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24. Dezember

Und – zack! – ist auch schon der 24. Dezember da. Der Heilige Abend, der Beginn des Weihnachtsfestes und das Ende unseres BILDblog-Adventskalenders 2011.

Zur Feier des Tages schmeißen wir ‘ne Runde:

BILDblog vom 24. Dezember 2011

Wie in den vergangenen Jahren auch, halten wir jetzt Winterschlaf.

Wir danken für die Aufmerksamkeit, die Mitarbeit und das Interesse und wünschen allen Lesern ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr!

Wir sehen uns im Januar 2012.

Mit Dank für die sachdienlichen Hinweise des Jahres 2011 an Achim S., Albrecht K., Alex A., Alexander B., Alexander H., altautonomer, Amelie, Amon T., Andi, Andi, Andre P., Andre S., André, Andreas G., Andreas K., Andreas L., Andreas N., Andreas R., Andreas Sch., Andreas T., Andreas, Anne, Anonym, Anonymous, Ares, Arne M., Arne P., Arno, Autoresponder, Axel Sch., B.W., Basti, Bastian B., Bastian K., Bastian, Bene, Benedikt, Benjamin M., Benjamin S., Benjamin T., Bernd A., Bernd H., Bernhard W., Bertolt, Birgit H., BJ, Bjoern S., Björn Sch., Björn, bono, Boris, Brainfucker, Bruder B., C., C.W., CaOs., Carapinha, Carsten B., Carsten H., Carsten Z., Cat D., Christian G., Christian H., Christian M., Christian N., Christian P., Christian S., Christian, Christiane P., Christina H., Christof K., Christoph A., Christoph E., Christoph G., Christoph S., Christoph T., Christoph W., Christoph, Clemens B., Clemens W., Conny S., Cornelius, D.N., Dan, Dani E., Daniel B., Daniel F., Daniel G., Daniel H., Daniel K., Daniel M., Daniel W., Daniel, Daniela B., David D., David H., David K., David P., David R., David, Dennis H., Dennis R., Dennis S., Dennis, DerPhi, Diana B., Diekmann, Dieter, Dimitrios P., Dirk T., Dirk, DJ, Dominik B., Dominik B., Dominik H., Dr. Nötigenfalls, E.K., egal, Elias P., Erik G., Erkan A., Eva, Fabian R., Fal H., Falke,Flo M., Flo, Florian B., Florian S., Frank H., Frank M., Frank Sch., Frank, Franky H., Frederik Sch., FreSch, Gabriel W., Gert M., Giovanni, H.K., H.N., Hainz M.,Hannes, Hanno B., Hans E., Hans K., Hans P., Hauke H., Heinz M., Helga B., Hendrik G., Hendrik, Henman, Henning, Henry W., Holger K., Horst B., Horst M., Horst W., I.M., Icke, Ilonka L., Irgendwer555, Ivo B., Jaanus, Jakob B., Jakob V., Jakob, Jan C., Jan D., Jan G., Jan H., Jan S., Jan T., Jan-Christoph K., Jan, Jan, Janek W., Janine K., Jens D., Jens G., Jens L., Jens Sch., Jens W., Jens, JJZ, Jo A., Joachim K., Joachim L., Jochen H., Joe, Johannes G., Johannes K., Johannes, John Doe, Jojo, Jonas I., Jonas, Jonathan O.,Jörg A., Jörg E., Jörg S., Josef N., Josef Sch., josspam, Juli, Julia M., Julian H., ,Jürgen H., Jürgen L., Jürgen N., Juri S., Kai H., Kai, Karl H., Karsten, Katharina, Kathrin G., Katrin Sch., Kevin R., KiB, Kieler, Kiki W., Klaus M., Klaus Sch., Konstantin K., Krischn, Kritiker123, Lars B., Lars H., Lars L., Lecra, Leo, Leo, Lieven R., Lina, Lothar Sch., Lothar Z., Lothar, Low87, Lukas K., Lukas M., Lukas, Lutz K., M. Sch., M.K., Machete04, Magnus G., Maik H., Marc, Marcel G., Marco G., Marco L., Marco S., Marco, Marcus M., Marcus W., Mareike H., Maria M., Mark K., Markus K., Markus L., Markus M., Markus S., Markus Sch., Markus T., Martin D., Martin E., Martin G., Martin H., Martin L., Martin R., Martin S., Martin Sch., Martin T., Martina Y., Matthias B., Matthias K., Matthias L., Matthias M., Matthias Sch., Matthias T., Matthias U., Matti, Maximilian K., Maximilian, MB, MCalavera, Michael B., Michael H., Michael H., Michael K., Michael L., Michael M., Michael R., Michael W., Michel V., Miguel T., miguel, Miguel, Mike W., Mithrandir, Moritz G., Moritz N., Moritz, Mr. X, Murry, Mutlu Y., Nico N., Nico S., Nicolas S., Nicole B., Nicole H., Niels, Niklas R., Nils K., Nils, noir, Nora T., Norbert E., Norbert P., Nordbergh, nothing, O. St., Oliver K., Patrick D., Patrick P., Patrick, Paul Z., Paulchen, Pekka R., Per K., Peter M., Peter S., Peter, Petra O., Petra S., Philip L., Philip Z., Philipp E., Philipp K., Philipp M., Philipp O., Philipp S., Philipp T., Philipp W., Ploegi, PM, Pottblogger, Ralf H., Ralf M., Raphael S., Rayko M., Rebecca, Reinhold, Rene W., Richard F., Richard S., Robert D., Robert L., Robert Sch., Robert W., Robin A., Roland W., Rolf M., Rolf, Roman S., Ronald F.,Ronald P., Rüdiger F., Sabine B., Sabrina T., Sanni, Sarah E., Sascha, Schreiberling, Sebastian A., Sebastian C., Sebastian K., Sebastian K., Sebastian L., Sebastian, Simon G., Simon G., Simon W., Simon, Simone, spot, spot, Stefan J., Stefan K., Stefan K., Stefan M., Stefan M., Stefan W., Stefan, Steffen F., Steffen K., Steffen M., Steffen S., Steffi, Stephan K., Stephan R., Stephan T., Stephan U., Stephanie H., stickytape, Sven G., Sven S., Svenja W., Takuro K., tharcel, Therese, Thomas A., Thomas B., Thomas D., Thomas F., Thomas G., Thomas H.,Thomas P., Thomas S., Thomas Sch., Thomas T., Thomas U., Thomas, Thorsten K., Till G., Tilman Sch., Tim G., Tim L., Tim W., Timo H., Timo Sch., Timo W., Timon S., Timon, Tino M., Tobias F., Tobias G., Tobias N., Tobias P., Tobias R., Tobias W., Tobias, Tom Z., Tom, Tomek, Torben I., Torben K., Torben S., Torsten B., Torsten B., Torsten R., Torsten S., Torsten, tuennes, Uwe R., V., Vincent M., Volker K., Webreporter, Widerspenst, Wolfgang, Yorrik B. — und alle anderen, auch die vielen, deren sachdienliche Hinweise wir nicht berücksichtigen konnten!

