Suchergebnisse für ‘BILD’

Neuwagen, Bikinifotos, Fische

1. “Diese Bilder von Tausenden neuen Autos sind beeindruckend, die Geschichte dahinter wird dich zu Tränen rühren!”
(autokarma.de, Thomas Gigold)
Thomas Gigold liefert Hintergründe zum Artikel “Mega-Parkplätze: Sind das die größten Neuwagen-Müllhalden der Welt?” auf Focus.de.

2. “Zufälliges Bikinifoto neben Prominenten”
(medien-internet-und-recht.de)
Das Oberlandesgericht Karlsruhe bestätigt den Unterlassungsanspruch, nicht aber den Geldentschädigungsanspruch einer Frau, die sich im Hintergrund eines in “Bild” abgedruckten Fotos im Bikini wiederfindet.

3. “Tote Fische reden nicht”
(nzz.ch, Tom Felber)
“In dubio pro reo” spricht das Obergericht Zürich einen 26-Jährigen “vom Vorwurf der Gehilfenschaft zu mehrfacher Drohung gegen ‘Blick’-Journalisten” frei.

4. “Der liquide Newsroom als Zentrale”
(t3n.de, Luca Caracciolo)
Ein Interview mit Jochen Wegner, Chefredakteur von Zeit.de: “Hochwertiger Journalismus funktioniert für uns als Geschäftsmodell ausgesprochen gut – auch im Digitalen. Vor zehn Jahren haben viele Experten erklärt, dass Branding-Werbung ohnehin eine Lüge sei und im Internet nie Erfolg haben werde. Das Gegenteil ist heute der Fall. Manche Luxusmarken etwa fangen jetzt erst an, nach hochwertigen Umfeldern im Netz zu suchen. Und wir wachsen mit diesem Trend.”

5. “Wollen wir Journalismus nur bezahlen, wenn wir ihn hinter Gitter bringen?”
(stefan-niggemeier.de)
Muss Journalismus zwingend hinter eine Schranke, damit die Leser dafür zu bezahlen bereit sind? Stefan Niggemeier schreibt: “Wir kaufen für unsere Ecke im Büro einen Ventilator, lassen aber, wenn es heiß ist, niemand anderes dort sitzen, die hätten sich ja selber einen Ventilator kaufen können? Und wenn sich nicht vermeiden lässt, dass auch andere etwas von der Kühlung abbekommen, verzichten wir lieber ganz auf den Ventilator?”

6. “++ EIL! BREAKING! ++ Online-Nachrichten immer hysterischer!!! ++ EIL! BREAKING! ++”
(der-postillon.com)

Bauer Media Group, Käseblatt, Wodka

1. “Wenn Firmen sich bei den Kreativen bedienen: Dreister Bilderklau”
(schoen-und-fein.de, Stefanie Bamberg)
Wie sich die Bauer Media Group bei Bildern von Bloggern bedient: “Bauer Media ist übrigens mit so einem Verhalten, dass sich vor allem auf Facebook zeigt, nicht alleine. Ich empfehle euch, mal ein paar Facebook-Seiten anzuschauen, zum Beispiel von Burda – ebenfalls ein Verlag, der das Leistungsschutzrecht einst gefordert hat. Was man da so findet, ist ziemlich niederschmetternd.”

2. “Kuck mal, wat für ‘n Käseblatt”
(operation-harakiri.de, Ralf Heimann)
Ralf Heimann, bisher Lokaljournalist, kritisiert den Lokaljournalismus: “Ich habe überhaupt nichts gegen Vereinsberichterstattung. Aber die Voraussetzung dafür, dass etwas in der Zeitung steht, sollte immer sein, dass man vom Kreis der potenziellen Interessenten die Leute auf dem Foto abziehen kann und dann noch immer jemand übrigbleibt.”

3. “Ein naturalistischer Fehlschluss”
(connected.tante.cc, Jürgen Geuter)
Jürgen Geuter fragt sich, wie das EuGH-Urteil gegen Google offline aussehen könnte: “Kommen nach 10 Jahren eine handvoll Männer in schlecht sitzenden Anzügen und flößen allen Menschen, die sich noch erinnern Wodka ein, bis sie ihre Erinnerungen verloren haben?”

