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1. “Nur die Harten…” (haihappening.de, David Theis)
Der “Bibelkommentar” des Radiosenders SWR3 befasst sich mit dem Freitod von Timo Konietzka.
2. “Aus unseren Kreisen” (vocer.org, Christian Meier und Stephan Weichert)
Christian Meier und Stephan Weichert charakterisieren verschiedene Typen des Medienkritikers: Allrounder, Fachredakteur, Wirtschaftsexperte, Kritiker, Regulierer, Technikversteher: “Zum Job gehört es naturgemäß, sehr viel Zeit mit dem tatsächlichen Konsum von Medien zu verbringen – Filme anzuschauen, Zeitschriften zu lesen, vielleicht Drehbücher zu studieren oder Hörspielen zu lauschen. Was für andere Zeitvertreib und Entspannung ist, bleibt für den Kritiker Arbeit.”
5. “Nur Verlierer, keine Gewinner” (medien-monitor.com, Sophie Mono)
Sophie Mono mag sich nicht auf die RTL-Sendung “DSDS Kids” freuen: “Es wird Niederlagen geben, Tränen und Misserfolge, so viel steht fest. Und selbst die erfolgreichen Kids werden das helle Rampenlicht und seine Schattenseiten sicherlich nicht unversehrt überstehen.”
6. “Wie PR-Agenturen ticken” (stadioncheck.de)
Eine PR-Agentur bietet eine Medienkooperation an. Stadioncheck.de antwortet.
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1. “Stirbt das Land vor Langeweile?” (berliner-zeitung.de, Malte Welding)
Deutschland sei ein Entwicklungsland der Unterhaltung, schreibt Malte Welding in einem langen Text zum deutschen Fernsehen: “Das deutsche Fernsehen steht so patschzufrieden im eigenen Saft, dass es mit großer Fröhlichkeit darin ersaufen wird, in der Karnevalsbrühe aus Küstenwachenwiederholungen und Serien mit Tieren in der Hauptrolle und Selbstversicherungskabarettsendungen und Redaktionen nach Parteiproporz, die Politsendungen simulieren, und ist die Rente sicher und kippt der Euro und stirbt das Land? Ja, das Land stirbt. Vor Langeweile.”
2. “Die Gesellschaft hat auf ‘live’ umgeschaltet” (tageswoche.ch, Peter Sennhauser und Matieu Klee)
Welche Auswirkungen auf den Journalismus das Zusammenspiel von Leserreportern und Redaktionen hat. “Heute kann die Verbreitung von Unfallbildern via Soziale Medien nicht und in den professionellen Medien je länger je weniger gebremst werden. Diesen Trend sehen die Infostellen des Basler Sicherheitsdepartementes an Bagatellfällen: ‘Wir verzeichnen eine deutliche Zunahme von Anfragen aus Redaktionen, wenn schon nur irgendwo drei Streifenwagen zugleich stehen’, sagt Martin Schütz. Alarmiert von den Amateurberichterstattern auf Twitter, verlassen sich Journalisten nicht mehr auf herkömmliche Informationskanäle und fragen nach. Auch dann, wenn die Polizisten lediglich in der Pause gemeinsam einen Kaffee trinken wollen.”
3. “Eine Nase tankt Super” (zeit.de, Anne Kunze)
Anne Kunze beschäftigt sich mit Verträgen zwischen der ARD und Moderatoren: “Der Vertrag für Gottschalk live wurde zwischen der privaten Produktionsfirma Grundy Light Entertainment und der ARD-eigenen Gesellschaft Degeto geschlossen. Der Medienforscher Horst Röper spricht von einem ‘Trick, den die Intendanten schon mehrfach angewendet haben, um die Gremien zu umgehen. Es geht nicht um Peanuts, sondern um Riesenaufträge. Eine wirkungsvolle Kontrolle durch die Gremien findet nicht statt. Das geht doch nicht.'”
