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Darauf einen Absacker!

Als die Boeing 757 von United Airlines am Sonntag von Washington, D.C. nach London von der Startbahn abhob, ahnten die 50 Passagiere an Bord vermutlich noch nicht, dass sie Zeugen und Opfer einer Beinahe-Katastrophe werden würden, die in deutschen Medien so aufbereitet wurde:

Bild.de:

Flugzeug sackt 6000 Meter ab – Notlandung!

“Bild”:

“B.Z.”:

United-Jet sackt 6000 Meter ab: Notlandung

“Focus Online”:

United-Airlines-Maschine muss notlandenBoeing 757 stürzt 6000 Meter in die Tiefe...
United-Airlines-Maschine muss notlanden: Boeing 757 stürzt 6000 Meter in die Tiefe

“Berliner Kurier“:

Flug-Schock
Notlandung! Flugzeug fällt 6000 Meter in die Tiefe

Die deutschen Medien berufen sich dabei auf Artikel ihrer englischen Kollegen, denn zuvor hatten etwa die “Daily Mail” und der “Daily Mirror” über den Zwischenfall berichtet.

Hätten die Journalisten jedoch selbst ein wenig recherchiert (oder einfach mal in ihren zahlreichen Leserkommentaren nachgeschaut), wären sie schnell darauf gestoßen, dass das Flugzeug nicht “gestürzt”, “gefallen” oder “abgesackt” war, sondern die Piloten – weil es Probleme bei einem Triebwerk gab – aus Sicherheitsgründen bewusst niedriger geflogen sind.

Dementsprechend klingt die Version des “Aviation Herald” auch um einiges nüchterner:

Eine United Boeing 757-200, Kennzeichen N14118, Flug UA-130 von Washington Dulles, DC (USA) nach London Heathrow, EN (UK) mit 50 Passagieren und 9 Crew-Mitgliedern, war auf dem Weg auf Flugfläche 390 über den Atlantischen Ozean etwa 500 Nautische Meilen östlich von St. John’s, NL (Kanada), als die Crew über das Notfallmeldesystem erklärte, dass sie ein Triebwerk (RB211) abgeschaltet habe und auf Flugfläche 280 gesunken sei. Das Flugzeug kehrte um und steuerte St. John’s an, wo es etwa 130 Minuten später sicher auf Landebahn 29 landete.

Der Rest des Fluges wurde gestrichen.

Die Airline teilte mit, es sei ein technisches Problem mit einem Triebwerk aufgetreten. Als Vorsichtsmaßnahme sei das Triebwerk abgeschaltet worden. Die Passagiere wurden auf andere Flüge in Richtung London umgebucht.

(Übersetzung von uns).

Wie uns das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt auf Anfrage erklärte, ist es völlig normal, die Flughöhe zu reduzieren, wenn eines von zwei Triebwerken ausfällt oder abgeschaltet werden muss. Nur so kann in vielen Fällen der nächste Flughafen erreicht werden. Und das ist seit knapp 50 Jahren für zweistrahlige Flugzeuge wie die Boeing 757 sogar Vorschrift.

Davon abgesehen ist das Flugzeug laut “Aviation Herald” von Flugfläche 390 (etwa 39.000 Fuß/11.900 Meter) auf Flightlevel 280 (etwa 28.000 Fuß/8.500 Meter) gesunken – also nicht um 6.000 Meter, sondern um “nur” 3.400.

“Spiegel Online” immerhin hat die ursprüngliche Überschrift “Boeing sackt um 6.000 Meter ab” mittlerweile in “Triebwerksprobleme zwingen Boeing zum Umkehren” geändert.

Unter dem Artikel heißt es:

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Meldung wurde der Eindruck erweckt, die Boeing sei nach einem Triebwerksausfall um 6000 Meter unkontrolliert abgesackt. Tatsächlich handelte es sich um ein kontrolliertes Manöver des Piloten. Wir bitten um Entschuldigung.

