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Medien-Deal in der Türkei, Drogen im Berghain im “Spiegel”, Zusteller

1. Ein Deal, der Erdogan freuen dürfte
(sueddeutsche.de, Christiane Schlötzer)
In der Türkei soll es eine spektakuläre Übernahme geben: die größte Tageszeitung des Landes “Hürriyet”, der TV-Nachrichtenkanal “CNN Türk” sowie weitere Medien des durchaus Erdogan-kritischen Dogan-Konzerns werden vermutlich den Besitzer wechseln. Der neue Eigentümer, die Demirören-Gruppe, “gilt als wesentlich regierungsfreundlicher, ja als geradezu lammfromm”, schreibt Christiane Schlötzer: Diese Übernahme “dürfte politische Folgen haben.”

2. Der Skandal hinter dem Skandal – Facebook, Cambridge Analytica und die hohe Kunst der Manipulation
(eaid-berlin.de, Peter Schaar)
Peter Schaar, einst Bundesbeauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit, zu den aktuellen Entwicklungen rund um Facebook und “Cambridge Analytica”: “Es geht hier um weitaus mehr als um die Aufklärung des aktuellen ‘Cambridge-Facebook-Skandals’. Vielmehr müssen wir darüber diskutieren, wie viel Datenmacht akzeptabel ist, wie digitale Geschäftsmodelle gestaltet werden und wie dem Datenmachtmissbrauch vorgebeugt werden kann. Umfangreiche Datensammlungen und Mikro-Targeting eröffnen Manipulationsmöglichkeiten und können Ungleichbehandlung und diskriminierende Praktiken verstärken.”

3. Bonn – Berlin – Bannas
(faz.net, Günter Bannas)
Vier Jahrzehnte lang begleitete Günter Bannas als Journalist die deutsche Politik, erst in Bonn, dann in Berlin. Vorgestern wurde der “FAZ”-Korrespondent in den Ruhestand verabschiedet, auch von Angela Merkel, von Olaf Scholz und Horst Seehofer, von mehreren Bundesministern, die alle zur Feier kamen. Vor seinem Renteneintritt hat Bannas noch einmal viele Erinnerungen aufgeschrieben, unter anderem: bitterkaltes Warten auf Koalitionsergebnisse, bei der Fußball-WM mit Helmut Kohl, Politiker-Rücktritte während des Karnevals.

4. Ja, hier wird konsumiert
(taz.de, Laura Ewert)
Im aktuellen “Spiegel” ist ein langer Text von Alexander Osang erschienen, in dem er über den Drogentod einer Frau schreibt, die im Berliner Club Berghain zwei Ecstasy-Pillen eingeworfen hat. Laura Ewert findet, Osang und der “Spiegel” treiben “die Empörungssau durchs Dorf”: “Aber wenn Drogenberichterstattung nicht auf Aufklärung bedacht ist, sondern auf größtmögliche Emotion, wird sie Konsumenten nicht dazu bringen, zunächst mit einer Viertel-Pille zu starten, sondern befeuert die Attraktivität des Verbotenen. Der Reporter hat also eine ähnliche Verantwortung wie der Clubbetreiber.” Bei “Übermedien” ist der Berghain-Artikel ebenfalls Thema (Text aktuell nur für Abonnenten lesbar), allerdings mit einem anderen Fokus: Es geht um ein Zitat von Berlins Kultursenator Klaus Lederer, das dieser Osang so nicht gegeben haben will und wenn überhaupt in einem anderen Kontext. Bei “Vice” finden sie, dass im “Spiegel” “wichtige Details” untergehen.

5. Lügen, bestehlen, erpressen
(deutschlandfunk.de, Kai Rüsberg)
Um Journalisten und Medien in und bei Sozialen Netzwerken zu diskreditieren, lassen sich Trolle mitunter perfide Strategien einfallen: Sie kopieren beispielsweise Fotos, die Journalisten selbst gemacht und getwittert haben, und melden dann, dass diese Journalisten die Fotos geklaut hätten. Die Netzwerkbetreiber leiten in solchen Fällen gerne mal Verfahren wegen Urheberrechtsverletzungen ein, bei denen die Beschuldigten ihre Namen und Adressen rausrücken müssen. Kai Rüsberg hat sich diese Vorgänge angeschaut.

6. Zusteller: GroKo will Rentenbeiträge kürzen
(ndr.de, Hendrik Maaßen, Video, 6:20 Minuten)
Zeitungszusteller haben einen harten Job: wahnsinnig früh aufstehen, unterwegs sein bei Regen und Sturm, keine tolle Bezahlung. Immerhin: Inzwischen gilt auch für sie der Mindestlohn. Nun soll laut Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung allerdings für die Minijobber unter den Zustellern der Beitrag zur Rentenversicherung, den die Arbeitgeber zahlen müssen, von 15 auf fünf Prozent gesenkt werden. Hendrik Maaßen hat bei Union und SPD nachgefragt, ob es sich dabei um ein Geschenk an die Verlage handelt. Statt Antworten hat er, wenn überhaupt, Schuldzuweisungen Richtung Koalitionspartner erhalten.

Julian Reichelt und der rechte Hetz-Account (2)

Wir müssen noch mal über den Twitter-Account @DoraGezwitscher sprechen, den “Bild”-Chef Julian Reichelt vergangene Woche retweetet hat. Das Schlimme war gar nicht, dass Reichelt Inhalte eines Accounts verbreitet, der immer wieder lügt, hetzt, desinformiert und Stimmung gegen Ausländer macht. Das kann im Twittertempo mal passieren. Erschreckend war, wie Reichelt auf die Kritik daran reagierte: Am Ende forderte er Beweise, dass hinter @DoraGezwitscher ein “professionell organisiertes, rechtsextremes Netzwerk” steckt — kleiner geht es bei ihm nicht, bevor er zugeben könnte, dass es sich um einen ganz üblen Twitteraccount handelt.

Ob die Person (oder die Gruppe) hinter @DoraGezwitscher rechtsextrem, rechtsradikal oder Teil eines organisierten Netzwerks ist, können wir auch nicht sagen. Wir wollen Julian Reichelt aber doch noch einmal zeigen, was für eklige Inhalte in diesem Kanal auftauchen. Alle Beispiel in diesem Beitrag stammen aus 2018.

