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Feuer und Wasser, Geringes Interesse?, Fidel Castro beim ORF

1. “Wie Feuer und Wasser”
(sueddeutsche.de)
Die “Süddeutsche” hat fünf Personen aus der Medienbranche um ihre Meinung zu RTLs Übernahme von Gruner + Jahr gebeten. Die fällt meist vernichtend aus. Manfred Bissinger, Publizist und ehemaliger stellvertretender Chefredakteur des “Stern”, kommentiert beispielsweise: “Gruner + Jahr war einmal der publizistische Marktführer in Europa. Dass dieser Verlag nun in den Untiefen von RTL verschwindet, ist eine Riesenschande und ein herber Rückschlag für die freie Publizistik in Deutschland. Bewegtbilder und Magazine sind wie Feuer und Wasser – das passt nicht zusammen.”

2. TV-Meteorologen als Aufklärer
(deutschlandfunk.de, Heike Wipperfürth, Audio: 6:02 Minuten)
Die Wettermoderatorinnen und -moderatoren der 1.700 US-Fernsehstationen weisen zunehmend auf die Zusammenhänge von Wetter und Erderwärmung hin und thematisieren die Auswirkungen der Klimakrise. Ein Meteorologe eines gemeinnützigen Klimaforschungsinstituts erklärt, warum dem eine besondere Bedeutung zukommt: “In den USA haben die Zuschauer eine persönliche Beziehung zu den Wettermoderatoren in lokalen Fernsehstationen. Diese sind oft die einzigen Wissenschaftler, mit denen sie täglich in Kontakt kommen. Sie wollen die Meinung der Meteorologen über den Zusammenhang zwischen Klima und Wetter hören, weil sie ihnen vertrauen.”
Dazu auch aus unserem Archiv: Damals, als Julian Reichelt noch Wahlkampf für die Grünen machte.

3. ARD sucht Kommentatorinnen für die “Sportschau”: “Interesse ist nach wie vor gering”
(rnd.de)
Die ARD sagt, sie würde gern mehr Kommentatorinnen für ihre “Sportschau” einstellen, doch es bewerben sich angeblich nicht viele Frauen für den Job. Da fragt sich der “6-vor-9”-Kurator, ob das Stellenangebot ausreichend beworben wurde, und ob man dafür gesorgt hat, geeignete Arbeitsbedingungen zu schaffen.

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4. Parteien mischen mit
(taz.de, Ralf Leonhard)
Die Wahl des neuen ORF-Generaldirektors wird von manchen österreichischen Medien mit deutlichen Worten kommentiert. So sprechen das Magazin “profil” und die Wochenzeitung “Falter” nicht von einer Wahl, sondern von einer “Bestellung”. Laut “profil”-Herausgeber Christian Rainer habe der Vorgang “mit einer Wahl so viel zu tun wie die Bestellung von Fidel Castro zum Staatspräsidenten von Kuba hatte”.

5. Beleidigungen und Drohungen über “Telegram”
(urheberrecht.org)
Der Grünen-Politiker Volker Beck hat vor dem Landgericht Berlin ein Urteil gegen den ehemaligen Fernsehkoch Attila Hildmann erwirkt, das diesem untersagt, Drohungen und Beleidigungen gegen den Politiker zu äußern, wie er sie im vergangenen Sommer getätigt hatte. Das Urteil sei in Abwesenheit Hildmanns als Versäumnisurteil gesprochen worden, da sich Hildmann derzeit mutmaßlich in der Türkei aufhalte.

6. Die meistgehörten Podcasts im Juli
(media-control.de)
Media Control hat die aktuellen Podcast-Charts veröffentlicht: Zu den 20 meist gehörten Podcasts des Monats Juli gehören bewährte Unterhaltungsformate wie “Gemischtes Hack” und “Fest und Flauschig”, aber auch Informationsangebote wie “Cui Bono: WTF happened to Ken Jebsen” und die Aufarbeitung des Wirecard-Skandals.

Bündnis gegen missbräuchliche Klagen, Laschets Bilder, Sommerloch

1. SLAPPs: Zivilgesellschaftliches Bündnis warnt vor Gefahren für Rechtsstaat und Demokratie
(dju.verdi.de)
Ein breites Bündnis aus Medienorganisationen und NGOs hat sich an die medien- und rechtspolitischen Sprecherinnen und Sprecher der demokratischen Parteien im Bundestag gewandt, um auf die wachsende Bedrohung öffentlicher Partizipation durch sogenannte SLAPPs aufmerksam zu machen. Die Abkürzung SLAPP leitet sich aus dem Englischen ab und steht für “strategic lawsuit against public participation”, also “Strategische Klage gegen öffentliche Beteiligung”, und lehnt sich an das Wort “slap” an (Ohrfeige, Schlag ins Gesicht). Primäres Ziel der strategischen und oftmals als missbräuchlich empfundenen Klagen sei nach Einschätzung des Bündnisses, Kritikerinnen und Kritiker einzuschüchtern und aus der Öffentlichkeit zu drängen. Dies stelle eine ernstzunehmende Gefahr für die Demokratie dar.

