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Der untote Fußball

Empört berichtete der Düsseldorfer “Express” am Mittwoch über die Verurteilung des Jugendfußballers Enver Yilmaz zu 2.000 Euro Schmerzensgeld wegen eines Foulspiels.

2.000 € Schmerzensgeld: Urteil erschüttert die Fußballwelt

Als Enver Yilmaz noch für die Spvg Odenkirchen spielte, hatte er bei einem Pokalspiel gegen den 1. FC Mönchengladbach seinen Gegenspieler gefoult. Ein zweifacher Beinbruch war die Folge und eine Strafanzeige zwei Wochen später. Das Strafverfahren wurde vom Richter eingestellt, eine später eingereichte Zivilklage endete nun aber mit einem Schmerzensgeld von 2.000 Euro.

Der “Express”-Reporter ließ keinen Zweifel daran, was er vom Urteil hält: Er fragt “Kann man jetzt nur noch in anwaltlicher Begleitung kicken?”, nennt die Entscheidung der Richterin “unglaublich” und zitiert den Geschäftsführer des Fußballkreises Düsseldorf, der das Urteil für den “Tod des Fußballs” hält.

Denn dieses Urteil ist einmalig.

schreibt der “Express” und legt so nahe, dass es so etwas in der Geschichte des Fußballs noch nicht gegeben habe. Doch in der Vergangenheit gab es schon häufiger Schmerzensgeldforderungen verletzter Spieler vor Gericht, so mancher Klage wurde stattgegeben.

So hat das Landgericht Münster im Jahr 2002 einen Fußballer zu einer Schmerzensgeldzahlung in Höhe von 4.500 Euro und Schadensersatz verurteilt und allein im Fußballkreis Bochum gibt es mehre Fälle von erfolgreichen Schmerzensgeld- und Schadensersatzklagen, wie “Reviersport” schon vor drei Jahren berichtete.

Auch international gab es schon vergleichbare Fälle: In Großbritannien wurde beispielsweise der australische Nationalspieler Kevin Muscat zu einem horrenden Schmerzensgeld verurteilt, nachdem er 1998 dem englischen Fußball-Profi Matty Holmes ein Bein gebrochen hatte.

Besonders spektakulär war allerdings der Fall Rachid Bouaouzan von Sparta Rotterdam, der zu einem Schmerzensgeld von 100.000 Euro und 6 Monaten Haft verurteilt wurde, weil er einen Gegenspieler gefoult hatte. Daran konnte auch ein Einspruch vor dem Obersten Gerichtshof nichts ändern.

Andere Medien fanden die “Express”-Story so spannend, dass sie sich davon inspirieren ließen. sport.t-online.de und fussball.de erklärten unisono:

Der Fall, der jetzt vor das Oberlandesgericht Frymuth geht, dürfte den DFB in Alarmbereitschaft setzen.

Dabei haben sie offenbar einen Punkt übersehen. Der “Express” hatte nämlich geschrieben:

Der Fall geht jetzt vor das Oberlandesgericht. Frymuth: “Wenn nötig, unterstützen wir den Spieler dabei.”

Peter Frymuth ist Präsident von Fortuna Düsseldorf und Vorsitzender des DFB-Jugendausschusses. Die Artikel bei t-online.de und fussball.de sind inzwischen offline.

Mit großem Dank an Ralf M.

Fußball, Rüdiger Grube, Bücherfreunde

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Bild dir deinen Fussball”
(spox.com, eshkeeya)
Ein aufschlußreicher Hintergrundartikel in drei Teilen (1, 2, 3) dreht sich um die Abteilung Fußball bei “Bild”, die rund 80 Prozent des Sportteils ausmacht. Einzeln beleuchtet werden die Kapitel “Fleiß. Einfluss. Polemik. Freundschaftspflege. Feindschaftspflege.”

2. “Wie Bahnchef Grube mit ‘Fakten’ verwirrt”
(nilsole.net, Nils Glück)
Nils Glück vergleicht Interviews mit dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG, Rüdiger Grube, bei “Deutschlandfunk”, “Spiegel” und “Tagesthemen”.

3. “Badische Zeitung: eBook-Leser kulturlos”
(lesen.net, Johannes Haupt)
“Welcher wahre Bücherfreund bestellt sein kostbares Gut seelenlos bei Amazon?” fragt Bettina Schulte in der “Badischen Zeitung”. Johannes Haupt antwortet.

4. “Wasser in der Sahara”
(sportmedienblog.de)
Das Sportmedienblog denkt nach über die halbjährlichen Ranglisten in der Sportzeitschrift “Kicker”: “Ob Weltklasse, Internationale Klasse, im weiteren Kreis oder Blickfeld – bei Fans wie Profis sorgen die regelmäßigen Einstufungen jedes mal für intensive Diskussionen.”

