Archiv für 6 vor 9

Tagesschau, Politische Korrektheit, Bildjournalismus

1. “Die 20-Uhr-Wirklichkeit”
(stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier schreibt zu den Ritualen der ARD-Tagesschau: “Die Menschen, die in Autos vor irgendwelchen Regierungs– oder Konferenzgebäude vorfahren, scheinen diejenigen zu sein, die die Nachrichten nicht nur machen, sondern von ihnen auch am meisten betroffen sind. Die Menschen, die vorfahren, ändern sich und die Orte. In diesen Tagen sind es vor allem Brüssel und Athen. Wenn ein neuer Protagonist Teil dieses Rituals wird, würdigt die ‘Tagesschau’ auch, wie er sich dabei schlägt: ‘Der neue griechische Außenminister scheint es fast zu genießen, im Mittelpunkt zu stehen’, textet die Reporterin, während wir sehen, wie er vor den Kameras aus einem Wagen steigt.”

2. “Regenbogenpresse im Wahlkampf”
(cuirhommeblog.wordpress.com)
Roger Köppel und Markus Somm deuten ausführlich ein Foto, auf dem Jean-Claude Juncker und Simonetta Sommaruga zu sehen sind. Schaut man sich mehr als “die eingefrorene hundertstel Sekunde eines Bewegungsablaufes” an, nämlich die ganze Szene auf Video, relativiert sich die Aussagekraft des Fotos.

3. “Zwischen Wahrheit und Lügenpresse – der schmale Grat des Bildjournalismus”
(rolandtichy.de, Heike Rost)
Heike Rost kommentiert ein Foto, das Angela Merkel zusammen mit François Hollande zeigt: “Das Bild der beiden wohl einflussreichsten europäischen Regierungschefs ist aufgrund seiner Symbolkraft offenbar zu verlockend, um es nicht von einem Foto der aktuellen Berichterstattung nach den Anschlägen auf CharlieHebdo und den Supermarkt in Paris kurzerhand in ein Symbolfoto, zu einer bloßen Illustration umzuwidmen, die mit dem eigentlichen Nachrichtenereignis nicht das geringste zu tun hat.”

4. “The truth about ‘political correctness’ is that it doesn’t actually exist”
(vox.com, Amanda Taub, englisch)
Politische Korrektheit sei kein “Glaubensbekenntnis”, schreibt Amanda Taub: “Rather it’s a sort of catch-all term we apply to people who ask for more sensitivity to a particular cause than we’re willing to give — a way to dismiss issues as frivolous in order to justify ignoring them. Worse, the charge of ‘political correctness’ is often used by those in a position of privilege to silence debates raised by marginalized people — to say that their concerns don’t deserve to be voiced, much less addressed.”

5. “Hereinspaziert, hereinspaziert! Hier geht’s zur Gräuelbilder-Diashow auf 20min.ch. Jeder Klick ein Treffer!”
(watson.ch, Hansi Voigt und Kian Ramezani)
Wie 20min.ch und Blick.ch mit den von IS verbreiteten Terrorbildern umgehen. “Auf den Umstand, dass Ringier-Kolumnist Britschgi seine Kollegen im Ringier-Newsroom als ‘nützliche Idioten’ bezeichnet, weist Marco Boselli hin. Er ist der Chefredaktor von ’20 Minuten’ aus dem Hause Tamedia.”

6. “Um Dos Melhores! – Für Zwei Millionen?”
(effzeh.com, Gero Dieckmann)

Sicherheitskonferenz, Pseudoskepsis, Brian Williams

1. “Der will doch nur bloggen”
(gutjahr.biz)
Richard Gutjahr antwortet auf Vorwürfe, die ihm als Blogger immer wieder begegnen: “Gerade auf Journalisten-Kongressen bekommt man oft zu hören, Bloggen sei kein Journalismus. Ich halte solche Pauschalurteile für Quatsch. Natürlich ist nicht jedes Blog bzw. jeder einzelne Blogpost, den man verfasst, ein journalistisches Juwel. Umgekehrt zu meinen, nur weil etwas gedruckt oder gesendet wird, handle es sich per se um Journalismus, ist noch viel größerer Unsinn.”

