Medien-Deal in der Türkei, Drogen im Berghain im „Spiegel“, Zusteller

1. Ein Deal, der Erdogan freuen dürfte
(sueddeutsche.de, Christiane Schlötzer)
In der Türkei soll es eine spektakuläre Übernahme geben: die größte Tageszeitung des Landes „Hürriyet“, der TV-Nachrichtenkanal „CNN Türk“ sowie weitere Medien des durchaus Erdogan-kritischen Dogan-Konzerns werden vermutlich den Besitzer wechseln. Der neue Eigentümer, die Demirören-Gruppe, „gilt als wesentlich regierungsfreundlicher, ja als geradezu lammfromm“, schreibt Christiane Schlötzer: Diese Übernahme „dürfte politische Folgen haben.“

2. Der Skandal hinter dem Skandal – Facebook, Cambridge Analytica und die hohe Kunst der Manipulation
(eaid-berlin.de, Peter Schaar)
Peter Schaar, einst Bundesbeauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit, zu den aktuellen Entwicklungen rund um Facebook und „Cambridge Analytica“: „Es geht hier um weitaus mehr als um die Aufklärung des aktuellen ‚Cambridge-Facebook-Skandals‘. Vielmehr müssen wir darüber diskutieren, wie viel Datenmacht akzeptabel ist, wie digitale Geschäftsmodelle gestaltet werden und wie dem Datenmachtmissbrauch vorgebeugt werden kann. Umfangreiche Datensammlungen und Mikro-Targeting eröffnen Manipulationsmöglichkeiten und können Ungleichbehandlung und diskriminierende Praktiken verstärken.“

3. Bonn – Berlin – Bannas
(faz.net, Günter Bannas)
Vier Jahrzehnte lang begleitete Günter Bannas als Journalist die deutsche Politik, erst in Bonn, dann in Berlin. Vorgestern wurde der „FAZ“-Korrespondent in den Ruhestand verabschiedet, auch von Angela Merkel, von Olaf Scholz und Horst Seehofer, von mehreren Bundesministern, die alle zur Feier kamen. Vor seinem Renteneintritt hat Bannas noch einmal viele Erinnerungen aufgeschrieben, unter anderem: bitterkaltes Warten auf Koalitionsergebnisse, bei der Fußball-WM mit Helmut Kohl, Politiker-Rücktritte während des Karnevals.

4. Ja, hier wird konsumiert
(taz.de, Laura Ewert)
Im aktuellen „Spiegel“ ist ein langer Text von Alexander Osang erschienen, in dem er über den Drogentod einer Frau schreibt, die im Berliner Club Berghain zwei Ecstasy-Pillen eingeworfen hat. Laura Ewert findet, Osang und der „Spiegel“ treiben „die Empörungssau durchs Dorf“: „Aber wenn Drogenberichterstattung nicht auf Aufklärung bedacht ist, sondern auf größtmögliche Emotion, wird sie Konsumenten nicht dazu bringen, zunächst mit einer Viertel-Pille zu starten, sondern befeuert die Attraktivität des Verbotenen. Der Reporter hat also eine ähnliche Verantwortung wie der Clubbetreiber.“ Bei „Übermedien“ ist der Berghain-Artikel ebenfalls Thema (Text aktuell nur für Abonnenten lesbar), allerdings mit einem anderen Fokus: Es geht um ein Zitat von Berlins Kultursenator Klaus Lederer, das dieser Osang so nicht gegeben haben will und wenn überhaupt in einem anderen Kontext. Bei „Vice“ finden sie, dass im „Spiegel“ „wichtige Details“ untergehen.

5. Lügen, bestehlen, erpressen
(deutschlandfunk.de, Kai Rüsberg)
Um Journalisten und Medien in und bei Sozialen Netzwerken zu diskreditieren, lassen sich Trolle mitunter perfide Strategien einfallen: Sie kopieren beispielsweise Fotos, die Journalisten selbst gemacht und getwittert haben, und melden dann, dass diese Journalisten die Fotos geklaut hätten. Die Netzwerkbetreiber leiten in solchen Fällen gerne mal Verfahren wegen Urheberrechtsverletzungen ein, bei denen die Beschuldigten ihre Namen und Adressen rausrücken müssen. Kai Rüsberg hat sich diese Vorgänge angeschaut.

6. Zusteller: GroKo will Rentenbeiträge kürzen
(ndr.de, Hendrik Maaßen, Video, 6:20 Minuten)
Zeitungszusteller haben einen harten Job: wahnsinnig früh aufstehen, unterwegs sein bei Regen und Sturm, keine tolle Bezahlung. Immerhin: Inzwischen gilt auch für sie der Mindestlohn. Nun soll laut Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung allerdings für die Minijobber unter den Zustellern der Beitrag zur Rentenversicherung, den die Arbeitgeber zahlen müssen, von 15 auf fünf Prozent gesenkt werden. Hendrik Maaßen hat bei Union und SPD nachgefragt, ob es sich dabei um ein Geschenk an die Verlage handelt. Statt Antworten hat er, wenn überhaupt, Schuldzuweisungen Richtung Koalitionspartner erhalten.