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Ohne AfD und Linke, Lokaljournalismus im Ahrtal, Selbstversuch Olympia

1. Warum AfD und Linke bei den Sat.1-Sommerinterviews fehlen
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Sat.1 plant politische Sommerinterviews, bei denen die beiden Oppositionsparteien AfD und Linke jedoch nicht vorkommen. Sendersprecher Daniel Rosemann begründet dies wie folgt: “Die Sat.1-Nachrichtenredaktion hat sich entschieden, mit den vier Parteien Sommer-Interviews zu führen, die nach den aktuellen Koalitionsaussagen nach der Wahl Teil einer neuen Bundesregierung sein können.” Für “DWDL”-Redakteur Timo Niemeier kommt diese Argumentation überraschend: “Zum einen, weil der Sender diesmal in Sachen AfD eine andere Argumentation wählt und sich nicht so klar gegen die Partei positioniert, wie es Rosemann noch vor wenigen Wochen tat. Und zum anderen, weil Koalitionsaussagen, die vor einer Wahl getroffen werden, danach vielleicht gar nicht halten. Ein Bündnis aus SPD, Grünen und Linken ist überdies gar nicht endgültig vom Tisch, weil es von keiner der Parteien ausgeschlossen wurde.”

2. Lokaljournalismus im Dauereinsatz
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 7:46 Minuten)
Die Flutkatastrophe im Ahrtal zeigt, wie wichtig gut funktionierender Lokaljournalismus ist. Seit über einer Woche berichtet die “Rhein-Zeitung” mit ihrer Lokalredaktion Ahrweiler mit zehn Reporterinnen und Reportern direkt aus dem Katastrophengebiet, unterstützt von Kräften aus der zentralen Mantelredaktion. Doch in der Region würden sich auch unseriöse Menschen tummeln, die Desinformationen streuen: Laut ZDF-Reporter Arndt Ginzel seien Mitglieder der “Querdenker”-Szene durch die Nachbarschaft gezogen und hätten fälschlicherweise erzählt, das Hochwasser sei von Bundeskanzlerin Angela Merkel geplant worden, um eine Klimadebatte zu entfachen.

3. Nürnberger Presse plant weiteren Stellenabbau
(verdi.de, Susanne Stracke-Neumann)
Schlechte Nachrichten aus Nürnberg: “Um mindestens 80 Vollzeitstellen will der Verlag Nürnberger Presse (VNP) bis Ende März 2022 die Belegschaft verkleinern. Der Verlag, der die ‘Nürnberger Nachrichten’, die ‘Nürnberger Zeitung’ und die Online-Plattform Nordbayern.de in seinem Portfolio hat, baute bereits 2019/20 nach der Verschmelzung dreier einzelner zu einer Zentralredaktion 28 Vollzeitstellen durch einen ‘freiwilligen Sozialplan’ mit Abfindungen ab.”

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4. »Ältere Menschen sind empfänglicher für Falschmeldungen«
(spiegel.de, Max Hoppenstedt & Ann-Katrin-Müller)
Fiete Stegers hat sich im Auftrag der Vodafone-Stiftung bei Faktencheckern, Forschenden, Fachjournalistinnen und Vertretern von zivilgesellschaftlichen Organisationen zum Thema Desinformation umgehört. Der “Spiegel” berichtet vorab über die Befragung. Anfällig für Desinformationskampagnen seien laut den Expertinnen und Experten vor allem Menschen, die “der transportierten Botschaft ohnehin zugeneigt sind und sich durch sie bestätigt fühlen”. Außerdem spiele laut Stegers das Alter eine Rolle: “Ältere Menschen sind tendenziell empfänglicher für Falschmeldungen als junge”.

5. Absprachen ums Preisgeld?
(sueddeutsche.de)
“Get the F*ck out of my House” ist eine ursprünglich aus den Niederlanden stammende Reality-Show, die in Deutschland bei ProSieben ausgestrahlt wurde. Die Spielidee: In einem Haus werden 100 Menschen untergebracht. Wer als Letzter das Haus verlässt, bekommt die 100.000 Euro Siegprämie. Drei Jahre nach dem Ende der Sendung streiten die Kandidaten vor Gericht um das Preisgeld. Die drei Finalisten hätten verabredet, dass – egal, wer gewinnt – der Gewinner den beiden anderen 20.000 Euro abgebe. Daran, so der Vorwurf, habe sich der Gewinner jedoch nicht gehalten.

6. Olympia als 14-Stunden-Selbstversuch: Die Geisterspiele von Tokio im nächtlichen TV-Protokoll
(rnd.de, Imre Grimm)
Imre Grimm hat einen heroischen Selbstversuch unternommen und sich eine ganze Nacht durch das Olympia-Programm gezappt. Richtige Begeisterung wollte bei ihm nicht aufkommen, denn ohne Publikum fehle etwas Entscheidendes: “Das kollektive Staunen über die Grenzbereiche des Menschenmöglichen sind das Geheimnis des Events. Aber ohne Kollektiv gibt es keine kollektive Freude. Was wäre Usain Bolt ohne seine Ehrenrunden? Für wen sollte Robert Harting in einem leeren Stadion sein Trikot zerreißen? Emotionen sind der wichtigste Rohstoff internationaler Sportevents. Von 10.000 leeren Plastiksesseln aber sind keine Gefühlsaufwallungen zu erwarten. Man kann Emotionen nicht herbeibehaupten.”