5. “Ich bin nicht immer meiner Meinung” (nzz.ch, Georg Renöckl)
Georg Renöckl interviewt Karl-Markus Gauß: “Ich glaube, dass sich die Zeitungen am ehesten selbst abschaffen, wenn sie ihre ureigenen Qualitäten zurückdrängen und versuchen, sich mittels aufgeblähter Fototeile und anderer Dinge, die nicht ihr genuines Merkmal sind, eine fadenscheinige Modernität zu verleihen. Zeitungen werden überleben, wenn sie wirklich im klassischen Sinne aufklärende Medien sind, mit anspruchsvollem Programm.”
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1. “Quote und öffentlich-rechtlicher Programmauftrag” (funkkorrespondenz.kim-info.de, Gert Monheim)
Ex-WDR-Dokumentarfilmer Gert Monheim erinnert sich an seine erstmalige Begegnung mit der Quote: “Die Quote spielte in den 70er Jahren für meine Arbeit direkt keine Rolle, die tauchte meiner Erinnerung nach bezeichnenderweise 1984 zum ersten Mal im Zusammenhang mit einer meiner Dokumentationen auf. (…) Sowohl die Auswahl der Themen als auch ihr Stellenwert, sprich: Sendeplatz im Programm, wurde ursprünglich nach qualitativen Gesichtspunkten und gesellschaftlichen Bedürfnissen getroffen.”
2. “Wie Pressefotos die Wirklichkeit manipulieren” (zeit.de, Carsten Luther)
Der 22-jährige Journalist Ruben Salvadori (Website) blickt aus einem anderen Blickwinkel auf die Pressefotografie (Fotos). “Lediglich die Wahl eines anderen Ausschnitts, eines anderen Blickwinkels lässt dramatische Szenen plötzlich harmlos wirken. Zugleich entlarvt sie die kleinen und großen Tricks der Fotografen, die von der leichten Verfälschung durch Weglassen bis zur bewussten Manipulation und Inszenierung reichen.”
3. “Studie weist hohe soziale Auslese bei Journalistenschulen nach” (heise.de/tp, Rudolf Stumberger)
Der unausgewogene soziale Hintergrund von Absolventen deutscher Journalistenschulen: “Während bereits 51 Prozent aller Studierenden ein Elternteil mit Hochschulabschluss haben, sind es bei Journalistenschülern sogar 71 Prozent. Wen wundert es dann, dass an Journalistenschulen keine Schüler aus der Herkunftsgruppe ‘niedrig’ zu finden sind: ‘Kinder von Facharbeitern oder ungelernten Arbeitern, mit dem Blickwinkel und dem Erfahrungshorizont dieser Gruppe, existieren an den Journalistenschulen nicht.'”
4. “Wer wirbt für BILD?” (arne-nordmann.de)
Arne Nordmann stellt seine Website wirbt-fuer-bild.de vor: “Eine Website, die nichts anderes tut, als klar und übersichtlich diejenigen Prominenten aufzuführen, die trotz der – sehr wohl bekannten – Kritik an der ‘Bild’-Zeitung für diese werben.”
5. “Der Radiergummi der Tagesschau” (netz10.de, linuxnetzer)
Obwohl am 21. März um 0:37 Uhr noch nicht klar ist, welchen Hintergrund die Anschläge in Toulouse und Montauban haben, liefert Tagesschau.de bereits einen Hintergrundartikel mit dem Titel “Die blutige Spur des rechtsextremen Terrors”, der wie folgt angekündigt wird: “Die Anschläge in Frankreich haben möglicherweise einen rassistischen und antisemitischen Hintergrund. Damit wären innerhalb eines Jahres in Europa mehr als 80 Menschen bei rechtsextremen oder rassistischen Anschlägen ermordet worden.”
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2. “Die programmierte Blamage” (spiegel.de, Christoph Lütgert)
Bei seinem Auftritt bei “Menschen bei Maischberger” sei Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer zu viel Raum für Eigenwerbung eingeräumt worden, kritisiert Christoph Lütgert: “Die ersten geschlagenen 20 der 75 Maischberger-Minuten durfte sich Maschmeyer ganz allein verbreiten, sein jüngstes Buch mit den Plattitüden bewerben, als sei es tatsächlich – Zitat Sandra Maischberger – ‘ein Ratgeber für Menschen, die Erfolg suchen’.”