AFP  

Agentur rechnet sich einen Bruch

Vom Fußballer Horst Szymaniak ist die Legende überliefert, dass er bei Vertragsverhandlungen erklärt haben soll, er wolle nicht ein Drittel mehr Gehalt, sondern “mindestens ein Viertel”. Ob wahr oder nicht: Diese Geschichte lehrt, dass bei der Bruchrechnung Vorsicht geboten ist.

Und damit zu der höchst umstrittenen Verfassungsänderung in Ungarn. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete gestern dazu:

Die Regelung sieht vor, dass für Gesetze, die im Schnellverfahren verabschiedet werden, künftig nicht mehr eine Dreifünftel-, sondern nur noch eine Zweidrittel-Mehrheit erforderlich ist.

In Prozentwerte umgerechnet hieße das, dass für Gesetze, die im Schnellverfahren verabschiedet werden, künftig nicht mehr eine 60-Prozent-, sondern “nur noch” eine 66,6-Prozent-Mehrheit erforderlich wäre. Nur: Warum sollte sich die rechtskonservative Regierungspartei, die im Parlament eine Zweidrittel-Mehrheit hält, die Arbeit unnötig erschweren?

Tatsächlich sieht die Situation ganz anders aus:

Die Neufassung bedeutet, dass zukünftig eine Zweidrittelmehrheit anstelle einer Vierfünftelmehrheit erforderlich ist, um Gesetze per Eilverfahren in zwei Tagen zu verabschieden (…).

