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Tatsachsenbehauptung

Schon wieder diese Sachsen. Die lassen aber auch keine Gelegenheit aus, wenn es darum geht, als jenes Bundesland zu gelten, das am weitesten nach rechts ragt — also nicht nur geografisch. Oder wie Bild.de heute in zwei Sätzen zusammenfasst:

Schon wieder Sachsen! Schon wieder ein fremdenfeindlicher Angriff in Dresden.

Das ist der Einstieg zu diesem Artikel:

Am vergangenen Freitag ist ein 27-Jähriger Marokkaner in einer S-Bahn kurz vor der Einfahrt in den Dresdner Hauptbahnhof von mehreren Personen zusammengeschlagen worden. Der Mann musste ins Krankenhaus eingeliefert werden, couragierte Zeugen konnten noch schlimmere Verletzungen verhindern. Viel mehr ist nicht bekannt. Die zuständige Bundespolizei bittet in einem Aufruf um Hinweise zu den Tätern; selbst die Zeugen, die eingegriffen haben, sind noch unbekannt.

Das Tatgeschehen ist bisher also alles andere als geklärt. In der Pressemitteilung der Bundespolizei steht auch kein Wort zu einem möglichen Motiv der Täter, schlicht weil noch nichts dazu bekannt ist. Auch bei anderen Medien kein Wort von einem fremdenfeindlichen Hintergrund der Tat. Nur Bild.de hat die Information, dass es sich um “einen fremdenfeindlichen Angriff” handelt. Natürlich kann es sein, dass Fremdenhass hinter diesem grässlichen Angriff auf den Marokkaner steckt. Doch klar ist bisher nichts. Und wildes Rumgerate und plumpes Sachsen-Bashing hilft kein bisschen.

Im letzten Absatz des Bild.de-Artikels, der gleich am Anfang deutlich sagt, über was für eine Tat man da berichtet, steht übrigens:

Über den Hintergrund der Tat liegen bislang keine Erkenntnisse vor. “Wir ermitteln in alle Richtungen”, sagte ein Polizeisprecher.

Mit Dank an Sebastian M. für den Hinweis!

Vogue Arabia, Fake-Clown, Autorendasein

1. FAZ macht mobil
(oxiblog.de, Kathrin Gerlof)
“Das Leib- und Magenblatt der Wirtschaftselite polemisiert gegen Wachstumskritiker und behauptet, Wachstumskritik sei Rückschritt.”, fasst “Oxiblog”-Autorin Kathrin Gerlof einen Artikel der “FAZ” zusammen. Gerlof stört sich sowohl an Inhalten als auch an Sprache des “FAZ”-Beitrags: “Rainer Hank hat sich für uns alle öffentlich auf die Couch gelegt. Herausgekommen ist ein Text voller Ressentiments, ein Lehrstück manipulativer Sprache und die Erkenntnis, dass es gut wäre, sich noch mal mit Präpositionen zu befassen.”

2. Debatte um mögliche “Spring doch”-Rufe in Schmölln
(mdr.de)
Es besteht immer noch Unklarheit darüber, ob Schaulustige dem Flüchtling, der sich im ostthüringischen Schmölln aus dem Fenster stürzte, “Spring doch” zugerufen haben. Laut eines Berichts des “MDR” sieht die Thüringer Polizei dafür keine Beweise. Auch die Einsatzkräfte hätten solche Rufe nicht bestätigt. Eine Mitarbeiterin der Einrichtung, in der der Somalier lebte, hat jedoch solche Rufe gehört, wie der Leiter der Einrichtung auf Nachfrage bestätigt.

3. Zur Not einen Porno schreiben
(faz.net, Maximilian Weingartner)
Am Wochenende ist die Frankfurter Buchmesse zu Ende gegangen. Maximilian Weingartner schreibt über die finanziellen Nöte von Autoren: “Jedes Jahr werden Autoren auf der Buchmesse wie Popstars gefeiert. Doch selbst wer Bestseller schreibt, hat es finanziell schwer. Wie bestreiten da erst die anderen ihr Leben?” Weingartner holt den Rechenstift vor und unternimmt einige Beispielkalkulationen, die beweisen, dass sich das Dasein als Autor für die wenigsten lohnt. Zumindest finanziell.

4. Die Genugtuung der Außenseiter
(taz.de, Elisabeth Wagner)
Nächstes Jahr bringt der Verlag “Condé Nast” die 22. internationale Ausgabe seines Hochglanzmagazins “Vogue” auf den Markt: “Vogue Arabia”. Als Chefredakteurin fungiert die 41-jährige Deena Aljuhani Abdulaziz, eine Prinzessin aus dem privilegierten Umfeld des Scheichs und damit Teil einer absolutistisch herrschenden Elite. Als Redaktionssitz hat man sich jedoch nicht für das frauenfeindliche Riad, die Hauptstadt des Königreichs Saudi-Arabien, entschieden, sondern ist nach Dubai gegangen.

5. Die ganze Wahrheit
(tagesanzeiger.ch, Michèle Binswanger)
Die Medien leiden seit geraumer Zeit unter einer Vertrauenskrise, der Ruf des Journalismus hat gelitten, die Presse ist oft zum Feindbild geworden. Michèle Binswanger hat sich auf Ursachensuche begeben und sieht allen Widrigkeiten zum Trotz auch Positives: “Im Unterschied zu allen Meinungsmachern im Internet haben Journalisten Branchenregeln. Wenn wir Fehler machen, werden wir darauf behaftet, müssen wir überprüfen und allenfalls korrigieren. Wir müssen für unseren Bullshit geradestehen, und das motiviert uns, Bullshit zu vermeiden.”