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Der schreckliche Tod der 14-jährigen Keira in Berlin war auch bei @DoraGezwitscher Thema. Dort war zu lesen:

Screenshot eines Tweets von Dora Gezwitscher - Zitat: Anwohner hätten von einem lauten Streit und Türenschlagen berichtet. Zwei weitere Augenzeugen haben einen arabisch aussehenden Mann aus der Wohnung laufen sehen.

Auf Nachfrage, woher diese Behauptung stamme, antwortet @DoraGezwitscher mit einem Link zu einem “Bild plus”-Text. In diesem Artikel steht allerdings gar nichts von einem “arabisch aussehenden Mann”. Stattdessen:

Doch Keira hörte nicht auf ihn. Gegen 15 Uhr schick­te sie ihrem Kum­pel noch ein Sel­fie von sich und ihrem Date per Snap­chat. “Das muss auf ihrem Heim­weg ge­we­sen sein. Der Weg von der Stra­ßen­bahn zu ihrer Wohnung”, sagt er.

Bei Snap­chat wer­den Fotos nicht ge­spei­chert. “Wenn ich ge­wusst hätte, was pas­siert, hätte ich einen Screen­shot gemacht”, so der Be­kann­te. Er kann­te den Ju­gend­li­chen nicht. “Er trug einen blau­en Ka­pu­zen­pul­li mit Ni­ke-Auf­schrift, war einen Kopf grö­ßer als Keira, hatte kurze dun­kel­blon­de Haare und trug eine Bril­le ohne Rah­men”, er­in­nert er sich.

Inzwischen ist bekannt, dass der geständige Täter Deutscher ist.

Das Zitat, das @DoraGezwitscher veröffentlicht hat, gibt es aber tatsächlich. Es stammt nicht von Bild.de, sondern von “Anonymous News”, einer grässlichen Hetzer-Seite mit aktuellen Artikeln wie “Spiel und Spaß in Auschwitz: Fußball und Bordellbesuche — Das andere Leben der KZ-Häftlinge”, “Kulturelle Bereicherung: Wie Muslime durch traditionellen Inzest unsere Gesellschaft belasten” oder “BRD-Gesinnungsjustiz: Deutscher erhält 10 Jahre für Silvester-Böller — IS-Mörder 22 Monate Bewährung” (mit dem “Böller”-Deutschen sind die Mitglieder der rechtsterroristischen “Gruppe Freital” gemeint).

Sie sehen, Julian Reichelt: Bei @DoraGezwitscher handelt es sich um einen Account, der auf Hetz-Portale zurückgreift, der Lügen verbreitet und mit diesen Lügen Stimmung gegen Ausländer machen will.

@DoraGezwitscher hat den Tweet inzwischen gelöscht.

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Ein weiteres großes Feindbild von @DoraGezwitscher: der öffentlich-rechtliche Rundfunk, speziell “Tagesschau” und “Tagesthemen”. Der Account twitterte unter anderem diese vermeintliche Enthüllung (ein paar Tage später noch einmal in ganz ähnlicher Form):

Screenshot eines Tweets von Dora Gezwitscher - Alternative Fakten gab es in der Politik schon immer. Wer die Wahlerfolge von Trump oder der Afd so rechtfertigt, versteht den Souverän nicht. Dieser Tagesthemen Kommentar wird neuerdings in der ARD Mediathek zensiert. Warum?

In dem 49-Sekunden-Video ist ein etwas kruder Zusammenschnitt eines “Tagesthemen”-Kommentars von Alois Theisen vom 10. November 2016 zu sehen. Mit Hilfe von Einblendungen behauptet @DoraGezwitscher, dass es “Zensur in der ARD Mediathek” gäbe. Theisen sagt in diesem Zusammenschnitt:

Das Zeitalter des Postfaktischen, es ist eine weitere hilflose Formel, hinter der sich nur eines verbirgt: Viele schlaue Welterklärer verstehen die Welt nicht mehr.

Dann erscheint eine “Tagesthemen”-Tafel, Theisen ist kurz nicht mehr zu hören und spricht dann weiter:

… biger Dummheit oder Borniertheit der Wähler gegenüber Fakten erklärt, der beweist für mich nur eines: eine unerträgliche Arroganz gegenüber dem Souverän im Staate, dem Volk, und damit auch gegenüber den Wählern und deren Vernunft.

Das soll laut Einblendung die “zensierte Version” gewesen sein. Direkt im Anschluss kommt laut @DoraGezwitscher Theisens “Originalkommentar”:

Wer den Wahlsieg von Donald Trump, das Votum der Briten für den Brexit und die Erfolge der AfD in Deutschland mit gutgläubiger Dummheit oder Borniertheit der Wähler gegenüber Fakten erklärt, der beweist für mich nur eines: eine unerträgliche Arroganz gegenüber dem Souverän im Staate, dem Volk, und damit auch gegenüber den Wählern und deren Vernunft.

Die ARD soll also wohl den Teil “Wer den Wahlsieg von Donald Trump, das Votum der Briten für den Brexit und die Erfolge der AfD in Deutschland mit gutgläubiger” rausgeschnitten haben.

Die “Tagesthemen”-Ausgabe von damals ist bei tagesschau.de noch online abrufbar. Moderatorin Pinar Atalay kündigt den Kommentar (ab Minute 14:43) mit den Worten an: “Donald Trump und den Siegeszug des Populismus kommentiert jetzt Alois Theisen vom ‘Hessischen Rundfunk'”. Und Theisen sagt dann:

Leben wir tatsächlich im Zeitalter der Lüge, wie man den vornehmer klingenden Begriff der Ära des Postfaktischen übersetzen könnte? Ich denke, es ist nur der hilflose und untaugliche Versuch, die sich häufenden unerwarteten Wahlentscheidungen zu erklären. Warum sollten sich Wähler heute leichter belügen lassen als früher? Verfügen wir nicht über mehr Informationsquellen als je zuvor? Und noch nie wurden Aussagen von Politikern so häufig und von verschiedenen Seiten überprüft wie heute.

Nein, Lügen gab es in der Politik wie im Privaten zu allen Zeiten. Wer anderes behauptet, verklärt nur die angeblich gute alte Zeit. Wer den Wahlsieg von Donald Trump, das Votum der Briten für den Brexit und die Erfolge der AfD in Deutschland mit gutgläubiger Dummheit oder Borniertheit der Wähler gegenüber Fakten erklärt, der beweist für mich nur eines: eine unerträgliche Arroganz gegenüber dem Souverän im Staate, dem Volk, und damit auch gegenüber den Wählern und deren Vernunft.