2. “Bundesregierung preist den ‘öffentlichkeitswirksamen Charakter’ der Sicherheitskonferenz”
(heise.de/tp, Florian Rötzer)
Florian Rötzer liest die Beilage der “Süddeutschen Zeitung” zur heute beginnenden Münchner Sicherheitskonferenz: “Wie man sich vom kritischen Journalismus verabschiedet, führt schließlich Cornelius noch einmal im Gespräch mit US-Vizepräsident Joe Biden vor und stimmt den geneigten Leser mit dem Titel schon einmal richtig ein: ‘Russland ist der Aggressor.’ Das ist pure Hofberichterstattung eines unterwürfigen Journalisten und wäre auch nicht anders bei russischen Staatsmedien, die die Ehre haben, Putin zu interviewen, der dann seine in allen Hinblicken segensreichen Aktivitäten hervorhebt.”

3. “Die Frau fürs Soziale. Allein unter Männern im Spiegel-Büro”
(watch-salon.blogspot.de, Tina Stadlmayer)
Tina Stadlmayer berichtet von ihrer Zeit als Redakteurin beim “Spiegel”: “Überall Männer und dazu eine straffe Hierarchie. Ich kann mich an Montagskonferenzen in Hamburg erinnern, bei denen nicht eine einzige Frau zu Wort kam. Während ich bei der Taz für Innenpolitik zuständig gewesen war, landeten jetzt auf meinem Schreibtisch alle Themen, mit denen die Kollegen nichts anfangen konnten: Frauen, Kinder, Homosexualität, Minderheiten…”

4. “Brian Williams admits that his story of coming under fire while in Iraq was false”
(washingtonpost.com, Paul Farhi, englisch)
TV-Journalist Brian Williams gibt zu, nicht in einem unter Beschuss geratenen Helikopter gesessen zu haben. ” I want to apologize. I said I was traveling in an aircraft that was hit by [rocket-propelled grenade] fire. I was instead in a following aircraft.”

5. “Verschwörungstheorien: Zweifeln ist ja so geil”
(spiegel.de, Sascha Lobo)
Sascha Lobo beschäftigt sich mit der Pseudoskepsis, dem “düsteren, dümmlichen Zwilling der Skepsis”. “Nebenbei stellt sich eine merkwürdige Parallele ein zwischen denen, die hysterisch ‘Lügenpresse’ schreien, und denjenigen Medienleuten, die sich beim besten Willen nicht erklären können, worin dieser Schrei gründen könnte. Das Hinterfragen des eigenen Standpunkts erscheint nicht unbedingt als allergrößte Stärke des deutschen Journalismus. Eigentlich ja von niemandem.”

6. “Das schlimmste Geschiss seit dem Eijafjallanochwas”
(faz.net, Andrea Diener)

Sigmar Gabriel, James Robertson, Fox News

1. “Das deutsche Europa im Spiegel”
(merkur-blog.de, Danilo Scholz)
Danilo Scholz liest den “Spiegel” – auf Englisch. “Klar, es gibt eine Leserschaft und die ist deutsch. Aber ich finde es hochgradig verstörend, mit welcher Selbstverständlichkeit mancher Leitartikel über die Dummheit der Argumente und die Provinzialität der geistigen Welt der Pegida-Demonstranten herzog, obwohl Journalisten sich doch selbst oft genug mit teutonischen Verengungen zufriedengeben. Mehr Welt reinlassen: Diese Forderung sollte immer reflexiv sein, sie richtet sich an das eigene Ich.”

2. “‘Es gibt ein Recht darauf, deutschnational zu sein'”
(stern.de)
Vizekanzler Sigmar Gabriel wirft Berliner Politikern und Journalisten vor, “sie hätten ‘manchmal ein leicht gestörtes Verhältnis zur Realität in Deutschland’. Die Welt, in der sie sich bewegten, sei ‘nicht die Welt, die die meisten Menschen erleben’.”

3. “Blogger-Relations: Gebt euch Mühe, verdammt!”
(basicthinking.de, Tobias Gillen)
Tobias Gillen erlebt immer wieder, als “verlängerter Arm der Marketingabteilung” wahrgenommen zu werden. “Fakt ist: Von 1.000 E-Mails, die wir in diese Richtung mit Themen erhalten, landen fünf im Ordner ‘Schauen wir uns mal an’ – und ein Thema schafft es dann vielleicht tatsächlich mal kritisch beleuchtet auf die Seite.”