2. Ein Bild von einem Kandidaten
(uebermedien.de, Hendrik Wieduwilt)
CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet gibt in der Öffentlichkeit nicht immer ein gutes Bild ab, und das ist in diesem Fall wörtlich zu verstehen. Wiederholt fällt er durch unglückliche Bildbotschaften auf, ob mit falsch aufgesetzter Gesichtsmaske, unpassendem Schuhwerk im Katastrophengebiet, den Händen in den Taschen, mitten in Müllbergen oder im Hintergrund vergnügt kichernd, während der Bundespräsident zu den von der Flutkatastrophe heimgesuchten Menschen spricht. Wie wichtig sind derlei Medien-Pannen und öffentlich transportierte Tollpatschigkeiten? Hendrik Wieduwilt kommentiert: “Laschet möchte einer der mächtigsten Männer des Globus werden. In einer medialisierten Welt ist die Frage, warum er ständig durch die Szenerie stolpert wie ein Schulpraktikant durch eine Uhrenwerkstatt, relevant – und das Internet ist zudem groß genug für mehr als ein Thema. Offenbar hat niemand aus seinem Umfeld den nicht eben unerfahrenen Politiker beiseite genommen und gesagt, Armin, diese Kanzlersache geht vermutlich mit ein bisschen Medienaufmerksamkeit einher, achte da mal drauf. Vielleicht hat Laschet auch einfach besonders gemütlich geantwortet, dass ihm sowas egal sei, er sei Armin Laschet.”

3. Ewige Suche nach dem B-Sager
(taz.de, René Martens)
René Martens denkt über gelingenden Wissenschaftsjournalismus nach und hat dazu nicht nur einen Reader des Bildungs- und Forschungsministeriums gelesen, sondern auch mit Experten und Expertinnen gesprochen. Am Ende steht bei ihm eine Erkenntnis: “Die Voraussetzung dafür, dass der Wissenschaftsjournalismus den Journalismus in Gänze befruchten kann, wäre, dass sich Redaktionen zumindest teilweise von ihrer bisherigen Reichweitenstrategie verabschieden. Nachrichten- und Po­li­tik­jour­na­lis­t:in­nen müssten dem Druck widerstehen, alles ganz schnell in die Info-Stratosphäre zu pusten, weil die anderen es auch tun. Um es pathetischer oder eben mit Kant zu sagen: Sie bräuchten den Mut, sich des eigenen Verstandes zu bedienen.”

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4. Stichtag Freitag: Kommt die Fusion von RTL und G+J?
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Am morgigen Freitag veröffentlicht die RTL Group ihre Geschäftszahlen für das zweite Quartal. Dann wird es wohl auch Informationen über die mögliche Fusion zwischen der Mediengruppe RTL Deutschland und dem Medienhaus Gruner + Jahr geben.

5. Ranking: Die Frauenmachtanteile bei deutschen Leitmedien 2021
(kress.de, Marc Bartl)
Nach der neuen “Leitmedienzählung” von ProQuote erreiche die “taz” einen “Frauenmachtanteil” von 56,3 Prozent, doch wie sieht es bei “Stern”, “Zeit”, “SZ”, “Spiegel”, “Bild”, “Focus”, “Welt” und “FAZ” aus? Marc Bartl fasst zusammen, wie es um die Frauenanteile in journalistischen Führungspositionen laut ProQuote bestellt ist.

6. Sachen gibt’s
(kontextwochenzeitung.de, Anna Hunger)
Das berühmt-berüchtigte Sommerloch sorgt Jahr für Jahr dafür, dass wir in den Genuss von allerlei läppischen oder skurrilen Meldungen kommen. Anna Hunger hat sich ein paar besonders schöne Sommer-News herausgesucht. Es geht um den Schnitz-Hitler aus Weil im Schönbuch, ein vermeintliches Wollmammut im Fluss und einen Baggerfahrer mit ordentlich Wut in der Schaufel.

Querdenkende Querschläger, TikToks Bytedance mit Amthor, MTV wird 40

1. Geschlagen und getreten
(taz.de, Volkan Ağar)
Jörg Reichel, ein Landesgeschäftsführer der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union, ist bei der (eigentlich verbotenen) “Querdenken”-Demo in Berlin angegriffen und verletzt worden. Reichel sei laut Angaben der Gewerkschaft seit Monaten von Personen aus der “Querdenken”-Szene diffamiert und bedroht worden, sein Name und Foto hätten in einschlägigen Telegram-Kanälen kursiert: “Jörg hat sich davon nicht einschüchtern lassen und weitergemacht. Er hat zahllose Journalistinnen und Journalisten, die von diesen Demos berichten, unterstützt und sich dafür eingesetzt, dass sie sicher arbeiten können. Für dieses Engagement als Gewerkschafter ist er nun selbst offenbar gezielt angegriffen worden.”

2. Tiktoks Ringen um Einfluss
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 8:58 Minuten)
Wie der “Spiegel” jüngst herausfand, lobbyiert die Videoplattform TikTok verstärkt in Deutschland, unter anderem beim CDU-Abgeordneten Philipp Amthor. Was steckt dahinter? Und welche Absichten verfolgt der chinesische Mutterkonzern Bytedance? Darüber hat sich der Deutschlandfunk mit Simon Hurtz unterhalten, einem der Köpfe des “Social Media Watchblogs”.

3. Nachrichten von ARD und ZDF: keine Olympia-Bilder in den Mediatheken
(rnd.de)
ARD und ZDF bieten online bis zu zehn parallele Olympia-Livestreams, doch Olympia-Bilder in den Nachrichtensendungen in den Mediatheken gibt es nicht zu sehen. Das sei eine Folge des Geoblockings, wie ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky erklärt. Die Olympia-Rechte der öffentlich-rechtlichen TV-Sender gälten nur in Deutschland.