6. Mord im Clownkostüm: Die Meldung ist frei erfunden
(zak.de, Michael Würz)
Im baden-württembergischen Balingen verbreitet sich die Nachricht über einen als Clown verkleideten Mann, der vor der örtlichen Volksbank einen anderen Mann erschossen habe. Doch die Meldung ist frei erfunden und wurde von einer dubiosen Webseite als “Fake-News” in Umlauf gebracht.

Dannundwann-rechtspopulistisch, Tichy, Trolle

1. “Tagesschau” nennt AfD nicht immer “rechtspopulistisch”
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Die “ARD” will in ihren Nachrichtensendungen die AfD nicht mehr als “rechtspopulistisch” bezeichnen. Jedenfalls nicht mehr so oft, denn man halte sie immer noch für rechtspopulistisch, wolle dies aber seltener sagen, wie Chefredakteur Gniffke im Tagesschau-Blog anmerkt. Frauke Petry, Bundesvorsitzende der rechtspopulistischen AfD, zeigte sich erfreut und postete rasch eine Bildtafel mit “Tagesschau erkennt AfD als demokratisch legitimierte Partei an”.

2. “Bezos will uns zu einer dominanten Kraft machen”
(manager-magazin.de, Philipp Alvares de Souza Soares)
Tracy Grant ist leitende Redakteurin bei der “Washington Post” und Vorgesetzte von gut 700 Journalisten. Im Interview mit dem “Manager Magazin” spricht sie über die Unabhängigkeit der US-Medien im Wahlkampf, warum sie die Tweets ihrer Redakteure kontrolliert und über den journalistischen Einfluss des Amazon-Gründers und Post-Eigentümers Jeff Bezos.

3. Dreimal „deutsch“ in einem Satz
(taz.de, Peter Weissenburger)
Peter Weissenburger hat sich für die “taz” das neue politische Meinungsmagazin “Tichys Einblick” angeschaut. “Ein neues liberal-konservatives Magazin wäre eine Chance, entfremdete Konservative abzuholen und sachliche Debatten zu liefern. Stattdessen reproduziert Tichys Einblick die alten rechtspopulistischen Muster: Probleme (Einwanderung) werden rhetorisch aufgeblasen statt angepackt. Der Gegner (Merkel) ist eindeutig – und ein mystisches Gut (Deutschland) ist in Gefahr. Das ist nicht besonders originell. Aber immerhin gibt’s das jetzt in ansprechendem Design.”

4. Weil wir dich lieben: Wie die BVG dank Social-Media cool wurde
(dirkvongehlen.de)
Peter Wittkamp ist ein kreatives Allround-Talent. Er schreibt unter anderem für die “heute show online” und ist dafür verantwortlich, dass die “Berliner Verkehrsbetriebe” (BVG) im Netz so beliebt sind. Dirk von Gehlen hat sich mit dem Autor über seine Arbeit unterhalten.

5. „Wir Journalisten verteilen unsere Inhalte ziemlich blöd und naiv“
(gruenderszene.de, Michel Penke)
Michel Penke berichtet auf “Gruenderszene” über ein journalistisches Startup. “xMinutes” heißt die von einem Datenjournalisten betriebene App mit individualisierten News. Man hat sich bereits zahlreiche Medienmarken in die App geholt und will Anfang Dezember in die geschlossene Beta-Phase gehen. Mehrheitsinvestor sei Google, die Firma habe jedoch kein Mitspracherecht bei der Entwicklung und auch die Daten würden nicht weitergegeben.

6. Trolle füttern bis sie platzen: Warum du einmal pro Tag einem Netz-Unruhestifter widersprechen solltest
(t3n.de, Martin Weigert)
Eigentlich sollte man Trolle im Netz nicht beachten (“Don´t feed the troll!”). Abweichend davon plädiert Martin Weigert in seiner Kolumne dafür, die Online-Unruhestifter mit Kommentaren zu überhäufen. “Wenn jeder User und jede Userin nur einmal täglich bei Facebook oder Twitter auf einen einzigen Troll-Kommentar reagiert, dann prasseln auf die paar zehntausend oder im schlimmsten Fall wenigen hunderttausend Troll-Konten Tag für Tag Millionen an Gegen-Kommentaren ein. Es geht gar nicht darum, ein langes Streitgespräch zu führen oder argumentativ zu brillieren – nicht allen ist das Diskutieren in die Wiege gelegt. Es genügt, einmal kurz den Inhalt eines Troll-Kommentars mit einem konträren Fakt, einer kritischen Rückfrage oder einer satirischen Bemerkung in Frage zu stellen. Einfach um zu zeigen: „Ich widerspreche.“”

Zement gehört nicht in die Salsa

Eine Textform, die nur wenige Journalisten beherrschen, ist die Korrekturmeldung. Und das liegt auch an der fehlenden Übung. Wenn der Lehrer in der Journalistenschule morgens an die Tafel schreibt: “Heute üben wir Korrekturen”, wird die Klasse gleich unruhig und die Schüler murren: “Bringen Sie uns lieber was Vernünftiges bei. In der Praxis brauchen wir das ja eh nie.” Und dann üben sie Reportagen.

Ralf Heimann hat vor ein paar Jahren aus Versehen einen Zeitungsbericht über einen umgefallenen Blumenkübel berühmt gemacht. Seitdem lassen ihn abseitige Meldungen nicht mehr los. Er hat mehrere Bücher veröffentlicht, zuletzt zusammen mit Daniel Wichmann “Hier ist alles Banane — Erich Honeckers geheime Tagebücher 1994 – 2015”. Fürs BILDblog kümmert er sich um all die unwichtigen Dinge, die in Deutschland und auf der Welt so passieren.
(Foto: Jean-Marie Tronquet)

In den Redaktionen sehen die Journalistenschüler später: Sie haben recht gehabt. Wieder einmal. In der Praxis müssen sie keine Korrekturen schreiben. Immer haben sie recht. Es ist fast schon unheimlich. Aber so ist es nun mal. Und wenn dann ein Leser anruft und behauptet, in die Reportage auf der dritten Seite sei wohl ein dicker Bock geraten, legen sie auf und rufen: “Wieder so ein Verrückter!” Bis dann auch anderen auffällt: Ecuador liegt wirklich nicht in Afrika.