4. “Sand im digitalen Kapitalismus”
(nzz.ch, Rainer Stadler)
“Die digitalen Goliaths aus den USA sollen angekettet und den nationalen Sitten unterworfen werden”, schreibt Rainer Stadler zum gleichen Thema: “Das Feuilleton der wirtschaftsliberalen ‘FAZ’ operiert gar mit Versatzstücken der antikapitalistischen Rhetorik und verbündet sich im Kampf gegen das Silicon Valley mit dem Chef des ‘Bild’-Herausgebers Axel Springer.”

5. “’20 Minuten’: Werbung vor Inhalt”
(medienspiegel.ch, Martin Hitz)
Wie in den Gratiszeitungen “20 Minuten” und “Blick am Abend” Werbung und Inhalte präsentiert werden.

6. “die story – Wer betrügt, profitiert”
(wdr.de, Video, 43:39 Minuten)
Wie deutsche Arbeitgeber mit Mitarbeitern aus der EU umgehen. Und wie Politiker einerseits Mindestlöhne fordern und andererseits Gesetzlücken offen lassen – die dann die Gerichte belasten.

Bild  

Schamhaar-Verlängerung

Immer mal wieder bricht die “Bild”-Zeitung eine “große Schamhaar-Debatte” vom Zaun und quetscht Promis und Passanten über deren Intimfrisuren aus.

Die jüngste Debatte vor ein paar Wochen war eigentlich schon beendet, doch nun gibt es eine (eher unfreiwillige) Fortsetzung:

(Klick für größere Version.)

GEGENDARSTELLUNG - in der BILD-Zeitung vom 02.04.2014 wurde ich auf Seite 5 in einem Artikel mit der Überschrift

Wer tickt hier nicht richtig?

“Hoffentlich ist das kein böses Omen”, schreibt “Bild Hamburg”:Die Uhr tickt schon nicht mehr...

Gestern um 23.20 Uhr in der Imtech Arena: Die HSV-Uhr, die die Bundesliga-Zugehörigkeit des HSV anzeigt, wird plötzlich schwarz! Nichts geht mehr, der Strom ist weg – nach 50 Jahren, 264 Tagen, 7 Stunden und 20 Minuten! Und das ausgerechnet nach dem 0:0 gegen Fürth im Kampf gegen den ersten Bundesliga-Abstieg.

Und Bild.de fragt:

Ist es nur ein dummer Zufall? Oder gar ein böses Omen? Glaubt man in Hamburg nicht mehr an die Rettung?

Naja:

Mit Dank an Katharina C. und Anonym.

Staatsfeuilleton, Schließfach, Schirrmacher

1. “Transatlantik – Journalisten unter Bündnisverdacht”
(ndr.de, Video, 4:33 Minuten)
Daniel Bröckerhoff fragt, wie transparent Journalisten ihre Verbindungen zu Lobbygruppen machen – Stefan Kornelius von der Süddeutschen Zeitung antwortet.

2. “‘Wir müssen verhandeln, welchen Wert Qualitätsjournalismus hat'”
(horizont.net, Jürgen Scharrer)
Ein langes Interview mit FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher: “Wir müssen wieder stärker an unsere Inhalte glauben, statt ständig darüber nachzudenken, mit welchen Maßnahmen wir unsere Reichweiten erhöhen können.”

3. “Das neue Staatsfeuilleton”
(sueddeutsche.de, Johan Schloemann)
Johan Schloemann erkennt aus der öffentlichen Hand finanzierte Konkurrenz für die klassischen Feuilletons: “Manches am Staatsfeuilleton ist Volksbildung, anderes aber ist eher ‘Corporate Publishing’, nur dass die Firma hier der Staat ist und der Kunde sein Steuerzahler.”

4. “Schwarzes Schaf im Schließfach”
(art-magazin.de, Almuth Spiegler)
Ein aufgetauchtes Bild wird von den Medien Vincent van Gogh zugeschrieben: “Man würde doch mit freiem Auge sehen, dass hier höchstens ein Hobbymaler nach einem Kalenderblatt gemalt habe. (…) Zwischenzeitlich sei es anscheinend ganz normal, derartige Meldungen unkritisch zu übernehmen, es scheine nur um den berühmten Namen zu gehen.”