Talkshow-Pionier Bio, Turnen statt Boxen, Kunstfreiheit im Rap

1. Der Zauber der zwanglosen Plauderei
(spiegel.de, Arno Frank)
Der Fernsehmoderator, Buchautor und Jurist Alfred Biolek ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Biolek gilt in Deutschland unter anderem als Pionier des Talkshow-Genres. Viele kennen ihn nur von seinen Kochsendungen, Biolek war aber auch für Formate wie Rudi Carrells “Am laufenden Band”, “Bio’s Bahnhof” und “Boulevard Bio” verantwortlich. Etliche Stars hatten in einer seiner Sendungen ihren ersten Auftritt. So holte er beispielsweise als Erster die Komiker-Truppe Monty Python nach Deutschland.
Weiterer Lesetipp: Köfte und Knast: Böhmermann brutzelt auf Bios Spuren (dwdl.de, Alexander Krei).

2. “Allerfeinstes Mobbing”
(faz.net)
Der Fußballreporter Jörg Dahlmann und der Pay-TV-Sender Sky haben sich nach einer umstrittenen Äußerung Dahlmanns getrennt. Dieser fühlt sich von Sky gemobbt: “Der Sender hat den Riesenfehler gemacht, sich zu sehr durch Twitter-Hater leiten zu lassen. Diese Empörungsgemeinde hat die Politik des Senders beeinflusst.” Offenbar gab es bereits lange Unstimmigkeiten zwischen Sky und Moderator, wie der Sender andeutet: “In der Vergangenheit haben zahlreiche Gespräche zwischen Sky und Jörg Dahlmann stattgefunden, die einen verantwortungsvollen Umgang mit Sprache zum Thema hatten. Jörg Dahlmann, der regelmäßig vor einem Millionenpublikum kommentierte, hat leider kein Bewusstsein dafür gezeigt, dass er als Multiplikator eine entsprechende Verantwortung trägt.”
Dazu auch: Ein Twitter-Kommentar des “11-Freunde”-Chefredakteurs Philipp Köster zu einer von Dahlmanns Aussagen.

3. 3,8 Milliarden Telefonnummern werden im Darknet verkauft
(golem.de, Oliver Nickel)
Im Darknet behauptet ein anonymer Hacker, im Besitz der Kontakte aller 10 Millionen Clubhouse-User und deren Telefonbücher zu sein, und bietet die Daten zum Verkauf an. Es soll sich dabei um insgesamt 3,8 Milliarden Telefonnummern handeln. Das Unternehmen, dem schon einmal 1,3 Millionen Datensätze abhanden gekommen sind, widerspricht: “Es gab keinen Datenleak bei Clubhouse. Es gibt eine Reihe von Bots, die Milliarden von zufälligen Telefonnummern generieren. Für den Fall, dass eine dieser zufälligen Nummern aufgrund eines mathematischen Zufalls auf unserer Plattform existiert, gibt die API von Clubhouse keine benutzeridentifizierbaren Informationen zurück.”

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4. Turnen statt Boxen
(taz.de, Alina Schwermer)
Frauen, die Spitzensport machen, sind in den Medien unterrepräsentiert. Wenn sie zu sehen sind, dann eher passiv und in kontaktarmen Disziplinen, so der Befund der “taz”-Autorin Alina Schwermer: “Das hat auch mit der Zusammensetzung der Redaktionen zu tun. Der alte Witz, dass im Sport ‘Männer für Männer über Männer’ berichten, stimmt weiterhin.”

5. Flutopfer müssen Rundfunkgebühren nicht mehr zahlen
(rnd.de)
ARD, ZDF und Deutschlandradio haben sich auf “unbürokratische Entlastungen” geeinigt: Betroffene der Flutkatastrophe können sich von den Rundfunkgebühren befreien lassen und eine Abmeldung ihres Kontos beantragen. Dazu reiche eine kurze schriftliche Mitteilung an den Beitragsservice.

6. “Alles von der Kunst­f­rei­heit gedeckt”
(lto.de, Eike Fesefeldt)
“Fast schon ein wenig geehrt werden sich manche Juristinnen und Juristen fühlen, dass auch ihr Berufsstand einen kleinen Platz in Hip-Hop-Texten gefunden hat. Einige Songs beruhen darauf, dass ihre Interpreten bereits Erfahrungen im Gerichtssaal gesammelt haben.” Staatsanwalt Eike Fesefeldt hat sich angeschaut, auf welche Weise Justizthemen in deutschsprachigen Rap-Texten verarbeitet werden.

Matsch-Inszenierung bei RTL, Olympia, Amthors “Gaming Night”

1. RTL beurlaubt Flut-Reporterin Susanna Ohlen
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Die RTL-Reporterin Susanna Ohlen wurde dabei gefilmt, wie sie sich vor einer Schalte aus dem Hochwassergebiet offenbar für mehr Drama Matsch ins Gesicht schmierte. RTL hat die Moderatorin darauf freigestellt: “Das Vorgehen unserer Reporterin widerspricht eindeutig journalistischen Grundsätzen und unseren eigenen Standards. Wir haben sie daher direkt am Montag, nachdem wir davon erfahren haben, beurlaubt.”

2. Der männliche Blick auf Frauen
(deutschlandfunk.de, Isabelle Klein, Audio: 5:56 Minuten)
Heute starten die Olympischen Spiele in Tokio, mit erfreulichen Entwicklungen in Sachen Gleichberechtigung und gleicher Teilhabe von Mann und Frau: Erstmals in der olympischen Geschichte hätten in Tokio alle olympischen Sportarten eine männliche und weibliche Kategorie. Über alle Kategorien gerechnet betrage der Anteil der Frauen etwa 49 Prozent – so viel wie noch nie. Die Sportjournalistin Alina Schwermer erklärt im Gespräch mit dem Deutschlandfunk, warum es damit aber noch lange nicht getan ist.