Tja, und dann rätseln sie in der Redaktion: Wie schreibt man jetzt so eine Korrektur? Ein Politik-Redakteur sagt: “Ich glaub’, ich hab’ da mal was gelesen.” Dann lassen sie ihn das machen, und in der Zeitung steht am nächsten Tag: “Aufgrund eines technischen Defekts hat sich in unsere gestrige Ausgabe ein Fehler geschlichen.”

Georg Mascolo, der Chef der gemeinsamen Recherche-Abteilung von “NDR”, “WDR” und “Süddeutscher Zeitung”, hat am vergangenen Donnerstag beim “Evangelischen Medienkongress” in Hamburg die Fehlerkultur im deutschen Journalismus kritisiert und gesagt, in Amerika sei das alles etwas anders.

In den USA sind Fehler auch nicht viel beliebter als in Deutschland, aber irgendwie haben die Amerikaner es geschafft, hier die Überzeugung zu verbreiten, dass Fehler dort nicht ganz so verpönt seien. Und wenn man in die “New York Times” schaut, könnte da tatsächlich was dran sein. Die “NYT”-Korrektur-Meldungen sind manchmal so lang wie ein ganzer Artikel.

In Deutschland wird auch korrigiert. Aber oft einfach Dinge, bei denen jeder denkt: Ach so, das, ja — nicht der Rede wert. Falsche Namen zum Beispiel:

Aber auch dabei fällt immer wieder auf: Den Journalisten in Deutschland fehlt einfach die Übung.

Natürlich korrigieren auch amerikanische Zeitungen Namen …

… aber sie stellen auch größere Dinge richtig:

In Deutschland geht man mit größeren Fehlern anders um. Intelligenter. Man hofft, dass sie am nächsten Tag vergessen sind. Ein weit verbreitetes Dogma in deutschen Redaktionen lautet: “Wir korrigieren nur, wenn einer anruft.” Damit kommt man eigentlich immer ganz gut durch.

Redaktions-Dogma Nummer zwei: “Der Leser hat kein Archiv.” Das war ja irgendwann wirklich mal so. Da konnte man als Redakteur so gut wie gar nichts falsch machen, wenn man überhaupt nichts korrigierte. Denn selbst, wenn dann wirklich mal ein Leser anrief, der zur Überraschung aller doch über ein Archiv verfügte, fehlte ihm immer noch etwas anderes: der Zugang zur Öffentlichkeit. Und den gab ihm dann auch die Zeitung einfach nicht.

Kleine Ausnahme vielleicht: Lokalprominenz mit Archiv. Ganz unangenehme Konstellation. Da musste man anders vorgehen.

Wenn es in dem fehlerhaften Bericht um den Prominenten selbst ging, konnte man sagen: “Wissen Sie was, wir kommen morgen vorbei und machen die Geschichte aus Ihrer Perspektive. Dann können Sie selbst noch mal erklären, wie Sie das Ganze sehen.” Damit entfiel die Notwendigkeit einer Korrektur.

Ging es um etwas anderes als den Prominenten, blieb einem nichts übrig, als darauf zu hoffen, dass er sich mit der Ankündigung zufrieden gab, dass man in den nächsten Tagen noch mal über das Thema berichten werde. “Dann schreiben wir das noch mal so, wie es war. Und dann steht’s ja richtig in der Zeitung.” Dass jemand noch zusätzlich eine Korrektur-Meldung einforderte, kam so gut wie nie vor.

Seit aber jeder Leser nicht nur ein Archiv hat, sondern auch noch eine verdammte Suchfunktion, funktionieren die alten Mechanismen nicht mehr so wie früher. Niemand ruft mehr an und bittet freundlich um eine Richtigstellung. Wozu auch? Man kann’s ja selbst gleich twittern. Und das machen eben auch die meisten. Ein falsches Wort, und schon weiß es die ganze Welt.

Da ist es auch fast egal, ob später eine Korrektur in der Zeitung steht. Aber es ist natürlich eine gute Gelegenheit, um noch mal klarzustellen, dass hier kein Redakteur, sondern die Technik versagt hat:

Und die Technik versagt ja schnell mal. Es genügt schon ein falscher Buchstabe, den die defekte Tastatur in ein Wort gemogelt hat, und schon bekommt die Geschichte einen vollkommen anderen Spin. In diesem Fall zum Beispiel hätte man den ja gar nicht vermutet:

In seltenen Fällen kann man Fehler sogar schmecken:

Aber zum Glück wird das ja alles korrigiert, zumindest in Amerika. Dann sieht man immerhin hinterher: Zwei Teelöffel Zement schmecken schlechter als zwei Teelöffel Koriander. Aber man überlebt auch das. Und wieder hat man aus der Zeitung gelernt.