3. “Medien: Verletzungen der Intimsphäre dürfen nicht ohne Konsequenzen bleiben” (martinspieler.ch)
Martin Spieler, Chefredakteur der Schweizer “Sonntagszeitung”, fragt nach dem Busunglück im Wallis: “Was gewinnen wir denn für Erkenntnisse, wenn wir Gesichter, Namen und Vorlieben von Menschen anschauen, die in der Bustragödie ihr Leben verloren? Keine. Da geht es nicht um Mitleid. Wir befriedigen nicht legitime Informationsbedürfnisse, sondern einzig unseren Voyeurismus, ohne öffentlichen Informationswert.”
4. “Auf eigene Rechnung” (tagesspiegel.de, Tim Klimeš)
Tim Klimeš besucht Wolfram Weimer, Ex-Chefredakteur des “Focus” und neu Verleger: “Der Publizist hat den gesamten Verlagsbereich der Finanzpark AG (u.a. ‘Börse am Sonntag’) gekauft.”
5. “Hannelore Kraft und der Sprint zum Büffet” (fabian-kuntz.de)
Fabian Kuntz beschreibt den medialen Weg eines von ihm auf YouTube hochgeladenen Videos, das einen zwanzig Sekunden dauernden Ausschnitt aus dem Parlamentsfernsehen zeigt.
6. “Die Kunst, seine Schulden (nicht) zu zahlen – erklärt von Honoré de Balzac” (faz-community.faz.net/blogs, Philip Plickert)
Philip Plickert liest “Die Kunst, seine Schulden zu zahlen” von Honoré de Balzac: “Von den acht beschriebenen Arten, Schulden zu tilgen, betont Balzac vor allem jene: ‘indem man eine oder mehrere Schulden in eine oder mehrere andere verwandelt’ – auch Balzacs Aphorismus ‘Je mehr Schulden man hat, desto mehr Kredit hat man’, scheint uns die griechische Situation in der Euro-Rettungsorgie gut zu treffen.”
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1. “Studie zur Wirkung des Nichtraucherschutzgesetzes in Deutschland ist fragwürdig” (heise.de/tp, Bastian Rottinghaus)
Verschiedene Medien haben eine Studie unkritisch verbreitet, stellt Bastian Rottinghaus durchaus selbstkritisch fest. “Sowohl Telepolis als auch Spiegel Online glänzen hier wie fast alle in- und ausländischen Medien nicht gerade durch kritische Distanz zur DAK, auf deren Patientendaten die Studie basiert und die mit unnachahmlicher Brillanz bilanziert: ‘Weniger Qualm bedeutet weniger Herzerkrankungen – eine einfache Formel für die Gesundheit.’ Nun ist es mit der Eindeutigkeit der Studienbefunde leider nicht so weit her, wie es einem die DAK und das Medienecho nahelegen möchte – denn um genau zu sein: es gibt gar keine Befunde.”
2. “Würden es wieder so machen” (medienwoche.ch)
“Blick”-Chefredaktor Ralph Grosse-Bley, kritisiert wegen dem Abdruck von Opferbildern des Busunfalls im Wallis, würde sich in einer vergleichbaren Situation wieder so entscheiden: “Schauen Sie, um dieser Tragödie ein Gesicht zu geben, um sie fassbar zu machen, kann man nicht einfach nur bloss einen Tunnel, einen zerstörten Bus und eine Pannen-Nische zeigen. 22 tote Kinder – das ist keine Zahl, das ist eine Katastrophe. Die Bilder von Menschen, von Betroffenen, machen das Ausmass des Dramas wenigstens ansatzweise fassbar.”