3. Von der Regierung finanziert
(taz.de, Steffen Grimberg)
Beim privaten Lokalfernsehen Sachsen TV laufen Formate wie “Martin Dulig konkret” oder “MK Direkt” mit dem sächsischen Wirtschaftsminister Dulig beziehungsweise mit Sachsen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer. Steffen Grimberg kommentiert: “Nun ist Sachsen TV wie alle Medien natürlich frei in seinen redaktionellen Entscheidungen und muss sich nicht vorwerfen lassen, wen die Redaktion in ihre Sendungen einlädt. Doch die Sache hat einen Haken: Die Produktion dieser Sendungen wird vom Sächsischen Ministerium für Wirtschaft und Arbeit bezahlt.”

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4. MDR will Klimaberichterstattung ausbauen
(rnd.de)
Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) will seine Berichterstattung über den Klimawandel ausbauen. So plane man eine Art “Klimaherbst” für die Zeit nach der Bundestagswahl. Außerdem würde ab heute das wöchentliche multimediale “Klima-Update” erscheinen: “Einmal in der Woche gibt der Newsletter einen Überblick über alle wichtigen Infos zum Thema: Dazu zählen Hintergrundgeschichten, Interviews, Podcasts und Dokumentationen mit Beispielen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Auch passende Inhalte aus der ARD und darüber hinaus werden im Klima-Update vorgestellt.”

5. Facebook gefällt das nicht
(zeit.de, Lisa Hegemann)
Lisa Hegemann hat “Inside Facebook” gelesen, das jüngst erschienene Buch der “New-York-Times”-Reporterinnen Sheera Frenkel und Cecilia Kang. “Über Facebook ist so viel berichtet worden, dass sich Inside Facebook wie eine Zusammenfassung aller großen Skandale der vergangenen Jahre liest. Der Verdienst von Frenkel und Kang ist es, die vielen Probleme von Facebook in Beziehung zueinander zu setzen und detailliert aufzudröseln, wie die Anfänge des sozialen Netzwerks zu seinem heutigen Image beigetragen haben. Das Buch gewährt einen Blick hinter die ohnehin schon brüchig wirkende Fassade von Facebook. Das Beunruhigende: Dahinter sieht es offenbar noch schlimmer aus, als man ohnehin schon erwartet hatte.”

6. Wahlkampfspiele
(faz.net, Axel Weidemann)
Der Chef der Jungen Union, Tilman Kuban, und der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor hatten sich zur “Gaming Night” auf Twitch verabredet, bei der sie “ungeschönt und ohne Politsprech” mit der “Community” über Politik reden wollten. Ein Himmelfahrtskommando, wie Axel Weidemann in der “FAZ” findet: “Das ist so, als wolle man in einem Flugsimulator ein Gewitter durchfliegen und dabei mit einer Schulklasse in der siebten Stunde über die Probleme des deutschen Rentensystems diskutieren – auf Finnisch.”

Netzwerk Klimajournalismus, Pferderennen, Pandemisches Drehen

1. Journalismus oder Aktivismus?
(deutschlandfunk.de, Sören Brinkmann & Torsten Schäfer, Audio: 7:34 Minuten)
Unter dem Namen Netzwerk Klimajournalismus Deutschland haben sich einige Journalistinnen und Journalisten zusammengeschlossen, um ähnlich wie das Netzwerk Recherche oder das Europäische Datenjournalismus-Netzwerk regelmäßig über inhaltliche und redaktionelle Fragen zu diskutieren. Umweltjournalist und Journalismus-Professor Torsten Schäfer hat das Projekt mitgegründet und erklärt im Deutschlandfunk die Hintergründe und Zusammenhänge.

2. Lange historische Bögen
(taz.de, Dirk Knipphals)
Dirk Knipphals kommentiert die Entscheidung des WDR, sich von den “Buchtipps” mit Christine Westermann zu trennen: “Auch wenn man kein literaturkritischer Fan von Christine Westermann ist, kann einen die Begründung, mit der ihre Literaturtipps im WDR nun gestrichen werden, doch einigermaßen erschüttern. Im Kern läuft sie auf die Behauptung hinaus: Die Mehrheit interessiert sich nicht für Bücher. Selbst wenn das so wäre, sollte das gerade für ein öffentlich-rechtliches Fernsehen nicht Ansporn sein, das zu ändern?”

3. SPIEGEL-Kulturchef schürt Angst vor trans: Ahnungslos durch die Nacht?
(nollendorfblog.de, Johannes Kram)
Beim “Spiegel” kritisierte Sebastian Hammelehle, Leiter des Kulturressorts, in einem Essay (nur mit Abo lesbar) den Wunsch eines Schauspielers, den Namen seiner ehemaligen geschlechtlichen Identität nicht mehr zu erwähnen (“So baut sich unsere aufgeklärte Gesellschaft einen Kokon aus neuen Verboten.”) Johannes Kram antwortet: “Hat der SPIEGEL-Kulturchef nicht mitbekommen, wie gegen trans Menschen gehetzt wird? Und welche Rolle dabei alte Bilder und der alte, der Deadname spielt, das Vergnügen des rechten Pöbels, diesen immer wieder sichtbar zu machen als ‘Beweis’ dafür, dass der Mann oder die Frau gar nicht ‘echt’ ist, sondern sich nur ‘verkleidet’?”