Die politischen Verhältnisse entwickeln sich vielleicht anders, als es manche Meinungsmacher gerne hätten. Aber womöglich leben sie selbst im Zeitalter des Postfaktischen, sehen und verstehen die entscheidenden Fakten nicht, unter denen die Wähler leben und arbeiten. Und auch nicht ihre Sorgen, Ängste und manchmal auch Panik vor dem rasanten Wandel in der Welt.

Mit Ängsten und Stimmungen wurde auch schon immer Politik gemacht, mit der vor der Atomenergie zum Beispiel. Was dort billig war, sollte auf der anderen Seite nicht falsch sein. Das Zeitalter des Postfaktischen, es ist eine weitere hilflose Formel, hinter der sich nur eines verbirgt: Viele schlaue Welterklärer verstehen die Welt nicht mehr.

Keinerlei Zensur, alles noch drin.

Der Tweet von @DoraGezwitscher ist das, was man völlig zurecht “Fake News” nennen kann: eine bewusste Lüge, um eine Agenda zu verfolgen.

Als Sie, Julian Reichelt, und Ihr Team vor Kurzem auf die “Titanic” reingefallen sind, schrieben Sie unter anderem:

Meine Meinung: Natürlich darf Satire so etwas, aber sie versucht sich hier zu profilieren, indem sie journalistische Arbeit bewusst zu diskreditieren versucht.

Die Tweets von @DoraGezwitscher sind zwar keine Satire, aber die Person hinter dem Account “versucht sich hier zu profilieren, indem sie journalistische Arbeit bewusst zu diskreditieren versucht.”

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@DoraGezwitscher schießt mit unlauteren Mitteln nicht nur gegen Gruppen und TV-Sendungen, sondern auch gegen Einzelpersonen.

Der Account hat zum Beispiel diesen kurzen Videozusammenschnitt über die Rapperin Sookee veröffentlicht:

Screenshot eines Tweets von Dora Gezwitscher - Die ZDF Expertin gegen Hatespeech Sookee im Interview mit MC Bogy:

Schaut man sich das 14-sekündige Video an, sieht man, dass nicht Sookee sagt “Schieß auf AfD-Wähler mit Hohlmantelgeschossen”, sondern der von ihr interviewte MC Bogy, der damit einen seiner Texte zitiert.

Anderes Beispiel: Über Journalist Fiete Stegers schreibt @DoraGezwitscher:

Screenshot eines Tweets von Dora Gezwitscher - Der Faktenfinder Fiete Stegers retweetet einen Politiker der Linkspartei und wiederholt dessen Liebeserklärung: Danke, liebe Antifa!

Erstens: Stegers war früher beim ARD-“Faktenfinder”, wie man auch in dem Screenshot von @DoraGezwitscher lesen kann. Und zweitens: Das “Danke, liebe Antifa” ist keine Liebesbekundung an die “Antifa”, sondern das Zitat eines “Tagesspiegel”-Artikels, der exakt mit diesen Worten überschrieben ist.

Und noch ein Beispiel, das zeigt, wie verzweifelt @DoraGezwitscher nach Schmutz sucht, den man auf Mitarbeiter des ARD-“Faktenfinders” werfen kann:

Screenshot eines Tweets von Dora Gezwitscher - Der Faktenfinder Chef Patrick Gensing diskriminiert spastisch behinderte Menschen, indem er Spacko als Schimpfwort benutzt. Bitte nicht retweeten. Sonst kommen Niggi und das Team Gensing
Screenshot des Tweets von Patrick Gensing, den Dora Gezwitscher kommentiert - Sagt den Spacken uns geht es prima vielleicht sieht man sich mal wieder. Aber nicht in diesem Leben

Bei dem Text, den Patrick Gensing getwittert hat, handelt es sich um eine Passage aus einem Song der Band “Rantanplan”. Und noch viel wichtiger: “Spacken” hat nichts mit “spastisch behinderten Menschen” zu tun, wie @DoraGezwitscher behauptet. Es bedeutet “dumme Menschen”.

Sie sehen, Julian Reichelt: @DoraGezwitscher verdreht, verbiegt, verschweigt Kontexte, desinformiert.

Den Tweet zu Patrick Gensing hat @DoraGezwitscher inzwischen gelöscht.

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@DoraGezwitscher bezeichnet Deniz Yücel als Rassisten:

Screenshot eines Tweets von Dora Gezwitscher - Der rassistische Satiriker #DenizYuecel wird vom #Bundestag gefeiert, der rassistische Satiriker Uwe Osterag wurde zu 22 Monaten Gefängnis verurteilt.

Sie sehen, Julian Reichelt: @DoraGezwitscher beteiligt sich an der stramm rechten Stimmungsmache gegen Ihren Kollegen bei “Springer”.

“Bild” will “‘Bild’-Girl” anziehen. Den “Bild”-Sexismus beendet das nicht

Es gibt heute eine ganz gute Nachricht im Zusammenhang mit der “Bild”-Zeitung. Und sie kommt auch noch von der “Bild”-Redaktion selbst:

Ausriss Bild-Zeitung - Das ist neu bei den Bild-Girls - Männer, ihr müsst jetzt ganz stark sein!

Liebe BILD-Leserinnen und -Leser,

mit der BILD-Ausgabe vom 12.03.2018 endet eine Ära, die über Jahrzehnte Boulevardzeitungen (nicht nur BILD) geprägt hat: Wir verabschieden uns von dem, was ganz früher mal “Mieze” hieß (heute undenkbar) und seit zehn Jahren BILD-Girl.

Wir werden keine eigenen Oben-ohne-Produktionen von Frauen mehr zeigen.

Man habe “zunehmend” das Gefühl, “dass viele Frauen diese Bilder als kränkend oder herabwürdigend empfinden, sowohl bei uns in der Redaktion, aber auch unter unseren Leserinnen”:

Aber natürlich dienen diese Fotos einem Hauptzweck. Sie sollen unterhalten, und zwar meistens Männer. Wir bei BILD glauben nicht, dass die Unterhaltung von Männern die Kränkung von Frauen in Kauf nehmen sollte (und natürlich auch nicht umgekehrt).