3. “Der erfundene Horror der chinesischen iPad-Fabriken” (faz.net, Frank Kelleter)
Inszenierte Berichte von Mike Daisey über die Arbeitsbedingungen in einem chinesischen Zulieferbetrieb ernten viel Aufmerksamkeit und Empörung. “Zwar war er tatsächlich zu Besuch in einigen chinesischen Fabriken gewesen und hatte dort mit Arbeitern gesprochen, aber die folgende Broadwayshow war eine Aufführung, ihre Hauptfigur ein Schauspieler, der Anekdoten und Gerüchte aus unterschiedlichen Quellen verdichtete und in der ersten Person vortrug. Die Menschen, deren unerhörtes Schicksal er uns mit kraftvoller Stimme näherbrachte, existierten in dieser Form nur in seiner Phantasie.”
4. “Unbeobachtet, unschuldig, unfehlbar?” (faz.net, Peter Penders)
Peter Penders fragt sich, warum es immer noch Profi-Fußballspieler gibt, die “noch nicht verinnerlicht zu haben, dass jedes Spiel im Fernsehen übertragen wird und dass sogar Dutzende Kameras rund um das Spielfeld verteilt sind, denen einfach nichts entgeht, nicht einmal, wenn nebenbei Schnick, Schnack, Schnuck gespielt wird.”
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1. “Die IVW-und-AGOF-Tricks der News-Sites” (meedia.de, Jens Schröder)
Die Zugriffszahlen von Nachrichtenwebsites wie Focus Online oder N24 werden mit Besuchern von Partnerwebsites verstärkt. “Legalität hin oder her, die Methoden, völlig inhaltsfremde Websites zu einem namensgebenden Angebot hinzuzuzählen, verwässern die eigentlich starken Währungen der IVW und AGOF immer mehr und machen die Zahlen auf Dauer irrelevant.”
2. “Promis im Interview: Diese Stars streichen statt zu sprechen” (20zwoelf.de, Nicola Erdmann und Nina Dinkelmeyer)
20zwoelf.de, ein Portal der Axel-Springer-Akademie zur Pressefreiheit, notiert Erfahrungen von Journalisten mit Forderungen von “Sängern oder Schauspielern beziehungsweise ihren Agenturen”.
3. “Verdammt und vergöttert – die mediale Achterbahnfahrt der Spieler” (fanorakel.de, Oliver Kahn)
Ex-Fußballtorwart Oliver Kahn kommentiert die Extreme der medialen Berichterstattung zum FC Bayern München. “Da wird Mario Gomez nach der vergebenen Großchance gegen Leverkusen zum ‘Gurken-Gomez’ gemacht und wenige Tage später als ‘Gomessi’ überhöht. Noch vor kurzem wurde die Spielweise von Arjen Robben als zu egoistisch eingestuft, heute wird wieder vom Traumduo ‘Robbery’ (Robben und Ribery) gesprochen. Bayern-Präsident Uli Hoeneß sagte nach dem Sieg gegen Basel: ‘Vor 14 Tagen waren alle Bratwürste, jetzt sollen alle Super-Stars sein. In diesem Umfeld möchte ich nicht leben.'”
4. “Fakten zählen. Emotionen zählen. Und die Wahrheit?” (notes.computernotizen.de, Torsten Kleinz)
Torsten Kleinz fragt, ob die komplexe Wahrheit zu viel ist für uns Medienkonsumenten. “Als Journalist muss ich mich täglich damit herumschlagen, wie weit man die ‘Wahrheit’ herunterkochen kann. Wenn man immer alle Seiten und Standpunkte wiedergibt, entsteht allzu leicht unverständliches Wischi-waschi, das den Leser ratlos zurücklässt. Wir müssen auswählen, was wir transportieren. Und auf diesem Wege konstruieren wir ein Zerrbild, eine andere Realität.”