4. “Hallo Frau Freitag”
(watson.ch, Kafi Freitag)
Kafi Freitag gibt Auskunft auf die Frage, wie man als Blogger ein Einkommen erzielt und schreibt über deren Beziehung zu den Journalisten: “Blogger sind unbeliebt, weil sie den etablierten Journalisten Konkurrenz machen. Blogger sind unbeliebt, weil sie keinen doofen Chef vor sich haben und tun und lassen können, was sie wollen und dadurch viel mutiger acten, als um ihre Stelle zitternde Journis.”

5. “Fox News site embeds unedited Isis video showing brutal murder of Jordanian pilot”
(theguardian.com, Nicky Woolf, englisch)
Als einzige US-Medienorganisation veröffentlicht die Website von “Fox News” ein ISIS-Video, das den jordanischen Pilot Muadh al-Kasasbeh zeigt, wie er, in einem Käfig eingesperrt, angezündet und verbrannt wird.

6. “Heart and sole: Detroiter walks 21 miles in work commute”
(freep.com, Bill Laitner, englisch)
Der 56-jährige James Robertson bewältigt jeden Tag einen Arbeitsweg von zwei Mal 37 Kilometern – und muss dafür 34 Kilometer zu Fuss gehen. Siehe dazu auch “Help James Robertson Get a Car” (gofundme.com, englisch).

Totalablehner, Emma, Olaf Latzel

1. “Im Netz der Wutbürger und Verschwörungstheoretiker”
(faz.net, Markus Linden)
Markus Linden analysiert die sich im Internet formierende “weitgehend anonyme, über alternative Medien informierte Bewegung der Totalablehner”.

2. “Gegenlesen? Nicht mit uns”
(kontextwochenzeitung.de, Susanne Stiefel)
Viele junge Journalisten wissen nicht mehr, dass die Autorisierung von Interviews ein journalistisches Entgegenkommen und kein Muss sei, bemerkt Susanne Stiefel. “Alle reden derzeit von Pressefreiheit, die es gegen islamistische Amokläufer zu verteidigen gilt. Keine Widerrede. Dringend notwendig wäre es jedoch auch, diese tapfer verteidigte Freiheit den vielen Pressestellen von Unternehmen, Politikern und Universitäten ins Gedächtnis zu rufen, deren Job es ist, ihre Auftraggeber in den schönsten Farben schillern zu lassen oder zu verkaufen.”

3. “Ach Bild :( Die bösen Griechen-Milliardäre zahlen keine Steuern für ihre Schiffe?”
(diewunderbareweltderwirtschaft.de, Dieter Meyeer)
Dieter Meyeer schreibt über den Bild.de-Artikel “Warum zahlen superreiche Griechen keine Steuern?” und fragt, warum darin nicht im Ansatz belegt werde, “dass die namentlich genannten und an den Pranger gestellten Milliardäre wirklich keine Steuern zahlen. Kennt die Bild deren Steuererklärung?”

4. “Chefredaktoren auf dem Schleudersitz”
(nzz.ch, Thomas Maissen)
Es war zu lesen, Markus Spillmann habe als erster Chefredaktor in der Geschichte der NZZ zurücktreten müssen. Das ist nicht so, wie Historiker Thomas Maissen mit einem Blick zurück auf das 19. Jahrhundert klar macht.

5. “Kein Hassprediger, ein Don Quijote”
(boess.welt.de)
Gideon Böss hört eine Predigt des evangelischen Pastors Olaf Latzel, der in den Medien als “Hassprediger” bezeichnet wird. Und urteilt: “Es bleibt ein Geheimnis, wo der Pastor Hass gegen andere schürt. Diese Predigt ist vielmehr der Versuch eines frommen Christen, die Werte seiner Religion gegen die Moderne zu verteidigen, deren ‘alle Meinungen sind gleich viel wert’-Toleranz für ihn Neuheidentum ist und dem er eine kompromisslose ‘Jesus, sonst nichts’-Parole entgegenhält. (…) Das Christentum ist eben in Gottesfragen nicht tolerant und Jesus hat nicht gepredigt, ‘soll doch jeder glauben, was er will’. Latzel macht nichts weiter, als daran zu erinnern.”