Mit Dank an Chris K., Stephan Sch. und Wolfgang.

dapd, dpa, ZDF  

Der Bergruf

Gestern wurden bei einem Lawinenabgang am Mont Blanc neun Bergsteiger getötet. Das ZDF hat zu diesem Thema deshalb heute Morgen im Morgenmagazin Arved Fuchs befragt, den Moderator Cherno Jobatey konsequent als “erfahrener Bergsteiger” bezeichnete.

Fuchs sah in diesen Momenten immer ein bisschen gequält aus:


 
Arved Fuchs ist als Polarforscher, Expeditionsteilnehmer und “Abenteurer” bekannt geworden — unter anderem durch die erste komplette Durchquerung des antarktischen Kontinents mit dem tatsächlichen Alpinisten Reinhold Messner. Im Porträt auf seiner offiziellen Website und in seinem Wikipedia-Eintrag finden sich keine Hinweise, dass Fuchs auch als Bergsteiger, “Extrembergsteiger” gar, aktiv war.

Das disqualifiziert ihn nicht, im Frühstücksfernsehen den Massentourismus auf alpinen Gipfeln zu kritisieren, aber es macht ihn nicht zum Bergsteiger. Das hat die ZDF-Redaktion übernommen, die ihn auch in der Einblendung als solchen bezeichnet.

Übernommen haben dies die Nachrichtenagenturen dapd und dpa.

Kurz nach Fuchs’ TV-Auftritt tickerte dapd:

Bergsteiger Arved Fuchs rät bei mangelnder Erfahrung von alpiner Trophäenjagd ab. “Niemand muss auf den Mont Blanc”, sagte er nach dem Lawinentod von neun Bergsteigern am Freitag im ZDF-“Morgenmagazin”.

Und dpa vermeldete:

Extrembergsteiger Fuchs kritisiert Massentourismus auf Gipfeln

Berlin (dpa) – Nach dem Lawinenunglück am Montblanc mit neun toten Bergsteigern hat der Abenteurer Arved Fuchs den Massentourismus auf alpinen Gipfeln kritisiert.

In einem weiteren Artikel am Mittag über den Lawinenabgang schrieb die Deutsche Presseagentur:

Kritik am Massentourismus auf alpinen Gipfeln kam vom Extrembergsteiger Arved Fuchs (59). “Die Natur wird degradiert zu einer Art Freizeitpark”, sagte der Deutsche am Freitag im ZDF-Morgenmagazin.

Bei der dpa ist der Fehler immerhin jemandem aufgefallen: Sie verschickte um 13.33 Uhr eine “Berichtigung”, in der sie Fuchs’ Berufsbezeichnung in “Abenteurer” bzw. “Polarfahrer und Abenteurer” änderte. Bei zahlreichen Online-Medien, die die dpa-Meldung übernommen hatten, steht freilich immer noch “Extrembergsteiger”.

dapd hat den Fehler bisher nicht korrigiert.

Nachtrag, 18.50 Uhr: dapd hat nun auch eine Berichtigung des Fehlers verschickt.

Bild  

Panda, Gorilla & Cro

Der Rapper Cro ist dafür bekannt, dass niemand weiß, wie er aussieht: Er versteckt sein Gesicht bei Auftritten und Foto-Shootings hinter einer Pandamaske.

Anders gesagt: Der Rapper Cro war dafür bekannt, dass niemand wusste, wie er aussieht. “Bild” spielt nämlich heute Spielverderber:

Der Rapper mit der Maske: So sieht "Cro" wirklich aus! Seine Musik ist der Hit, seine Panda-Maske Kult: Ganz Deutschland liebt den geheimnisvollen Rapper "Cro" ("Easy"). Wie einst Rapper Sido (31) versteckt "Cro" seine wahre Identität hinter einer Maske. Cro: "Ich könnte überall hinpinkeln, ohne dass

Dazu zwei Dinge:

Erstens lautet das Pinkel-Zitat im Original minimal anders, da hat der Rapper nämlich zur Nachrichtenagentur dpa gesagt:

“Ich könnte überall hinpinkeln, ohne dass Cro am nächsten Tag in der ‘Bild’-Zeitung steht. Das ist cool.”

Und zweitens ist das Foto, das “Bild” zeigt, nicht “neu” oder “jetzt” erstmals veröffentlicht worden: Es entstammt einem Buch, das im Februar erschienen ist. Im April hatte das SWR-Jugendradio “Das Ding” das Foto auf seiner Internetseite veröffentlicht.