Ein wichtiges Wort fehlt in diesem Absatz natürlich: mehr. Die bei “Bild” glauben nicht mehr, “dass die Unterhaltung von Männern die Kränkung von Frauen in Kauf nehmen sollte”. Die ganzen letzten Jahre und Jahrzehnte war das offensichtlich kein Problem. Die ganzen letzten Jahre und Jahrzehnte hat “Bild” Frauen gekränkt, um Männer zu unterhalten.

Das “‘Bild’-Girl” wird es weiterhin geben, nun eben in Dessous oder sonst wie angezogen. Und es werden auch ganz sicher in Zukunft Oben-ohne-Fotos in “Bild” zu sehen sein. Die Redaktion hat sich gleich zwei Hinterscheunentore offen gehalten: Die Aussage, dass man “keine eigenen Oben-ohne-Produktionen” mehr zeigen wolle, lässt selbstverständlich die Möglichkeit zu, “Oben-ohne-Produktionen” von irgendjemandem sonst einzukaufen und zu drucken. Außerdem nennt “Bild” auch eine ganz konkrete Ausnahme:

Es gibt aber auch die Nackt-Fotos, über die das Land spricht. Kati Witt im “Playboy” war so ein Beispiel. Diese Bilder gehören auch weiter in BILD.

Es wird auf jeden Fall interessant zu beobachten, ob die “Bild”-Mitarbeiter sich auch in Zukunft wie wild auf jeden “Busen-Blitzer” von Schauspielerinnen beim Aussteigen aus dem Taxi stürzen oder Fotos verwenden werden, bei denen Paparazzi Frauen im Bikini ungeniert in den Intimbereich fotografiert haben.

Und was bringt das Anziehen der “‘Bild’-Girls” überhaupt? Der “Bild”-Sexismus steckt nicht im Offensichtlichen. Das häufige Reduzieren von Frauen auf ihr Äußeres ist unter anderem das Schlimme. Hope Hicks war “die schöne Sprecherin” von Donald Trump. Nicht die begabte oder unbegabte, die geschickte oder ungeschickte. Leonie Frank ist die “schöne Anwältin”. Nicht die fähige oder unfähige, die trickreiche oder plumpe. Ihre männlichen Kollegen können noch so schön oder hässlich sein — sie werden von “Bild” nach ihrer Leistung und ihrem Können bewertet und nicht nach ihrem Aussehen.

Vor der Fußball-Europameisterschaft der Frauen zeigte Bild.de “die schönsten Seiten der Frauen-EM”:

Ausriss von Bild.de - Fußballerinnen privat bei Instagram - Das sind die schönsten Seiten der Frauen-EM

Die Fähigkeiten der Fußballerinnen? Völlig egal. Hauptsache: schöne Frauen.

So gilt schon immer bei “Bild”: Männer die Macher, Frauen die Objekte. Er der “Rap-Star”, sie die “Schönheit”:

Screenshot Bild.de - Lisa Volz und Casper - Rap-Star heiratet heimlich GNTM-Schönheit

Er “Sänger”, sie “Single”:

Single Garrn und Sänger Bourani beim Basketball - Das sagt Toni zum Tuschel-Foto

Besonders furchtbar: Dieses Reduzieren auf Körper und Aussehen macht die Redaktion auch schon bei minderjährigen Mädchen.

Die Initiative “StopBildSexism” hat vor einer Weile nachgeschaut, wie oft Männer und Frauen in den verschiedenen “Bild”-Themenbereichen vorkommen. Das traurige, aber wenig überraschende Ergebnis: Auf der Titelseite, in Politik und Wirtschaft sowie im Sport kommen Frauen deutlich seltener vor als Männer, im Bereich Unterhaltung ist es einigermaßen ausgeglichen, nur bei den nackt abgebildeten Personen sind Frauen in der Überzahl.

Nun gibt es bei den “Bild”-Medien ja einige Frauen in bedeutenden Positionen: Marion Horn ist Chefredakteurin bei “Bild am Sonntag”, Tanit Koch war bis vor Kurzem “Bild”-Chefredakteurin, Karina Mößbauer und Miriam Hollstein dürfen für “Bild” und “BamS” regelmäßig prominente Politiker interviewen. Wir hoffen, dass sie alle in diese Positionen gekommen sind, weil sie etwas (für den Boulevardbetrieb) Besonderes können und nicht weil sie als “die schöne Marion” oder “die schöne Tanit” oder “die schöne Karina” oder “die schöne Miriam” galten.

Was für ein Chaos

In der 1. Fußball-Bundesliga finden seit Kurzem auch montags Spiele statt. Vergangene Woche gab es die Premiere zwischen Eintracht Frankfurt und RB Leipzig, gestern am Abend spielten Borussia Dortmund und der FC Augsburg gegeneinander. Insgesamt sind fünf Montagsspiele in der laufenden Saison vorgesehen. Bei den “Bild”-Medien wissen sie nicht, ob das nun für “Chaos” sorgt oder nicht.

Vielen Fans gefallen die Montagsspiele jedenfalls gar nicht. Sie sehen die Auffächerung des Bundesliga-Spielplans als Symptom der zunehmenden Kommerzialisierung des Fußballs: Mehr Spiele an verschiedenen Tagen bringen mehr Übertragungsmöglichkeiten und damit mehr TV-Einnahmen. Außerdem mache es der Termin am Montagabend für sie schwerer, zu Auswärtsspielen ihrer Mannschaften zu fahren. Daher hatten Fangruppen schon im Vorfeld Proteste rund um die Montagsspiele angekündigt.

Vor der Partie Eintracht Frankfurt gegen RB Leipzig fragten “Bild am Sonntag” und Bild.de:

Ausriss Bild am Sonntag - Versinkt das erste Montagsspiel im Chaos?

Tat es nicht. Es gab in Frankfurt zwar ein Trillerpfeifenpfeifkonzert, Tennisbälle flogen auf den Platz, und einige Hundert Eintracht-Anhänger positionierten sich für einige Minuten im Stadioninnenraum hinter dem Tor. Das war aber jeweils angekündigt, alles blieb friedlich. Bei Bild.de stand noch am selben Abend:

Es war die Montags-Demo der Fans — ohne das befürchtete Chaos.

Und auch “Bild”-Sportchef Walter M. Straten kommentierte in Nachhinein:

Wer befürchtet hatte, dass das Frankfurt-Spiel im Chaos versinken und abgebrochen werden würde — der sah sich zum Glück getäuscht.

