1. Die Mär vom großen Treck zum LG Hamburg und andere Mythen (hoechkadelbach.de, Dominik Höch)
Der Pressekammer des Landgericht Hamburgs haftet der Ruf an, pressefeindlich zu sein und oftmals von der Meinungsfreiheit gedeckte Äußerungen zu verfolgen. Auch der bekannte Lawblogger Udo Vetter argumentiert in diese Richtung. Rechtsanwalt Dominik Höch hält dies für eine “Mär”. Es ginge dabei u.a. um Spezialisierung. Außerdem sei das Landgericht Hamburg in Pressesachen keineswegs eine „sichere Bank“, wie es der Mythos vielfach behaupte.
2. Facebook: Die politische Macht des Tech-Giganten (infosperber.ch)
Daniela Gschweng hat Berichte in der “New York Times” und des “Guardian” zum Anlass genommen, über die politische Macht von Facebook nachzudenken. Sie greift dabei die Frage nach der “maschinellen Intelligenz” auf und fragt nach der Objektivität von Algorithmen. Kein anderes Medium hätte so viel politischen Einfluss wie das weltgrößte soziale Netzwerk. Etablierte Medien könne man gut beobachten, indem man die Inhalte erfasse und auswerte. Dies gestalte sich bei Facebook schlicht als unmöglich.
3. Brief an die taz: Was Vattenfall unterlassen sollte (blogs.taz.de, Martin Kaul)
Malte Kreutzfeldt ist Parlamentskorrespondent der “taz” und Experte für alle Themen rund um Energie. Letztes Jahr hat er beispielsweise die Erstürmung des RWE-Tagebaus in Garzweiler kritisch kommentiert. Dieses Jahr wollte sich der Journalist ein Bild von den Tagebaublockaden in der Lausitz machen. Nach einer höflichen Anfrage bei Betreiber Vattenfall meldete sich nicht etwa die Pressestelle, sondern der Rechtsanwalt des Energieriesen: Kreutzfeld solle flugs eine Unterlassungserklärung abgeben…
4. ZDF distanziert sich von Symbolbild zu Paragraf 175-Opfern, will (oder kann) aber nicht sagen, warum (nollendorfblog.de, Johannes Kram)
Ausgerechnet in einem Beitrag über die Diskriminierung homosexueller Männer verwendet das ZDF ein Symbolfoto, das Anlass zu Fragen aufwirft. Auch Nollendorfblogger Johannes Kram stellt sich diese Fragen und schreibt das ZDF an. Der Sender antwortet mit einer Entschuldigung. Warum ihm die Antwort nicht reicht und sogar weitere Fragen aufwirft, begründet Kram auf seinem Blog.
5. Unter Generalverdacht (ostpol.de, Jutta Sommerbauer)
“n-ost” ist eine Nachrichtenagentur für Osteuropa-Inhalte, in der sich Journalisten aus Ost und West zusammengeschlossen haben. Die n-ost-Korrespondentin Jutta Sommerbauer recherchierte mehrmals in den umkämpften Separatistengebieten in der Ostukraine und fand sich nun auf der „Mirotworez“-Liste wieder. Ukrainische Hacker hatten in der letzten Woche Tausende Namen von Journalisten veröffentlicht, die sich in der von Separatisten kontrollierten “Donezker Volksrepublik” akkreditiert hatten und sie unter Generalverdacht gestellt, mit den Separatisten gemeinsame Sache zu machen. Die Liste ist mittlerweile wieder vom Netz, dennoch ist die Sache für sie nicht ausgestanden, wie Sommerbauer in ihrem Gastbeitrag schreibt.
6. So kam es zum Lachanfall des MDR-Sprechers (tagesspiegel.de, Robert Klages)
Der Moderator des “MDR Thüringen Journals” bekam beim Verlesen einer etwas skurrilen Meldung einen Lachanfall. Das Video mit dem sympathischen und ansteckenden Gekichere wurde seit gestern unzählige Mal geklickt und weitergereicht. Der “Tagesspiegel” erklärt, wie es zum Lach-Flash kam.
1. Der neue „Unternehmensjournalismus“ oder: Die Umdeutung eines Berufsbildes (get.torial.com, Lutz Frühbrodt)
Die Vermischung von Werbung und Marketig und Journalismus geht in die nächste Runde. Nun wollen die sogenannten “Content Marketer” als reinrassige Journalisten angesehen werden. Mit schwerwiegenden Folgen für den Journalismus insgesamt, wie Lutz Frühboldt schreibt: “Er würde in erster Linie nur noch über seine äußere Hülle und sein Handwerkszeug definiert und nicht mehr über seine Funktionen, nämlich Kritik und Kontrolle. Die Folgen für die Meinungsbildung werden nicht ausbleiben: Es drängt mehr interessengeleitete Information in den öffentlichen Raum, Aufklärung und Einordnung geraten dagegen ins Hintertreffen.”
2. Wenn Algorithmen Journalismus machen (de.ejo-online.eu, Andreas Graefe & Mario Haim)
Der automatisierte Journalismus bleibt ein umstrittenes Thema. Einerseits funktioniert er in bestimmten Ressorts wie Sport und Finanzen gut und bietet den Medienhäusern wirtschaftliche Vorteile, andererseits wollen die Leser laut Umfragen lieber von Menschen geschriebene Texte. Die Autoren des Beitrags berichten über die sachlichen und emotionalen Aspekte der Technologie. Außerdem haben sie ein Forschungsvorhaben angeschoben, das anhand eines Beispiels herausfinden will, wie automatisierte Nachrichten beim Leser ankommen.