6. “Meine Mudda gehört zu Deutschland”
(taz.de, Deniz Yücel)
Deniz Yücel antwortet auf eine E-Mail der Zeitschrift “Emma”, die in Erfahrung bringen will, welche Rolle “MuslimInnen in Deutschland” jetzt spielen sollen “bei dem Schulterschluss von DemokratInnen aller Provenienzen gegen den Islamismus in Deutschland und die Terrorismusgefahr”.

Kuratieren, Nutzerdaten, Wolfgang Blau

1. “Wie das ‘Kuratieren’ den Journalismus verändert”
(wolfgangmichal.de)
Unter dem Deckmantel des Kuratierens finde in den Medien “eine Re-Feudalisierung hierarchischer Strukturen statt”, schreibt Wolfgang Michal: “Begünstigt wird der Entmachtungs-Prozess der Redaktionen noch durch die phlegmatische Haltung der Redaktionen selbst, die ihre ureigensten Aufgaben nicht mehr erfüllen und die aktive Autorenpflege bzw. das Auswählen und Ausprobieren neuer Autoren vernachlässigen. Zug um Zug lassen sich die Redaktionen Entscheidungs-Kompetenzen abnehmen, bis ihnen am Ende der Status einer besseren (Text-)Putzkraft bleibt oder sie – im besten Falle – in festangestellte Autorenpools umgewandelt werden.”

2. “Erst checken, dann posten – Hoax und Hetze im Netz”
(blogs.stern.de/tugendlustig, Sonja Vukovic)
Sonja Vukovic gibt “ein paar Infos, Tipps und Links, wie man Falschmeldungen und Propaganda entlarven und seinen Teil dazu beitragen kann, dass Hass und Lüge nicht weiter verbreitet werden.”

3. “Branded Content – angebrannter Inhalt”
(persoenlich.com, René Zeyer)
René Zeyer schreibt über die Unabhängigkeit der Medien von der Werbung: “Wer wie ich das eine oder andere kritische Wort über Finanzdienstleister wagt, erlebt häufig, welcher Gehirnschmalz darauf verwendet wird, eine Begründung zu erfinden, wieso dieser zwar gut geschriebene und überzeugend recherchierte Artikel nun leider doch nicht zur Veröffentlichung geeignet ist. Ich könnte da Namen und Beispiele nennen, aber ich will mir ja nicht meine letzten Plattformen selber abfackeln.”

4. “‘Guardian’-Digitalchef: ‘Können ohne Paywall höhere Erlöse erzielen'”
(derstandard.at, Oliver Mark)
Ein Interview mit Wolfgang Blau, Digitalchef beim “Guardian”: “Für viele Verleger gibt es in der digitalen Welt einfach nichts zu gewinnen, und wir sollten ihnen nicht so rasch Verschlafenheit vorwerfen. Ihre Strategie, das alte Printgeschäft so lange zu beschützen wie möglich und ihre digitalen Aktivitäten nur als markenpflegende Begleitmusik für Print zu betreiben, ist plausibel und legitim. Verlage sind keine Stiftungen, und die meisten Tageszeitungen haben nun einmal keine plausible digitale Zukunft, sondern nur eine mittelfristige Zukunft als Printmedien, und danach ist es leider vorbei.”

5. “Reduziert auf Brüste”
(sueddeutsche.de, Kathleen Hildebrand)
Kristina Lunz, Initiatorin der Kampagne “Schluss mit dem Bild-Sexismus”, die “Respekt und Wertschätzung in der Berichterstattung von BILD und BILD.de sowie die Abschaffung des BILD-Girls” fordert, findet halbnackte Männer auf der Seite 3 von Boulevardzeitungen keine gute Lösung: “Die Abwertung von Männern wäre dafür der komplett falsche Weg. Wir brauchen stattdessen eine Aufwertung von Frauen in Deutschlands einflussreichsten Medien.”