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4. Die FAZ verkündet mehr als 180.000 Digitalabos – und erhöht die Gehälter
(kress.de, Marc Bartl)
Die “FAZ” zeigt sich zufrieden mit den aktuellen Geschäftszahlen. Diese hätten sowohl im Jahr 2020 als auch in den ersten Monaten des laufenden Jahres eine “erfreuliche Entwicklung” genommen. Im Unterschied zu anderen Medienhäusern hatten die Frankfurter keine Kurzarbeit wegen Corona angemeldet und würden jetzt nicht nur die Gehälter erhöhen, sondern auch eine Sonderprämie ausschütten.

5. Bundesregierung startet ressortübergreifende Suchmaschine
(sueddeutsche.de)
Die Staatsministerin für Digitalisierung Dorothee Bär will ein “Netzwerk für digitale Aufklärung” etablieren, das einen ressortübergreifenden Zugang zu Digitalthemen bieten soll. “Gerade bei Querschnittsthemen wie etwa der Digitalisierung, die die Zuständigkeit verschiedener Ressorts berühren, fehlte bislang eine zentrale Suche, mit der alle Informationsangebote angezeigt werden”, so die CSU-Politikerin zum Start des Projekts.

6. Musikfernweh
(faz.net, Axel Weidemann)
Der Musiksender MTV ist 40 Jahre alt geworden, und Axel Weidemann weiß nicht, ob er gratulieren oder lieber höflich schweigen soll: “Als Distinktionswerkzeug ist MTV unbrauchbar geworden, ein geschminkter Zombie, der – das Kinn in die Hände gestützt – am Grab seines deutschen Kollegen ‘Viva’ (1993 bis 2018) sitzt und darauf wartet, dass das Internet wieder abgestellt wird.”

BGH zu Hasspostings, Rechte Flut-Elends-Bilder, Regierung trödelt

1. Erst anhören, dann sperren
(taz.de, Christian Rath)
Christian Rath fasst die Auswirkungen einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) über Hasspostings zusammen: “Facebook kann bis auf Weiteres keine Hass-Posts mehr löschen, die nur gegen die ‘Gemeinschaftsstandards’ von Facebook verstoßen. Der BGH hat die Nutzungsbedingungen von ­Facebook an diesem Donnerstag für ‘unwirksam’ erklärt, weil sie den Betroffenen keine Möglichkeit zum Widerspruch einräumten. Wenn Facebook bald wieder Hasspostings, die nicht strafbar sind, löschen will, muss es schnell seine Nutzungsbedingungen an die BGH-Vorgaben anpassen.”

2. Bundesregierung trödelt bei digitaler Veröffentlichung von Gesetzen
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Wollen Bürgerinnen und Bürger den Wortlaut von Gesetzestexten im Internet nachschlagen, müssen sie auf ein ehrenamtliches Portal aus der Zivilgesellschaft ausweichen, weil die Bundesregierung mit dem Aufbau ihres digitalen Bundesgesetzblatts überfordert zu sein scheint. Arne Semsrott, der bei OffeneGesetze.de mitmacht, kommentiert: “Das ehrenamtlich betriebene Portal offenegesetze.de bietet die Bundesgesetzblätter jetzt seit fast drei Jahren offen und kostenlos an. Viele Bibliotheken, öffentliche Einrichtungen, Anwaltskanzleien und Nichtregierungsorganisationen nutzen den Dienst inzwischen, weil er einfacher zugänglich ist als staatliche Angebote. Dass der Staat es noch immer nicht hinbekommt, ein ähnliches Angebot zu schaffen, ist ein Armutszeugnis.”

3. “Die bemühen sich einfach nicht”
(journalist.de, Catalina Schröder)
Die österreichische Journalistin und Publizistin Melisa Erkurt hat ein innovatives journalistisches Format auf Instagram gestartet: Das Team von “Die Chefredaktion” sei im Durchschnitt 19 Jahre alt und “genauso divers wie unsere Gesellschaft”. Im Gespräch mit dem “journalist” erklärt sie, wie es zur Gründung kam: “Ich war einige Jahre Redakteurin beim ORF und habe dabei gemerkt, dass ich frühestens Menschen ab 30 Jahren erreiche. Aber was ist mit den Jüngeren? Es sind auch nicht nur die Jungen, die nicht erreicht werden, sondern auch diejenigen aus unteren Schichten und solche mit Migrationsgeschichte.” Ein interessantes Interview über ein Projekt, das von der privaten Mega-Bildungsstiftung und der Wiener Medieninitiative mit insgesamt 300.000 Euro unterstützt wird.

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4. Kinotipp zu “Die letzten Reporter”: Wie steht es um den Lokaljournalismus
(fachjournalist.de, Gunter Becker)
Gunter Becker hat sich Jean Boués Dokumentarfilm über drei Lokalreporter und -reporterinnen angesehen und ist in vielerlei Hinsicht angetan: “Boués Schnittmuster (Montage Thomas Wellmann), in die Episoden der Arbeitseinsätze seiner drei Held*innen immer wieder Szenen aus Workshops, Fortbildungen und Konferenzen einzubauen, bei denen die großen Fragen und die Krise des Lokaljournalismus verhandelt werden, geht voll auf. Die verschiedenen Erzählebenen und Handlungsstränge treten in einen wunderbaren Dialog miteinander: hier die (wirtschaftliche) Vogelperspektive und die Worthülsen der Unternehmensberater und Verlagsmanager*innen – dort der Alltag der Reporter*innen. Der ganz anders aussieht als die Reißbrett-Strategien und trotzdem funktioniert.” Becker kritisiert aber auch die “kumpelige” Nähe der Medienschaffenden zu ihren Gesprächspartnern. Ein Gesichtspunkt, der in Thomas Klattes Filmkritik bei verdi.de wie folgt bewertet wird: “So will der Film larmoyant zwar die guten alten Zeiten des Lokaljournalismus zeigen, die schwierigen Seiten des zu nahen Miteinanders von Reporter*innen und Reportierten werden aber nicht mal angerissen. Sehr schade, sonst hätte das ein empfehlenswerter Film werden können.”