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4. «Es geht nicht nur darum, einfach mehr über Frauen zu schreiben»
(medienwoche.ch, Thomas Häusermann)
Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Uni Zürich haben die Darstellung von Frauen in Schweizer Print- und Onlinemedien untersucht. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Die “Medienwoche” hat Verlage und Redaktionen befragt, was sie über den anhaltend tiefen Frauenanteil in ihren Medien denken und welche Maßnahmen sie ergreifen wollen, um die Situation zu ändern.

5. “Der Wahlkampf ist kein Pferderennen”
(deutschlandfunkkultur.de, Jenny Genzmer & Martin Böttcher, Audio: 11:15 Minuten)
Der Begriff “Horse-Race-Journalismus” bezeichnet die Eigenart einiger Medien, die politische Berichterstattung wie ein Sport-Event zu behandeln, bei dem es ausschließlich darum geht, wer gerade in Führung liegt. Die Medienwissenschaftlerin Margreth Lünenborg erklärt, was dabei zu kurz kommt – die Inhalte: “Die Aufgabe von Journalismus ist zweifelsohne, auf den Zahn zu fühlen und kritisch zu prüfen, ob die Versprechen, die da jetzt ausgeschüttet werden, auch tatsächlich tragfähig sind. Also tatsächlich Inhalte in den Mittelpunkt zu stellen.”

6. Mit Risiken und Nebenwirkungen
(sueddeutsche.de, Nicolas Freund)
Die Corona-Pandemie hatte weitreichende Folgen für das TV- und Kinogeschäft. Monatelang waren kaum Dreharbeiten möglich und auch die jetzigen Bedingungen sind kompliziert. So soll es am Set von “Star Wars” einige Covid-Fälle gegeben haben. Nicolaus Freund berichtet über das Drehen unter pandemischen Bedingungen.

Bedrohter “Weltspiegel”, Drehtage runterrocken, Orbán-Propaganda

1. Jux und Dollerei
(kontextwochenzeitung.de, Jörg Armbruster)
ARD-Programmdirektorin Christine Strobl will den “Weltspiegel” von seinem über Jahrzehnte angestammten Sendeplatz am frühen Sonntagabend auf Montag, kurz vor Mitternacht, verlegen. Das seien “Informationen, die uns schockieren”, klagen die ARD-“Weltspiegel”-Redaktionen und die Fernseh-Auslandskorrespondenten in einer gemeinsamen Stellungnahme. Und auch Jörg Armbruster, einst Moderator der Sendung, protestiert: “Sollte es so kommen, dann betreibt des Ministers Gattin Kahlschlag bei der Auslandsberichterstattung der ARD und das in einer Zeit, in der erklärt werden muss, warum so viele Flüchtlinge lieber ihr Leben auf dem Mittelmeer riskieren als in ihrer Heimat zu bleiben, weshalb politische Krisen und Kriege anderswo sich auch auf Europa auswirken oder ganz einfach, wie Menschen in entfernten Winkeln dieser Erde leben.”

2. Handreichung an Journalisten & Journalistinnen für die Wahlkampf-Berichterstattung. Ein Thread.
(twitter.com, Nadia Zaboura)
Die Kommunikationswissenschaftlerin und Linguistin Nadia Zaboura fasst in einem Twitter-Thread die wichtigsten Fragen zusammen, die sich Journalistinnen und Journalisten in Zusammenhang mit ihrer Wahlkampf-Berichterstattung stellen sollten. Der kleine Fragenkatalog ist auch für Medienkonsumierende interessant, da er zur Bewertung politischer Berichterstattung verwendet werden kann.

3. Wie deutsche Medien mit der Genderfrage umgehen
(mdr.de, Jenni Zylka & Steffen Grimberg)
Wie halten es die deutschen Medien mit dem Gendern? Jenni Zylka und Steffen Grimberg haben sich einige Beispiele aus Print, Online und TV herausgesucht, die das volle Spektrum von Akzeptanz bis Ablehnung abbilden. Ihr Kompromissvorschlag: “Wenn alle in sich den Großmut suchen und finden könnten, das Gegenüber so sprechen und schreiben zu lassen, wie es möchte. Und sich, anstatt ‘Sprachdiktatur’ und ‘Unlesbarkeit’ zu nölen, über mehr hübsche Sternchen freuen würde.”

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4. “Ein Runterrocken von Drehtagen”
(sueddeutsche.de, Stefan Fischer)
Mittlerweile haben sowohl Hörspielautoren und Drehbuchautorinnen als auch Filmregisseurinnen und -regisseure in offenen Briefen gegen die sich verschlechternden Rahmenbedingungen protestiert, insbesondere mit Blick auf die ARD. Im persönlichen Gespräch seien die Initiatoren des offenen Briefes, den der Bundesverband Regie am 1. Juli veröffentlicht hat, deutlich geworden: “Das ist kein Geschichtenerzählen mehr mit den Mitteln des Films”, habe einer von ihnen gesagt, “sondern nur noch ein Runterrocken von Drehtagen.”

5. Eine ganze Seite Propaganda
(deutschlandfunk.de, Marina Weisband, Audio: 4:08 Minuten)
Ungarn hat in der “Bild”-Zeitung eine ganzseitige Anzeige mit Vorschlägen über die “Zukunft der Europäischen Union” geschaltet. Im Deutschlandfunk kommentiert Marina Weisband: “Wenn Zeitungen sich als bloße Plakatwände für die Propagandaposter autoritärer Staaten missbrauchen lassen, läuft etwas schief.”