6. “Wer lässt die meisten Daten sammeln? Eine Top 22 der vertracktesten Websites”
(dasfilter.com, Ji-Hun Kim)
Für wie externe Services und Drittanbieter werden Nutzerdaten gesammelt? 22 subjektiv ausgewählte Websites im Vergleich.

Tex Rubinowitz, Titanic, Lizenzen

1. “Tex Rubinowitz, der Guttenberg des Feuilletons”
(umblaetterer.de, Paco)
Für den Artikel “Der Mozart unter den Texten” im “Süddeutsche Zeitung Magazin” bedient sich Tex Rubinowitz bei den 470 vom “Umblätterer” gesammelten “Vossianischen Antonomasien” – ohne diese zu erwähnen: “Rubinowitz gibt den lustigen Zitatearrangierer, sein Artikel besteht aber im Kern aus von uns über 5,5 Jahre kuratiertem Material. Unsere Sammlung macht quasi den halben Text aus.”

2. “Der Versuch, ein Bild zu lizenzieren”
(schmalenstroer.net)
Als Laie, “der nicht regelmäßig Bilder lizenziert”, versucht Michael Schmalenstroer, ein Foto zu lizenzieren – und scheitert: “Wenn man es aber so schwer macht, ist es aber kein Wunder, wenn die Leute Bilder einfach ohne Lizenz benutzen.”

3. “Satiremagazin Titanic veröffentlicht neue Mohammed-Karikatur”
(faz.net, Hans Riebsamen)
Hans Riebsamen berichtet über die neue Ausgabe der “Titanic”: “An die ‘sehr geehrten Islamisten’ richtet die ‘Titanic’ die inständige Bitte: ‘Schießt nicht auf uns!’. Nicht nur, weil sie alle in der Redaktion gerne noch eine Weile leben möchten. Noch wichtiger sei aber, dass, wer immer von ihnen überlebe, auf keinen Fall an der Seite von Angela Merkel einen Trauermarsch anführen und von einem tränenüberströmten Bundespräsidenten Gauck abgeknutscht werden wolle. ‘Diese Vorstellung’, so ihr Appell an die Terroristen, ‘müsste doch sogar für eure Verhältnisse zu brutal sein.'” Siehe dazu auch “Das Humor-Kalifat verteilt weiter seine Fatwas” (deutschlandfunk.de, Arno Orzessek).

4. “Von der Huffington Post, unterbezahlten Praktikanten, Glashäusern und Steinen”
(sara-weber.com)
Sebastian Matthes, Chefredakteur der “Huffington Post Deutschland”, empfiehlt per Tweet einen Text seines Mediums über schlecht bezahlte Praktikanten. Sara Weber erkundingt sich in der Folge, was Praktikanten bei der “Huffington Post Deutschland” verdienen.

5. “How to Leak to The Intercept”
(firstlook.org/theintercept, Micah Lee, englisch)
“The Intercept” zeigt auf, wie sich Whistleblower am Besten mit Leaks melden sollten: “Don’t contact us from work. Don’t email us, call us, or contact us on social media. Don’t tell anyone that you’re a source.”

6. “Man rechne!”
(medienspiegel.ch, Martin Hitz)

Wirtschaftsprognosen, Sauna, Pegida

1. “BILD-Zeitung stellt Aussage von Omid Nouripour falsch dar”
(radioeins.de, Lorenz Maroldt, Audio, 4:22 Minuten)
Der Chefredakteur des “Tagesspiegel”, Lorenz Maroldt, kommentiert die “Bild”-Story “Politiker fordern: Christen sollen im Weihnachts-Gottesdienst muslimische Lieder singen” (BILDblog berichtete).

2. “Vom Nutzen des Nichtwissens”
(fuw.ch, Mark Dittli)
Mark Dittli befasst sich rückblickend auf 2014 mit der Zwecklosigkeit von Wirtschaftsprognosen: “Keine Bank hat die Halbierung des Ölpreises vorhergesehen. Im Frühjahr war es unter Ökonomen weitgehend Konsens, dass sich die Wirtschaft in Europa erholen wird. Das Gegenteil geschah. Zu Beginn des Jahres lautete die allgemein akzeptierte Meinung, dass die Zinsen amerikanischer Staatsanleihen steigen, weil die US-Notenbank ihre Geldpolitik drosselt. Doch die Zinsen sanken.”