5. “Wie eine Vollmacht zum Abzocken der Hörer”
(blogmedien.de, Horst Müller)
Horst Müller hält Gewinnspiele der Privatradios “Radio Schleswig-Holstein”, “Radio PSR” und “Antenne MV” für fragwürdig: “Kaum zu glauben, dass solche dubiosen Spielpraktiken von den aufsichtführenden Landesmedienanstalten nicht nur geduldet, sondern sogar noch gefördert werden.”

6. “Fernsehprogramm von Juli 1985”
(retro-tv.de, Video, 21:17 Minuten)
Retro-TV denkt zurück an die “Muppet Show”, an das “Trio mit vier Fäusten” und an “Monaco Franze”.

Fußballer (Abbildung ähnlich) hat was gesagt

Um noch eine neue Meldung über den “Knöchel der Nation” bringen zu können, hat die Onlineausgabe der “Berliner Morgenpost” dem früheren ghanaischen Nationalspieler Anthony Yeboah ein Statement abgerungen. Das an sich ist ja nicht schlimm — es ist ja vielmehr interessant, wie man im Lande des deutschen Vorrundengegners über das Foul von Kevin-Prince Boateng an Michael Ballack denkt.

Nur ein bisschen mehr Mühe hätte sich morgenpost.de dann doch geben können:

BALLACKS AUS: Yaboah nimmt Boateng nach Foul in Schutz

In der Überschrift heißt Yeboah plötzlich “Yaboah”, im Vorspann ist von “Kevin-Pince Boateng” die Rede statt von “Kevin-Prince” und bebildert ist der Artikel über Anthony Yeboah

Anthony Yeboah betreibt heute zwei Hotels in Ghana

… mit einem Foto von Anthony Baffoe. Aber der hat immerhin auch mal für Ghana gespielt.

Mit Dank an Jan K. und unsere Twitter-Follower!

Nachtrag, 16.44 Uhr: morgenpost.de hat die hier bemängelten Schreibfehler korrigiert und ein Foto des echten Anthony Yeboah gefunden.

Bild  

Fußballfeldjäger

Es gibt Überschriften, die im Kopf bestimmte Bilder entstehen lassen:

Nach "Feldjäger-Besuch" Trainingslager abgebrochen: Toski vergisst Zivildienst!

Da hat man sofort vor Augen, wie die Militärpolizisten der Bundeswehr im Offroader auf einen abgelegenen Fußballplatz brausen und den Spieler von Eintracht Frankfurt, der seinen Zivildienst “vergessen” hat, einsacken.

Und wer das nicht vor Augen hat, dem hilft “Bild” mit dieser Fotomontage gerne nach:

Faton Toski und ein Feljäger-Offroader (schlechte Fotomontage)

Gut, im Artikel liest sich das mit dem “Besuch” schon ein bisschen anders:

Eintrachts Faton Toski (22) vergaß seinen Zivildienst. Erst als die Feldjäger ihn aus dem Trainingslager holen wollten, reagierte der Mittelfeldspieler (27 Bundesliga-Einsätze, drei Tore). Jetzt muss er das Trainingslager in Kärnten abbrechen.

Am Montag beginnt sein Kurs beim Roten Kreuz in Frankfurt. Eigentlich hätte sich der talentierte Deutsch-Kosovare schon im Juni melden sollen. Als er im Juli noch immer nicht aufgetaucht war, drohte die Behörde mit den Feldjägern, die unwillige Wehrdienst- und Zivildienstleistende aufspüren.

Da ist “Bild” wohl vollends die Phantasie durchgegangen, denn Feldjäger sind gegenüber Zivildienstleistenden gar nicht weisungsbefugt, wie uns das Bundesverteidigungsministerium auf Anfrage mitteilte. Auch das Bundesamt für den Zivildienst sagte uns: “Feldjäger haben wir hier nicht.”

Mit Dank an Jörn R.

Atlantische Fußballfeldausläufer

Variables Standardmaß

“Die Alpe di Siusi ist nun mal ein so schönes Stück alpiner Kulturlandschaft, ein so bedacht erschlossenes Naturgebiet auf 8000 Fußballfeldern Größe, dass man ihr auch das touristischste Großereignis nachsieht.”
(“Berliner Zeitung”, 16.5.09)

Die unter dem Namen “Raststätte Elbmarsch” geplanten Mega-Parkplätze sollen je Fahrtrichtung 120.000 Quadratmeter umfassen (…). Der Flächenbedarf entspricht sowohl für die Raststätte Ost wie auch für die Westseite jeweils zwölf Fußballfeldern.
(“Welt”, 4.5.09)

Die Gartenschau findet auf insgesamt 300 000 Quadratmetern statt (30 ha). (…) Von der Gesamtfläche sind knapp die Hälfte Rasenflächen — in der Größe von zirka 20 Fußballfeldern.
(“Tagesspiegel“, 24.4.09)