6. Zu viele Experten, zu wenig Distanz: Warum die TV-Berichterstattung zur EM nicht funktioniert hat
(rnd.de, Imre Grimm)
Imre Grimm zieht eine (Zwischen-)Bilanz der TV-Berichterstattung zur Fußball-Europameisterschaft und entdeckt dabei einige Parallelen zwischen dem Zustand der deutschen Nationalmannschaft und dem öffentlich-rechtlichen Sportjournalismus: “Beide halten Erfolg für ein Naturgesetz, zehren zu sehr von altem Ruhm und erwecken mit altbackenen Konzepten den Eindruck, nicht mehr mit letzter Leidenschaft bei der Sache zu sein.”

RTL und Gruner + Jahr, Instagrams Naturzerstörer, Schlösserfotografie

1. Neue Verschmelzung
(taz.de, René Martens)
Bei RTL und Gruner + Jahr deutet sich eine Art von Zusammenschluss an. René Martens beleuchtet die Hintergründe der Verschmelzung und erklärt, wie diese sich auf die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auswirken könnte. Die Entwicklung beim “Stern” lässt Schlimmes befürchten: “Am 1. März wurde das Politik- und Wirtschaftsressort des Magazins aufgelöst. Stattdessen gibt es eine gemeinsame Hauptstadtredaktion von Capital, Business Punk und Stern. Eine Maßnahme, die den Ruf des Sterns derart beschädigt, hätte niemand intern für möglich gehalten. Mehrere Redakteure verließen daraufhin das Magazin.”

2. Wenn Likes und Geotags die Natur zerstören
(netzpolitik.org, Pia Stenner)
Auf der Jagd nach möglichst spektakulären Natur-Selfies nehmen manche Influencerinnen und Influencer große Risiken in Kauf – mit mitunter großen Nachteilen für sich und ihre Umgebung. Die reichlich gestreuten Hashtags und Geotags verstärken das Problem. Sie machen die verlinkten Orte noch populärer. Pia Stenner zeigt, an welchen Orten des Planeten sich die Instagram-Community besonders gerne tummelt.

3. Pro Sieben Sat.1 stellt Podcast-App schon wieder ein
(rnd.de)
Vor etwa einem Jahr hatte der Medienkonzern ProSiebenSat.1 eine eigene Podcast-Plattform gestartet. Auf FYEO (For Your Ears Only) wollte man eigene Podcast- und Hörspielformate per Abo-Modell vermarkten. Nun kündigt der Konzern das Projektende an. Die App werde in diesem Herbst eingestellt.

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4. Schlösser und Gärten frei fotografieren
(verdi.de)
Das Gerangel um Fotografiererlaubnisse in den Preußischen Schlössern und Gärten scheint ein Ende zu haben: Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg vereinfacht die zustimmungsfreie Veröffentlichung und Vermarktung von Aufnahmen ihrer Parkanlagen und Gebäude. Davon betroffen seien rund 300 Gebäude, tausende Kunstschätze sowie fast 800 Hektar historische Park- und Gartenanlagen in Berlin und Brandenburg.

5. Gen­ders­tern­chen ist keine Dis­kri­mi­nie­rung
(lto.de)
Eine intergeschlechtlich geborene schwerbehinderte Person sah sich durch die Verwendung des Gendersternchens in einer Stellenausschreibung diskriminiert und reichte eine entsprechende Klage ein. Nun hat das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein in einem Urteil festgestellt, dass die behauptete Diskriminierung nicht vorliege. “Unerheblich sei auch, ob das Gendersternchen den deutschen Rechtschreibregeln entspricht. Zudem habe sich in der Anzeige an einer anderen Stelle der Zusatz ‘(m/w/d)’ gefunden, was die Intention einer geschlechterneutralen Ausschreibung verdeutliche.”

6. Sportjournalistenpreis: “Herr… Herr… Herr… hierher!”
(dwdl.de, Jan Freitag)
Jan Freitag hat sich die Verleihung des Deutschen Sportjournalistenpreises in einem Hamburger Luxushotel angeschaut. Das Event hat ihn, nun ja, nicht gerade begeistert, aber es habe auch Lichtblicke gegeben: “Umso erfrischender war es, wie die frühere Boxerin Ramona Kühne als Laudatorin der wichtigen Moderationskategorie die unverdrossene Geschlechterungleichheit im Sportjournalismus anprangerte. Da wurde sogar das haltlose Gestammel ihres Kollegen Henry Maske einigermaßen erträglich, der in Abwesenheit per Video zugeschaltet wurde.”

Horse-Race-Journalismus, Feinde der Pressefreiheit, Schweinsteigers Uhr

1. RSF veröffentlicht neue Feinde der Pressefreiheit
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen hat die aktuelle Liste mit den weltweit größten “Feindinnen und Feinden der Pressefreiheit” veröffentlicht (PDF). Sie umfasst 37 Staats- und Regierungsoberhäupter, die in besonders drastischer Weise die rücksichtslose Unterdrückung der Pressefreiheit verkörpern würden. Aus EU-Sicht besonders traurig: “Mit Viktor Orbán steht zum ersten Mal ein EU-Ministerpräsident auf der Liste, der seit seiner Rückkehr an die Macht im Jahr 2010 Pluralismus und Unabhängigkeit der Medien in Ungarn angreift.”
Weiterer Lesehinweis: Orbán schaltet Anzeige in “Bild”: “Ungarns Regierung bezahlt für die Veröffentlichung politischer Vorschläge – zu einem interessanten Zeitpunkt.” (sueddeutsche.de, Dennis Müller)

2. Top, die Wette gilt
(taz.de, Kersten Augustin)
Kersten Augustin kritisiert in der “taz” den sogenannten Horse-Race-Journalismus, der Politik vor allem als Wettbewerb versteht. Ein aktuelles Beispiel dafür sei die Berichterstattung über Annalena Baerbock – das betreffe auch die Berichterstattung im eigenen Blatt: “Natürlich hat Baerbock im Wahlkampf politische und strategische Fehler gemacht, die Jour­na­lis­t:in­nen aufklären und kritisieren sollen. Aber Jour­na­lis­t:in­nen stehen nicht, um im Bild zu bleiben, auf der Tribüne einer Pferderennbahn, um für das Wettbüro die Quoten festzusetzen. Leser sind Wähler, keine Glücksspieler. Und Annalena Baerbock ist kein Rennpferd.”