Gestern dann Montagsspiel Nummer zwei. Viele Dortmunder Fans entschieden sich dazu, aus Protest zu Hause zu bleiben. Das Stadion war nur zu zwei Dritteln gefüllt. Und bei Bild.de heißt es auf einmal:

Vor einer Woche gab es in Frankfurt noch Chaos und organisierten Platzsturm.

Mit Dank an Fabian für den Hinweis!

“Bild”s Schmutz-Kampagne, “SZ” embedded, “NZZ”-Tabakpropaganda

1. Verdacht ohne harten Beleg
(zeit.de, Kai Biermann und Karsten Polke-Majewski)
Die „Bild“-Zeitung hat angebliche Mails des Juso-Chefs Kevin Kühnert veröffentlicht, bei denen klar war, dass es sich um plumpe Fälschungen handelt (BILDblog berichtete). Die „Zeit“ greift den Fall nochmal auf und erteilt den Kollegen etwas kostenlose Nachhilfe: „Man sollte sich als Journalist schon sicher sein, wenn man einen Verdacht in die Welt setzt. Denn allein dadurch, dass man ihn ausspricht, unterstellt man, dass etwas dran sein könnte. Deshalb genügt es nicht, einen Vorwurf zu erheben und dann denjenigen zu Wort kommen zu lassen, gegen den sich der Verdacht richtet. Vielmehr braucht es starke Hinweise, dass sich der Vorwurf bestätigen könnte.“

2. Sigmar Gabriel, Deniz Yücel und die SZ
(medienblog.hypotheses.org, Michael Meyen)
Auf „Medienrealität“ gibt es Kritik am Interview der „SZ“ mit Außenminister Sigmar Gabriel: „Was dabei herausgekommen ist, liest sich so, als würde es die ganze Debatte um „embedded journalism“ nicht geben, um Reporter, die im Krieg zwar an vorderster Front dabei sein dürfen, aber dafür das zu schreiben haben, was die Kriegsherren in der Presse sehen wollen. Es gibt in dieser SZ-Geschichte das Wort Krieg nicht. Auch das Wort Völkerrecht fehlt. […] Die SZ dagegen spricht von „Spannungen in der Region“ und von einer „brisanten Lage“. Spannungen. Brisante Lage. Der Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga ist turbulenter.“

3. Eine schlechte Quote kann einen guten Film zum schlechten Film machen.
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
Jakob Buhre hat sich auf „Planet Interview“ mit Roland Suso Richter unterhalten, einem der meistbeschäftigten Regisseure im deutschen Fernsehen. Es geht unter anderem um Dreharbeiten ohne Proben, Krimi-Inflation, seine VHS-Sammlung, Experimente beim “Tatort” und seine Erfahrungen mit der Einschaltquote: „Nun, ich habe es erlebt, dass eine schlechte Quote einen guten Film im Nachhinein zum schlechten Film machen kann. Das war damals bei der „Bubi Scholz Story“ so. Noch vor der Ausstrahlung habe ich dafür den Bayerischen Fernsehpreis in der Kategorie „Regie“ bekommen, dann lief der Film in der ARD, hatte nur 3,6 Millionen Zuschauer, die Redakteure riefen „Oh Gott“ – und plötzlich hieß es „naja, man müsse überlegen, ob der Film denn wirklich so gut war“.

4. Ein zu Recht umstrittenes Medium! Fernsehkritik und demokratische Meinungsbildung in der Schweiz
(geschichtedergegenwart.ch, Lukas Nyffenegger)
Lukas Nyffenegger macht sich für die öffentlich-rechtlichen Medien in der Schweiz stark und wendet sich gegen die eidgenössische Volksinitiative „Ja zur Abschaffung der Radio- und Fernsehgebühren“ („No-Billag“): „Die Initia­tive zielt auf die Zerschla­gung und Priva­ti­sie­rung des öffent­li­chen Fern­se­hens und will die Lizenzen an die Meist­bie­tenden verstei­gern. Was droht, ist ein priva­ti­siertes Fern­sehen, das mehr der Logik eines Waren­hauses als dem Anspruch folgt, öffent­li­cher Ort demo­kra­ti­schen Streits zu sein.“

5. Die NZZ akzeptiert immer mehr Schleichwerbung
(infosperber.ch, Urs P. Gasche)
Wenn Sie in der letzten Zeit in der „NZZ“ gelesen haben, dass die Schweiz bei der Tabakwerbung „umdenken“ würde, handelte es sich höchstwahrscheinlich um einen von Zigaretten-Konzern Philip Morris bezahlten Beitrag. Zwar gibt es den Hinweis „sponsored content“, allerdings wird die Schleichpropaganda dem redaktionellen Teil „gestalterisch angepasst“, wie die „NZZ“ selbst zugibt.

6. Nein, in Mannheim werden Kameras keine Verbrecher am Gang erkennen
(motherboard.vice.com, Sebastian Meineck)
Die Stadt Mannheim will an einigen öffentlichen Plätzen Überwachungskameras installieren, denen in den Medien wahre Wunderdinge nachgesagt wurden. Dank der Auswertungssoftware würde Verdächtiges erkannt werden, dazu gehören bereits “hektische oder untypische Bewegungen, etwa ein Schlagen, Rennen oder Fallen”. Das sei jedoch „Quatsch“ wie ein Forscher vom Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) sagt, der die Software mitentwickelt hat.

AfD-Netzpolitik-Karaoke, Lob dem Lob, Unterirdischer Fernsehpreis

1. Karaoke im Landtag: Wie ein AfD-Politiker einen Artikel von uns als seine eigene Rede verkaufte
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
Im Schweriner Landtag hat ein AfD-Abgeordneter einen alten Artikel von netzpolitik.org vorgetragen und dabei so getan, als ob es seine eigenen Gedanken seien. Anscheinend, ohne auch nur annähernd zu wissen, wovon er da gerade spricht: „Er liest die komplette Rede ab — und zwar so, als würde er den Text zum ersten Mal sehen. Was der AfD-Politiker eigentlich sagen will, weiß er offenbar selbst nicht recht. Dem NDR sagt er später, er habe den Redeauftrag „kurzfristig“ übernommen — zwei Tage vorher. Ein Mitarbeiter habe den Text für ihn geschrieben. „Dumm gelaufen“ sei das.“