5. “Der Mensch hinter der Kamera” (journal21.ch, Stephan Wehowsky)
Ein Interview mit Alessandro della Valle von der Bildagentur Keystone: “Wir haben die ganz strenge Regel, dass in die Gestaltung der Bilder nachträglich nicht mehr eingegriffen werden darf. Für die Bildagenturen haben sich da sehr strenge Codes durchgesetzt. Vorbildlich ist in dieser Hinsicht der im Internet einsehbarer Ethik-Code der Agenturen AP und Reuters. Dazu kommt noch Folgendes: Entfernt ein Fotograf von seinem Bild zum Beispiel einen Gegenstand aus einem Raum, weil der die Bildkomposition beeinträchtigt, werden wir in kürzester Zeit Internetkommentare von denjenigen haben, die auch am Ort waren und die Manipulation bemerken und entsprechend anprangern.”
6. “Wer hat die Bundeskanzlerin geohrfeigt?” (faz.net)
Ein schmerzlich ausführlicher Report von fünf FAZ-Mitarbeitern fasst die wenigen, vom Fernsehen mit grosser Hingabe begleiteten Ereignisse der sonntäglichen Bundespräsidentenwahl zusammen: “13.45 Uhr, ARD: Senta Berger ist der Höhepunkt in der heutigen ARD Berichterstattung. ‘Was kann ich Ihnen noch sagen, was nicht schon andere gesagt haben?’.”
Im vergangenen November fand man in Leipzig in einem Fluss die zerstückelte Leiche eines jungen Mannes. Anfang Dezember konnte er als Jonathan H. identifiziert werden. “Bild” bastelte sich aus den Spuren, die Jonathan H. im Internet hinterlassen hatte, das Psychogramm einer “bizarren Welt” (BILDblog berichtete) und die “Dresdner Morgenpost” spekulierte über einen “Manga-Mord”.
Beide Zeitungen beschrieben das Leben des Getöteten (bzw. den Teil seines Lebens, der im Internet dokumentiert war) detailliert und zitierten Spekulationen von Nachbarn über die Intimsphäre des Toten. Illustriert waren die Artikel mit mehreren privaten Fotos. Eine Bekannte von Jonathan H. veröffentlichte auf BILDblog einen offenen Brief über die diffamierende Berichterstattung von “Bild” und “Morgenpost”, der größere Aufmerksamkeit erregte.
Vergangene Woche beschäftigte diese Berichterstattung auch den Deutschen Presserat: Der Beschwerdeausschuss sprach nicht-öffentliche Rügen gegen Bild.de (wo der “Bild”-Artikel ebenfalls erschienen war) und die “Dresdner Morgenpost” aus, da er in den Artikeln eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts nach Ziffer 8 des Pressekodex sah. Der Presserat habe im konkreten Fall “kein öffentliches Interesse” erkennen können, das das Persönlichkeitsrecht des Opfers überlagert hätte.
Die “Maßnahmen” des Presserates:
Hat eine Zeitung, eine Zeitschrift oder ein dazugehöriger Internetauftritt gegen den Pressekodex verstoßen, kann der Presserat aussprechen:
einen Hinweis
eine Missbilligung
eine Rüge.
Eine “Missbilligung” ist schlimmer als ein “Hinweis”, aber genauso folgenlos. Die schärfste Sanktion ist die “Rüge”. Gerügte Presseorgane werden in der Regel vom Presserat öffentlich gemacht. Rügen müssen in der Regel von den jeweiligen Medien veröffentlicht werden. Tun sie es nicht, dann tun sie es nicht.
Die “Dresdner Morgenpost” kassierte außerdem auch noch eine öffentliche Rüge, weil sie auf der Titelseite und im Innenteil unter der Überschrift “Junge (17) warf sich vor Zug – tot” über den Suizid eines Teenagers berichtet hatte. Die “Morgenpost” schilderte die Selbsttötung ausführlich, spekulierte über das Motiv und beschrieb die Verletzungen des Jungen detailliert. Der Presserat sah durch diese Darstellungen die in Richtlinie 8.5 gebotene Zurückhaltung bei der Berichterstattung über Selbsttötung verletzt.