Das KaDeWe in Zahlen & Fakten: Die 60 000 Quadratmeter Verkaufsfläche entsprechen neun Fußballfeldern.
(“B.Z.”, 20.4.09)

Auf 66 000 Quadratmetern, das entspricht der Größe von acht Fußballfeldern, so Tropical Islands, gibt es den größten Indoor-Regenwald der Welt und Europas größte tropische Sauna-Landschaft sowie 200 Meter Sandstrand.
(“Berliner Morgenpost”, 3.02.09)

Gestern wurde der neue Super-Hangar von “Air Berlin” am Flughafen eingeweiht — und der sprengt alle bisher gekannten Dimensionen: 220 Meter lang, 90 Meter breit und 31 Meter hoch. Die Grundfläche entspricht der Größe von drei Fußballfeldern!
(“Express”, 29.4.09)

Heute stehen 1,5 Mio. Quadratmeter (qm) Bürofläche in Frankfurt leer, das entspricht in etwa der Fläche von 219 Fußballfeldern
(“Handelsblatt”, 30.1.09)

Jedes Storchenpaar benötige in der Nähe seines Horsts feuchtes Grünland in der Größe von 26 Fußballfeldern, um seine Brut satt zu bekommen.
(“Die Welt”, 6.3.09)

Er bewohnt Zimmer in der Größe halber Fußballfelder.
(“Berliner Zeitung”, 12.1.09)

Dann gebe es aber auf dem 16 000 Quadratmeter großen Tierheimgelände — 30 Fußballfelder würden hineinpassen — für weitere Bauten kaum noch Reserveflächen.
(“Berliner Morgenpost”, 4.01.09)

Wenige Monate später kam er nach Majdanek, ein KZ am Rande der Stadt Lublin auf einer Fläche so groß wie 380 Fußballfelder.
(“Der Spiegel”, 16.3.2009).

Die journalistische Standardmaßeinheit für alles, das größer ist als eine Handtasche und kleiner als Russland, ist das Fußballfeld. Das folgt der Logik, dass die meisten Menschen schon mal eines gesehen (oder sogar drauf gestanden) haben und sich deshalb ganz gut vorstellen können, wie groß so ein Platz ist, und beruht auf der etwas gewagten Annahme, dass wer sich eines vorstellen kann, sich auch viele vorstellen kann. Mathematisch heikel wird die Sache dadurch, dass die Größe eines Fußballfeldes gar nicht genau definiert ist — in der Regel aber sind es 68×105 Meter, also 7.140 m2, 0,714 Hektar oder 0,00714 km2.

Wirklich vorstellen können sich anscheinend aber auch Journalisten nicht mehr als höchstens zwei Handvoll Fußballfelder:

Doch zu Beginn der Suchaktion war das Absturzgebiet völlig unklar. So konzentrierten sich die Bergungsarbeiten auf ein gigantisches Gebiet: 6000 Quadratkilometer (etwa 750 Fußballfelder).

Beim Überschlagen hätte natürlich jemandem bei Bild.de auffallen können, dass die herbeizitierten Fußballfelder exakt 8 km2 groß wären. Oder, um es auf journalistisch zu sagen: etwa so groß wie 1120 Fußballfelder.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

Brief gegen ZDF-Entscheidung, KI-Zeitung, Kloppo-Soap im Stadion

1. “Wir halten die Absage für einen Fehler”
(netzpolitik.org, Erik Tuchtfeld)
In einem offenen Brief an ZDF-Intendant Norbert Himmler kritisieren mehrere Mitglieder des ZDF-Fernsehrats die Ausladung der Künstler Danger Dan und Igor Levit aus der 100. Ausgabe der Satire-Sendung “Die Anstalt”: “Wir befürchten, dass dies auch abschreckende Auswirkungen auf andere Formate haben kann. Auch aufgrund des konkreten Verfahrens und der Kurzfristigkeit der Absage entsteht zudem der öffentliche Eindruck, dass diese notwendige Debatte unterbunden werden soll. Wir halten die Absage daher für einen Fehler.”

2. Warum Kon­stantin Wecker kein “MeToo”-Fall sein soll
(lto.de, Max Kolter & Felix W. Zimmermann)
Das Landgericht Berlin habe der “Süddeutschen Zeitung” untersagt, weiter über jahrzehntelang zurückliegende sexuelle Kontakte des Liedermachers Konstantin Wecker zu damals 17-jährigen Frauen zu berichten. Der Artikel, der über Kontakte aus den Jahren 1990 bis 2015 berichte und ein Machtgefälle beschreibe, verletze Weckers Privatsphäre, so die Entscheidung des Gerichts. Es habe befunden, dass die Schilderungen vorrangig die Neugier der Leserschaft bedienen würden und keinen wesentlichen Beitrag zur öffentlichen Meinungsbildung böten. Die “Süddeutsche Zeitung” habe den Gerichtsentscheid als “Ausreißer-Urteil” bezeichnet und Berufung beim Kammergericht eingelegt.