2. Tendenziöse Berichterstattung
(1ppm.de, Johannes Mirus)
Im „Spiegel“ erschien ein Artikel über Manipulation in der Marktforschung: “Wie Umfragen gefälscht und Kunden betrogen werden”
. Die Autoren hatten sich bei ihrer Recherche u.a. an den Unternehmensberater Johannes Mirus gewandt, der höchst unzufrieden damit ist, was der „Spiegel“ aus seinen Aussagen gemacht habe: „Leider nicht das erste Mal, dass ich mich als Stichwortgeber missbrauchen lasse, um Berichterstattung zu untermauern, die genau das Gegenteil von dem fördert, was ich für richtig halte. Ich muss dringend lernen, bei Gesprächen mit der Presse vorsichtiger zu werden und auch mal ein Gespräch abzulehnen bzw. zu beenden.“

3. Auf das Lob
(deutschlandfunk.de, Silke Burmester)
Silke Burmester ruft in ihrer Kolumne zum Lob auf: “Schreiben Sie mal eine Mail oder einen Brief an den Journalisten, die Journalistin, den oder die Sie am meisten schätzen. Schreiben Sie, rufen Sie an und sagen Sie, wie wichtig Ihnen diese Arbeit ist, wie fröhlich Sie diese macht oder wie sehr sie Sie berührt. Sagen Sie, was man einem Menschen sagt, der Aufmunterung vertragen kann.”

4. Ach Gottchen, RB Leipzig
(journalist-magazin.de, Matthias Daniel)
„Ach Gottchen, RB Leipzig“ seufzt „journalist“-Chefredakteur Matthias Daniel und meint damit die Autorisierungspraxis des Fußballclubs. Diese habe ein tolles Interview mit Ralf Rangnick, dem Sportdirektor des Fußballklubs RB Leipzig, kaputt gemacht. Daniel: „Das ganze Ärgernis Autorisierung fängt ja schon damit an, dass in der Regel gar nicht mehr der Gesprächspartner selbst sein Interview autorisiert, sondern PR-Berater oder Pressestellen schrauben an den Manuskripten herum, bis alles Lebendige herausgequetscht ist.“

5. Kritik am Königshaus ist tabu
(de.ejo-online.eu, Johanna Mack)
Es ist schlecht bestellt um die Pressefreiheit in Jordanien. Laut Verfassung herrscht in Jordanien Meinungs- und Redefreiheit. Dennoch könnten Journalisten wegen ihrer Aussagen verhaftet und sogar vor ein Militärgericht gestellt werden. Besonders empfindlich ist man, wenn es um das Königshaus geht: Kritik an der königlichen Familie sowie „die Verletzung arabisch-islamischer Werte“ seien verboten. Auch Berichte über Korruption würden mit hohen Geldstrafen geahndet werden können.

6. Reschke: “Froh, dass der Fernsehpreis nicht übertragen wurde”
(ndr.de, Anja Reschke, Video, 3:06 Minuten)
Anja Reschke mit einem Video-Kommentar über die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises. Es ist einfach nur … Ach, seht selbst …

Hier treffen Sie Julian Reichelt: Wo er isst! Wo er feiert! Wo er wohnt!

Die Überschrift ist natürlich völliger Quatsch.

Aber man stelle sich das mal vor: Irgendein Holzkopf kommt auf die Idee, die Namen und Adressen all der Restaurants zu veröffentlichen, in die Julian Reichelt gern zum Mittagessen geht. Oder eine Liste rauszubringen mit den Clubs, in denen der “Bild”-Oberchef regelmäßig feiert. Oder, noch schlimmer, ein Foto samt Ortsbeschreibung von dem Haus zu posten, in dem Reichelt im Penthouse wohnt.

Julian Reichelt würde sich vermutlich heftig beschweren, immerhin passte ihm schon die Veröffentlichung einer groben Schätzung seines Gehalts nicht, weil das seine Familie in Gefahr bringe. Julian Reichelt würde sich völlig zu Recht beschweren, und wir würden ihm zustimmen, auch wenn es Julian Reichelt ist.

Zum Glück passiert sowas ja nicht so häufig, weil genügend Leute Anstand haben und die Privatsphäre anderer Menschen respektieren, auch von den Personen, die prominent in der Öffentlichkeit stehen. Außer die Leute von “Bild” und ihr Chef Julian Reichelt — die haben diesen Anstand offenbar nicht.

Seit drei Tagen gibt es eine neue Serie bei “Bild”, Bild.de und “Fußball Bild”. “Kosmos der Klubs” ist ihr Titel, und sie soll der Leserschaft verraten, “wo Sie die Spieler Ihres Vereins treffen können”. In Folge 1 ging es um den FC Bayern München …

Screenshot Bild.de - Hier treffen Sie die Spieler in München - Warum die Bayern-Stars diesen Wellblechbunker lieben - Wo die Spieler essen gehen, wo sie feiern, in welchen Stadtteilen sie wohnen

… in Folge 2 um Eintracht Frankfurt …

Screenshot Bild.de - Wo Sie die Frankfurt-Profis treffen können - Hier feiern die Eintracht-Stars ihre Siege - Wo sie feiern, wo sie essen, wo sie shoppen

… heute dann in Folge 3 um den HSV:

Screenshot Bild.de - Pizza für 7,50 Euro - Diesen Italiener liebt HSV-Trainer Hollerbach - Wo die Stars feiern, wo sie essen, wo sie shoppen

Und weil es insgesamt 18 Bundesligavereine gibt, ist zu befürchten, dass uns noch mindestens 15 weitere Folgen erwarten.

Neben längst Bekanntem (die Fußballer aus München gehen häufig in die Praxis von Dr. Müller-Wohlfahrt, wenn sie verletzt sind — oho!) veröffentlichen die “Bild”-Medien im “Kosmos der Klubs” auch Dinge, die bisher sicher nicht jeder wusste und die vielleicht auch nicht jeder wissen sollte: Wo der neue HSV-Trainer Bernd Hollerbach öfters Pizza isst. Wo Jérôme Boateng “super-zarte Steaks” verdrückt. Die Lieblings-Discos der Spieler des FC Bayern. Zu welchem Inder Alex Meier häufig geht. In der Folge über Eintracht Frankfurt zeigt die Redaktion ein Foto eines Hochhauses und schreibt dazu: “Auch hier wohnen Spieler.”

Bei Bild.de kommt man an diese Informationen nur, wenn man ein “Bild plus”-Abo hat. Oder anders gesagt: Julian Reichelt und seine Mitarbeiter versuchen, mit dem Privatleben anderer Menschen Kasse zu machen.