5. “News of the World royal editor: I hacked Kate Middleton 155 times”
(theguardian.com, Lisa O’Carroll, englisch)
Der frühere Königshaus-Reporter von “News Of The World”, Clive Goodman, steht vor Gericht, weil er sich illegal Zugang zu Mobilfunk-Mailboxen verschafft hatte: “He told jurors he hacked Prince William 35 times, Prince Harry nine times and the Duchess of Cambridge 155 times.”

6. “Wer zahlt, der findet”
(perlentaucher.de, Anja Seeliger)
Anja Seeliger kommentiert das EuGH-Urteil gegen Google: “Der EuGH hat uns gestern im Handstreich eine Zweiklassen-Informationsgesellschaft beschert. Die, die für Informationen bezahlen, wissen, wer pleite gemacht hat, wer schon mal verurteilt wurde oder wer vor zwanzig Jahren eine karriereschädliche Bemerkung gemacht hat. Die anderen – lernen von den Chinesen oder wissen es eben nicht. So wird die Informationshierarchie der vordigitalen Zeit langsam wieder restauriert.” Siehe dazu auch “Nach EuGH-Entscheidung: So stellen Sie einen Löschantrag bei Google” (spiegel.de, Markus Böhm).

EuGH, Gabriele Pauli, Homosexuelle

1. “Über die Kraft einer positiven Sogwirkung und wie verfrühte Kritik sie verhindert”
(netzwertig.com, Martin Weigert)
Martin Weigert beobachtet, wie unterschiedlich neue Projekte in Schweden und in Deutschland aufgenommen werden: “Für Deutsche ist ein frühzeitiges Diskutieren aller Vor- und Nachteile ein Muss. Wird ein neues, herausforderndes Vorhaben angeschoben, dann müssen sich die Initiatoren darauf einstellen, dass selbst womöglich vorhandene ehrenwerte Ziele und ein eventuelles allgemeines öffentliches Interesse an der Verwirklichung nicht vor ausgedehnten, mit negativer Tonalität untermalten Analysen schützen.” Siehe dazu auch “kritik-kritiker kritik” (wirres.net, felix schwenzel).

2. “Zensur bei der taz?”
(blogs.taz.de/hausblog, tazkommune)
Die “tazkommune” antwortet auf den Beitrag “Warum ich nicht mehr für die TAZ schreibe” von Schriftsteller Raul Zelik: “Die allgemeinen Vorwürfe von Zelik gegen die taz können wir nicht nachvollziehen. Wir verstehen bereits nicht, wie man die Ablehnung eines Textes durch eine Redaktion als ‘Zensur’ bezeichnen kann.”

3. “Bild darf Ex-Landrätin Pauli nicht als ‘durchgeknallte Frau’ bezeichnen”
(juraforum.de)
Ein Rechtsstreit zwischen “Bild” und Gabriele Pauli vor dem Oberlandesgericht München behandelt einen Text von Franz Josef Wagner.

4. “EU Wants a ‘Right to Be Forgotten,’ But the Internet Never Forgets”
(mashable.com, Lance Ulanoff, englisch)
Lance Ulanoff kommentiert ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), das Suchmaschinen dazu verpflichtet, personenbezogene Daten von Privatpersonen auf Anfrage aus ihren Ergebnissen zu streichen: “You’ve got it all wrong, EU. I say this not as someone who enjoys a level of popularity on the web, but as a regular person who managed to anger a powerful few (at least online).” Siehe dazu auch “Wer gegen Netzsperren ist, muss auch das EuGH-Urteil zu Löschpflichten von Google ablehnen” (internet-law.de, Thomas Stadler) und “EuGH: Suchmaschinen und Datenschutz” (telemedicus.info, Adrian Schneider).

5. “10 Tipps auf dem Weg zur Normalität”
(journalist.de, Jennifer Stange)
Jennifer Stange gibt Tipps, wie man beim Schreiben über Homosexuelle “jenseits von übereuphorischen Riesenschlagzeilen, Klischees und peinlicher Verschwiegenheit die Dinge beim Namen nennt”.