3. Vergessen vom Presserat
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 5:57 Minuten)
Die kostenlos erhältliche Gesundheits-Postille “Apotheken Umschau” kommt auf eine beeindruckende Auflage von knapp acht Millionen Exemplaren monatlich. Laut Chefredakteur Dennis Ballwieser sehe man sich einerseits als Kundenmagazin, anderseits aber auch als unabhängiges journalistisches Produkt. Dann müsste dafür der Deutsche Presserat verantwortlich sein, eine Organisation von Verlags- und Journalistenverbänden. Der will davon jedoch nichts wissen und nimmt Beschwerden gegen das Schleichwerbung-gefährdete Magazin gar nicht erst an.

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4. Ausrangiert mit Ü-50: Wenn sich Fernsehsender von ihren Moderatorinnen trennen
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
Simone Standl, Moderatorin der WDR-“Lokalzeit”, wird nach 17 Jahren von einer (deutlich jüngeren) Kollegin abgelöst. Standl vermutet, dass ein Grund für den Rauswurf ihr Alter sei: “Wenn man sich in der Fernsehlandschaft umsieht, ist der Jugendwahn schon sichtbar. Vor allem wir Frauen sollen natürlich gute Leistung bringen – aber eben auch gut aussehen, jung, dynamisch und sportlich sein.”

5. Das Dilemma der Fernsehmagazine – und ein möglicher Ausweg
(uebermedien.de, Daniel Bouhs)
Daniel Bouhs erklärt, worin das Dilemma von Fernsehmagazinen wie “Monitor” für die ARD-Verantwortlichen unter anderem liegt: “Die Magazinform ist perfekt für das lineare Fernsehen geschaffen: Die Moderatorinnen und Moderatoren führen das Publikum nicht nur innerhalb der Sendung von Beitrag zu Beitrag; sie leiten auch zu den nachfolgenden Programmen wie den ‘Tagesthemen’ über. Alles im Sinne des ‘Audience Flow’, des Zuschauerstroms. Doch der hat in der neuen digitalen Welt in dieser Form keine große Bedeutung.”

6. ARD ermahnt Schweinsteiger nach Tweet mit Werbebotschaft
(spiegel.de)
Ex-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger ist für die ARD als Fußball-Experte tätig. In einem der vergangenen EM-Spiele nutzte Schweinsteiger die Gunst der Stunde und setzte während der Halbzeitpause und ohne Wissen des Senders einen Werbetweet für eine Uhr ab, die auch während der Fernsehübertragung zu sehen war. Dafür gab es vom Sender nun eine “Ermahnung”.

Politmagazine seltener?, “Bild” und “Welt” verlieren, Kino-Status

1. ARD-Intendanten überlegen, seltener Politmagazine auszustrahlen
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Nach Informationen von “Übermedien” überlege die ARD, ihre Politmagazine vom kommenden Jahr an seltener auszustrahlen. Das würde Sendungen wie “Panorama”, “Monitor”, “Kontraste”, “Fakt”, “Report Mainz” und “Report München” betreffen. Stefan Niggemeier hat sich umgehört, womit dieser mögliche Schritt begründet wird, und fragt: “Geht es wirklich darum, nach zeitgemäßen Formaten für die digitale Welt zu suchen, oder will man auch lästige Redaktionen zurechtstutzen?”

2. AWA 2021: “Sport Bild”, “Focus” und “Bunte” die größten von vielen Verlierern
(meedia.de, Jens Schröder)
Die aktuelle Markt- und Werbeträgeranalyse des Allensbach-Instituts (oder ganz korrekt: des “Instituts für Demoskopie Allensbach”) weist unter anderem die Reichweite verschiedener Printmedien aus. Nummer 1 im Reichweitenranking ist die “Apotheken Umschau”. Zu den größten Verlierer zählen “Sport Bild”, “Focus” und “Bunte”, die im Vergleich zu 2020 jeweils Verluste von mehr als 400.000 Lesern pro Ausgabe hinnehmen mussten. Bei den überregionalen Zeitungen haben “Bild” und “Welt” kräftig verloren.

3. Wie die Corona-Krise der Psyche von Journalisten schadet
(de.ejo-online.eu, Sarah Karacs)
Das European Journalism Observatory hat Journalistinnen und Journalisten befragt, ob und wie sich die Covid-19-Berichterstattung auf ihre eigene psychische Gesundheit ausgewirkt hat. Die Psychologin Esther Perel kommentiert: “Redaktionen befinden sich in einem Zustand der Trauer und haben im letzten Jahr enorme Verluste erlitten. Sie befinden sich in einem Zustand des kollektiven Traumas, und die Journalisten sind erschöpft.” Sie seien “Teil der Geschichte, über die sie berichten.”