Ob das Foto tatsächlich Cro zeigt, wurde damals kontrovers diskutiert, vom Musiker und seinem Label aber nie dementiert.

Mit Dank an Mirko D.

Bild  

“Bild für alle”: Vorfreude und Respekt

Man kann sich als Laie ja gar nicht vorstellen, was es bedeutet, rund 4.400 Tonnen bedrucktes Papier an einem Tag gleichmäßig auf alle deutschen Haushalte zu verteilen. Genau das muss die Deutsche Post AG am 23. Juni machen, wenn sie für die Axel Springer AG ca. 41 Millionen kostenlose “Bild”-Jubiläumsausgabe ausliefert (BILDblog berichtete).

Neben den logistischen und technischen Herausforderungen scheint es ein weiteres Problem zu geben: Die Stimmung in den eigenen Reihen. Im “Postbotenforum” beklagen sich die eigentlichen Zusteller, die Postboten:

Kommt Leute das ist doch locker zu schaffen.Notfalls fahren wir alle Sontag morgen noch einmal Schwarz und Ohne Versicherungsschutz auf Zustellung damit der arme geknechtete Postvorstand auch ja seine dicken Boni Prämien einsacken kann. […]

Wieso stellt diese Sonderausgabe eigentlich nicht die PIN AG zu, schließlich war der Springer Verlag mal Mehrheitseigner und sollte doch seine Zöglinge unterstützen, aber nein – für solche Massenzustellung dafür ist die “blöde” gelbe Post gut genug. Die Post verdient daran und wir Zusteller gehen, wie meistens, leer aus. Und wenn man den Finger hebt: “Das ist ihr Job” und sie haben ja nicht einmal Unrecht. Wir müssen uns im Zeitalter von E-Mail & Ipods über jeden physikalischen Brief/Sendung freuen. Seufz. […]

Die mit ihrer beschissenen Bildzeitungsverteilung, sollen die doch so Aufsteller platzieren, wo sich jeder der den Schrott wirklich lesen will eine rausnehmen kann, vertig! Mit sonem Zeug muss man doch wirklich keinen Zusteller nerven! […]

Ach so, persönlich wollte ich meine Daten nicht an campact und/oder den Springerverlag weiterleiten. Daher überlege ich noch, ob ich die Dinger in der Nachbarschaft einsammle, ein paar Briefmarken opfere und das Papier zurückschicke (Müll soll vom Erzeuger entsorgt werden) oder nen “KEINE Bild in meinem Kasten”-Schild aufhänge.

Das deckt sich mit den Kommentaren von Post-Angestellten, die wir bei Facebook und per E-Mail erhalten haben.

Die Deutsche Post, die laut “Financial Times Deutschland” mit der Verteilaktion einen “niedrigen einstelligen Millionenbetrag” verdienen dürfte, hat unterdessen alles genau geplant, wie aus einer internen E-Mail an die Mitarbeiter hervorgeht, die uns vorliegt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der heutigen Sonder-Freitagsmail möchte ich Sie über folgendes Thema informieren:

Bild für Alle

Am Samstag, den 23. Juni wird die Deutsche Post für den Axel Springer Verlag eine kostenlose Sonderausgabe der Bild-Zeitung zu deren 60. Jubiläum an sämtliche Haushalte verteilen.

Insgesamt werden fast 41 Millionen Exemplare an diesem einen Tag zugestellt. Damit handelt es sich um das größte Einzelprojekt in der Zustellung, das wir jemals durchgeführt haben. Es ist mit einer besonderen medialen und öffentlichen Aufmerksamkeit zu rechnen.

Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe, habe gleichzeitig aber gehörigen Respekt davor. Ich vertraue auf Ihre Unterstützung mit Rat und Tat und hoffe, auch Sie sehen dem Ganzen mit Vorfreude und Respekt entgegen.

Noch einige Anmerkungen zum Betriebsablauf:

Die unadressierte Bild-Jubiläumsausgabe ist an sämtliche Haushalte zuzustellen. Weil es sich um ein Presseerzeugnis handelt, erhalten auch Werbeverweigerer (Briefkastenaufkleber “Keine Werbung”) ein Exemplar.