3. Druckstelle (Frank Nienhuysen, sueddeutsche.de)
Die “RBK”-Mediengruppe wurde bislang als eine der wenigen kritischen, unabhängigen Stimmen Russlands genannt. Nun wurde die Chefredaktion entlassen mit einer schwammigen Begründung (“unterschiedliche Meinungen über Fragen der Entwicklung”). Viele sehen darin den Versuch des Kremls, Druck auf das unbequeme Blatt und den Eigentümer der Medienholding auszuüben.
4. Finnland droht Journalisten (Reinhard Wolff, taz.de)
Finnland rangiert auf der aktuellen Pressefreiheits-Rangliste von “Reporter ohne Grenzen” auf Platz eins. Ausgerechnet dort wird derzeit Druck auf Journalisten ausgeübt: Die finnischen Finanzbehörden bestehen auf Herausgabe der sogenannten “Panama Papers”, was von Journalistenseite mit Hinweis auf den Quellenschutz verweigert wird. Die Behörden drohen daraufhin mit Polizei, Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen.
5. Eine Versöhnung mit Beigeschmack (faz.net)
Megyn Kelly gilt als eine der smartesten und schärfsten politischen Journalistinnen Amerikas, die mit ihrer Sendung auf Fox News für Furore sorgte und sogar Donald Trump Angst machte. Dieser hatte als Reaktion für Kellys inhaltliche Konfrontationen und direkte Fragen einen Monate anhaltenden Kleinkrieg gegen die Moderatorin angezettelt und sie mit allerlei hässlichen Beleidigungen bedacht. Der Fox-News Chef hat die Moderatorin zur öffentlichen Versöhnung beordert. Einer Versöhnung mit Beigeschmack…
6. Radio Gaga: Der beste Mix auf den dümmsten Wellen (dwdl.de, Hans Hoff)
Hans Hoff redet sich den Frust über das heutige Radio von der Seele: “Heute ist Radio gaga. Endgültig. Es ist vorbei, das Medium liegt im Sterben. Und das beste Zeichen fürs Siechtum ist, wenn jemand „Der beste Mix“ sagt. Dann kann man sehr sicher davon ausgehen, dass jene, die da am Mikrofon stehen, ihre Hörer für dümmer als Brot halten.”
1. Hetzer, Idioten und Dumpfbacken (nzz.ch, Heribert Seifert)
Kommunikative Rüpelei hat längst ihren Platz in den traditionellen Medien gefunden, findet Heribert Seifert. Dem Wutbürger im Internet trete in manchen Leitmedien ein Wutjournalismus gegenüber, der Schimpfen, Weghören und Kommunikationsverweigerung zu Tugenden erklärt. Seifert listet einige Fälle auf, bei denen etablierte Medien seiner Meinung nach unangemessen berichten und mit “Kampfvokabeln” operieren würden: “Es herrscht die Stimmung eines Kulturkriegs, der wenig Raum für vernünftige politische Debatte kennt.”
2. Wie der “Guardian” zum Anwalt der Klimabewegung wurde (tagesspiegel.de, Dagmar Dehmer)
Der britische „Guardian“ betreibt seit März 2015 eine Klimakampagne und hat damit zwei seiner eigenen Geldgeber unter Druck gesetzt. Die beiden größten Gesundheitsstiftungen der Welt, die Gates-Stiftung und der Wellcome-Trust, würden nämlich nicht nur die Berichterstattung des Medienhauses zu Entwicklungsthemen mitfinanzieren, sondern seien Investoren bei Firmen der Kohle-, Öl- und Gasindustrie. Nach anfänglichem Widerstand hätte sich die Bill- und Melinda-Gates-Stiftung nun leise von umfangreichen Investitionen in der Ölindustrie verabschiedet.
3. Ex-Mann, Ausländer, Okkultisten: Wer alles verdächtigt wurde (derbund.ch, Thomas Knellwolf)
In den Monaten zwischen dem Familienmord im schweizerischen Rupperswil und seiner Aufklärung ergingen sich Medien, Experten und Politiker in wilden Spekulationen über den Täter. Man hätte sich regelrecht mit Mutmaßungen überboten und wenig Rücksicht auf die Angehörigen der Opfer genommen, so der “Bund”. Selbst Kriminalisten hätten sich an dem Geunke und Geraune beteiligt. Lesenswert dazu auch der persönliche Beitrag Rambojournalisten in Town, der mit dem Schweizer Boulevardjournalismus hart ins Gericht geht.
4. Unverhohlene Drohung: NPD-nahe Seite stellt Fotos und Namen von Journalisten online (endstation-rechts.de, Oliver Cruzcampo)
Nach NPD-Demos in Schwerin und Demmin wurden laut “Endstation Rechts” von einer NPD-nahen Facebook-Seite Fotos der anwesenden Journalisten und deren Namen veröffentlicht. Nur kurz zuvor hätte Fraktionschef Udo Pastörs in seiner Rede von „Journaille-Schmierern“ und „Schweinejournalismus“ gesprochen. Dies zeige Wirkung: “Immer weniger Journalisten sind bereit, von solchen Auftritten zu berichten”, so ein Mitarbeiter eines Beratungsvereins für Betroffene rechter Gewalt.
5. Reality statt Life (Jarina Kajafa, taz.de)
Letzte Woche machte das Bild die Runde, mit dem die russische Botschaft eine Militärmeldung illustrierte und das sich als Screenshot aus dem Spiel „Command & Conquer” entpuppte. Im Mai blühe die russische Lügenindustrie anscheinend besonders prächtig, findet Jarina Kajafa von der “taz”: Belege und Veteranen würden gefakt, Statisten für die Paraden gekauft und Meldungen verzerrt.