Wenn aber nun alles korrigiert werden kann — das muss man auch sagen –, leidet möglicherweise auch die Sorgfalt. Natürlich auch die in den Korrekturen selbst. Aber zum Glück gibt es ja auch dafür die Spalte mit den Richtigstellungen:

Terror-Volksabstimmung, Trump, Goldener Oktober

1. Ex-Minister Baum kritisiert ARD-Film “Terror – Ihr Urteil”
(abendblatt.de, Theresa Martus)
In der Filmversion von Ferdinand von Schirachs Theaterstück “Terror” konnten die Zuschauer über Schuld oder Unschuld eines Piloten abstimmen, der einen Flieger mit 164 Menschen an Bord abschießt, um einen von ihm befürchteten Terroranschlag zu verhindern. Der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum hat ein Urteil erstritten, in dem derartige Abschüsse verboten werden und kritisiert die Abstimmung: “Die Würde des Menschen darf nicht qualitativ oder quantitativ bewertet werden. Ein todgeweihtes Leben ist genauso viel wert wie ein Leben mit Zukunft, fünf Leben sind genauso wertvoll wie 50 oder 5.000. Das ist unsere Verfassung, so, wie sie von Anfang an interpretiert worden ist. Der Kampf gegen den Terror darf uns nicht veranlassen, den Boden des Rechts zu verlassen. Diesen Gefallen dürfen wir den Terroristen nicht machen. Und es gibt eben kein Allheilmittel gegen das Risiko.”
Weiterer Lesetipp: Die TV-Kritik von Ruth Schneeberger in der “SZ”: Die TV-Zuschauer stimmen gegen das Grundgesetz

2. Christoph Bauers Operation an den Herzkammern des Verlages
(horizont.net, Uwe Vorkötter)
Beim Medienunternehmen DuMont wird seit einiger Zeit umgebaut, doch die derzeitig anstehenden Änderungen könnten elementar sein. Eine “Operation an den Herzkammern des Verlages” sei es, die der CEO der DuMont Mediengruppe da durchführe. Uwe Vorkötter schreibt bei “Horizont” über die unterschiedlichen Interessenlagen und die sich daraus ergebenden Szenarien für ein Medienimperium im Wandel.

3. Trump treibt den Journalismus in einen Ausnahmezustand
(welt.de, Clemens Wergin)
Donald Trump bricht so ziemlich alle Regeln des Wahlkampfs. Immer mehr US-Journalisten schlagen zurück, geben ihre Neutralität auf – und riskieren so, Trump am Ende unfreiwillig zu helfen, so Clemens Wergin in der “Welt”.

4. Warum Sachsens Medienanstalt keine Online-Verstöße ahndet
(flurfunk-dresden.de, Klaus-Dieter Müller)
In zwölf Bundesländern sind die Landesmedienanstalten auch für Telemedien zuständig. Nur der Freistaat Sachsen und drei weitere Landesregierungen haben die Aufgabe an staatliche Behörden delegiert. Dies führt zu einer für die Nutzer kaum zu durchschauenden Gemengelage, so der “Flurfunk Dresden”: “Sie heißt zwar Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM). Aber für das, was die meisten Leute unter „neuen Medien“ verstehen, sind die Regelwächter erstaunlicherweise nicht zuständig. Wenn zum Beispiel ein sächsischer Privatsender auf seiner Website rechte Hetze verbreitet oder bei Facebook ein fragwürdiges Gewinnspiel startet: Dann ist es nicht Sache der Landesmedienanstalt, das zu unterbinden.”

5. Journalisten: Nutzt die neuen Werkzeuge, sonst tun es andere
(lousypennies.de, Stephan Goldmann)
Stephan Goldmann sieht Journalisten in der Pflicht, sich der Kommunikation mit den Lesern zu stellen: “Wenn Ihr den Auftrag als Vierte Macht im Staate noch ernst nehmt, dann geht dahin, wo es weh tut, wo die Konflikte der heutigen Zeit ausgetragen werden. Pegida, Verschwörungstheoretiker, Hetzpropaganda nutzen diese Werkzeuge mit Erfolg. Sie ihnen einfach zu überlassen, wäre der Tod des Journalismus zugunsten von Propaganda. Darum kämpft endlich um die Köpfe und Herzen der Leser – auf Social, in den Kommentarspalten und auf den Suchmaschinen.”

6. Der goldene Oktober der “Bild”
(twitter.com, Jörg Lorenz, Video 01:54 Min.)
Jörg Lorenz alias @A3803 hat sich die Wetterprognosen von @WetterExperte und @BILD angeschaut und eine visuelle Verifikation gebastelt.

“Compact” könnte es besser wissen

Für seine Oktoberausgabe hat sich das “Compact”-Magazin mal wieder redlich Mühe gegeben, die Spitzenposition unter den Hetz- und Angstmacherblättern zu verteidigen:

Es gibt das volle Programm: Drohkulisse, AfD-Interviews und als Gastautor Martin Luther. Interessant ist vor allem aber das zwölfseitige Dossier, das “Compact” einem Teilbereich seines Lieblingsthemas widmet, den “Frauen in den Lügenmedien”. Eingeleitet wird es mit einer Fotomontage, die die “NDR”-Journalistin Anja Reschke als auf der Kanonenkugel reitenden Baron Münchhausen zeigt. Der Titel des Aufmachers: “Anja Reschke weiß alles besser”.

Außerdem bietet das Dossier:

  • “Wenn Journalistinnen baden gehen” (über die zahlreichen Burkini-Reportagen)
  • “Das Schweigen der Emanzen” (seichte Frauenmagazine wie “Brigitte” äußerten sich überraschenderweise weniger polarisierend zur Kölner Silvesternacht als die Feministin Alice Schwarzer)
  • “Das ist Genickschuss-Journalismus” (Ex-“Bild”-Chef Peter Bartels erzählt den gleichen Unsinn, den er schon in seinem beim “Kopp”-Verlag erschienenen Buch erzählt hat, dieses Mal aber am Beispiel von “Bild”-Chefin Tanit Koch)
  • “Ideologie knallt auf Realität” (die “Bundeszentrale für politische Bildung” wollte den Text einer Journalistin zur Kölner Silvesternacht nicht, die “Emma” hat ihn dann gedruckt)

Über Anja Reschke hat Hans-Hermann Gockel geschrieben. Der 62-Jährige hat mal beim Privatfernsehen gearbeitet, jetzt schreibt er für “Compact” und “Junge Freiheit”, spricht auf AfD-Veranstaltungen und gibt in seinem eigenen Verlag seine eigenen Bücher raus, in denen er den politischen Eliten “Gedankenfeigheit” vorwirft. In “Compact” findet er nun den Gedankenmut zu solchen Worten:

Das Wort “Lügenpresse” kommt nicht von ungefähr. Der Begriff “Lückenpresse” würde es vielleicht noch besser treffen. Man verschweigt. Man verharmlost. Man verdreht, ganz im Sinne der Willkommens-Politik.

