Medienportale. Wenn wir etwas melden, ist das sofort in allen Kanälen sichtbar und nicht mehr auszulöschen. Und wenn diese Meldung nicht stimmt, dann ist das für uns der absolute Horror. Wir melden etwas erst, wenn wir wissen, dass es tatsächlich stimmt. Vielleicht wird uns diese Tatsache manchmal als ‘langsam’ ausgelegt.”

6. “Der Alabama Face Guy”
(hermsfarm.de)

Michael Kessler, Hans Zippert, Sportwerbung

6 vor 9

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1. “Mit leisen Sohlen zum Quotenrekord”
(rockbär.de, Sebastian Pertsch)
Sebastian Pertsch spricht mit Michael Kessler über seine Deutschland-Expeditionen: “Das nervt mich schon lange, dass die meisten sogenannten Reportagen und Dokumentation inzwischen nur noch ein Bild vom arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger – rechtsradikal, frustriert, doof, hässlich – zeigen. Ich kannte den Osten Deutschlands überhaupt nicht und lernte ihn erst durch die Expeditionen richtig kennen. Vor Ort zeigt sich ein völlig anderes Bild.”

2. “Der Zeilenwüstling”
(tagesspiegel.de, Torsten Körner)
Hans Zippert im Porträt: “Kein Dauerredner. Kein Selbstverherrlichungskünstler. Lebt in Oberursel. In einer Doppelhaushälfte.”

3. “Sommerinterviews à la Lindenstraße”
(cicero.de, Alexander Kissler)
Die Sommerinterviews im öffentlich-rechtlichen Fernsehen: “Mehr Phrasen und Parolen passen in keine Sendung. Sprache ist hier Graubrot weit jenseits des Haltbarkeitsdatums. Wo ein Mensch erscheinen soll, lauert das Klischee. Adorno hätte seine helle Freude an diesen Entstellungen der Wirklichkeit.”

4. “Warum wir Sportwerbung dauerhaft verpixeln”
(blogs.taz.de/hausblog, Andreas Rüttenauer und Markus Völker)
Andreas Rüttenauer und Markus Völker erklären, warum die “taz” in Zukunft alle Bilder, auf denen Sportwerbung zu sehen ist, verpixelt publizieren will. Ole Reißmann hält die Aktion für völligen Blödsinn.

5. “The RidicuList: Case of the giggles”
(ac360.blogs.cnn.com, Video, 4:02 Minuten)
Anderson Cooper gerät ins Kichern, während er eine Meldung über Gérard Depardieu nacherzählt (Originalvideo vom 17. August).

6. “Crazy: 90 Percent of People Don’t Know How to Use CTRL+F”
(theatlantic.com, Alexis Madrigal, englisch)

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