6. Rechte Talkshowgäste: Wie Pyromanen in der Streichholzfabrik (spiegel.de, Georg Diez)
“Die Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen befördern den gesellschaftlichen Rechtsrutsch”, lautet die Kernbotschaft von “Spiegel”-Kolumnist Georg Diez. Es sei Zeit für eine neue Diskurs-Republik: “Die deutsche Talkshow-Republik ist, wie die reale auch, dem Proporz und dem Konsens verpflichtet – aber dieses Modell ist in Lähmung erstarrt und vor allem an seiner eigenen Existenz und an seinem eigenen Überleben interessiert.”
1. Journalismus wird immer besser – seine Reputation immer geringer (de.ejo-online.eu, Michael Haller)
Ende April hat der Stern den Nannen Preis für herausragende Arbeiten im deutschsprachigen Journalismus verliehen. Medienwissenschaftler Michael Haller hat für das Sonderheft „Nannen Preis 2016“, in dem sich alle nominierten Arbeiten finden, einen einführenden Essay verfasst. Sein Thema: Gründe für den Widerspruch zwischen exzellentem Journalismus und schwindendem Medienvertrauen.
2. Gibt es ein Recht auf kritische Berichterstattung? (medienwochw.ch, Mike Meißner & Silke Fürst)
Die Autoren beschäftigen sich mit der Frage, wie man den Journalismus in der Schweiz stärken und seine Unabhängigkeit sicherstellen kann. Wirtschaftlicher Druck stelle die Unabhängigkeit des Journalismus in Frage, Werbekunden würden mit Samthandschuhen angefasst und in der Berichterstattung geschont. Ein Blick ins Arbeitsrecht zeige, dass ein Gesamtarbeitsvertrag, wie es ihn in der Westschweiz und für die SRG gibt, die unabhängige und kritische Berichterstattung stärken kann.
3. Erdogan will sie mit allen Mitteln zum Schweigen bringen (faz.net, Karen Krüger)
“Recep Tayyip Erdogan sägt jeden ab, der ihm bei seinem Projekt, die Türkei in einen autoritären Staat zu verwandeln, in die Quere kommt. “, so direkt formuliert es Karen Krüger zu Beginn Ihres Artikels. Das Urteil gegen die Journalisten Can Dündar und Erdem sei ein Exempel für das Vorgehen gegen die Pressefreiheit in der Türkei. Wer dem türkischen Präsidenten Paroli biete, hätte keine Rechte.
4. Panama ist auch in Spanien (taz.de, Reiner Wandler)
Die “taz” berichtet über einen Fall, der derzeit die spanische Medien beschäftigt und Juan Luis Cebrián, den Chef der spanischen Medienholding Prisa, wild um sich schlagen lasse: Auf Berichte, dass seine Exfrau in den Panama-Papieren erwähnt wird, reagiere Cebrián, zu dessen Unternehmen auch die größte spanische Tageszeitung El País und Cadena Ser, der populärste Radiosender des Landes, gehören, mit Entlassungen und Verboten.
5. Huch, da sitzen ja Menschen (zeit.de, Eike Kühl)
Auf einem amerikanischen Onlineportal erhebt ein ehemaliger, anonymer Facebook-Mitarbeiter schwere Vorwürfe: Das Netzwerk filtere Meldungen zu Ereignissen und von bestimmten Quellen bewusst aus und beeinflusse somit die Nutzer. Unter anderem sollen Mitarbeiter dafür gesorgt haben, dass Nachrichten über konservative Politiker wie Mitt Romney und Rand Paul nicht als Trend auftauchten, obwohl die Facebook-Nutzer darüber diskutierten.
6. Insolvenz – War wohl NIX (sueddeutsche.de, Hans Hoff)
Nachdem bereits im März Insolvenzantrag gestellt wurde, stellt Helmut Thomas Fernsehsender “NRW TV” nun den Sendebetrieb ein. “War wohl NIX”, kommentiert die “SZ” und spielt damit auf die Marke “NIX TV” an, mit der Thoma vor allem bei jungen Leuten Punkten wollte.
1. Trübe Quellen (de.ejo-online.eu, Klaus Beck)
Ein Forscherteam ist der Frage nachgegangen, ob und wie Journalisten in fünf europäischen Ländern Social-Media-Informationen praktisch überprüfen. Publizistik- und Kommunikationswissenschaftler Klaus Beck von der Uni Berlin
fasst die Ergebnisse zusammen und weist auf die Existenz spezieller Online-Werkzeuge wie “TinEye” und “Exif Viewer” (Quelle, Geschichte und Veränderung von Fotos) sowie “SocialMention” und “Trackur” (Social-Media-Suche) hin. Das Fazit des Wissenschaftlers: “Onlinemedien können also bei der Lösung der Probleme helfen, die sie schaffen.”
2. “Die bewachen uns Tag und Nacht auf jedem Schritt” (deutschlandfunk.de, Jürgen Hanefeld im Gespräch mit Doris Simon)
“Zum ersten Parteitag der Arbeiterpartei seit 36 Jahren hat Nordkorea auch Journalisten aus aller Welt eingeladen. Ernsthaft berichten können sie aber nicht, erzählt ARD-Korrespondent Jürgen Hanefeld aus Pjöngjang. In die Kongresshalle kommen sie nicht, und wenn sie mit Nordkoreanern auf der Straße sprechen, steht ein Aufpasser daneben.” Jürgen Hanefeld berichtet per Telefonschalte aus Pjöngjang, wo er mit 130 Journalisten aus aller Welt in bewachten Gruppen herumgeführt wird.
3. Wenn Journalisten am eigenen Ast sägen (medienwoche.ch, Ronnie Grob)
Um an ihrer medialen Wirkung zu feilen, lassen sich manch Schweizer Behördenmitarbeiter von Journalisten schulen und buchen teilweise teure Medientrainings. Ronnie Grob hat einige Medienvertreter gefragt, ob es berufsethisch vertretbar sei, wenn Journalisten neben ihrer Hauptbeschäftigung Staatsangestellte trainieren, damit sie gegenüber den kritischen Fragen der Medien besser dastehen. Der Artikel wartet mit konkreten Fallbeispielen und Zahlen auf und zeigt, wo die Problematik liegt.