3. “Alter Wein in neuer E-Reading-Studie: LCD-Lesen hält wach”
(lesen.net, Johannes Haupt)
Eine Studie der Harvard Medical School unter 12 Probanden – und die Berichte darüber in den Medien.

4. “Journalistin recherchiert in ‘Schwulensauna’ und ruft dann die Polizei”
(tagesspiegel.de, Mohamed Amjahid)
Für ihre Doku-Serie “Schwule und Aids in Ägypten” filmt Mona Iraqi eine Polizeirazzia in einer Sauna in Kairo mit dem Handy: “In ihrer Sendung gibt sie zu, dass sie die Polizei verständigt habe: ‘Diese Praktiken sind gefährlich für unsere Gesellschaft und ich habe die Aufgabe, Ägypten vor der Ausbreitung von Aids zu schützen’, erklärt sich Iraqi in ihrer Sendung.”

5. “An Epidemic of False Video Footage Swamped Big News Stories in 2014”
(pbs.org, Madeleine Bair, englisch)
Madeleine Bair befasst sich mit gefälschten Videos: “We will never be able to stop pranksters, activists, propagandists, or ‘filmmakers’ from misleading the public with fake or falsely contextualized images. Our only defense is better tools and practices — by filmers, uploaders, viewers, and tech companies — to verify that what we see is real.”

6. “Irritation durch Irritierte”
(deutschlandfunk.de, Stephan Detjen)
Stephan Detjen schreibt, man müsse die öffentlichen Zusammenkünfte des Bündnisses Pegida “als Irritation durch Irritierte” verstehen: “Die angemessene Reaktion darauf dürfte nicht allein in Verurteilung und Ausgrenzung bestehen. Vielmehr wäre es ebenso nötig, zu prüfen, wo in der Medienöffentlichkeit jene blinden Flecken liegen, in deren Wahrnehmungsschatten gefährliche Gegenöffentlichkeiten entstehen.” Siehe dazu auch “Pegida und Meinungsfreiheit: Dummheit ist keine Schande” (faz.net, Friederike Haupt).

Wissenschaft, Misstrauen, WhatsApp

1. “Übertreibungen in universitären Pressemitteilungen”
(nzz.ch, Alan Niederer, 18. Dezember)
Nicht Journalisten sind hauptverantwortlich für zugespitzte, verzerrte oder übertriebene Nachrichten aus der Wissenschaft – sondern die Kommunikationsabteilungen der Hochschulen, so ein Text in The BMJ: “Die Forscher haben drei Kategorien von Verzerrungen untersucht: Übertreibungen bei Gesundheitsratschlägen; Übertreibungen bei sogenannten Korrelationsstudien, aus denen in unzulässiger Weise eine Ursache-Wirkungs-Beziehung herausgelesen wird; Übertreibungen bei Tierstudien, aus denen ohne Relativierung auf den Menschen geschlossen wird.”

2. “Stefan Plöchinger: Erfolg ist eine gute Geschichte”
(irights.info, Nina Galla)
Ein Interview mit Stefan Plöchinger, Chefredakteur von Sueddeutsche.de: “Im Journalismus soll es in erster Linie darum gehen, das Weltgeschehen zu dekodieren und erzählenswerte Geschichten aufzutun – nicht in erster Linie um Reichweite oder darum, seine Arbeit als Content zum Verteilen zu sehen. Erfolg ist im Journalismus: eine gute Geschichte. Reichweite kommt dann automatisch.”

3. “WhatsApp – der neue Kanal für Journalisten?”
(daniel-bouhs.de)
Konrad Weber gibt Auskunft über Erfahrungen, die SRF mit Nutzerinteraktionen via WhatsApp gemacht hat: “WhatsApp ist in Deutschland aktuell die meistinstallierte App. (…) Diese riesige Verbreitung stellte uns vor die Frage, wie wir dieses Potential auch journalistisch nutzen könnten.”

4. “Fast jeder Zweite misstraut den Medien”
(zeit.de)
Eine Umfrage unter 1043 Personen ergibt, dass lediglich 40 Prozent von ihnen den Eindruck haben, die Medien in Deutschland würden “im Allgemeinen objektiv und unabhängig” berichten. “Am stärksten ist das Misstrauen in die Medien im Osten. Dort halten sie laut der Umfrage 55 Prozent für einseitig und gelenkt und nur 34 Prozent für objektiv und unabhängig.”