5. Eine Herausforderung beim Sprechen und Hören
(deutschlandfunk.de, Kevin Barth, Audio: 5:10 Minuten)
Viele Menschen sind bei der TV-Übertragung von einem sportlichen Großereignis wie den Olympischen Spielen auf die Audiodeskription angewiesen. Kevin Barth, der selbst fast blind ist, hat einige Verbesserungsvorschläge, endet jedoch versöhnlich: “Olympia ist mit schnellen Wechseln zwischen unterschiedlichen Sportarten und kurzfristigen Programmänderungen wohl die Königsdisziplin der Audiodeskription. Da kann nicht immer alles klappen.”

6. Klicke auf mein Flut-Elends-Bild auf Social Media
(belltower.news, Simone Rafael)
Nicht nur die selbsternannten “Querdenker” versuchen, die Flutkatastrophe für sich politisch zu nutzen, auch die klassische rechtsextreme Szene zieht es ins Katastrophengebiet. Simone Rafael hat sich angeschaut, wie rechtsextreme Gruppen in den Katastrophenorten einfallen, um sich dort mit Material für ihre Social-Media-Propaganda einzudecken.

Ohne AfD und Linke, Lokaljournalismus im Ahrtal, Selbstversuch Olympia

1. Warum AfD und Linke bei den Sat.1-Sommerinterviews fehlen
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Sat.1 plant politische Sommerinterviews, bei denen die beiden Oppositionsparteien AfD und Linke jedoch nicht vorkommen. Sendersprecher Daniel Rosemann begründet dies wie folgt: “Die Sat.1-Nachrichtenredaktion hat sich entschieden, mit den vier Parteien Sommer-Interviews zu führen, die nach den aktuellen Koalitionsaussagen nach der Wahl Teil einer neuen Bundesregierung sein können.” Für “DWDL”-Redakteur Timo Niemeier kommt diese Argumentation überraschend: “Zum einen, weil der Sender diesmal in Sachen AfD eine andere Argumentation wählt und sich nicht so klar gegen die Partei positioniert, wie es Rosemann noch vor wenigen Wochen tat. Und zum anderen, weil Koalitionsaussagen, die vor einer Wahl getroffen werden, danach vielleicht gar nicht halten. Ein Bündnis aus SPD, Grünen und Linken ist überdies gar nicht endgültig vom Tisch, weil es von keiner der Parteien ausgeschlossen wurde.”

2. Lokaljournalismus im Dauereinsatz
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 7:46 Minuten)
Die Flutkatastrophe im Ahrtal zeigt, wie wichtig gut funktionierender Lokaljournalismus ist. Seit über einer Woche berichtet die “Rhein-Zeitung” mit ihrer Lokalredaktion Ahrweiler mit zehn Reporterinnen und Reportern direkt aus dem Katastrophengebiet, unterstützt von Kräften aus der zentralen Mantelredaktion. Doch in der Region würden sich auch unseriöse Menschen tummeln, die Desinformationen streuen: Laut ZDF-Reporter Arndt Ginzel seien Mitglieder der “Querdenker”-Szene durch die Nachbarschaft gezogen und hätten fälschlicherweise erzählt, das Hochwasser sei von Bundeskanzlerin Angela Merkel geplant worden, um eine Klimadebatte zu entfachen.

3. Nürnberger Presse plant weiteren Stellenabbau
(verdi.de, Susanne Stracke-Neumann)
Schlechte Nachrichten aus Nürnberg: “Um mindestens 80 Vollzeitstellen will der Verlag Nürnberger Presse (VNP) bis Ende März 2022 die Belegschaft verkleinern. Der Verlag, der die ‘Nürnberger Nachrichten’, die ‘Nürnberger Zeitung’ und die Online-Plattform Nordbayern.de in seinem Portfolio hat, baute bereits 2019/20 nach der Verschmelzung dreier einzelner zu einer Zentralredaktion 28 Vollzeitstellen durch einen ‘freiwilligen Sozialplan’ mit Abfindungen ab.”

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4. »Ältere Menschen sind empfänglicher für Falschmeldungen«
(spiegel.de, Max Hoppenstedt & Ann-Katrin-Müller)
Fiete Stegers hat sich im Auftrag der Vodafone-Stiftung bei Faktencheckern, Forschenden, Fachjournalistinnen und Vertretern von zivilgesellschaftlichen Organisationen zum Thema Desinformation umgehört. Der “Spiegel” berichtet vorab über die Befragung. Anfällig für Desinformationskampagnen seien laut den Expertinnen und Experten vor allem Menschen, die “der transportierten Botschaft ohnehin zugeneigt sind und sich durch sie bestätigt fühlen”. Außerdem spiele laut Stegers das Alter eine Rolle: “Ältere Menschen sind tendenziell empfänglicher für Falschmeldungen als junge”.

5. Absprachen ums Preisgeld?
(sueddeutsche.de)
“Get the F*ck out of my House” ist eine ursprünglich aus den Niederlanden stammende Reality-Show, die in Deutschland bei ProSieben ausgestrahlt wurde. Die Spielidee: In einem Haus werden 100 Menschen untergebracht. Wer als Letzter das Haus verlässt, bekommt die 100.000 Euro Siegprämie. Drei Jahre nach dem Ende der Sendung streiten die Kandidaten vor Gericht um das Preisgeld. Die drei Finalisten hätten verabredet, dass – egal, wer gewinnt – der Gewinner den beiden anderen 20.000 Euro abgebe. Daran, so der Vorwurf, habe sich der Gewinner jedoch nicht gehalten.