4. “Die Teletext-Seite 100 sagt einem, ob die Welt noch steht.” (get.torial.com, Stefan Mey)
In Diskussionen über Medien geht der antiquiert wirkende “Teletext” oft unter, dabei würden in Deutschland etwa elf Millionen Menschen täglich Inhalte abrufen, vier Millionen die des Marktführers ARD. Frauke Langguth führt ein zehnköpfiges Team an, das im Schichtbetrieb die Inhalte von ARD-Text erstellt. Im Interview erklärt sie sowohl die Vorteile des Dienstes als auch die Bedrohungslage: “Das Web hat dem Teletext gar nicht so sehr zu schaffen gemacht. Es ist eher der Medienwandel durch Smartphones. Immer mehr Leute haben keinen Fernseher mehr.”
5. Nur in „Österreich“ werfen sich Flüchtlinge vor Autos (kobuk.at, Gabriele Scherndl)
Das Gratisblatt „Österreich“ behauptet, in Klagenfurt würden sich Flüchtlinge gezielt vor Autos werfen, um anschließend Schmerzensgeld zu fordern. Das von Journalismus-Studierenden betriebene Medienwatchblog “Kobuk” ist der Sache nachgegangen und hat mit Justiz und Polizei gesprochen. Nach derzeitigem Kenntnisstand stellt sich die Meldung als wilde und reißerische Spekulation dar.
6. Kommentar zur Rugby-Berichterstattung in der Heidelberger Rhein-Neckar-Zeitung (totalrugby.de, Matthias Hase)
Die Sportberichterstattung der “Rhein-Neckar-Zeitung” sorgt derzeit für Kopfschütteln in der Rugby-Szene. (“Wie sehr sich Simbas freuen können, wenn sie weiße Männer fertig gemacht haben, kennt man aus dem Filmklassiker “Die Wildgänse kommen”, in dem Richard Harris und Hardy Krüger verhäckselt werden, Roger Moore und Richard Burton überleben nur knapp.”)
Ein Gastkommentar eines Online-Rugby-Magazins hält dagegen.
Die neue Ausgabe von “Compact” ist da. Und wie jeden Monat beglückwünschen sich “Compact”-Chef Jürgen Elsässer, Redakteur Marc Dassen und CvD Martin-Müller Mertens auf Youtube gegenseitig zum neuen Heft.
Traditionell geht es dabei zuerst um das wahnsinnig originelle Titelblatt. Dassen meint, das Cover der Mai-Ausgabe zeige “sozusagen eine Christin und ihr sanftes Antlitz sozusagen, ihre Frömmigkeit”, worauf sein Chef Elsässer ergänzt: “Ihre Wehrlosigkeit auch.”
Eine sanfte, fromme, wehrlose Christin also:
Gut, ganz so sanft und wehrlos scheint die Dame allerdings doch nicht zu sein, wenn man sich mal dieses Foto von ihr anschaut:
Wir wissen nicht, ob die Coverfrau tatsächlich gläubige Christin ist, wie die Redakteure suggerieren. Zweifelsohne aber ist sie ein Modell für Stockfotos, also für relativ günstig zu lizenzierende Fotografien, die auf Vorrat produziert werden. In besonderem Maße authentisch, wie man das von einem Magazin mit dem Slogan “Mut zur Wahrheit” vielleicht annehmen könnte, ist das Bild jedenfalls nicht.
Aber schlechte Titelbilder sind kein Alleinstellungsmerkmal, also genug der Oberflächlichkeiten. Was liefert die Mai-Ausgabe von “Compact” inhaltlich?
Es geht um Christenverfolgung. Genauer gesagt: um die “neue” Christenverfolgung. Wir hatten schon vor zwei Monaten darauf hingewiesen, dass das Thema keineswegs so neu ist, wie “Compact”-Lesern glauben gemacht wird, und eher zu den Dauerbrennern der von dem Magazin so betitelten “Lügenmedien” gehört.
Nun meint Marc Dassen, Christen würden nicht mehr nur in Syrien verfolgt werden, denn:
Das gleiche sehen wir jetzt auch immer wieder, wenn wir die Medien verfolgen, zum Beispiel in den Flüchtlingsunterkünften, wo also Christen eine Minderheit sind, die sehr stark unter Beschuss ist.
Dass er das Thema selbst aus den Medien kennt, hindert ihn nicht daran, einige Sätze später zu behaupten, man habe “in den Massenmedien nicht so richtig viel darüber gelesen und gehört.” Ein außerordentlicher Fall von selektiver Wahrnehmung.
Die Wortwahl seines Chefredakteurs Jürgen Elsässer ist eindeutiger:
Die Monopolpresse spricht ja immer über die Islamophobie, dass die Muslime verfolgt werden, aber dass unsere hauptsächliche Glaubensrichtung, das Christentum, auch so stark unter Druck steht, wie wahrscheinlich noch nie in der Geschichte seit dem Mittelalter, das wird natürlich ausgeblendet vom Mainstream.
Was Elsässer ausblendet, wird klar, wenn man sich noch einmal sein offenbar etwas angestaubtes Schulwissen bewusst macht: Das Ende des Mittelalters markiert Luthers Reformation, in Folge derer sich Christen unterschiedlicher Konfession in Europa etwa 200 Jahre lang gegenseitig verfolgten und ermordeten, bis sich mit der Aufklärung langsam die Idee religiöser Toleranz durchsetzte. Elsässer setzt die heutige Situation mit dem Dreißigjährigen Krieg gleich, der verschiedenen Schätzungen zufolge zwischen drei und elf Millionen Todesopfer forderte.