Die Leiterin der Abteilung Innenpolitik beim “NDR”, Anja Reschke, habe in “dieser elitären Welt der selbstherrlichen Besserwisser ihren festen Platz”:

Reschke ist eine Kollegin, die man schnell durchschaut. Flüchtlinge sind traditionell die Guten. Und die Rechten sind die Bösen. Deshalb weiß man bei ihren Sendungen vorher schon, was am Ende herauskommt. Bedauerlich jedoch, dass dafür immer öfter das Motto der Maurer und Zimmerleute herhalten muss: Was nicht passt, wird passend gemacht.

Für seine These zimmert sich Gockel zurecht, warum das von Reschke moderierte Magazin “Panorama” ein manipulatives Machwerk sein soll. Vor allem stört er sich an einem Beitrag vom 28. Juli, der der Frage nachgeht, ob es in deutschen Freibädern vermehrt zu sexuellen Belästigungen durch Flüchtlinge komme. Er wirft der Sendung vor, wichtige Fakten zu unterschlagen.

Gockels erstes Beispiel ist eine Mail der Düsseldorfer Polizei, in der es um einen “enormen Anstieg” der Sexualstraftaten gehe. Dass es sich dabei letztendlich nur um eine ziemlich aufgebauschte Geschichte der “Bild”-Zeitung handelt, ist Gockel keine Erwähnung wert. Wir hatten über den “Sex-Mob”-Artikel berichtet, und selbst “Bild” lieferte Zahlen nach, die die Geschichte wieder erdeten. Hans-Hermann Gockel unterschlägt, dass es im laufenden Jahr bis Anfang Juli in ganz Düsseldorf — nicht nur in Schwimm- und Freibädern — gerade mal acht Anzeigen in Bezug auf sexuelle Belästigung oder Übergriffe gab. Stattdessen behauptet er, “Panorama” erwähne die Fakten “mit keiner Silbe”.

Doch nicht mal das stimmt. Im Beitrag werden Zeitungsausrisse zu Meldungen über sexuelle Übergriffe von Flüchtlingen in Schwimmbädern gezeigt, unter anderem auch die “Bild”-Schlagzeile zum “Sex-Mob-Alarm”:

Was “Panorama” zurecht nicht macht: die falsche Panik-Berichterstattung von “Bild” einfach zu übernehmen. Stattdessen fragt der Beitragssprecher nur: “Gibt es Anlass für den von ‘Bild’ so reißerisch ausgerufenen ‘Sex-Mob-Alarm im Schwimmbad’ oder ist eigentlich alles ganz normal?” Die “Panorama”-Redaktion bezeichnet ihren Beitrag selbst vorsichtig als “Versuch einer Bestandsaufnahme.”

Hans-Hermann Gockel zählt im Artikel einzelne Fälle von sexueller Belästigung auf, bei denen Asylbewerber tatverdächtig seien. “Die Liste der Übergriffe in NRW ist lang. Sehr lang”, schreibt Gockel, verrät aber nicht, wie lang sie nun genau ist, sondern nur: “In Panorama davon kein Wort …” Er selbst verliert dabei kein Wort darüber, dass in dem “Panorama”-Beitrag eine Mutter davon erzählt, dass ihre elfjährigen Töchter von einem Flüchtling sexuell belästigt worden seien.

Um weiter zu suggerieren, dass sexuelle Übergriffe besonders durch Flüchtlinge begangen würden, druckt “Compact” diese Grafik neben dem Artikel:

Wir haben keine Ahnung, woher diese Statistik stammt.* Ganz sicher stammt sie aber nicht, wie von “Compact” angegeben, vom “Pew Reserch Center” (was ein Schreibfehler ist, denn eigentlich heißt das Forschungszentrum “Pew Research Center”). Für das amerikanische Meinungsforschungsinstitut wäre es ein völlig neues Feld, wenn es auf einmal deutsche Kriminalitätsstatistiken anfertigte. Diese erstellt hierzulande in der Regel das Bundeskriminalamt. Die Tatverdächtigen der “Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung” sind in einer Statistik (PDF, Seite 70) aufgeführt, allerdings nur in den Unterkategorien “Tatverdächtige insgesamt”, “nichtdeutsche” und “Zuwanderer”.

Wie “Compact” auf die Unterteilung nach “Volksgruppen” kommt, ist nicht nachvollziehbar. “Volksgruppe” ist kein Unterscheidungskriterium offizieller Statistiken. Wenn überhaupt, würden diese von Staatsangehörigkeiten sprechen.

Von der fragwürdigen Quellenangabe mal abgesehen, präsentiert “Compact” die Zahlen auf spezielle Art und Weise und ohne jeglichen Zusammenhang. Gezeigt werden Tatverdächtige pro 10.000 Mitglieder einer Nationalität. Es handelt sich also um Promillewerte, die “Compact” allerdings deutlich größer wirken lässt. Auf die 36 tatverdächtigen — also nicht verurteilten — Algerier kommen 9964, die nicht verdächtigt werden. Was außerdem unter den Tisch fällt: In Deutschland lebten 2015 laut “Statistischem Bundesamt” (PDF, Seite 39) nur 20.505 Algerier. Das sind weniger als die absolute Zahl deutscher Tatverdächtiger bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, von denen es laut BKA vergangenes Jahr 25.487 gab. Für eine “Multikulti-Vergewaltigungswelle”, die “Compact” herbeischreiben will, würden die Zahlen also noch nicht einmal dann genügen, wenn sie denn aus einer seriösen Quelle stammten.