3. US-Richterin stoppt Warner-Übernahme durch Paramount vorläufig
(spiegel.de)
Eine US-Bundesrichterin habe den geplanten, rund 111 Milliarden US-Dollar schweren Deal zwischen Paramount und Warner Bros. Discovery nach einer Klage von zwölf Bundesstaaten vorläufig gestoppt. Hinter Paramount stehe die Familie des Trump-Unterstützers Larry Ellison. Als Folge der Übernahme würden Kritiker eine marktbeherrschende Stellung bei Kinofilmen und die Schwächung der redaktionellen Unabhängigkeit des Nachrichtensenders CNN befürchten.

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4. “Künstliche Intelligenz ist wie ein Scharfschütze”
(taz.de, Ambros Waibel)
In einem Interview mit der “taz” verteidigt Claudio Cerasa, Chefredakteur der italienischen Tageszeitung “Il Foglio”, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Journalismus als Chance für mehr Kreativität. Das Blatt veröffentliche seit März 2025 regelmäßig KI-generierte Inhalte. Alle Artikel würden auf Cerasas eigenen Prompts basieren und redaktionell geprüft: “Der Artikel kann überarbeitet, durch einen anderen ersetzt oder korrigiert werden. Bei offensichtlichen Fehlern lassen wir diese jedoch stehen, um den Lesern die Möglichkeit zu geben, künstliche Intelligenz auch anhand ihrer Schwächen zu studieren.”

5. Für Nachhaltigkeit unverzichtbar
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) unterstützt die “Initiative 18”, die eine Erweiterung der UN-Nachhaltigkeitsziele fordere. Unabhängige Medien und Pressefreiheit sollen demnach als 18. Sustainable Development Goal (“Free, Safe & Sustainable Media”) festgeschrieben werden. Der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster betont, dass freier Journalismus eine unverzichtbare Grundlage für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und fundierte gesellschaftliche Debatten sei. Das geforderte Ziel umfasse unter anderem den Schutz von Journalistinnen und Journalisten vor Zensur und Gewalt, den Erhalt der Medienvielfalt sowie den Kampf gegen Desinformation.

6. Kloppo-Soap im Stadion: Der Deus ex Machina von Magenta
(dwdl.de, Alexander Krei)
Alexander Krei blickt auf die ungewöhnliche Rolle von Jürgen Klopp während der Fußball-WM zurück. Als Experte für MagentaTV habe dieser die Vorberichterstattung in eine Art Seifenoper verwandelt, in der er selbst als künftiger Bundestrainer im Mittelpunkt gestanden habe. Nachdem Klopp früh mit kritischen Äußerungen den damaligen Bundestrainer Julian Nagelsmann unter Druck gesetzt habe, sei er nach dem DFB-Aus im Sechzehntelfinale vollends als Retter ins Zentrum gerückt. Für die Telekom habe sich die Verpflichtung als Glücksgriff erwiesen, da man über die Verhandlungen zwischen dem DFB und Klopp aus erster Hand habe berichten können.

KW 29/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Berichten über Rechtsaußen: Wie covert man die AfD?
(youtube.com, Maria Exner, Video: 1:16:23 Stunden)
Im Interview mit Maria Exner von Publix berichtet “Spiegel”-Politikredakteurin Ann-Katrin Müller über ihren von massiven Sicherheitsmaßnahmen geprägten Alltag als AfD-Reporterin. Die extreme Rechte nutze kritische Journalistinnen und Journalisten gezielt als Feindbild und werfe sie der eigenen Anhängerschaft “zum Fraß vor”. Dass ihr dennoch regelmäßig exklusive Enthüllungen gelingen, liege an den brutalen internen Machtkämpfen der Partei: “Die hassen sich untereinander mehr als mich.” Müller kritisiert zudem die sprachliche Verharmlosung in den Leitmedien. Der Begriff “rechtspopulistisch” greife längst zu kurz, die AfD sei eine rechtsextreme Partei.
Weiterer Gucktipp: Melanie Amann – Müssen wir anders mit der AfD umgehen?: “Brauchen wir den klassischen Journalismus überhaupt noch, wenn Podcaster mit stundenlangen Höcke-Interviews ein Millionenpublikum erreichen? Melanie Amann, Chefredakteurin Digital der Funke Mediengruppe und langjährige ‘Spiegel’-Journalistin, stellt sich im Podcast ‘Zwischen den Zeilen’ bei Bettina Böttinger der existenziellen Krise ihrer Branche.” (youtube.com, Bettina Böttinger, Video: 1:11:58 Stunden)