(Übersetzung von uns.)

Der AFP-Fehler findet sich auch bei n-tv.de, n24.de und handelsblatt.com. sueddeutsche.de und “Zeit Online” haben ihn verschlimmbessert, indem sie naheliegenderweise annahmen, statt einer Zweidrittel- sei nun eine Dreifünftelmehrheit erforderlich.

Mit Dank an Michael H.

Nachtrag, 14.10 Uhr: “Zeit Online” hat den Fehler transparent korrigiert.

2. Nachtrag, 21. Dezember: n-tv.de und n24.de haben den Fehler auf unterschiedliche Weise korrigiert.

Müllbilder, Behinderung, Ai Weiwei

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Geschichten aus der Gruft zum Gruseln”
(faz.net, Peer Schader)
Wie die RTL-Sendung “Einsatz in 4 Wänden” und andere Menschen mit Messie-Syndrom inszenieren: “Müllbilder werden farblich verfremdet und mit Choralgesängen unterlegt. Außenaufnahmen der renovierungsbedürftigen Häuser werden mit surreal wirkenden Effekten aufgepeppt. Per Computer lässt RTL dunkle Wolken aufziehen, schickt Blitze und Regen vom Himmel und montiert zwei in der Wohnung aufgenommene Weberknechte so ins Bild, dass es aussieht, als würde das Haus von Riesenspinnen angegriffen.” Siehe dazu auch Peer Schaders Blogeintrag “Die falschen Experten aus den Messie-Sendungen”.

2. “Wenn Sprache behindert”
(raul.de, Raúl Krauthausen)
Raúl Krauthausen liest Zeitungen und Magazine, die über “Behinderung” schreiben. “Journalisten_innen neigen dazu, die Extreme einer Person beziehungsweise einer Geschichte hervorzuheben und zu überhöhen. Dann überstrahlt das schwere ‘Schicksal’ des ‘Sorgenkinds’, alles, was diesen Menschen über seine Behinderung hinaus auszeichnen könnte. Das andere Extrem ist der ‘Superkrüppel’, jener Mensch, der seine Behinderung offenbar ‘überwunden’ hat, den Mount Everest mit seinem Rollstuhl erklimmt, und als Held gefeiert wird. Wenn jemand etwas ‘trotz’ statt ‘mit’ seiner Behinderung schafft, dann ist es sofort eine besondere Leistung. ”

3. “Ai Weiwei und die deutsche Presse – Einige Nachfragen”
(doppelpod.com, Christian Y. Schmidt)
Christian Y. Schmidt stellt Fragen zu Ai Weiwei: “Wieso gilt ein Mann, der in China auch heute noch weitgehend unbekannt ist, in Deutschland als ‘Chinas prominentester Künstler, der großartige Werke geschaffen hat’?”

4. “Chinas Informations-Monopol wackelt”
(infosperber.ch, Peter G. Achten)
Die Arbeit der chinesischen Zensur wird immer schwieriger – dank dem Internet: “Eine Fernsehsendung kurz mit einem schwarzen Bildschirm zu unterbrechen – was notabene auch heute noch vorkommt, vor allem bei Hongkong- und ausländischen Sendern – ist wahrlich keine grosse Kunst, und in Zeitungen und Zeitschriften aus dem Ausland Seiten zu entfernen – wie neulich beim deutschen Nachrichtenmagazin ‘Der Spiegel’ und dem britischen ‘Economist’ – ist zwar arbeitsintensiv, aber weiter auch kein Problem. Schwieriger schon wird es beim Internet und brenzelig bei der seit wenigen Jahren schnell wachsenden Micro-Blogger-Szene.”

5. “Neulich in der BILD (I): ’10 Urteile, die uns wütend machen!'”
(wissmit.com)
WissMit.com, “ein privates Projekt von wissenschaftlichen Mitarbeitern und Hilfskräften der juristischen Fakultät der Universität zu Köln”, befasst sich mit einigen der “10 Urteile, die (nach BILD-Meinung) wütend machen sollen!”