6. Olympia als 14-Stunden-Selbstversuch: Die Geisterspiele von Tokio im nächtlichen TV-Protokoll
(rnd.de, Imre Grimm)
Imre Grimm hat einen heroischen Selbstversuch unternommen und sich eine ganze Nacht durch das Olympia-Programm gezappt. Richtige Begeisterung wollte bei ihm nicht aufkommen, denn ohne Publikum fehle etwas Entscheidendes: “Das kollektive Staunen über die Grenzbereiche des Menschenmöglichen sind das Geheimnis des Events. Aber ohne Kollektiv gibt es keine kollektive Freude. Was wäre Usain Bolt ohne seine Ehrenrunden? Für wen sollte Robert Harting in einem leeren Stadion sein Trikot zerreißen? Emotionen sind der wichtigste Rohstoff internationaler Sportevents. Von 10.000 leeren Plastiksesseln aber sind keine Gefühlsaufwallungen zu erwarten. Man kann Emotionen nicht herbeibehaupten.”

Talkshow-Pionier Bio, Turnen statt Boxen, Kunstfreiheit im Rap

1. Der Zauber der zwanglosen Plauderei
(spiegel.de, Arno Frank)
Der Fernsehmoderator, Buchautor und Jurist Alfred Biolek ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Biolek gilt in Deutschland unter anderem als Pionier des Talkshow-Genres. Viele kennen ihn nur von seinen Kochsendungen, Biolek war aber auch für Formate wie Rudi Carrells “Am laufenden Band”, “Bio’s Bahnhof” und “Boulevard Bio” verantwortlich. Etliche Stars hatten in einer seiner Sendungen ihren ersten Auftritt. So holte er beispielsweise als Erster die Komiker-Truppe Monty Python nach Deutschland.
Weiterer Lesetipp: Köfte und Knast: Böhmermann brutzelt auf Bios Spuren (dwdl.de, Alexander Krei).

2. “Allerfeinstes Mobbing”
(faz.net)
Der Fußballreporter Jörg Dahlmann und der Pay-TV-Sender Sky haben sich nach einer umstrittenen Äußerung Dahlmanns getrennt. Dieser fühlt sich von Sky gemobbt: “Der Sender hat den Riesenfehler gemacht, sich zu sehr durch Twitter-Hater leiten zu lassen. Diese Empörungsgemeinde hat die Politik des Senders beeinflusst.” Offenbar gab es bereits lange Unstimmigkeiten zwischen Sky und Moderator, wie der Sender andeutet: “In der Vergangenheit haben zahlreiche Gespräche zwischen Sky und Jörg Dahlmann stattgefunden, die einen verantwortungsvollen Umgang mit Sprache zum Thema hatten. Jörg Dahlmann, der regelmäßig vor einem Millionenpublikum kommentierte, hat leider kein Bewusstsein dafür gezeigt, dass er als Multiplikator eine entsprechende Verantwortung trägt.”
Dazu auch: Ein Twitter-Kommentar des “11-Freunde”-Chefredakteurs Philipp Köster zu einer von Dahlmanns Aussagen.

3. 3,8 Milliarden Telefonnummern werden im Darknet verkauft
(golem.de, Oliver Nickel)
Im Darknet behauptet ein anonymer Hacker, im Besitz der Kontakte aller 10 Millionen Clubhouse-User und deren Telefonbücher zu sein, und bietet die Daten zum Verkauf an. Es soll sich dabei um insgesamt 3,8 Milliarden Telefonnummern handeln. Das Unternehmen, dem schon einmal 1,3 Millionen Datensätze abhanden gekommen sind, widerspricht: “Es gab keinen Datenleak bei Clubhouse. Es gibt eine Reihe von Bots, die Milliarden von zufälligen Telefonnummern generieren. Für den Fall, dass eine dieser zufälligen Nummern aufgrund eines mathematischen Zufalls auf unserer Plattform existiert, gibt die API von Clubhouse keine benutzeridentifizierbaren Informationen zurück.”

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4. Turnen statt Boxen
(taz.de, Alina Schwermer)
Frauen, die Spitzensport machen, sind in den Medien unterrepräsentiert. Wenn sie zu sehen sind, dann eher passiv und in kontaktarmen Disziplinen, so der Befund der “taz”-Autorin Alina Schwermer: “Das hat auch mit der Zusammensetzung der Redaktionen zu tun. Der alte Witz, dass im Sport ‘Männer für Männer über Männer’ berichten, stimmt weiterhin.”

5. Flutopfer müssen Rundfunkgebühren nicht mehr zahlen
(rnd.de)
ARD, ZDF und Deutschlandradio haben sich auf “unbürokratische Entlastungen” geeinigt: Betroffene der Flutkatastrophe können sich von den Rundfunkgebühren befreien lassen und eine Abmeldung ihres Kontos beantragen. Dazu reiche eine kurze schriftliche Mitteilung an den Beitragsservice.

6. “Alles von der Kunst­f­rei­heit gedeckt”
(lto.de, Eike Fesefeldt)
“Fast schon ein wenig geehrt werden sich manche Juristinnen und Juristen fühlen, dass auch ihr Berufsstand einen kleinen Platz in Hip-Hop-Texten gefunden hat. Einige Songs beruhen darauf, dass ihre Interpreten bereits Erfahrungen im Gerichtssaal gesammelt haben.” Staatsanwalt Eike Fesefeldt hat sich angeschaut, auf welche Weise Justizthemen in deutschsprachigen Rap-Texten verarbeitet werden.