5. “‘Pegida hat den Nerv der Bevölkerung getroffen'”
(deutschlandfunk.de, Mario Dobovisek)
In einem Gespräch über das Bündnis Pegida thematisiert Mario Dobovisek einen von ihm verspürten “Hass gegen die etablierten Medien”. Werner Patzelt, Politikwissenschaftler an der TU Dresden, antwortet: “Es gibt keine Gesprächsbereitschaft zwischen den Demonstranten und den Medien, weil viele genug davon haben, in den Fernsehausschnitten oder in den Dokumentationen im Internet einfach als töricht, dumm und sozusagen im Tal der Ahnungslosen, weiterhin von relevanten Informationen abgeschnitten, dargestellt zu werden.”

6. “Sämtliche PEGIDA-Anhänger in Wahrheit RTL-Reporter”
(der-postillon.com)

RTL, NDB, Lügenpresse

1. “Die verlorene Ehre der Massenmedien”
(tageswoche.ch, Matthias Oppliger und Thom Nagy)
Medienhäuser und ihre Journalisten rücken aus Sicht des Publikums “in gefährliche Nähe zu den manipulativen Eliten”, schreiben Matthias Oppliger und Thom Nagy in einem langen Text zur Vertrauenskrise der Medien: “Sie werden von einem wachsenden Teil der Öffentlichkeit als bewusst handelnde, aktive und ähnlich interessengesteuerte Täter wie etwa Politiker wahrgenommen.”

2. “Pegida und die ‘Lügenpresse’ – ein Begriff und seine Geschichte”
(buggisch.wordpress.com)
Christian Buggisch geht dem Begriff der “Lügenpresse” nach: “In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde mit ‘Lügenpresse’ insbesondere die ausländische, als marxistisch und jüdisch geltende Presse diffamiert. Mit dem Kampfbegriff wurden die Publikationen der linken und ausländischen Zeitungen pauschal als ‘undeutsch’ und ‘vaterlandslos’ verurteilt.”

3. “RTL inkognito bei Pegida: So gefährdet man Glaubwürdigkeit”
(daserste.ndr.de/panorama, Volker Steinhoff)
Ein RTL-Reporter, der früher im Dienste des NDR stand, gibt dem NDR-Magazin “Panorama” an einer Pegida-Demonstration als Bürger Auskunft. “Seine Aussagen geben weder seine Meinung noch die von RTL wieder”, vermeldet RTL zunächst, und entlässt ihn kurz darauf. Siehe dazu auch “Hallo RTL, bitte unbedingt schneiden!” (taz.de, Deniz Yücel).

4. “Wenn Medien in den Krieg ziehen”
(infosperber.ch, Roman Berger)
Im Westen müsse man wissen, dass sich in Russland “Widerstand gegen die vom Kreml gesteuerte Kriegspropaganda” rege, schreibt Roman Berger. “Auch ist die Vorstellung falsch, in Russland herrsche nur eine vom Regime trockengelegte Medienwüste. Den immer noch existierenden Oasen von Glasnost am besten geholfen wäre, wenn die westlichen Medien selber auf eine neue Kalte-Kriegs-Rhetorik verzichten und damit zu einer Deeskalation beitragen würden.”

5. “Presserat weist Beschwerde gegen WOZ ab”
(tagesanzeiger.ch)
Der Schweizer Geheimdienst NDB beschwert sich beim Schweizer Presserat, weil die “WOZ” ihren Chef, Markus Seiler, ausspioniert hatte und “ihm unter anderem mit einem Auto auf seinem Weg zur Arbeit gefolgt” war. Die Beschwerde wird abgewiesen, siehe dazu die “Stellungnahme des Presserats vom 10. Dezember 2014”.