Es gibt nur zwei Fälle, in denen nicht zuzustellen ist:

  • Anzeigenblattverweigerer (Briefkastenaufkleber “Keine Anzeigenblätter”, “Keine kostenlosen Zeitungen”, und ähnliches): Diese erhalten kein Exemplar. Im Zweifel ist nicht zuzustellen.
  • “Widersprüchler”: Es gibt einige Personen, die gegenüber dem Axel Springer Verlag einer Zustellung der Bild-Jubiläumsausgabe schriftlich widersprochen haben. Diese Haushalte erhalten taggleich einen adressierten roten Umschlag (Großbrief C4), um sie in der Zustellung erkennen zu können. Überall dort, wo der rote Umschlag zuzustellen ist, darf keine Bild-Jubiläumsausgabe eingeworfen werden.

Die Bild-Jubiläumsausgaben sind jederzeit gesichert aufzubewahren, damit kein Exemplar vor dem 23.06. in die Hände Dritter gelangt.

Ich bin sicher, dass Sie durch eine optimale, umfassende Kommunikation unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf den Zeitpunkt genau bestens auf diese Aufgabe einstellen. Die notwendigen Materialien und Informationen haben Sie schon bekommen. Bei Öffentlichkeits-, Kunden- oder Presseanfragen verweisen Sie bitte ausschließlich an die Pressesprecher.

Ich zähle auf Ihren besonderen Einsatz, damit wir das Projekt erfolgreich meistern und so einen weiteren eindrucksvollen Nachweis liefern, als Deutsche Post erste Wahl für unsere Kunden zu sein!.

Ihr Feedback ist uns wichtig: Schreiben Sie uns Ihre Kommentare und Hinweise zur Freitagsmail an (…).

Mit freundlichen Grüßen

(…)

Wer an die Pressesprecher verwiesen wird oder sich direkt an sie wendet, sollte sich übrigens keine allzu großen Hoffnungen machen: Der “FTD” gegenüber sagte ein Post-Sprecher, man äußere sich nicht zu Kundenbeziehungen. Das ist immerhin mehr Rückmeldung, als wir bei unseren Kontaktversuchen bekommen haben.

Busunfall, DSDS Kids, Krokotasche

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Car-Drama: Journalisten wollten sich zu verletzten Kindern einschleichen”
(sonntagonline.ch, Sandro Brotz und Cyrill Pinto)
Nach dem Busunfall im Wallis versuchen Journalisten, zu den Opfern vorzudringen. “Im Spital von Visp waren die sechs weniger schwer verletzten Kinder untergebracht. Das Gelände wurde zwar abgesperrt, doch mehrere Journalisten versuchten, auf die Abteilung der Kinder vorzudringen. Schliesslich musste die Polizei einschreiten, wie die Sprecherin der Walliser Spitäler, Florence Renggli, bestätigt.” Siehe dazu auch “Journalistische Grenzverletzungen” (suedostschweiz.ch, David Sieber).

2. “Versicherungsbranche manipuliert Panorama-Abstimmung”
(panorama.blog.ndr.de, Andrej Reisin)
Andrej Reisin hält einen Aufruf, eine Online-Abstimmung zu beeinflussen, für ein “Lehrstück im Hinblick darauf, wie Finanz- und Versicherungslobby versuchen, unabhängige Berichterstattung und Kritik zu diskreditieren und zu verunglimpfen”.

3. “Wie die Bild-Zeitung und RTL den 17-jährigen Daniele vor Millionenpublikum vorführen”
(wochenblatt.de, Christian Eckl)
Siehe dazu auch den Ausblick von Marie Amrhein auf die Sendung DSDS Kids, die vier- bis vierzehnjährige Kinder als Kandidaten gewinnen will: “Dieter Bohlens Prügel für die jüngste Generation” (cicero.de).