Matsch-Inszenierung bei RTL, Olympia, Amthors “Gaming Night”

1. RTL beurlaubt Flut-Reporterin Susanna Ohlen
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Die RTL-Reporterin Susanna Ohlen wurde dabei gefilmt, wie sie sich vor einer Schalte aus dem Hochwassergebiet offenbar für mehr Drama Matsch ins Gesicht schmierte. RTL hat die Moderatorin darauf freigestellt: “Das Vorgehen unserer Reporterin widerspricht eindeutig journalistischen Grundsätzen und unseren eigenen Standards. Wir haben sie daher direkt am Montag, nachdem wir davon erfahren haben, beurlaubt.”

2. Der männliche Blick auf Frauen
(deutschlandfunk.de, Isabelle Klein, Audio: 5:56 Minuten)
Heute starten die Olympischen Spiele in Tokio, mit erfreulichen Entwicklungen in Sachen Gleichberechtigung und gleicher Teilhabe von Mann und Frau: Erstmals in der olympischen Geschichte hätten in Tokio alle olympischen Sportarten eine männliche und weibliche Kategorie. Über alle Kategorien gerechnet betrage der Anteil der Frauen etwa 49 Prozent – so viel wie noch nie. Die Sportjournalistin Alina Schwermer erklärt im Gespräch mit dem Deutschlandfunk, warum es damit aber noch lange nicht getan ist.

3. Von der Regierung finanziert
(taz.de, Steffen Grimberg)
Beim privaten Lokalfernsehen Sachsen TV laufen Formate wie “Martin Dulig konkret” oder “MK Direkt” mit dem sächsischen Wirtschaftsminister Dulig beziehungsweise mit Sachsen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer. Steffen Grimberg kommentiert: “Nun ist Sachsen TV wie alle Medien natürlich frei in seinen redaktionellen Entscheidungen und muss sich nicht vorwerfen lassen, wen die Redaktion in ihre Sendungen einlädt. Doch die Sache hat einen Haken: Die Produktion dieser Sendungen wird vom Sächsischen Ministerium für Wirtschaft und Arbeit bezahlt.”

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4. MDR will Klimaberichterstattung ausbauen
(rnd.de)
Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) will seine Berichterstattung über den Klimawandel ausbauen. So plane man eine Art “Klimaherbst” für die Zeit nach der Bundestagswahl. Außerdem würde ab heute das wöchentliche multimediale “Klima-Update” erscheinen: “Einmal in der Woche gibt der Newsletter einen Überblick über alle wichtigen Infos zum Thema: Dazu zählen Hintergrundgeschichten, Interviews, Podcasts und Dokumentationen mit Beispielen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Auch passende Inhalte aus der ARD und darüber hinaus werden im Klima-Update vorgestellt.”

5. Facebook gefällt das nicht
(zeit.de, Lisa Hegemann)
Lisa Hegemann hat “Inside Facebook” gelesen, das jüngst erschienene Buch der “New-York-Times”-Reporterinnen Sheera Frenkel und Cecilia Kang. “Über Facebook ist so viel berichtet worden, dass sich Inside Facebook wie eine Zusammenfassung aller großen Skandale der vergangenen Jahre liest. Der Verdienst von Frenkel und Kang ist es, die vielen Probleme von Facebook in Beziehung zueinander zu setzen und detailliert aufzudröseln, wie die Anfänge des sozialen Netzwerks zu seinem heutigen Image beigetragen haben. Das Buch gewährt einen Blick hinter die ohnehin schon brüchig wirkende Fassade von Facebook. Das Beunruhigende: Dahinter sieht es offenbar noch schlimmer aus, als man ohnehin schon erwartet hatte.”

6. Wahlkampfspiele
(faz.net, Axel Weidemann)
Der Chef der Jungen Union, Tilman Kuban, und der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor hatten sich zur “Gaming Night” auf Twitch verabredet, bei der sie “ungeschönt und ohne Politsprech” mit der “Community” über Politik reden wollten. Ein Himmelfahrtskommando, wie Axel Weidemann in der “FAZ” findet: “Das ist so, als wolle man in einem Flugsimulator ein Gewitter durchfliegen und dabei mit einer Schulklasse in der siebten Stunde über die Probleme des deutschen Rentensystems diskutieren – auf Finnisch.”

Netzwerk Klimajournalismus, Pferderennen, Pandemisches Drehen

1. Journalismus oder Aktivismus?
(deutschlandfunk.de, Sören Brinkmann & Torsten Schäfer, Audio: 7:34 Minuten)
Unter dem Namen Netzwerk Klimajournalismus Deutschland haben sich einige Journalistinnen und Journalisten zusammengeschlossen, um ähnlich wie das Netzwerk Recherche oder das Europäische Datenjournalismus-Netzwerk regelmäßig über inhaltliche und redaktionelle Fragen zu diskutieren. Umweltjournalist und Journalismus-Professor Torsten Schäfer hat das Projekt mitgegründet und erklärt im Deutschlandfunk die Hintergründe und Zusammenhänge.

2. Lange historische Bögen
(taz.de, Dirk Knipphals)
Dirk Knipphals kommentiert die Entscheidung des WDR, sich von den “Buchtipps” mit Christine Westermann zu trennen: “Auch wenn man kein literaturkritischer Fan von Christine Westermann ist, kann einen die Begründung, mit der ihre Literaturtipps im WDR nun gestrichen werden, doch einigermaßen erschüttern. Im Kern läuft sie auf die Behauptung hinaus: Die Mehrheit interessiert sich nicht für Bücher. Selbst wenn das so wäre, sollte das gerade für ein öffentlich-rechtliches Fernsehen nicht Ansporn sein, das zu ändern?”