6. “2014: Das Jahr in 12 Anfragen”
(blog.fragdenstaat.de)

Hedi Wyler, Krippenspiel, Pegida

1. “‘Das Volk hat gesagt nein zu Einwanderung und Pasta'”
(woz.ch, Carlos Hanimann)
Eine Leserin bittet darum, herauszufinden, wer hinter dem Pseudonym “Hedi Wyler” steckt, denn unter diesem Namen werden auf Schweizer Online-Portalen viele Leserkommentare veröffentlicht – “Kommentare voller Wut, manchmal (unfreiwillig?) zum Schreien komisch”. Es stellt sich heraus: “Hedi Wyler ist ein Mann Mitte vierzig. Historiker und Lehrer in leitender Funktion. Familienvater.”

2. “Krone macht traumatisierte Mutter zur ‘tobenden Türkin'”
(kobuk.at, Sara Hassan)
Ein Krippenspiel an einer Schule in Wien sei, so stellt es die “Kronen Zeitung” dar, “von einer tobsüchtigen Türkin” überschattet worden. Saran Hassan schreibt: “Die Frau ‘platzte’ nicht in die Vorbereitungen des besinnlichen Krippenspiel: Sie war schlichtweg eingeladen – wie alle anderen Eltern und Großeltern auch. Warum die Frau einen Nervenzusammenbruch hatte, erwähnt die ‘Krone’ mit keinem Wort.”

3. “‘Wort im Mund umdrehen'”
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Joachim Huber befragt Kommunikationswissenschaftler Wolfgang Donsbach zum Bündnis Pegida: “Wir haben inzwischen neben der Politikverdrossenheit auch eine Medienverdrossenheit. Deren Ursachen sind vielfältig, aber eine besteht sicherlich darin, dass es den Medien oft nicht gelingt und es auch nicht beabsichtigt ist, über die Themen zu berichten, die den Normalbürger interessieren. Der Normalbürger ist oft nicht so, wie ihn sich eine intellektuelle Elite wünscht. Ihn, seine Sorgen und Einstellungen dann aber aus der Berichterstattung auszugrenzen, ist auch kein Weg.”

4. “Kontaktversuch: ‘Lügenpresse’ trifft Pegida”
(daserste.ndr.de, Video, 6:59 Minuten)
“Panorama” besucht eine Pegida-Demonstration in Dresden: “Viele Teilnehmer eint die Ablehnung der etablierten Medien – mehrfach gab es auch von Seiten der Veranstalter die Aufforderung, nicht mit diesen zu sprechen, der Schlachtruf ‘Lügenpresse’ ist in Dresden immer wieder zu hören. Die Medien würden die Aussagen der Teilnehmer ohnehin nur manipulieren, verdrehen oder gar nicht erst senden.” Um dem Vorwurf entgegenzuwirken, “die Aussagen würden sinnentstellend geschnitten oder bösartig verkürzt”, werden die Interviews zusätzlich in voller Länge online gestellt (Teil 1 / Teil 2).

5. “‘Was Journalisten machen, können Bürger auch'”
(zeit.de, Annika von Taube)
Annika von Taube spricht mit Daniel Drepper über ein “Crowdfunding-Projekt zur Förderung von Recherchen, das auch Nichtjournalisten offen steht”: “Ich finde es erschreckend zu sehen, wie viel Skepsis, sogar Hass den Journalisten in den letzten Monaten gerade im Zusammenhang mit der Berichterstattung zur Ukraine oder Syrien entgegengeschlagen ist, und was für einen Anklang ein Buch bekommen kann, das zum Teil abstruse Theorien verbreitet und alles über einen Kamm schert. Ich glaube, es wird eine große Aufgabe für die Medien in den nächsten Jahren, dieser öffentlichen Kritik zu begegnen und sie auszuräumen.”

6. “Der Kriegsfreiwillige”
(campus.nzz.ch, Robin Schwarzenbach)
Ein Interview mit Kriegsreporter Kurt Pelda, dem kürzlich mitgeteilt wurde, “dass man von Freischaffenden aus Krisenregionen nichts mehr nehmen könne, auch aus Gründen der Sorgfaltspflicht”. Die NZZ habe er nicht zuletzt wegen fehlender Freiheiten verlassen: “Als man mir ganz am Ende meiner Zeit wegen Sicherheitsbedenken verboten hatte, nach Papua zu fahren, bin ich trotzdem gegangen. Der Artikel ist dann im ‘Economist’ erschienen. Das war eine schöne Genugtuung für mich.”

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