6. “Spaniens große Parteien kontrollieren die Berichterstattung”
(dradio.de, Hans-Günter Kellner)
Wahlkampf in Spanien: “Bilder und Töne liefern die Parteien den Medien direkt per Satellit oder via Internet. Journalisten dürfen nicht in die Säle und werden in die Presseräume verwiesen, wo sie auf Bildschirmen die Veranstaltung verfolgen dürfen. So stehen die Kandidaten immer im richtigen Licht. Halbleere Säle oder gar Störer, die früher auch mal Protestplakate in die Höhe hielten, fallen nicht mehr auf.”

Schöner Einbrechen mit Facebook (3)


Dass Internet-Dienste wie Facebook, Twitter oder Google Street View nicht nur Vorteile, sondern auch Gefahren mit sich bringen, das wissen wir alle. Und trotzdem ist es beängstigend, dass laut einer aktuellen Umfrage in Großbritannien rund 80 Prozent der gefassten Einbrecher ihre Opfer zunächst übers Internet ausgespäht haben. (…) Laut Studie nutzen mehr als 70 Prozent der befragten Diebe zusätzlich Google Street View, um sich bequem vom Sofa aus ein Bild vom Zielobjekt zu machen.

So berichtete am vergangenen Samstag der Fernsehsender ProSieben in seinen Nachrichten, und noch beängstigender als die Zahl ist natürlich, wie viele Journalisten sie glauben und verbreiten.

Um es noch einmal zu sagen: In der Studie wurden ehemalige Einbrecher bloß gefragt, was sie glauben, ob Einbrecher von heute auch Facebook und ähnliche Dienste bei ihrer Arbeit nutzen. Knapp 80 Prozent der Befragten nahmen das an. Ob und in welchem Umfang Einbrecher ihre Opfer tatsächlich mit Hilfe des Internets ausspionieren, verrät die Studie nicht.

Unbeantwortet ist nach wie vor auch die Frage, wie hoch der Anteil der Journalisten ist, die bei der Arbeit auf ihr Gehirn zurückgreifen. Falls sich an dem Thema mal ein seriöser Wissenschaftler versuchen möchte, bieten wir hier weiteres aussagekräftiges Material:

Den “Berliner Kurier”:

Die “Magdeburger Volksstimme”:

(…) Schön ist, dass heutzutage Diebes-Personal eingespart werden kann. Der Kumpel, der früher Schmiere stehen musste, hat ausgedient. Die Gefahr, dass jemand überraschend auftaucht, ist verschwindend gering.

Das glauben Sie nicht? Na, dann nehmen wir 50 Ex-Einbrecher als Kronzeugen. Die haben in einer ungewöhnlichen Studie verraten, dass sie (als sie noch richtig fies und gemein waren) Facebook und Co. genutzt haben, um ihre Beutezüge vorzubereiten. Sozusagen Internet-Shopping für Einbrecher. (…)

Die “B.Z.”:

Internetdienste wie Facebook, Twitter oder Foursquare werden zur Gefahr für Wohnungsbesitzer und Mieter. Bei einer Umfrage unter gefassten Einbrechern in Großbritannien gaben rund 80 Prozent der Kriminellen an, sich mittlerweile bei Facebook & Co. darüber zu informieren, wo sich ein Einbruch lohnt, und wo gerade niemand zu Hause ist.

Die “Tiroler Tageszeitung”:

(…) Eine Befragung früherer Einbrecher in England hat ergeben, dass sich 78 Prozent mithilfe von Internetplattformen über Objekte und ihre Bewohner informieren. (…)

Mit Dank an Peter S. und Christiane P.!

Schwer verliebt, Josef Joffe, Berliner Kurier

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Sie saugen Deine Seele aus”
(rhein-zeitung.de, Vera Müller)
Vera Müller schreibt an Sarah, Kandidatin der Sat.1-Sendung “Schwer verliebt”: “Die Fernsehmacher, über die du in unserem Telefonat vor der ersten Sendung am Donnerstag gesagt hast, dass sie nett gewesen seien, führen dich vor, stellen dich bloß, nehmen dir deine Würde, deinen Stolz. Sie saugen deine Seele aus. Ihnen ist jedes Mittel recht. Sie spielen mit deiner Einsamkeit, deinen Träumen und Sehnsüchten. Sie verkuppeln dich nicht. Sie veräppeln dich und machen dich lächerlich.”