Die Zahlen für eine solche irre Behauptung soll Martin Müller-Mertens und Federico Bischoffs Titelgeschichte liefern. Darin zählen sie zunächst islamistische Terrorakte rund um Ostern auf, darunter die Falschmeldung, dass ein katholischer Priester im Jemen am Karfreitag gekreuzigt worden sei.
Dann sollen Daten den Ernst der Lage untermauern. Jeder zehnte Christ lebe “in Angst vor Diskriminierung, Verfolgung und Ermordung” soll der Wiener Präsident der katholischen Organisation “Pro Oriente” “offenbart” haben. Mal abgesehen davon, dass nicht nachvollziehbar ist, wie er zu dieser Zahl kommt: Diskriminierung und Ermordung sind derart unterschiedliche Dinge, dass sie getrennt gezählt werden müssten. Wenn Menschen in Angst vor etwas leben, sagt das auch wenig über die reale Bedrohung aus — man könnte sich etwa fürchten, weil man den “Compact”-Artikel zu ernst nimmt, deshalb wird man noch lange nicht tatsächlich verfolgt.
Weiter werden Zahlen des evangelikalen Hilfswerks “Open Doors” genannt — die sowohl von der evangelischen als auch der katholischen Kirche als unseriös abgelehnt werden, weil sie nicht überprüfbar sind. Der hinsichtlich heimlichen Sympathien mit Islamisten eher unverdächtige Leiter der Auslandsredaktion der Katholischen Nachrichtenagentur, Alexander Brüggemann, hat vor einem halben Jahr in einem Gastbeitrag für die “Zeit” erklärt, was die Zahlen bedeuten, und kam zu folgendem Schluss:
Die statistische Erfassung des Phänomens ist extrem schwierig.
Selbst die “Compact”-Autoren landen schließlich selbst bei viel kleineren Opferzahlen. 130.000 bis 170.000 christliche “Märtyrer” sollen es laut der Studie “The Price of Freedom Denied” pro Jahr sein. “Zahlen, die kein Gehör in der Öffentlichkeit finden”, meinen Müller-Mertens und Bischoff. Zahlen, die sie vermutlich aus der Wikipedia oder dem dort zitierten Artikel aus der “Weltwoche” haben.
Diese letztgenannten Daten kursieren tatsächlich relativ weit. Problematisch sind sie trotzdem. Der Vorsitzende der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, Thomas Schirrmacher, hat sich für die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte mit der Zahl beschäftigt:
Es fällt mir schwer, diese Zahl wegen ihrer weiten Verbreitung zu kritisieren, zumal sie von seriösen Forschern und guten Freunden kommt. Aber als Wissenschaftler habe ich solche Zahlen zu oft vor säkularen Kollegen, Politikern weltweit, dem Deutschen Bundestag oder dem Europäischen Parlament und natürlich Journalisten zu verantworten, als dass unser Institut (das International Institute for Religious Freedom) sie einfach nur übernehmen könnte.
Außerdem wurden sie aus dem Kontext gerissen. Die Autoren von “The Price of Freedom Denied”, die sich das aufgeladene Wort “Märtyrer” nicht zueigen machen, zitieren nämlich wiederum selbst nur ihre Quelle, das päpstliche Missionswerk “Kirche in Not”. Zudem argumentieren sie in ihrer Studie genau umgekehrt zu Compact:
Grim and Finke argue that it is not religious identity itself that is the force behind much religious conflict, but legal and social restriction of religious freedom. They argue that it is in the most pluralistic and religiously liberal societies that levels of persecution are at their lowest, not in the cultural monopolies of Huntington’s theory.
Die Einschränkung der Religionsfreiheit stehe hinter religiösen Konflikten. Ein Ergebnis, das bei Compact kein Gehör findet.
Dort suggeriert man lieber, dass einzelne Vorfälle der letzten fünf Jahre, über die beispielsweise in der “Welt” berichtet wurde, Zeichen für eine breite Christenverfolgung seien. Bald könnte es in Europa zugehen wie im Islamischen Staat, so der Tenor.
Ein weiterer Artikel in der aktuellen “Compact”-Ausgabe beschuldigt Papst Franziskus, sich den “Terroristen und Islamisten” zu unterwerfen. Denn:
So ergriff Papst Franziskus – ausgerechnet am Gründonnerstag, ausgerechnet zwei Tage nach dem Blutbad in Brüssel – die Gelegenheit, in einem Asylheim bei Castelnuovo di Porto einem Dutzend Asylbewerbern in einer pompösen Zeremonie zuerst die Füße zu waschen und diese dann zu küssen.
Es seien “solche Unterwerfungsgesten”, schreibt der Autor, “die das Christentum wehrlos machen. Wenn die eigenen Werte für wichtig und richtig gehalten werden, dürfen sie nicht auf dem Altar einer falsch verstandenen Liberalität geopfert werden.” In der Bildunterschrift heißt es:
Unterwerfungsgeste: Papst Franziskus wäscht und küsst muslimischen Flüchtlingen die Füße
Dass es durchaus christliche Flüchtlinge sein könnten — an der Fußwaschung nahmen nämlich auch Katholiken aus Nigeria teil — erwähnt “Compact” freilich nicht (deutet aber immerhin im Artikel an, dass es nicht ausschließlich Muslime waren: “Unter den auf diese Weise verwöhnten waren auch vier Muslime”).
Denn, so viel sollte klar geworden sein, für “Compact” ist die von den Mainstreammedien angeblich verschwiegene Christenverfolgung bloß ein weiterer Vorwand, um Fremdenfeindlichkeit zu schüren.