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4. Russische Polizei durchsucht Wohnungen mehrerer Investigativjournalisten
(spiegel.de)
Der Kreml erhöht weiter den Druck auf die letzten verbliebenen unabhängigen Medien des Landes. Diesmal hat es die russische Rechercheplattform “Proekt.media” erwischt, gegen die die Polizei mit großer Härte vorgegangen sei. Ein möglicher Hintergrund der Aktion: Die Seite habe offenbar kurz vor der Veröffentlichung einer Recherche über den Innenminister gestanden.

5. Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk, neu gedacht!
(blog.wikimedia.de, Bernd Fiedler)
Wikimedia Deutschland hat erneut einen “Runden Tisch Freie Lizenzen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk” veranstaltet und dazu verschiedene Repräsentanten aus öffentlich-rechtlichem Rundfunk, Politik und Zivilgesellschaft eingeladen. Dabei hat man auch eine Bilanz der vergangenen Jahre gezogen. Positiv habe sich beispielsweise das ZDF geäußert: “Seit über einem Jahr stellen wir im ZDF ausgewählte Clips von Terra X unter CC-Lizenz zur Verfügung. Unsere Bilanz fällt sehr positiv aus. Allein über die Wikipedia konnten wir schon über 15 Millionen Abrufe sammeln. Auch die Rückmeldungen von den Schulen sind positiv.”

6. “Mit Mittelware durchmogeln war schon vor der Pandemie vorbei”
(medienpolitik.net, Helmut Hartung)
Christian Bräuer ist Vorstandsvorsitzender der AG Kino und weiß daher, wie es der Branche geht. Im Interview kritisiert er das uneinheitliche Regelungsdickicht von Corona-Auflagen sowie die Konzentration von Marktmacht: “Die Effekte der Pandemie wird der gesamte Medienmarkt noch auf Jahre bis Jahrzehnte spüren. Während wir in Europa noch damit beschäftigt sind, die Folgen der Pandemie abzufedern, beobachten wir in den USA eine wahnsinnige Marktdynamik. Der Trend zur Konzentration von Marktmacht hat sie durchaus beschleunigt, auch wenn er vorher schon vorhanden war.”

Jugendschützer vs. Pornoportal, PR vs. Journalismus, Letzte Reporter

1. In der Pandemie zahlen mehr Menschen für Inhalte im Netz
(faz.net)
Das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Yougov hat sich im Auftrag eines Zahlungsdienstleisters umgehört, wie sich die Bereitschaft der Menschen entwickelt hat, für Bezahlinhalte im Netz Geld auszugeben. Die Corona-Pandemie habe die Ausgabebereitschaft in Deutschland wachsen lassen. Im internationalen Vergleich seien die Deutschen jedoch eher zurückhaltend, was Bezahlinhalte im Internet angeht.

2. Filmtipp: “Die letzten Reporter”
(verdi.de, Thomas Klatt)
Im 95-minütigen Dokumentarfilm “Die letzten Reporter” kann man drei Zeitungsjournalistinnen und -journalisten bei ihrer Arbeit bei der “Schweriner Volkszeitung”, der “Landeszeitung” aus Lüneburg und den “Osnabrücker Nachrichten” zusehen. Thomas Klatt hat sich den Film, der morgen in ausgewählte Kinos kommt, vorab angeschaut und hat gemischte Gefühle: Der Film wolle “zwar die guten alten Zeiten des Lokaljournalismus zeigen, die schwierigen Seiten des zu nahen Miteinanders von Reporter*innen und Reportierten werden aber nicht mal angerissen.”

3. Europäische Medien und die Covid-19-Impfstoffe
(de.ejo-online.eu)
Verschiedene europäische “EJO”-Redaktionen haben untersucht, wie in den Medien unterschiedlicher Länder über die Covid-19-Impfstoffe berichtet wurde: “Mit welchen Attributen werden bestimmte Impfstoffe verknüpft und beschrieben? Lassen sich mit Blick auf die Entwicklung der Impfkampagnen bestimmte zeitliche Zusammenhänge erkennen? Und welche Themen standen im Mittelpunkt der Berichterstattung?”

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4. PR vs. Journalismus – wie viel Club-TV ist gut fürs Fernsehen?
(dwdl.de, Manuel Weis)
Der unabhängige Sportjournalismus bekommt in den vergangenen Jahren immer stärkere Konkurrenz durch Club-TV und eigene Youtube-Formate der Sportvereine. Dieses Jahr würden nahezu alle großen Vereine eigene Inhalte produzieren und vermarkten. Der Pay-TV-Sender Sky habe die unliebsame Konkurrenz früher noch stark kritisiert. Heute zeige Sky mehrere Vereinsproduktionen in seinem Programm.

5. Jugendschützer wollen xHamster sperren
(spiegel.de)
Laut der Kommission für Jugendmedienschutz wollen deutsche Behörden den Hosting-Provider einer Pornowebsite zwingen, deutsche Nutzer und Nutzerinnen künftig auszusperren. Dem vorausgegangen sei der (gescheiterte) Versuch, einige Pornoportale dazu zu bewegen, Jugendschutzmaßnahmen nach deutschen Standards zu etablieren.

6. Gericht hält YouTube nicht verantwortlich für Urheberrechtsverstöße
(zeit.de)
Laut Europäischem Gerichtshof haften Youtube und andere Internetplattformen nicht automatisch für dort illegal hochgeladene Inhalte, sie müssten jedoch fragliche Inhalte löschen, wenn sie vom Rechteinhaber auf deren Existenz hingewiesen werden. Außerdem müssten Betreiber technische Vorkehrungen treffen, wenn bekannt sei, dass auf ihrer Plattform häufig geschützte Werke verbreitet werden.