4. “Nur Polemik und keine Argumente von den freien Journalisten vom DJV zur Urheberrechtsdebatte”
(neunetz.com, Marcel Weiß)
Marcel Weiß nimmt einen Blogbeitrag des DJV-Freienblogs von Michael Hirschler zur Debatte um das Urheberecht auf. “Sowohl Google als auch Facebook halten sich an geltendes deutsches Recht. Was haben sie sich vorzuwerfen? Nur eins: Ein erfolgreiches Geschäftsmodell im Internet.”

5. “Mirror uses model’s image to illustrate serial killer story”
(tabloid-watch.blogspot.com, MacGuffin, englisch)
Der “Daily Mirror” verwendet ein Selbstporträt von @threnodynvelvet (Tweet), um eine Story über Serienmörderinnen zu illustrieren.

6. “Der Mann mit der Krokotasche”
(welt.de, Peter Stephan Jungk)

Seite-1-Girls, Berliner Zeitung, Zapfenstreich

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Pressedrama über dem Atlantik”
(badische-zeitung.de, Ole Pflüger)
Ole Pflüger war Passagier eines Air-France-Flugs von Paris nach Bogotá. Wegen einem durch Rauchentwicklung ausgelösten Feueralarm sei er “in Todesangst versetzt” worden, liest er in Medienberichten. Doch: “Es roch nicht nach Rauch nach dem Start, nur ein bisschen nach Pilzrisotto. Der Landeanflug dauerte fast eine halbe Stunde; eine Stewardess lief lächelnd durch die Sitzreihen und beruhigte einzelne Passagiere.”

2. “‘Bild’ der Frau”
(sueddeutsche.de, Lena Jakat)
Lena Jakat verdankt die Verschiebung der barbusigen Frau von Seite 1 ins Innere von “Bild” (BILDblog berichtete): “Danke, liebe Kollegen, dass ihr diesen Frauen endlich, nach 28 Jahren und mehr als 5000 ‘Seite-1-Girls’, den Weg zurück in die Rechtschaffenheit aufzeigt und eurer weiblichen Leserschaft den verderblichen Anblick dieser liederlichen Luder erspart.” Siehe dazu auch eine statistische Auswertung der Seite-1-Girls auf faz.net und “Jetzt nicht nachgeben, Mädels!” (ahoipolloi.blogger.de).

3. “Ermordet reicht nicht”
(carta.info, Leonard Novy)
Trotz des Auflagenschwunds von “Bild” bleibe die Zeitung für Politik und Medien “das Maß aller Dinge”, findet Leonard Novy: “BILD wie BILD-Kritik gehören zum politisch-kulturellen Inventar eines großer normativer Debatten über Macht, Methoden und Verantwortung der Medien letztlich überdrüssigen Landes.”

4. “Der Mann, der zu viel zu berichten wusste”
(faz.net, Michael Reinsch)
Matthias Wolf berichtete für die “Berliner Zeitung” kritisch über den Fußballverein 1. FC Union Berlin: “Nach zwei sogenannten Korrekturmeldungen, die Union der Zeitung auf Berichte Wolfs hin abtrotzte, forcierte der Chefredakteur Uwe Vorkötter den Abzug des Reporters von Union. Wolf sollte von anderen Klubs berichten. (…) Wolf lehnt das Angebot ab, für die ‘Berliner Zeitung’ über andere Themen zu berichten. ”

5. “Es lebe das Internet”
(dasnuf.de)
Das Nuf greift den Text “Und was machten die Blogs im Jahre 2011?” auf: “Für mich ist das Internet eben nicht Techblogs und Shitstorms sondern Menschen mit interessanten Geschichten, die mich an ihrem Leben teilhaben lassen. (…) Ich habe oft das Gefühl, dass es (bis auf einige Ausnahmen) wenige Platzhirsche sind, die sich gegenseitig ihre großen Geweihe zeigen und um sich herum kleine Herden scharen, die dann eine zeitlang das Gesagte im Ping Pong zitieren und kommentieren, um sich auch ein bisschen wichtig zu fühlen.”

6. “Zapfenstreich von Marschmusik überschattet”
(eine-zeitung.net, Satire)
“Immer wieder setzten unerwartet Bläser und Trommeln ein, die die für Wulff spielenden Vuvuzelas und Trillerpfeifen übertönten.”