Mit Dank an @koeppenjan für den Hinweis!

Aber was verstehen Sie als “Bild”-Redakteur von Respekt vor Frauen?

Eva-Maria Federhenn lächelt. Was soll man auch anderes machen als lächeln, wenn einem ein “Bild”-Redakteur gegenübersitzt und Fragen stellt, die zeigen, dass dieser mit seinem Frauenbild in den 80er-Jahren steckengeblieben ist? Aufstehen, das Interview abbrechen, diesem Chauvi klarmachen, dass er ein Chauvi ist?

Klar, könnte man auch machen. Eva-Maria Federhenn hat sich aber fürs Lächeln und fürs Durchhalten entschieden. Die Juristin will Vorsitzende des 1. FSV Mainz 05 werden. Die Fußballer des Vereins spielen in der Bundesliga, und Federhenn wäre bei einem Wahlerfolg die erste Frau an der Spitze eines Bundesligaklubs.

Vor der Abstimmung in neun Tagen hat “Bild”-Redakteur Peter Dörr mit ihr gesprochen:

Ausriss Bild-Titelseite - Bundesliga-Revolution - Ich will erste Mainz-Chefin werden

Die zweite Frage, die Dörr Federhenn unbedingt stellen wollte, lautet:

Ausriss Bild-Zeitung - Aber was verstehen Sie als Frau von Fußball?

Es will eben nicht in die “Bild”-Köpfe: Ja, doch, Frauen können auch andere Dinge verstehen als Kochrezepte oder Waschanleitungen. Zum Beispiel Fußball.

Eva-Maria Federhenn lächelt nach dieser Frage von Peter Dörr eben und antwortet tapfer:

Federhenn (lächelt): “Ich war im Handball schnell, durfte deshalb in der Schule beim Fußball als einziges Mädchen mitspielen … Dennoch kann ich nicht Fußball spielen. Aber, ich weiß was der Unterschied zwischen einer 5er- und einer 3er-Kette ist.

Ich bin keine Expertin, kenne mich aber ganz gut aus. Ich bin schon als Kind mit meinem Vater zum Fußball, habe viel mit vorm Fernseher gesessen — und inzwischen seit vielen Jahren eine Dauerkarte bei 05.“

“Bild”-Mitarbeiter Dörr scheint es immer noch nicht so recht glauben zu können — eine Frau beim Fußball, und dann auch noch in einer Führungsposition? Also fragt er direkt im Anschluss:

Ausriss Bild-Zeitung - Trotzdem -- trauen Sie sich wirklich zu, einen Bundesligisten zu führen?

Weiter hinten im Interview will Peter Dörr dann noch wissen:

Ausriss Bild-Zeitung - Das Erkennungs-Merkmal des zurückgetretenen Vorsitzenden Kaluza war die rote Hose. Tragen Sie dann rote Pumps?

Eva-Maria Federhenn antwortet auch auf diese Frage. Laut “Bild”-Zeitung “lächelt” sie dabei.

Das Heimtückische am Rassismus ist nicht Absicht, sondern Ignoranz

Ist das wirklich wahr? Ist das wirklich das Niveau, auf dem wir in Deutschland über Rassismus diskutieren? Können wir da bitte irgendwann mal einen Schritt weiter gehen, oder es zumindest versuchen?

Das eigentliche Problem, das wir in Deutschland mit Rassismus haben, sind die Rassismusvorwürfe — das zumindest ist der Eindruck, wenn man sich weite Teile der medialen Diskussion über die schwedische Modekette H&M anschaut, die einen schwarzen Jungen fotografiert hat mit einem Kapuzenpulli, auf dem steht: “Coolest Monkey in the Jungle”.

Kolumne Politically Correct

Auf die Spitze treibt es Oliver Rasche, der in der “Welt” und bei Welt.de kundtut:

Screenshot Welt.de - Das Empörende ist der Rassismus-Aufschrei

Dem Kommentar des Autors liegt ein Verständnis von Rassismus zugrunde, nach dem es in Deutschland quasi keinen Rassismus gibt.

Da in der “Welt” Leute über Rassismus schreiben dürfen, die sich offenbar noch nie damit beschäftigt haben, hier ein kleiner kostenloser Einsteigerkurs:

Regel 1: NEIN, Rassismus ist nicht nur da, wo er beabsichtigt ist.

Rasche schreibt:

Wem ist eigentlich damit geholfen, wenn überall immer sofort Rassismus, Sexismus, Angriff vermutet wird?

All das, was Theaterautor, Blogger und Marketingexperte Johannes Kram schon so gemacht hat, würde nicht in diese Box passen. Deswegen hier unvollständig und im Schnelldurchlauf: Nicht nur, aber auch wegen seiner Medien-Kampagne ist Guildo Horn zum “Eurovision Song Contest” gekommen. Den sogenannten “Waldschlösschen-Appell” gegen Homophobie in Medien hat er initiiert. Sein “Nollendorfblog” bekam eine Nominierung für den “Grimme Online Award”. Und mit “Seite Eins — Theaterstück für einen Mann und ein Smartphone” hat er Boulevard-Kritik auf die Bühne gebracht. Dafür ein herzliches Dankeschön vom BILDblog.

Niemand vermutet in dem Pullover-Foto einen “Angriff”. Es geht darum, dass ein rassistischer Zusammenhang übersehen wurde. Das Heimtückische an Rassismus ist nicht die Absicht, sondern die Unabsicht, die Ignoranz. Die Frage ist nicht: Warum hat H&M das gemacht? Sondern: Warum ist es ihnen nicht aufgefallen?

Regel 2: NEIN, das Problem sind nicht die, die sensibel sind.

Wieso wird bei vielen Menschen überhaupt ganz offenbar sofort diese Assoziation hervorgerufen? Und diejenigen, die zunächst kein Problem in dem Bild erkennen konnten; sind die völlig unsensibel — oder einfach unvoreingenommen und damit viel weiter im Bestreben, rassistischen Vorurteilen entgegenzuwirken?