2. Wen erreichen Newsfluencer und News Creator und warum?
(leibniz-hbi.de, Kristina Kobrow, Audio: 44:01 Minuten)
Laut der deutschen Teilstudie des Digital News Report 2026 des Reuters Institute (PDF) nutzen 13 Prozent der erwachsenen Internetuser in Deutschland Inhalte von sogenannten Newsfluencern oder News Creatoren. Bei den 18- bis 24-Jährigen seien es sogar 30 Prozent. Im Podcast “BredowCast” betonen Julia Behre und Sascha Hölig, dass diese Internet-Persönlichkeiten klassische Nachrichtenangebote nicht ersetzen, sondern vielmehr das Spektrum stark nachrichteninteressierter Menschen erweitern würden. Das Vertrauen in etablierte Medien leide durch die Nutzung nicht. Ausschlaggebend für den Erfolg von Newsfluencern seien andere Nutzungsmotive: Ihre Inhalte würden oft unterhaltsamer, verständlicher und leichter zugänglich wirken.

3. Entertainment und zu viele Experten: Die Medienbilanz der Fußball-WM
(ardsounds.de, Ingo Lierheimer, Audio: 27:16 Minuten)
Das Magazin “BR24 Medien” zieht eine kritische Medienbilanz der fünfwöchigen Fußball-Weltmeisterschaft. Trotz massiver politischer Zündstoffthemen abseits des Rasens hätten Medien das von FIFA-Chef Gianni Infantino forcierte Superlativ-Narrativ bereitwillig bedient. Statt investigativer Tiefe habe in der Berichterstattung die reine Event-Inszenierung dominiert. Kritisiert wird zudem eine regelrechte Inflation an Studio-Expertinnen und -Experten, die kaum Mehrwert böten, sowie ein zur Unterhaltung neigender Sportjournalismus, der sich zum PR-Verlängerungsarm der FIFA-Interessen mache.

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4. Lokal ist nicht egal! (mit Dennis Rink)
(youtube.com, Tanjev Schultz & Markus Wolsiffer, Video: 1:05:52 Stunden)
“Wer verstehen will, wie Demokratie funktioniert, muss nicht nach Berlin schauen. Oft reicht ein Blick vor die Haustür, in den Stadtrat, in die Ortsbeiräte um die Ecke. Genau dort entsteht Politik, die die Menschen im Alltag betrifft. Doch wer berichtet darüber? Wer schaut den Verantwortlichen auf die Finger? Und wer macht Themen sichtbar, die sonst kaum jemand bemerken würde?” Darüber sprechen die “Medienversteher” Tanjev Schultz und Markus Wolsiffer mit Dennis Rink, dem Chefredakteur Rheinland-Pfalz VRM (“Allgemeine Zeitung” und “Wormser Zeitung”).

5. Wie gefährlich ist Social Media für Kinder, Herr Korte?
(youtube.com, Alexander Armbruster & Carsten Knop, Audio: 33:37 Miniten)
Im “FAZ”-Podcast “Digitalwirtschaft” fordert der Neurobiologe Martin Korte ein klares Alterslimit für Soziale Medien und unterstützt die Verbotspläne der EU. Bei Kindern unter zwölf Jahren zeige die Bildschirmzeit ausschließlich negative Effekte auf Sprachkompetenz und Gefühlsverarbeitung. Zudem sei das jugendliche Gehirn in der Pubertät durch den Umbau des Stirnlappens extrem anfällig für digitale Suchtreize. Plattformen wie TikTok oder Instagram würden ihre Produkte bewusst so designen, dass das Belohnungssystem getriggert werde. Korte plädiert neben einer strikten Alterszulassung für Software vor allem für die Vorbildfunktion der Eltern.

6. Hermine trifft Jesse Pinkman: Deutsche Stimmen im Talk
(youtube.com, Charles Rettinghaus, Video: 1:04:44 Stunden)
Im Podcast “Hollywoodgeflüster” von Charles Rettinghaus machen die Synchronsprecher Gabrielle Pietermann (deutsche Stimme von Emma Watson/Hermine, Selena Gomez, Emilia Clarke) und Marcel Collé (deutsche Stimme von Ashton Kutcher, Aaron Paul/Jesse Pinkman) Front gegen die umstrittenen KI-Klauseln von Streaming-Giganten wie Netflix. Collé stellt klar, dass es für ihn “keine angemessene Vergütung gibt, sich selbst abzuschaffen”, und lobt die aktuelle Haltung und den Zusammenhalt innerhalb der Sprechergemeinschaft, die das Unterschreiben dieser Verträge größtenteils verweigere. Neben der Branchenpolitik geht es in der Episode auch um die Anfänge der beiden im Studio sowie um skurrile Anekdoten um “Harry Potter” und “Two and a Half Men”.