Österreichs bezahlte Medien, Wem nutzt “Cui Bono”?, Zeittotschläger

1. Wie kritische Medien in Österreich unter Druck geraten
(dwdl.de, Timo Niemeier)
“Viele Medien, die in Österreich kritisch berichten wollen, laufen Gefahr, Gelder von der öffentlichen Hand gestrichen zu bekommen. Das ist schon lange so, inzwischen ist diese Methode aber sichtbar wie nie.” Timo Niemeier schreibt über die seit Jahren problematische Inseratspolitik der österreichischen Regierung, die aktuell eine beängstigende Entwicklung nimmt.

2. “Welt”-Freiheitskämpferin halluziniert Gendergestotter
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen AFP, APA, dpa, epd, Keystone-sda, KNA, Reuters und SID wollen diskriminierungssensibler schreiben und sprechen und haben sich dafür auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt: “Das generische Maskulinum wird in kompakter Nachrichtensprache noch vielfach verwendet, soll aber schrittweise zurückgedrängt werden.” Als Reaktion polterte bei der “Welt” die “Chefreporterin Freiheit” (ja, der Posten heißt dort wirklich so) reflexhaft über das “Gendergestotter der selbstgerecht-egalitären Blase” und schimpfte über Dinge, die die Nachrichtenagenturen gar nicht beschlossen hatten.

3. ARD und ZDF verknüpfen Mediatheken
(tagesschau.de, Daniel Bouhs)
ARD und ZDF betreiben zukünftig ein gemeinsames Streaming-Netzwerk, wollen aber an ihren individuellen Mediatheken und Apps festhalten. Mehr als 250.000 Sendungen und Beiträge sollen direkt auf beiden Plattformen abrufbar sein: Wer in der ZDF-Mediathek beispielsweise nach einem “Tatort” suche, bekomme ihn künftig dort auch angezeigt, obwohl er zum ARD-Programmangebot gehört. Aus Sicht der Nutzerinnen und Nutzer wäre eine komplette Zusammenlegung der öffentlich-rechtlichen Mediatheken wohl praktischer gewesen, doch dagegen hatte es Widerstände gegeben.

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4. Hat Ken Jebsen diesen Podcast verdient?
(blog.clickomania.ch, Matthias Schüssler)
“Cui Bono: WTF happened to Ken Jebsen?”, die sechsteilige Podcastreihe über die Entwicklung des Radiomoderators Ken Jebsen zum Verbreiter von Verschwörungsmythen, wird derzeit von vielen Kritikern und Kritikerinnen gelobt (auch hier in den “6 vor 9”). Matthias Schüssler kann die Begeisterung nicht in allen Punkten teilen, denn “es besteht die Gefahr, dem Objekt der Berichterstattung zu zusätzlicher Bekanntheit zu verhelfen, womöglich seine Präsenz in der Öffentlichkeit zu verstärken und ihm zu mehr Legitimation zu verhelfen. Denn auch wenn seine Aussagen kritisiert werden, könnte bei manchen Leuten trotzdem die Botschaft hängen bleiben, dass doch etwas an ihm dran sein muss, wenn ihm eine sechsteilige Podcastreihe gewidmet wird.”

5. Die neue Nachrichtenkompetenz
(deutschlandfunk.de, Sören Brinkmann & Brigitte Baetz, Audio: 5:30 Minuten)
RTL und ProSieben wollen ihre Informationsangebote im Fernsehen ausbauen und haben dafür in letzter Zeit prominente Profis aus dem öffentlich-rechtlichen Nachrichtengeschäft abgeworben: Jan Hofer, Linda Zervakis und Pinar Atalay. Gründe für den Strategiewechsel gäbe es einige: Das Informationsinteresse in der Bevölkerung sei durch die Corona-Pandemie deutlich gestiegen, im Vorfeld der Bundestagswahl rücke auch die Politikberichterstattung in den Fokus. Und auf der anderen Seite gebe es im Bereich der fiktionalen Serien- und Filmangebote eine stark wachsende Konkurrenz durch Netflix und Co.

6. Zeittotschläger auf allen Kanälen: Über die seltsame Spezies der Fußball-EM-Experten
(rnd.de, Imre Grimm)
Sich ein Fußballspiel von einem Ex-Profi erklären zu lassen, klingt zunächst nach einer guten Idee. Schließlich kann sich kaum jemand besser in die Spieler hineinversetzen als ein Bastian Schweinsteiger, ein Kevin-Prince Boateng oder ein Per Mertesacker. Leider halte sich der Erkenntnisgewinn jedoch oft in engen Grenzen, die Kommentare der Ex-Spieler seien zu gestelzt und weichgespült, kritisiert Imre Grimm: “Jetzt rächt sich auch das Medientraining, das viele der heutigen TV-Fachleute als aktive Fußballprofis absolviert haben. Im Bemühen um Unangreifbarkeit und Ausgewogenheit hat man dieser Spielergeneration alles Charakteristische, alles Unverwechselbar ausgetrieben – Eigenschaften, die ein Fernsehexperte unbedingt aufweisen sollte.”
Weiterer Lesehinweis: Im “Tagesspiegel” spricht Joachim Huber einen weiteren Aspekt an: “Der Sportjournalismus ist erkennbar von der Promi-Expertise an den Rand gedrängt worden. Wer immer auch in den Fachredaktionen der ARD-Anstalten und des ZDF sitzt, er hat zu schweigen, zuzuliefern und zu dienen.”

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