6. “Wie man eine Geschichte schnell erhitzt”
(faz.net, Michael Hanfeld)
Als PR-Mann von McDonald’s, wie ihn den “Spiegel” darstellt, tauge Günter Wallraff nicht, schreibt Michael Hanfeld: “Günter Wallraff ist nämlich nicht nur Enthüllungsjournalist, sondern auch so etwas wie ein Mediator: Er verfolgt Geschichten weiter, selbst wenn sie keine Schlagzeilen mehr machen, und schaltet sich in Fällen ein, die nicht groß genug für eine Story sind. Nur zum PR-Mann von McDonald’s, als der er im ‘Spiegel’ mehr oder weniger erscheint, taugt er nicht.”

Einzelfälle, Béla Anda, Krautreporter

1. “Medizinjournalismus: Die trügerische Kraft des Einzelfalls”
(medien-doktor.de, Marcus Anhäuser)
Weil die Auseinandersetzung mit Studien wenig TV-tauglich erscheint, setzen viele Journalisten auf den Einzelfall: “Jedes Mal, wenn ein Journalist seinen Beitrag auf die trügerische Aura des Einzelfalls stützt, heult irgendwo ein Mediziner auf, weil wieder einmal zweihundert Jahre Entwicklung in der Medizin ignoriert wurden, um die Wirksamkeit von Heilmitteln verlässlich zu überprüfen.”

2. “Wegen Conchita Wurst: BILD-Politikchef Anda gewinnt Homophobie-Bingo”
(nollendorfblog.de, Johannes Kram)
Johannes Kram beschäftigt sich mit dem “Zwischenruf” “Muss ich Conchita Wurst gut finden?” von Béla Anda auf Bild.de: “Ich finde es immer gut, wenn jemand zugibt, was ihn irritiert, und was ihn stört. Aber ich mache mir dann schon ein paar Gedanken über ein ‘Rollenverständnis von Mann und Frau’, das sich schon durch den Bart einer Travestie-Sängerin angegriffen fühlt. Wovor hat dieser Mann Angst? Dass seine Frau oder Frauen auf die Idee kommen könnten, Vollbart zu tragen? Dass er bärtige Frauen küssen muss?”

3. “Datenleck bei der Quizduell-Show – über 50.000 Nutzer betroffen”
(heise.de/security, rei)
Heise Security entdeckt ein Datenleck in der mit der interaktiven ARD-Sendung “Quizduell: Vier gegen Deutschland” verbundenen App Quizduell: “Mit einem einfachen Trick konnte man unter anderem auf die Klarnamen, Wohnorte, Geburtsdaten und sogar Mail-Adressen der Quizduell-Spieler zugreifen. Insgesamt sind die Daten von über 50.000 Nutzern betroffen.”

4. “Fünf Gründe, warum ich von dem Krautreporter-Konzept enttäuscht bin”
(datenjournalist.de, Lorenz Matzat)
Lorenz Matzat bleibt skeptisch, ob es dem Projekt Krautreporter “jenseits der Filterblase” gelingt, “die 15.000 Abonnenten zusammenzubekommen”: “Insgesamt ist es erstaunlich, dass das Crowdfunding für das Krautreporter-Magazin recht schlecht vorbereitet wirkt.”

5. “Krautdetective”
(neunetz.com, Marcel Weiss)
Dass es offenbar Bedarf an einem Projekt wie Krautreporter gebe, sei “ein Zeugnis des Versagens nicht nur der privaten Medien sondern auch und besonders der öffentlich-rechtlichen Medien”, schreibt Marcel Weiss. “Letztere setzen ihre Sonderstellung auf der Erlösseite nicht ein, um im Online-Kontext neue Wege zu gehen. Stattdessen machen sie mehr oder weniger das Gleiche wie die privaten Medien.”

6. “Grundschüler protestieren gegen jährliche Zuwanderung unqualifizierter Erstklässler”
(der-postillon.com)

Lustig, was die so schreiben

Der “Berliner Kurier” hat heute aufgedeckt:

Wikipedia lügt.