“Das Versagen von Nius”, Informationsfreiheit, Sportmarkt

1. Mordfall Stade: Das Versagen von NiUS
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 11:07 Minuten)
Nach dem Sechsfachmord in Stade steht das rechtspopulistische Portal “Nius” wegen einer folgenschweren Identitätsverwechslung in der Kritik. Wie Mats Schönauer auf seinem YouTube-Kanal berichtet, habe die Redaktion um Julian Reichelt eine völlig unbeteiligte Frau fälschlicherweise der Mittäterschaft und Fluchthilfe bezichtigt. Aufgrund detaillierter persönlicher Angaben im Artikel wurde die Betroffene im Netz sofort identifiziert und (befeuert von AfD-Politikern) Opfer einer digitalen Hetzjagd.
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

2. BVG muss rechspopulistische Werbung dulden
(taz.de)
Das Berliner Verwaltungsgericht habe im Eilverfahren entschieden, dass die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) die Werbung des rechtspopulistischen Portals “Nius” wieder zulassen müssen. Das Medium habe einen Anspruch auf diskriminierungsfreien Zugang zu den Werbeflächen. Die BVG habe die Kampagne im Juni gestoppt, nachdem “Nius”-Chef Julian Reichelt ein mögliches Werbemotiv mit dem Slogan “Wir werden immer beliebter bei sämtlichen beiden Geschlechtern” veröffentlicht habe, was die Verkehrsbetriebe als “offensichtlich rechtswidrig” eingestuft hätten. Dem widersprach das Gericht: Das Motiv sei von der Meinungs- und Pressefreiheit gedeckt. Auch von der BVG angeführte Sicherheitsbedenken wegen drohender Proteste und Sachbeschädigungen würden den Ausschluss nicht rechtfertigen.

3. Mehr als eine halbe Million Menschen wollen Informationsfreiheit retten
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Die Pläne der schwarz-roten Bundesregierung, das Informationsfreiheitsgesetz drastisch einzuschränken, würden auf massiven Widerstand stoßen. Eine Petition von “FragDenStaat” habe innerhalb einer Woche über eine halbe Million Unterzeichnerinnen und Unterzeichner einsammeln können. Zudem hätten sich mehr als 120 zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, gegen das Vorhaben positioniert. Auch aus der SPD-Bundestagsfraktion komme parteiinterner Gegenwind.

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4. Springer Exposed
(youtube.com, Der dunkle Parabelritter, Video: 44:20 Minuten)
Der “dunkle Parabelritter” beschäftigt sich in seinem Video mit der Geschichte von Axel Springer: “Wir sprechen über Erfolge, Skandale und Kontroversen, vom Kampf gegen die 68er über den Reichelt-Skandal bis zur Digitalisierung des Unternehmens. Im Mittelpunkt steht außerdem Mathias Döpfner. Wie groß ist sein Einfluss wirklich? Wie viel Macht hat Axel Springer über Politik und öffentliche Debatten? Und was bedeutet das für unsere Demokratie?”

5. Gabor Steingart baut drittes Medienschiff und startet Finanz-Podcast mit KI-Stimm-Klon
(turi2.de, Björn Czieslik)
Wie Björn Czieslik berichtet, investiere das Digitalmedienhaus “Media Pioneer” von Gabor Steingart mehr als 40 Millionen Euro in ein drittes Medienschiff. Die “Pioneer Three” solle mit einer Länge von 80 Metern und Platz für bis zu 400 Gäste in Frankfurt am Main vor Anker gehen, um das wirtschafts- und finanzjournalistische Angebot der Marke auszubauen. Außerdem habe das Medienhaus den börsentäglichen Podcast “Frontrunners” gestartet, der von einem KI-trainierten Stimmdouble Steingarts gesprochen werde.

6. DAZN hat den Sport-Markt verändert. Muss sich jetzt DAZN verändern?
(dwdl.de, Alexander Krei)
Der Sport-Streamingdienst DAZN feiere sein zehnjähriges Bestehen auf dem deutschen Markt. Was als Wagnis mit internationalen Fußball-Nischenrechten begann, habe sich zu einem etablierten, finanzstarken Milliarden-Player entwickelt. Entgegen anfänglicher Skepsis und trotz herber Rückschläge wie der Corona-Pandemie schreibe DAZN in Deutschland seit 2024 schwarze Zahlen und rechne auch für 2026 mit signifikanten Gewinnen. 2027 stehe jedoch ein radikaler Umbruch bevor, da sich Rechte und geografischer Fokus verschöben.

Pressefreiheit auch für Rechte, Schweigen im Podcast, Peinliche KI

1. Pressefreiheit gilt auch für Rechte
(taz.de, Leon Holly)
Leon Holly verurteilt in seinem Kommentar die körperlichen Angriffe von Demonstranten auf Reporter des rechten Portals “Apollo News”. Das Treten und Bepöbeln von Medienvertretern am Rande einer öffentlichen Veranstaltung verletze die Pressefreiheit, die unabhängig von politischen Positionen gelten müsse. Die Rechtfertigung des Aktionsbündnisses “Widersetzen”, “Faschist:innen mit Presseausweis” seien nicht willkommen, sei in diesem Kontext irrelevant. Zum Gesamtbild des Wochenendes gehöre allerdings auch eine exzessive Polizeigewalt.