Facebook, E-Mails, Taubstumme

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Warum beschweren sich deutsche Verleger nicht schon längst über Facebook?”
(carta.info, Wolfgang Tischer)
Wolfgang Tischer fragt: Warum beklagen sich deutsche Zeitungsverleger über Google, aber nicht über Facebook?

2. “Taubstumme Rentner können NUR gebärden”
(taubenschlag.de, Bernd)
Taubenschlag, ein Portal für Gehörlose und Schwerhörige, widmet sich der gestrigen “Bild”-Titelschlagzeile “Taubstumme Rentner um 2000 Euro geprellt”.

3. “17 Tipps gegen die Mail-Flut”
(spiegel.de, Sascha Lobo)
Sascha Lobo erklärt, wie man E-Mails so verfasst, “dass die Chance auf eine Rückmail minimiert wird”.

4. “Literaturkritik, rechtsdrehend”
(welt.de, Richard Kämmerlings)
Richard Kämmerlings befasst sich mit dem Nachfolge-Artikel von Georg Diez im “Spiegel”, “eine Art ‘Making-of’ seines versuchten ‘Rufmords’ an Christian Kracht, wie es der Verlag Kiepenheuer & Witsch genannt hat”. “Bezeichnend, dass Diez es in seiner wortreichen Replik nicht für nötig hält, auf das weitverbreitete ‘Unbehagen’ an seiner unseriösen Methode näher einzugehen. Als Freibrief genügt ihm die Erkenntnis, dass ‘Journalismus etwas anderes als Germanistik’ sei. Genaues Lesen, das Erkennen von Zitaten und Anspielungen, kurz all das, was als Handwerkszeug des Kritikers gilt, hält Diez offenbar für spießig, am Ende vielleicht selbst für ein Erbteil dumpfen rechten deutschen Denkens.”

5. “Radiosender muss 200.000 Euro wegen Falschmeldung an FC Barcelona zahlen”
(arena-info.com)
Ein Reporter von “Cadena Cope” hatte Spielern des Fußballclubs FC Barcelona Doping unterstellt. Ein Gericht verurteilte den Radiosender nun zur Sendung einer Gegendarstellung und zur Zahlung von Schadenersatz in der Höhe von 200.000 Euro.

6. “How Science Reporting Works”
(smbc-comics.com, englisch)
(Quelle nachträglich korrigiert.)

Bild  

Jürgen Klopp lässt ausrichten

Jürgen Klopp, der Trainer von Borussia Dortmund, ist als Freund deutlicher Worte bekannt, der auch nicht davor zurückschreckt, verantwortungslosen Journalisten im Allgemeinen und “Bild”-Reportern im Speziellen die Leviten zu lesen.

Mainz-Manager verrät: Barrios blieb nur wegen der Kohle

Heute musste Klopp erst mal selbst in “Bild” lesen, dass Christian Heidel, Manager von Mainz 05, “ausgeplaudert” haben soll, dass der geplante Wechsel von Lucas Barrios zum FC Fulham an den Gehaltsforderungen des BVB-Stürmers gescheitert sein soll.

Warum Heidel überhaupt solche Interna aus den Verhandlungen zwischen Dortmund und Fulham kennen sollte, erklärte “Bild” folgendermaßen:

Heidel muss es wissen. So konnte er selbst nur Dortmunds Mohamed Zidan (30) verpflichten, weil Barrios weiter für Borussia stürmt.

Doch danach sah‘s lange nicht aus. Heidel: “Noch Dienstag um 15.30 Uhr hatte BVB-Boss Watzke den Zidan-Transfer telefonisch abgesagt. Weil sich Borussia und Fulham über den Barrios-Wechsel geeinigt hatten.” Für 10 Mio Ablöse.

Zwei Stunden später war Zidan überraschend auf dem Weg nach Mainz. Heidel: “Dass die Gehalts-Gespräche von Barrios mit den Engländern noch scheitern würden, hatten wir echt nicht mehr erwartet.”

Laut englischer Medien soll Barrios ca 2,5 Mio pro Jahr verlangt haben.