Zurück zu Hans-Hermann Gockel. Der behauptet, dass “Panorama” auch “die Tatsache, dass die Bäder an Rhein und Ruhr ihr Sicherheitspersonal in diesem Jahr verstärken mussten”, verschweige. Das stimmt sogar. Die Bäder an diesen beiden Flüssen kommen nicht vor. Mitglieder des “Panorama”-Teams haben nämlich stattdessen ein Freibad besucht, das an einem etwas weniger prominenten Fluss liegt, an der Hunte bei Oldenburg. Sie finden auch dort einen Zeugen dafür, dass es inzwischen mehr Sicherheitsleute in Schwimmbädern gibt. Das wiederum verschweigt nun Gockel, vielleicht auch deshalb, weil der Zeuge von “Panorama” der “Compact”-These von der Vergewaltigungswelle widerspricht.

Abgesehen von dem konkreten “Panorama”-Beitrag wirft Hans-Hermann Gockel Anja Reschke ihre grundsätzliche persönliche Haltung vor:

Schon am 5. August 2015 hatte Reschke in einem Tagesthemen-Kommentar einen neuen “Aufstand der Anständigen” gegen rechts propagiert: “dagegen halten, Mund aufmachen. Haltung zeigen, öffentlich an den Pranger stellen.”

Seine eigene Haltung versteckt Gockel lieber hinter anderen:

Wer diesen Kommentar heute im Internet aufruft, gewinnt schnell den Eindruck, dass er mit heißer Nadel gestrickt ist. Mancher nennt die Art des Vortrags sogar hysterisch.

Wer diesen Kommentar heute tatsächlich im Internet aufruft, wird schnell merken, dass Gockel das Zitat von Reschke verkürzt wiedergibt; möglicherweise, um zu suggerieren, Reschke rufe zum Vorgehen gegen sämtliche Meinungsäußerungen rechts der Mitte auf. Ihr volles Zitat lautet:

Wenn man also nicht der Meinung, ist, dass alle Flüchtlinge Schmarotzer sind, die verjagt, verbrannt oder vergast werden sollten, dann sollte man das ganz deutlich kundtun, dagegen halten, Mund aufmachen, Haltung zeigen, öffentlich an den Pranger stellen.

Anja Reschke spricht also nicht einfach nur von “rechts”, sondern von strafbaren rechtsextremen Äußerungen und Handlungen.

Und so scheint es, als würde Hans-Hermann Gockel nichts finden, das er Anja Reschke vorwerfen könnte, ohne seinerseits die Tatsachen zu verdrehen. Am Ende kommt er nur auf die dünne Anklage, dass Reschke bei einem Auftritt in der Sendung “Hart aber fair” Moderator Frank Plasberg spontan nicht genau sagen konnte, woher ein paar Sekunden Bildmaterials eines “Panorama”-Beitrags über Flüchtlinge stammen:

Die Leiterin einer Redaktion weiß nicht, wie ein Bilder-Teppich in ihrer Sendung zustande kommt? So viel Ahnungslosigkeit dürfte einmalig sein im deutschen Fernsehgeschäft!

Was Hans-Hermann Gockel offenbar nicht merkt: Mit diesem Urteil nimmt ausgerechnet er, der “Lügenpresse”-Rufer, das gesamte deutsche Fernsehen in Schutz. Eine solch positive Meinung übers deutsche TV dürfte einmalig sein unter “Compacts” Medienkritikern.

*Nachtrag, 19. Oktober: Inzwischen sind wir uns ziemlich sicher, woher die “Compact”-Redaktion die Zahlen aus der “Frau, komm!”-Grafik hat: vom Bundeskriminalamt (Tabelle 62). Dort findet man jedenfalls die Rohdaten, noch nicht “auf je 10.000 Mitglieder folgender Volksgruppen” heruntergerechnet. Diese Zahlen findet man in einer Grafik, die beim Hoster “Imgur” hochgeladen wurde und die sich auf die BKA-Zahlen beruft.

Die Zahlen, die “Compact” verwendet, beziehen sich also auf 2014 und nicht, wie von der Redaktion behauptet, auf 2015. Und sie stammen eben nicht vom “Pew Reserch Center” beziehungsweise vom “Pew Research Center”. Von den amerikanischen Forschern haben wir inzwischen ebenfalls eine Bestätigung bekommen, dass die Zahlen nicht von ihnen veröffentlicht wurden:

Dass wir fälschlicherweise als Quelle angegeben werden, oder bei vagen Aussagen als Quelle herhalten müssen, ist für uns inzwischen fast schon zur Gewohnheit geworden. Dass dieses Phänomen nun auch jenseits des Atlantiks auftritt, ist allerdings eine neue Erfahrung für uns.

Mit Dank an Hauke H. und @griboe für die Hinweise!

Trump-Bots, Afrika, Nichtigkeiten

1. Die BBC – so hochgelobt wie umstritten
(sueddeutsche.de, Christian Zaschke)
Die vielgelobte “BBC” hat in Großbritannien keinen leichten Stand und wird von politischer Seite immer wieder attackiert. Doch der Sender genießt in der Bevölkerung eine enorme Popularität. “Ihr Spitzname ist “Tantchen”, sie gehört zur Familie. Sie hat eine emotionale Bedeutung für Großbritannien, eine Bindung zum Land, und selbst die konservativsten unter den Tories wissen, dass sie sich mit der Abschaffung der BBC wenig Freunde machen würden.”

2. Duell der Wahlbots
(faz.net, Adrian Lobe)
Die Zahlen, die das Online-Tool “Twitteraudit” über Donald Trumps Follower ausspuckt, sind erschreckend. 12,4 Millionen Follower hat der Präsidentschaftsbewerber, bei 4,6 Millionen davon soll es sich um Fake-Accounts handeln. Adrian Lobe schreibt über das Phänomen “Wahlbots”: “Der politische Diskurs scheint sich immer mehr in ein automatisiertes System zu verwandeln, bei dem Maschinen (Algorithmen, Bots, virtuelle Assistenten) dem Menschen Informationen vorsetzen und der Bürger mit seiner Partizipation nur noch Daten für die Meinungsmaschinerie erzeugt.”