2. Wann wird Schweigen im Pod­cast zum Sorg­faltspf­licht­pro­blem?
(lto.de, Wolfgang Schulz)
Ein Hinweisschreiben der Landesmedienanstalt NRW an den Podcaster Ben Berndt (“ungeskriptet”) wegen einer Aussage in einem vierstündigen Interview mit dem AfD-Politiker Björn Höcke sorgt seit ein paar Tagen für eine Debatte über journalistische Sorgfaltspflichten. Medienrechtler Wolfgang Schulz ordnet den Fall juristisch ein. Sein Fazit: “Am Ende könnten alle etwas gewonnen haben: Berndt die Aufmerksamkeit, die Landesmedienanstalt die Bestätigung ihrer Zuständigkeit und die Signalwirkung und schließlich das Medienrecht eine Antwort auf die Frage, wie viel Sorgfalt ein sehr langes Kaffee-Gespräch braucht.”

3. Pläne der Bundesregierung führen zu weniger Transparenz und mehr Bürokratie
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
Die Kritik an den Plänen zur Einschränkung des Informationsfreiheitsgesetzes weite sich massiv aus. In einer gemeinsamen Erklärung warne nun auch die Konferenz der Informationsfreiheitsbeauftragten von Bund und Ländern vor einer faktischen Abschaffung des freien Informationszugangs. Das Argument der Bundesregierung, die Reform baue Bürokratie ab, würden die Behörden entschieden zurückweisen. Die Koppelung von Anfragen an ein nachzuweisendes “berechtigtes Interesse” sowie die Einschränkung der Antragsberechtigung würden der Verwaltung im Gegenteil zusätzliche Prüfungspflichten auferlegen.

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4. “Die Medien schießen sich selbst ins Knie”
(mdr.de, René Martens)
In der aktuellen Ausgabe der kritischen Medienkolumne “Altpapier” hat sich René Martens die TV-Berichterstattung über Israel, Gaza und den Libanon vorgenommen. Sein Urteil: “Die Israel-Berichterstattung in den deutschen Abendnachrichten – um bei El-Gawharys Wortwahl zu bleiben – ist von der Weltspitze noch weiter entfernt als der deutsche Fußball. Die Nagelsmänner der deutschen Abendnachrichten sind, anders als Bundestrainer, allerdings unantastbar.”

5. Wie Hollywood das Bild einer Nation erfand
(deutschlandfunkkultur.de, Susanne Burg & Dominik Graf & Elisabeth Bronfen, Audio: 40:46 Minuten)
Am 4. Juli haben die USA den 250. Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung gefeiert. Deutschlandfunk Kultur schaut auf einen speziellen Aspekt der US-amerikanischen Kultur, die Entwicklung zum größten Filmlieferanten der Erde: “Wie ist dieses Filmamerika entstanden? Welche Mythen hat Hollywood geschaffen? Welche Vorstellungen von Freiheit, Demokratie und dem amerikanischen Traum stecken in diesen Bildern? Und was ist von ihnen geblieben zweihundertfünfzig Jahre nach der Gründung?”

6. “Ich sollte da gestorben haben”: Amazon löscht peinliche KI-Synchro
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Amazon habe den Film “Deadly Patient – Tödlicher Patient” nach einer Welle von Spott und Hohn in den Sozialen Medien von seiner Streamingplattform Prime Video entfernt. Nutzerinnen und Nutzer hätten sich auf TikTok und Instagram zuvor massiv über die offensichtlich KI-generierte deutsche Synchronisation amüsiert. Laut Medienberichten sei die Tonspur nicht von Amazon selbst beauftragt worden, sondern vermutlich ungeprüft über das Self-Publishing-Programm auf die Plattform gelangt.

Döpfner und eine Ansage?, “Das System Nius”, KI-Verordnung

1. Mathias Döpfner: Ärger um angebliche AfD-Ansage von ihm an Friedrich Merz
(spiegel.de)
Ein Podcast des “Redaktionsnetzwerk Deutschland” (“RND”) lege nahe, dass Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner Bundeskanzler Friedrich Merz in einem Vieraugengespräch zu einer Zusammenarbeit mit der AfD habe drängen wollen. Merz habe strikt abgelehnt, woraufhin Döpfner im Hinausgehen gesagt haben soll: “Das werden Sie noch bereuen.” In der ersten Folge von “Wenn Sie wüssten…” würden sich der Dokumentarfilmer Stephan Lamby und “RND”-Chefredakteurin Eva Quadbeck auf gut informierte Personen und weitere Indizien berufen. Springer weise die Darstellung als “glatte Lüge” zurück und spreche von einer gezielten Rufmordkampagne. Auch der Vizeregierungssprecher bezeichne das Ganze als “absurde Gerüchte”.