Zu viel für Fulham…

Klopp nutzte die heutige Pressekonferenz vor dem für morgen angesetzten Pokalspiel gegen Holstein Kiel, um seine Sicht der Dinge offenzulegen. Als BVB-Pressesprecher Josef Schneck gerade die Pressekonferenz beenden wollte, meldete sich Klopp noch einmal zu Wort und sprach mit ruhiger Stimme, aber bestimmten Worten, über eine ganz besondere Art von Journalisten:

Dass man sich mit bestimmten Medien nicht anlegen sollte, ist spätestens seit Herrn Wulff bekannt, deswegen sag ich’s jetzt nicht direkt gegen die “Bild”-Zeitung, der der gute Mann nun angehört, aber was Herr Schuth heute in der “Bild”-Zeitung schreibt, entspricht nicht der Wahrheit. (…)

Es gibt nicht wenige Menschen, die sagen: “Ja, dafür bekommt Ihr ‘nen Haufen Geld und das müsst Ihr alles akzeptieren!” Das ist so ein bisschen schwierig, mit Lügen umzugehen, find ich, einfach so generell im Leben und wenn’s dann noch zu Papier gebracht wird. (…)

Ich möchte nur sagen: Das, was heute – ich möcht’ nicht sagen, was immer drin steht – aber was heute drinsteht, ist definitiv die Unwahrheit im Bezug auf Lucas Barrios. Die Verhandlungen sind nicht an irgendwelchen Gehaltsforderungen gescheitert oder sonstiges. Und es wäre schön, bei den vielen Dingen, die in unserem Geschäft passieren, wenn man sich einfach an die Sachen hält, die tatsächlich passiert sind. Und nicht irgendwelche anderen Dinge zusammenspinnt.

Hätte ich Herrn Schuth heute zufällig getroffen, hätte ich es ihm selber gesagt, aber wie gesagt: ich werde ihn jetzt wahrscheinlich acht Wochen lang nicht sehen, in der Hoffnung, dass ich es bis dahin vergessen hab. (Deshalb) hab ich gedacht: ich lass es mal ausrichten. Dankeschön, das war’s!

Mit Dank an Denis F. und Michael.

Vor der Kälte sind alle gleich

Kaum einer hätte noch damit gerechnet, aber jetzt ist der Winter doch noch da. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Osteuropa, wie die “Tagesthemen” gestern berichteten.

Da ist der Mann in Tschechien, der morgens eine halbe Stunde länger schlafen kann, weil er seinen Weg zur Arbeit über einen gefrorenen Stausee abkürzt. Ein Sachse erklärt, es sei nun mal Winter, kein Sommer, und konfrontiert den Reporter mit der Frage, ob ihm etwa kalt sei. Tausende haben in Osteuropa keine warme Unterkunft, weil die Stromleitungen kollabieren und die Wasserrohre bersten.

Und auch dafür ist noch Zeit beim Osteuropa-Hopping:

Eine Streife der ukrainischen Miliz in einem Park der Hauptstadt Kiew. Bis unter Minus 33 Grad sind die Temperaturen vergangene Nacht gefallen. Er ist froh, diese Nacht überlebt zu haben — in einem Zelt: Walordimir, 41 Jahre alt. 40.000 Menschen leben in der Ukraine derzeit in Notunterkünften, weit über 100 Menschen sind in Osteuropa bereits erfroren.

Das alles mag stimmen, aber es gibt da ein Problem mit der “Streife der ukrainischen Miliz”:

Auf den Westen der Männer steht “Straż Miejska”, was Polnisch ist und “Stadtpolizei” bedeutet. Polnische Polizisten im Einsatz in Kiew?

Kai Gniffke, Chefredakteur von “ARD Aktuell”, erklärt dazu auf unsere Anfrage:

Uns hat auch bereits ein Zuschauer auf die ukainische Miliz in polnischer Uniform aufmerksam gemacht. Unser Prag-Korrespondent hatte gestern den Beitrag über die Kältewelle in Osteuropa gemacht. Dabei bekam er Material vom MDR in Leipzig zugespielt. Bei der Bearbeitung des Materials hat er dann die sogenannten “Dope-Sheets” verwechselt d.h. die Listen, auf denen vermerkt ist, wo welches Material wann gedreht wurde. Und obwohl er als gebürtiger Sorbe die slawischen Sprachen ganz gut kennt, sind ihm die “polnischen Ukrainer” leider nicht aufgefallen. Und in der Endkontrolle bei uns ist es eben auch nicht aufgefallen. Polen und die Ukraine richten zwar gemeinsam die EM aus, aber die Ordnungshüter treten nach wie vor in unterschiedlichen Uniformen auf – das ist uns jetzt ein für allemal klar.