Und weil sie in der Redaktion von “Berlins ehrlicher Boulevard-Zeitung” (Eigenbeschreibung) immer äußerst viel Wert auf Wahrheit legen, wird die Sache natürlich gleich an die große Glocke gehängt:
Matthias Schweighöfer - Wikipedia schickt ihn in den Hafen der Ehe

Wenn es nach dem Online-Lexikon Wikipedia geht, hat Matthias Schweighöfer (33) längst eine Ehe hinter sich. Er sei von 2004 bis 2012 mit Ani Schromm verheiratet gewesen, steht da. Wir haben nachgehakt.

Was stimmt: Die beiden waren ein Paar. Und sind es inzwischen wieder. Aber Hochzeit? Fehlanzeige. “Ich habe keine Ahnung, warum das da drin steht”, sagt Matthias. “Ich bin und war nicht verheiratet. Finde es aber lustig, was die so schreiben …” Also: Wikipedia lügt.

Allerdings steht in Schweighöfers Wikipedia-Eintrag gar nichts von einer Hochzeit. Die beiden seien von 2004 bis 2012 “liiert” gewesen, heißt es da nur. Auch in früheren Versionen war von “verheiratet” keine Rede, wie die Versionsgeschichte zeigt.

Also: Der “Berliner Kurier” lügt.

Oder er ist zu doof, Wikipedia vom Google Knowledge Graph zu unterscheiden. Da steht es nämlich in der Tat falsch:

Mit Dank an Robi.

Nachtrag, 13. Mai: Im Online-Artikel hat der “Kurier” aus “Wikipedia” überall “Google” gemacht. In der Bildunterschrift steht es aber immer noch falsch.

Nachtrag, 13. Mai: Jetzt ist auch die Bildunterschrift unauffällig geändert worden.

Nachtrag, 14. Mai: Und in der heutigen Print-Ausgabe ist eine Korrektur erschienen.

PDF-Dateien, Raul Zelik, Niklaus Meienberg

1. “Hört endlich auf mit dem Unterhaltungsquatsch!”
(dwdl.de, Peer Schader)
Peer Schader befasst sich mit dem Unterhaltungsauftrag der Öffentlich-rechtlichen: “Das Problem an der Unterhaltung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist, dass sie – entgegen jeder Absicht des Verfassungsrichter – viel zu oft die erste Geige spielt. Eine uralte, schlecht gestimmte Geige, die sich niemand zu erneuern traut. Und die, weil sie so laut und schief vor sich hin geigt, auch das übrige Orchester aus dem Takt bringt.”

2. “Warum ich nicht mehr für die TAZ schreibe”
(raulzelik.net)
Schriftsteller Raul Zelik will nicht mehr für die “taz” schreiben: “Bei mir verfestigt sich damit der Eindruck, dass es in der TAZ handfeste Formen von politischem Ausschluss und Zensur gibt.”

3. “900.000 Euro per Crowdfunding: Warum das Vorhaben von Krautreporter gelingen oder scheitern kann”
(datenjournalist.de, Lorenz Matzat)
Zur Vorfinanzierung will ein journalistisches Projekt in vier Wochen 900 000 Euro sammeln, siehe dazu diese “Spiegel”-Vorabmeldung.

4. “Wollt ihr nur Raumpfleger sein?”
(derbund.ch, Daniel Di Falco)
Daniel Di Falco erinnert an Journalist Niklaus Meienberg: “Was wissen wir über die Fälle Mörgeli, Carlos oder Hildebrand? Alles, was das Fehlverhalten einzelner Akteure betrifft. Nichts aber von den gesellschaftlichen Zuständen und Zusammenhängen, denen diese Fälle entspringen. Ehrenwert zwar, dass die Medien heute – ‘wie bitte?’ – die CO2-Sünden von Bundesstellen oder den Sexismus von Verteidigungsministern beäugen. Aber vielleicht könnten Journalisten auch mehr sein als Inspektoren im Dienst der herrschenden amtlichen und moralischen Normen. Mehr als Raumpfleger im Innern des Systems.”