Der Rest des Titelthema-Abschnitts besteht dementsprechend aus Warnungen vor dem Islamismus, stets unter der Prämisse, vor diesem würde noch nicht genug gewarnt oder er sei sogar insgeheim gewollt. Auch ein Vorabdruck von Akif Pirinçcis neuesten Ausfällen soll etwas zum Thema beitragen.
Wir wissen nicht, wie es die “Compact”-Redakteure selbst mit der Religion halten. Sollte jedoch im Paradies eine ähnlich strenge Grenzpolitik herrschen, wie das Blatt sie für Europa propagiert, könnte sich die Einreise der Redaktion aufgrund von Verstößen gegen das achte Gebot erheblich verzögern.
1. Adblock Plus, die #rpTEN und Flattr – Ein Hoch auf die Gatekeeper! (mobilegeeks.de, Sascha Pallenberg)
Auch der Kurator der “6 vor 9”-Medienlinks rieb sich verwundert die Augen, als er aus seinem re:publica-Begrüßungsbeutel eine als pixi-Kinderbuch daherkommende Werbeschrift des Onlineanzeigen-Verhinderers “Adblock Plus” herausholte. Sascha Pallenberg hat sich bereits des Öfteren mit dem dahintersteckenden Unternehmen beschäftigt und findet deutliche Worte für die Kooperation: “Liebe re:publica. Du hast deine Ideale an einen Zensor verkauft. Du prostituierst dich fuer einen Gatekeeper, der eine heterogene Publishing-Landschaft zerstört. Der ehemals unabhängige, kleine aber sehr relevante Blogs, zum Aufgeben zwingt, weil ihnen die Einnahmen komplett wegbrechen.”
2. Salzburger Festspiele mit Red-Bull-Dröhnung (faz.net, Michael Hanfeld)
“Der Sender Servus TV macht doch nicht dicht. Eigentümer und Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz hatte rot gesehen, weil er keinen Betriebsrat wollte. Oder hatte er zu viel Red Bull intus?”, fragt Michael Hanfeld von der “FAZ”. Im Artikel erklärt Hanfeld die Hintergründe zur Ein-Tages-Volte des aufbrausenden Brause-Herstellers.
3. „Neuer Tag“ endet nach neun Wochen (taz.de)
Gerade mal neun Wochen hat die britische Tageszeitung “The New Day” durchgehalten. Doch nun ist Schluss, trotz positiver Kritiken. Das Projekt mit einer eher unpolitischen Mischung aus Verbraucher- und Lifestyle-Themen Männer und Frauen anzusprechen und verlorengegangene Zeitungsleser zurückgewinnen, sei gescheitert.
4. Wir kommen in Frieden (zeit.de, Patrick Beuth)
“Dies ist eine Warnung an alle, die Snapchat lieben: Auf der re:publica und anderswo formieren sich Medienhäuser und Werbeprofis. Sie planen eine Invasion.” Patrick Beuth von der “Zeit” wendet sich in einem offenen Brief an die Snapchat-Nutzer. “Ich weiß, wir haben unsere Differenzen. Euer Internet besteht aus Fotos und Videos, meines aus Buchstaben. Ihr findet, Regenbogenkotze sagt mehr als 1.000 Worte, ich mag Nebensätze. Ihr lest das hier vermutlich nicht einmal. Trotzdem möchte ich euch warnen: Sie sind hinter euch her! Sie kommen, um euch zu holen!”
5. Entscheidung „Verlegeranteil“ liegt im Volltext vor (internet-law.de, Thomas Stadler)
Die Entscheidung des BGH, nach der die VG Wort nicht berechtigt ist, einen Anteil ihrer Einnahmen an Verlage abzuführen, liegt nunmehr im Volltext vor. Rechtsanwalt Thomas Stadler hat einen Blick auf die Begründung geworfen und stimmt in allen Punkten zu. Die Entscheidung des BGH wende das geltende Recht konsequent und zutreffend an. Sie führe allerdings dazu, dass die Forderung der Verlage nach einem (umfassenden) gesetzlichen Leistungsschutzrecht neuen Auftrieb erhalten werde.
6. Brief an den unbekannten Hater: Nimm die Hand aus der Hose, wenn ich mit dir rede (spiegel.de, Margarete Stokowski)
“Spiegel”-Kolumnistin Margarete Stokowski bekommt immer wieder unschöne Leserpost. Nun hat ihr “Ruven” mit unschönen Worten ein baldiges Ableben gewünscht (“Hallo Dummsau. Ich hoffe du ertrinkst in einem deiner Transgender-Klos”). In ihrer neuen Kolumne antwortet Stokowski dem Leser.
Hier nun der Diensta Teil unseres re:publica-Specials mit medienrelevanten Programmempfehlungen:
1. @heuteplus oder wie wir Journalisten lernen, den Shitstorm zu lieben. (Daniel Bröckerhoff, Clas Dammann, Eva-Maria Lemke, Elmar Theveßen)
Stage 6, Di 10:00–11:00
“Social first, TV second! Technisch trivial, formal und inhaltlich aber eine Herausforderung für uns Journalisten. Durch Kommentare und Diskussionen können alle, die früher nur Zuschauer waren, selbst Teil der News werden. Follow-Ups zu heftig diskutierten Beiträgen werden so bedeutsam wie die Nachrichtenagenda, Diskussionen mit den Nutzern stehen für uns Journalisten gleichberechtigt neben der Informationsvermittlung.”