3. SPIEGEL-Kulturchef schürt Angst vor trans: Ahnungslos durch die Nacht?
(nollendorfblog.de, Johannes Kram)
Beim “Spiegel” kritisierte Sebastian Hammelehle, Leiter des Kulturressorts, in einem Essay (nur mit Abo lesbar) den Wunsch eines Schauspielers, den Namen seiner ehemaligen geschlechtlichen Identität nicht mehr zu erwähnen (“So baut sich unsere aufgeklärte Gesellschaft einen Kokon aus neuen Verboten.”) Johannes Kram antwortet: “Hat der SPIEGEL-Kulturchef nicht mitbekommen, wie gegen trans Menschen gehetzt wird? Und welche Rolle dabei alte Bilder und der alte, der Deadname spielt, das Vergnügen des rechten Pöbels, diesen immer wieder sichtbar zu machen als ‘Beweis’ dafür, dass der Mann oder die Frau gar nicht ‘echt’ ist, sondern sich nur ‘verkleidet’?”

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4. «Es geht nicht nur darum, einfach mehr über Frauen zu schreiben»
(medienwoche.ch, Thomas Häusermann)
Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Uni Zürich haben die Darstellung von Frauen in Schweizer Print- und Onlinemedien untersucht. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Die “Medienwoche” hat Verlage und Redaktionen befragt, was sie über den anhaltend tiefen Frauenanteil in ihren Medien denken und welche Maßnahmen sie ergreifen wollen, um die Situation zu ändern.

5. “Der Wahlkampf ist kein Pferderennen”
(deutschlandfunkkultur.de, Jenny Genzmer & Martin Böttcher, Audio: 11:15 Minuten)
Der Begriff “Horse-Race-Journalismus” bezeichnet die Eigenart einiger Medien, die politische Berichterstattung wie ein Sport-Event zu behandeln, bei dem es ausschließlich darum geht, wer gerade in Führung liegt. Die Medienwissenschaftlerin Margreth Lünenborg erklärt, was dabei zu kurz kommt – die Inhalte: “Die Aufgabe von Journalismus ist zweifelsohne, auf den Zahn zu fühlen und kritisch zu prüfen, ob die Versprechen, die da jetzt ausgeschüttet werden, auch tatsächlich tragfähig sind. Also tatsächlich Inhalte in den Mittelpunkt zu stellen.”

6. Mit Risiken und Nebenwirkungen
(sueddeutsche.de, Nicolas Freund)
Die Corona-Pandemie hatte weitreichende Folgen für das TV- und Kinogeschäft. Monatelang waren kaum Dreharbeiten möglich und auch die jetzigen Bedingungen sind kompliziert. So soll es am Set von “Star Wars” einige Covid-Fälle gegeben haben. Nicolaus Freund berichtet über das Drehen unter pandemischen Bedingungen.

Bedrohter “Weltspiegel”, Drehtage runterrocken, Orbán-Propaganda

1. Jux und Dollerei
(kontextwochenzeitung.de, Jörg Armbruster)
ARD-Programmdirektorin Christine Strobl will den “Weltspiegel” von seinem über Jahrzehnte angestammten Sendeplatz am frühen Sonntagabend auf Montag, kurz vor Mitternacht, verlegen. Das seien “Informationen, die uns schockieren”, klagen die ARD-“Weltspiegel”-Redaktionen und die Fernseh-Auslandskorrespondenten in einer gemeinsamen Stellungnahme. Und auch Jörg Armbruster, einst Moderator der Sendung, protestiert: “Sollte es so kommen, dann betreibt des Ministers Gattin Kahlschlag bei der Auslandsberichterstattung der ARD und das in einer Zeit, in der erklärt werden muss, warum so viele Flüchtlinge lieber ihr Leben auf dem Mittelmeer riskieren als in ihrer Heimat zu bleiben, weshalb politische Krisen und Kriege anderswo sich auch auf Europa auswirken oder ganz einfach, wie Menschen in entfernten Winkeln dieser Erde leben.”

2. Handreichung an Journalisten & Journalistinnen für die Wahlkampf-Berichterstattung. Ein Thread.
(twitter.com, Nadia Zaboura)
Die Kommunikationswissenschaftlerin und Linguistin Nadia Zaboura fasst in einem Twitter-Thread die wichtigsten Fragen zusammen, die sich Journalistinnen und Journalisten in Zusammenhang mit ihrer Wahlkampf-Berichterstattung stellen sollten. Der kleine Fragenkatalog ist auch für Medienkonsumierende interessant, da er zur Bewertung politischer Berichterstattung verwendet werden kann.

3. Wie deutsche Medien mit der Genderfrage umgehen
(mdr.de, Jenni Zylka & Steffen Grimberg)
Wie halten es die deutschen Medien mit dem Gendern? Jenni Zylka und Steffen Grimberg haben sich einige Beispiele aus Print, Online und TV herausgesucht, die das volle Spektrum von Akzeptanz bis Ablehnung abbilden. Ihr Kompromissvorschlag: “Wenn alle in sich den Großmut suchen und finden könnten, das Gegenüber so sprechen und schreiben zu lassen, wie es möchte. Und sich, anstatt ‘Sprachdiktatur’ und ‘Unlesbarkeit’ zu nölen, über mehr hübsche Sternchen freuen würde.”