5. “The solutions to all our problems may be buried in PDFs that nobody reads”
(washingtonpost.com, Christopher Ingraham, englisch)
Die Weltbank analysiert den Traffic ihrer Website und findet heraus, dass fast ein Drittel der veröffentlichten PDF-Dateien noch nicht einmal heruntergeladen wurden. Man könne wohl annehmen, schreibt Christopher Ingraham, “that many big-idea reports with lofty goals to elevate the public discourse never get read by anyone other than the report writer and maybe an editor or two. Maybe the author’s spouse. Or mom.”

6. “OMG tötet es … BILD-Leser empören sich über Conchita Wurst”
(horstson.de)
Screenshots von Leserkommentaren auf der Facebook-Seite von “Bild”.

Pictor Roy und der Hitler-Orgasmus

Pictor Roy ist ein wahrer Künstler. Und ein bisschen berühmt ist er inzwischen auch: Die “Bild”-Zeitung berichtet heute über ihn, die deutsche “Huffington Post”, Mopo.de, Express.de, Heute.at und der Online-Auftritt des “Berliner Kurier”.

Bis vor wenigen Tagen allerdings war Pictor Roy “nur in Insiderkreisen” bekannt, wie Bild.de erklärt. Ein “Geheimtipp in der Kunstszene”. Dann kam sein Durchbruch. Mit diesem Bild:

Und nicht nur das: “orgasm to hell” gelte zwar als Roys “provokantestes” Werk, schreibt Bild.de. “Begehrt und von der internationalen Kunstszene gefeiert” seien aber auch:

“orgasm to music” mit Elvis Presley, “orgasm to peace” mit Mahatma Gandhi, “orgasm to sport” mit Muhammad Ali und “orgasm to science” mit Albert Einstein.

Spätestens hier hätten die Journalisten ruhig mal stutzig werden können. Vielleicht hätten sie dann auch ein wenig recherchiert statt nur die Pressemitteilung des Auktionshauses abzuschreiben — und gemerkt, wie unglaublich die ganze Geschichte wirklich ist.

Pictor Roy, der also bevorzugt Spermien mit Gesichtern prominenter Menschen malt und für dessen Werk angeblich 19,5 Millionen Dollar gezahlt wurden, hat keinen Wikipedia-Eintrag, aber dafür 40 Follower bei Twitter. Von seinen 15 Tweets beziehen sich zehn auf das Hitler-Bild.

Das angebliche Online-Auktionshaus, bei dem Roys Bild angeblich versteigert wurde, listet exakt einen Künstler — Pictor Roy. Und exakt eine Auktion — Roys Penis-Bild. Die Domain ist erst vor drei Wochen registriert worden, auf eine Adresse in Uruguay. Und die Londoner Adresse im Impressum findet sich sonst nur auf merkwürdigen, deutschen PressemitteilungsSammelSeiten.

Auch sehr interessant: Der Käufer des Hitler-Orgasmus-Bildes — laut Mopo.de ein “Internetunternehmer aus Palo Alto in Kalifornien” — ist offenbar niemand Geringeres als der Facebook-Chef persönlich:

Da wundert es dann auch nicht mehr, dass Pictor Roy — hier auf einem Foto bei Bild.de:

… genauso aussieht wie Ernest Hemingway.

Wie gesagt: Pictor Roy ist ein wahrer Künstler. Aber noch viel besser als im Penisse-Malen ist er ganz offensichtlich im Journalisten-hinters-Licht-Führen.

Mit Dank an Jörg F.

Nachtrag, 15.35 Uhr: “Huffington Post”, express.de, mopo.de und berliner-kurier.de finden jetzt auch, dass die Geschichte “vermutlich nur ein Fake” war und haben ihre Artikel korrigiert. Bild.de hat ihn einfach gelöscht.

Nachtrag, 16.10 Uhr: Jetzt ist er bei Bild.de wieder da.

Nachtrag, 10. Mai: … und mit folgendem Hinweis versehen:

Update: Die Pressemitteilung des Auktionshauses hat sich im Nachhinein als unwahr herausgestellt. Das tut uns leid. Aus Transparenzgründen ist der Beitrag aber weiter auffindbar.

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