Mit Dank an Christian L.

Nachtrag, 5. Februar: In der Mediathek von tagesschau.de, in der die ARD bekanntlich keine fehlerhaften Beiträge archivieren will, haben sich die Redakteure für eine kreative Lösung entschieden. Wenn eigentlich die Männer mit den “Straż Miejska”-Westen im Bild wären, erscheint einfach diese Einblendung:

Kurze Unterbrechung. (Diese Bilder dürfen im Internet aus rechtlichen Gründen nicht gezeigt werden.

Black Box, Lehrerin, Strickjacke

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Das Edeka-‘Costa Concordia’-Paradoxon”
(fastvoice.net, Wolfgang Messer)
Wolfgang Messer prüft die Kritik an einer Werbebeilage, die im Netz “teils schadenfrohe und hämische, teils empörte Berichte und Kommentare” hervorrief. “Als im Lauf des Samstags das Ausmaß der Schiffskatastrophe vom Freitag, den 13., deutlich wurde, hätte Edeka selbst beim besten Willen keine Möglichkeit mehr gehabt, die Auslieferung der Werbebeilage noch zu stoppen.”

2. “Voll fett”
(klatschkritik.blog.de, Antje Tiefenthal)
Antje Tiefenthal hegt einen Verdacht: “In diesem Jahr wird es kaum noch eine Berichterstattung über Christine Neubauer geben, ohne das ‘Weight Watchers’ genannt wird.”

3. “Das Apfelkuchen-Prinzip”
(spiegel.de, Sascha Lobo)
Sascha Lobo macht Wirtschaft, Politik und Medien darauf aufmerksam, dass das Zeitalter der Black Box vorbei ist. “Politik und Wirtschaft sind anfälliger für den Druck der Öffentlichkeit und beginnen oft widerwillig und zum Teil inszeniert, aber spürbar, sich ständig in die Karten schauen zu lassen, ihre Prozesse transparenter zu gestalten. In vielen Medien aber scheint es kaum denkbar, die eigenen Schaffensprozesse konsequent sichtbar zu machen, wo es gefahrlos möglich wäre.”

4. “The Mystery of the Misunderstood Molester”
(andrewhammel.typepad.com, englisch)
Andrew Hammel beleuchtet die wiederkehrende Figur des unverstandenen Belästigers im “Tatort”. “Recently, at a lecture about crime fiction in Germany, I met a man who had written some scripts for German TV, and who complained of the heavy interference by editors, who frequently returned scripts with suggestions intended to make them more politically-correct. Evidently, the German cultural elite believes that ordinary Germans have a dangerously low opinion of convicted child molesters, and that this is an important problem that must be remedied by public education.”

5. “Darum ist das so. Like, really?”
(feigenblatt-magazin.de, Theresa)
Theresa widmet sich einigen Artikeln über die Beziehung zwischen Frauen und Männern, die sie kürzlich gelesen hat und meint damit “diese übertriebene Häufung von grandios generalisierenden Heulsusenartikeln, mit denen wir momentan überschwemmt werden”. “Was habt ihr eigentlich alle mit euren Strickjacken? Wir haben Januar, verdammt!”

6. “Die Lehrerin – ZDF Spielfilm”
(fraufreitag.wordpress.com)
Lehrerin Frau Freitag hält den ZDF-Film “Die Lehrerin”, ein Drama zum Thema Amoklauf, aus verschiedenen Gründen für unglaubwürdig. “Sorry, aber warum geht ihr nicht einfach mal in eine normale Schule rein und guckt euch um. Oder fragt mal Lehrer und Lehrerinnen, wie die so sind. So wie sie bei euch dargestellt werden nämlich nicht.”

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