2. Wer zahlt für Nachrichtenvideos im Netz? (Mirko Drotschmann, Friedrich Küppersbusch, Eva Messerschmidt)
Stage 7, Di 11:45–12:15
“Unge rollt für Disneys Maker Studios auf dem Longboard herum, Gronkh daddelt Minecraft für ProSiebens Studio71 und bei RTLs BroadbandTV versucht eine Pornodarstellerin – naja – lustig zu sein. So sieht das – überaus erfolgreiche – Angebot der klassischen Medienkonzerne bei YouTube aus. Nachrichten, Hintergründe, Dokus. Will keiner sehen. Aber Aufgeben gilt nicht. Amerikanische Formate wie Vice oder NowThis schaffen schließlich auch Milliarden Klicks mit News und Reportagen im Netz. Warum funktioniert das bei uns nicht? Wie kann man solche Inhalte für YouTube und Co. finanzieren? Welche Voraussetzungen brauchen journalistische Videos und deren Macher für den Erfolg im Netz?”
3. Content Marketing: Der Vormarsch der Pseudo-Journalisten (Prof. Dr. Lutz Frühbrodt)
Stage 6, Di 13:45–14:15
“Content Marketing (CM), die pseudo-journalistische Kommunikation von Unternehmen, breitet sich im Netz immer stärker aus. Noch befüllen die Konzerne ihre Online-Magazine, Youtube-Videos und Apps größtenteils mit nutzwertigen und unterhaltenden Inhalten. Sie versuchen, sich aber auch langsam aber sicher politisch zu positionieren. Auf diese Weise beeinflussen Unternehmen zunehmend die öffentliche Meinungsbildung. Damit stellt CM eine Attacke auf die klassischen Medien wie auf den Bürgerjournalismus dar.”
4. Panama Papers: Investigative Journalism, the „Lügenpresse“ and the age of Big Leaks (Renata Avila, Max Hoppenstedt, Frederik Obermaier)
Stage 2, Di 15:00–15:30
“From Cablegate to Snowden to the Panama Papers: The last years have seen a wide range of ways a leak can seep out. While encryption technologies for secure whistleblowing are increasingly driving investigative journalism, we are also seeing a differentiation of strategies with which media are handling and reporting on these stories. Ten years after Wikileaks was founded, many media houses have established means of receiving and handling sensitive material while organisations like Correct!v, ProPublica or the ICIJ are exploring new ways to foster and fund a renaissance in investigative Reportage. In our 30 min session, we’ll discuss the role of investigative journalism in an age of ever dwindling trust in the media, which publication strategy can work best for what sort of leak and if the future of whistleblowing is a promising one.”
5. Halt die Fresse: Hate Speech! (Rayk Anders, Prof. Dr. Dr. Ino Augsberg, Christoph Krachten, Carline Mohr)
Stage 7, Di 15:30–16:00
“Gibt’s eigentlich noch Flame-Wars? In Gaming-Foren kamen PC- und Apple-User schon mal vom eigentlichen Thema ab und beleidigten sich gegenseitig wegen der Wahl des Betriebssystems. Die Lösung war einfach: Wer nervte, wurde ermahnt oder flog raus. Bei der Online-Hetze gegen Andersdenkende reicht das nicht. GROSSCHREIBER und Ausrufezeichenmacher nutzen alle möglichen sozialen Netze und Algorithmen stellen absurde Meinungen mit allgemein akzeptierten auf eine Stufe. Müssen Medien ihre Rhetorik ändern? Müssen Facebook und Twitter alle Einträge erst mal überprüfen? Wie bringen wir Diskussionen wieder auf ein akzeptables Niveau?”
Weitere aus Mediensicht interessante Vorträge:
“Schleichwerbung – Alles ist erlaubt, oder.” (Stage T 10.00 – 11.00 Uhr)
“Ad Wars – Ausflug in die Realität der Online-Werbung” (Stage 2 11.15 – 12.15 Uhr)
“Blogger zwischen Pressefreiheit und Polizeimaßnahmen” (Stage T 12.30 – 13.00 Uhr)
“Medienprojekte mit jungen Flüchtenden” (Stage 4 18.00 – 18.30 Uhr)
“Netz-Publizisten im Gespräch” (Stage 2 18.45 – 19.45 Uhr)
Am Montag startet in Berlin zum zehnten Mal die re:publica, Europas größte Konferenz für Digitalkultur, Soziales und Internet oder wie es die Veranstalter ausdrücken: “Europe’s most exciting conference on internet and society”. Dieses Jahr sind 850 Speaker aus mehr als 60 Ländern dabei. An drei Tagen gibt es 500 Stunden Programm, man rechnet mit mehr als 7.000 Teilnehmern.
Hier nun eine Sonderausgabe der “6 vor 9”-Medienlinks von BILDblog. Zur Einstimmung und Konferenzplanung für all diejenigen, die heute nach Berlin aufbrechen oder schon da sind. Und als Übersicht für all die Daheimgebliebenen, die sich aus der Ferne für das Event interessieren. Gute Anreise, man sieht sich in Berlin!
1. re:publica | TEN: Unsere Empfehlungen für den 1. Tag (netzpolitik.org, Jonas Klaus)
Die Redaktion von “Netzpolitik” hat sich das Programm angeschaut und die interessantesten Beiträgen des ersten Tages zusammengestellt. Natürlich aus netzpolitischer Sicht.
2. Hauptsache, sie singen am Ende nicht “Purple Rain” (zeit.de, Patrick Beuth)
Die “Zeit” empfiehlt zehn Vorträge und Workshops, von Randall “XKCD” Munroe über Politik mit Big Data bis zu Satire gegen Terror. Unvollständig und streng subjektiv wie man betont.
4. re:publica: Diese 10 Sessions solltet ihr euch rot im Kalender anstreichen [#rpTEN] (Daniel Hüfner)
Die Redaktion von “t3n” (“Magazin für digitales Business”) verrät, welche Sessions man sich unbedingt rot im Kalender anstreichen sollte. Die Spanne reicht von “Der Vormarsch der Pseudo-Journalisten” mit Prof. Dr. Lutz Frühbrodt bis zu “The Age of Trotzdem” von Sascha Lobo.