2. “So nicht, Herr Joffe!”
(theeuropean.de, Martin Eiermann)
Martin Eiermann vergleicht den “Handelsblatt”-Artikel “Wir machen uns selbst überflüssig” von Josef Joffe mit dem “New York Times”-Artikel “Our Unpaid, Extra Shadow Work” von Craig Lambert. Auf Anfrage schreibt Josef Joffe dazu: “Daraus einen Plagiat-Strick zu drehen, erfordert Fantasie und selektives Lesen.”

3. “Die alltägliche Klickgeilheit: Berliner Kurier”
(blogs.taz.de/popblog, Christian Ihle)
Wie ein Interview mit Mickey Rourke auf berliner-kurier.de dargeboten wird.

4. “Ein Herz für die Deutsche Telekom”
(taz.de, Jakob Schulz)
“Bild”, das ZDF und die Deutsche Telekom beteiligen sich an einer Handy-Recycling-Aktion. “Die wohltätige Aktion dürfte der Telekom pünktlich zum wichtigen Weihnachtsgeschäft Hunderttausende potenzielle Kunden in die Läden spülen.”

5. “Post an Wagner: Jetzt wird zurückgeschrieben”
(boschblog.de)
Bosch schreibt an Franz Josef Wagner, nachdem dieser einen Brief an Thomas Gottschalk schickte.

6. “Helmut Schmidt schlägt Peer Steinbrück als neuen ‘Wetten, dass..?’-Moderator vor”
(der-postillon.com, Satire)
“‘Er kann es’, sagt Schmidt mit Nachdruck und zündet sich auf beide Mundwinkel verteilt gleich zwei Zigaretten an.”

Bild  

Kein Glück im Wortspiel

Bei “Bild” waren sie so stolz auf ihr Wortspiel, dass sie es gleich zwei Mal bringen mussten:

Jack Black spielt Black Jack. Der US-Schauspieler Jack Black (42, "School Of Rock") nimmt hier an einem Charity-Glücksspiel teil — und schenkt uns damit dieses Wortspiel: "Jack Black spielt Black Jack."

Wir wollen die Euphorie nur ungern bremsen, aber das “Charity-Glücksspiel”, an dem Jack Black da teilgenommen hat, war ein PokerTurnier.

Mit Dank an Carapinha und H.K.

Moslems machen der Liebe ein Ende

In London hat ein Kosmetikgeschäft geschlossen. Dies allein ist keine Meldung, die es in “Die Welt” schaffen würde — schon gar nicht in die dortige Rubrik “Meinung”.

Wenn es sich allerdings um ein israelisches Kosmetikgeschäft handelt und der Schließung Proteste, Verzeihung: eine wöchentliche “wilde Demo Hunderter junger Muslime”, vorangegangen sind, dann ist das natürlich ein Fall für “Die Welt” — und für die üblichen Islamfeinde, die solche Meldungen weitertratschen.

Autor Michael Stürmer, Historiker und Chefkorrespondent der “Welt”-Gruppe, hatte sich allerdings auch alle Mühe gegeben, das Ende des Londoner Flagship Stores der israelischen Kosmetikfirma Ahava an das schwarz-weiße Weltbild der Islamophoben anzupassen. Auf der einen Seite der christlich-jüdische, tolerante Westen, auf der anderen Seite eben die “wilden” Muslime, die in London am Liebsten “Londonistan” ausrufen würden:

Zur Gentrifizierung gehörte die Einrichtung der Londoner Hauptfiliale des israelischen, am Toten Meer beheimateten Unternehmens “Ahava” – was auf Hebräisch Liebe heißt.

Zu Londonistan gehört die jeden Samstag stattfindende wilde Demo Hunderter junger Muslime, die dieser Tage der Liebe ein Ende machten und das Unternehmen zwangen, den Laden aufzugeben.

Ausführlich beschreibt Stürmer die tollen Produkte von Ahava, die aus dem Heilschlamm vom Grunde des Toten Meeres hergestellt werden, und von der ruhmreichen Geschichte dieser Produkte (“Es gibt nicht viele moderne Kosmetikprodukte, deren Lob schon im Alten Testament zu finden ist.”).