2. Das System Nius – hauptsache gegen “links” 
(belltower.news, Kira Ayyadi)
Kira Ayyadi argumentiert, dass sich die Kampagnen-Plattform “Nius” von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt trotz anhaltender Millionenverluste nicht an klassischen Medienkennzahlen messen lasse, sondern an politischem Einfluss. Hauptfinanzier Frank Gotthardt habe laut Branchenschätzungen bereits rund 50 Millionen Euro in das Projekt gesteckt. “Nius” produziere eine emotionalisierte Gegenöffentlichkeit gegen eine angeblich übermächtige “Kulturlinke” und richte sich gezielt an ein konservatives Publikum, das es zu einer härteren Linie dränge. Damit übernehme das Portal laut Ayyadi eine Scharnierfunktion, die die Grenze zwischen Union und AfD rhetorisch aufweiche.

3. Droht ein Verbot von Indymedia?
(taz.de, Christian Rath)
Die Innenministerkonferenz dränge in einem einstimmigen Beschluss von Ende Juni auf ein Verbot der linksradikalen Website de.indymedia.org. Dafür zuständig wäre Bundesinnenminister Alexander Dobrindt. Die seit 2001 bestehende Plattform habe keine Redaktion und werde vor allem von linksradikalen Gruppen genutzt. Der Verfassungsschutz stufe sie seit 2022 als gesichert linksextremistisch ein. Christian Rath kommentiert: “Eigentlich ist de.indymedia.org für die Sicherheitsbehörden aber vor allem praktisch. An einem Ort können sie alle relevanten linksradikalen Aktionen und Debatten beobachten. Dennoch ist ein Verbot nicht völlig ausgeschlossen.”

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4. Urteil zur SZ-Berichterstattung über Konstantin Wecker
(sueddeutsche.de, Meredith Haaf)
Wie die “Süddeutsche Zeitung” in eigener Sache berichtet, habe der Liedermacher Konstantin Wecker eine einstweilige Verfügung gegen das Blatt erwirkt, die den Beitrag “Weckers vergessene Frauen” betreffe. Die Redaktion habe den Text, in dem drei Frauen sexuelle Erfahrungen aus sehr jungem Alter mit dem Sänger schildern würden, vorübergehend depubliziert. Weckers Argumentation, er könne sich nicht erinnern und daher nicht Stellung nehmen, sei das Gericht nicht gefolgt, habe aber das öffentliche Informationsinteresse verneint. Die “SZ” habe Berufung beim Kammergericht eingelegt.

5. Was gilt für Deep­fakes & Co?
(lto.de, Kristina Schreiber)
Kristina Schreiber erläutert, dass ab dem 2. August die Transparenzpflichten des Artikels 50 der KI-Verordnung greifen sollen, deren Einhaltung sich oft mit bloßem Auge prüfen lasse, weshalb rasch mit Abmahnungen und empfindlichen Bußgeldern zu rechnen sei. Betreiber wie Agenturen oder Verlage müssten dann KI-generierte oder manipulierte Deepfakes klar kennzeichnen. Nach dem begleitenden Code of Practice reiche ein Hinweis in der Bildunterschrift nicht, das Label müsse unmittelbar in Bild oder Video eingebettet sein. Für erkennbar künstlerische, satirische oder fiktionale Werke gelte eine abgeschwächte Pflicht.

6. Rätselraten um verschwundenen WM-Song
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
Ein vollständig mit Künstlicher Intelligenz erzeugter, drastisch vulgärer Schlagersong der erfundenen Kunstfigur “Margot Huber” habe sich während der Fußball-WM der Männer zur inoffiziellen Hymne entwickelt und Millionen Aufrufe gesammelt. Nun sei er plötzlich von allen Plattformen verschwunden. Der Text besinge Nationalspieler wie Nick Woltemade in einem sexuellen Kontext. Der DFB zeige sich schockiert, sehe darin keine zulässige Satire und halte sich rechtliche Schritte offen. Medienrechtsanwalt Christian Solmecke halte den Text für wahrscheinlich justiziabel und betone, dass stets der Mensch hafte, der das Werk veröffentlicht.

7. Dieter Nuhr und die Meinungsfreiheit
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:34 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: In einer seiner vergangenen Sendungen von “Nuhr im Ersten” habe Dieter Nuhr in seinem Stand-up in einer Art über Frauenmorde gesprochen, die viele als geschmacklos empfanden, als Verhöhnung der Opfer. Besonders in den Sozialen Medien hagelte es Kritik. Die österreichische Zeitung “Der Standard” kritisierte Nuhr dafür, Witze über Femizide zu machen. Daraufhin verlangte Nuhrs Produktionsfirma, den Kommentar des “Standard” zu löschen. Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator den Fall.

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