Eine nicht-öffentliche Rüge erhielt die “B.Z.” für die Berichterstattung über einen schweren Autounfall, bei der sie mit der Unfallschilderung auch ein Foto eines 32-jährigen Opfers gezeigt hatte, das die Redaktion ohne Einwilligung der Angehörigen aus einem sozialen Netzwerk kopiert und veröffentlicht hatte. Der Presserat betont, dass über Unfallopfer “im Hinblick auf den Schmerz der Hinterbliebenen besonders zurückhaltend berichtet werden” müsse. Ein überwiegendes öffentliches Interesse an der identifizierenden Berichterstattung sei auch hier nicht zu erkennen gewesen.
Bemerkenswert ist die Titelgeschichte, für die das “PC Magazin” eine öffentliche Rüge erhielt: Unter der Überschrift “Quellen der Raubkopierer” und dem Hinweis “So haben Polizei und Abmahner keine Chance” beschäftigte sich der Artikel mit verschiedenen Möglichkeiten zum illegalen Download von Musik, Filmen und Software aus dem Internet. Dabei nannte die Redaktion konkrete Websites und bewertete in einer Tabelle u. a. das Risiko für den User bei Nutzung des jeweiligen Download-Dienstes. Der Presserat sah in dieser Veröffentlichung eine Verletzung des Ansehens der Presse: Es sei nicht mit der Ziffer 1 Pressekodex vereinbar, wenn eine Redaktion illegale Downloadmöglichkeiten beschreibe, durch deren Nutzung Urheberrechte verletzt werden. Im vergangenen Jahr hatte das NDR-Medienmagazin “Zapp” über die Tipps verschiedener Computerzeitschriften berichtet, die sich “ganz nah am Rande der Legalität” bewegten, das “PC Magazin” selbst war bereits 2006 in zwei ähnlichen Fällen gerügt worden.
Ebenfalls gerügt wurden die “Lünepost”, ein Anzeigenblatt der “Landeszeitung für die Lüneburger Heide” (wegen Verstoßes gegen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung), das “Deutsche Waffenjournal” (Diskriminierung), sowie die “Bunte” und der “Weserkurier” (beide Schleichwerbung).
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1. “Car-Drama: Journalisten wollten sich zu verletzten Kindern einschleichen” (sonntagonline.ch, Sandro Brotz und Cyrill Pinto)
Nach dem Busunfall im Wallis versuchen Journalisten, zu den Opfern vorzudringen. “Im Spital von Visp waren die sechs weniger schwer verletzten Kinder untergebracht. Das Gelände wurde zwar abgesperrt, doch mehrere Journalisten versuchten, auf die Abteilung der Kinder vorzudringen. Schliesslich musste die Polizei einschreiten, wie die Sprecherin der Walliser Spitäler, Florence Renggli, bestätigt.” Siehe dazu auch “Journalistische Grenzverletzungen” (suedostschweiz.ch, David Sieber).
2. “Versicherungsbranche manipuliert Panorama-Abstimmung” (panorama.blog.ndr.de, Andrej Reisin)
Andrej Reisin hält einen Aufruf, eine Online-Abstimmung zu beeinflussen, für ein “Lehrstück im Hinblick darauf, wie Finanz- und Versicherungslobby versuchen, unabhängige Berichterstattung und Kritik zu diskreditieren und zu verunglimpfen”.
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2. “Edelfedern: ‘Wenig recherchieren, Ornamente und Schwurbel'” (blog.persoenlich.com, Roger Schawinski)
Roger Schawinski beschäftigt sich mit den so genannten “Edelfedern” in den Redaktionen. “Edelfedern liest man nicht in erster Linie wegen der Inhalte, sondern wegen ihrer kunstvollen Form. Und damit sind wir beim Problem. Denn irgendwie kommen die beiden Dinge nie recht zusammen.”
3. “Versöhner und Spalter” (fnp.de, Dierk Wolters)
Die Ausstellung “Bild Dir Dein Volk” (noch bis Ende Juli im Jüdischen Museum in Frankfurt, Eintritt 4 Euro) befasst sich mit dem Verhältnis von Verleger Axel Springer zu den Juden: “Springers Menschenbild und seine Personalpolitik bleiben im Dunkeln. Und doch kommt selbst einer seiner massivsten Gegner, der Journalist Günter Wallraff, der in den 80er Jahren heimlich bei ‘Bild’ arbeitete und darüber Bücher schrieb, nicht umhin, den Erzfeind für sein Israel-Engagement zu loben.”