Aber nicht alle Menschen finden die Ahava-Produkte so toll wie Michael Stürmer, weswegen es zu unschönen Szenen kam:

In London hat der Heilschlamm zwar Kunden angezogen, aber leider auch gewalttätige Protestierer, die den benachbarten Läden, von Ahava nicht zu reden, das Leben so zur Hölle machten, als sei noch einmal Sodom und Gomorrha. Die Polizei gab sich redlich Mühe, aber nicht genug.

Nach Wochen des Kräftemessens gaben die braven Bobbys auf. Weder Polizei noch Anwohner hatten den Nerv, den Randalierern standzuhalten.

Für Stürmer ist klar, womit wir es hier zu tun haben:

London, einst die zivilisierteste Stadt in Europa, räumt zugereisten Fanatikern ein Vetorecht darüber ein, ob jemand einen Laden führen darf.

Die Lehre für London und den Rest der Welt: Wenn wir so weitermachen, ist Londonistan bald überall.

Wenn er sich nicht seinen ausführlichen Ausflügen in die Geschichte von Heilschlamm, Altem Testament und Totem Meer gewidmet hätte, hätte Stürmer vielleicht noch Zeit gehabt, auf ein nicht ganz unbedeutendes Detail in der Geschichte der Firma Ahava einzugehen: Die Firma produziert in einer israelischen Siedlung im Westjordanland, das eigentlich zu den palästinensischen Autonomiegebieten gehört. Diese Siedlung ist nach internationaler Einschätzung illegal und verstößt gegen die Genfer Konvention.

Verschiedene Organisationen wie die pazifistische Bürgerrechtsbewegung Code Pink haben Ahava vorgeworfen, mit Bodenschätzen Geschäfte zu machen, die den Palästinensern gestohlen worden seien. In Südafrika dürfen Waren wie die von Ahava nicht mehr als israelische Produkte verkauft werden, sondern müssen als “Produkte illegaler Besiedlung in den Besetzten Palästinensischen Gebieten” ausgezeichnet werden.

Diese Informationen wären hilfreich gewesen um zu verstehen, dass sich die Proteste gegen Ahava nicht auf plumpen Antisemitismus reduzieren lassen. Vielmehr wären sie ein schönes Beispiel um zu zeigen, wie sich der seit Jahrzehnten schwelende Nahost-Konflikt im Alltag und im Badezimmerschrank westlicher Bürger niederschlägt. Doch Michael Stürmer hat sich dagegen entschieden, diese Geschichte zu erzählen.

Mit Dank an Christoph G.

Buschmann, Ratgeber-Tante, Wolfsburg

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Studien verstehen – Statistiken im Journalismus”
(ndr.de, Video, 5:32 Minuten)
Studien werden von Medien gerne aufgegriffen, da ja, wenn schon genau untersucht wurde, nicht mehr genau recherchiert werden muss. In der kürzlich herumgereichten Studie zur Internetabhängigkeit (PDF-Datei) ist die von vielen Medien verbreitete Zahl der 560.000 internetsüchtigen Deutschen übrigens nirgends zu lesen – die taucht erst in der Pressemitteilung der Drogenbeauftragten auf.

2. “Aus der Sicht unserer Leser”
(zeit.de, Sebastian Horn)
Sebastian Horn blickt zurück auf hundert erschienene Leserartikel.

3. “Telegen sei der Buschmann, fröhlich und bunt”
(philibuster.de, Marko Pfingsttag)
Marko Pfingsttag befasst sich mit dem Afrikabild im Fernsehen: “So hat und hätte man ihn gerne, den Schwarzen: lebens- und farbenfroh, weswegen er sich ganz hervorragend im Bildermedium Fernsehen macht, gerade in einem bierdimpfelig-wohlfühligen Unterhaltungsformat wie ‘Schwiegertochter gesucht’, wo ein jedes sein dazugehöriges Adjektiv trägt, wo das Happa stets ‘herzhaft’ und Brandenburg ‘beschaulich’ ist, und wo die Teilnehmer wahlweise zum ‘Brillenträger’ oder zur ‘Keksverpackerin’ reduziert werden.”