Weiß der Autor das wirklich nicht? Hat er wirklich gar keine Ahnung, warum bei manchen Menschen “sofort diese Assoziation hervorgerufen” wird? Rasche tut hier so, als sei “diese Assoziation” völlig aus der Luft gegriffen, ja er deutet sogar an, dass die, denen sie kommt, das eigentliche unreflektierte Rassismusproblem haben. Ernsthaft? Nie gehört etwa von der Tradition der Menschenzoos, in denen ab Ende des 19. Jahrhunderts in Europa schwarze Menschen wie wilde Tiere zur Schau gestellt wurden? Nie mitbekommen, dass alles rund um das Bild des Affen auch heute noch eine der gängigsten Beleidigungen ist? Nie was davon gelesen, dass schwarze Fußballer mit Affengeräuschen im Stadion konfrontiert werden, ja manche von ihnen sogar mit Bananen beworfen wurden? Ist die Frage wirklich, wie man auf “diese Assoziation” kommen kann? Oder nicht vielleicht doch, wie man nicht darauf kommen kann, wie man auf die Idee kommen kann, einen schwarzen Jungen mit einem solchen Pulli für eine Werbung zu fotografieren?

Regel 3: NEIN, nicht die Problematisierer sind das Problem.

Rasche schreibt weiter:

Sagt die Problematisierung nicht auch eine Menge über die Problematisierer aus?

Rasche tut so, als werde das “Problem” erst durch die erzeugt, die darauf hinweisen. Damit macht er jene, die aus der Perspektive der Opfer argumentieren, zu Tätern — und die Täter zu deren Opfern. Wie auch bei dieser Schussfolgerung:

Vorwerfen kann man den Schweden allerdings weniger, dass sie offenbar kein Problem darin gesehen haben, ein Kind in einen flapsig bedruckten Pullover gesteckt zu haben — nein, vorwerfen kann man dem Modehaus höchstens, dass es das Erregungspotenzial in einem komplett digitalisierten und von sozialen Medien dominierten 2018 völlig unterschätzt hat.

Hier: das Erregungspotenzial eines entfesselten Onlinemobs. Dort: Flapsigkeit.

Regel 4: NEIN, Rassismus ist nicht nur das Problem der anderen.

Rasche schreibt:

Hilft man schwarzen Menschen, wenn man sie in solchen Fällen zwangsweise zu Opfern macht? (…)

Dabei findet Rassismus statt, zieht seine ekligen, braunen Kreise inzwischen bis in das höchste deutsche Parlament. Das gilt es zu ächten und zurückzudrängen, da ist leider mehr als genug zu tun.

Das Gefährliche am Rassismus ist, dass er im Alltag stattfindet. Dass Gefährliche am Rassismus ist, dass er nicht laut “Rassismus” schreit, wenn er um die Ecke kommt. Nach der Definition von Rasche gibt es entweder keinen Alltagsrassismus, oder er ist weiter kein Problem: Jeder, der nicht “in ekligen, braunen Kreisen” verkehrt, ist fein raus. Das ist ein Freibrief für den täglichen Rassismus, weil er die, die sich gegen ihn wehren, zu Simulanten erklärt.

Das Jahr in “Bild”

Das war’s für 2017 beim BILDblog — im Januar geht es weiter.

Bevor wir uns nun für ein paar Tage in eine Höhle verziehen, in der uns nicht mal das “Bild plus”-Abo erreicht, wollen wir ganz herzlich allen Unterstützerinnen und Unterstützern (ohne die es dieses Projekt nicht gäbe), allen Hinweisgeberinnen und Hinweisgebern (ohne die es hier viel weniger zu lesen gäbe) und allen Leserinnen und Lesern danken. Ihr seid die Besten!

Zum Jahresabschluss soll es noch einen Jahresrückblick geben: falscher Toter, falscher “Sex-Mob”, falscher Adenauer im Puff — eine kleine Auswahl von all dem, was bei den “Bild”-Medien Monat für Monat schiefgelaufen ist.

Januar

Keine SPD-Kanzlerkandidatur - Martin Schulz tritt nicht an

Der SPD-Chef hat sich entschieden - Gabriel tritt gegen Merkel an

Nun, wer das Jahr nicht in irgendeiner Höhle verbracht hat, weiß: Das war falsch.

Februar

37 Tage nach Silvester reden die Opfer - Sex-Mob tobte in Frankfurter Restaurant-Meile

Auch diese Geschichte: falsch.

Zu viel Blei! EU verbietet Buntstifte und Wasserfarben

Falsch.

März

Neun Monate nach EM-Überraschung - Baby-Boom auf Island

Falsch.

Tag des Down-Syndroms - BILD fragt Fragen, die sich keiner zu stellen traut - Darf man Mongo zu Ihnen sagen?

Nein, verdammt.

April

Gott sei Dank - BVB-Bomben zündeten eine Sekunde zu spät

Falsch.

Deutschlands bester Golfer - Kaymer: Trump ist ein Geschenk für uns

Aus dem Kontext gerissen.

Mai

Explosion traf die Schutzlosen - Viele Teenager nach Konzert vermisst

Falsche Fotos geklaut.

Zu Saison-Beginn - Orakel Streich sah Europa voraus

Falsch.

Juni

Hitlers Silberschatz gefunden

Längst nicht sicher.

Wixxer und Steinewerfer! - Grünen-Politikerin rechnet mit Links-Chaoten ab

Falsch.

Juli

Händler und Wirte haben genug vom Links-Terror - Aufstand der Nachbarn gegen Rote Flora

Falsch.

Verliert er sein Augenlicht? - Randalierer wirft Polizist Böller ins Gesicht [inkl. Foto]

Falschen Mann zum Täter gemacht.

SEK erschießt Kalaschnikow-Mann! [inkl. Foto]

Falschen Mann für tot erklärt.

EXKLUSIV - Dortmund-Superstar wechselt - Aubameyang ab Januar in China

Falsch.

August

Erster Fußball-Star fordert Knast für Ultras

Falsch.

September

Gestern, 19.36 Uhr, startete die Boeing 737 von Düsseldorf nach Kabul - ABSCHIEBE-FLIEGER VOLLER SEX-TÄTER!

Maßlos übertrieben.

Putins hybrider Großangriff zur Bundestagswahl 2017 - Propaganda-Feldzug sogar mit Sexmobs

Verschwörungstheorie.

Olympia-Held Christoph Harting - SUFF-UNFALL

Falsch.

Oktober

ARD macht Adenauer zum Sadomaso-Freier!

Falsch.

November

30000 abgelehnte Asyl-Bewerber spurlos verschwunden!

Falsch.

Dezember

Astronom sicher - »Asteroid ist Alien-Raumschiff mit kaputter Steuerung

Aber sicher doch.

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