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4. “Ein Runterrocken von Drehtagen”
(sueddeutsche.de, Stefan Fischer)
Mittlerweile haben sowohl Hörspielautoren und Drehbuchautorinnen als auch Filmregisseurinnen und -regisseure in offenen Briefen gegen die sich verschlechternden Rahmenbedingungen protestiert, insbesondere mit Blick auf die ARD. Im persönlichen Gespräch seien die Initiatoren des offenen Briefes, den der Bundesverband Regie am 1. Juli veröffentlicht hat, deutlich geworden: “Das ist kein Geschichtenerzählen mehr mit den Mitteln des Films”, habe einer von ihnen gesagt, “sondern nur noch ein Runterrocken von Drehtagen.”

5. Eine ganze Seite Propaganda
(deutschlandfunk.de, Marina Weisband, Audio: 4:08 Minuten)
Ungarn hat in der “Bild”-Zeitung eine ganzseitige Anzeige mit Vorschlägen über die “Zukunft der Europäischen Union” geschaltet. Im Deutschlandfunk kommentiert Marina Weisband: “Wenn Zeitungen sich als bloße Plakatwände für die Propagandaposter autoritärer Staaten missbrauchen lassen, läuft etwas schief.”

6. Zu viele Experten, zu wenig Distanz: Warum die TV-Berichterstattung zur EM nicht funktioniert hat
(rnd.de, Imre Grimm)
Imre Grimm zieht eine (Zwischen-)Bilanz der TV-Berichterstattung zur Fußball-Europameisterschaft und entdeckt dabei einige Parallelen zwischen dem Zustand der deutschen Nationalmannschaft und dem öffentlich-rechtlichen Sportjournalismus: “Beide halten Erfolg für ein Naturgesetz, zehren zu sehr von altem Ruhm und erwecken mit altbackenen Konzepten den Eindruck, nicht mehr mit letzter Leidenschaft bei der Sache zu sein.”

RTL und Gruner + Jahr, Instagrams Naturzerstörer, Schlösserfotografie

1. Neue Verschmelzung
(taz.de, René Martens)
Bei RTL und Gruner + Jahr deutet sich eine Art von Zusammenschluss an. René Martens beleuchtet die Hintergründe der Verschmelzung und erklärt, wie diese sich auf die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auswirken könnte. Die Entwicklung beim “Stern” lässt Schlimmes befürchten: “Am 1. März wurde das Politik- und Wirtschaftsressort des Magazins aufgelöst. Stattdessen gibt es eine gemeinsame Hauptstadtredaktion von Capital, Business Punk und Stern. Eine Maßnahme, die den Ruf des Sterns derart beschädigt, hätte niemand intern für möglich gehalten. Mehrere Redakteure verließen daraufhin das Magazin.”

2. Wenn Likes und Geotags die Natur zerstören
(netzpolitik.org, Pia Stenner)
Auf der Jagd nach möglichst spektakulären Natur-Selfies nehmen manche Influencerinnen und Influencer große Risiken in Kauf – mit mitunter großen Nachteilen für sich und ihre Umgebung. Die reichlich gestreuten Hashtags und Geotags verstärken das Problem. Sie machen die verlinkten Orte noch populärer. Pia Stenner zeigt, an welchen Orten des Planeten sich die Instagram-Community besonders gerne tummelt.

3. Pro Sieben Sat.1 stellt Podcast-App schon wieder ein
(rnd.de)
Vor etwa einem Jahr hatte der Medienkonzern ProSiebenSat.1 eine eigene Podcast-Plattform gestartet. Auf FYEO (For Your Ears Only) wollte man eigene Podcast- und Hörspielformate per Abo-Modell vermarkten. Nun kündigt der Konzern das Projektende an. Die App werde in diesem Herbst eingestellt.

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4. Schlösser und Gärten frei fotografieren
(verdi.de)
Das Gerangel um Fotografiererlaubnisse in den Preußischen Schlössern und Gärten scheint ein Ende zu haben: Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg vereinfacht die zustimmungsfreie Veröffentlichung und Vermarktung von Aufnahmen ihrer Parkanlagen und Gebäude. Davon betroffen seien rund 300 Gebäude, tausende Kunstschätze sowie fast 800 Hektar historische Park- und Gartenanlagen in Berlin und Brandenburg.

5. Gen­ders­tern­chen ist keine Dis­kri­mi­nie­rung
(lto.de)
Eine intergeschlechtlich geborene schwerbehinderte Person sah sich durch die Verwendung des Gendersternchens in einer Stellenausschreibung diskriminiert und reichte eine entsprechende Klage ein. Nun hat das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein in einem Urteil festgestellt, dass die behauptete Diskriminierung nicht vorliege. “Unerheblich sei auch, ob das Gendersternchen den deutschen Rechtschreibregeln entspricht. Zudem habe sich in der Anzeige an einer anderen Stelle der Zusatz ‘(m/w/d)’ gefunden, was die Intention einer geschlechterneutralen Ausschreibung verdeutliche.”

6. Sportjournalistenpreis: “Herr… Herr… Herr… hierher!”
(dwdl.de, Jan Freitag)
Jan Freitag hat sich die Verleihung des Deutschen Sportjournalistenpreises in einem Hamburger Luxushotel angeschaut. Das Event hat ihn, nun ja, nicht gerade begeistert, aber es habe auch Lichtblicke gegeben: “Umso erfrischender war es, wie die frühere Boxerin Ramona Kühne als Laudatorin der wichtigen Moderationskategorie die unverdrossene Geschlechterungleichheit im Sportjournalismus anprangerte. Da wurde sogar das haltlose Gestammel ihres Kollegen Henry Maske einigermaßen erträglich, der in Abwesenheit per Video zugeschaltet wurde.”

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