4. “Journalismus oder Hetzjagd?”
(nachrichten.at, Peter Grubmüller)
Der neue Trainer der Fußballnationalmannschaft Österreichs, Marcel Koller, wird von den Medien frostig empfangen. Im Interview versucht Sport- und Medienwissenschafter Minas Dimitriou, Gründe dafür zu finden. Siehe dazu auch den Leitartikel von Gerald Mandlbauer.

5. “Kein Politikjournalist – und stolz drauf!”
(anitagrasse.com)
Kollegen lächeln spöttisch, “sobald sie erfahren, dass ich die Senioren-Seiten schreibe und die Ratgeber-Tante der Zeitung bin”, bemerkt Anita Grasse. “Das macht mich wütend, denn handwerklich unterscheidet sich meine Arbeit nicht von der eines Politikjournalisten.”

6. “Wolfsburg erwartet den 100. ICE, der nicht anhält”
(welt.de, Hans Zippert)
“In Wolfsburg laufen die Vorbereitungen für die größten Feierlichkeiten, die die Stadt je erlebt hat. In Kürze erwartet man dort den 100. ICE, der nicht in Wolfsburg anhält.”

Straßenkämpfe, Trinkkonzepte, Konfetti

6 vor 9

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1. “Empören wir uns nicht genug, Herr Harpprecht?”
(mediummagazin.de, Annette Milz)
Vom “Einstein” in der Kurfürstenstrasse bis zum “Borchardt” in der Französischen Straße sei das Vertrauen und die Vertraulichkeit das gängigste Korruptionsmittel zwischen Medien, Politik und Wirtschaft in Berlin, sagt Klaus Harpprecht: “In Wahrheit sind die vermeintlich exklusiven Informationen meist nur Bestechungsmittel, um Journalisten zu bauchpinseln.”

2. “Pöbler, Drängler, Straßenkämpfer”
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
“Der Straßenkampf – Rüpel-Republik Deutschland” heißt die Titelgeschichte des aktuellen “Spiegel”. Unter den Linden in Berlin spiele sich das so ab: “Der Wagen sei in Sekundenschnelle ‘umzingelt’, links und rechts schießen die Radler vorbei, um danach an der Ampel die ‘Poleposition’ zu suchen und schließlich fahren sie dann demonstrativ nebeneinander und kümmern sich nicht drum, dass sie den Verkehr aufhalten. Muss man nur mal nach Berlin für fahren, um diesen unerträglichen Straßenkampf zu erleben!”

3. “Nachhaltige Vollverblödung”
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.com, Thomas)
Auf “Zeit Online” entdeckt Thomas eine Reklame für Flaschen aus Borosilikatglas, die in umweltfreundlichem, skandinavischen Design daherkommen und ein nachhaltiges Trinkkonzept verfolgen.

4. “Kommentar zur Berichterstattung über den Hirschmannprozess”
(feldstecher.wordpress.com)
Mehrere Schweizer Medien konsultieren in der Berichterstattung über den Prozess gegen Carl W. Hirschmann jun. den gleichen Experten, den Zürcher Anwalt Valentin Landmann: “Seine Konkurrenten im Zürcher Anwaltsverband haben nicht einmal im Ansatz eine vergleichbare Werbefläche.”

5. “Alles kostet Geld, und auch mein Service kostet”
(welt.de, Benjamin von Stuckrad-Barre)
Benjamin von Stuckrad-Barre besucht den ehemaligen ARD-Talker Jürgen Fliege.

6. “9/11”
(blog.bassena.org, H​a​n​s K​i​r​c​h​m​e​y​r)
H​a​n​s K​i​r​c​h​m​e​y​r war am 11. September 2001 in New York: “09:04 – Dichter Qualm: Minuten später wurden mir die glitzernden ‘Konfetti’ zu dutzenden vor die Füße geweht. Es waren die Akten, Briefe und Notizen jener Menschen, die da oben gearbeitet hatten.” Zu 9/11 siehe auch die Erinnerungen von Ulrich Wickert (“So, und wer ist das? Ich habe keine Ahnung”) und diese neue Verschwörungstheorie (“Stecken Verschwörungstheoretiker hinter den Anschlägen vom 11. September?”).