3. Mit Podcasts in den Wahlkampf
(nzz.ch, Oliver Fuchs)
Oliver Fuchs hat sich für die “NZZ” den amerikanischen Wahlkampf angeschaut. Seine Feststellung: “Jedes neue Medium hat den Wahlkampf in den USA grundlegend verändert. Im Jahr 1924 war es das Radio, 1960 das Fernsehen. 2008 prägten Facebook und Twitter den politischen Wettbewerb. Nun kommen Podcasts ins Spiel.”

4. Afrika-Milizionäre in Deutschland
(ndr.de, Daniel Bouhs, Video 04:55 Min.)
Die “taz”-Journalisten Dominic Johnson und Simone Schlindwein wurden für ihre Berichterstattung über afrikanische Kriegsverbrecher vom Journalistenverband Berlin-Brandenburg ausgezeichnet. Daniel Bouhs hat mit den Preisträgern gesprochen und sie gefragt, wie gefährlich ihre Arbeit im Kriegsgebiet ist und warum sie sich oft über die Afrika-Berichterstattung deutscher Medien ärgern.

5. Auf ins Pegida-Land
(zeit.de, Matthias Daum)
Die Kulturchefin des Schweizer Fernsehens Nathalie Wappler verlässt Zürich und wird Programmdirektorin beim Mitteldeutschen Rundfunk. Matthias Daum hat sie in der Schweiz-Ausgabe der “Zeit” zu den Hintergründen befragt.

6. Jetzt spricht – der Zwischenhändler der Nichtigkeiten
(dwdl.de, Hans Hoff)
“DWDL”-Kolumnist Hans Hoff hat ein neues Berufsziel: “Den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen, soziale Netzwerke durchforsten und auf mehr oder weniger belanglose Reaktionen hoffen. “Jetzt spricht…” in die Überschrift – und fertig ist der Artikel.”

Trumpismus, Eltern, Wetten, dass..?

1. Die Medien und der Donald: Wer macht den Trump?
(ndr.de, Andrej Reisin)
Haben die Medien Schuld an Donald Trumps Aufstieg? So viel Medienpräsenz wie Trump hatte noch keiner. Laut “New York Times” vereinte Trump nahezu doppelt so viel unbezahlte Sendezeit auf sich wie alle anderen republikanischen Kandidaten im Vorwahlkampf zusammen. Entsprechend frustriert reagieren Ron Nehring und Alice Stewart von “Ted Cruz for President”. Scott Goodstein, verantwortlich für die Social Media Kampagne des Demokraten Bernie Sanders, findet hingegen anerkennende Worte. Trump sei es gelungen, mit vielen seiner nächtlichen Tweets das Thema des nächsten Tages zu setzen.

2. Die Zeitschrift “Eltern” wird 50
(ndr.de, Katrin Spranger, Video, 2:27 Min.)
Die Zeitschrift “Eltern” wird 50. Katrin Spranger vom “NDR” hat die Zeitschrift besucht und mit “Eltern”-Chefredakteurin Marie-Luise Lewicki über den Kampf gegen mittlerweile 30 Konkurrenz-Blätter gesprochen.

3. Warnschuss für Alternativmedien
(taz.de, Bernd Pickert)
In Kuba wächst der Druck auf Journalisten. Aktuell wurde eine Gruppe von Reportern festgenommen, die über die Folgeschäden des Hurrikans „Matthew“ berichten wollten. Sie wurden zwar im Verlaufe des Tages wieder freigelassen, ihnen wurde aber verboten, das Gebiet erneut zu betreten.

4. Journalist entführt und gefoltert
(reporter-ohne-grenzen.de)
“Reporter ohne Grenzen” ist schockiert über die Entführung und Folterung eines Journalisten im Südsudan. Der Reporter habe über die Wirtschaftskrise und Korruption berichtet und Präsident Salva Kiir und dessen Familie für Armut und Hunger verantwortlich gemacht. Nun wurde er entführt, gefoltert und nach drei Tagen schwer verletzt auf einem Friedhof zurückgelassen.

5. Dezente Reform des britischen Rundfunks
(medienwoche.ch, Peter Stäuber)
Die BBC kann sich über eine elfjährige Verlängerung ihrer Konzession mit moderaten Anpassungen freuen. Der von einigen erwartete Todesstoss für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk blieb aus. Trotzdem werde der Druck anhalten, die BBC sei weiterhin darauf angewiesen, durch den Verkauf von Inhalten Geld zu generieren.

6. Gockeln wie einst Gottschalk
(sueddeutsche.de, Carolin Gasteiger)
Carolin Gasteiger hat sich den ersten Teil von Jan Böhmermanns “Wetten, dass..?”-Neuverfilmung angesehen: “Wie bei den Rolling Stones gilt auch für Böhmermann: Wahre Fans werden ihn auch in der Wetten, dass..?-Kulisse lieben. Alle anderen befällt vielleicht ein bisschen Wehmut – und später sicher Erleichterung, dass die Sendung vorbei ist.”

Uwe Böhnhardts DNA war nicht an Peggys Skelett

Vor gut zwei Stunden kamen die ersten Push- und Eil- und Agenturmeldungen rein: DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt sollen am Skelett von Peggy K. entdeckt worden sein:




Verständlicherweise berichteten so gut wie alle Medien und Nachrichtenagenturen. Die Hintergründe sind allerdings noch ziemlich unklar: Möglich, dass Böhnhardt etwas mit dem Tod der Neunjährigen, die 2001 verschwand und deren Knochen im vergangenen Juli von einem Pilzsammler gefunden wurden, zu tun hat. Aber ebenso möglich, dass es sich um einen Zufall handelt. In einer gemeinsamen Presseerklärung erklärten das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Bayreuth, dass es “weiterer umfassender Ermittlungen in alle Richtungen” bedürfe, “die derzeit geführt werden und ganz am Anfang stehen.”