4. “Wehe dem, der nicht filtern kann” (journalist.de, Marcus Lindemann)
Journalisten sollen sich anstrengen, das Netz besser zu verstehen, fordert Marcus Lindemann und ruft dazu auf, genauer hinzusehen. “Das Netz bietet eine Vielzahl von Quellen – von amtlichen Bekanntmachungen und anderen privilegierten Quellen bis hin zu Tratsch und Belanglosem, da steht es der realen Welt in nichts nach. Wie auch? Es ist Teil der realen Welt.”
5. “Titelökonomie” (batz.ch, Monika Bütler)
Monika Bütler bucht Tickets für den Wiener Musikverein und stutzt bei der Auswahl der Titel.
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1. “Habt keine Angst!” (wasmitmedien.de, Dennis Horn)
Viele Journalisten übertragen ihre eigene Angst vor dem Internet auf die Medienkonsumenten. Das muss nicht sein, findet Dennis Horn.
2. “‘Bild’ bleibt ‘Bild’ – ganz tief unten” (vocer.org, Christoph Lütgert)
“Wie ekelhaft!!!” – so kommentiert Christoph Lütgert das Erscheinen von Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer auf der Titelseite von “Bild”. “Da bringt einer viele tausend Menschen um ihre Ersparnisse, rafft sich selbst unvorstellbare Reichtümer zusammen, und die ‘Bild’-Zeitung feiert diesen Mann als Helden, stilisiert ihn sogar zu einem Idol. Jeder, so die Botschaft, könne von ihm lernen.” Am 13. März fragte Lütgert: “Und wann wird Maschmeyer verknackt?”
3. Interview mit Moritz Bleibtreu (planet-interview.de, Denis Demmerle)
Schauspieler Moritz Bleibtreu über den Umgang mit der Presse: “Grundsätzlich ist das ein Spiel, bei dem du dir überlegen musst, ob und wieweit du daran teilnehmen willst. Die Annahme, dass Musiker, Schauspieler & Co diese Medien brauchen, um erfolgreich zu sein, ist nur bedingt richtig.” Und über die Werbekampagne von “Bild”: “Das ist eine perfide, aber intelligente Kampagne. Ich lese die Bild nicht, deshalb würde ich nicht für sie werben.”
4. “leistungsschutz?” (wirres.net, Felix Schwenzel)
Felix Schwenzel analysiert einen Artikel auf “Spiegel Online” und spannt einen Bogen zum von Presseverlegern geforderten Leistungsschutzrecht: “vielleicht können wir über das leistungsschutzrecht nochmal reden, wenn verlage für interviews (also das absaugen von geistigem eigentum aus interviewpartnern), tweets des tages auf dem titelblatt oder paraphrasierungen von fremden inhalten (aus zeitungen, büchern, fernsehen oder blogs) lizenzgebühren oder honorare zahlen.”
5. “Dürfen Print-Medien Tweets abdrucken?” (netzwoche.ch, Marcel Maurice Urech)
Die Schweizer Rechtsanwältin Lilian Snaidero Kriesi wird zum Urheberrecht an Tweets befragt: “Meiner Ansicht nach hängt die Frage, ob retweetet werden darf, nicht davon ab, ob dies online oder in der Printversion erfolgt. Liegt ein urheberrechtlich geschütztes Werk vor, hat man sich an die Zitierregeln zu halten. Das heisst, Zitate müssen einen bestimmten Zitatzweck verfolgen.”
6. “Ein VZ, eine Verlobung und ein Versuch” (elektrischer-reporter.de, Video, 14 Minuten)
Aufstieg und Fall der von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck aufgekauften VZ-Netzwerke, die Medienberichterstattung über die Verlobung von @laprintemps und die Schwierigkeiten, Medien im Netz auf legale Weise zu erwerben.