Bild  

Aus großer Kraft folgt große Verantwortung

Wenn ein Taxifahrer einen weiblichen Fahrgast gewaltsam in den Kofferraum seines Wagens packt, dann kreuz und quer durch Hamburg fährt, schließlich vor dem eigenen Haus parkt und sich schlafen legt, während das Opfer erst nach insgesamt sechs Stunden von aufmerksamen Nachbarn befreit wird, dann könnte man unter Umständen annehmen, dass der mutmaßliche Täter nicht ganz bei Trost ist — oder es zumindest vorübergehend nicht war.

Diese Beweisführung reicht “Bild Hamburg” nicht aus. Stattdessen durften zwei Reporter im Privatleben des mutmaßlichen Täters und seiner Familie herumschnüffeln. “BILD auf Spurensuche” nennt sich das dann.

Und das Ergebnis sieht so aus:

BILD auf Spurensuche Die irre Welt des Taxi-Entführers +++ Er hielt sich für Spiderman +++ Er wohnte mit 57 noch bei Mama +++ Er wollte Pfand für leere Wodka-Flaschen

Taxi-Entführer [R.], der eine Frau sechs Stunden im Kofferraum seines Wagens gefangen hielt – langsam kommt zu Tage, wie durchgeknallt er ist.

Die Beweisführung dafür, “wie durchgeknallt” der “Taxi-Entführer” ist, klingt dabei arg an den Haaren herbeigezogen. Und fast schon im Vorbeigehen verletzt “Bild” die Persönlichkeitsrechte des mutmaßlichen Täters und seiner Familie:

Er ist 57 Jahre alt, lebt aber immer noch bei seinen Eltern, auf einem Hof bei Norderstedt. Unten wohnen Mutter […] und Vater […], den ersten Stock teilen sich [der mutmaßliche Täter], seine […] Schwester, sein […] Bruder und dessen Ehefrau.

Abgesehen davon, dass eine solche Wohnsituation auch wohlwollend als Mehrfamilienhaus mit verschiedenen Generationen unter einem Dach bezeichnet werden könnte, nennt “Bild” nicht nur das Alter jedes einzelnen Familienmitglieds, sondern zeigt auch noch ein Foto des Hofs inklusive Ortsangabe.

Nächster Beleg für die “Durchgeknalltheit” des mutmaßlichen Täters:

Er hielt sich für Spiderman. Ein Foto des Spinnenmannes mit dem einmontierten Gesicht von […] hängt bei einem früheren Arbeitgeber an der Wand.

Es ist noch nicht mal klar, ob der mutmaßliche Täter diese Montage selbst angefertigt hat. Ihm allein deshalb unterstellen, er halte sich für Spiderman, ist perfide. Dann müsste sich auch Kai Diekmann für eine gigantische Statue mit einer goldenen Gurke in der Hand halten.

Müssen wir noch erwähnen, dass das Gesicht des Taxifahrers in der Spiderman-Montage bei “Bild” nicht anonymisiert ist?

Und die “Bild”-Spurensucher fanden noch mehr heraus:

Er wollte Pfand für Wodka-Flaschen! Am 9. Juni tauchte Ralph B. mit seinem Taxi bei einer Tankstelle auf und wollte die leeren Fusel-Pullen abgeben.

Das muss man sich mal vorstellen: Pfand für Wodkaflaschen als Indiz für Wahnsinn! Wenn jeder, der das deutsche Flaschenpfandsystem nicht ganz durchblickt, “durchgeknallt” ist oder in einer “irren Welt” lebt, dann haben wir ein Problem.

Sollte “Bild” trotz dieser lausigen Beweise richtig liegen, was die Frage nach der geistigen Gesundheit des mutmaßlichen Täters angeht, dann hätten die beiden Reporter (neben der o.g. Verletzungen der Persönlichkeitsrechte) ironischerweise auch noch gegen diese Richtlinie des Pressekodexes verstoßen:

Richtlinie 4.2 – Recherche bei schutzbedürftigen Personen
Bei der Recherche gegenüber schutzbedürftigen Personen ist besondere Zurückhaltung geboten. Dies betrifft vor allem Menschen, die sich nicht im Vollbesitz ihrer geistigen […] Kräfte befinden oder einer seelischen Extremsituation ausgesetzt sind […]. Die eingeschränkte Willenskraft oder die besondere Lage solcher Personen darf nicht gezielt zur Informationsbeschaffung ausgenutzt werden.

Mit Dank an Leo.

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