5. Hinter den Kulissen von BILDblog (bildblog.de)
Ihr habt am Dienstagabend noch nichts vor? BILDblog veranstaltet einen Benefizabend in eigener Sache. Es gibt ein Theaterstück mit Ingolf Lück, Anekdoten und Redaktionsinterna mit BILDblog-Gründer Stefan Niggemeier, dem jetzigen BILDblog-Chef Mats Schönauer und “6 vor 9”-Kurator Lorenz Meyer. Und Musik. (Ich bin befangen, dennoch: Das wird ne tolle Sache!)
6. Rahmenprogramm re:publica 2016 #rpten (cortexdigital.de, Stefan Evertz)
Und wer nach all den Veranstaltungen immer noch Kraft und Energien hat: Neben der offiziellen Rahmenprogramm-Liste gibt es noch die inoffizielle Liste aller Side Events und Partys, sortiert nach Datum und Uhrzeit.
Allerdings müssen wir die AfD enttäuschen: Die Katze aus dem Sack ist eine Ente.
In den Artikeln heißt es:
Mehr als zehn Prozent der im ersten Quartal in Hamburg ermittelten Straftäter sind Flüchtlinge. Das ergab die Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage des Bürgerschaftsabgeordneten Dennis Gladiator. “Erschreckend” nennt der CDU-Innenpolitiker die Zahl.
Exakt wurden 2252 der rund 21.000 in den ersten drei Monaten dieses Jahres ermittelten Tatverdächtigen als Flüchtlinge eingestuft. Die meisten durch sie begangenen Straftaten sind demnach Diebstähle, Vermögens- und Fälschungsdelikte sowie Körperverletzungen.
Zwar geht die Zahl 2252 tatsächlich aus der Antwort des Hamburger Senats (PDF) hervor. Doch es geht dabei um Tatverdächtige, nicht um Täter. Es steht also gar nicht fest, wie viele davon wirklich eine Straftat begangen haben. Unklar bleibt auch, wie viele der Taten zum Beispiel bei Massenschlägereien in Unterkünften verübt wurden. Oder woher eigentlich die Gesamtzahl von 21.000 Verdächtigen kommt (aus der Antwort des Senats jedenfalls nicht).
Außerdem sind solche Quartalszahlen ohnehin nur mit sehr, sehr großer Vorsicht zu interpretieren, wie der Senat in seiner Antwort explizit betont:
Die PKS [Polizeiliche Kriminalstatistik] ist auf Jahresauswertungen ausgelegt. Innerhalb eines Berichtsjahres unterliegt der PKS-Datenbestand einer ständigen Pflege, zum Beispiel durch Hinzufügen von nachträglich ermittelten TV [Tatverdächtigen] oder der Herausnahme von Taten, die sich im Nachhinein nicht als Straftat erwiesen haben.
Zur begrenzten Aussagekraft unterjähriger Daten siehe im Übrigen Drs. 16/4616. Die Erfassung erfolgt unabhängig von der Tatzeit nach Abschluss aller kriminalpolizeilichen Ermittlungen eines Vorganges an die Staatsanwaltschaft.
Zur Beantwortung der Frage, wie viele Straftaten durch „Flüchtlinge“ im erfragten Zeitraum begangen worden sind, wäre eine händische Durchsicht sämtlicher Ermittlungs- und Handakten bei der Polizei erforderlich. Die Durchsicht von mehreren Zehntausend Vorgängen ist in der zur Beantwortung einer Parlamentarischen Anfrage zur Verfügung stehenden Zeit nicht möglich.
Auch in der Drucksache 16/4616 (PDF), auf die der Senat verweist, steht unmissverständlich:
Wegen der begrenzt aussagekräftigen Basis wird nochmals darauf hingewiesen, daß eine solche Betrachtungsweise zu sehr verzerrten Ergebnissen führen kann. Von daher ist insbesondere eine kleinteilige Darstellung (…) aus fachlichen Gesichtspunkten nicht hinreichend aussagekräftig.
Kurz gesagt: Die Zahlen sagen nichts aus. Erst recht nicht das, was “Mopo” & Co. in ihren Überschriften behaupten.
Auch Bild.de berichtet und wirft noch andere Zahlen in den Ring:
Dabei differenziert die Polizei nach Menschen mit laufendem Asylverfahren (1705 Tatverdächtige), Schutzberechtigte und Asylberechtigte (205 Tatverdächtige), Menschen, die trotz abgelehnten Asylantrags geduldet werden (261 Tatverdächtige) und Kontingentflüchtlinge (81 Tatverdächtige).
Nach Angaben des Einwohnerzentralamts leben in Hamburg derzeit 29 209 Menschen, auf die diese Kriterien zutreffen. Von ihnen wären also rund 7,7 Prozent straffällig geworden.
Die Schlussfolgerung ist aber auch falsch. Erstens lässt “Bild” außer Acht, dass bei den Tatverdächtigen durchaus Mehrfachnennungen möglich sind (eine Person wird verschiedener Taten verdächtigt). Und zweitens verweist der Sprecher der Hamburger Polizei im “Abendblatt” darauf, …
dass viele der erfassten Tatverdächtigen unter den Flüchtlingen nicht in Hamburg untergebracht sind. “Hamburg bietet als Metropole viele Tatgelegenheiten und ist deshalb für Straftäter attraktiv.” Das gelte aber auch für alle anderen Tatverdächtigen, die die Hamburger Polizei ermittele.
Aber wie das so ist: Die Zahlen sind in der Welt — und die Fremdenfeinde um ein Scheinargument reicher.