Was in der Pressemitteilung jedenfalls nicht steht: Dass Böhnhardts DNA-Spuren am Skelett von Peggy entdeckt wurden. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken bestätigte uns gerade am Telefon, dass Böhnhardts DNA stattdessen bei Peggys Skelett gefunden wurde — sicher immer noch die ganzen Artikel wert, aber eben etwas anders, als ursprünglich von den meisten Medien vermeldet.

Die “dpa” und andere Agenturen haben inzwischen “Berichtigungen” rausgegeben. Und viele, aber nicht alle Onlineportale haben die Überschriften ihrer Artikel angepasst.

Gerichtsstand, Schwarm-Extremisten, Schwatzgelb

1. Trotz ihrer Kritik an “Bild”: Gisela Friedrichsen wechselt zu Axel Springer
(kress.de, Jochen Zenthöfer)
Vor kurzem berichtete der “Spiegel” in einer Meldung in eigener Sache vom Abschied von Gerichtsreporterlegende Gisela Friedrichsen. Nun stellt sich überraschend raus, dass die 72-jährige Friedrichsen zu Axel Springers “Welt”-Gruppe wechselt. Was etwas pikant ist: Im Zuge des Kachelmann-Prozesses hatte Springers “Bild” sie wegen ihrer Berichterstattung im “Spiegel” noch als “Lügenpresse” tituliert.

2. Fußball-Berichterstattung: “Nennen wir das bitte nicht Journalismus”
(kress.de, Frank Hauke-Steller)
Der freie Journalist Ronny Blaschke hat ein Buch geschrieben, in dem er die öffentlich-rechtlichen Sender wegen ihrer Fußballberichterstattung kritisiert. Viele soziale Projekte der Vereine seien nicht ehrlich gemeint, Sportjournalisten seien oft mehr Fans denn objektive Begleiter. “kress.de” hat mit dem Autor gesprochen und unter anderem gefragt, ob die Milliarden, die die Sender für die Übertragungsrechte ausgeben, einen Maulkorb für Reporter bedeuten würden.

3. «Extremisten benehmen sich wie ein Schwarm»
(tagesanzeiger.ch, Jonathon Morgan)
Der US-Amerikaner Jonathon Morgan ist Datenwissenschaftler und untersucht, wie IS-Terroristen oder Rechtsextreme im Netz kommunizieren. Morgan über seine Analysetechnik: “Es ist wie im richtigen Leben. Menschen, die Schaden anrichten, haben bestimmte Verhaltensweisen – online und in der realen Welt. Wir nutzen Algorithmen und Datenanalyse, um diese Muster zu finden. So identifizieren wir Gruppen, die radikale Ideologien annehmen, anhand ihrer Sprache. Extremisten vertreten per Definition extreme Ansichten, sprechen eine extreme Sprache. Das können wir messen.”

4. Koran und Analsex
(taz.de, Natalie Mayroth)
Das Online-Magazin „renk“ soll Klischees über Deutschtürken widerlegen. Dank Crowdfunding erscheint nun auch eine Printausgabe. Natalie Mayroth ist durchaus angetan von dem Projekt: “Designs und Fotografierichtungen werden gemixt, Plätze getauscht: Sie langt ihm an den Po, nicht er; das Inhaltsverzeichnis ist hinten, nicht vorne, und die Schrift wechselt mit jedem Artikel – dennoch hält renk seinen Namen: Es ist sogar rengarenk – kunterbunt. Mit dieser Mischung halten sie ihr buntes Versprechen und stellen sich als Gesellschaftsmagazin auf.”

5. Redaktionsnetzwerk Rumpelding
(bilanz.de, Bernd Ziesemer)
Bernd Ziesemer äußert sich kritisch über Zusammenlegungen von Zeitungen, Redaktionsnetzwerke und Mediengruppen: “Wenn Verlage sich statt ihrer Marken in den Mittelpunkt stellen, geht es mit beiden bergab. Sie werden austauschbar wie die Texte der Gemeinschaftsredaktionen.” Unter den Printmedien würden sich immer noch diejenigen Zeitungen und Zeitschriften am besten schlagen, die ihre Marken weiter in den Vordergrund rücken: Das “Handelsblatt” etwa oder die “Zeit”, der “Spiegel” oder die “Frankfurter Allgemeine”.

6. Kampf gegen Rechts: Die “BVB Freunde Deutschland” im Porzellanladen
(schwatzgelb.de, Malte S.)
Als die “BVB Freunde Deutschland” bekanntgeben, sich aus dem aktiven Kampf gegen Rechtsextremismus zurückzuziehen, gibt es ein großes mediales Echo. Das Fanzine “Schwatzgelb.de” bezweifelt die Aussagekraft der Meldung: Der nach eigenen Angaben rund 1.400 Mitglieder große Fanclub sei weitgehend unbekannt und im Stadion nicht präsent. Belege für ein antirassistisches Engagement gebe es auch nicht: “Dass die BVB Freunde Deutschland also – um es mal vorsichtig auszudrücken – nicht die Speerspitze des antirassistischen Engagements bei Borussia Dortmund bilden, hätte man mit weniger als einer Stunde Recherchearbeit herausfinden können. Dass neben dem eingangs erwähnten sport.de auch Focus Online journalistische Arbeit gegen ein paar sichere Klicks tauscht, überrascht nicht wirklich. Schließlich sind beide Seiten nicht dafür bekannt, fanpolitische Themen differenziert beziehungsweise mit entsprechendem Aufwand aufzubereiten.”

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